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Cristina Helberg

Faktencheckerin

Im CORRECTIV.Faktencheck-Team recherchiert Cristina zu Desinformation im Netz und deckt fast täglich Falschnachrichten auf. Für die Faktencheck-Community-Redaktion Checkjetzt bildet sie Interessierte in Verifikation und Recherche aus. Für die NRW-Redaktion von CORRECTIV recherchierte sie zum Medizinskandal um unterdosierte Krebsmedikamente aus Bottrop und begleitete den anschließenden Gerichtsprozess, oft als einzige Journalistin im Saal. 2019 absolvierte Cristina eine Weiterbildung in investigativer Recherche an der Columbia University in New York. 2018 wurde sie vom Medium Magazin als “Top 30 bis 30″- Nachwuchsjournalistin ausgezeichnet. Vorher reiste sie um die Welt, studierte Lateinamerikanistik auf Kuba und in Köln, absolvierte die Zeitenspiegel Journalistenschule und arbeitete als freie Journalistin.

E-Mail: cristina.helberg(at)correctiv.org

Bewertung: völlig falsch

Nein, ARD-Chefredakteur Gniffke warf öffentlich-rechtlichen Medien nicht „Lügen und Manipulationen der deutschen Öffentlichkeit“ vor

Bildschirmfoto 2019-11-13 um 16.45.41
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Bildschirmfoto 2019-11-13 um 16.45.41
Der ehemalige ARD-aktuell-Chefredakteuer Kai Gniffke im Jahr 2017. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Seit 2015 taucht im Netz immer wieder ein angebliches Zitat von Kai Gniffke auf, in dem er vermeintlich die öffentlich-rechtlichen Medien diffamiert. Der Spruch ist frei erfunden und entstand wohl ursprünglich als Aprilscherz.

Die Facebook-Seite „Gelbe Westen Berlin“ veröffentlichte am 12. November eine Collage mit einem angeblichen Zitat des langjährigen ARD-aktuell Chefredakteur Kai Gniffke. Er soll laut der Collage gesagt haben: „Ich kann diese Lügen und Manipulationen der deutschen Öffentlichkeit nicht länger ertragen und erkläre hiermit meine sofortige Kündigung“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 400 Mal geteilt. 

Wir haben das angebliche Zitat geprüft. 

Der Facebook-Beitrag vom 12. November 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

SWR und NDR dementieren das Zitat

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV haben sowohl der NDR als auch der SWR das Zitat dementiert. Für den NDR war Kai Gniffke 16 Jahre lang bis zum 8. August 2019 bei ARD-aktuell Chefredakteur und in dieser Position verantwortlich für die Sendungen Tagesschau und Tagesthemen. NDR-Pressesprecher Frank Jahn schrieb uns per E-Mail: „Dieses Zitat ist frei erfunden.“ 

Seit September 2019 ist Gniffke Intendant des SWR. Er arbeitet also weiter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auch der Pressesprecher des SWR, Wolfgang Utz, schrieb uns per E-Mail: „Das ist natürlich ein Fake, der schon 2016 ein solcher war und durch die Wiederholung nicht wahrer und nicht witziger wird.“

Kai Gniffke selbst schrieb in seiner Abschiedskolummne auf der Seite der Tagesschau außerdem nichts von angeblichen „Lügen und Manipulationen“, wie ihm auf dem im Netz geteilten Bild unterstellt wird. Stattdessen schrieb er: „Nach 16 Jahren verlasse ich die Redaktion, die ich das Glück und die Ehre hatte, 16 Jahre lang leiten zu dürfen. Ich hatte richtig Schiss vor diesem Tag. Denn es fällt mir emotional ganz, ganz schwer. […] Ich habe immer Stolz empfunden, hier zu arbeiten. […] Die Tagesschau hat einen gesellschaftlich ganz wichtigen Auftrag und wird ihn bestimmt glänzend erfüllen.“  

Mimikama berichtete schon 2016 über das falsche Zitat 

Eine Google-Suche nach dem angeblichen Zitat führt auch zu einem Faktencheck der österreichischen Webseite Mimikama vom 4. Oktober 2019. Die Redaktion stufte das Zitat erstmals 2016 als falsch ein. Damals war es von der Seite Propagandaschau als vermeintlicher Aprilscherz verbreitet worden. Mimikama schrieb: „Im Gegensatz zu vielen anderen Aprilscherzen, nimmt man bei der Webseite ‘Propagandaschau’ augenscheinlich wohlwollend in Kauf, dass die Leser diesen ‘Scherz’ einfach mal für wahr halten und weitergeben, so wie auch alle Blogs, die sich auch die ‘Propagandaschau’ beziehen.“ Mimikama fragte damals auch bei der Tagesschau nach, die das Zitat dementierte. 

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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Zitat ist frei erfunden. Kai Gniffke arbeitet weiter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seit September 2019 als Intendant für den SWR.

Bewertung: falsch

Nein, Trump nannte die Republikaner 1998 im „People Magazine“ nicht „dümmste Gruppe von Wählern“

US-POLITICS-TRUMP
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US-POLITICS-TRUMP
Der US-Präsident Donald Trump bei einer Rede im Economic Club in New York City am 12. November 2019. (Symbolbild: Brendan Smialowski / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich seit Jahren eine angebliche abfällige Bemerkung Donald Trumps über republikanische Wähler. Doch das Zitat ist falsch.

