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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: teilweise falsch

Ein wohnungsloser Mann soll eine 17-Jährige aus Unkel getötet haben

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Wegen eines neuen Rechnungswesens wurden Rechnungen der Polizei NRW mit Verzögerung bearbeitet. (Symbolbild)© TechLine / pixabay

von Anna Mayr

In Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen soll ein 19-Jähriger eine 17-Jährige umgebracht haben. Er hat die Tat gestanden. Er ist kein Flüchtling, lebt aber in einem Wohnungskomplex, in dem auch Flüchtlinge leben.

Ein 17-jähriges Mädchen wurde am 2. Dezember in Sankt-Augustin tot aufgefunden. Mehrere Internetseiten, darunter Russia Today und die Facebookseite Bürgerbewegung pro Chemnitz, schrieben, die Polizei habe die Leiche der 17-Jährigen in einer Flüchtlingsunterkunft gefunden.

Die Polizei hatte bereits am 3. Dezember in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass der Tatverdächtige, ein Deutsch-Kenianer, in einer Unterkunft wohnt, in der sowohl Obdachlose wie auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der 19-Jährige führte die Polizei in sein Zimmer in der Unterkunft. Dort lag die 17-Jährige leblos.

Später gestand der Mann die Tat: Er sei mit der 17-Jährigen am 30. November in einer Kneipe gewesen. Sie habe ihn in seine Unterkunft begleitet, dort sei es zum Streit gekommen. Das berichtete T-Online.de. Wie genau er sie tötete, dazu machte die Polizei keine Angaben.

Die Rathaussprecherin Eva Stocksiefen sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger zur Unterkunft, dies sei „ganz normaler Wohnraum“ in dem ohne besondere Betreuung sowohl Flüchtlinge als auch Obdachlose leben würden. Es handelt sich also nicht um eine Erstaufnahme-Unterkunft oder ein „Heim“, sondern um Wohnraum, den die Kommune für Menschen zur Verfügung stellt, die aus verschiedenen Gründen ohne Wohnung sind.

39 Wohnungssuchende leben in der Unterkunft

CORRECTIV hat die Polizei in Bonn kontaktiert, die die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hat. Der Tatverdächtige Deutsch-Kenianer ist laut einem Sprecher der Polizei kein Flüchtling, sondern wohnungslos.

Die Polizei sagte zunächst, dass sie von einer Beziehungstat ausgehe, da das Opfer und der Tatverdächtige sich kannten. 141 Frauen wurden in Deutschland im Jahr 2017 von ihren Partnern umgebracht – und das sind nur die vollendeten Taten. So geht es aus einer Statistik des Bundeskriminalamts hervor.

Der Tatverdächtige allerdings sagt, er habe die 17-Jährige erst am 30. November kennengelernt. Die Ermittlungen dauern an.

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In der Unterkunft leben 39 Menschen. Wie viele davon wohnungssuchend und wie viele Flüchtlinge sind, ließe sich nicht differenzieren, „weil es dort auch Flüchtlinge gibt, deren Asylverfahren abgeschlossen sind und die eine Wohnung suchen.“

Unsere Bewertung:
Der 19-Jährige Tatverdächtige lebt in einer Unterkunft, die die Kommune für 39 Flüchtlinge und Obdachlose bereitstellt. Er selbst ist kein Flüchtling.

Bewertung: falsch

Flucht in Köln: Psychisch kranker Straftäter bereits Mitte April gefasst

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Polizeiwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof (Foto Patrik Stollarz / AFP)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite teilt das Bild eines verurteilten Straftäters und behauptet, dass dieser flüchtig sei. Der Mann wurde jedoch längst gefasst.

Die Facebook-Seite „Pawinga“ veröffentlichte am 23. April ein Foto eines Mannes. Unter dem Foto ist zu lesen: „Am Sonntag ist der psychisch kranke Straftäter Otto K. geflohen.“ Die Seite verlinkt in dem Beitrag einen Artikel von RTL. Der Facebook-Post wurde 658 Mal geteilt. 

Das Posting der Facebook-Seite. (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

In dem RTL-Artikel werden weitere Details der Flucht und des Flüchtigen beschrieben. K. soll nach einem Ausgang nicht mehr in die Kölner Psychiatrie zurückgekehrt sein. Veröffentlicht wurde der Artikel am 8. April 2019.

