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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: teilweise falsch

Ein wohnungsloser Mann soll eine 17-Jährige aus Unkel getötet haben

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Wegen eines neuen Rechnungswesens wurden Rechnungen der Polizei NRW mit Verzögerung bearbeitet. (Symbolbild)© TechLine / pixabay

von Anna Mayr

In Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen soll ein 19-Jähriger eine 17-Jährige umgebracht haben. Er hat die Tat gestanden. Er ist kein Flüchtling, lebt aber in einem Wohnungskomplex, in dem auch Flüchtlinge leben.

Ein 17-jähriges Mädchen wurde am 2. Dezember in Sankt-Augustin tot aufgefunden. Mehrere Internetseiten, darunter Russia Today und die Facebookseite Bürgerbewegung pro Chemnitz, schrieben, die Polizei habe die Leiche der 17-Jährigen in einer Flüchtlingsunterkunft gefunden.

Die Polizei hatte bereits am 3. Dezember in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass der Tatverdächtige, ein Deutsch-Kenianer, in einer Unterkunft wohnt, in der sowohl Obdachlose wie auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der 19-Jährige führte die Polizei in sein Zimmer in der Unterkunft. Dort lag die 17-Jährige leblos.

Später gestand der Mann die Tat: Er sei mit der 17-Jährigen am 30. November in einer Kneipe gewesen. Sie habe ihn in seine Unterkunft begleitet, dort sei es zum Streit gekommen. Das berichtete T-Online.de. Wie genau er sie tötete, dazu machte die Polizei keine Angaben.

Die Rathaussprecherin Eva Stocksiefen sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger zur Unterkunft, dies sei „ganz normaler Wohnraum“ in dem ohne besondere Betreuung sowohl Flüchtlinge als auch Obdachlose leben würden. Es handelt sich also nicht um eine Erstaufnahme-Unterkunft oder ein „Heim“, sondern um Wohnraum, den die Kommune für Menschen zur Verfügung stellt, die aus verschiedenen Gründen ohne Wohnung sind.

39 Wohnungssuchende leben in der Unterkunft

CORRECTIV hat die Polizei in Bonn kontaktiert, die die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hat. Der Tatverdächtige Deutsch-Kenianer ist laut einem Sprecher der Polizei kein Flüchtling, sondern wohnungslos.

Die Polizei sagte zunächst, dass sie von einer Beziehungstat ausgehe, da das Opfer und der Tatverdächtige sich kannten. 141 Frauen wurden in Deutschland im Jahr 2017 von ihren Partnern umgebracht – und das sind nur die vollendeten Taten. So geht es aus einer Statistik des Bundeskriminalamts hervor.

Der Tatverdächtige allerdings sagt, er habe die 17-Jährige erst am 30. November kennengelernt. Die Ermittlungen dauern an.

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In der Unterkunft leben 39 Menschen. Wie viele davon wohnungssuchend und wie viele Flüchtlinge sind, ließe sich nicht differenzieren, „weil es dort auch Flüchtlinge gibt, deren Asylverfahren abgeschlossen sind und die eine Wohnung suchen.“

Unsere Bewertung:
Der 19-Jährige Tatverdächtige lebt in einer Unterkunft, die die Kommune für 39 Flüchtlinge und Obdachlose bereitstellt. Er selbst ist kein Flüchtling.

Bewertung: falsch

Polizisten nehmen ihre Helme vor Gelbwesten in Südfrankreich ab, um Spannung abzubauen

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Yellow vests (Gilets jaunes) protesters stand in front of French riot police during a demonstration against rising oil prices and living costs in Tours, central France on December 1, 2018. (Photo by GUILLAUME SOUVANT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Video von helmlosen Polizisten wird mit einem falschen Drehort und falschem Kontext auf Facebook geteilt.

Auf Facebook wird ein Video von französischen Polizisten, die ohne Helm auftauchen, mehr als 1000 Mal geteilt.  Ihre Beschreibung ist wie folgt: „In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen“. 

