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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: falsch

Nein, der Amokfahrer von Bottrop war kein Bosnier

Titel_Bottrop
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In der Silvesternacht fuhr ein Mann mehrere Menschen an. Sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden. (Symbolbild: Hans/pixabay)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert die Behauptung, der Amokfahrer von Bottrop und Essen wäre Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Das ist falsch, es handelt sich bei dem Attentäter um den deutschen Staatsbürger Andreas N.

Auf Facebook finden sich mehrere Postings mit Aussagen wie: „‘Der ausländerfeindliche Deutsche’, der in eine Gruppe illegaler Einwanderer gefahren sein soll ist ein Bosnier mit deutschem Pass.“ Sie wurden tausendfach geteilt.

Screenshot von Facebook
Screenshot von Facebook

Zwar haben einige Nutzer in den Kommentaren darunter auf die falsche Meldung hingewiesen, dennoch wittern einige eine große Verschwörung. Ein Facebook-Nutzer kommentiert zum Beispiel, dass der Täter ein Muslim sein muss. Die Politiker würden die Menschen für Dumm verkaufen.

Screenshot von Facebook

Der 50-jährige Essener Andreas N. fuhr in der Silvesternacht mit seinem Auto mehrere Male in Gruppen von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Die Angriffe waren mutmaßlich rassistisch motiviert: Polizei und Staatsanwaltschaft gingen laut Pressemitteilung „von einem gezielten Anschlag aus, der möglicherweise in der fremdenfeindlichen Einstellung des Fahrers begründet“ sei. Acht Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft Essen erließ einen Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes.

Immer wieder behaupteten einige Facebook-Nutzer, der Amokfahrer sei Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Die Beiträge stehen noch so auf Facebook. Auf Nachfrage von CORRECTIV verweist die Pressestelle der Polizei Münster auf ihre Pressemitteilung vom 2. Januar. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass es Andreas N. deutscher Staatsbürger ist.

Es gab allerdings einen anderen Fall am 20. Dezember, nicht weit von Bottrop, in Recklinghausen. Ein 32 jähriger Mann aus Herten, mit bosnischer Staatsbürgerschaft, fuhr mit einem Auto in eine Menschenmenge. Er verletzte mehrere Menschen. Eine Seniorin starb. Laut Polizei gibt es Hinweise auf einen Suizid-Versuch.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der mutmaßliche Amokfahrer der Anschläge in Essen und Bottrop ist deutscher Staatsbürger, nicht Bosnier.

Bewertung: falsch

Kindesentführung mit weißem Lieferwagen? Wie ein Gerücht von 2012 wieder Eltern verunsichert

Bildschirmfoto 2019-07-05 um 16.42.54
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Das Gerücht eines weißen Lieferwagens, aus dem Kinder angesprochen werden, kursiert bereits seit 2012. (Symbolbild: weis2 /pixabay, Bearbeitung: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Ein Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2012 wurde in den letzten 24 Stunden von mehr als 12.500 Personen geteilt. Darin werden Eltern gewarnt, ein Mann in einem weißen Lieferwagen versuche, Kinder zu entführen. Der Beitrag wurde schon vor sieben Jahren entkräftet.

Am 12. Juni 2012 veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag, der Eltern davor warnt, ein Mann in einem „weißen Bulli“ versuche, Kinder anzusprechen und zum Einsteigen in seinen Lieferwagen zu überreden. Der Nutzer schrieb: „Heute war die Polizei an den Schulen in KH und hat nochmal darauf hingewiesen, dass wir allen Kindern sagen sollen, dass sie auf kein Fall in einen weißen Bulli steigen sollen. Denn es wurde mehrfach ein VW Bulli gesehen und der Mann hat sich als Fahrer der VBE ausgegeben und sagte den Kindern, die Busse sein defekt. Der Typ fährt wohl durch ganz Deutschland.“ Der Beitrag wurde insgesamt mehr als 28.000 Mal geteilt. Davon mehr als 12.500 Mal in den letzten 24 Stunden. 

Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2012, der aktuell wieder tausendfach geteilt wird. (Screenshot: CORRECTIV)

Unklar bleibt in dem Beitrag, wo sich der Vorfall ereignet haben soll. Eine Google-Suche nach den Begriffen „weißer bulli kinder“, führt zu mehreren Artikeln zum Thema. Der erste Treffer ist ein Artikel des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama aus dem Jahr 2012. Der Titel des Textes: „Stille Post 2.0: Der weiße Bulli! Der Mann im weißen Kleinbus welcher an Haltestellen Kinder anspricht – ist ein Fake!“. 

Die Autoren des Mimikama-Artikels gingen im Juni 2012 auf denselben Facebook-Beitrag ein, der nun wieder tausendfach geteilt wird. Detailliert recherchierte sie, was hinter der damals verbreiteten Warnung steckte. Das Ergebnis: Alles basierte auf einem Missverständnis im September 2011. Darüber berichtete im Oktober 2011 auch die Augsburger Allgemeine Zeitung. Ein Großvater hatte auf der Suche nach seiner Enkelin am 19. September 2011 in Kempten eine Gruppe Schüler aus seinem blauen Wagen angesprochen. Die Polizei klärte den Vorfall auf. Laut Berichten der Augsburger Allgemeine Zeitung verbreiteten sich im Netz jedoch weiter Gerüchte über Personen die Kinder in Fahrzeuge locken würden, diesmal über einen weißen Lieferwagen. 

