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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: völlig falsch

Nein, auf der 10.000 Dollar-Banknote steht nicht „Hail Satan“

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Es gibt viele Verschwörungstheorien, die mit dem Dollar zusammenhängen. (Symbolbild: Pixabay/Geralt)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite veröffentlicht eine Fotocollage, die belegen soll, dass auf der 10.000 Dollar-Banknote „Hail Satan“ steht. Doch das Bild ist gefälscht.

Die Facebookseite „QArmy Deutschland“ postete am 1. Februar eine Fotocollage, auf der zwei Bilder zu sehen sind. Die Bilder zeigen eine 10.000 Dollar-Banknote. Auf dem oberen Bild sieht man den Papierschein vollständig und auf dem unteren Bild einen Ausschnitt der linken Ecke der Banknote. Dort erkennt man die Aufschrift „Hail Satan“. Seit Jahren wird diese Collage im englischsprachigen Raum verbreitet. Wir haben die Echtheit überprüft.

Diese Collage mit gefälschtem Bild wird auf Facebook verbreitet. (Screenshot: CORRECTIV)

10.000 Dollar-Schein wurde gedruckt

Zunächst haben wir überprüft, ob es überhaupt eine Banknote im Wert von 10.000 Dollar gibt. Zum Vergleich: Die wertvollste Banknote der europäischen Währung ist der 500 Euro-Schein. Das United States Bureau of Engraving and Printing, das dem Finanzministerium untersteht, bestätigt auf seiner Internetseite, dass es eine Banknote im Wert von 10.000 Dollar gibt. Sie wird allerdings nicht mehr ausgegeben.

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Auf der Internetseite der Behörde wird bestätigt, dass es diesen Geldschein gibt. Screenshot: CORRECTIV

Von den Banknoten gibt es zwei Varianten. Eine mit einem blauen und eine mit einem grünen Siegel. Sie wurden zuletzt 1945 gedruckt und bis 1969 vom Finanzministerium ausgegeben. Die 10.000 Dollar-Banknote ist bis heute akzeptiertes Zahlungsmittel.

„Hail Satan“ auf der Banknote?

Die Vorderseite der Banknote zeigt ein Porträt von Salmon P. Chase. Chase war Finanzminister, 1861 berief Abraham Lincoln ihn ins Kabinett. Rechts neben dem Porträt ist ein grünes Siegel zu sehen. Die Faktenchecker von Snopes haben zu dem Foto ebenfalls einen Artikel veröffentlicht. Sie verweisen in ihrem Faktencheck auf die US-amerikanische „National Numismatic Collection“. Das ist eine Sammlung des „National Museum of American History“. Auf deren Internetseite wird die Banknote im Detail abgebildet. Auf dem Geldschein ist die Aufschrift „Hail Satan“ nicht vorhanden.

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In der Datenbank von Wikimedia findet man ebenfalls ein Bild des 10.000 Dollar-Scheins. Einmal mit grünen und einmal mit blauen Siegel. Die Seriennummer des Geldscheins mit grünen Siegel ist dieselbe wie im Facebookpost der Seite „QArmy Deutschland“. Dennoch findet sich weder auf dem Geldschein mit grünem noch mit blauem Siegel die Aufschrift „Hail Satan“.

Über der „1“ ist nicht „Hail Satan“ zu erkennen. Collage: CORRECTIV, Foto: United States Government [Public domain], via Wikimedia Commons
Korrektur, 12. Februar 2019:  Salmon P. Chase. wurde 1861 Finanzminister, nicht 1961. Wir haben den Fehler im Text korrigiert. 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Bei dem Geldschein handelt es sich um eine Fälschung.

Bewertung: größtenteils richtig

Führerschein-Umtausch: Weder drohen hohe Bußgelder, noch ist Eile geboten

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Alle Besitzer eines vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheins müssen diesen erneuern. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Simon Wörz

Das Nachrichtenportal TAG24 warnt in einem Artikel über den Umtausch alter Führerscheine vor „saftigen Bußgeldern“. Focus Online schreibt von 43 Millionen Deutschen, deren Fahrlizenz „bald“ ungültig sei. Die vermeintliche Panik ist unbegründet.

Die Redaktion von TAG24 veröffentlichte am 13. Februar einen Artikel mit dem Titel: Es drohen hohe Bußgelder: 43 Millionen Deutsche müssen ihren Führerschein umtauschen!“ auf ihrer Webseite. Ein Thema, das im Netz auf Interesse stößt. Tag24 veröffentlichte den Artikel auf mehreren Facebook-Seiten, jeweils mehrere hundert Nutzer teilten und kommentierten den Text. Auch das Nachrichtenmagazin Focus Online berichtete am selben Tag über die ablaufenden Fahrausweise: 43 Millionen Deutsche betroffen: Führerscheine bald ungültig – was Sie jetzt wissen müssen.“

Facebookpost von Tag24 (Screenshot: CORRECTIV)

Beide Artikel beziehen sich auf eine Meldung der Neuen Westfälischen mit der Überschrift: „43 Millionen deutsche Führerscheine werden bald ungültig“. Der Artikel thematisierte eine bevorstehende Abstimmung des Bundesrats, welche die Fristen zum Umtausch von Führerscheinen vorzieht. Grundlage dafür sei eine EU-Verordnung mit dem Ziel einheitlicher und fälschungssicherer Plastikkarten.