Ja, der psychisch kranke Straftäter war auf der Flucht

Diese Darstellung bestätigt auch eine Pressemitteilung der Kölner Polizei vom 7. April, in der sie um Zeugenhinweise bat. Vier Tage später, am 11. April, folgte in einer weiteren Pressemitteilung die Entwarnung. K. wurde am Kölner Hauptbahnhof gefasst.

Erst zwölf Tage später teilte die Facebook-Seite das Bild mit dem Fahndungsaufruf. K. war da längst festgenommen.

Die Veröffentlichungen in chronologischer Reihenfolge. (Bearbeitung und Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Otto K. wurde schon am 11. April 2019 gefasst. Der Facebook-Post wurde 12 Tage nach seiner Festnahme veröffentlicht.

Bewertung: falsch

Falscher Suchaufruf in Koblenz: Nein, dieses Mädchen wird nicht vermisst

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Das Foto des angeblich vermissten Mädchens (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

von Simon Wörz

Eine junge Frau veröffentlichte auf Facebook das Foto eines vermeintlich vermissten Mädchens aus dem Raum Koblenz. Innerhalb von 24 Stunden wird der Beitrag von 9000 Nutzern geteilt. CORRECTIV ist der Sache nachgegangen.

Am 3. April teilte eine Facebook-Nutzerin das Bild eines blonden Mädchens, welches angeblich im Raum Koblenz vermisst werde. Bei dem Foto handelt es sich offensichtlich um einen Screenshot von dem Foto-Messenger Snapchat. In einem kurzen Text wird zur Verbreitung des Bildes aufgerufen: „Dieses Mädchen wird seit gestern im Raum Koblenz vermisst. Wer sie gesehen hat bitte melden. Bitte teilt dieses Foto! Danke.“

Innerhalb weniger Stunden kamen tausende Nutzer dem Aufruf nach. Knapp einen Tag später wurde das Foto bereits 9000 Mal geteilt.

Der Polizei Koblenz ist der Fall nicht bekannt

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte das Polizeipräsidium Koblenz mit, dass das Mädchen nicht als vermisst gemeldet wurde und ein entsprechender Fall nicht bekannt sei.

Die schriftliche Antwort der Polizei Koblenz (Screenshot CORRECTIV)

Das Foto zeigt eine kurzzeitig vermisste 14-Jährige in Russland

Mithilfe der umgekehrten Bildersuche der Suchmaschine Yandex recherchierte CORRECTIV den Ursprung des Originalbildes: Das Foto zeigt ein Mädchen, das vor wenigen Tagen in Russland als vermisst galt. Am Abend des 28. März berichteten russische Lokalmedien wie astv.ru und Sakhalin.info über eine Teenagerin, die nach einem Einkaufsbummel mit einer Freundin nicht nach Hause zurückgekehrt sei. Dabei handele es sich um eine 14-jährige, die auf der Insel Sachalin im Südosten Russlands lebe.

Am Vormittag des 29. März ergänzten die lokalen Medien die Meldung. Das Mädchen sei gefunden worden und wieder bei ihren Eltern.

Die Vermisstenmeldung auf astv.ru (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)
Die Vermisstenmeldung von Sakhalin.info (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

CORRECTIV kontaktierte die Facebook-Nutzerin, die das Bild veröffentlicht hat und konfrontierte sie mit der Tatsache, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Die Nutzerin antwortete, sie stamme aus Koblenz und habe den Screenshot von dem Snapchat-Bild eines anderen Mädchens aus Koblenz gemacht. Woher ihre Bekannte das Bild habe, könne sie nicht sagen. Mittlerweile hat die Nutzerin das Bild gelöscht.

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Mädchen wurde in Russland vermisst, ist aber wieder aufgetaucht.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der Express Artikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Nein, der Amokfahrer von Bottrop war kein Bosnier

Titel_Bottrop
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Titel_Bottrop
In der Silvesternacht fuhr ein Mann mehrere Menschen an. Sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden. (Symbolbild: Hans/pixabay)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert die Behauptung, der Amokfahrer von Bottrop und Essen wäre Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Das ist falsch, es handelt sich bei dem Attentäter um den deutschen Staatsbürger Andreas N.