Polizei: „Dabei handelt es sich de facto um eine Falschmeldung!““

Wir haben die zuständige Polizeistelle Schwaben Süd kontaktiert und den Facebook-Beitrag weitergeleitet. Die Antwort des Pressesprechers Christian Eckel: „Dieser Post ist mir persönlich aus dem Jahr 2012 bekannt. Damals wurde er deutschlandweit geteilt und ploppte immer wieder mal auf. Dabei handelt es sich de facto um eine Falschmeldung!“ Der Pressesprecher verweist auf den Artikel der Faktenchecker von Mimikama, der damals in Zusammenarbeit mit der Polizei entstanden sei und die Historie des Posts nachverfolge. 

Auch aktuell gebe es im Zuständigkeitsbereich der Dienststelle keine Vorfälle, auf die die Beschreibung im Facebook-Beitrag zutreffen könnte. Trotzdem kursieren Gerüchte. „In den folgenden Monaten und Jahren, bis heute, kommt es immer wieder zur ‘Auffrischung’ der Fälle des weißen Bullys und des blauen Wagens. Teilweise vermischt“, so der Polizeisprecher. 

Auch keine Fälle in Bad Kreuznach 

Weil in dem Facebook-Beitrag als Ort „KH“ erwähnt wird, haben wir auch bei der Polizei in Bad Kreuznach nachgefragt. KH ist das Ortskürzel auf Nummernschildern für Bad Kreuznach. Die dortige Kriminalpolizei antwortete uns, aktuell sei kein Fall von einem Kinderansprecher bekannt. Der Sprecher schrieb aber auch: „Ich kann nicht ausschließen, dass im Jahr 2011 oder 2012 Kinder aus einem weißen Bulli angesprochen wurden. Entsprechende Meldungen bewahren wir nicht so lange auf. Aber ich kann ausschließen, dass wir aktiv nach einem weißen Kastenwagen o.ä. gefahndet haben, weil der Verdacht bestand, dass ein Kind entführt werden sollte.“

Außerdem erinnere sich eine Mitarbeiterin daran, „dass es damals diese Warnung vor einem weißen Kastenwagen in den sozialen Medien schon gab und diese Warnung auch in der HOAX- Liste aufgeführt war“.

Email der Kriminalinspektion Bad Kreuznach. (Screenshot: CORRECTIV)

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Auch Entwarnung in Mittelfranken

Wer im Netz nach den Begriffen „weißer bulli kinder“ sucht, stößt jedoch auch auf aktuelle Meldungen von April und Mai 2019. Damals tauchten erneut Gerüchte um einen weißen Lieferwagen auf. Diesmal hieß es unter anderem, aus einem weißen Lieferwagen heraus seien in Mittelfranken Fotos von Kindern gemacht worden. 

Wir haben die zuständige Polizeidienststelle Mittelfranken kontaktiert. Pressesprecher Michael Hetzner sagte uns am Telefon: „Die Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden. In einem Fall hatten offenbar Touristinnen Fotos gemacht. Es handelte sich nicht um eine Straftat“. In Whatsapp-Gruppen und anderen sozialen Netzwerken seien trotzdem Gerüchte ohne Quelle weiterverbreitet worden. In einer Pressemitteilung im Mai schrieb die Polizei zu den Beobachtungen: „Bislang konnten jedoch keine Erkenntnisse gewonnen werden, welche den genannten Sachverhalt bestätigen.“ Daran habe sich laut Pressesprecher bis heute nichts geändert.

Pressemitteilung der Polizei Mittelfranken vom 8. Mai 2019 (Screenshot: CORRECTIV).
Unsere Bewertung:
Falsch. Das Gerücht eines weißen Lieferwagens, aus dem Kinder angesprochen werden, kursiert bereits seit 2012. In Südschwaben, Bad Kreuznach und Mittelfranken gibt es laut Polizei keine Fälle, auf die die Beschreibung im Facebook-Beitrag zutreffen könnte.

Bewertung: falsch

Nein, der Polizist in Ostritz und der Neonazi-Sänger „Lunikoff“ sind nicht dieselbe Person

Bildschirmfoto 2019-06-25 um 17.28.12
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Bildschirmfoto 2019-06-25 um 17.28.12
Diese Bildmontage kursiert im Netz. Darauf ist links ein Bundespolizist zu sehen, und rechts der Neonazi Michael Regener. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Im Einsatz bei einem Neonazi-Festival in Ostritz geriet ein Polizist in den Fokus, weil er Aufnäher mit Bezügen zu Kreuzrittern und Spartanern trug. Nun vergleicht ihn eine Fotomontage mit dem rechtsextremen Sänger Michael Regener.

