Profil

Cristina Helberg

Faktencheckerin

Im CORRECTIV.Faktencheck-Team recherchiert Cristina zu Desinformation im Netz und deckt fast täglich Falschnachrichten auf. Für die Faktencheck-Community-Redaktion Checkjetzt bildet sie Interessierte in Verifikation und Recherche aus. Für die NRW-Redaktion von CORRECTIV recherchierte sie zum Medizinskandal um unterdosierte Krebsmedikamente aus Bottrop und begleitete den anschließenden Gerichtsprozess, oft als einzige Journalistin im Saal. 2019 absolvierte Cristina eine Weiterbildung in investigativer Recherche an der Columbia University in New York. 2018 wurde sie vom Medium Magazin als “Top 30 bis 30″- Nachwuchsjournalistin ausgezeichnet. Vorher reiste sie um die Welt, studierte Lateinamerikanistik auf Kuba und in Köln, absolvierte die Zeitenspiegel Journalistenschule und arbeitete als freie Journalistin.

E-Mail: cristina.helberg(at)correctiv.org

Bewertung: teilweise falsch

Mutmaßliche Sexualstraftat in Stralsund 2019: Nein, dieser Fahndungsaufruf ist nicht mehr aktuell

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Die Polizei ermitteln derzeit wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts in Stralsund gegen zwei Tatverdächtige. (Symbolbild: pixabay / CReichstein)

von Cristina Helberg

Mit einer Öffentlichkeitsfahndung suchte die Polizei einen Tatverdächtigen einer mutmaßlichen Sexualstraftat in Stralsund. Der Mann stellte sich am 12. Oktober der Polizei, die daraufhin die Fahndung beendete. Der Aufruf wird im Netz trotzdem weiter verbreitet.

Am 11. Oktober veröffentlichte die Polizei eine Pressemitteilung zu einer mutmaßlichen Sexualstraftat in Stralsund. „Die Beamten der Kriminalpolizeiinspektion Anklam ermitteln derzeit wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts zum Nachteil eines minderjährigen Mädchens in Stralsund gegen zwei syrische Tatverdächtige (32 und 16 Jahre alt)“, stand in der Mitteilung. Während der 16-jährige Tatverdächtige bereits dem Haftrichter vorgeführt werde, suche man noch nach dem 32-jährigen zweiten Tatverdächtigen. 

Einen Tag später meldete die Polizei dann, der 32-Jährige habe sich der Polizei gestellt. In der Pressemitteilung schrieb sie, wie in solchen Fällen üblich: „Die Medienvertreter werden gebeten, das Fahndungsfoto des Tatverdächtigen sowie dessen Namen aus ihren Online-Veröffentlichungen zu löschen.“

Im Netz ist der Fahndungsaufruf jedoch weiter zu finden. Auf der Webseite Polizei-News ist weiterhin ein am 11. Oktober veröffentlichter Artikel online, dessen Überschrift suggeriert, der Tatverdächtige sei noch nicht gefasst. Auch die Initialen seines Namens werden weiterhin abgekürzt genannt. Erst am Ende des Textes steht: „Update: Minderjährige mutmasslich [sic] missbraucht –  Tatverdächtiger (Syrer, 32) stellt sich“ samt eines Links auf einen neuen Artikel, in dem es um den Fahndungsrückruf der Polizei geht. In der URL des Artikels ist außerdem weiterhin der vollständige Name des Tatverdächtigen zu lesen.

Ein Artikel der Webseite Polizei-News suggeriert durch die Überschrift, der Tatverdächtige werde noch gesucht. Das ist falsch. Erst ein Update unter dem Text stellt klar, dass der Tatverdächtige sich gestellt hat. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 3.200 Mal bei Facebook geteilt. 

Zuletzt teilte den Link am 14. Oktober die Facebook-Seite „Southern German Defence League“. Die Artikelvorschau zeigt das unverpixelte Bild des Tatverdächtigen und nennt den vollen Namen, obwohl die Fahndung zu diesem Zeitpunkt schon seit zwei Tagen offiziell von der Polizei beendet war. 

