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E-Mail: huedaverdi.guengoer(at)correctiv.org

Fertige Collage Friedhof
Dieses Foto wird auf Facebook verbreitet – es ist nicht in Magdeburg entstanden. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Bei Facebook wird ein Foto von Menschen verbreitet, die auf einem Friedhof grillen. Ein Nutzer behauptet, die Szene sei in Magdeburg aufgenommen. Wir waren vor Ort: Die Ortsangabe ist falsch. Die genaue Herkunft des Fotos ist unklar.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 30. Juli einen Screenshot eines anderen Facebook-Beitrages. Auf dem Screenshot sind mehrere Personen zu sehen, die auf einem Friedhof grillen. Der Originalbeitrag ist nicht mehr verfügbar, aber die Person, die ihn ursprünglich veröffentlichte, markierte als Standort den Westfriedhof in Magdeburg und erweckte damit den Eindruck, dass das Foto dort entstanden sei. 

Der Nutzer, der den Screenshot verbreitet, schreibt unter anderem dazu: „Wo bleiben da die Medien um davon zu berichten?“ Der Beitrag wurde mehr als 10.600 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, ob das Foto tatsächlich auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden ist. Nach unserem Besuch vor Ort und einer Anfrage bei der Stadt Magdeburg können wir das ausschließen.

Das Foto wurde mehr als 10.600 Mal geteilt. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Das Foto ist nicht auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden

Der Westfriedhof in Magdeburg umfasst rund 62 Hektar, die in einzelne Abschnitte unterteilt sind. Während unserer Suche nach einer Stelle, an der das Bild entstanden sein könnte, haben wir uns an Anhaltspunkten wie den Grabsteinen orientiert. Trotzdem konnten wir keine entsprechende Stelle vor Ort finden. 

Deshalb haben wir das Foto vor Ort dem Magdeburger Friedhofsgärtner Ernst Martin Einecke vorgelegt. Auf Nachfrage, ob das Foto auf dem Westfriedhof entstanden sein könnte, sagt er: „Auf dem Westfriedhof glaube ich nicht, die engen Steine und die Einfassung, eigentlich gibt es das hier so in der Art auf dem Westfriedhof nicht.“ 

Der Westfriedhof in Magdeburg umfasst 62,5 Hektar. (Foto und Collage: Güngör / CORRECTIV)

Zusätzlich haben wir das Foto aus dem Facebook-Beitrag der Pressestelle der Stadt Magdeburg vorgelegt. Auf Nachfrage bestätigt der Pressesprecher Michael Reif die Aussagen des Friedhofsgärtners: „Hiermit teile ich Ihnen […] mit, dass das Foto NICHT den Westfriedhof der Landeshauptstadt Magdeburg zeigt und auch nicht dort aufgenommen wurde.“

Die vollständige E-Mail des Pressesprechers der Stadt Magdeburg. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Herkunft des Fotos ist nicht geklärt

Wir haben das Foto durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen. Die Suchergebnisse zeigen: Das Bild wurde in mehreren Ländern verbreitet. Außerdem findet man eine Version des Fotos, auf dem der Himmel und grüne Hügel im Hintergrund zu sehen sind. Demnach muss der Friedhof in einem eher ländlichen Gebiet liegen. 

Das vollständige Foto ist auf verschiedenen Webseiten im Netz zu finden.(Screenshot: CORRECTIV)

Auch der österreichische Faktencheck-Verein Mimikama hat zu dem Foto recherchiert, konnte die Herkunft aber nicht klären. Mimikama bezieht sich auf Artikel der serbischen Webseiten Telegraf und Hronograf, in denen gemutmaßt wird, dass das Foto in Serbien entstanden sein könnte, genauer gesagt in der Stadt Šabac. 

Dafür, dass der Friedhof in Šabac liegt, gibt es allerdings keine Belege. Der Stil der Gräber (schwarze Steine mit weißen Verzierungen links und rechts) ist zwar ähnlich wie auf einer Aufnahme von 2006, die in der Bilddatenbank Alamy zu finden ist. Ein Abgleich mit Satellitenaufnahmen von Google Maps zeigt jedoch, dass keiner der fünf Friedhöfe in der Stadt oder Umgebung in einem hügeligen ländlichen Gebiet liegt. Die grünen Hügel im Hintergrund des Fotos passen also eher nicht zu Šabac. 

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto ist nicht auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden. Wo es aufgenommen wurde, ist unklar.

Bildschirmfoto 2019-09-26 um 14.52.08
Diese Aussage hat die Oberbürger Bürgermeistern der Stadt Köln nicht gemacht. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert eine Text-Bild-Collage, derzufolge die Oberbürgermeisterin von Köln gesagt haben soll, dass es weniger Vergewaltigungen gäbe, wenn Frauen abends und nachts zu Hause bleiben würden. Henriette Reker hat so eine Aussage nie getroffen.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 7. September eine Text-Bild-Collage. Auf der Collage ist in weißer Schrift zu lesen: „Es gäbe nicht einmal halb so viele Vergewaltigungen, wenn Frauen aus Sicherheitsgründen in den Dämmerungs- und Nachtzeiten zu Hause bleiben würden.“ Neben diesen Zeilen ist ein Bild der parteilosen Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Henriette Reker, zu sehen. Die Collage wurde insgesamt bisher über 3.300 Mal geteilt. 

Die Text-Bild-Collage wurde über 3.300 Mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Reker hat diese Aussagen nicht getroffen und prüft nun rechtliche Schritte

Der Facebook-Nutzer schreibt in dem Beitrag zu der Collage: „Tolle Frau…solche Exemplare, tragen mit die Hauptschuld, dass es in Deutschland SO aussieht, wie es aussieht…“ Einige Nutzer zweifeln die Echtheit des Zitats in den Kommentaren an. 

Wir haben die Collage der Pressestelle der Stadt Köln vorgelegt und wollten wissen, ob Reker so eine Aussage tatsächlich getroffen hat. 

Der Pressesprecher der Stadt Köln, Alexander Vogel schreibt in seiner Mail an CORRECTIV:Oberbürgermeisterin Reker hat diese Aussage natürlich nie, auch nicht nur annähernd so getroffen. Daher lassen wir derzeit rechtliche Schritte prüfen.“

Die vollständige Mail der Stadt Köln an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Angebliche Satire könnte dahinter stecken

Wir haben das Bild durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen, um mehr über die Herkunft des Bildes zu erfahren. In den Ergebnissen wird unter anderem ein Faktencheck des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama angezeigt. 

Laut Mimikama handelt es sich bei der Text-Bild-Collage um einen Screenshot aus einem größeren Bild. Auf dem größeren Bild ist unten rechts der Zusatz: „In Satira by Uwe Ostertag“ zu lesen. Auf dem Bild, welches wir überprüft haben, ist dieser Zusatz nicht zu finden, weil die entsprechende Stelle offenbar herausgeschnitten wurde. 

Uwe Ostertag kein Unbekannter: Wir haben bereits mehrere Bilder überprüft, die er mutmaßlich angefertigt hat. Darunter ein frei erfundener Elternbrief und mehrere angebliche Zitate von Angela Merkel.

Während unserer Recherche zu dem angeblichen Satz von Henriette Reker haben wir das vermeintliche Zitat auch durch die Google-Newspaper-Suche und die normale Google-Suche laufen lassen. In beiden Fällen konnten wir keine Belege für das angebliche Zitat finden. 

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Unsere Bewertung:
Es gibt keine Quellen oder Belege dafür, dass Reker diese Aussage so getroffen hat. Die Stadt Köln prüft rechtliche Schritte.

Bildschirmfoto 2019-08-19 um 11.35.32
Auf Facebook wird behauptet, die Grünen seien an der Finanzierung eines griechischen Kohlekraftwerks beteiligt. Tatsächlich wird das Vorhaben von einem deutschen Unternehmen, einer deutschen Bank und mit einer Bürgschaft des deutschen Staates realisiert. Die Grünen haben damit nichts zu tun.

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook wird behauptet, die Grünen seien an der Finanzierung eines griechischen Kohlekraftwerks beteiligt. Tatsächlich wird das Vorhaben von einem deutschen Unternehmen, einer deutschen Bank und mit einer Bürgschaft des deutschen Staates realisiert. Die Grünen haben damit nichts zu tun.