Nach dem Rechtsrock-Festival „Schild und Schwert“ im sächsischen Ostritz wurde über das Bild eines Bundespolizisten diskutiert, weil er zwei Aufnäher auf seiner Jacke trug. Diese weisen Bezüge zu den Kreuzrittern und Spartanern auf und wecken damit Assoziationen zur rechten Szene. Sie sind jedoch kein Beleg dafür, dass der Beamte mit dieser Szene sympathisiert. CORRECTIV hat in einem Faktencheck dargelegt, dass das Foto echt ist. 

Einer von mehreren Facebookbeiträgen mit der Bildmontage. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Kurze Zeit später tauchte auf Facebook eine Bildmontage auf, die das Foto des Polizisten neben das eines Sängers einer Rechtsrock-Band stellt. Darüber steht: „Skandalöse Doppelbelastung in Ostritz: Wenn du nach dem Dienst direkt auf die Showbühne musst.“ Das Bild wurde auf vielen Seiten geteilt. In einer etwas anderen Version heißt es in der Überschrift: „Cool, wenn man sein eigenes Nazi-Publikum vorher in Uniform kennenlernen kann.“ Zahlreiche Facebook-Nutzer reichten die Montage als potentielle Falschmeldung ein. Falls sie satirisch gemeint sein sollte, wird dies nicht deutlich. CORRECTIV hat das Bild überprüft. 

Konzert der „Lunikoff-Verschwörung“ fand 2009 statt

Die beiden Männer sehen sich auf den Fotos ähnlich. Beide haben eine Glatze und einen langen Bart. Sie tragen dunkle Sonnenbrillen, allerdings nicht dasselbe Modell. Unsere Recherche zeigt: Es handelt sich nicht um dieselbe Person.

Das Konzertfoto stammt nicht aus Ostritz; es ist zehn Jahre alt. Mit einer Bilderrückwärtssuche lässt sich das Original finden. Es zeigt den Sänger Michael Regener, auch genannt „Lunikoff“, im Jahr 2009. Es erschien 2010 in einem Artikel der Taz, als Quelle ist die Seite Infothek Dessau genannt.

Die Taz verwendete ein Foto der „Infothek Dessau“ von 2009 in einem Artikel von 2010. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei der Infothek Dessau wurden im Juli 2009 zur Berichterstattung über das Festival „Rock für Deutschland“ in Gera zahlreiche Fotos des Auftritts von Regener hochgeladen. Er trägt darauf dasselbe T-Shirt und dieselbe Sonnenbrille, auch die Menschen im Hintergrund sind dieselben.

Auszug aus dem Artikel der „Infothek Dessau“ über „Rock für Deutschland“ in Gera 2009. (Screenshot: CORRECTIV)

Regener war Sänger in der Neonazi-Band „Landser“, die inzwischen verboten ist. Er und die Mitglieder der Band wurden 2001 verhaftet und 2003 verurteilt. Regener erhielt als „Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung“ drei Jahre und vier Monate Haft. 2008 wurde er entlassen und tritt heute mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ auf. 

Heute sieht Michael Regener mutmaßlich aber wesentlich älter aus als auf dem Foto, das für die Bildmontage verwendet wurde. Auf dem Portal Belltower-News der Amadeu-Antonio-Stiftung findet sich ein Foto von 2017, auf dem sein Bart deutlich mit grauen Haaren durchzogen ist. 

Das Foto von „Belltower-News“ zeigt Michael Regener im Jahr 2017. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Die zwei Fotos in der Montage zeigen nicht dieselbe Person. Das Bild des Neonazi-Sängers stammt von einem Konzert in Gera 2009.

Bewertung: richtig

Ja, in Ostritz trug ein Polizist Aufnäher mit Bezügen zu Kreuzrittern und Spartanern

Bildschirmfoto 2019-06-24 um 13.31.20
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Bildschirmfoto 2019-06-24 um 13.31.20
Dieses Foto eines Polizeibeamten verbreitete die Initiative „Rechts rockt nicht“ am 22. Juni im Netz. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Beim Rechtsrock-Festival im sächsischen Ostritz am vergangenen Wochenende machte im Netz ein Foto eines Polizisten die Runde. Er trug Aufnäher auf seiner Weste, die angeblich Sympathien für die rechte Szene symbolisieren sollen.

Hunderte Neonazis haben am Wochenende in Ostritz in Sachsen das Rechtsrock-Festival „Schild und Schwert“ gefeiert. Am 22. Juni verbreitete sich ein Foto eines Polizisten, der dort im Einsatz war, auf Twitter und Facebook. Es zeigt angeblich, dass der Mann auf seiner Jacke zwei Aufnäher angebracht hatte. Der Tweet der Initiative „Rechts rockt nicht“, in dem das Bild zuerst hochgeladen wurde, wurde mehr als 1.000 Mal geteilt. Darin fragen die Autoren die Polizei Sachsen, ob die Abzeichen „offiziell oder mal wieder ein Einzelfall“ seien.

