Gesellschaft

Gelsenkirchen: Mann wird von Polizei erschossen – bislang keine Hinweise auf Terroranschlag

Ein Mann griff laut Polizei einen Streifenwagen in Gelsenkirchen mit einem Knüppel und einem Messer an. Dabei habe er „Allahu Akbar” gerufen. PI-News behauptet, es habe sich um eine „Terrorattacke” gehandelt, dafür gibt es aber keine Belege.

von Bianca Hoffmann

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Ein 37-Jähriger aus Gelsenkirchen hieb laut Polizei mit einem Knüppel auf den Dienstwagen zweier Polizisten ein und rief dabei „Allahu Akbar”. Er wurde von einem der Beamten erschossen. (Symbolfoto: GlauchauCity/Pexels)
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Unbelegt. Der Artikel von PI-News bezeichnet die Tat ohne Belege als Terrorattacke. Die Ermittler sprechen bisher von einem Anschlag eines psychisch auffälligen Einzeltäters.

Ein 37-jähriger Mann wurde laut Polizei am 5. Januar in Gelsenkirchen von einem Polizisten erschossen. Zuvor habe er mit einem Knüppel auf den Dienstwagen von zwei Beamten eingeschlagen. Er habe außerdem ein Messer in der Hand gehalten und „Allahu Akbar“ gerufen. In einem Text, der am 6. Januar auf PI-News erschienen ist, wird behauptet, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt. 

Für diese Behauptung gibt es jedoch keine Belege. In einer gemeinsamen Presseerklärung der Polizeidirektionen Gelsenkirchen und Münster sowie der Staatsanwaltschaft Essen vom 6. Januar steht, dass sich „die anfängliche Vermutung einer terroristischen Motivation nicht erhärtet“ habe. Allerdings wird dazu noch weiter ermittelt. 

Polizei stuft Vorfall in Gelsenkirchen als Anschlag ein 

Am selben Tag äußerte sich der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul (CDU), bei einer Pressekonferenz über den Vorfall. Davon gibt es ein Youtube-Video vom Nachrichtensender Welt. Reul erklärte, der Polizist, der den 37-Jährigen erschossen habe, sei ein Polizeianwärter im letzten Jahr seiner Ausbildung. „Nach unserer aktuellen polizeilichen Schriftlage soll der Angreifer mit einem Knüppel und einem Messer auf die Polizeibeamten zugegangen sein und dabei ‘Allahu Akbar’ gerufen haben“, so Reul. Der 23-jährige Polizist habe geschossen, nachdem der Gelsenkirchener der mehrfachen Aufforderung der Beamten, stehen zu bleiben, nicht nachgekommen sei. 

Aufgrund der Aussage („Allahu Akbar”) des Mannes wird der Vorfall laut Polizei als Anschlag eingestuft und als solcher untersucht. Der türkische Staatsangehörige war der Polizei bereits wegen mehrerer Vorfälle bekannt, unter anderem wegen Körperverletzung. „Den Ermittlungsbehörden liegen auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Gelsenkircheners vor“, heißt es in der Pressemitteilung. 

Der Mann wurde bereits zweimal vom Staatsschutz überprüft

Wie Innenminister Reul außerdem sagte, wurde der Mann in den vergangenen zwei Jahren schon zweimal zu einem sogenannten Prüffall Islamismus. Das bedeute, dass sich der Staatsschutz den Mann genauer angeschaut habe. Laut Reul blieb die Untersuchung aber beide Male ohne Befund. Die Schwelle für solche Maßnahmen liege bewusst sehr niedrig.

„Wir haben bisher keinerlei Hinweise auf mögliche Mittäter, und wir haben keinerlei Hinweise auf eine Einbindung in die islamistische Szene“, so Reul. Bisher gehe man von der Tat eines psychisch auffälligen Einzeltäters aus.  

Die Ermittlungen dauern weiter an, wie Anette Milk von der Staatsanwaltschaft Essen CORRECTIV per E-Mail erklärte. 

Es gibt also keine Belege dafür, ob es sich, wie bei PI-News behauptet, um eine Terrorattacke gehandelt hat. Außerdem wird untersucht, ob der Polizist, der den Mann mit vier Schüssen getötet hat, sich richtig verhalten hat, oder nicht.