Die Facebook-Seite „AfD-Freunde Tübingen“ veröffentlichte am 3. August eine Text-Bild-Collage. Darauf ist in weißer Schrift zu lesen: „Wollt ihr uns verarschen!? Griechenland bekommt 730 Millionen Euro zur Restauration von Kohlekraftwerk. Wir zahlen CO2-Steuer, müssen Kohlekraftwerke abschalten und verlieren unsere Arbeitsplätze!“ 

Unter dem Text ist ein Foto des Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Grünen, Anton Hofreiter, zu sehen, mit dem Logo der Grünen im Hintergrund. Neben ihm wurde das Bild eines Kraftwerks eingefügt. So wird der Eindruck erweckt, dass die Grünen oder Hofreiter am Finanzierungsvorhaben für ein Kohlekraftwerk in Griechenland beteiligt gewesen wären. Der Facebook-Beitrag wurde mehr als 18.000 Mal geteilt. 

Der Facebook-Beitrag wurde mehr als 18.000 Mal geteilt (Screenshot: CORRECTIV)

Finanzierung für den Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Griechenland

Die Facebook-Seite schreibt zu dem Bild: „DEUTSCHE KFW BANK FINANZIERT GRIECHISCHES KOHLEKRAFTWERK“. Konkret habe die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für den Bau eines Kohlekraftwerkes in Griechenland Kredite in Höhe von 730 Millionen Euro gegeben. Hier weicht der Beschreibungstext von der Aussage auf dem Bild selbst ab; dort ist von einer „Restaurierung“ eines Kraftwerks die Rede. Ob und inwiefern die Grünen beteiligt sind oder waren, wird nicht erwähnt. Aber unter dem Text wurde der Hashtag „#GrünenWahnsinnSTOPPEN“ eingefügt. 

Außerdem verweist die Facebook-Seite auf zwei weitere Webseiten. Der erste verlinkte Artikel führt auf die Webseite von Christian Loose, einem AfD-Landtagsabgeordneten in Nordrhein-Westfalen. Der Beitrag auf seiner Seite ist nahezu identisch mit dem auf der Facebook-Seite, auch dort heißt es, die KfW finanziere den Bau eines Kohlekraftwerks. Nur die Text-Bild-Collage fehlt. Außerdem werden die Grünen nicht erwähnt. 

Der zweite Link, auf den sich auch Loose in seinem Artikel als Quelle bezieht, führt zu einem am 28. Mai 2019 veröffentlichten Bericht von German Trade & Invest (GTAI). GTAI ist eine GmbH, welche laut ihrer Internetseite vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert wird. Nach eigenen Angaben ist sie zuständig für „Außenwirtschaft und Standortmarketing“ und hat das Ziel, „deutsche und ausländische Unternehmen beim Auslandsgeschäft oder der Ansiedlung in Deutschland“ zu unterstützen.

Wie viel Geld stellte die KfW-Bank zur Verfügung?

In dem Artikel von GTAI wird erwähnt, dass die KfW-Bank den Bau eines neuen Kohlekraftwerks namens „Ptolemaida 5“ in Griechenland finanziere. Eine Restaurierung oder die Grünen werden nicht erwähnt. Lediglich, dass sich deutsche Unternehmen an der Modernisierung weiterer Kraftwerke beteiligten. Der Bau von Ptolemaida 5 werde demnach von auch von der Firma Hitachi Power Europe GmbH mit Sitz in Duisburg umgesetzt.

Auszug aus dem GTAI-Artikel. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben bei der KfW-Bank nachgefragt. In einer Mail an CORRECTIV bestätigt die Bank die Finanzierung des Kraftwerks durch die Tochtergesellschaft KfW IPEX-Bank: „Die Finanzierung wurde bereits im September 2013 abgeschlossen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf insgesamt 1,4 Mrd. EUR, davon wurden 739 Mio. EUR durch ein Konsortium internationaler Banken finanziert. Der Anteil der KfW IPEX-Bank liegt bei 397 Mio. EUR.“

Die Information, die auch im Artikel der GTAI steht, die KfW habe einen Kredit von 730 Millionen Euro gegeben, stimmt also nicht.

Die vollständige Antwort der KfW-Bank per Email. (Screenshot: CORRECTIV)

In einer weiteren Mail an CORRECTIV bestätigt die KfW-Bank: „Kreditnehmer war die überwiegend staatliche (51 Prozent) Public Power Corporation (PPC), Griechenlands wichtigster Energieversorger. Mit den Mitteln aus dem Kredit wurden u.a. Lieferungen der deutschen Hitachi Power Europe GmbH (seit 2014: Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe GmbH) aus Duisburg finanziert.“ 

Die Grünen haben mit der Finanzierung des Kohlekraftwerkes nichts zu tun

Die KfW-Bank ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Deshalb sitzen auch Politiker der Bundesregierungen im Verwaltungs- und Aufsichtsrat, die auch über „einzelne Finanzierungsprojekte“ entscheiden. Wie die KfW-Bank per Email erklärte, besteht der Aufsichtsrat aus insgesamt neun Mitgliedern: zwei Vertreter des Bundes – davon einer vom Bundesfinanzministerium und einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – zwei Vertreter der Industrie, zwei Vertreter der KfW und drei Vertreter der Arbeitnehmer der KfW IPEX-Bank. Alle aktuellen Mitglieder des Aufsichtsrats sind auf der Webseite der Bank zu finden. 

Wir haben anhand des KfW-Jahresberichtes (Seite 82) von 2014 überprüft, ob im Jahr der Entscheidung für die Finanzierung ein Vertreter der Grünen im Aufsichts- oder Verwaltungsrat saß. Zu diesem Zeitpunkt waren die Grünen nicht in der KfW-Bank vertreten. 

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Weil die Grünen zuletzt 2005 an der Bundesregierung beteiligt waren, kann man ausschließen, dass sie an der Genehmigung der Finanzierung beteiligt waren. Dass die Grünen keinen Einfluss auf das Geschäft hatten, bestätigte uns die KfW-Bank ebenfalls in einer Mail. Auch Anton Hofreiter habe keine Rolle gespielt: „Anton Hofreiter war an der Finanzierung des Braunkohlekraftwerks Ptolemaida V nicht beteiligt.“

Bürgt der deutsche Staat für die Finanzierung?

Dass ein Duisburger Konzern – gemeint ist Hitachi Power Europe – eine Euler-Hermes-Bürgschaft für den Bau des Kraftwerks erhalten habe, steht auch im Artikel der GTAI. Die KfW-Bank bestätigt, dass es für das Bauvorhaben eine Euler-Hermes-Bürgschaft gibt. Das bedeutet, dass die deutschen Unternehmen (Exporteure) sich durch eine staatliche Exportkreditversicherung absichern. Diese tritt ein, wenn die ausländischen Käufer oder Auftraggeber ihrer Zahlung nicht nachkommen. Dann bürgt der deutsche Staat. Wie KfW-Bank in ihrer Email schrieb, gilt die Euler-Hermes-Bürgschaft für 95 Prozent der Konsortialfinanzierung.

Diese Grafik, die die KfW CORRECTIV per Email schickte, erklärt das Prinzip einer Euler-Hermes-Bürgschaft. (Screenshot: CORRECTIV)

Grüne kritisieren Kredit-Vergabe der KfW

Wir wollten die Text-Bild-Collage zusätzlich Anton Hofreiter per Email vorgelegen. Uns antwortete daraufhin der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. Auch er stellte klar: „Als Grüne hatten wir keinen Einfluss auf diesen Kredit der KfW Bank, Herr Hofreiter auch nicht. Die KfW ist eine bundeseigene Bank und zum Zeitpunkt der Kreditvergabe vor 6 oder 7 Jahren saßen die Grünen nicht in der Bundesregierung. Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass die KfW keine Kredite mehr für Kohle- oder Atomprojekte vergibt, deswegen ist der dargestellte Zusammenhang auf dem sharepic auch eine Frechheit. Als Opposition im Bundestag hatten wir keine Möglichkeit diese aus unserer Sicht schlechte Kreditvergabe zu stoppen (…).“ 

Das vollständige Statement von Oliver Krischer, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die KfW finanzierte den Bau eines Kohlekraftwerks in Griechenland nach eigenen Angaben mit 397 Millionen Euro, nicht 730 Millionen. Weder die Grünen noch Anton Hofreiter hatten Einfluss auf diese Entscheidung.

