Polizei

Nein, es gibt keine Hinweise auf einen angeblichen Haftbefehl für „Soros und Rothschild“

Eine Webseite behauptet, Russland habe einen internationalen Haftbefehl „für Rothschild und Soros“ herausgegeben. Beide würden von Interpol gesucht. Für die Behauptungen gibt es keine Hinweise oder Belege.

von Cristina Helberg

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George Soros bei der Verleihung des Schumpeter-Preis am 21. Juni 2019 in Wien. (Foto: Georg Hochmuth/APA/AFP)
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Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass „Soros“, „Rothschild“, „Clinton“, „Rich“ oder „Bush“ per Red Notice von Interpol gesucht werden. Im Gegenteil, verschiedene Tatsachen sprechen dagegen. Marc Rich starb außerdem bereits 2013.

Die Webseite DDB Netzwerk veröffentlichte am 4. Januar 2018 einen Artikel mit der Überschrift: „Russland gibt internationalen Haftbefehl für Rothschild und Soros heraus“. Der Beitrag wurde laut Facebook bisher mehr als 5.580 Mal geteilt. Im Oktober 2019 verbreiteten verschiedene Facebook-Gruppen den Link wieder, zum Beispiel hier und hier

Weiter behauptet die Seite DDB Netzwerk: „Sowohl der IWF (Internationaler Währungsfonds) als auch die Europäische Union haben eine ‘Rote Nachricht’ von Interpol herausgegeben, nicht nur gegen die sofortige Festnahme von Soros, sondern auch gegen Bush, Clinton und Marc Rich und seine Firma in der Schweiz.“ Marc Rich war ein weltweit bekannter Rohstoffhändler und Gründer von Glencore. Er starb allerdings bereits im Juni 2013.

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Beitrag selbst nennt außer dem Verweis auf eine angebliche „Rote Nachricht“ von Interpol keine Belege für die Behauptungen. 

Eine sogenannte Red Notice dient laut Interpol der „Suche nach dem Aufenthaltsort und der Verhaftung von gesuchten Personen, die zur Strafverfolgung oder zur Verbüßung einer Strafe gesucht werden“. Diese Fahndungen sind laut Interpol nur teilweise öffentlich einsehbar. „Die Mehrheit der Red Notices ist nur für die Polizei bestimmt und kann daher nicht eingesehen werden. Interpol nimmt nur unter besonderen Umständen und mit Zustimmung des betreffenden Mitgliedsstaates Stellung zu bestimmten Fällen oder Personen“, schreibt Interpol auf seiner Webseite. 

Information zu Red Notices auf der Webseite von Interpol (Screenshot: CORRECTIV)

Die öffentlich einsehbaren Red Notices von Interpol haben wir am 29. Oktober durchsucht und keinen Treffer für die Namen „Soros“, „Rothschild“, „Clinton“ und „Rich“ gefunden. Die Suche nach dem Namen „Bush“ ergibt drei Treffer, weil die Silbe „bush“ in den Namen von drei gesuchten Russen vorkommt.

Die Suchergebnisse am 29. Oktober für den Namen „Soros“ in der öffentlichen Red Notice Datenbank von Interpol. (Screenshot der Interpol Webseite: CORRECTIV)
Die Suchergebnisse am 29. Oktober für den Namen „Bush“ in der öffentlichen Red Notice Datenbank von Interpol. (Screenshot der Interpol Webseite: CORRECTIV)

Eine Presseanfrage von CORRECTIV zu den Behauptungen von DDB Netzwerk beantwortete Interpol nicht. 

Behauptung zu Haftbefehl gegen Soros kursierte schon 2016 

Die Nachricht von einem angeblichen von Russland initiierten internationalen Haftbefehl für George Soros wird im Netz spätestens seit November 2016 verbreitet, darüber berichteten damals die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes und stuften die Berichte als Falschmeldungen ein. Im Rahmen ihrer Recherche überprüften sie ebenfalls die öffentliche Red Notice Liste von Interpol, Soros stand demnach nicht auf dieser Liste.

Dagegen, dass George Soros aktuell auf der Liste von Interpol steht, sprechen auch seine unbehelligten Reisen. So nahm er beispielsweise am 21. Juni 2019 in Wien den Schumpeter-Preis entgegen. 

[Transparenzhinweis: CORRECTIV hat in den Jahren 2016, 2017 und 2018 Geld von der von George Soros gegründeten Open Society Foundation erhalten. Alle Zuwendungen über 1.000 Euro legt CORRECTIV offen]