Bundesrat beschließt vorgezogene Umtauschfristen

Das ist korrekt. Der Bundesrat hat am 15. Februar 2019 einem Stufenplan mit Umtauschfristen für deutsche Führerscheinbesitzer zugestimmt, welcher EU-Vorgaben nachkommt. Alle Besitzer eines vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheins müssen diesen erneuern. Das Dokument ist hier einsehbar.

Um den administrativen Aufwand für die Behörden zu verteilen, werden die betroffenen Personen gemäß des Geburts- oder des Austellungsjahres ihres Führerscheins zum Umtausch verpflichtet. Im Netz listet der ADAC die Fristen tabellarisch auf. Diese werden auch in den Artikeln von TAG24 und Focus Online aufgezählt.

Die gestuften Umtauschfristen sollen Engpässe bei den Behörden vermeiden. (Screenshot: CORRECTIV)
Das Prozedere ist für Führerscheine, die ab dem 13. Januar 2013 ausgestellt wurden, irrelevant. (Screenshot: CORRECTIV)

Bis 2022 sind noch alle Führerscheine gültig

Allerdings endet die eheste Frist zum Umtausch am 19. Januar 2022. Die Formulierung von TAG24: „Wer in nächster Zeit von der Polizei kontrolliert wird […] muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen“ ist dementsprechend irreführend. Im Titel von Focus Online vermittelt das Wort „bald“ eine Dringlichkeit für den Austausch von Alt-Führerscheinen, obwohl die Frist noch mindestens drei Jahre entfernt liegt.

Die rund 15 Millionen alten Papierführerscheine, die vor dem Jahr 1999 ausgestellt worden sind, sollen spätestens bis 19. Januar 2025 umgetauscht sein”, heißt es auf der Webseite des Bundesrats. Für den Rest der insgesamt rund 43 Millionen betroffenen Führerscheinbesitzer in Deutschland läuft die Frist erst frühestens 2026 ab.

Bei Fahren ohne Führerschein droht ein mildes Verwarnungsgeld

Die Berichte der Neuen Westfälischen, Focus Online und TAG24 warnen allesamt vor Bußgeldern, die Autofahrern drohen, wenn sie nach Ablauf der Fristen mit ihrer veralteten Fahrerlaubnis erwischt werden. TAG24 schreibt im Titel von hohen Bußgeldern“. Die konkrete Höhe der Bußgelder wird in keinem der Texte genannt. Wie hoch sind die drohenden Bußgelder?

Auf Nachfrage von CORRECTIV verwies das Verkehrsministerium auf die Vorschriften der Fahrerlaubnis-Verordnung. Wer in seinem Pkw mit einem abgelaufenen Führerschein der Klasse B kontrolliert wird, muss ein Verwarnungsgeld von zehn Euro zahlen. So steht es im Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr (Lfd. Nr. 168, Fahrerlaubnis-Verordnung §75, Nummer 4). Saftige Bußgelder“, wie TAG24 im Artikel-Teaser schreibt, sind das nicht. Darüber informiert auch der ADAC in einer Übersicht zum Führerschein-Umtausch.

Fahrerlaubnis wird nicht angetastet

Höhere Strafen würden drohen, wenn es sich um den Tatbestand Fahren ohne Fahrerlaubnis“ handeln würde. Das ist bei nicht rechtzeitig umgetauschten Führerscheinen aber nicht der Fall. Darauf weist der Bundesrat in seiner Rechtsverordnung hin: In einer begleitenden Entschließung betont der Bundesrat, dass die EU-Umtauschpflicht sich nur auf den Führerschein als Nachweisdokument bezieht – die jeweiligen Fahrerlaubnisse an sich gelten weiterhin unbefristet.“

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Hohe Bußgelder drohen nicht. Die früheste Umtauschfrist ist 2022.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, im Jahr 2016 hat ntv gefragt, ob Angela Merkel „deutsche Grundwerte verraten“ habe

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Bis Ende 2016 hat dtv Telefonumfragen gemacht, inzwischen hat der Sender das Format eingestellt. (Symbolbild: Mimzy / pixabay)

von Tania Röttger

Manche Facebook-Nutzer halten es für einen Fake. Auf Facebook verbreitet sich aktuell ein Foto, das die Ergebnisse einer Umfrage des TV-Senders ntv zeigt. Die Frage: „Hat Angela Merkel deutsche Grundwerte verraten?“ Laut Foto stimmten 93 Prozent der Teilnehmer zu. ntv betätigt, dass es diese Umfrage gab, allerdings vor fast drei Jahren.