Facebook-Beitrag der Seite „Southern German Defence League“ vom 14. Oktober 2019. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Durch eine nicht aktualisierte Überschrift wird fälschlicherweise der Eindruck erweckt, der Tatverdächtige werde noch gesucht. Er hat sich aber am 12. Oktober der Polizei gestellt.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Martin Schulz hat nicht gesagt, dass tote Deutsche ein kleiner Preis für die Sicherheit tausender Syrer seien

GERMANY-POLITICS
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GERMANY-POLITICS
Der SPD-Politiker Martin Schulz am 6. Februar 2018 in Berlin. (Symbolbild: Adam Berry / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz teilen Menschen ein gefälschtes Wahlplakat der SPD mit einem angeblichen Zitat des Politikers Martin Schulz. Es ist frei erfunden.

Am 13. September veröffentlichte eine Nutzerin bei Facebook eine Text-Bild-Collage mit einem Foto des SPD-Politikers Martin Schulz. Durch das Zusammenspiel von Bild und Text wird suggeriert, Martin Schulz habe den Satz „Der Tod von einigen Deutschen ist ein kleiner Preis für die Sicherheit tausender Syrer“ gesagt, oder die SPD habe ein offizielles Wahlplakat mit diesem Spruch veröffentlicht. Das ist beides falsch. Der Beitrag wurde bisher mehr als 470 Mal geteilt. 

Die Falschmeldung bei Facebook. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Nachfrage von CORRECTIV schreibt das Büro von Martin Schulz: „Das Zitat stammt nicht von Herrn Schulz.“ Der Fälschung liege ein Original-Wahlplakat zugrunde, das aus dem Europawahlkampf 2014 stamme. 

In einer Google-Books-Vorschau einer Studie mit dem Titel „Europawahlkampf 2014: Internationale Studien zur Rolle der Medien“ von der Autorin Christina Holtz-Bacha ist das ursprüngliche Europawahl-Plakat von Martin Schulz mit dem Satz „Ein Europa der Menschen. Nicht des Geldes“ zu sehen.

Das Original-Plakat in einer Google-Books-Vorschau (Screenshot: CORRECTIV)

Belege oder Quellen für das angebliche Zitat über Deutsche und Syrer nennt der Facebook-Beitrag nicht. Während unserer Recherche konnten wir keine Hinweise auf ein solches Zitat von Martin Schulz finden.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Zitat ist frei erfunden.

Bewertung: richtig

Missbrauch in einer Dating-App gestanden? Ja, die Polizei Detmold fahndet mit Fotos nach einem jungen Mann

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Auf Facebook verbreitet sich ein Fahndungsaufruf der Polizei. Er ist echt. (Bild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Im Netz teilen viele Nutzer einen Fahndungsaufruf samt Fotos eines jungen Mannes. Manche Nutzer vermuten eine Falschmeldung. Doch die Meldung stammt tatsächlich von der Polizei und ist noch aktuell.

Am 9. Oktober veröffentlichte die Polizei Detmold eine Öffentlichkeitsfahndung samt Fotos. Gesucht wird seitdem „nach einem möglichen Tatverdächtigen wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern“. 

Der Unbekannte habe im August auf einer Dating-App einem anderen Nutzer geschrieben, er habe seinen jüngeren Bruder missbraucht, so die Polizei. Die in seinem Dating-App-Profil genutzten Bilder veröffentlichte die Polizei für die Fahndung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigte die Polizei Detmold am Nachmittag des 15. Oktober, die Fahndung sei weiterhin aktuell. 

Das hatten Facebook-Nutzer zuvor angezweifelt und einen Artikel über die Öffentlichkeitsfahndung von der Webseite Owl24 mit dem Fahndungsaufruf bei Facebook gemeldet. Der Beitrag wurde mehr als 6.500 Mal bei Facebook geteilt. 

Der Fahndungsaufruf der Polizei vom 9. Oktober 2019. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Unsere Bewertung:
Richtig. Ja, die Polizei fahndet seit dem 9. Oktober mit Fotos eines Nutzerprofils nach einem Unbekannten, der in einer Dating App einen Missbrauch gestanden haben soll.

Bewertung: richtig

Mann reicht Eisbär die Hand: Ja, dieses Bild ist echt

Eisbär Collgae2
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Eisbär Collgae2
Kontrovers diskutiertes Bild aus einem Facebook-Beitrag. Das Foto ist echt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein Mensch einen Eisbär füttert. Viele Leser vermuten eine Fälschung. Doch das Bild ist echt.