Der deutsche Schauspieler Jan Josef Liefers veröffentlichte am 9. November 2016 auf Facebook eine Zitat-Collage mit einer angeblichen Äußerung von Donald Trump auf Englisch. Demnach soll er 1998 gesagt haben: „Wenn ich kandidieren würde, würde ich als Republikaner kandidieren. Sie sind die dümmste Gruppe von Wählern im Land. Sie glauben alles auf Fox News. Ich könnte lügen und sie würden es immer noch schlucken. Ich wette, meine Zahlen wären fantastisch.“ 

Als Quelle ist auf der Collage das US-amerikanische People Magazine angegeben. Zu dem Zitat schrieb Jan Josef Liefers auf seinem verifizierten Facebook-Profil: „Und so ist es nun gekommen.“ Der Beitrag wurde seit 2016 mehr als 9.700 Mal geteilt, auch mehrere Male in den letzten Tagen. Wir haben das angebliche Zitat geprüft. 

Der Beitrag von Jan Josef Liefers vom 9. November 2016 (Screenshot: CORRECTIV).

Nutzer teilen vermeintliches Zitat seit 2015

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete Julie Farin, eine Sprecherin des People Magazine: „PEOPLE untersuchte dies gründlich, als es erstmals im Oktober 2015 auftauchte. Wir haben jede Trump-Geschichte in unserem Archiv durchgesehen. Wir konnten nichts im entferntesten Ähnliches wie dieses Zitat finden – und überhaupt kein Interview im Jahr 1998.“

Die Antwort des People Magazine per E-Mail auf eine Presseanfrage von CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV).

US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes recherchierten schon im Oktober 2015 zu dem angeblichen Zitat, fanden jedoch keine Hinweise, dass Trump diesen oder einen ähnlichen Satz gesagt hat. Die Faktenchecker der US-Nachrichtenagentur Associated Press prüften das Zitat ebenfalls im Juni 2019, mit demselben Ergebnis.  

Auch während unserer Recherchen konnten wir keine Hinweise auf ein solches Zitat von Donald Trump finden, weder über eine Google-Suche nach dem Zitat auf der Webseite des People Magazine, noch bei Google News oder im Google News Archiv

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Unsere Bewertung:
Falsch. Es gibt keine Hinweise, dass Donald Trump den Satz dem People Magazine oder an anderer Stelle gesagt hat.

Bewertung: teilweise falsch

Hessen: „Truth24“ bezeichnet drei Tatverdächtige ohne Belege als „Syrer-Gang“

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In Neu-Anspach in Hessen wurde am 1. November ein Mann von mehreren Männern verletzt. (Foto: Symbolbild / lapping / pixabay)

von Cristina Helberg

In einem Artikel von Truth24 wird behauptet, eine „Syrer-Gang“ habe einen Mann in Neu-Anspach in Hessen verletzt. Richtig ist: Ein Syrer und ein Afghane werden verdächtigt, einen Mann verletzt zu haben. Ein dritter möglicher Mittäter ist bisher unbekannt.

Die Webseite Truth24 veröffentlichte am 2. November einen Artikel mit der Überschrift „Syrer-Gang schießt und sticht Mann in Neu-Anspach mit Messer krankenhausreif“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 400 Mal auf Facebook geteilt. 

Bis auf die Überschrift, den Teaser und die Zwischenüberschrift ist der Text fast exakt aus einer Pressemitteilung der Polizei Bad Homburg vom 1. November übernommen worden. Die Polizeimeldung ist auch verlinkt. Daraus geht hervor, dass ein Mann am 1. November am Bahnhof in Neu-Anspach in Hessen mit einem Messer schwer verletzt wurde. „Aus bislang ungeklärter Ursache“ hätten ihn mehrere Männer angegriffen. Ein Tatverdächtiger mit syrischer Staatsbürgerschaft sei festgenommen worden. 

Truth24 ändert Pressemitteilung der Polizei

An zwei Stellen hat Truth24 jedoch Änderungen an dem Text der Polizei vorgenommen. Aus „durch mehrere Männer angegriffen“ macht Truth24 „durch eine Männerhorde angegriffen“. Und aus „den weiteren Tatbeteiligten“ werden die „weiteren Tatbeteiligten, die der Gang des Syrers angehören“. 

Außerdem suggeriert die Überschrift von Truth24, die Tatverdächtigen hätten auf das Opfer geschossen. Auf Nachfrage von CORRECTIV schreibt die Polizei Bad Homburg per E-Mail: „Wie in der ersten Pressemeldung berichtet, wurde mit der Waffe nach bisherigen Erkenntnissen in die Luft geschossen.“ Womit geschossen wurde, sei unklar.

Am 5. November, also nachdem der Artikel auf Truth24 erschienen war, veröffentlichte die Polizei Bad Homburg gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft eine weitere Pressemitteilung zu dem Fall und berichtete von der Verhaftung eines zweiten Tatverdächtigen. „Der 22 Jahre alte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit steht im Verdacht, gemeinsam mit einem bereits am Freitagmorgen festgenommenen 23-Jährigen sowie einem weiteren, noch unbekannten Mann den 25-Jährigen am Bahnhof angegriffen und schwer verletzt zu haben“, steht in der Mitteilung. 

Die Nationalität der Tatverdächtigen war – bis auf den 23-jährigen Syrer – zum Zeitpunkt, als Truth24 den Artikel veröffentlichte, unbekannt. Für eine „Syrer-Gang“ gab es also keine Belege. Truth24 nahm zudem die neuen Informationen der Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nachträglich in den Artikel auf. 

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Polizei berichtete nicht von einer „Gang“ oder „Horde“. Richtig ist: Ein Syrer und ein Afghane werden verdächtigt, einen Mann mit einem Messer verletzt zu haben. Ein dritter mutmaßlicher Täter ist unbekannt.

Bewertung: falsch

Fälschung: Nein, dieses SED-Wahlplakat trägt nicht denselben Spruch wie CDU-Werbung

MerkelWahl
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MerkelWahl
Diese Collage wird seit 2017 im Netz verbreitet. Das untere Bild ist manipuliert (Screenshot: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

Seit 2017 teilen Menschen im Netz eine gefälschte Fotocollage. Angeblich zeigt sie, dass die CDU denselben Wahlkampf-Slogan nutze wie einst die SED. Das ist falsch.