Auch Francesco Garita, Kreisvorstand der Linken in Ingolstadt, verbreitete das Bild auf Facebook und unterstellte dem Polizisten, dieser fühle sich womöglich als „spartanischer Beschützer des christlichen Abendlandes“. Er fragte: „Wen hat die Polizei Sachsen denn da in ihren Reihen?“ Der Beitrag wurde mehr als 1.400 Mal geteilt. 

Der Beitrag von Francesco Garita auf Facebook. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto ist keine Fälschung: Es zeigt einen Beamten der Bundespolizei. Das stellte die Polizei Sachsen in ihrer Reaktion auf das Bild klar. Auf Twitter schrieb sie, die Aufnäher seien nicht strafrechtlich relevant und seien nach Rücksprache entfernt worden. Ob ein Verstoß gegen die Bekleidungsvorschriften bestehe, müsse die Bundespolizei klären. 

Reaktion der Polizei Sachsen auf den Twitter-Beitrag der Initiative „Rechts rockt nicht“ am 22. Juni. (Screenshot: CORRECTIV)

Ähnlich steht es auch in der Pressemitteilung mit der Bilanz des Einsatzes. Die Bundespolizei unterstützte die Polizei Sachsen am Wochenende in Ostritz. 

Wie die Bundespolizei auf Anfrage von CORRECTIV per E-Mail mitteilte, hatte der Polizist keine Genehmigung, die Aufnäher auf der Uniform zu tragen. Private Abzeichen seien genehmigungspflichtig. Der Beamte habe keine Erlaubnis eingeholt, und eine solche „Genehmigung wäre auch nicht erteilt worden“. Deshalb werde der Vorgang dienstrechtlich geprüft. Mögliche Folgen für den Polizisten würden in einem gesonderten Verfahren geprüft. 

Die Antwort der Bundespolizei per E-Mail an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Was zeigen die Aufnäher?

Francesco Garita von den Linken und Medien wie Spiegel Online wiesen bereits am Wochenende auf den Hintergrund der Symbole hin. Der obere Aufnäher an der Jacke des Polizisten zeigt ein Zeichen der Kreuzritter mit zwei Flügeln und einem roten Templer-Kreuz über einem Schwert. Darüber steht vermutlich der lateinische Spruch „Recte Faciendo Neminem Timeas“, der übersetzt „Tue recht und scheue niemand“ bedeutet, oder auch sinngemäß „Keine Angst zu handeln“. Die Auflösung des Fotos aus Ostritz erlaubt es nicht, den Spruch zu lesen, doch es gibt in Onlineshops Aufnäher zu kaufen, die ähnlich aussehen.  

Auf der Webseite „Jackets to go Berlin“ wird ein ganz ähnlicher Aufnäher angeboten. (Screenshot: CORRECTIV)

Der zweite Aufnäher auf der Jacke zeigt ein Symbol mit einem Helm. Auch hier ist der Schriftzug nicht eindeutig lesbar. Eine Bildersuche zeigt aber, dass es in denselben Onlineshops, die das Tempelritter-Abzeichen führen, auch Aufnäher mit dem Helm-Symbol gibt. Darauf steht „molon labe“. Auf Amazon gibt es ähnliche Artikel. 

Das zweite Abzeichen, ebenfalls zu finden auf der Webseite „Jackets to go Berlin“. (Screenshot: CORRECTIV).

„Molon labe“ ist Altgriechisch und bedeutet so viel wie „Komm und hol (sie dir)“. Der Spruch soll auf König Leonidas von Sparta im antiken Griechenland zurückgehen. Die militärische Stärke der Spartaner und ihre Disziplin sind sprichwörtlich. Berühmt ist vor allem die Schlacht gegen die Perser (Schlacht bei den Thermopylen), bei der Leonidas angeblich mit einer Armee von nur 300 Männern antrat und starb. 

Bezüge zur rechten Szene?

Die Kreuzritter werden von Menschen in der rechten Szene als Vorbilder gesehen. Der Attentäter von Christchurch, der bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland 51 Menschen tötete, hatte laut Medienberichten eine Affinität zu den christlichen Kreuzrittern mit ihrem Krieg gegen Muslime. Und auch der norwegische Massenmörder Anders Breivik bezog sich laut Medienberichten auf die Tradition der Kreuzritter

Verherrlichende Bezüge auf Sparta finden sich in verschiedenen Kontexten immer wieder. Heute verwendet zum Beispiel die rechtsextreme sogenannte „Identitäre Bewegung“ das griechische Symbol Lambda als Logo. Es soll von den Spartanern im Kampf gegen die Perser getragen worden sein. Zudem beziehen sich Waffen-Befürworter in den USA gerne auf die Spartaner, wie die waffenkritische Organisation „The Trace“ berichtet. Der Spruch „molon labe“ finde sich zum Beispiel in einer Rede des konservativen Politikers Allen West, in der er sich für das Recht auf Waffenbesitz ausspricht.   