Bildschirmfoto 2019-08-26 um 11.28.12
Das Foto zeigt den Dienstwagen (links) und das Wahlkampfauto der ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidentin aus Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann (Grüne). (Twitter-Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Ein Foto soll zeigen, wie die ehemalige Ministerin der Grünen aus NRW, Sylvia Löhrmann, von ihrem Audi-A8-Dienstwagen in ein Hybrid-Auto umsteigt. Die Aufnahme ist echt. Löhrmann wollte mit dem Autowechsel Diensttätigkeiten und Wahlkampfauftritte trennen.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 21. Juli eine Text-Bild-Collage. Auf dem Foto sind zwei geparkte Autos zu sehen, ein schwarzer Audi A8 und ein helles Auto mit Wahlkampfwerbung der Grünen. Darüber steht: „Sich im dicken Audi A8 nach Düsseldorf fahren lassen und dann schnell – in der Hoffnung, dass es keiner merkt – ins umweltfreundliche Hybrid-Auto umsteigen. Hoch lebe die grüne Doppelmoral!…“. 

Darunter ist ein Bild der ehemaligen Ministerin aus Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann (Grüne), zu sehen. Daneben der Kommentar: „Verlogenes Pack!“. Der Facebook-Nutzer wirft Löhrmann in dem Beitrag dazu vor, sie wolle nur „Kohle abgreifen“. Das Bild wurde bisher über 6.500 Mal geteilt. Wir haben das Foto und den Kontext überprüft. 

Der Facebook-Beitrag wurde bisher über 6.500 Mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt von 2017 

Wir haben das Bild durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und wurden fündig. Das Foto sorgte bereits 2017, vor den Landtagswahlen in NRW, für Diskussionen. Unter anderem berichteten Spiegel Online, Vice und der Stern darüber. Demnach verbreitete es zuerst der CDU-Politiker Thomas Eusterfeldhaus auf Facebook und Twitter.

Eusterfeldhaus veröffentlichte das Foto bereits am 10. April 2017 auf seinem Twitter-Kanal, allerdings ohne ein Bild von Sylvia Löhrmann. Auch der Text unterschied sich von der aktuell auf Facebook kursierenden Version. Eusterfeldhaus schrieb: „Grüne Doppelmoral: erst mit dem dicken Audi A8 fahren und dann für den Wähler schnell umsteigen ins umweltfreundliche Hybrid-Auto.“ 

Thomas Eusterfeldhaus (CDU) veröffentlichte das Foto bereits am 10. April 2017. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Grünen bestätigen Echtheit des Fotos

Sylvia Löhrmann war von 2010 bis 2017 Ministerin für Schule und Weiterbildung und stellvertretende Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen. Bei den Landtagswahlen 2017 trat sie als Spitzenkandidatin für die Grünen an. Während des Wahlkampfes war sie deshalb gleichzeitig stellvertretende Ministerpräsidentin, Ministerin und Spitzenkandidatin. Das ist wichtig, um ihre Begründung für den Autowechsel zu verstehen.  

Löhrmann reagierte bereits 2017 auf Twitter zu den Vorwürfen der Doppelmoral: „Im Gegenteil! Saubere Trennung zwischen Ministerinnen-Dienstwagen und Wahlkampfauto. Wie sich das gehört“. 

Kommentar von Sylvia Löhrmann am 10. April 2017 auf Twitter. (Screenshot: CORRECTIV)

Oliver Koch, Pressesprecher der Grünen in NRW, bestätigte am 13. August 2019 in einer Email an CORRECTIV die Echtheit des Fotos. „Frau Löhrmann ist im April 2017 aus dem Dienstwagen als Ministerin (einem Audi) in ein GRÜN-gelabeltes Hybrid-Auto umgestiegen, das der Landesverband der GRÜNEN-NRW für den Landtagswahlkampf 2017 geleast hat […] In ihrer Funktion als Ministerin durfte Frau Löhrmann natürlich keinen Wahlkampf machen. Diese Trennung hat sie auch bei den Fahrzeugen eindeutig und bewusst nachvollzogen.“ So werde klar, dass sie ihren Wahlkampf nicht mit Steuergeldern finanziere. Bereits im Landtagswahlkampf 2012 habe Löhrmann die Nutzung von Dienst- und Wahlkampf-Fahrzeug getrennt.

Die vollständige E-Mail des Grünen-Pressesprechers Oliver Koch (Screenshot: CORRECTIV)

Ist die Begründung plausibel? 

Verboten wäre die Nutzung des Dienstwagens für Wahlkampfzwecke nicht gewesen. Laut der „Richtlinie über die Haltung und Benutzung von Dienstkraftfahrzeugen im Lande Nordrhein-Westfalen“ dürfen Ministerinnen und Minister Dienstfahrzeuge zur ständigen Benutzung bekommen. Wie Oliver Koch in seiner Email erklärt, dürfen sie diese prinzipiell auch für private Zwecke verwenden, wenn sie die entstehenden Kosten dem Land erstatten. Auch das Landespresseamt bestätigt in einer Mail an CORRECTIV, dass Löhrmann den Dienstwagen auch hätte privat nutzen dürfen. Dazu gehören auch Fahrten, die im Zusammenhang mit einer Partei stehen. 

Vollständige Mail des Landespresseamtes an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Oliver Koch, Pressesprecher der Grünen in NRW, schreibt auf Nachfrage in einer weiteren Mail an CORRECTIV: „Frau Löhrmann hat durch den Fahrzeugwechsel in ein mit grüner Folie und ihrem Konterfei versehenes Auto sehr deutlich gemacht, wer für die Fahrten zu Wahlkampfauftritten bezahlt – nämlich die Partei. So konnte gar nicht erst der Eindruck einer möglichen Vermischung der beiden Bereiche entstehen. Nicht alle Bürger*innen sind über die Kostenerstattungsregelungen der Landesregierung informiert.“ 

Ja, das Foto wurde in Düsseldorf aufgenommen

In dem Facebook-Beitrag steht, das Foto sei in Düsseldorf entstanden. Das haben wir anhand von Google Maps und Google Streetview überprüft. Tatsächlich zeigt das Foto eine Szene in unmittelbarer Nähe des Düsseldorfer Landtages. 

Der Autowechsel fand wenige Meter vor der Tiefgarage statt. (Screenshot von Google und Bearbeitung: CORRECTIV)
Oben: Der Landtag, von wo aus das Foto wahrscheinlich gemacht worden ist. Unten: Der Ort, wo die Fahrzeuge gewechselt worden sind. (Screenshot von Google und Collage: CORRECTIV)

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Der Dienstwagen von Sylvia Löhrmann

Die Text-Bild-Collage wird vermutlich aufgrund der angeblichen „Doppelmoral“, die zu sehen sein soll, besonders häufig geteilt. Warum nutzte Sylvia Löhrmann nicht auch im Dienst als Ministerin ein Hybrid-Auto? Der Pressesprecher der Grünen erklärt in der Mail an CORRECTIV: „Als Ministerin nutzte Frau Löhrmann den Audi vom Juni 2016 bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Amt. Zuvor nutzte sie einen Mercedes-Hybrid. Dieser verbrauchte allerdings auf längeren Strecken mehr Kraftstoff, als der anschließend genutzte Audi.“ 

Ob das Hybrid-Fahrzeug tatsächlich auf langen Strecken mehr verbrauchte als der Audi, konnten wir nicht überprüfen. 

Die Deutsche Umwelthilfe veröffentlicht jährlich unter dem Titel „Dienstwagen-Check“ ein Ranking, auf dem der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Ministerfahrzeuge pro Kilometer gelistet werden. In dem Ranking von 2016 taucht der Mercedes-Hybrid von Löhrmann auf. Demnach stoße dieser 142 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Damit lag der Dienstwagen Löhrmanns im Mittelfeld des Rankings. Löhrmanns Audi ist im Ranking von 2017 gelistet. Er stieß der Deutschen Umwelthilfe zufolge 159 Gramm CO2 pro Kilometer aus – 16 Gramm mehr als das Hybridfahrzeug aus dem Vorjahr. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die ehemalige Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) wechselte vor einem Wahlkampfauftritt von ihrem Dienstwagen in ein Hybrid-Auto. Sie wollte so nach eigenen Angaben ihre Diensttätigkeiten und Wahlkampfauftritte sauber trennen.

Bildschirmfoto 2019-07-29 um 14.32.00

von Hüdaverdi Güngör

Russia Today behauptet in einem Artikel, dass die Grünen einer Verordnung im Bundesrat zugestimmt hätten, die begünstige, dass auch Fracking-Gas aus den USA nach Deutschland importiert werden kann. Die Behauptung ist größtenteils wahr. Einige grüne Landesregierungen stimmten zu.