Auf Facebook finden sich mehrere Postings mit Aussagen wie: „‘Der ausländerfeindliche Deutsche’, der in eine Gruppe illegaler Einwanderer gefahren sein soll ist ein Bosnier mit deutschem Pass.“ Sie wurden tausendfach geteilt.

Screenshot von Facebook
Screenshot von Facebook

Zwar haben einige Nutzer in den Kommentaren darunter auf die falsche Meldung hingewiesen, dennoch wittern einige eine große Verschwörung. Ein Facebook-Nutzer kommentiert zum Beispiel, dass der Täter ein Muslim sein muss. Die Politiker würden die Menschen für Dumm verkaufen.

Screenshot von Facebook

Der 50-jährige Essener Andreas N. fuhr in der Silvesternacht mit seinem Auto mehrere Male in Gruppen von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Die Angriffe waren mutmaßlich rassistisch motiviert: Polizei und Staatsanwaltschaft gingen laut Pressemitteilung „von einem gezielten Anschlag aus, der möglicherweise in der fremdenfeindlichen Einstellung des Fahrers begründet“ sei. Acht Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft Essen erließ einen Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes.

Immer wieder behaupteten einige Facebook-Nutzer, der Amokfahrer sei Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Die Beiträge stehen noch so auf Facebook. Auf Nachfrage von CORRECTIV verweist die Pressestelle der Polizei Münster auf ihre Pressemitteilung vom 2. Januar. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass es Andreas N. deutscher Staatsbürger ist.

Es gab allerdings einen anderen Fall am 20. Dezember, nicht weit von Bottrop, in Recklinghausen. Ein 32 jähriger Mann aus Herten, mit bosnischer Staatsbürgerschaft, fuhr mit einem Auto in eine Menschenmenge. Er verletzte mehrere Menschen. Eine Seniorin starb. Laut Polizei gibt es Hinweise auf einen Suizid-Versuch.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der mutmaßliche Amokfahrer der Anschläge in Essen und Bottrop ist deutscher Staatsbürger, nicht Bosnier.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, Facebook-Video von Schlägerei wurde in Gelsenkirchen aufgenommen

Gelsenkirchen 3
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Gelsenkirchen 3
Auf Facebook verbreitet sich derzeit ein Video, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigt. (Facebook-Video, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Auf Facebook wird derzeit ein Video geteilt, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigen soll. Die Beteiligten hätten einen libanesischen Migrationshintergrund, heißt es. CORRECTIV hat recherchiert, ob das stimmt.

„Dieses Video zeigt möglicherweise Gewaltdarstellungen oder explizite Inhalte“, warnt Facebook bei Aufruf eines Videos, das ein Nutzer am 13. Dezember auf dem sozialen Netzwerk teilte. Wer die Warnung wegklickt, sieht eine Schlägerei zwischen mehreren Person. Ein Mensch liegt scheinbar blutend am Boden. Wenig später treffen Polizeibeamte ein und gehen gegen die Beteiligten vor – auch mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

Dieses Video veröffentlichte ein Facebooknutzer am 13. Dezember. Es wurde mehr als 5000 Mal geteilt. (Screenshot von Correctiv)

Der Verbreiter des Videos schreibt, das Geschehen habe sich in Gelsenkirchen abgespielt. Bei den „Angreifern” würde es sich um Libanesen handeln.

Stimmen diese Aussagen? CORRECTIV hat recherchiert.

Video zeigt Polizeieinsatz bei Schlägerei in Gelsenkirchen

„Das Video bezieht sich auf einen Polizeieinsatz in Gelsenkirchen vom 01. Dezember 2018“, bestätigte Polizeihauptkommissarin Karin Schute vom Polizeipräsidium Gelsenkirchen auf Anfrage von CORRECTIV.

Laut Pressemitteilung war es an diesem Tag am Hauptbahnhof in der Gelsenkirchener Altstadt zu einer größeren Schlägerei zwischen etwa zehn Personen gekommen. Als die ersten Streifenwagen eintrafen, lag eine Person bereits am Boden, mindestens vier weitere schlugen und traten noch auf einander ein. Der Polizeieinsatz sei durch eine Gruppe Schaulustiger von ungefähr hundert Personen teilweise behindert worden, weshalb laut Pressemitteilung Pfefferspray zum Einsatz kam.