Am 26. Januar veröffentlichte eine Facebook-Seite ein Foto, auf dem die Ergebnisse einer Telefonumfrage präsentiert werden. Bisher wurde der Beitrag mehr als 2.500 Mal geteilt. In den Kommentaren äußern einige Nutzer ihre Meinung zu der Frage, ob Angela Merkel deutsche Grundrechte verraten habe.

Einige meinen aber auch, das Bild sei ein Fake, zum Beispiel der Nutzer, der kommentiert: „Photoshop Fake. Das würde n-tv nie so bringen“, dazu Smileys.

Dieses Bild verbreitet sich auf Facebook.

Wir haben Bettina Klauser, die Pressesprecherin von ntv, gefragt, was es mit dem Screenshot auf sich hat. Sie schrieb uns: „Die Umfrage stammt aus dem April 2016 und wurde im Umfeld der Live-Rede von Angela Merkels Rede zum Forschungsgipfel 2016 gestellt. Das Endergebnis um 18 Uhr lag bei 95 % ja zu 5 % nein.“

Im Internet findet man weitere Screenshots, die belegen, dass die Umfrage Jahre zurück liegt – zum Beispiel in einem Tweet vom 12. April 2016 oder auf der Webseite „das Erwachen der Valkyrjar“ in einem Artikel vom 13.  April 2016.

Laut Pressesprecherin Klauser hatte ntv regelmäßig zu aktuellen Themen solche Umfragen geschaltet, inzwischen habe man das Format aber eingestellt. Daher könne sie keine Auskunft darüber geben, wie viele Menschen an der Umfrage teilnahmen. Doch wie auf dem Screenshot auch zu lesen, waren die Umfragen nicht repräsentativ.

Fälschungen von ntv-Umfragen

Die Skepsis gegenüber ntv-Umfrage-Bildern ist aber nicht ganz unberechtigt. Im Dezember 2017 berichtete BuzzFeedNews über einen gefälschten Screenshot. Beatrix von Storch hatte das Bild am 20. Dezember 2017 auf Twitter geteilt. Darauf steht die Frage „Trauen Sie den deutschen Medien?“, das angebliche Ergebnis übersteigt allerdings 100 Prozent. Eine Bilderrückwärtssuche führt zum Originalbild, jedoch mit anderen Umfragewerten, bei dem die Frage war: „Soll Merkel Putin in die Schranken weisen?“ Am 19. Oktober 2016 hatte das russische Medium Sputnik über die Umfrage berichtet, in deren Bild ergeben die Angaben 100 Prozent.

Der Tweet ist immer noch auf Twitter zu finden.
Mit diesem Bild berichtete Sputnik über eine ntv-Umfrage.
Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig: Die Umfrage, ob Angela Merkel deutsche Grundwerte verraten habe gab es, allerdings fand sie vor fast drei Jahren statt und war nicht repräsentativ.

Bewertung: völlig falsch

Nein, die Stadt Stuttgart verteilt keine Bordellgutscheine an Flüchtlinge

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In Sozialen Netzwerken wird das Bild eines frei erfundenen Bordellgutscheins geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook teilt ein Nutzer ein Foto eines angeblichen Bordellgutscheins für Flüchtlinge in Stuttgart. Die Pressestelle der Stadt dementiert entschieden. Es ist nicht die erste Falschmeldung über angebliche Bordellgutscheine in Deutschland.

Am 22. Januar veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook das Foto eines ungewöhnlichen Gutscheins. „Sozialschein der Stadt Stuttgart für einen einmaligen, kostenlosen Bordellbesuch“ steht auf dem Papier. Darunter der Kommentar „Der Puff-Gutschein für die lieben Neubürger“. Der Gutschein ist eine Fälschung.

Facebookbeitrag vom 22. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

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Stadt Stuttgart verteilt keine Bordellgutscheine

Auf Nachfrage von CORRECTIV dementiert die Stadt Stuttgart die Behauptung. „Der Gutschein ist ganz offensichtlich nicht echt. Bei der Stadt Stuttgart gibt es keine Bordellgutscheine und wird es auch keine geben“, schreibt die Pressestelle.  

Es ist nicht das erste Mal, dass Falschmeldungen über angebliche Bordellgutscheine im Netz verbreitet werden. In der Vergangenheit haben wir bereits über ähnliche Behauptungen in Städten wie Celle, Hannover, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und in Bayern berichtet.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Bordellgutschein ist frei erfunden.