Der deutsche Ableger des russischen Auslands-TV-Senders Russia Today veröffentlichte am 26. Juni auf seiner Webseite einen Artikel mit dem Titel: „’Freiheit’ wichtiger als Klimaschutz: Die Grünen segnen Fracking-Verordnung im Bundesrat ab“. RT behauptet, die Grünen hätten am 7. Juni im Bundesrat der „Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland“ zugestimmt. Diese Verordnung solle begünstigen, dass Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) aus dem Ausland in deutsche Netze eingeschleust werden kann. 

Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle auf Facebook mehr als 3.300 Mal geteilt. 

Was ist LNG-Gas und Fracking?  

LNG ist verflüssigtes Erdgas und somit ein fossiler Energieträger. Aktuell hat Deutschland keine Möglichkeit, LNG-Gas direkt per Schiff zu importieren. Mit der Verordnung soll unter anderem der Anreiz für den Bau eines LNG-Terminals in Deutschland geweckt und Hürden genommen werden. „Während bisher vor allem Erdgas aus Russland, Norwegen und den Niederlanden mittels Pipelines nach Deutschland transportiert wird, können durch verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas – LNG), das per Schiff angelandet werden kann, neue Bezugsquellen erschlossen werden, z.B. aus den USA oder anderen Staaten“, heißt es in der Verordnung (Seite 9). Vom Import von Fracking-Gas ist nicht explizit die Rede; tatsächlich kommt das Wort „Fracking“ in dem Dokument gar nicht vor. 

Erdgas kann auf verschiedene Arten gewonnen werden. Eine der Methoden ist das „Fracking“. Sie wird in den USA häufig genutzt. Laut eines Berichts (Seite 2) der Society of Petroleum Engineers (SPE International) von 2012 wurde weltweit schätzungsweise 2,5 Millionen Mal die Fracking-Methode eingesetzt, in den USA sollen es eine Million Mal gewesen sein. Durch Fracking setzt man mit Hilfe von Chemie und hohem Druck Gas- und Ölvorkommen unter der Erde frei. Klimaschützer und Aktivisten wie der BUND kritisieren dies schon seit Jahren. Auch das Umweltbundesamt nennt Gefahren für die Umwelt. 

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. schreibt zu Fracking in einem Artikel:Der NABU warnt vor den Risiken zur Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen, dem so genannten Fracking, in Deutschland. Dazu gehören vor allem Belastungen des Grund- und Trinkwassers, der hohe Flächenverbrauch und die Zerstörung von Natur und Landschaft.“ In Deutschland ist Fracking offiziell verboten, ein Regelungspaket dazu trat 2017 in Kraft. 

Die Grünen hielten in ihrem Wahlkampfprogramm für die Europawahl 2019 fest (Seite 20): „Das Projekt Nord Stream 2 lehnen wir daher ebenso ab wie neue Pipelineprojekte, Frackingvorhaben und den Import von gefracktem Gas“. 

Erlaubt die Verordnung den Import von Fracking-Gas? 

Die Überschrift des Artikels von Russia Today kann in die Irre führen: Es geht bei der Verordnung nicht darum, Fracking in Deutschland zu erlauben, sondern eine Infrastruktur für den direkten Import von LNG-Gas zu schaffen. Das importierte LNG-Gas kann dann auch aus den USA kommen und durch die Fracking-Methode gewonnen worden sein. Die Deutsche Umwelthilfe ist überzeugt, dass diese Möglichkeit bestehe, wie aus einer Pressemitteilung vom 7. Juni hervorgeht: „Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) lehnt den Bau von LNG-Terminals für Fracking-Gas ab und verurteilt den Beschluss des Bundesrates als klima- und verbraucherfeindlich.“ 

Im Bundesrat gab es bei der Sitzung am 7. Juni 2019 über dieses Thema eine Debatte. Thüringens Umweltministerin, Anja Siegesmund (Grünen), ließ in einer Protokollerklärung der Bundesratsitzung festhalten: „Thüringen weist darauf hin, dass über das Terminal grundsätzlich auch über Fracking gewonnenes unkonventionelles Erdgas importiert werden könnte. Die Fracking-Technologie ist jedoch mit einer Reihe von Risiken verbunden. Der Einsatz dieser Technologie wird daher in Frage gestellt. In Deutschland sind kommerzielle unkonventionelle Fracking-Vorhaben derzeit nicht zulässig.“ Auch Hamburgs Senator Till Steffen (Grüne) erklärte (Seite 153), die Verordnung werde aus diesen Gründen kritisch gesehen.

Bernd Buchholz (FDP), Wirtschaftsminister aus Schleswig-Holstein, wies jedoch darauf hin: „LNG [ist] derzeit ein aus fossilen Energieträgern gewonnener Stoff. Es ist trotzdem eine unzulässige Verkürzung und eine unzulässige Zuspitzung, wenn in der Diskussion oft von Importstrukturen für amerikanisches Fracking-Gas gesprochen wird. Die Hauptexporteure von LNG sitzen heute im Oman, in Katar und in Norwegen, nicht in den USA.“

Die Bundesregierung begründete die Verordnung unter anderem mit der wachsenden Bedeutung von LNG, im Zuge der Energiewende. Durch die sinkenden Förderungen in Europa ergebe sich ein zusätzlicher Bedarf an Gasimporten in die Europäische Union und damit auch nach Deutschland. 

Die Terminals zum Import des Gases würden zwar privatwirtschaftlich betrieben und müssten vom Eigentümer bezahlt werden. Die Bundesregierung sieht dort aber die Gefahr, dass die hohen Kosten die LNG-Projekte „unwirtschaftlich“ machen könnte. Deswegen sollen mit der Verordnung ein Teil der Kosten auf die Fernleitungsnetzbetreiber umgelegt werden. 

Wie lief der Entscheidungsprozess für die Verordnung ab?

Die Bundesregierung hat unter der Federführung des Wirtschaftsministeriums die „Verordnung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Aufbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland“ vom 27. März 2019 beschlossen. Das geht aus einem Dokument des Bundestages hervor. 

Neue Rechtsverordnungen benötigen die Zustimmung des Bundesrates. Die Verordnung wurde zunächst an den Wirtschaftsausschuss und den Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit des Bundesrates weitergeleitet. Diese erarbeiteten eine Empfehlung für den Bundesrat, aus der Verordnung zuzustimmen (Ziffer 1). Der Bundesrat stimmte dann in seiner Sitzung am 7. Juni dieser Empfehlung zu. 

Wie haben die Grünen im Bundesrat abgestimmt?

Anders als im Bundestag stimmen die jeweiligen Landesregierungen im Bundesrat gemeinsam ab. Jedes Bundesland muss seine Stimme einheitlich abgeben, weshalb sich Regierungen mit Koalitionen mehrerer Parteien vorab einigen müssen, wie sie abstimmen wollen. Außerdem wirken sich Enthaltungen wie eine „Ablehnung“ aus. 

Die Grünen waren zum Zeitpunkt der Abstimmung an insgesamt neun Landesregierungen (Koalitionen) beteiligt. Jedes Bundesland veröffentlicht auf seiner eigenen Seite, wie es im Bundesrat abgestimmt hat. Wir haben uns das Abstimmungsverhalten angesehen. Sechs von neun dieser Regierungen im Bundesrat haben für die LNG-Verordnung gestimmt. Die Behauptung aus dem Artikel von Russia Today ist somit größtenteils wahr. 

Zum Nachsehen: 978. Sitzung, am Freitag 07. Juni 2019 – TOP 27: Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen

Das Abstimmungsverhalten der Bundesländer, in denen die Grünen an der Regierung beteiligt sind, nach Recherchen von CORRECTIV. (Quelle: Eigene Darstellung / CORRECTIV)

Tatsächlich hätten die Grünen die Durchsetzung der LNG-Verordnung verhindern können, wenn sich ihre Landesregierungen bei der Abstimmung enthalten hätten. Generell wird das Abstimmungsverhalten eines Bundeslandes im jeweiligen Koalitionsvertrag geregelt. 