Die Abzeichen wecken also Assoziationen zur rechten Szene. Ein Beleg, dass der betreffende Polizist in Ostritz Sympathien für sie hegt, sind sie aber nicht. In den Onlineshops, die die Aufnäher führen, gibt es militärische Kleidung und Ausrüstung für Outdoor-Aktivitäten inklusive Waffen zu kaufen. Verfassungswidrige Symbole haben wir bei unserer Recherche dort nicht gefunden.

Mittlerweile kursiert übrigens auf Facebook auch eine mutmaßlich satirische Bildmontage, die das Foto des Polizisten neben das eines Sängers einer Rechtsrock-Band montiert. Darüber steht: „Skandalöse Doppelbelastung in Ostritz: Wenn du nach dem Dienst direkt auf die Showbühne musst.“ Es handelt sich aber nicht um dieselbe Person. Das ist unter anderem an der Haarfarbe und den Ringen am linken Ohr erkennbar. Das Konzertfoto stammt zudem nicht aus Ostritz. Mit einer Bilderrückwärtssuche lässt sich das Original finden: Es zeigt den Sänger Michael Regener, auch genannt „Lunikoff“, im Jahr 2009.   

Ein Facebook-Post zeigt den Polizisten und den Rechtsrock-Sänger Michael Regener. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Richtig. Ein Bundespolizist trug beim Einsatz in Ostritz eine Jacke mit Aufnähern mit Bezügen zu den Kreuzrittern und dem antiken Sparta.

Bewertung: falsch

Dieses Foto stammt nicht von den „Ende Gelände“-Aktionstagen, sondern von den Stuttgart-21-Protesten im Jahr 2010

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Das am 23. Juni auf Twitter geteilte Bild wurde mit dem Hashtag #EndeGelaende versehen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Nina Breher

Ein Tweet stellt ein Foto von den Stuttgart-21-Protesten 2010 fälschlicherweise in den Kontext der jüngsten „Ende Gelände“-Aktionen im rheinischen Braunkohlerevier.

Ein Nutzer hat am 23. Juni 2019 ein Bild auf Twitter geteilt, das eine Jugendliche zeigt, die einen Polizisten fassungslos anblickt. Es ist mit den Hashtags #EndeGelaende und #fridaysforfuture betitelt.

Der Tweet mit dem irreführenden Bild. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Tweet suggeriert, dass das Bild von den aktuellen „Ende Gelände“-Protesten im rheinischen Braunkohlerevier stammt, die am 22. und 23. Juni 2019 stattfanden. Bei der Räumung des von Aktivisten kurzzeitig besetzten Braunkohlereviers gab es laut Tagesschau „zwischen Polizei und Demonstranten einige kurze heftige Auseinandersetzungen“. Die Tagesschau zitiert die Polizei, nach deren Angaben acht Einsatzkräfte verletzt worden seien.

Das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ berichtet in einer Pressemitteilung von „zahlreichen Rechtsverstößen von Seiten der Polizei“. Es habe „zahlreiche verletzte Aktivist*innen durch den Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray, Schlägen und Tritten“ gegeben.

Das Bild, das eine junge Demonstrantin vor einer Polizeikraft in voller Montur zeigt, war jedoch bereits am 6. Oktober 2010 auf dem Blog fakeblog.de erscheinen. Das Internet-Archiv archive.org belegt, dass das Bild bereits seit 2010 online ist. Der Tweet weist weder auf die Quelle hin, noch darauf, dass das Bild in einem anderen Kontext entstanden ist. Andere Twitter-Nutzer kritisierten das.

Nutzer weisen den Verfasser des Tweets auf die unangemessene Verwendung des Fotos hin. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto zeigt laut fakeblog.de eine Szene einer Demonstration im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010, die gewaltsam geräumt wurde. Die Demonstranten protestierten dort gegen das Stuttgart-21-Projekt. Laut dem Blog hat das Bild ein Fotograf namens Jan Petersen geschossen, der sein Facebook-Profil jedoch mittlerweile gelöscht hat. Der Betreiber des Blogs war kurzfristig nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Screenshot des Blogbeitrags auf fakeblog.de, wo das Bild 2010 erschienen war. (Screenshot: CORRECTIV)

Update (25. Juni 2019, 10.34 Uhr): Der Twitter-Nutzer @bckaemper hat uns auf die Präsenz von Jan Petersen Fellbach auf der Internetseite fotocommunity.de hingewiesen. Der Fotograf lud das Foto dort 2011 hoch. Die Bildunterschrift bestätigt die Aussage auf fakeblog.de, dass das Bild von den Stuttgart-21-Protesten am 30. September 2010 stammt.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild ist schon seit 2010 online und offenbar bei den Stuttgart-21-Protesten entstanden, nicht bei den Ende-Gelände-Protesten 2019.

Bewertung: falsch

Flucht in Köln: Psychisch kranker Straftäter bereits Mitte April gefasst

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Polizeiwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof (Foto Patrik Stollarz / AFP)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite teilt das Bild eines verurteilten Straftäters und behauptet, dass dieser flüchtig sei. Der Mann wurde jedoch längst gefasst.