🇫🇷‼️In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen …… ‼️🇫🇷

Gepostet von Thomas D. Wimmer am Sonntag, 2. Dezember 2018

Correctiv fand das Originalvideo: Die Bilder wurden vom Fotografen Quentin Top in Pau aufgenommen. In mehreren Tweets betonte er, dass „es in keiner Weise“ ein Zeichen für Unterstützung war, sondern „es war eine Vereinbarung zwischen den Demonstranten und der Polizei. Sie ziehen ihre Helme aus und die gelben Westen zerstreuen sich in Ruhe.“

Dies bestätigten auch mehrere Lokaljournalisten von France Bleu Béarn, Sud Ouest und La République des Pyrénées, die vor Ort waren. Sie berichten, dass die Polizisten um 19.30 Uhr ihre Helme ausgezogen haben, nachdem die Gelbwesten den Vorschlag gemacht hatten, den Platz vor dem Rathaus zu verlassen, wenn die Polizisten ihre Helme ausziehen.

In einem Video der République des Pyrénées hört man einen Demonstranten sagen: „Jungs, Jungs! Sie sind bereit ihre Helme auszuziehen, aber unter einer Bedingung: Sobald sie die Helme abnehmen, singen wir die Marseillaise, wir lösen uns auf und dann gehen wir.“

Am Ende des Videos setzen die Polizisten ihre Helme wieder auf, weil ein Ei auf sie nach der Hymne geworfen wurde. Das bestätigt auch ein Video von France Bleu Béarn.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video wurde nicht in Marseille gedreht, sondern in Pau. Die Polizisten nahmen ihre Helme ab, um die Spannungen abzubauen und nicht als Geste für Solidarität.

Bewertung: unbelegt

Polizei: kein toter Demonstrant in Paris

FRANCE-SOCIAL-POLITICS-ENVIRONMENT-OIL-DEMO
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Proteste in Paris am 24. November 2018 auf den Champs-Elysées (Foto: Bertrand Guay / AFP)

von Cristina Helberg

Die Seite „AfD Ilmkreis-Gotha“ hat auf Facebook die vermeintliche „Eilmeldung“ verbreitet, in Paris sei ein Demonstrant erschossen worden. Als Beleg soll ein Video dienen, auf dem zu sehen ist, wie eine Person zusammensackt. Die Polizei Paris dementiert einen Todesfall.

Das Video, das als Beweis dienen soll, ist unscharf. Auf einer verrauchten Straße protestieren Menschen in Warnwesten, Autos fahren vorbei, ein Feuer brennt. Plötzlich sinkt eine Person zu Boden. Aus dem Off kommentiert eine Frau auf Französisch. Wo genau das Video aufgenommen wurde und wann, bleibt unklar.

Die Facebookseite „AfD Ilmkreis-Gotha“ postete das Video am 25. November mit dem Hashtag #Paris und dem Hinweis: „In Paris wurde der erste Demonstrant erschossen“. Später ergänzte die Seite den Post mit dem Hinweis, in einer längeren Version des Videos sei zu erkennen, dass es sich wohl um ein Gummigeschoss handele. Das erkläre trotzdem nicht die Leuchtspur, die im Video zu sehen sei. Seit knapp einer Woche protestieren Franzosen landesweit gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuern. Ihr Erkennungszeichen: gelbe Warnwesten.

Der Post der AfD-Facebookseite wurde mehr als 500 Mal geteilt und erreichte fast 11.000 Aufrufe. Wir haben bei der Polizei Paris nachgefragt, ob tatsächlich ein Demonstrant erschossen wurde.

Screenshot Facebook

Polizei: kein toter Demonstrant in Paris

Auf Nachfrage von CORRECTIV weist die Pariser Polizei Berichte über einen toten Demonstranten in Paris zurück. Bei den Protesten am Samstag auf den Champs-Elysées seien 31 Personen verletzt worden, zwei Personen davon schwer. Von den Verletzten sind der Polizei zufolge 24 Demonstranten und sieben Polizisten oder Sicherheitskräfte.

Vergangene Woche gab es bei den Protesten zwei Tote. Eine Frau starb am 17.11 in Pont-de-Beauvoisin, als eine Autofahrerin an einer Straßensperre in Panik geriet und Gas gab. Ein Motorradfahrer starb am 19.11 in Portes-lès-Valence, als er an einem Stau vor einer Straßensperre der Demonstranten vorbeifahren wollte und mit einem Lkw zusammenstieß.