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Wir haben uns alle Koalitionsverträge der Landesregierungen angesehen, in denen die Grünen beteiligt sind. In allen Verträgen ist eine Klausel zu finden, die besagt, dass die Koalitionspartner sich mit ihrer Stimme im Bundesrat enthalten, wenn sie sich nicht einig sind. Zum Nachsehen: Baden-Württemberg (Seite 133), Berlin (Seite 185), Bremen (Seite 135), Hamburg (Seite 114), Hessen (Seite 195), Rheinland-Pfalz (Seite 138),  Sachsen-Anhalt (Seite 141), Schleswig-Holstein (113), Thüringen (Seite 95)

Fazit

Der Bundesrat verabschiedete eine Verordnung, die den Bau von Importterminals und einer Infrastruktur für Flüssigerdgas in Deutschland erleichtern soll. Dass damit zum Beispiel Erdgas aus den USA, welches durch Fracking gewonnen wurde, in die deutschen Netze künftig direkt eingeschleust werden kann, ist nicht auszuschließen. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren die Grünen in neun Landesregierungen vertreten. Sechs dieser Landesregierungen stimmten der Verordnung im Bundesrat zu, drei enthielten sich. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Der Bundesrat hat auch mit Stimmen von Landesregierungen, an denen die Grünen beteiligt sind, eine Verordnung für den Import von Flüssigerdgas beschlossen. Dieses Gas kann durch Fracking gewonnen worden sein.

Bildschirmfoto 2019-08-06 um 18.20.06
Die Freie Welt behauptet in einem Artikel, dass der Flüchtlingsdeal „geplatzt“ sei. (Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Mehrere deutsche Medien berichten, der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu habe in einem Interview gesagt, dass die Türkei den „Flüchtlingsdeal“ aufgekündigt habe. Allerdings bezog sie sich Cavusoglu auf das ältere „Rückführungsabkommen“, welches die Türkei schon seit 2017 nicht mehr durchführt.

Die Freie Welt und der Deutschland-Kurier behaupten in zwei am 23. Juli beziehungsweise 26. Juli veröffentlichten Artikeln: „Türken kündigen Flüchtlingsdeal“ und „Kehrt der Horror-Sommer 2015 zurück?“. Als „Flüchtlingsdeal“ wird eine Abmachung zwischen der EU und der Türkei von 2016 bezeichnet, die dazu führen soll, dass weniger Menschen Europa erreichen, um Asyl zu beantragen. Auch die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten und das öffentlich-rechtliche RBB Info Radio sollen sich an den Spekulationen beteiligt haben. 

Wichtige Passage wurde herausgeschnitten 

Die Freie Welt nennt keine genaue Quelle für die Behauptung. Lediglich wird erwähnt, dass der türkische Außenminister am „vergangenen Montag den Deal als aufgekündigt“ bezeichnet hätte. Der Deutschland-Kurier verweist als Quelle auf die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten. 

Die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten erwähnen mehr Details in ihrem Artikel. Sie berufen sich auf die türkische Nachrichtenagentur Ihlas. Ihr zufolge hat der türkische Außenminister Cavusoglu am 22. Juli 2019 im Gespräch mit TGRT bekanntgegeben, dass die Türkei den sogenannten Flüchtlingsdeal mit der EU aufgekündigt habe: „Ankara sei nicht mehr bereit, illegale Migranten und Flüchtlinge, die über die Türkei in die EU eingereist sind, im Rahmen der Rückführung aufzunehmen“, heißt es in dem Artikel der Deutschen Wirtschafts-Nachrichten. Die Freie Welt behauptet weiter: „Das Ergebnis: jetzt will Erdogan die Türkei quasi zu einem Transitland machen und die »Flüchtlinge« komplett in die EU durchmarschieren lassen.“ Die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten sind dort zurückhaltender. Es sei unklar, „ob die Türkei die Grenze für die Flüchtlinge tatsächlich öffnen wird“.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu war tatsächlich am Montag, 22. Juni, zu Gast in der Sendung von Moderator Batuhan Yasar, die auf TGRT live ausgestrahlt wurde. Der Fernsehsender veröffentlichte am selben Tag einen Mitschnitt der Sendung auf YouTube. Auch die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten verlinkten den Mitschnitt und den Artikel der Nachrichtenagentur Ihlas in ihrem Artikel.  

Wir konnten weder in dem knapp einstündigen TV-Mitschnitt noch im Artikel Aussagen von Mevlüt Cavusoglu über den „Flüchtlingsdeal“ finden. Jedoch erkennt man in Minute 31:02 des Interviews einen Schnitt: Es wurde offenbar etwas herausgeschnitten. Eine ungeschnittene Version des Videos fanden wir auf der Streaming-Plattform Periscope. Viele türkische Sender streamen ihre Sendungen dort parallel zur Fernsehsendung. Auch das türkische Außenministerium veröffentlichte eine vollständige Abschrift des Interviews, darin ist die fehlende Passage zu lesen. 

Wir haben Batuhan Yasar und TGRT per Mail angefragt, ob sie die Passagen bewusst gelöscht haben und, wenn ja warum. Weder der Sender noch Yasar reagierten auf unsere Anfrage.

Was sagte Cavusoglu im Interview?

Die fehlende Passage haben wir gesichert, übersetzt und auf Youtube hochgeladen. Cavusoglu sprach über die kürzlich von der EU verhängten Sanktionen gegen die Türkei, als der Moderator die Frage stellte: „Haben Sie auch im Rahmen dessen, was Sie über die EU gesagt haben, das Rückübernahmeabkommen bewertet?“ 

Das Rückübernahmeabkommen regelt, dass illegal eingereiste Flüchtlinge schneller in die Türkei abgeschoben werden können. Es ist älter als die EU-Türkei-Erklärung, die auch „Flüchtlingsdeal“ genannt wird. Das Rückübernahmeabkommen trat laut einer Pressemitteilung der EU am 1. Juni 2016 in Kraft, war aber schon 2013 unterzeichnet worden. Die Vereinbarung zum neueren „Flüchtlingsdeal“ wurde dagegen am 18. März 2016 getroffen, um die „Migrationskrise“ zu bewältigen. 

https://www.youtube.com/watch?v=Qi75WUgh_qk&feature=youtu.be

Cavusoglu antwortet auf die Frage des Moderators klar: „Das Rückübernahmeabkommen  haben wir, weil die Visafreiheit noch nicht in Kraft ist, ausgesetzt. Wir haben der EU schriftlich mitgeteilt, dass wir es nicht umsetzen werden.“ 

Wir haben dem Pressesprecher der Europäischen Kommission in Deutschland, Reinhard Hönighaus, die Behauptungen aus dem Artikel der Deutschen Wirtschafts-Nachrichten vorgelegt. Hönighaus schreibt in einer Mail an CORRECTIV: „Wir haben die Kommentare des türkischen Außenministers gesehen, die sich NICHT auf die Erklärung EU-Türkei beziehen, sondern auf das Rückübernahmeabkommen EU-Türkei, das ohnehin noch nicht vollständig umgesetzt ist.“ Höinghaus bestätigt zudem den Eingang des Schreibens der Türkei: „Die EU-Kommission hat bereits im August 2017 einen Brief an den Ersten Vizepräsidenten Timmermans erhalten, in dem die Nichtumsetzung des Rückübernahmeabkommens EU-Türkei angekündigt wird.“

Die vollständige Antwort der EU-Kommission in Deutschland an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei dem Rückübernahmeabkommen handelt es sich wie gesagt nicht um den sogenannten Flüchtlingsdeal. Cavusoglu konkretisiert im Interview seine Aussage und bestätigt damit, dass nicht der Deal gemeint ist. Er erwähnt, dass das Rücknahmeabkommen erstmals am 16. Dezember 2013 von der EU und der Türkei unterzeichnet worden ist.

Auszug der Pressemitteilung über das Rückübernahmeabkommen zwischen der EU und der Türkei. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut Cavusoglu wurde zunächst abgemacht, dass erst das Rückübernahmeabkommen in Kraft tritt und sechs Monate später die Visafreiheit für Türken folgen sollte. Dazu ist es jedoch nie gekommen. 

Später ist dieses Abkommen in die EU-Türkei-Erklärung integriert worden, wie aus dem Text der Erklärung hervorgeht. Dennoch bedeuten Cavusoglus Äußerungen nicht, dass der „Flüchtlingsdeal“ gekündigt wurde.

Der Sprecher der Europäischen Kommission, Hönighaus, schreibt: „Die Kommission unterstützt weiterhin die Bemühungen der Türkei, die Umsetzung aller noch ausstehenden Benchmarks des Fahrplans für die Visa-Liberalisierung so bald wie möglich abzuschließen.“ Dieser Fahrplan ist sowohl im Abkommen von 2016 als auch in dem von 2013 vermerkt. 