Bewertung: falsch

Nein, Renate Künast hat nicht gesagt, dass Integration anfängt, wenn Deutsche türkisch lernen

GERMANY-POLITICS-GREEN-PARTY
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GERMANY-POLITICS-GREEN-PARTY
Seit 2015 verbreiten Nutzer im Netz ein erfundenes Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast. (Foto: AFP/ John Macdougall)

von Cristina Helberg

Ein falsches Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast verbreitet sich seit 2015 im Netz. Trotz aufklärender Artikel und einer Klarstellung der Politikerin, teilen Nutzer es auf Facebook weiter.

„Heimatliebe“ nennt sich die Facebookseite, die am 14. Januar 2019 ein Foto der Grünen-Politikerin Renate Künast veröffentlichte. Neben ihrem Konterfei steht in Anführungsstrichen folgender Satz: „Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal türkisch lernen“. Eine Quellenangabe fehlt. Wer das Bild im Netz sieht, denkt: Das hat Renate Künast gesagt. Dabei ist das Zitat frei erfunden. Das ist bereits seit vier Jahren bekannt. Was ist die Geschichte dahinter? Wir haben recherchiert.

Facebookpost mit frei erfundenem Zitat

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Fernsehauftritt vor neun Jahren

Alles begann mit einem Auftritt von Renate Künast vor knapp neun Jahren. Am 30. August 2010 war Künast zu Gast in der Fernseh-Gesprächsrunde „Beckmann“ der ARD, unter anderem zusammen mit Thilo Sarrazin und Aygül Özkan. Die Aufzeichnung der Diskussion ist auch heute noch als Webvideo verfügbar. Ab Minute 1:46:53 sagt Renate Künast zu Thilo Sarrazin: „Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher sich ihren Namen mal merken.“ Sarrazin hatte zuvor Aygül Özkan mit einem falschen Nachnamen angesprochen.

2015 stellte Renate Künast in einem Facebookpost klar, was sie gesagt habe und was nicht. „Seit einiger Zeit gibt es eine Kampagne, die behauptet, ich hätte gesagt, Integration beginne damit, dass wir alle erstmal türkisch lernten. Diese Aussage habe ich nicht gemacht“, schrieb die Politikerin.

Facebookpost von Renate Künast aus dem Jahr 2015

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Zitat ist frei erfunden.

Bewertung: völlig falsch

Angebliche Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist ein Fake

Zitat Klamm-Rothenberger 2
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Zitat Klamm-Rothenberger 2
Die Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist frei erfunden – die Falschmeldung war Teil eines Satireprojekts. (Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

In einem Tweet verharmlost die vermeintliche Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ den Mord an einer Freiburger Studentin. Doch eine Grünen-Politikern mit diesem Namen gibt es gar nicht. Darauf machten die österreichischen Faktenchecker von Mimikama bereits im Dezember 2016 aufmerksam.

Ein Facebooknutzer veröffentlichte am 17. Januar 2018 eine Fotomontage. Darauf zu sehen ist angeblich ein Tweet einer Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“. Diese soll am 5. Dezember 2016 in Bezug auf den Mordfall Maria L. getwittert haben: „In der Heimat des Täters werden vergewaltigte Frauen zum Tode verurteilt. Deshalb musste er sie nach der Vergwaltigung töten. Für diese kulturellen Unterschiede müssen wir Verständnis haben.

Maria L. wurde am 16. Oktober 2016 in Freiburg im Breisgau vergewaltigt und anschließend ermordet. Der Täter, Asylbewerber Hussein K., wurde am Freiburger Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Fotomontage wurde bisher über 8.000 Mal geteilt, derzeit wird das Posting wieder vermehrt verbreitet.

Diese Fotomontage veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook. Sie stammt vom „Blog Halle Leaks“, dieser nennt wiederum die Fake-News-Seite „Mosel Kurier“ als Quelle. (Screenshot von CORRECTIV)

Stammt diese Aussage tatsächlich von einer Grünen-Politikerin? Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama sind dem angeblichen Zitat bereits im Dezember 2016 auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: Es handelt sich um einen Fake.

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Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist frei erfunden

Denn: Eine Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“ gibt es nicht. Weder eine Google-Suche nach dem Namen, noch ein Blick auf die Webseite der Grünen, bringt Erfolg.

Mimikama weist außerdem darauf hin, dass der angebliche Tweet zu viele Zeichen hat. Erst seit November 2017 herrscht auf Twitter ein Limit von 280 Zeichen pro Tweet – zuvor war ein Tweet auf nur 140 Zeichen beschränkt. Dieses Zeichenlimit übersteigt der angebliche Tweet mit 164 Zeichen deutlich.