Über beide Fälle berichteten deutsche und französische Medien wie Le Monde und NTV.

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Laut der Pariser Polizei ist in Paris kein Demonstrant gestorben.

Bewertung: unbelegt

Schmierereien auf Friedhof in Northeim: Täter weiter unbekannt

grabschändung
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grabschändung
Der Journalist Eren Güverin teilte dieses Bild auf Twitter. Es zeigt einen besprühten Grabstein auf dem Friedhof Northeim.

von Cristina Helberg

Hakenkreuze und ein Anarchiezeichen schmierten Unbekannte Anfang November auf mehrere muslimische Grabsteine in Northeim. Im Netz behaupten Nutzer nun wahlweise die Täter seien „arabisch sprechende Männer“, „Araber“ oder „Nazis“. Richtig ist: Die Täter sind weiter unbekannt.

Die Randalierer kamen im Schutz der Dunkelheit. Am Tag danach schrieb die Polizei: „In der Nacht zum Sonntag haben ein oder mehrere Unbekannte insgesamt zwölf Grabsteine muslimischer Grabstätten auf dem Northeimer Stadtfriedhof mit roter Farbe geschändet. Gesprüht wurden dabei auch drei Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Der Fall aus der Nacht zum 11. November 2018 sorgte bundesweit für Aufsehen. Knapp eine Woche nach dem Vorfall kursieren verschiedene Behauptungen zu den angeblichen Tätern im Netz.

Der Account „Dora zwitschert“ twitterte am Tag nach dem Vorfall „Die #Hakenkreuz Schmierereien auf einem muslimischen Friedhof in #Northeim stammen von arabisch sprechenden Männern“. Eine Quelle oder einen Beleg liefert der Account für diese Behauptung nicht. Andere Nutzer schreiben auf Facebook „Araber beschmieren Friedhof mit Hakenkreuzen und greifen Passanten an“. Dazu wird teilweise ein Video verlinkt, das zeigt wie sich zwei Gruppen von Männer auf Arabisch anschreien und die eine Gruppe von einem Balkon Flaschen auf die andere wirft. Angeblich eine Reaktion, weil Passanten die Täter gestellt hätten. Dazu später mehr.

Die Grüne Jugend Göttingen tweetete am Tag nach dem Vorfall „Nazis beschmieren in #Northeim muslimische Gräber mit Hakenkreuzen“.

Screenshot Twitter

Das sagt die Polizei: Täter unbekannt

Der Polizei zufolge sind die Täter bisher weiter unbekannt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Uwe Falkenhain, Pressesprecher der Polizei Northeim, am Telefon. Es seien „sowohl religiöse als auch politische Hintergründe denkbar“. Die Unbekannten hätten ausschließlich muslimische Gräber beschmiert. Unter den gesprayten Symbolen seien sowohl Hakenkreuze als auch ein Anarchiezeichen.  

Das Video, das Facebooknutzer als vermeintlichen Beleg für arabisch sprechende Männer als Täter teilen, ist der Polizei bekannt. „Nach jetzigem Stand der Ermittlungen fehlt jeglicher Nachweis, dass die in dem Video handelnden Personen in Zusammenhang mit der Tat stehen“, sagt Falkenhain. Dafür gebe es derzeit „überhaupt keinen Ansatz“.

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Die Täter sind der Polizei zufolge unbekannt.

Bewertung: größtenteils richtig

Vermisstes Mädchen aus Esslingen ist wieder aufgetaucht

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Das vermisste Mädchen ist wieder aufgetaucht. (Symbolbild, Free-Photos / pixabay)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert das Foto eines Mädchens, das angeblich vermisst wird. Doch es ist längst wieder aufgetaucht.