„Flüchtlingsdeal“ auch laut deutschem Außenministerium noch in Kraft

Auch das Auswärtige Amt bestätigte auf unsere Nachfrage per E-Mail, dass der „Flüchtlingsdeal“ nicht „geplatzt“ sei: „Die EU-Türkei-Erklärung wird von beiden Seiten umgesetzt. An uns ist kein Anliegen zur Beendigung der Erklärung herangetragen worden.“

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Der Pressesprecher der Europäischen Kommission schickte uns zudem ein Dokument aus dem hervorgeht, dass die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland nach der Umsetzung des Abkommens von 2016 um 97 Prozent gesunken sein soll.

Auszug aus dem Dokument der EU-Kommission zum EU-Türkei-Abkommen. (Screenshot: CORRECTIV)

Unser Faktencheck bezieht sich lediglich auf die angebliche Aussage des türkischen Außenministers in der Sendung. Diese meint nicht den „Flüchtlingsdeal“, der 2016 abgeschlossen wurde. Ob es in der Türkei Pläne gibt, dieses Abkommen in der Zukunft aufzukündigen, können wir nicht überprüfen. 

Wir haben mehrfach Anfragen an die türkische Botschaft in Berlin gestellt. Bis zum Redaktionsschluss haben wir weder die erwünschte Eingangsbestätigung erhalten noch eine andere Antwort. 

Unsere Bewertung:
Der türkische Außenminister hat in dem Interview nicht gesagt, dass die Türkei den „Flüchtlingsdeal“ gekündigt habe. Er bezieht sich auf ein älteres Abkommen, welches aber nie richtig umgesetzt wurde. Ob die Türkei das Abkommen von 2016 künftig aufkündigen möchte, können wir nicht prüfen.

Bildschirmfoto 2019-07-23 um 12.15.44
Das Foto von Carola Rackete ist eine Fälschung. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert ein Foto auf dem zu sehen sein soll, wie Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete den verbotenen Hitlergruß zeigt. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung. Rackete hat in die Menge gewunken, wie ein Video belegt.

Mehrere private Facebook-Nutzer veröffentlichten seit Anfang Juli ein Bild der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete, auf dem zu sehen sein soll, wie sie den Hitlergruß zeigt. Einer der Nutzer schreibt zu dem Bild: „Rackete ist also doch ein Na(Sprengsymbol)i!“ Er fordert, dass Rackete deshalb „für viele Jahre in den finstersten Knast Deutschlands eingekerkert“ wird. CORRECTIV hat das Bild überprüft.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte die Fälschung am 15. Juli 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Der Fall der „Sea-Watch 3“ sorgt seit Wochen in Europa für Diskussionen. Das Rettungsboot, unter der Leitung von Carola Rackete, wartete wochenlang auf eine Einfuhrgenehmigung in Italien. An Bord waren mehrere Migranten und Geflüchtete. Als die Genehmigung ausblieb, fuhr Rackete trotzdem den Hafen der Insel Lampedusa an. Daraufhin wurde sie von der italienischen Polizei verhaftet. Mittlerweile ist Rackete wieder frei

Das Bild stammt aus Italien

Wir haben das Foto aus der Behauptung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und sind auf weitere Verbreitungen gestoßen, wie zum Beispiel auf der Webseite Bayern ist FREI

Das Bild taucht aber auch in einer anderen Version auf. Die schweizer Tageszeitung  Aargauer Zeitung und die italienische Presseagentur Ansa bebilderten ihre Artikel vom 03. Juli damit. Während das Foto aus der Behauptung ein Hochformat ist, ist das Bild, welches die Aargauer Zeitung und die Ansa Presseagentur verwendet, ein Querformat. Daher erkennt man auf dem Foto der Aargauer Zeitung und Ansa links und rechts von Carola Rackete weitere Personen. Ebenso sieht man auf dem Foto, dass Carola Rackete nicht den Hitlergruß zeigt, sondern winkt. 

Bereits am 16. Juli veröffentlichte der österreichische Faktencheck Verein Mimimika einen Faktencheck zu der Behauptung. Demnach sei die Hauptquelle für die Originalversion des Bildes die bereits erwähnte italienische Presseagentur Ansa. 

Das bestätigt sich, wenn man mehr über den Fotografen des Fotos herausfinden möchte. Laut Bildunterschrift der Aargauer Zeitung hat Pasquale Claudio Montana Lampo das Foto gemacht. Der Fotograf machte mehrere Fotos von Rackete, die auch in den deutschen Medien erschienen sind. Unter ihnen findet man auch das Foto der winkenden Rackete. 

Das Mindener Tageblatt veröffentlichte ebenfalls einen Artikel am 01. Juli mit dem selben Foto. In der Bildunterschrift nennen Sie als Quelle sowohl den Fotografen Pasquale Claudio Montana Lampo als auch die italienische Presseagentur ANSA.

In dem Titelbild des Artikels ist die Originalversion des Bildes zu sehen. (Screenshot: CORRECTIV)

Foto ist eine Manipulation

Auch der DPA-Faktencheck untersuchte das Bild, und beschrieb, dass das Foto manipuliert wurde. So könne man das daran, dass die Sonne von vorn auf Racketes Gesicht fällt, die Hand aber nicht beschienen wird. Auch die Größe der Hand passe von den Proportionen her nicht zum Arm. Im direkten Vergleich der Fotos wird deutlich, dass der Schatten auf der Handfläche im Foto aus der Behauptung fehlt.

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Die Bildausschnitte im direkten Vergleich. Oben: Das Originalfoto mit Schatten. Unten: Das gefälschte Foto aus der Behauptung. (Screenshots und Collage: CORRECTIV)

Youtube-Video bestätigt die Fälschung

Auf Youtube veröffentlichte außerdem die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 1. Juli unter dem Titel „Carola Rackete wird verhört“ ein Video. In den ersten drei Sekunden des Videos wird die Szene, in der das Foto entstand, gezeigt: Carola Rackete läuft an den Beamten vorbei und winkt in die Menge. Ein Hitlergruß ist nicht zu erkennen. 

https://www.youtube.com/watch?v=qxSt6CiHYp0

Auszug aus dem Video der FAZ/Reuters. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Carola Rackete hat nicht den Hitlergruß gezeigt. Ein Video der FAZ belegt, dass sie stattdessen in die Menge winkte.

Bildschirmfoto 2019-07-17 um 10.17.07
In der Collage ist der vollständige Name des Opfers zu lesen. Wir haben den Nachnamen und die Personen unkenntlich gemacht. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert eine Text-Bild-Collage, die angeblich den mutmaßlichen Mörder von Johanna H. aus Berlin zeigt. Die junge Frau wurde im Sommer 2018 überfahren. Zu ihrem Fall werden nun verschiedene Behauptungen aufgestellt, die jedoch größtenteils falsch sind.

Ein privater Facebook-Nutzer veröffentlichte am 13. Juli eine Text-Bild-Collage mit zwei Fotos. Auf schwarzem Hintergrund ist in weißer Schrift zu lesen: „SIE IST JETZT TOT! Diese schwangere deutsche Studentin Johanna H(…) wurde am Mittwoch in Berlin getötet von: IHM! Ein besoffener, minderjähriger, räuberischer Mohammedaner vom Balkan“. Ein Foto des Opfers und ein Foto des angeblichen mutmaßlichen Täters sind zu sehen, auf dem beide Personen klar zu erkennen sind. Der angebliche Täter hat auf dem Foto Wunden und Pflaster an einem Auge. Der Beitrag wurde auf Facebook insgesamt mehr als 3.290 Mal geteilt. 

In der Collage ist der vollständige Name des Opfers zu lesen. In unserem Screenshot haben wir den Nachnamen und die Gesichter auf den Fotos unkenntlich gemacht. CORRECTIV hat geprüft, ob die Anschuldigungen stimmen

Mehr als 3.000 Mal wurde das Bild auf Facebook geteilt. (Schwärzungen und Screenshot: CORRECTIV)

Vorfall ereignete sich am 6. Juni 2018

Der Tagesspiegel veröffentlichte am 19. Juni 2019 einen Artikel, aus dem hervorgeht, dass ein Mädchen Namens Johanna H. am 6. Juni 2018 in Berlin-Charlottenburg ums Leben gekommen ist. Laut der dazugehörigen Pressemitteilung der Polizei in Berlin sollen Zivilfahnder damals beobachtet haben, wie drei Personen aus einem aufgebrochenen Transporter Materialien stahlen. Als die Polizei die Täter stellen wollte, flüchteten die drei Tatverdächtigen in einem Audi. Im Zuge der Verfolgungsjagd kam es zu einem Unfall: „Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Audi gegen einen geparkten Opel Astra geschleudert, der kurz hinter der Ampel in der Windscheidstraße am rechten Fahrbahnrand parkte. In diesem Zusammenhang wurde eine 22 Jahre alte Fußgängerin erfasst, die auf dem Gehweg ihr Fahrrad schob, und tödlich verletzt.“ 

Laut der Pressemitteilung waren die drei Personen 27, 18 und 14 Jahre alt. Das Auto soll der 27-jährige Mann gefahren haben. Anders als in der Behauptung war der Haupttäter also nicht minderjährig. 

