Medizin und Gesundheit

Keine Belege für Behauptungen über Glyphosat in Tampons

Seit Jahren erscheinen immer wieder verstörende Artikel, die behaupten, 85 Prozent der Tampons enthielten Glyphosat. Wir haben den Ursprung der Behauptung gefunden, aber keine Belege dafür.

von Tania Röttger

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Glyphosat in Tampons: eine erschreckende Vorstellung – jedoch ohne wissenschaftliche Belege. (Bild: Eme / Pixabay)
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Unbelegt. Seit 2015 hält sich die Behauptung, 85 Prozent der Tampons enthielten Glyphosat. Das ist jedoch mit keiner Studie belegt worden.

Der Artikel „Krebs-Epidemie: 85% der Tampons enthalten krebsverursachendes Glyphosat“ erschien im November 2018 auf der Webseite Unser Planet. Gerade wird er wieder auf Facebook geteilt, insgesamt bereits mehr als 2700 Mal.

Wer nach der Behauptung sucht, dass 85 Prozent der Tampons Glyphosat enthalten, stößt auf die Aussagen des argentinischen Forschers Damian Marino. Er gehört der Universität La Plata an. Am Rande einer Konferenz im Oktober 2015 sagte er das laut einem Medienbericht und einem Facebook-Post.

Das Problem: Eine Studie dazu findet sich nicht. Im selben Jahr (Juli 2015) kam allerdings eine Studie über Glyphosat heraus, an der Damian Marino mitgearbeitet hat.

Dabei ging es um Glyphosat und dessen Abbauprodukt AMPA in Grund- und Abwasser, nahe landwirtschaftlich genutzten Flächen. Glyphosat wird unter anderem im Baumwollanbau eingesetzt, Tampons bestehen aus Baumwolle.

Es ist möglich, dass  die Forscher im Rahmen der Studie Tampons getestet haben, allerdings stehen etwaige Ergebnisse und Methodik nicht im veröffentlichten Text. Auch in seinen anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zwischen 2013 und 2018, in denen es um Glyphosat und AMPA ging, kamen Baumwoll-Produkte nicht vor.

Marino belegt seine Aussage nicht

Wir haben über die Universität den Kontakt von Damian Marino erhalten und ihn gefragt, ob er seine Aussage mit einer Studie belegen kann. Er antwortete, dass er gerade viel zu tun habe. Wir schrieben ihm noch zwei Mal, bekamen aber keine Antwort. Der Forscher konnte seine Behauptungen also nicht mit einer veröffentlichten Studie belegen.

Daher ist die Aussage nicht überprüfbar, weil nicht klar ist, was die Belege dafür sind. Relevant wäre zum Beispiel, wie viele Tampons getestet wurden und wie.

Das ist anscheinend keinem Medium aufgefallen – weder der Webseite Unser Planet, noch Russia Today noch der Taz – die alle im Jahr 2015 über die Aussagen von Damian Marino berichteten, und sie als Studienergebnisse darstellten, anscheinend ohne zu prüfen, ob es dafür Belege gibt. Die Cosmopolitan schreibt gar von „mehreren Studien“, die  „in 85 Prozent aller Damen-Monatshygiene-Artikel Glyphosat nachgewiesen“ hätten – doch die Studien sind nirgends zu finden.

So bleibt der Mythos bestehen. In einem Taz-Artikel von August 2018 stand zum Beispiel wieder: „Im Jahr 2015 fand ein Forscherteam der argentinischen Universität La Plata in einem Großteil konventioneller Tampons und Binden Glyphosatrückstände.“

Untersuchungen in Deutschland?

Tampons gelten nicht als medizinische oder kosmetische Produkte, und werden deshalb nicht regelmäßig von staatlichen Instituten geprüft.

Allerdings hat das Bayerische Gesundheitsamt im Jahr 2016 „Hygieneartikel aus Baumwolle“ auf Glyphosat und AMPA getestet. Insgesamt 25 Proben, darunter Damenhygieneprodukte, Wattepads und Windeln. In drei Proben haben die Forscher Glyphosat und AMPA gefunden,wie eine Sprecherin der Behörde per Email mitteilte. Die höchsten Werte hatten demnach Bio-Wattepads, die 0,512 mg/kg Glyphosat und AMPA enthielten.

Email vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Für die Bewertung gingen die Ergebnisse an das Bundesamt für Risikobewertung. Das Amt hat sich schon oft mit Glyphosat beschäftigt. Demnach war der Gehalt von Glyphosat und auch die Aufnahme über die Haut sehr gering – nämlich „mehrere Größenordnungen unter der duldbaren täglichen Aufnahmemenge“, wie das Bundesamt für Risikobewertung auf Anfrage per Email schreibt.

Email vom Bundesamt für Risikobewertung

Das Magazin Ökotest testet immer mal wieder Tampons. Einmal hat die Redaktionauf Grund einer Leseranfrage Tampons auch nach Glyphosatrückständen untersucht, allerdings keine gefunden. Daher habe man das nicht mehr weiter getestet, wie eine Pressesprecherin des Verlags auf Anfrage schreibt.

Email von Ökotest

Das heißt: In den Fällen, in denen in Deutschland Tampons auf Glyphosat untersucht wurden, traf die Aussage, dass 85 Prozent mit Glyphosat verseucht seien, nicht zu.

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