Am 30. August 2017 veröffentlichte die bekannte Publizistin Vera Lengsfeld auf Facebook eine Fotocollage zweier Wahlplakate: Eins der CDU und eins der DDR-Partei SED (Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands). Beide Plakate tragen vermeintlich eine fast identische Aussage. Auf dem CDU-Wahlplakat steht: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“, auf dem SED-Wahlplakat: „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“ mit der Überschrift „17.-21- April XI. Parteitag der SED“. Zu der Collage schrieb Vera Lengsfeld: „Wie sich die Bilder gleichen.“ 

Der Facebook-Beitrag wurde laut Daten von Facebook bisher mehr als 2.700 Mal geteilt, davon mehr als 200 Mal in den letzten 24 Stunden. Unsere Recherchen zeigen: Eines der Bilder ist gefälscht. 

SED-Originalbild: In Farbe und mit einem anderen Spruch 

Eine Bilder-Rückwärtssuche bei Google führt zu zahlreichen Artikeln über die gefälschte Collage. 2017 berichteten mehrere Medien (Buzzfeed, Spiegel Online, Bento, Merkur, T-Online), dass das vermeintliche SED-Wahlplakat gefälscht sei. Zuvor war das Bild unter anderem von der AfD verbreitet worden. Der AfD-Bezirksverband Hamburg-Nord gab das später auf Twitter zu

Das Originalfoto des SED-Plakats, in Farbe und nicht schwarz-weiß, findet man auf einer Flickr-Seite. Demnach wurde es am 1. Juli 1981 aufgenommen. Das Aufnahmedatum spricht ebenfalls für eine Fälschung, denn der auf dem von Vera Lengsfeld verbreiteten Foto erwähnte XI. Parteitag fand erst 1986 statt. Der Original-Wahlkampfspruch der SED auf dem Plakat lautete: „Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes der Deutschen Demokratischen Republik“. 

Das Originalbild in Farbe bei Flickr (Screenshot: CORRECTIV).

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das SED-Wahlplakat wurde manipuliert. Der Spruch darauf lautete im Original: „Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes der Deutschen Demokratischen Republik“.

Bewertung: teilweise falsch

Hamburg: Wie die Seite „Truth24“ aus einer Gruppe Unbekannter eine angebliche „Moslem-Bande“ macht

GERMANY-TURKEY-COURT-POLITICS
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GERMANY-TURKEY-COURT-POLITICS
Der Fall wurde im Januar 2019 vor dem Amtsgericht Hamburg verhandelt (Symbolbild: Christian Charisius / Pool / AFP)

von Cristina Helberg

In einem Artikel von Truth24 wird behauptet, eine „Moslem-Bande“ habe einen Mann in Hamburg verletzt. Richtig ist: Von den sechs Männern, die im Januar 2017 einen anderen Mann überfielen, wurde nur einer gefasst und verurteilt: Ein türkischer Staatsangehöriger. Über die Mittäter ist nichts bekannt, die religiöse Zuschreibung hat Truth24 frei erfunden.

Die Webseite Truth24 veröffentlichte am 6. Januar einen Artikel mit der Überschrift „Moslem- Bande prügelt Mann (20) halbtot – 7 Monate Bewährung!“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 4.900 Mal auf Facebook geteilt. 

Bis auf die Überschrift ist der Text wortwörtlich aus einem Artikel der Bild-Zeitung vom 3. Januar übernommen. Der Begriff „Moslem-Bande“ taucht in der Bild-Zeitung nicht auf.

Wir haben die Behauptungen überprüft. 

Mittäter weiter unbekannt

Auf Nachfrage von CORRECTIV schrieb die Pressestelle des Amtsgerichts Hamburg am 6. November per E-Mail: „Richtig ist, dass ein 22 Jahre alter türkischer Staatsangehöriger am 3. Januar 2019 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten verurteilt wurde, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.“ Im Urteil habe das Gericht festgestellt, dass der Angeklagte zusammen mit fünf weiteren Mittätern im Januar 2017 im Bereich der Bremer Straße in Hamburg einen anderen Mann überfiel. Das Opfer erlitt laut Urteil Platzwunden und Stichverletzungen. 

Weiter schrieb das Gericht uns: „Mehr ist – und das ist für uns entscheidend – nicht bewiesen. Insbesondere ist zur Identität der Mittäter nichts festgestellt worden, geschweige denn zu ihrer Religionszugehörigkeit.“

Die Hamburger Staatsanwältin Liddy Oechtering schrieb auf Nachfrage von CORRECTIV zu dem Fall per E-Mail am 6. November: „Die Bezeichnung ‘Moslem-Bande’ ist kein Terminus, der von der Staatsanwaltschaft gebraucht wird. Insoweit ist diese Bezeichnung für den Verurteilten nicht korrekt. Weitere Beschuldigte konnten bislang in diesem Zusammenhang nicht ermittelt werden.“

Die E-Mail der Staatsanwaltschaft Hamburg (Screenshot: CORRECTIV).

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Teilweise falsch. Von insgesamt sechs Tätern wurde nur einer gefasst und verurteilt. Er ist türkischer Staatsangehöriger. Die Religionszugehörigkeit ist nicht bekannt.

Bewertung: falsch

Nein, diese Menschen wurden nicht nach Deutschland geflogen, sondern von Libyen nach Nigeria

Flugzeug
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Flugzeug
Diese Menschen wurden von Libyen nach Nigeria geflogen (Screenshot und Collage: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

Im Netz wird ein Bild eines Flugzeuges verbreitet, das angeblich Migranten auf dem Weg nach Deutschland zeigen soll. Tatsächlich brachte das Flugzeug nigerianische Migranten von Libyen zurück in ihre Heimat Nigeria.