Die Facebook-Seite „Pawinga“ veröffentlichte am 23. April ein Foto eines Mannes. Unter dem Foto ist zu lesen: „Am Sonntag ist der psychisch kranke Straftäter Otto K. geflohen.“ Die Seite verlinkt in dem Beitrag einen Artikel von RTL. Der Facebook-Post wurde 658 Mal geteilt. 

Das Posting der Facebook-Seite. (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

In dem RTL-Artikel werden weitere Details der Flucht und des Flüchtigen beschrieben. K. soll nach einem Ausgang nicht mehr in die Kölner Psychiatrie zurückgekehrt sein. Veröffentlicht wurde der Artikel am 8. April 2019.

Ja, der psychisch kranke Straftäter war auf der Flucht

Diese Darstellung bestätigt auch eine Pressemitteilung der Kölner Polizei vom 7. April, in der sie um Zeugenhinweise bat. Vier Tage später, am 11. April, folgte in einer weiteren Pressemitteilung die Entwarnung. K. wurde am Kölner Hauptbahnhof gefasst.

Erst zwölf Tage später teilte die Facebook-Seite das Bild mit dem Fahndungsaufruf. K. war da längst festgenommen.

Die Veröffentlichungen in chronologischer Reihenfolge. (Bearbeitung und Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Otto K. wurde schon am 11. April 2019 gefasst. Der Facebook-Post wurde 12 Tage nach seiner Festnahme veröffentlicht.

Bewertung: falsch

Falscher Suchaufruf in Koblenz: Nein, dieses Mädchen wird nicht vermisst

koblenz1
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Das Foto des angeblich vermissten Mädchens (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

von Simon Wörz

Eine junge Frau veröffentlichte auf Facebook das Foto eines vermeintlich vermissten Mädchens aus dem Raum Koblenz. Innerhalb von 24 Stunden wird der Beitrag von 9000 Nutzern geteilt. CORRECTIV ist der Sache nachgegangen.

Am 3. April teilte eine Facebook-Nutzerin das Bild eines blonden Mädchens, welches angeblich im Raum Koblenz vermisst werde. Bei dem Foto handelt es sich offensichtlich um einen Screenshot von dem Foto-Messenger Snapchat. In einem kurzen Text wird zur Verbreitung des Bildes aufgerufen: „Dieses Mädchen wird seit gestern im Raum Koblenz vermisst. Wer sie gesehen hat bitte melden. Bitte teilt dieses Foto! Danke.“

Innerhalb weniger Stunden kamen tausende Nutzer dem Aufruf nach. Knapp einen Tag später wurde das Foto bereits 9000 Mal geteilt.

Der Polizei Koblenz ist der Fall nicht bekannt

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte das Polizeipräsidium Koblenz mit, dass das Mädchen nicht als vermisst gemeldet wurde und ein entsprechender Fall nicht bekannt sei.

Die schriftliche Antwort der Polizei Koblenz (Screenshot CORRECTIV)

Das Foto zeigt eine kurzzeitig vermisste 14-Jährige in Russland

Mithilfe der umgekehrten Bildersuche der Suchmaschine Yandex recherchierte CORRECTIV den Ursprung des Originalbildes: Das Foto zeigt ein Mädchen, das vor wenigen Tagen in Russland als vermisst galt. Am Abend des 28. März berichteten russische Lokalmedien wie astv.ru und Sakhalin.info über eine Teenagerin, die nach einem Einkaufsbummel mit einer Freundin nicht nach Hause zurückgekehrt sei. Dabei handele es sich um eine 14-jährige, die auf der Insel Sachalin im Südosten Russlands lebe.

Am Vormittag des 29. März ergänzten die lokalen Medien die Meldung. Das Mädchen sei gefunden worden und wieder bei ihren Eltern.

Die Vermisstenmeldung auf astv.ru (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)
Die Vermisstenmeldung von Sakhalin.info (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

CORRECTIV kontaktierte die Facebook-Nutzerin, die das Bild veröffentlicht hat und konfrontierte sie mit der Tatsache, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Die Nutzerin antwortete, sie stamme aus Koblenz und habe den Screenshot von dem Snapchat-Bild eines anderen Mädchens aus Koblenz gemacht. Woher ihre Bekannte das Bild habe, könne sie nicht sagen. Mittlerweile hat die Nutzerin das Bild gelöscht.

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Mädchen wurde in Russland vermisst, ist aber wieder aufgetaucht.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der Express Artikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, Facebook-Video von Schlägerei wurde in Gelsenkirchen aufgenommen

Gelsenkirchen 3
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Auf Facebook verbreitet sich derzeit ein Video, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigt. (Facebook-Video, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Auf Facebook wird derzeit ein Video geteilt, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigen soll. Die Beteiligten hätten einen libanesischen Migrationshintergrund, heißt es. CORRECTIV hat recherchiert, ob das stimmt.