Die Polizeikräfte konnten die Schlägerei schließlich beenden. Nach notärztlicher Erstversorgung vor Ort wurden die Beteiligten mit Krankenwagen zur weiteren Behandlung in örtliche Krankenhäuser gebracht, zwei der Personen wurden stationär aufgenommen. Zwei Polizeibeamte wurden leicht verletzt. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.

Beteiligte haben türkischen Migrationshintergrund

Die Aussage des Facebooknutzers, bei den Angreifern handle es sich um libanesische Staatsangehörige, konnte Hauptkommissarin Schute nicht bestätigen. „Die festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund“, sagte sie gegenüber CORRECTIV.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig: Das Video zeigt einen Polizeieinsatz bei einer Schlägerei in Gelsenkirchen am 1. Dezember 2018. Die bisher festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund.

Bewertung: völlig falsch

Nein, die Polizei in NRW hat keine Anweisung, Verbrechen von Ausländern zu vertuschen

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Soll die Polizei in NRW Ausländer-Kriminalität vertuschen? Foto: Markus Spiske/unsplash

von Frederik Richter

Auf Facebook kursiert wieder eine angebliche Vorschrift für die Polizei in Nordrhein-Westfalen: laut dieser sollen von Ausländern begangene Straftaten vertuscht werden. Die Vorschrift ist gefälscht. Und die Fälschung nicht neu. Sie machte bereits 2017 die Runde.

Das Dokument sieht offiziell aus: „Vorschrift zur Verhaltensweise der Polizeibeamten des Landes Nordrhein-Westfalen in Sachen Ausländerkriminalität“ steht da, datiert auf den 13. Juli 2017. Unter Punkt 2 der Vorschrift heißt es unter anderem: „Falls die Straftat von einem Flüchtling, Asylbewerber oder von einer Person mit Migrationshintergrund (auch gruppenweise) begangen wurde, sollen jegliche Kontakte mit den Massenmedien ausgeschlossen werden.“

Screenshot von Facebook

Und weiter: Falls das Polizeidelikt von einem Flüchtling, Asylbewerber oder von einer Person mit Migrationshintergrund (auch gruppenweise) begangen wurde, soll das Strafverfahren nicht eingeleitet werden, sondern ein Verweis erteilt werden.“

Polizei: Dokument ist Fälschung

Das Dokument erweckt also den Anschein, als solle die Polizei in Nordrhein-Westfalen Straftaten von Ausländern unter den Tisch kehren – indem sie Medien nicht informiert und Ermittlungen nicht einleitet.

Dieses Dokument ist gefälscht. „Bei dem von Ihnen verlinkten Dokument handelt es sich um eine Fälschung“, teilte Leoni Möllmann, Sprecherin des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen, CORRECTIV mit.

Das Dokument kursierte bereits im Sommer 2017 in sozialen Medien und löste damals ein solches Echo in den Medien aus, dass das Innenministerium eine Pressemitteilung dazu veröffentlichte.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch

Bewertung: falsch

Polizisten nehmen ihre Helme vor Gelbwesten in Südfrankreich ab, um Spannung abzubauen

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Yellow vests (Gilets jaunes) protesters stand in front of French riot police during a demonstration against rising oil prices and living costs in Tours, central France on December 1, 2018. (Photo by GUILLAUME SOUVANT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Video von helmlosen Polizisten wird mit einem falschen Drehort und falschem Kontext auf Facebook geteilt.

Auf Facebook wird ein Video von französischen Polizisten, die ohne Helm auftauchen, mehr als 1000 Mal geteilt.  Ihre Beschreibung ist wie folgt: „In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen“. 

🇫🇷‼️In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen …… ‼️🇫🇷

Gepostet von Thomas D. Wimmer am Sonntag, 2. Dezember 2018

Correctiv fand das Originalvideo: Die Bilder wurden vom Fotografen Quentin Top in Pau aufgenommen. In mehreren Tweets betonte er, dass „es in keiner Weise“ ein Zeichen für Unterstützung war, sondern „es war eine Vereinbarung zwischen den Demonstranten und der Polizei. Sie ziehen ihre Helme aus und die gelben Westen zerstreuen sich in Ruhe.“

Dies bestätigten auch mehrere Lokaljournalisten von France Bleu Béarn, Sud Ouest und La République des Pyrénées, die vor Ort waren. Sie berichten, dass die Polizisten um 19.30 Uhr ihre Helme ausgezogen haben, nachdem die Gelbwesten den Vorschlag gemacht hatten, den Platz vor dem Rathaus zu verlassen, wenn die Polizisten ihre Helme ausziehen.