Foto zeigt nicht den Täter

Aus dem Artikel des Tagesspiegels geht ebenfalls hervor, dass der Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwalt und Linke-Politiker Gregor Gysi die Familie des Opfers vor Gericht vertreten hat. Wir haben Gysi per Email die Collage vorgelegt. 

In seiner Antwort bestätigt Gysi, dass es sich bei der Frau auf dem Foto um die getötete Johanna H. handelt. Wir haben das Foto ebenfalls auf dem Facebook-Profil des Opfers gefunden. Johanna H. veröffentlichte es dort im Jahr 2014.

Gysi äußert sich darüber hinaus zu dem angeblichen Täter: „Der Minderjährige auf dem Foto saß hinten im Auto des Täters und hat mit dem Tod von Johanna H. nichts zu tun. Er ist dafür auch niemals angeklagt worden.“ Das bestätigte uns auch die Generalstaatsanwaltschaft in einer Mail: „Gegen die Person, die auf der Rückbank des Fahrzeuges gesessen hat, wird hier in diesem Zusammenhang wegen des „Verdachts des Diebstahls in besonders schwerem Fall ermittelt“ wird. Ob gegen die Person in früheren Fällen schon ermittelt worden ist, wollte die Generalstaatsanwaltschaft mit Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen nicht sagen. Gleichzeitig wollte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen, ob die Person aus der Collage tatsächlich die Person war, die auf der Rückbank des Autos gesessen hat. 

Gysi schreibt weiter über den abgebildeten Minderjährigen: „Außerdem ist er kein Mohammedaner, sondern ein Serbe. Alkoholisch beeinflusst war er auch nicht. Der wirkliche Täter war ein erwachsener Serbe und ebenfalls alkoholisch nicht beeinflusst. Er ist wegen Mordes (bedingt vorsätzlich) zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Verteidigung ist aber in Revision gegangen, das Urteil ist also noch nicht rechtskräftig.“ 

Das noch nicht rechtskräftige Urteil im Prozess gegen den erwachsenen Fahrer  wird auch in einer am 27. Juni 2019 vom Landgericht Berlin veröffentlichten Pressemitteilung bestätigt. Hinzu kommt, dass nicht nur Johanna H. sondern auch der 18-jährige Beifahrer nach dem Unfall verstorben ist:  „Die 40. große Strafkammer – Schwurgericht – des Landgerichts Berlin hat heute Nachmittag einen 28-jährigen Angeklagten u.a. wegen Mordes in zwei rechtlich zusammenhängenden Fällen in Tateinheit mit versuchtem Mord in drei rechtlich zusammenhängenden Fällen zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt.“ 

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Opfer war nicht schwanger

Auch der Behauptung, dass Johanna H. zum Zeitpunkt des Todes schwanger gewesen sei, widerspricht Gysi: „Johanna H(…) war zum Zeitpunkt ihres Todes nicht schwanger, wie es das gerichtsmedizinische Gutachten eindeutig bestätigte.“ 

Gysi ist der Ansicht, die Collage ziele auf Unterstützung eines „wachsenden Rassismus“ ab: „Johanna H. und ihre Familie haben dagegen immer gekämpft.“ 

Die Antwortmail von Gregor Gysi, der das Opfer vor Gericht als Anwalt vertreten hat. Wir haben den Nachnamen des Opfers unkenntlich gemacht. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Die Person auf dem Foto ist nicht der Täter. Der Täter war ein 27-jähriger Mann. Der Minderjährige saß zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Rückbank. Gegen ihn wurde im Zuge des Mordes nicht ermittelt.

S
Der gefälschte Brief kursiert seit 2016 im Internet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Seit Jahren kursiert auf Facebook ein Brief, der von „Aktion Familie & Kind“ stammen soll. Demnach habe die Organisation beschlossen, nur Flüchtlingskinder und ihre Eltern auf eine Reise mitzunehmen. Bei dem Brief handelt es sich um eine Fälschung.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte bereits am 24. Mai 2017 einen Brief, der von „Aktion Familie & Kind“ stammen soll. Der Brief wurde in den vergangen Tagen wieder vermehrt auf Facebook geteilt. Aus dem Brief geht hervor, dass die Reisekosten für „afghanische und syrische Flüchtlingskinder und deren Familien“ vollständig „durch einen staatlichen Förderfond“ übernommen werden sollen, deutsche Kinder würden wiederum als störend empfunden werden. Über dem Brief wird auf schwarzem Hintergrund und weißer Schrift eine unvollständige Passage aus dem Brief zitiert: „Deutsche Kinder werden mit ihren Familien werden aufgrund der kulturellen Unterschiede in diesem Zusammenhang als störend empfunden.“ Anschließend folgt der Kommentar: „GEHTS NOCH ???“ Wir haben uns den Brief näher angesehen.

Bereits in den Kommentaren wird auf die Fälschung hingewiesen. (Screenshot: CORRECTIV)

Brief kursiert seit 2016 im Netz

Der Brief ist datiert auf den 5. Oktober 2016, der Name und die Adresse des Empfängers sind geschwärzt. Lediglich der Name und die Kontaktdaten des angeblichen Absenders sind auf dem Brief zu erkennen. Demnach stammt der Brief von der Organisation „Aktion Familie und Kind“. Eine Google-Suche bringt allerdings keine Treffer für eine solche Organisation.

Wir haben den Brief durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen. Neben vielen Treffern auf Pinterest stößt man auch auf einen Artikel des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama. Auch in den Kommentaren weist ein Facebook-Nutzer auf einen am 29. August 2017 veröffentlichten Faktencheck von Mimikama hin.

Die Organisation „Aktion Kind & Familie“ gibt es nicht 

Wir haben haben die Kontaktdaten des angeblichen Absenders überprüft. Laut Briefkopf soll die Organisation ihren Sitz auf der Keibelstraße 36 in Berlin haben. Tatsächlich sind laut Google an dieser Adresse mehrere Firmen und eine Polizeistation gemeldet. Die Organisation „Aktion Familie & Kinde“ ist dort jedoch nicht zu finden.

Die Ergebnisse der Goolge-Suche. An der Adresse sind mehrere Firmen gemeldet. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Kreis schließt sich, wenn man mehr über die im Briefkopf angegebene Nummer herausfinden möchte. Laut Google-Suche gehört sie zum „Polizei Berufsinformationszentrum“, das seinen Sitz an der gleichen Straße hat. Wir haben die Nummer überprüft und landeten bei einem Anrufbeantworter der Polizei. Bei dem Brief handelt es sich somit um eine Fälschung.

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Die Nummern sind identisch. Links: die Nummer aus dem Brief, rechts: die Nummer der dort ansässigen Polizei. (Screenshot und Collage: CORRECTV)
Unsere Bewertung:
Bei dem Brief handelt sich um eine Fälschung. Die Organisation, die den den gefälschten Brief abgeschickt haben soll, existiert nicht.

Bildschirmfoto 2019-07-09 um 17.50.06
Es gibt keine Belege dafür, dass diese Verpackung kürzlich an einen Strand gespült wurde. (Foto: Beach Guardian / Instagram; Collage: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder einer angeblich mehr als 33 Jahre alten Verpackung eines Schokoriegels, welche kürzlich an einen Strand gespült worden sei. Sie zeigt zwar das Logo des Riegels aus den 80er Jahren, jedoch lässt sich nicht überprüfen, ob sie jemals im Meer war.

Die Facebook-Seite „Train Hard Vienna by Melissa“ veröffentlichte am 24. Juni eine Text-Bild-Collage. Auf dem Text über den Bildern ist zu lesen: „Wer bei dieser kürzlich am Strand angespülten Verpackung denkt, wir hätten kein Problem mit Plastik, sollte seine Lebenseinstellung überdenken! Abgelaufen am am 27.09.1986!! Bitte ganz oft teilen“ Auf den Bildern ist eine Verpackung der Schokoriegel-Marke„Mars“ zu sehen. Auch erkennt man das im Beitrag erwähnte Haltbarkeitsdatum und einen Strand im Hintergrund. Der Beitrag wurde über 13.000 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, woher das Bild stammt. 