Ein Nutzer teilte das Bild am 7. November. Bisher wurde der Beitrag 1.897 Mal geteilt. Genau am 7. November tauchte Angelina (14) aus Esslingen wieder auf. Das erklärt die zuständige Polizeibehörde auf Nachfrage von CORRECTIV. „Das Mädchen ist seit knapp einer Woche wieder da. Die Meldung ist deshalb nicht mehr aktuell”, sagt Jochen Englisch, Leiter der Kriminalpolizei Esslingen. Er stellt außerdem klar: Das Bild, mit dem Angelina in Sozialen Medien gesucht wurde, stammt nicht von der Polizei. Die Familie des Mädchens habe das Bild bei Instagram geteilt. „Als das Mädchen wieder da war, hatte sich das Bild längst viral verbreitet.” In den Kommentaren unter dem Facebookpost wiesen mehrere Nutzer daraufhin, dass das Mädchen mittlerweile nicht mehr vermisst wird.

Screenshot des Facebookposts (Schwärzung durch CORRECTIV)

Einen öffentlichen polizeilichen Fahndungsaufruf hat es der Polizei zufolge nicht gegeben. In der Zwischenzeit habe die Polizei Hinweise gehabt, dass es dem Mädchen gut gehe.

Unsere Bewertung:
Die Vermisstenmeldung ist nicht mehr aktuell. Am selben Tag an dem das Mädchen wieder auftauchte, erschien auch der Facebook-Post

Bewertung: unbelegt

Mutmaßliche Täter von Freiburg laut Behörden nicht auf Erdogan-Liste

GERMANY-TURKEY-POLITICS-DIPLOMACY
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GERMANY-TURKEY-POLITICS-DIPLOMACY
Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan auf einer Pressekonferenz in Berlin am 28. September 2018. (Foto: Tobias SCHWARZ / AFP)

von Tania Röttger

Mehrere Facebook-Nutzer teilen ein Bild mit der Behauptung, Erdogan habe Deutschland vor den mutmaßlichen Tätern der Gruppenvergewaltigung in Freiburg gewarnt. Behörden dementieren das.

Mehrere Männer sollen am 14. Oktober ein Mädchen in Freiburg vergewaltigt haben. Bisherige Ermittlungen führten zur Inhaftierung von acht mutmaßlichen Tätern, davon sieben mit syrischer Staatsbürgerschaft, einer mit deutscher.

Nun kursiert ein Bild auf Facebook mit folgeneder Behauptung: Acht der mutmaßlichen Täter würden auf einer Liste stehen, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an die Bundesregierung übergeben habe, er habe die Leute auf der Liste in der Türkei vor ein Gericht stellen wollen.

Der Tenor ist: Erdogan hat sich für Deutschlands Sicherheit eingesetzt, doch Deutschland hat nichts unternommen, und der Übergriff in Freiburg ist das Resultat. 

Die Huffington Post berichtete bereits vergangene Woche über das Bild.

Bild von Facebook.

Welche Listen?

Medienberichten zufolge hat Erdogan im September Listen mit Namen von Regierungskritikern an die Bundesregierung übergeben. Allerdings soll die Liste nicht nur Mitglieder der Kurdenpartei PKK erwähnt haben, sondern auch Akademiker, Journalisten wie Can Dündar und angeblich Putschisten. Schon zuvor hatte Erdogan ähnliche Listen überreicht. Im Juli Juli 2017 berichteten Medien von einer Liste, die Unternehmen wie Daimler, BASF und eine Dönerbude in Nordrhein-Westfalen erwähnte. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten sich mit den Listen beschäftigt. Aber nicht um zu prüfen, ob sie die Menschen an die Türkei ausliefern, sondern weil die Menschen auf der Liste möglicherweise durch den türkischen Staat gefährdet sein könnten, wie Sicherheitskreise gegenüber CORRECTIV sagten.

Auf die Frage, ob die Freiburger Polizei bestätigen kann, dass die mutmaßlichen Täter auf einer Liste von Leuten stehen, vor denen Erdogan die deutsche Regierung gewarnt haben soll, antwortet eine Sprecherin der Polizei: „Nein, das können wir nicht bestätigen.“ Die Freiburger Staatsanwaltschaft antwortet ähnlich: „Derartige Informationen kann ich nicht bestätigen.“

Aus Sicherheitskreisen heißt es gegenüber CORRECTIV: Die mutmaßlichen Täter von Freiburg stehen nicht auf einer der Listen von Erdogan. Schriftlich oder öffentlich wollten sie dies aber nicht sagen.