„Dieses Video zeigt möglicherweise Gewaltdarstellungen oder explizite Inhalte“, warnt Facebook bei Aufruf eines Videos, das ein Nutzer am 13. Dezember auf dem sozialen Netzwerk teilte. Wer die Warnung wegklickt, sieht eine Schlägerei zwischen mehreren Person. Ein Mensch liegt scheinbar blutend am Boden. Wenig später treffen Polizeibeamte ein und gehen gegen die Beteiligten vor – auch mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

Dieses Video veröffentlichte ein Facebooknutzer am 13. Dezember. Es wurde mehr als 5000 Mal geteilt. (Screenshot von Correctiv)

Der Verbreiter des Videos schreibt, das Geschehen habe sich in Gelsenkirchen abgespielt. Bei den „Angreifern” würde es sich um Libanesen handeln.

Stimmen diese Aussagen? CORRECTIV hat recherchiert.

Video zeigt Polizeieinsatz bei Schlägerei in Gelsenkirchen

„Das Video bezieht sich auf einen Polizeieinsatz in Gelsenkirchen vom 01. Dezember 2018“, bestätigte Polizeihauptkommissarin Karin Schute vom Polizeipräsidium Gelsenkirchen auf Anfrage von CORRECTIV.

Laut Pressemitteilung war es an diesem Tag am Hauptbahnhof in der Gelsenkirchener Altstadt zu einer größeren Schlägerei zwischen etwa zehn Personen gekommen. Als die ersten Streifenwagen eintrafen, lag eine Person bereits am Boden, mindestens vier weitere schlugen und traten noch auf einander ein. Der Polizeieinsatz sei durch eine Gruppe Schaulustiger von ungefähr hundert Personen teilweise behindert worden, weshalb laut Pressemitteilung Pfefferspray zum Einsatz kam.

Die Polizeikräfte konnten die Schlägerei schließlich beenden. Nach notärztlicher Erstversorgung vor Ort wurden die Beteiligten mit Krankenwagen zur weiteren Behandlung in örtliche Krankenhäuser gebracht, zwei der Personen wurden stationär aufgenommen. Zwei Polizeibeamte wurden leicht verletzt. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.

Beteiligte haben türkischen Migrationshintergrund

Die Aussage des Facebooknutzers, bei den Angreifern handle es sich um libanesische Staatsangehörige, konnte Hauptkommissarin Schute nicht bestätigen. „Die festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund“, sagte sie gegenüber CORRECTIV.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig: Das Video zeigt einen Polizeieinsatz bei einer Schlägerei in Gelsenkirchen am 1. Dezember 2018. Die bisher festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund.

Bewertung: völlig falsch

Nein, die Polizei in NRW hat keine Anweisung, Verbrechen von Ausländern zu vertuschen

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Soll die Polizei in NRW Ausländer-Kriminalität vertuschen? Foto: Markus Spiske/unsplash

von Frederik Richter

Auf Facebook kursiert wieder eine angebliche Vorschrift für die Polizei in Nordrhein-Westfalen: laut dieser sollen von Ausländern begangene Straftaten vertuscht werden. Die Vorschrift ist gefälscht. Und die Fälschung nicht neu. Sie machte bereits 2017 die Runde.

Das Dokument sieht offiziell aus: „Vorschrift zur Verhaltensweise der Polizeibeamten des Landes Nordrhein-Westfalen in Sachen Ausländerkriminalität“ steht da, datiert auf den 13. Juli 2017. Unter Punkt 2 der Vorschrift heißt es unter anderem: „Falls die Straftat von einem Flüchtling, Asylbewerber oder von einer Person mit Migrationshintergrund (auch gruppenweise) begangen wurde, sollen jegliche Kontakte mit den Massenmedien ausgeschlossen werden.“

Screenshot von Facebook

Und weiter: Falls das Polizeidelikt von einem Flüchtling, Asylbewerber oder von einer Person mit Migrationshintergrund (auch gruppenweise) begangen wurde, soll das Strafverfahren nicht eingeleitet werden, sondern ein Verweis erteilt werden.“

Polizei: Dokument ist Fälschung

Das Dokument erweckt also den Anschein, als solle die Polizei in Nordrhein-Westfalen Straftaten von Ausländern unter den Tisch kehren – indem sie Medien nicht informiert und Ermittlungen nicht einleitet.

Dieses Dokument ist gefälscht. „Bei dem von Ihnen verlinkten Dokument handelt es sich um eine Fälschung“, teilte Leoni Möllmann, Sprecherin des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen, CORRECTIV mit.

Das Dokument kursierte bereits im Sommer 2017 in sozialen Medien und löste damals ein solches Echo in den Medien aus, dass das Innenministerium eine Pressemitteilung dazu veröffentlichte.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch

Bewertung: falsch

Polizisten nehmen ihre Helme vor Gelbwesten in Südfrankreich ab, um Spannung abzubauen

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Yellow vests (Gilets jaunes) protesters stand in front of French riot police during a demonstration against rising oil prices and living costs in Tours, central France on December 1, 2018. (Photo by GUILLAUME SOUVANT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Video von helmlosen Polizisten wird mit einem falschen Drehort und falschem Kontext auf Facebook geteilt.

Auf Facebook wird ein Video von französischen Polizisten, die ohne Helm auftauchen, mehr als 1000 Mal geteilt.  Ihre Beschreibung ist wie folgt: „In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen“. 