Der Beitrag wurde mehr als 13000 mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Ist die Verpackung echt?

Wir haben die Fotos aus der Behauptung der MARS GmbH in Deutschland vorgelegt. Auf Nachfrage wollte MARS die Echtheit der Verpackung nicht bestätigen, weil die Fotos die Verpackung nur Ansatzweise zeigen würden. Trotzdem haben wir die Logos der Marke verglichen. Zumindestens wurde das Logo auf der Verpackung auch in den 80’er Jahren verwendet. Mittlerweile nutzt MARS ein anderes Logo. 

Oben: Das Logo aus der Behauptung, Screenshot: CORRECTIV. Mitte: Logo von Mars aus den 80’ern, Quelle: CNBC. Unten: Das aktuelle Logo des Schokoriegels, Quelle:Kirschblut  via Wikimedia Commons

Bild stammt von einer Umweltschutzorganisation

Wir haben die Bilder der Verpackung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und haben die Urheberin des Fotos gefunden. Laut eines am 10. Mai von Cornwalllive veröffentlichten Artikels hat Emily Stevenson das Foto gemacht. Stevenson säubert regelmäßig mit ihrer Organisation Beach Guardian (deutsch: Strandwächter) verschiedene Strände. Ihre Funde präsentieren die Umweltschützer regelmäßig auf Facebook und Instagram. 

Auszug der Bilder auf dem Instagram-Account von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte die Organisation die Fotos der Schokoriegel-Verpackung auf ihrem Instagram-Account. Allerdings ohne den deutschen Text. Im Beitrag zu den Bildern schreibt die Organisation unter anderem: „I found this #MarsBar wrapper from 1986 on a beach in #NorthCornwall this week…“ (Deutsch: Ich habe diese Mars-Verpackung von 1986 diese Woche an einem Strand in North Cornwall gefunden)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte Beach Guardian auf Instagram beide Fotos. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Verpackung wurde also an einem Strand in England gefunden. Die Organisation Beach Guardian konkretisiert in den Kommentaren die Umstände des Fundes: „We find old packaging on this beach all the time. This beach has some of the biggest sand dunes in Cornwall. When they break down, the packets come out!“ (Deutsch: „Wir finden an diesem Strand immer wieder alte Verpackungen. Dieser Strand hat einige der größten Sanddünen Cornwalls. Wenn sie zusammenbrechen, kommen die Verpackungen heraus!“) 

Auf Nachfrage eines Nutzers konkretisiert Beach Guardian die Umstände des Fundes. (Screenshot: CORRECTIV)

Keine Belege dafür, dass die Verpackung im Meer war

Anders als in der deutschen Behauptung wird jedoch nicht erwähnt, dass die Verpackung kürzlich aus dem Meer an den Strand gespült worden sei. Wir haben die Text-Bild-Collage Dr. Ulrike Braun von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten. In einer Mail an CORRECTIV schreibt Braun: „Eine Bewertung des Materials anhand eines Bildes ist natürlich aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich, insbesondere auch nicht deshalb, weil ich nicht weiß, welches Material eine Mars Verpackung ist. Persönlich halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass die Verpackung über 20-30 Jahre einer Beanspruchung in der Umwelt, inklusive UV, Wasser und Wärme, ausgesetzt war.

Die vollständige Antwort von Dr. Ulrike Braun. (Screenshot: CORRECTIV)

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe e.V. schreibt in einer Einschätzung für CORRECTIV: „Angenommen, die Verpackung und das Ablaufdatum sind echt, dann muss es zunächst für etwa 30 Jahre in einer sehr konservierenden Umgebung gelagert gewesen sein und erst kurz vor dem Foto an den Strand gelangt sein.“

Die vollständige Antwort von Philipp Sommer. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch ein Facebook-Nutzer stellt in den Kommentaren unter dem Instagram-Beitrag von Beach Guardian die Echtheit des Bildes infrage: „… all I am seeing here is a wrapper from 1986 & no proof of where it came from either…“ (Deutsch: „… alles, was ich sehe, ist eine Verpackung von 1986 und keinen Beweis dafür, woher sie kommt…“)

Ein Nutzer stellt die Echtheit des Fotos infrage. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Organisation verweist in ihrer Antwort auf ein Video, das den Fund zeigen soll. Auf dem Video (ab Minute 5:35) ist zu sehen, wie die Verpackung aus einem Gebüsch am Strand herausgeholt wird. Auch soll die Verpackung jahrelang unter dem Sand gelegen haben; sie sei erst durch die Erosion der Dünen zum Vorschein gekommen.

Anders als in der deutschen Text-Bild-Collage behaupten die Urheber der Fotos also nicht, dass die Verpackung kürzlich an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde die Verpackung im Sand am Strand gefunden.

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Beach Guardian bestätigt fund im Sand

In einer Mail an CORRECTIV bestätigt Beach Guardian, dass die Verpackung nicht im Meer, sondern im Sand gefunden wurde und vermutet: „This Mars bar wrapper must have been dropped by someone having a picnic on a beach in 1985 or 1986. It would have blown into the sand dunes and was covered by sand where it could have stayed preserved probably in definitely…“ (Deutsch: „Diese Mars-Verpackung muss von jemandem fallen gelassen worden sein, der 1985 oder 1986 ein Picknick an dem Strand machte. Es könnte vom Wind in die Sanddünen geblasen worden sein und war mit Sand bedeckt, wo er wahrscheinlich in diesem Zustand erhalten blieb.“)

Die vollständige Stellungnahme von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Kein Grund zur Entwarnung vor Plastik im Meer 

Trotzdem gibt der Fundort der Verpackung keine Entwarnung für die Gefahr von Plastik im Meer. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Zersetzung von Plastikmüll im Meer Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. 

Unsere Bewertung:
Keine Belege: Die Urheber des Fotos haben nie behauptet, dass die Verpackung an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde sie im Sand einer Düne gefunden.

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Auszug aus dem Video der Schlägerei in einem Schwimmbad in Tel Aviv. (Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert ein Video einer Schlägerei, die sich angeblich in einem deutschen Schwimmbad ereignet haben soll. Diese Behauptung ist falsch. Das Video stammt aus Holon bei Tel Aviv, Isreal.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 3. Juli ein 41 Sekunden langes Video, in dem eine Massenschlägerei in einem Schwimmbad zu sehen ist. Der Nutzer schreibt dazu: „Das neue Deutschland! Integration? Läuft….“ Es wird der Eindruck suggeriert, dass das Video in Deutschland entstanden sei. Der Beitrag wurde insgesamt mehr als 2.850 Mal geteilt. Wir haben überprüft, woher das Video stammt. 

Das Video wurde über 2850 Mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Video stammt aus Israel

Nur wenige Stunden nachdem der Nutzer das Video veröffentlichte, verbreitete es auch die Facebook-Seite „AfD – Kreisverband Coesfeld“. Neben Kommentaren wie „Walter übernehmen sie“ oder „Aktion Pur mit den Neuen Bürgern, was sagt Mutti dazu“, weist ein Nutzer auf einen Artikel der englischen Zeitung Mirror hin.

Auch die Facebook-Seite „AfD – Kreisverband Coesfeld“ verbreitet das Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Mirror veröffentlichte bereits am 11. Juni einen Artikel über dasselbe Video. Laut Mirror ist es jedoch im „Yamit 2000“-Schwimmbad in Holon bei Tel Aviv, Israel, entstanden. Das Video im Artikel hat eine höhere Auflösung, so dass hebräische Wörter auf zwei T-Shirts zu erkennen sind. 

Auszug aus dem Mirror-Artikel. Die Schrift haben wir rot eingekreist (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Wir haben überprüft, ob das Video wirklich im „Yamit 2000“-Schwimmbad in Israel entstanden ist. Auf der offiziellen Webseite des Schwimmbads kann man eine virtuelle 360° Tour durch die gesamte Anlage machen. Dort haben wir die Stelle gefunden, an der die Schlägerei stattgefunden hat.

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Oben: Ein Screenshot aus dem Video. Unten: Screenshot von der offiziellen Webseite des Schwimmbades in Israel. (Collage: CORRECTIV)

Anmerkung, 4. Juli 2019: Wir haben den Text angepasst um zu verdeutlichen, dass sich der Wasserpark in Holon bei Tel Aviv befindet, nicht in Tel Aviv.

Unsere Bewertung:
Falsch. Dieses Video stammt nicht aus einem Schwimmbad in Deutschland, sondern in Israel.