Polizei

Verprügelter Journalist, Polizisten ohne Helme? Henryk Stoeckl verbreitet unverifizierte Informationen über französische Gelbwesten

Der rechte Influencer Henryk Stoeckl teilt Videos auf seinem Facebook-Profil mit teilweise irreführende Informationen.

von Jacques Pezet

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A policeman runs during a protest of Yellow vests (Gilets jaunes) against rising oil prices and living costs, on December 1, 2018 in Paris. - Speaking at the Paris police's command centre, French Prime Minister said 36,000 people were protesting across France, including 5,500 in the capital for this 3rd nationwide day of blockade ands demos. (Photo by Lucas BARIOULET / AFP)
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Teilweise falsch. Der verprügelte Mann wurde nicht als Journalist identifiziert. Bei einem Gelbwesten-Protest in Pau nahmen Polizisten ihre Helme ab, um die Situation zu entspannen, und setzen sie wieder auf, als ein Ei auf sie geworfen wurde.

Immer wieder Henryk Stoeckl… Der rechte Influencer postet gerade viel zu den Gelbwesten-Protesten in Frankreich. In einem Facebook-Post vom 2. Dezember 2018 veröffentlicht er zwei Videos, die angeblich zeigen sollen, wie Pariser Polizisten einen Journalisten am Boden verprügeln und wie Polizisten ihre Helme in Solidarität mit den Gelbwesten-Demonstranten abnehmen. Henryk Stoeckl macht sich bei diesen beiden Videos über die Wahrheit lustig und lässt Informationen über ihren Kontext aus.

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Keine Beweise dafür, dass der verprügelte Mann ein Journalist ist

Auf dem ersten Video kann man sehen, wie sechs Polizisten einen Mann in einer Straße verprügeln. Laut Henryk Stoeckl ist das Opfer dieser gewalttätigen Szene ein Journalist. Correctiv hat nach dieser Information in den französischen Medien und sozialen Netzwerken gesucht. Seit der viralen Verbreitung dieser Szene am Sonntag, 2. Dezember, haben kein Journalist und keine Redaktion behauptet, Opfer dieses Angriffs gewesen zu sein.

In einem Artikel vom 3. Dezember 2018 berichtete das Faktencheck-Team CheckNews von Libération, dass sich die Szene am Samstag, 1. Dezember 2018, auf der Rue de Berri in der Nähe der Champs Elysées, wo die Proteste stattfanden, um 19.30 Uhr zugetragen hat. Mehrere Zeugen beschrieben das Opfer als „einen jungen Mann“, aber nicht als einen Journalisten.

Am Montagabend reichte ein 21-jähriger Student, Mehdi K., eine Anzeige wegen Polizeigewalt ein, so Le Parisien und AFP.  Die Faktenchecker von Libération veröffentlichten ein zweites Video der Szene. Ihre Schlussfolgerungen sind jedoch vorsichtiger: Es könnte ein anderes Opfer sein als auf dem zuvor viral verbreiteten Video. Die Veröffentlichung des Artikels von Libération veranlasste Le Monde, ein Video zu entfernen, in dem die Zeitung die Bilder des Angriffs (geteilt von Stoeckl) mit einem Interview mit Mehdi K. verband.

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Zusammengefasst: Mehrere Journalisten in Frankreich suchen gerade die Identität des Mannes, der von einer Gruppe von Polizisten verprügelt worden ist. Keiner behauptet, der Mann sei ein Journalist.

Zwei Journalisten werfen der Polizei vor, sie während der Demonstrationen verletzt zu haben

Obwohl dieses Video nicht belegt ist, dass das Opfer ein Journalist ist, berichteten zwei Journalisten, dass sie während der Demonstration am 1. Dezember von der Polizei mit Plastikkugeln verletzt wurden. So hat der Journalist Lucas Léger von Russia Today France ein Foto auf Twitter veröffentlicht. Er sagte: „Ich wurde durch einen Polizeischuss verwundet” und erklärte, dass er zu dem Zeitpunkt als Journalist erkennbar gewesen sei.

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 Am gleichen Tag erklärte ein Journalist von Konbini, Hugo Clément, dass er auch durch einen Polizeischuss verletzt wurde. Sein Handy wurde von einem Demonstrant geklaut. Auf dem Twitter-Konto seiner Freundin, postete er ein Foto seiner Wunden und eine Beschreibung der Szene:  Während er mit seiner Freundin auf dem Malesherbes Boulevard einen Roller fuhr, hielt er an, um ein Foto von den Demonstranten zu machen. Er erklärte, dass er als Journalist nicht erkennbar war und dass er “von einem Projektil im Gesicht getroffen wurde. Das Helmvisier explodierte und ich fiel hin. (…) Ich bin mir in einem Punkt sicher: Das Geschoss kam von der Seite der Polizisten.

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Polizisten nehmen ihre Helme ab und setzen sie wieder auf

Henryk Stoeckl schreibt, dass Polizisten ihre Helme abgenommen und mit den Gelbwesten die Nationalhymne mitgesungen haben. Auf dem Video, das diese Behauptung beweisen soll, sieht man schon Polizisten ohne Helme – das Mitsingen aber nicht.

Correctiv konnte die Szene in einem Video der französischen Lokaljournalisten von France Bleu Béarn identifizieren.

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Das Video zeigt, wie Polizisten in Pau ihre Helme nach der Hymne wieder aufsetzen. Die Journalisten von France Bleu erklären: „Die Polizei kam an, um die Rue Saint-Louis zu blockieren und den Ausgang des Rathauspersonals zu schützen. Mehrere gelbe Westen verließen dann die Gruppe, um sich von den Schäden am Rathaus zu distanzieren. Auf Vorschlag der gelben Westen zogen Polizei und Gendarmen ihre Helme aus. Die Regionalzeitung Sud Ouest bestätigt auch diese Szene: „Um die Spannungen abzubauen, entfernten die CRS ihre Helme und die Demonstranten begannen gegen 19.30 Uhr nach dem Gesang ‘La Marseillaise’ zu gehen.“

Wie das Video von France Bleu Béarn es zeigt, setzten sie ihre Helme schnell wieder auf, als ein Ei auf die erste Linie der Polizisten geworfen wurde, was die Situation noch angespannter machte.