„Ali-Tube“

Das Bild stammt ursprünglich vom verschwörungstheoretischen Youber Ali Iscitürk, der das Bild am 29. Oktober postete. Er betreibt auch die Webseite „Ali-Tube“.

Andere Facebook-Nutzer verbreiteten das Bild weiter.

 

 

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Sicherheitskreise widersprechen der Behauptung, dass Verdächtige im Fall Freiburg auf einer Liste von Erdogan stehen. Umgekehrt nennt „Ali-Tube“ keine Belege für die Behauptung.

Bewertung: falsch

Nein, Freiburger Gegendemonstranten warfen nicht mit Flaschen und Steinen

Flasche erge pixabay
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Flasche erge pixabay
Laut einer Facebookseite hätten Teilnehmer der AfD-Gegendemonstration in Freiburg am Montag mit Falschen und Steine geworfen. Die Polizei dementiert. (Foto von erge / pixabay)

von Caroline Schmüser

Nach einem schweren sexuellen Übergriff auf eine 18-Jährige organisierte die AfD am Montag eine Kundgebung in Freiburg. Es kamen auch mehr als 1500 Gegendemonstranten. Diese, so behauptet eine Facebookseite, hätten mit Steinen und Flaschen geworfen. Stimmt das?

In der Nacht des 13. Oktober sollen mehrere Männer in Freiburg eine 18-Jährige sexuell missbraucht haben, in einem Gebüsch nahe einer Diskothek.

Im Zuge der Ermittlungen konnte die zuständige Polizeibehörde Freiburg inzwischen alle der dringend Tatverdächtigen festnehmen. Es handelt sich um sieben Männer syrischer Staatsangehörigkeit im Alter von 19 bis 29 Jahren sowie einen 25-jährigen Deutschen. Die Beteiligung weiterer Personen könne nicht ausgeschlossen werden, gab die Polizei in einer Pressemitteilung bekannt.

Der schwere sexuelle Übergriff war Auslöser mehrere Demonstrationen am Montagabend in Freiburg. Die AfD hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Laut der Polizei Freiburg nahmen 300 bis 500 Menschen daran teil. Mehrere Gruppen mobilisierten außerdem eine Gegendemonstration mit rund 1500 Teilnehmern.

Facebookseite behauptet, Linke warfen mit Steinen

Die Facebookseite Arnstadt teilte eine kurze Videoaufnahme, die augenscheinlich Szenen des Demonstrationsgeschehens am Montagabend in Freiburg zeigt. „Linke und #Antifa werfen Flaschen und Steine auf Polizisten und Demonstranten”, kommentiert Arnstadt das Video.

Die Facebookseite Arnstadt teilte ein Video, mutmaßlich von den Demonstrationen in Freiburg. (Screenshot von Correctiv)

Kam es am Montag tatsächlich zu Stein- und Flaschenwürfen durch Gegendemonstranten? Wir haben beim zuständigen Polizeipräsidium Freiburg nachgefragt.

Polizei: „Keine Kenntnis von Flaschen- oder Steinwürfen”

Zwar hatten sich Gegendemonstranten dem Aufzug der AfD mehrfach in den Weg und gestellt und mussten unter körperlichem Einsatz von Polizeikräften abgedrängt werden – zu einer Eskalation in Form von Flaschen- oder Steinwürfen sei es nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei jedoch nicht gekommen. Das teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf Anfrage von Correctiv mit.

Auch die Behauptung eines Facebooknutzers, ein Polizist habe durch den Wurf einer Flasche eine blutige Verletzung erhalten, dementierte der Polizeisprecher auf Nachfrage: „Es wurde kein Polizist durch einen Flaschenwurf im Gesicht verletzt.”

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Laut Aussage der Polizei seien während den Demonstrationen am Montagabend in Freiburg keine Flaschen oder Steine geworfen worden.

Bewertung: falsch

Nein, Oldenburger Polizeibeamte grüßten nicht die AfD

hampel polizei oldenburg 3
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hampel polizei oldenburg 3
Eine Versammlung von Polizeibeamten nach einem Einsatz beim AfD-Landesparteitag in Oldenburg sorgte für Diskussionen auf Facebook. (Foto von AfD Kreisverband Weserbergland, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Grüßten Oldenburger Polizeibeamte mit einer Deutschlandflagge die AfD? Das behauptete der niedersächsische AfD-Politiker Armin-Paul Hampel auf Facebook. Die Polizei Oldenburg widerspricht.