Auch die Herkunft des Fotos, das die Grünen-Politikerin zeigen soll, konnte Mimikama rekonstruieren: Das Foto findet man auf der frei zugänglichen Bilddatenbank Pixabay“. Bilder, die auf Pixabay veröffentlicht werden, können kostenlos und ohne Nennung der Quelle verwendet werden.

Erfundener Tweet stammt von Fake-News-Projekt der Satiresendung „Bohemian Browser Ballett

Die Fotomontage stammt vom Blog Halle Leaks, als Quelle wird dort wiederum der Mosel Kurier genannt.

Der Mosel Kurier war ein Projekt des „Bohemian Browser Ballett, eine Satiresendung des ARD-ZDF-Jugendkanals Funk. Initiator Christian Brandes alias Schlecky Silberstein sagte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost: „Der Mosel Kurier produziert Fake-Fake-News, man kann auch sagen Fakeception – der Fake im Fake.“ Man habe mit dem Mosel Kurier darauf aufmerksam machen wollen, dass „Fake News keine Randerscheinung sind und wie Fake News funktionieren“, so Silberstein.

Der angebliche Tweet der erfundenen Grünen-Politikerin war Teil des Projekts. Erreichbar ist die Webseite des Mosel Kurier nicht mehr. Das Projekt wurde am 31. Dezember 2016 beendet.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Eine Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“ gibt es nicht. Das Foto stammt aus einer frei zugänglichen Bilddatenbank. Die Falschmeldung entstammt einem Projekt der Satiresendung „Bohemian Browser Ballett”.

Bewertung: völlig falsch

Gefälschtes Grünen-Wahlplakat von 2017 wieder im Umlauf

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Im Internet verbreitetes gefälschtes Grünen-Wahlplakat, Bearbeitung und Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Nutzer teilen im Internet aktuell wieder ein gefälschtes Wahlplakat der Grünen. Es wurde bereits vor knapp zwei Jahren als falsch entlarvt.

Am 23. Januar teilte eine Nutzerin auf ihrer Facebookseite ein vermeintliches Wahlplakat der Grünen. Darauf zu sehen: eine Gruppe Mädchen. Alle bis auf eine Jugendliche sind dunkelhaarig. Unter dem Bild steht in der typischen Schrift der Partei Die Grünen: „Keine Deutschen Kein Rassismus“.

Facebookbeitrag vom 23. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

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Das Plakat kursierte bereits 2017 im Netz und wurde schon damals als Fälschung entlarvt. Darüber berichtete der Deutschlandfunk im Februar 2017 in einem Online-Artikel. „Verbreitet wurde das Bild von einer AfD-Ortsgruppe aus Emmendingen in Baden-Württemberg“, schrieb der Deutschlandfunk. Spiegel Online berichtete in einem Artikel vom selben Tag, dass die AfD den Beitrag schließlich löschte. Im Netz verbreitet sich das Bild seitdem trotzdem weiter.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Wahlplakat ist gefälscht.

Bewertung: unbelegt

Das steckt hinter dem angeblichen Zitat von Ursula von der Leyen (CDU) zu Migrantenkindern

GERMANY-POLITICS-PARTIES-CDU-CONGRESS
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Nutzer verbreiten im Internet ein angebliches Zitat von Ursula von der Leyen. (Foto: John Macdougall / AFP )

von Cristina Helberg

Im Netz teilen viele Menschen einen Satz, den die Politikerin Ursula von der Leyen gesagt haben soll. Welche Quellen es für das Zitat „Migrantenkinder sind unsere Zukunft“ gibt, erklärt unser Faktencheck.

Es ist nur ein kurzer Satz: „Migrantenkinder sind unsere Zukunft“. Gesagt haben, soll ihn Ursula von der Leyen (CDU). Seit Jahren kursiert das angebliche Zitat im Netz. Aktuell wird es wieder häufig geteilt.

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Am 16. Januar veröffentlichte die Seite „Heimatliebe“ eine Fotomontage mit dem Satz und einem Bild von der Leyens auf Facebook. Innerhalb weniger Stunden teilten 154 Nutzer den Beitrag. Eine Quelle für die Aussage wird dort nicht genannt.