Auf Facebook veröffentlichte die Seite „Keine weiteren Asylantenheime in Deutschland“ am 24. Oktober ein Foto, das ein voll besetztes Passagierflugzeug zeigt. Dazu behauptete sie: „Unfassbar: Afrikanische Schein-Flüchtlinge werden im Zuge des Resettlements bequem mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht, um hier dauerhaft angesiedelt zu werden“. Der Beitrag wurde mehr als 1.300 Mal geteilt, bevor er einige Tage später gelöscht wurde. 

Am 5. November veröffentlichte dann die Facebook-Seite „Svens“ des bekannten rechten Aktivisten Sven Liebich dasselbe Bild mit der Behauptung: „Der erste offizielle Flug von Umsiedlern aus Afrika nach Deutschland. Diese jungen Menschen, Familien und Kinder werden nach Deutschland gebracht, um hier beim Wiederaufbau unserer durch Überalterung am Boden liegenden Gesellschaft zu helfen.“ Der Beitrag wurde bisher 363 Mal geteilt.

Wir haben die Behauptungen geprüft – sie sind falsch 

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit der russischen Suchmaschine Yandex führt zu einer Pressemitteilung der Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen mit demselben Foto. Die Mitteilung vom 17. Juni 2016 trägt die englische Überschrift: „IOM erleichtert die freiwillige Rückführung nigerianischer Migranten, die in libyschen Gefängnissen festgehalten werden“. Das Bild ist jedoch nicht mit einer Bildunterschrift oder Quellenangabe versehen.

Eine Pressemitteilung auf der Webseite der Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen per E-Mail: „Das Bild, auf das Sie sich beziehen, stammt aus einer Pressemitteilung über die freiwillige Rückkehr nigerianischer Migranten aus Libyen am 16. Juni 2016.“

Weiter schreibt sie: „Wäre es mit einer Bildunterschrift versehen, würde es lauten: ‘Eine IOM-Eskorte unterstützte 162 gestrandete nigerianische Migranten, darunter 28 Frauen und drei Kinder, bei der Rückkehr nach Nigeria am 16. Juni 2016 aus Libyen.’“

E-Mail der Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen (Screenshot: CORRECTIV).

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild zeigt einen Flug von Libyen nach Nigeria.

Bewertung: teilweise falsch

Die Polizei Magdeburg sucht einen Unbekannten – die Seite „Truth24“ erfindet daraus eine Suche nach einem Asylbewerber

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Die Polizei Magdeburg sucht nach einer sexuellen Belästigung am 2. Oktober nach einem Unbekannten (Symbolfoto: Techline / pixabay).

von Cristina Helberg

In einem Artikel von Truth24 wird behauptet, ein „Armutsasylant“ habe in Magdeburg eine Frau vergewaltigen wollen. Richtig ist: Die Polizei sucht nach einem unbekannten Mann, der eine Frau sexuell belästigt haben soll und der vom Opfer mit „südländischer Phänotypus“ beschrieben wurde. Die Zuschreibung eines Asylstatus ist spekulativ und von Truth24 frei erfunden.

Die Webseite Truth24 veröffentlichte am 2. Oktober einen Artikel mit der Überschrift: „Ins Gebüsch gezogen: Armutsasylant will Frau in Magdeburg vergewaltigen“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 1.200 Mal geteilt, unter anderem von der NPD Magdeburg. Weiter steht im Text: „Der Sozialmigrant attackierte eine junge Frau am frühen Morgen, die Polizei nennt es aber nur verniedlichend ‘sexuelle Belästigung’.“ 

Auf diesen Absatz folgt eine im Wortlaut kopierte Pressemitteilung der Polizei vom 2. Oktober, zu einer sexuellen Belästigung im Bereich der Listemannstraße in Magdeburg. Ein Unbekannter habe eine Frau in ein Gebüsch gezogen und sie sexuell belästigt. Ihr sei jedoch die Flucht gelungen. Dann folgt eine grobe Beschreibung des Täters: „160 – 165 cm groß, ca. 30 Jahre alt, zierliche, dünne Gestalt, südländischer Phänotypus, war bekleidet mit einer schwarzen Mütze mit einem Weihnachtsmuster; einem schwarzen Kapuzenpullover sowie einer schwarzen Jacke; einer graubraunen Hose und schwarzen Turnschuhen.“ 

Auf Nachfrage von CORRECTIV stellte die Polizei Magdeburg am 6. November per E-Mail klar: „Derzeitig wurde noch kein Tatverdächtiger ermittelt“. Zu der Beschreibung von Truth24 schreibt die Polizei: „Laut den Angaben der Geschädigten handelt es sich bei dem Täter um eine Person mit südländischem Phänotypus. Da der Täter noch unbekannt ist, kann auch nichts zu seinem sozialen Stand gesagt werden. Des Weiteren würde die Polizei solche Begriffe wie ‘Armutsasylant’ oder ‘Sozialmigrant’ nicht verwenden.“ 

Antwort der Polizei Magdeburg auf eine Presseanfrage von CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV).

In der Meldung von Truth24 wird der Polizei auch vorgeworfen, den Vorfall durch die Beschreibung „sexuelle Belästigung“ zu „verniedlichen“. Dazu schreibt die Polizei Magdeburg auf Nachfrage: „Die Betitelung einer Polizeimeldung richtet sich nach der Tathandlung, für welche wiederum im Strafgesetzbuch eine bestimmte Begrifflichkeit festgelegt wurde.“

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Teilweise falsch. Die Identität des gesuchten Mannes ist unbekannt.