Der niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Armin-Paul Hampel veröffentlichte am 27. Oktober ein Foto auf Facebook, das nun für Diskussionen sorgt. Darauf zu sehen ist eine Versammlung von Polizisten vor einer ausgebreiteten Deutschlandflagge. „Achtung Herr Pistorius, es gibt noch mutige Polizisten in Niedersachsen!”, kommentierte Hampel das Foto. Auch der AfD Kreisverband Weserbergland verbreitete eine Version des Bildes.

Der AfD-Politiker Armin-Paul Hampel veröffentlichte auf Facebook ein Bild, das einen Gruß von Polizeibeamten an die AfD zeigen soll. (Screenshot von Correctiv)

Das Foto soll laut Hampel vor dem Landesparteitag der AfD Niedersachsen am vergangen Wochenende entstanden sein. Die Polizei hatte vorher dafür gesorgt, dass der Parteitag sicher ablaufen kann. Danach, so schreibt es Hampel auf Facebook, hätten sie als Gruß für die AfD die Flagge ausgebreitet. „Hunderte AfDler erwidern den Gruß mit dem Absingen der Nationalhymne!”, schrieb Hampel.

Die Polizeidirektion Oldenburg schildert die Ereignisse anders.

Deutschlandflagge zur Verabschiedung eines Polizeibeamten gezeigt

Über ihre Facebookseite äußerte sich die Polizei am 27. Oktober. Demnach zeige das Foto „eine Einsatzeinheit der Polizei, die nach dem Einsatz anlässlich des AfD-Parteitages in Oldenburg Aufstellung genommen hatte, um einen langjährigen Einsatzbeamten nach dessen letztem Einsatz zu verabschieden.” Der Einsatz beim Landesparteitag der AfD war für einen Polizisten also der letzte gewesen. Um ihn zu verabschieden, zeigten seine Kollegen während der Verabschiedung die Deutschlandflagge sowie eine im Hintergrund erkennbare Niedersachsenflagge.

Stellungnahme der Polizei Oldenburg zum Vorfall vor dem AfD-Landesparteitag in Niedersachsen. Die Flagge sei anlässlich der Verabschiedung eines Kollegen gezeigt worden. (Screenshot von Correctiv)

Die Polizisten hätten sich bei der Verabschiedung ihres Kollegen außerhalb des Blickfeldes der AfD-Veranstaltung gewähnt. „Tatsächlich gelang es einigen Parteitagsbesuchern einen Teil der Szene zu fotografieren”, heißt es in der Stellungnahme der Polizei weiter. „Erst als einige Personen aus dem Fenster Beifall klatschten und begannen, die Nationalhymne zu singen, wurde dies von den Beamtinnen und Beamten bemerkt.” Die Verabschiedung sei daraufhin abgebrochen worden.

Die Polizisten sind enttäuscht vom Vorgehen der AfD

Die Polizei Oldenburg verurteilt die Veröffentlichung der Bilder: „Die Umdeutung und Darstellung zu Propagandazwecken ist in hohem Maße unfair und diskreditierend.” Die Fehlinterpretation des Vorfalls sei für die abgebildeten Polizistinnen und Polizisten schwer erträglich.

Auf Anfrage von Correctiv teilte eine Pressesprecherin der Polizei Oldenburg mit, es gebe keine speziellen Vorgaben, Regularien oder standardisierte Praxis hinsichtlich der Verabschiedung von Polizeibeamten.

Auf die Frage, ob es üblich sei, zu einem solchen Anlass die Deutschlandflagge zu zeigen, antwortete die Sprecherin: „Es ist zwar selten, aber in einigen Organisationseinheiten auch nicht unüblich, dass neben einer kurzen Ansprache auch die Deutschland- und oder die Niedersachsenflagge gezeigt wird” – dies solle dem Anlass einen feierlichen Rahmen geben.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Die Polizeibeamten grüßten mit der Deutschlandflagge nicht die AfD. Die Flagge wurde anlässlich der Verabschiedung eines Kollegen ausgerollt.