Facebookbeitrag vom 16. Januar 2019 mit einem unbelegten Zitat von Ursula von der Leyen

Einzige Quelle: eine Zwischenüberschrift des Focus

Die einzige Quelle für dieses angebliche Zitat ist eine Zwischenüberschrift eines Focus Artikels vom 26. Mai 2008. In dem auf die Überschrift folgenden Absatz wird das Zitat jedoch nicht mehr aufgegriffen. Stattdessen wird Ursula von der Leyen dort folgendermaßen zum Thema Unterstützung von Migranten zitiert: „Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, wie sehr wir diese Kinder brauchen: In 20, 30 Jahren erwarten von diesen Kindern, dass sie innovativ und verantwortungsbewusst dieses Land tragen.“

Zwischenüberschrift in einem Focus-Artikel aus dem Jahr 2008, Screenshot: CORRECTIV

Ähnlich zitierte die Süddeutsche Zeitung im Jahr 2008 Ursula von der Leyen: „Jedes dritte Kind unter sechs Jahren kommt aus einer Migrantenfamilie. Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, wie sehr wir diese Kinder brauchen: Was wir heute in diese Kinder investieren, zahlt sich in der demografisch schwierigen Phase in 20, 30 Jahren aus, wenn meine Generation um die achtzig Jahre alt ist. Wir erwarten dann von diesen Kindern, dass sie innovativ und verantwortungsbewusst dieses Land tragen.“

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Ursula von der Leyen hat sich laut verschiedenen Medien 2008 für eine Förderung von Migrantenkindern ausgesprochen, da diese in Zukunft „das Land tragen“. Das verkürzte Zitat findet sich nur in einer Zwischenüberschrift.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege für angebliches Zitat von Daniel Cohn-Bendit (Grüne)

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Angebliches Zitat ohne Quellenangabe (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook teilen Nutzer einen Satz, den der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit gesagt haben soll. Dafür gibt es jedoch keine Belege.

Am 12. Januar veröffentlichte die Facebookseite „HeimatLiebe“ ein Foto des Grünen-Politikers Daniel Cohn-Bendit. Daneben steht eine angebliche Aussage von ihm: „Wir, die Grünen, müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.“ Eine Quellenangabe für das vermeintliche Zitat fehlt. Der Beitrag wurde bisher 263 Mal geteilt. Hat der Politiker den Satz wirklich gesagt?

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Zitat kursierte auf Seiten der NPD

Es ist nicht das erste Mal, dass der Satz im Netz auftaucht. Im Jahr 2015 hatte die Politikerin Erika Steinbach (zu diesem Zeitpunkt CDU) die Aussage bei Twitter verbreitet. Das nahm das Nachrichtenmagazin Focus damals zum Anlass für einen Artikel. Darin steht: „Eine Quelle und ein Datum zu dem Zitat lieferte Steinbach aber nicht – auch nicht auf die Forderung vieler anderer Nutzer hin. Ein User schreibt: ‘Welche Quelle haben Sie für dieses Zitat? Ich kann nur rechtsradikale Foren finden.’ Damit hat er Recht: Tatsächlich kursiert dieses Zitat seit Jahren im Netz – unter anderem auf Seiten der NPD“.

Auch Der Westen berichtete im Jahr 2015 über das Zitat und verwies auf fehlende Quellen.

Facebookbeitrag mit vermeintlichem Zitat des Grünen-Politikers Daniel Cohn-Bendit

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Nach unseren Recherchen gibt es keinen Beleg für dieses Zitat.

Bewertung: falsch

Nein, Joschka Fischer möchte Deutschland nicht einhegen und heterogenisieren

Zitat Fischer
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Zitat Fischer
Dieser Satz stammt nicht von Joschka Fischer, sondern ist eine Einordnung der Journalistin Mariam Lau. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Aktuell teilen Nutzer auf Facebook wieder ein angebliches Zitat von Joschka Fischer (Grüne). Warum der Satz nicht von ihm stammt, erklären wir im Faktencheck.

„Deutschland muss von außen eingehegt werden und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden“, das soll Joschka Fischer (Grüne) gesagt haben. Zumindest behaupten das Posts, die Nutzer aktuell auf Facebook hundertfach teilen. Die Facebookseite „HeimatLiebe“ veröffentlichte am 10. Januar ein Bild von Fischer mit dem vermeintlichen Zitat.

Facebookbeitrag mit falschem Zitat, Screenshot: CORRECTIV

Aber stimmt dieses Zitat? Mit dieser Frage beschäftigte sich 2016 auch die Braunschweiger Zeitung, nachdem sie das vermeintliche Zitat in einem Leserbrief abgedruckt hatte.

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Die Zeitung veröffentlichte am 2. August 2016 mehrere Leserbriefe zu dem berühmten Satz „Wir schaffen das“ von Angela Merkel. Ein Leser warf Merkel in seinem Brief vor, sich grüner Politik anzunähern und erwähnte in diesem Zusammenhang ein vermeintliches Zitat von Grünen-Politiker Joschka Fischer.

Screenshot des Leserbriefs aus dem Jahr 2016 in der Braunschweiger Zeitung

So kam es zu dem angeblichen Zitat  

Nach Beschwerden von Lesern prüfte die Redaktion das angebliche Zitat und kam zu dem Schluss, dass der Satz nicht von Joschka Fischer stammt: „Als Quelle ist ‘Die Welt’ vom 7. Februar 2005 angegeben. Tatsächlich ist an dem Tag eine Besprechung von Joschka Fischers Buch ‘Risiko Deutschland’ in der Zeitung erschienen, und auch der Satz taucht auf. Aber es sind die Worte der Autorin des Beitrags, Mariam Lau, die damit Joschka Fischers Sorge vor einem – wenn auch demokratisch gefestigten – Deutschland ohne Westbindung und europäischer Integration umschreibt“, schreibt die Braunschweiger Zeitung.