Bewertung: teilweise falsch

Schon wieder falsche Grünen-Zitate im Umlauf

GERMANY-GREEN PARTY-CONGRESS
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GERMANY-GREEN PARTY-CONGRESS
Katrin Göring-Eckardt werden in einem Facebook-Beitrag falsche Worte in den Mund gelegt. (Symbolbild von 2013: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Auf Facebook teilen Nutzer erneute falsche Zitate von Grünen-Politikern. Alle Zitate kursieren seit Jahren und wurden teilweise schon mehrfach widerlegt. In einem Beitrag sind von acht Zitaten vier falsch zugeschrieben, eins unbelegt und drei richtig.

Eine Übersicht acht angeblicher Zitate von Grünen-Politikern veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin am 19. Oktober. Quellenangaben zu den Zitaten fehlen. Der Beitrag wurde bisher mehr als 2.700 Mal geteilt. Wir haben die angeblichen Zitate von insgesamt fünf Politikern und einer ehemaligen Instituts-Direktorin geprüft. 

Der Facebook-Beitrag vom 19. Oktober 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

1. Keine Belege für angebliches Zitat von Daniel Cohn-Bendit

Der Facebook-Beitrag schreibt dem Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit die folgenden Worte zu: „Wir, die Grünen, müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.“ 

Zu diesem angeblichen Zitat haben wir im Januar 2019 einen Faktencheck veröffentlicht. Weder wir noch andere Medien wie Der Westen und Focus konnten Belege für dieses Zitat finden. 

2. Verdrehtes Zitat von Stefanie von Berg 

Der Grünen-Politikerin Stefanie von Berg schreibt der Facebook-Beitrag das angebliche Zitat zu: „Es ist gut so, daß wir Deutsche bald in der Minderheit sind.“ Das vermeintliche Zitat kursiert ebenfalls schon seit einigen Jahren in den Sozialen Netzwerken. Bereits im Oktober 2018 und im Mai 2019 haben wir darüber berichtet. Unser Fazit: Das Zitat ist falsch. Von Berg hat den Satz so nicht gesagt. 

Die Grünen-Politikerin Stefanie von Berg hielt nach Recherchen des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama im November 2015 eine Rede in der Hamburgischen Bürgerschaft, in der es um die Beschulung von Flüchtlingen ging. Zu Beginn ihrer Rede sagte die Politikerin demnach: „Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, unsere Gesellschaft wird sich ändern, unsere Stadt wird sich radikal verändern, ich bin der Auffassung, dass wir in 20, 30 Jahren gar keine ethnischen Mehrheiten mehr haben in unserer Stadt […]“. Die Rede ist öffentlich auf Youtube für jeden zugänglich. Das angebliche Zitat aus der Behauptung („Es ist gut so, daß wir Deutsche bald in der Minderheit sind“) hört man dort nicht.

3. Falsches Zitat von Margarete Bause

Die Grünen-Politikerin Margarete Bause wird in dem Facebook-Beitrag mit diesen angeblichen Aussagen zitiert: „Nur weil jemand vergewaltigt, beraubt oder hoch kriminell ist, ist das kein Grund zur Abschiebung. Wir sollten uns stattdessen seiner annehmen und ihn akzeptieren, wie er ist…“. 

Auf über dieses falsche Zitat haben wir bereits im September berichtet. Margarete Bause hat 2018 Strafanzeige gegen einen mutmaßlichen Urheber des Falschzitats gestellt. 

4. Richtig wiedergegebenes Zitat von Çigdem Akkaya

Çigdem Akkaya ist ehemalige stellvertretende Direktorin des Essener Zentrums für Türkeistudien. Sie wird im Netz, genau wie im aktuellen Facebook-Beitrag, häufig mit folgendem Satz zitiert: „Die Leute werden endlich Abschied nehmen von der Illusion, Deutschland gehöre den Deutschen.“ Das Zitat haben wir bereits im Januar 2019 in einem Faktencheck geprüft.

Çigdem Akkaya hat den Satz nach eigenen Angaben in einem Interview Ende der 90er-Jahre so gesagt. Allerdings fühlt sie sich falsch verstanden und betont, dass sie meinte, Rechtsradikale müssten sich von der Illusion verabschieden, Deutschland gehöre nur den Deutschen.

5. Richtig wiedergegebenes Zitat von Robert Habeck 

Der Grünen-Politiker Robert Habeck wird in dem Facebook-Beitrag richtig mit folgenden Sätzen zitiert: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“

Das Zitat stammt aus dem Buch „Patriotismus – Ein linkes Plädoyer“ Robert Habecks. Das haben wir in einem Faktencheck im Juni 2019 recherchiert. In den Zeilen unmittelbar vor dem zitierten Satz schreibt er: „Als Adressat und Verbindung zwischen den Gegensätzen zwischen ‘Liberalität’ und ‘Paternalismus’, zwischen ‘verantwortungsvoll’ und ‘kreativ’, zwischen ‘Bürger’ und ‘Konsument’ braucht man ein positives Gesellschaftsverständnis. […] Man braucht eine Erzählung, die auf Veränderung setzt, auf Gerechtigkeit und Internationalität. Dieses Engagement nenne ich einen ‘linken Patriotismus’.“

6. Richtig wiedergegebenes Zitat von Katrin Göring-Eckardt

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wird in dem Beitrag mit insgesamt drei Zitaten genannt. Das erste davon ist richtig: „Natürlich gehört der Islam zu Deutschland, und natürlich gehören Muslime zu Deutschland. Und ich finde, darüber können wir ganz schön froh sein. Es wäre sehr langweilig, wenn wir nur mit uns zu tun hätten.“

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im Juni 2019 recherchiert. Katrin Göring-Eckardt sagte den Satz in einem Interview in der RBBRadio-Eins-Sendung „Der Kandidatencheck“ am 18. September 2017. Online kann man das Radiointerview nachhören. Ab Minute 9:55 sagt Katrin Göring-Eckardt den zitierten Satz.