In einem Video der République des Pyrénées hört man einen Demonstranten sagen: „Jungs, Jungs! Sie sind bereit ihre Helme auszuziehen, aber unter einer Bedingung: Sobald sie die Helme abnehmen, singen wir die Marseillaise, wir lösen uns auf und dann gehen wir.“

Am Ende des Videos setzen die Polizisten ihre Helme wieder auf, weil ein Ei auf sie nach der Hymne geworfen wurde. Das bestätigt auch ein Video von France Bleu Béarn.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video wurde nicht in Marseille gedreht, sondern in Pau. Die Polizisten nahmen ihre Helme ab, um die Spannungen abzubauen und nicht als Geste für Solidarität.

Bewertung: unbelegt

Polizei: kein toter Demonstrant in Paris

FRANCE-SOCIAL-POLITICS-ENVIRONMENT-OIL-DEMO
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Proteste in Paris am 24. November 2018 auf den Champs-Elysées (Foto: Bertrand Guay / AFP)

von Cristina Helberg

Die Seite „AfD Ilmkreis-Gotha“ hat auf Facebook die vermeintliche „Eilmeldung“ verbreitet, in Paris sei ein Demonstrant erschossen worden. Als Beleg soll ein Video dienen, auf dem zu sehen ist, wie eine Person zusammensackt. Die Polizei Paris dementiert einen Todesfall.

Das Video, das als Beweis dienen soll, ist unscharf. Auf einer verrauchten Straße protestieren Menschen in Warnwesten, Autos fahren vorbei, ein Feuer brennt. Plötzlich sinkt eine Person zu Boden. Aus dem Off kommentiert eine Frau auf Französisch. Wo genau das Video aufgenommen wurde und wann, bleibt unklar.

Die Facebookseite „AfD Ilmkreis-Gotha“ postete das Video am 25. November mit dem Hashtag #Paris und dem Hinweis: „In Paris wurde der erste Demonstrant erschossen“. Später ergänzte die Seite den Post mit dem Hinweis, in einer längeren Version des Videos sei zu erkennen, dass es sich wohl um ein Gummigeschoss handele. Das erkläre trotzdem nicht die Leuchtspur, die im Video zu sehen sei. Seit knapp einer Woche protestieren Franzosen landesweit gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuern. Ihr Erkennungszeichen: gelbe Warnwesten.

Der Post der AfD-Facebookseite wurde mehr als 500 Mal geteilt und erreichte fast 11.000 Aufrufe. Wir haben bei der Polizei Paris nachgefragt, ob tatsächlich ein Demonstrant erschossen wurde.

Screenshot Facebook

Polizei: kein toter Demonstrant in Paris

Auf Nachfrage von CORRECTIV weist die Pariser Polizei Berichte über einen toten Demonstranten in Paris zurück. Bei den Protesten am Samstag auf den Champs-Elysées seien 31 Personen verletzt worden, zwei Personen davon schwer. Von den Verletzten sind der Polizei zufolge 24 Demonstranten und sieben Polizisten oder Sicherheitskräfte.

Vergangene Woche gab es bei den Protesten zwei Tote. Eine Frau starb am 17.11 in Pont-de-Beauvoisin, als eine Autofahrerin an einer Straßensperre in Panik geriet und Gas gab. Ein Motorradfahrer starb am 19.11 in Portes-lès-Valence, als er an einem Stau vor einer Straßensperre der Demonstranten vorbeifahren wollte und mit einem Lkw zusammenstieß.

Über beide Fälle berichteten deutsche und französische Medien wie Le Monde und NTV.

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Laut der Pariser Polizei ist in Paris kein Demonstrant gestorben.

