Politik

Erneut falsche Zitate von Joschka Fischer im Umlauf 

Seit Jahren werden dem ehemaligen Außenminister der Grünen, Joschka Fischer, verschiedene deutschlandkritische Aussagen zugeschrieben. Drei haben wir geprüft; nur eine davon stammt nachweislich von ihm. 

von Alice Echtermann

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Dem Grünen-Politiker Joschka Fischer werden verschiedene Zitate zugeschrieben, die angeblich seine Abneigung gegen Deutschland zeigen. (Symbolfoto: AFP / Tobias Schwarz)
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Größtenteils falsch. Ein Zitat ist richtig, eins stammt nicht von Joschka Fischer und eins ist unbelegt. 

Eine Facebook-Nutzerin teilte am 2. Mai eine Bild-Text-Collage, in der drei angebliche Zitate des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer (Grüne) zu lesen sind. Der Beitrag wurde bisher mehr als 2.500 Mal geteilt. 

Wir haben die Aussagen überprüft, nur ein Zitat stammt nachweislich von Fischer.

Der Facebook-Beitrag vom 2. Mai 2019. (Screenshot am 29. November: CORRECTIV)

1. Zitat: „Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“ 

Das Zitat ist korrekt. Die Quelle ist eine Ausgabe der Frankfurter Zeitschrift Pflasterstrand von 1982, wie es auch auf der Text-Bild-Collage angegeben ist. CORRECTIV hat dieses Zitat bereits in einem Faktencheck überprüft. Wir haben es im Duisburger Archiv für alternatives Schrifttum in der 133. Pflasterstrand-Ausgabe gefunden. 


Der Satz stammt aus einem Beitrag von Joschka Fischer mit der Überschrift „Ein Deutscher auf großer Feindfahrt – Eine Antipolemik zu Karl Heinz Bohrer“. Fischer schrieb im Kontext seiner Feststellung, kein anderes Volk Europas habe auf „diesem Kontinent in der Moderne einen rassistischen Vernichtungskrieg geführt […], keines solche Verbrechen begangen, wie das deutsche in den Jahren zwischen 1933 und 1945.“ 

2. Zitat: „Deutschland muss von außen eingehegt, und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.“ 

Falsch, das Zitat stammt nicht von Joschka Fischer. Die Quelle, die in der Collage angegeben wird, ist eine Rezension zu Fischers Buch „Risiko Deutschland“ in der Welt vom 7. Februar 2005. Das stimmt zwar, aber die Aussage stammt nicht von Fischer, sondern von der Autorin des Welt-Artikels, Mariam Lau. Es ist ihre eigene Interpretation dessen, was Fischer in seinem Buch geschrieben hat. Auch dies haben wir bereits in einem Faktencheck Anfang 2019 recherchiert

3. Zitat: „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind […]“

Das Zitat ist unbelegt. Die vollständige Aussage in der Text-Bild-Collage lautet: „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“

Es ist keine Quelle angegeben. Aus dem Welt-Artikel von 2005 stammt das Zitat nicht, auch wenn die rote Markierung in der Collage dies vielleicht andeuten soll.

Auf Google stößt man bei der Suche nach dem vollständigen Zitat ausschließlich auf Beiträge von Internetnutzern, in denen das Zitat Joschka Fischer zugeschrieben wird – zum Beispiel auf eine Kundenrezension auf Amazon von 2013 zu Fischers Buch „Risiko Deutschland“ oder einen Nutzerkommentar von 2017 unter einem Welt-Artikel über Joschka Fischer. Auch in dem Buch „Die letzte Amtszeit der Bundeskanzlerin“ von Günter Köchy (2018) wird die Aussage Joschka Fischer zugeschrieben (Seite 105). Nirgendwo wird jedoch eine Quelle dafür genannt.

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Eine weitere Google-Suche mit nur einigen prägnanten Begriffen aus dem Zitat führt ebenfalls zu keinem Hinweis. Im Laufe der Recherche stießen wir jedoch auf Hinweise, dass das Zitat aus den USA stammen könnte. In einem Blogbeitrag von 2015 wird angegeben, Fischer habe den Satz 2008 in den USA gesagt. Auf einer anderen Webseite steht (wieder als Nutzerkommentar), es sei 1993 bei einer Rede in den USA gewesen. 

Fischer war von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister und vorher Umweltminister in Hessen. Wir fanden keine Hinweise auf eine Reise Fischers in die USA im Jahr 1993. Eine zeitlich nur auf das Jahr 1993 begrenzte Google-Suche nach „Joschka Fischer“ und „Deutschland ist“ führt zu keinem relevanten Treffer. Vor 1993 findet man mit der Kombination „Fischer“ und „Deutschland ist ein Problem“ überhaupt keine Ergebnisse

Es könnte sein, dass Fischer eine englischsprachige Rede gehalten oder ein Interview auf Englisch gegeben hat, deshalb haben wir auch danach gesucht. Eine Suche ohne Zeitbeschränkung auf Englisch („Germany is a problem“) führt zu einer englischen Webseite, auf der wieder ein Nutzer das angebliche Zitat als Kommentar hinterlassen hat. Als Quelle gibt er die Seite „Metapedia“ an, die in einem Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg 2010 als „eine rechtsextreme Version von Wikipedia“ bezeichnet wurde (PDF, Seite 92). Eine weitere Google-Suche nach dem Satzteil „Germany is a problem because Germans are“ zeigt, dass das Zitat auf Englisch ausschließlich von Internetnutzern verbreitet wird. Wir konnten während der gesamten Recherche keine Belege für das Zitat finden.





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