7. Falsches Zitat von Katrin Göring-Eckardt 

Das nächste genannte angebliche Zitat von Katrin Göring-Eckardt ist falsch, wie wir bereits in einem Faktencheck im September berichtet haben. Laut Facebook-Beitrag soll sie gesagt haben: „Die sexuellen Übergriffe in Schorndorf lassen sich zwar keineswegs entschuldigen, aber sie zeigen einen Hilferuf der Flüchtlinge, weil sie zu wenig von deutschen Frauen in ihren Gefühlen respektiert werden.“

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV teilte der Pressesprecher der Grünen im Bundestag uns in einer E-Mail am 19. September 2019 mit: „Dieses Zitat ist falsch. Frau Göring-Eckardt hat sich erfolgreich juristisch gegen die Verbreitung gewehrt.“ Wir fanden zudem keinen Hinweis darauf, dass Göring-Eckardt den Satz gesagt hat.

Tatsächlich bestätigte das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen das Verbreiten des Zitates am 22. September 2017. Darüber berichteten an dem Tag auch mehrere Medien. Das Westfalen-Blatt titelte: „Gericht verbietet der AfD Verbreitung von angeblichem Grünen-Zitat“. Der Bayerische Rundfunk ergänzte einen Artikel mit einem Update zum Urteil. 

8. Richtiges Zitat von Katrin Göring-Eckardt

Das dritte im Facebook-Beitrag genannte Zitat stammt tatsächlich von Katrin Göring-Eckardt: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf“, hat sie tatsächlich gesagt. Wie in einem Youtube-Video des offiziellen Kanals der Grünen zu sehen ist, sagte Katrin Göring-Eckardt den zitierten Satz (ab Minute 9:30) auf einem Parteitag der Grünen.

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Teilweise falsch. Von acht Zitaten sind vier falsch, eins unbelegt und drei richtig.

Falschmeldungen und Gerüchte im Oktober 2019: Brausepulver, Crystal Meth, Führerschein und Klima

Unbenannte Präsentation
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Unbenannte Präsentation
Eine Auswahl unserer Faktenchecks, die im Oktober besonders relevant waren. (Collage: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Bei unserer Arbeit als Faktenchecker sehen wir im Netz jeden Tag Meldungen und Bilder, die darauf ausgelegt sind, nur bestimmte Bevölkerungsgruppen zu erreichen und gegen andere aufzuhetzen. Oft sind Nutzer verunsichert – inzwischen erreichen uns viele Einreichungen mit der Bitte, Behauptungen zu prüfen. In unserer monatlichen Übersicht geben wir einen Einblick in die Welt der Gerüchte.

Unsere Faktenchecks zu den vier meist-geteilten Behauptungen, die wir im Oktober geprüft haben

Nein, es gibt keine Hinweise auf Crystal Meth, das als „Brausepulver“ an Schulen kursiert

Auf Facebook wird seit 2016 eine Warnung vor einer angeblich neuen Droge verbreitet. Dabei handele es sich um Crystal Meth mit „verschiedenen Geschmacksrichtungen“ wie Erdbeere und Wassermelone, das aussehe wie ein „Brausepulver“. Dem BKA ist kein solcher Fall bekannt.

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 66.000 Mal geteilt.

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Nein, Asylbewerber bekommen den Führerschein nicht generell „zum Nulltarif“

Die Webseite „Votum24“ suggeriert in einem Artikel, Asylbewerber würden den Führerschein generell bezahlt bekommen. Richtig ist: Für die Übernahme der Kosten gelten laut Agentur für Arbeit die gleichen Bedingungen wie für Deutsche.

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 14.000 Mal geteilt.

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Offener Brief zum Klimawandel: Weder haben „500 Wissenschaftler“ unterzeichnet, noch stimmen alle Behauptungen

Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler.

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 12.000 Mal geteilt.

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Nein, Grippe-Impfstoffe in Deutschland enthalten kein Quecksilber

Ein Artikel behauptet, Grippe-Impfungen enthielten Quecksilber in giftigen Mengen und führt damit in die Irre. In den USA wird teilweise eine Art Quecksilber als Konservierungsmittel eingesetzt, es gilt aber in so geringen Mengen als unbedenklich. In Deutschland enthalten normale Grippe-Impfstoffe kein Quecksilber.

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 11.000 Mal geteilt.

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Unsere vier meist-gelesenen Faktenchecks im September

Nein, Flüchtlinge kosten Deutschland nicht „bis zu 55 Milliarden Euro pro Jahr“

Auf Facebook verbreitet sich die Behauptung, die Versorgung von Flüchtlingen würde Deutschland 55 Milliarden jährlich kosten. Das ist falsch. Die Berechnung ist von 2015 und ging von viel zu hohen Ankunftszahlen pro Jahr aus. 

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Offener Brief zum Klimawandel: Weder haben „500 Wissenschaftler“ unterzeichnet, noch stimmen alle Behauptungen

Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler.

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Viraler Leserbrief von 2017: Nein, Asylbewerber sind nicht alle Privatpatienten

Die Facebook-Seite „Gelbwesten Deutschland“ verbreitet einen Leserbrief und suggeriert, dass alle Asylbewerber Privatpatienten seien und deren Privilegien genießen würden. Das ist nicht richtig – zudem fehlt Kontext zu dem Zeitungsausschnitt.

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Irreführender Auszug aus Jobcenter-Brief an „Flüchtlingsfamilie“ im Umlauf

Ein illegal auf Facebook veröffentlichter Jobcenter-Bescheid an eine fünfköpfige Familie in Berlin soll den Eindruck erwecken, Flüchtlinge würden mehr Arbeitslosengeld bekommen als Deutsche. Das ist falsch. Den größten Kostenfaktor in diesem Fall macht Geld für eine Wohnunterkunft aus. 