Bewertung: unbelegt

Schmierereien auf Friedhof in Northeim: Täter weiter unbekannt

grabschändung
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grabschändung
Der Journalist Eren Güverin teilte dieses Bild auf Twitter. Es zeigt einen besprühten Grabstein auf dem Friedhof Northeim.

von Cristina Helberg

Hakenkreuze und ein Anarchiezeichen schmierten Unbekannte Anfang November auf mehrere muslimische Grabsteine in Northeim. Im Netz behaupten Nutzer nun wahlweise die Täter seien „arabisch sprechende Männer“, „Araber“ oder „Nazis“. Richtig ist: Die Täter sind weiter unbekannt.

Die Randalierer kamen im Schutz der Dunkelheit. Am Tag danach schrieb die Polizei: „In der Nacht zum Sonntag haben ein oder mehrere Unbekannte insgesamt zwölf Grabsteine muslimischer Grabstätten auf dem Northeimer Stadtfriedhof mit roter Farbe geschändet. Gesprüht wurden dabei auch drei Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Der Fall aus der Nacht zum 11. November 2018 sorgte bundesweit für Aufsehen. Knapp eine Woche nach dem Vorfall kursieren verschiedene Behauptungen zu den angeblichen Tätern im Netz.

Der Account „Dora zwitschert“ twitterte am Tag nach dem Vorfall „Die #Hakenkreuz Schmierereien auf einem muslimischen Friedhof in #Northeim stammen von arabisch sprechenden Männern“. Eine Quelle oder einen Beleg liefert der Account für diese Behauptung nicht. Andere Nutzer schreiben auf Facebook „Araber beschmieren Friedhof mit Hakenkreuzen und greifen Passanten an“. Dazu wird teilweise ein Video verlinkt, das zeigt wie sich zwei Gruppen von Männer auf Arabisch anschreien und die eine Gruppe von einem Balkon Flaschen auf die andere wirft. Angeblich eine Reaktion, weil Passanten die Täter gestellt hätten. Dazu später mehr.

Die Grüne Jugend Göttingen tweetete am Tag nach dem Vorfall „Nazis beschmieren in #Northeim muslimische Gräber mit Hakenkreuzen“.

Screenshot Twitter

Das sagt die Polizei: Täter unbekannt

Der Polizei zufolge sind die Täter bisher weiter unbekannt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Uwe Falkenhain, Pressesprecher der Polizei Northeim, am Telefon. Es seien „sowohl religiöse als auch politische Hintergründe denkbar“. Die Unbekannten hätten ausschließlich muslimische Gräber beschmiert. Unter den gesprayten Symbolen seien sowohl Hakenkreuze als auch ein Anarchiezeichen.  

Das Video, das Facebooknutzer als vermeintlichen Beleg für arabisch sprechende Männer als Täter teilen, ist der Polizei bekannt. „Nach jetzigem Stand der Ermittlungen fehlt jeglicher Nachweis, dass die in dem Video handelnden Personen in Zusammenhang mit der Tat stehen“, sagt Falkenhain. Dafür gebe es derzeit „überhaupt keinen Ansatz“.

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Die Täter sind der Polizei zufolge unbekannt.

Bewertung: größtenteils richtig

Vermisstes Mädchen aus Esslingen ist wieder aufgetaucht

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Das vermisste Mädchen ist wieder aufgetaucht. (Symbolbild, Free-Photos / pixabay)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert das Foto eines Mädchens, das angeblich vermisst wird. Doch es ist längst wieder aufgetaucht.

Ein Nutzer teilte das Bild am 7. November. Bisher wurde der Beitrag 1.897 Mal geteilt. Genau am 7. November tauchte Angelina (14) aus Esslingen wieder auf. Das erklärt die zuständige Polizeibehörde auf Nachfrage von CORRECTIV. „Das Mädchen ist seit knapp einer Woche wieder da. Die Meldung ist deshalb nicht mehr aktuell”, sagt Jochen Englisch, Leiter der Kriminalpolizei Esslingen. Er stellt außerdem klar: Das Bild, mit dem Angelina in Sozialen Medien gesucht wurde, stammt nicht von der Polizei. Die Familie des Mädchens habe das Bild bei Instagram geteilt. „Als das Mädchen wieder da war, hatte sich das Bild längst viral verbreitet.” In den Kommentaren unter dem Facebookpost wiesen mehrere Nutzer daraufhin, dass das Mädchen mittlerweile nicht mehr vermisst wird.