Das kann auch jeder Leser selbst nachprüfen. Der Welt Artikel ist online verfügbar. Im letzten Absatz steht der Satz der Journalistin Mariam Lau.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der Satz stammt nicht von Joschka Fischer, sondern ist eine Einordnung der Journalistin Mariam Lau.

Bewertung: völlig falsch

Frei erfundenes Zitat von Heiko Maas über 6-jährige Ehefrauen

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Heiko Maas erntete für seinen Vorschlag, Kinderehen im Einzelfall zu prüfen, heftige Kritik (Foto: Odd Andersen / AFP)

von Cristina Helberg

Das Thema Kinderehen wird auf Sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert. Immer wieder taucht in den Kommentaren auch ein angebliches Zitat von Heiko Maas auf. Doch der Satz ist frei erfunden.

Am 10. Januar veröffentlichte die Facebookseite „Menschen für Deutsch-Russische Freundschaft“ ein Bild von Heiko Maas. Neben seinem Konterfei steht eine Aussage, die für Nutzer wie ein Zitat von Maas wirkt. Eine Quellenangabe fehlt. Der Beitrag wurde 224 Mal geteilt. „Auch wenn die Ehefrau erst 6 und der Mann 56 ist, können wir nicht einfach unterstellen, die Heirat wäre nicht aus Liebe vollzogen“, steht dort. Das hat Heiko Maas aber nie gesagt.

Facebookbeitrag mit der vermeintlichen Maas-Aussage, Screenshot: CORRECTIV

Das angebliche Zitat geht zurück auf das Vorschaubild eines Artikels der rechten Seite Halle Leaks, die immer wieder Falschmeldungen veröffentlicht. So auch im Oktober 2016. Damals erschien auf der Seite ein Artikel mit der Überschrift „Maas billigt Kinderehen – Solang sich das Kind nicht beschwert“. Kopiert man den Link zum Artikel und postet ihn auf Facebook, erscheint ein Vorschaubild mit dem vermeintlichen Zitat von Maas zu Kinderehen.

Dieses Vorschaubild erscheint, wenn Nutzer den Beitrag auf Facebook teilen wollen, Screenshot: CORRECTIV

Im Artikel selbst ist das Bild nicht zu sehen und auch der angebliche Satz wird nicht erwähnt. Unter dem Artikel wird auf eine Meldung der BILD verlinkt. Doch auch dort taucht das vermeintliche Zitat nicht auf.

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Maas erntete Kritik für Vorschlag zu Kinderehen  

Im Dezember 2016 fasste der Spiegel den Verlauf der Debatte um den Umgang mit  Kinderehen in Deutschland in einem Artikel zusammen. Maas hatte sich in der Diskussion um ein Verbot zunächst für eine Einzelfallprüfung der betroffenen Ehen ausgesprochen. Dafür erntete er viel Kritik.

In dem Artikel thematisieren die Journalisten des Spiegel auch das angebliche Zitat von Heiko Maas: „Im Netz wurden frei erfundene Maas-Zitate verbreitet: ‘Auch wenn die Ehefrau erst 6 und der Mann 56 ist, können wir nicht einfach unterstellen, die Heirat wäre nicht aus Liebe vollzogen.’ Fake News, die rechte Internetgemeinde tobte.“

Auch der Blogger Schlecky Silberstein griff das vermeintliche Zitat im Frühjahr 2018 in seinem Buch „Das Internet muss weg“ auf. Er stellt klar: „Das hat Heiko Maas nie gesagt. Maas hat lediglich gesagt, im Alter zwischen 16 und 18 Jahren könne es Ausnahmeregelungen geben.“

Silberstein geht auch auf die Taktik ein, die Autoren des falschen Zitats nutzen. „In der Kombination aus Text und Bild wirkt die Aussage wie ein Zitat. Der Autor der Meldung kann dem entgegenhalten, dass es sich um eine polemische Artikelüberschrift handele. Außerdem fehlen da die Anführungsstriche, die ein Zitat üblicherweise als Zitat kennzeichnen“.

Dass Nutzer, die das Bild in ihren Newsfeeds sehen, die Meldung für echt halten, zeigen zahlreiche Kommentare unter dem Post.

Kommentare unter dem Facebookpost. Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Zitat ist frei erfunden.