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Bewertung: unbelegt

Nein, es gibt keine Hinweise auf einen angeblichen Haftbefehl für „Soros und Rothschild“

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George Soros bei der Verleihung des Schumpeter-Preis am 21. Juni 2019 in Wien. (Foto: Georg Hochmuth/APA/AFP)

von Cristina Helberg

Eine Webseite behauptet, Russland habe einen internationalen Haftbefehl „für Rothschild und Soros“ herausgegeben. Beide würden von Interpol gesucht. Für die Behauptungen gibt es keine Hinweise oder Belege.

Die Webseite DDB Netzwerk veröffentlichte am 4. Januar 2018 einen Artikel mit der Überschrift: „Russland gibt internationalen Haftbefehl für Rothschild und Soros heraus“. Der Beitrag wurde laut Facebook bisher mehr als 5.580 Mal geteilt. Im Oktober 2019 verbreiteten verschiedene Facebook-Gruppen den Link wieder, zum Beispiel hier und hier

Weiter behauptet die Seite DDB Netzwerk: „Sowohl der IWF (Internationaler Währungsfonds) als auch die Europäische Union haben eine ‘Rote Nachricht’ von Interpol herausgegeben, nicht nur gegen die sofortige Festnahme von Soros, sondern auch gegen Bush, Clinton und Marc Rich und seine Firma in der Schweiz.“ Marc Rich war ein weltweit bekannter Rohstoffhändler und Gründer von Glencore. Er starb allerdings bereits im Juni 2013.

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Beitrag selbst nennt außer dem Verweis auf eine angebliche „Rote Nachricht“ von Interpol keine Belege für die Behauptungen. 

Eine sogenannte Red Notice dient laut Interpol der „Suche nach dem Aufenthaltsort und der Verhaftung von gesuchten Personen, die zur Strafverfolgung oder zur Verbüßung einer Strafe gesucht werden“. Diese Fahndungen sind laut Interpol nur teilweise öffentlich einsehbar. „Die Mehrheit der Red Notices ist nur für die Polizei bestimmt und kann daher nicht eingesehen werden. Interpol nimmt nur unter besonderen Umständen und mit Zustimmung des betreffenden Mitgliedsstaates Stellung zu bestimmten Fällen oder Personen“, schreibt Interpol auf seiner Webseite. 

Information zu Red Notices auf der Webseite von Interpol (Screenshot: CORRECTIV)

Die öffentlich einsehbaren Red Notices von Interpol haben wir am 29. Oktober durchsucht und keinen Treffer für die Namen „Soros“, „Rothschild“, „Clinton“ und „Rich“ gefunden. Die Suche nach dem Namen „Bush“ ergibt drei Treffer, weil die Silbe „bush“ in den Namen von drei gesuchten Russen vorkommt.

Die Suchergebnisse am 29. Oktober für den Namen „Soros“ in der öffentlichen Red Notice Datenbank von Interpol. (Screenshot der Interpol Webseite: CORRECTIV)
Die Suchergebnisse am 29. Oktober für den Namen „Bush“ in der öffentlichen Red Notice Datenbank von Interpol. (Screenshot der Interpol Webseite: CORRECTIV)

Eine Presseanfrage von CORRECTIV zu den Behauptungen von DDB Netzwerk beantwortete Interpol nicht. 

Behauptung zu Haftbefehl gegen Soros kursierte schon 2016 

Die Nachricht von einem angeblichen von Russland initiierten internationalen Haftbefehl für George Soros wird im Netz spätestens seit November 2016 verbreitet, darüber berichteten damals die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes und stuften die Berichte als Falschmeldungen ein. Im Rahmen ihrer Recherche überprüften sie ebenfalls die öffentliche Red Notice Liste von Interpol, Soros stand demnach nicht auf dieser Liste.

Dagegen, dass George Soros aktuell auf der Liste von Interpol steht, sprechen auch seine unbehelligten Reisen. So nahm er beispielsweise am 21. Juni 2019 in Wien den Schumpeter-Preis entgegen. 

[Transparenzhinweis: CORRECTIV hat in den Jahren 2016, 2017 und 2018 Geld von der von George Soros gegründeten Open Society Foundation erhalten. Alle Zuwendungen über 1.000 Euro legt CORRECTIV offen]

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass „Soros“, „Rothschild“, „Clinton“, „Rich“ oder „Bush“ per Red Notice von Interpol gesucht werden. Im Gegenteil, verschiedene Tatsachen sprechen dagegen. Marc Rich starb außerdem bereits 2013.

Bewertung: falsch

Nein, diese Bilder zeigen keine aus „DeepState-Untergrundbasen“ geretteten Kinder, sondern stammen aus einem Film

Bildschirmfoto 2019-10-28 um 18.49.02
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Bildschirmfoto 2019-10-28 um 18.49.02
Die Aufnahmen stammen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles - 2013“. (Screenshot von den auf der Webseite News for friends verbreiteten Filmaufnahmen: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Die Webseite News for friends reißt Filmaufnahmen aus dem Kontext und nutzt sie als vermeintliche Belege für eine Verschwörungstheorie. Wir haben die Fakten recherchiert.

Die Webseite News for friends veröffentlichte am 17. Oktober einen Artikel mit der Überschrift: „2100 eingesperrte Kinder von US-Marines und Navy Seals aus DeepState-eigenen Untergrundbasen in Kalifornien befreit und gerettet!“ Dazu veröffentlichte sie Bilder von in Käfigen eingesperrten Frauen. Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.200 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Beitrag auf der Webseite News for friends vom 17. Oktober 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Über eine Google-Bilder-Rückwärtssuche gelangten wir zu einem Reddit-Thread über das Bild, unter dem Nutzer über die Authentizität der Meldung diskutierten. Dort schrieb ein Nutzer am 22. Oktober: „This is a damn Fake Picture and anyone can find it. it’s from the damn movie ‘Pawn Shop Chronicles – 2013’ […]“. Tatsächlich finden sich im Netz mehrere Aufnahmen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“, die zu den von News for friends verbreiteten Bildern passen. Unter anderem hier, hier und hier.