Screenshot des Facebookposts (Schwärzung durch CORRECTIV)

Einen öffentlichen polizeilichen Fahndungsaufruf hat es der Polizei zufolge nicht gegeben. In der Zwischenzeit habe die Polizei Hinweise gehabt, dass es dem Mädchen gut gehe.

Unsere Bewertung:
Die Vermisstenmeldung ist nicht mehr aktuell. Am selben Tag an dem das Mädchen wieder auftauchte, erschien auch der Facebook-Post

Bewertung: unbelegt

Mutmaßliche Täter von Freiburg laut Behörden nicht auf Erdogan-Liste

GERMANY-TURKEY-POLITICS-DIPLOMACY
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GERMANY-TURKEY-POLITICS-DIPLOMACY
Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan auf einer Pressekonferenz in Berlin am 28. September 2018. (Foto: Tobias SCHWARZ / AFP)

von Tania Röttger

Mehrere Facebook-Nutzer teilen ein Bild mit der Behauptung, Erdogan habe Deutschland vor den mutmaßlichen Tätern der Gruppenvergewaltigung in Freiburg gewarnt. Behörden dementieren das.

Mehrere Männer sollen am 14. Oktober ein Mädchen in Freiburg vergewaltigt haben. Bisherige Ermittlungen führten zur Inhaftierung von acht mutmaßlichen Tätern, davon sieben mit syrischer Staatsbürgerschaft, einer mit deutscher.

Nun kursiert ein Bild auf Facebook mit folgeneder Behauptung: Acht der mutmaßlichen Täter würden auf einer Liste stehen, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an die Bundesregierung übergeben habe, er habe die Leute auf der Liste in der Türkei vor ein Gericht stellen wollen.

Der Tenor ist: Erdogan hat sich für Deutschlands Sicherheit eingesetzt, doch Deutschland hat nichts unternommen, und der Übergriff in Freiburg ist das Resultat. 

Die Huffington Post berichtete bereits vergangene Woche über das Bild.

Bild von Facebook.

Welche Listen?

Medienberichten zufolge hat Erdogan im September Listen mit Namen von Regierungskritikern an die Bundesregierung übergeben. Allerdings soll die Liste nicht nur Mitglieder der Kurdenpartei PKK erwähnt haben, sondern auch Akademiker, Journalisten wie Can Dündar und angeblich Putschisten. Schon zuvor hatte Erdogan ähnliche Listen überreicht. Im Juli Juli 2017 berichteten Medien von einer Liste, die Unternehmen wie Daimler, BASF und eine Dönerbude in Nordrhein-Westfalen erwähnte. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten sich mit den Listen beschäftigt. Aber nicht um zu prüfen, ob sie die Menschen an die Türkei ausliefern, sondern weil die Menschen auf der Liste möglicherweise durch den türkischen Staat gefährdet sein könnten, wie Sicherheitskreise gegenüber CORRECTIV sagten.

Auf die Frage, ob die Freiburger Polizei bestätigen kann, dass die mutmaßlichen Täter auf einer Liste von Leuten stehen, vor denen Erdogan die deutsche Regierung gewarnt haben soll, antwortet eine Sprecherin der Polizei: „Nein, das können wir nicht bestätigen.“ Die Freiburger Staatsanwaltschaft antwortet ähnlich: „Derartige Informationen kann ich nicht bestätigen.“

Aus Sicherheitskreisen heißt es gegenüber CORRECTIV: Die mutmaßlichen Täter von Freiburg stehen nicht auf einer der Listen von Erdogan. Schriftlich oder öffentlich wollten sie dies aber nicht sagen.

„Ali-Tube“

Das Bild stammt ursprünglich vom verschwörungstheoretischen Youber Ali Iscitürk, der das Bild am 29. Oktober postete. Er betreibt auch die Webseite „Ali-Tube“.

Andere Facebook-Nutzer verbreiteten das Bild weiter.

 

 

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Sicherheitskreise widersprechen der Behauptung, dass Verdächtige im Fall Freiburg auf einer Liste von Erdogan stehen. Umgekehrt nennt „Ali-Tube“ keine Belege für die Behauptung.