Bewertung: teilweise falsch

Nein, Sieglinde Frieß (Grüne) will nicht, dass Frankreich bis zur Elbe reicht

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Das aus dem Kontext gerissene Zitat wird seit Jahren im Netz geteilt. Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Seit Jahren kursiert im Netz ein aus dem Kontext gerissenes Zitat der Politikerin Sieglinde Frieß. Unser Faktencheck erklärt den Hintergrund.

Falsche Zitate von Politikern und öffentlichen Personen drehen auf Sozialen Netzwerken gerne Dauerschleifen – obwohl sie oft schon vor Jahren als frei erfunden oder falsch entlarvt wurden.

So ist es auch in diesem Fall. Am 9. Januar postete die Facebookseite „HeimatLiebe“ ein angebliches Zitat von Sieglinde Frieß (Die Grünen): „Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“ Eine Quellenangabe fehlte. Stimmt das Zitat?

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Auf der Suche nach der Zitatquelle

Wer im Internet nach Quellen für dieses Zitat sucht, stößt auf einen Artikel des Spiegel aus dem Jahr 1990. Dort steht: „Lieber als ein wiedervereinigtes Deutschland sähen linke Grünen-Abgeordnete wie Siggi Frieß offenbar gar kein Deutschland: ‘Das Beste wäre für Europa’, zitierte sie vor dem Bundestag ein Kabarettistenwort, ‘wenn Frankreich bis an die Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.’ “ Doch im Spiegel ist der Zusammenhang nur unvollständig wiedergegeben.

Im Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages vom 5. September 1989 können alle Interessierten auf Seite 11758 nachlesen, was Frieß genau gesagt hat. Dem Protokoll zufolge sagte sie: „Wir fordern erstens die konsequente Absage an jegliche Großmachtsbestrebungen, zweitens die Anerkennung der DDR und der DDR-Staatsbürgerschaft und drittens eine grundsätzlich andere Politik für Immigrantinnen bzw. Immigranten und Flüchtlinge, um in Zukunft das zu verhindern, was derzeit noch Wahres in dem Zitat von Wolfgang Neuss steckt, den ich zum Schluß zitieren will:

Das Beste

Es läßt mich nicht ruhen: Wie kann ich wirklich was für Europa tun? Und wenn Du mich einen Landesverräter nennst — das Beste wäre für Europa, wenn Frankreich bis an die Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“

Frieß zitierte 1989 also den deutschen Kabarettisten Wolfgang Neuss und bezeichnete einen Teil seiner Aussage als etwas „Wahres“, das es in Zukunft zu verhindern gelte.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Sieglinde Grieß zitierte mit dem Satz den Kabarettisten Wolfgang Neuss. Dieser Kontext fehlt.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Jürgen Trittin möchte den deutschen Bevölkerungsanteil nicht zurückdrängen

GERMANY-POLITICS-GREEN-PARTY
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GERMANY-POLITICS-GREEN-PARTY
Nutzer verbreiten im Netz ein angebliches Zitat von Jürgen Trittin ohne Quelle. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Immer wieder kursieren auf Sozialen Netzwerken falsche Zitate von Politikern und öffentlichen Personen. Das Problem: Obwohl die Zitate teilweise schon vor Jahren als frei erfunden oder falsch offenbart wurden, verbreiten Nutzer sie weiter im Internet.

Aktuell wird wieder ein vermeintliches Zitat von Jürgen Trittin (Grüne) im Netz geteilt. Angebliches soll er gesagt haben: „Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.“

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Stimmt dieses Zitat? Mit dieser Frage beschäftigte sich 2016 auch die Braunschweiger Zeitung, nachdem sie das vermeintliche Zitat in einem Leserbrief abgedruckt hatte. Die Zeitung veröffentlichte am 2. August 2016 mehrere Leserbriefe zu dem berühmten Satz „Wir schaffen das“ von Angela Merkel. Ein Leser warf Merkel in seinem Brief vor, sich grüner Politik anzunähern und erwähnte in diesem Zusammenhang das vermeintliche Zitat von Grünen-Politiker Jürgen Trittin.

Screenshot des Leserbrief aus dem Jahr 2016 in der Braunschweiger Zeitung, Screenshot: CORRECTIV

Nach Beschwerden von Lesern prüfte die Redaktion das angebliche Zitat. Im Zuge der Recherche ergab sich die Quellenangabe als haltlos. „Erschienen ist das angeblich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 2. Januar 2005. Nach Rücksprache mit den Kollegen im FAS-Archiv hat es dieses Interview nicht gegeben, es handelt sich um kein FAS-Zitat, es ist frei erfunden“, so die Redaktion der Braunschweiger Zeitung. Auch wir konnten keinen Beleg dafür finden, dass Trittin dieses Zitat irgendwann tatsächlich gesagt hat.

Unsere Bewertung:
Nach unseren Recherchen ist das Zitat frei erfunden.