Links zwei Aufnahmen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“, rechts das jeweils verfremdete Bild von der Webseite News for friends. (Collage aus Screenshots: CORRECTIV)

Als weiterer vermeintlicher Beleg wird im Artikeltext neben den Bildern eine Großübung von „von Marines und Navy Forces in Kalifornien“ genannt, in deren Verlauf die 2.100 Kinder aus der „Gefangenschaft in unterirdischen Bunkern“ befreit worden seien. Richtig ist: Laut der offiziellen Webseite der US-Marines gibt es eine Großübung, die jedoch erst Anfang November beginnen wird und nichts mit der Befreiung von Kindern zu tun hat. Die US-Marines beschreiben die Übung als „Kriegsspiel“ mehrerer Regimente. 

Auszug der Pressemitteilung der US-Marines. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Falsch. Die Bilder zeigen keine geretteten Kinder, sondern stammen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege, dass Herbert Grönemeyer nicht in Deutschland Steuern zahlt

AUSTRIA-CONCERT-GROENEMEYER
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AUSTRIA-CONCERT-GROENEMEYER
Herbert Grönemeyer bei einem Auftritt im März 2019. (Symbolbild: Hans Punz/APA/AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz kursiert seit Jahren die Behauptung, Herbert Grönemeyer zahle in Deutschland keine Steuern. Dafür gibt es keine Belege. Grönemeyer selbst sagt, er zahle hierzulande Steuern und hat auch kürzlich als Zeuge vor Gericht als Wohnsitz Berlin angegeben.

In mehreren Beiträgen in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, Herbert Grönemeyer zahle in Deutschland keine Steuern. Ein Facebook-Beitrag mit dieser Behauptung vom 16. September auf der Seite des bekannten Rockers Tim K. wurde bisher mehr als 3.800 Mal geteilt. Tim K. bezeichnet Herbert Grönemeyer darin als „Steuerflüchtling“, der „in England wohnt und keinen einzigen Cent Steuern in Deutschland zahlt“. 

Ein anderer Facebook-Nutzer schrieb am 16. September: „Grönemeyer […] lebt in London vermutlich Steuerflucht. Er zahlt in Deutschland keine Steuern […]“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.600 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Vorwurf der Steuerflucht kursiert seit 2015 

Herbert Grönemeyer wurde schon 2015 vorgeworfen, in Deutschland keine Steuern zu zahlen. Er hatte zuvor in einer Talkshow gefordert, Reiche über höhere Steuern an den Kosten für Geflüchtete zu beteiligen. Auf die Vorwürfe reagierte er mit einer Pressemitteilung, die er im Oktober 2015 auch auf seinem verifizierten Facebook-Profil veröffentlichte. Darin schrieb er: „Der Musiker Herbert Grönemeyer versteuert seine Einnahmen ordentlich, rechtmäßig, rechtzeitig und sozialverträglich seit Ewigkeiten schon in Deutschland, beim Finanzamt Berlin.“ 

Eine Mitteilung vom 5. Oktober 2015 auf dem verifizierten Facebook-Account von Herbert Grönemeyer. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei einer Pressekonferenz im November 2018 sagte Grönemeyer zu seinem Wohnsitz laut der Webseite Planet Interview: „Ich wohne seit neun Jahren in Berlin. Das habe ich nicht jedem auf die Nase gebunden, weil das ganz angenehm ist. Ich zahle auch mein Leben lang Steuern in Deutschland, selbst zu der Zeit als ich in England gewohnt habe […]“ Laut einem Bericht der Welt von Februar 2019 gab Grönemeyer bei einer Vernehmung als Zeuge vor dem Kölner Landgericht ebenfalls als Wohnort Berlin an. 

Höcke und Poschardt nahmen Behauptungen über Grönemeyer zurück 

Im vergangenen Monat hat Grönemeyer offenbar Anwälte eingeschaltet, um gegen die Behauptung vorzugehen. Am 2. Oktober 2019 veröffentlichte die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann auf Twitter eine von ihr erwirkte Unterlassungserklärung. Darin verpflichtet sich der AfD-Politiker Björn Höcke, einen zuvor von ihm auf Twitter veröffentlichten Satz über Grönemeyer nicht mehr zu verbreiten. Höcke hatte behauptet: „Grönemeyer flüchtete aus dem ‘bunten’ Bochum und vor dem Finanzamt.“ Auch der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt korrigierte seine Behauptung, Grönemeyer sei vor Steuersätzen nach London geflohen, am 18. September öffentlich in einem Tweet und schrieb: „Herr Grönemeyer hat seinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland.“ 

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Die Senatsverwaltung für Finanzen Berlin verweist auf telefonische Nachfrage von CORRECTIV auf das Steuergeheimnis. Deshalb lässt sich nicht verifizieren, ob Grönemeyer in Deutschland Steuern zahlt. 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV an Herbert Grönemeyer antwortete die ihn vertretende Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann am 4. November per E-Mail: „Zu Ihrer Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, dass Herr Grönemeyer seine Steuern in Deutschland zahlt. Jedwede Berichterstattung, die etwas anderes behauptet, ist rechtswidrig und falsch.“

Update, 04.11.2019: Am 4. November antwortete die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann auf eine Presseanfrage von CORRECTIV an Herbert Grönemeyer. Wir haben den Text um die Antwort ergänzt. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise, dass Herbert Grönemeyer keine Steuern in Deutschland zahlt.