🇫🇷‼️In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen …… ‼️🇫🇷

Gepostet von Thomas D. Wimmer am Sonntag, 2. Dezember 2018

Correctiv fand das Originalvideo: Die Bilder wurden vom Fotografen Quentin Top in Pau aufgenommen. In mehreren Tweets betonte er, dass „es in keiner Weise“ ein Zeichen für Unterstützung war, sondern „es war eine Vereinbarung zwischen den Demonstranten und der Polizei. Sie ziehen ihre Helme aus und die gelben Westen zerstreuen sich in Ruhe.“

Dies bestätigten auch mehrere Lokaljournalisten von France Bleu Béarn, Sud Ouest und La République des Pyrénées, die vor Ort waren. Sie berichten, dass die Polizisten um 19.30 Uhr ihre Helme ausgezogen haben, nachdem die Gelbwesten den Vorschlag gemacht hatten, den Platz vor dem Rathaus zu verlassen, wenn die Polizisten ihre Helme ausziehen.

In einem Video der République des Pyrénées hört man einen Demonstranten sagen: „Jungs, Jungs! Sie sind bereit ihre Helme auszuziehen, aber unter einer Bedingung: Sobald sie die Helme abnehmen, singen wir die Marseillaise, wir lösen uns auf und dann gehen wir.“

Am Ende des Videos setzen die Polizisten ihre Helme wieder auf, weil ein Ei auf sie nach der Hymne geworfen wurde. Das bestätigt auch ein Video von France Bleu Béarn.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video wurde nicht in Marseille gedreht, sondern in Pau. Die Polizisten nahmen ihre Helme ab, um die Spannungen abzubauen und nicht als Geste für Solidarität.

Bewertung: teilweise falsch

Ein wohnungsloser Mann soll eine 17-Jährige aus Unkel getötet haben

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Wegen eines neuen Rechnungswesens wurden Rechnungen der Polizei NRW mit Verzögerung bearbeitet. (Symbolbild)© TechLine / pixabay

von Anna Mayr

In Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen soll ein 19-Jähriger eine 17-Jährige umgebracht haben. Er hat die Tat gestanden. Er ist kein Flüchtling, lebt aber in einem Wohnungskomplex, in dem auch Flüchtlinge leben.

Ein 17-jähriges Mädchen wurde am 2. Dezember in Sankt-Augustin tot aufgefunden. Mehrere Internetseiten, darunter Russia Today und die Facebookseite Bürgerbewegung pro Chemnitz, schrieben, die Polizei habe die Leiche der 17-Jährigen in einer Flüchtlingsunterkunft gefunden.

Die Polizei hatte bereits am 3. Dezember in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass der Tatverdächtige, ein Deutsch-Kenianer, in einer Unterkunft wohnt, in der sowohl Obdachlose wie auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der 19-Jährige führte die Polizei in sein Zimmer in der Unterkunft. Dort lag die 17-Jährige leblos.

Später gestand der Mann die Tat: Er sei mit der 17-Jährigen am 30. November in einer Kneipe gewesen. Sie habe ihn in seine Unterkunft begleitet, dort sei es zum Streit gekommen. Das berichtete T-Online.de. Wie genau er sie tötete, dazu machte die Polizei keine Angaben.

Die Rathaussprecherin Eva Stocksiefen sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger zur Unterkunft, dies sei „ganz normaler Wohnraum“ in dem ohne besondere Betreuung sowohl Flüchtlinge als auch Obdachlose leben würden. Es handelt sich also nicht um eine Erstaufnahme-Unterkunft oder ein „Heim“, sondern um Wohnraum, den die Kommune für Menschen zur Verfügung stellt, die aus verschiedenen Gründen ohne Wohnung sind.

39 Wohnungssuchende leben in der Unterkunft

CORRECTIV hat die Polizei in Bonn kontaktiert, die die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hat. Der Tatverdächtige Deutsch-Kenianer ist laut einem Sprecher der Polizei kein Flüchtling, sondern wohnungslos.

Die Polizei sagte zunächst, dass sie von einer Beziehungstat ausgehe, da das Opfer und der Tatverdächtige sich kannten. 141 Frauen wurden in Deutschland im Jahr 2017 von ihren Partnern umgebracht – und das sind nur die vollendeten Taten. So geht es aus einer Statistik des Bundeskriminalamts hervor.

Der Tatverdächtige allerdings sagt, er habe die 17-Jährige erst am 30. November kennengelernt. Die Ermittlungen dauern an.

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In der Unterkunft leben 39 Menschen. Wie viele davon wohnungssuchend und wie viele Flüchtlinge sind, ließe sich nicht differenzieren, „weil es dort auch Flüchtlinge gibt, deren Asylverfahren abgeschlossen sind und die eine Wohnung suchen.“

Unsere Bewertung:
Der 19-Jährige Tatverdächtige lebt in einer Unterkunft, die die Kommune für 39 Flüchtlinge und Obdachlose bereitstellt. Er selbst ist kein Flüchtling.