Am 8. Oktober veröffentlichte die Facebook-Seite „Unser Planet“ ein Schwarz-Weiß-Foto. Es zeigt einen Mann in einer Schneelandschaft, der seine Hand einem ausgewachsenen Eisbär reicht, während ein Eisbärenjunges sein Bein umklammert. Dazu schrieb die Seite: „Zur Info: Das Bild ist echt. Es wurde in den 70ern aufgenommen und zeigt einen Russen, wie er einen Eisbären füttert.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.490 Mal geteilt. 

Zahlreiche Nutzer halten das Bild offenbar für gefälscht. Das geht aus mehrere Kommentaren hervor. Wir haben das Bild geprüft. 

Auswahl von Kommentaren unter dem Facebook-Beitrag. (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche und russisches Reisemagazin

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Faktencheck der US-amerikanischen Redaktion Snopes von August 2019. Die Redaktion kommt in dem Text zu dem Schluss, das Foto sei echt und schreibt auf Englisch: „Es wurde irgendwann in den 1970er Jahren in der Nähe der sibirischen Stadt Cape Schmidt vor der Küste der Tschuktschensee aufgenommen und zeigt einen Mann namens Nikolai Machulyak.“ 

Als Belege führen die Faktenchecker zwei Quellen an. Die erste ist ein Artikel im russischen Reisemagazin Вокруг света (Deutsch: Um die Welt) aus dem Jahr 1977. Auf Seite 19 im Heft ist eine ähnliche Szene wie im Facebook-Beitrag abgedruckt. Die Position der Eisbären ist jedoch etwas anders. Eine CORRECTIV-Anfrage an die Redaktion von Вокруг света nach dem Ursprung des Fotos blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.

Artikel in dem russischen Reisemagazin „Um die Welt“ von 1977. (Screenshot: CORRECTIV)

Der zweite Beleg für die Echtheit des Fotos, den Snopes anführt, ist ein archivierter Artikel auf der Webseite der Russischen Geographische Gesellschaft aus dem Jahr 2014. Darin sind mehrere Fotos ähnlicher Szenen zu sehen, darunter auch das Bild aus dem Facebook-Beitrag. Sie stammen laut der Webseite aus dem Archiv des oben genannten russischen Reisemagazins Вокруг света. Die Russische Geographische Gesellschaft schreibt dazu, es handele sich um Nikolai Machulyak, der Eisbären in der Region regelmäßig gefüttert habe. 

Auch in einer Google Book Vorschau der Zeitschrift Soviet Life taucht ein ähnliches Foto in einem Artikel des Autors Vladimir Filimonov über Nikolai Machulyak auf.  

Ähnliches Foto in einer Google Book Vorschau der Zeitschrift Soviet Life. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir konnten während unserer Recherche keine Hinweise finden, die dagegen sprechen, dass das Foto echt ist. Die Originalquelle lässt sich nicht verifizieren, jedoch gibt es zusätzlich weitere Fotos, die ähnliche Szenen mit dem Mann und den Eisbären zeigen. 

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Unsere Bewertung:
Richtig. Das russische Reisemagazin Вокруг света druckte 1977 eine Geschichte über die Szene mit einem ähnlichen Foto ab.

Bewertung: völlig falsch

Nein, in Weilheim wurden keine Koran-CDs mit Chemikalien gefunden

Collage Brief
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Collage Brief
Die Falschmeldung über angeblich gefährliche Briefsendungen mit Koran-CDs kursiert seit mehreren Jahren. Sie ist frei erfunden. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Seit Jahren teilen Menschen eine Falschmeldung über Briefe mit Weihnachts-CDs, die mit giftigen Chemikalien präpariert seien. Aktuell kursiert sie wieder auf Facebook.

Ein Facebook-Beitrag vom 7. Oktober schürt im Netz Angst vor einer chemischen Substanz in Briefsendungen. Eine Nutzerin veröffentlichte ein Foto eines Briefs, der angeblich eine CD enthalte, samt der Warnung: „Die CD ist mit chemischer Substanz bearbeitet, die die Attemwege [sic!] lähmen. […] In Weilheim sind betroffene schon im Krankenhaus.“ Die CD enthalte Lieder und Aussagen aus dem Koran. Der Beitrag wurde mehr als 280 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptung überprüft. 

Facebook-Beitrag vom 7. Oktober mit falschen Behauptungen. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete die zuständige Polizeibehörde für Weilheim, Oberbayern Süd: „Bei dieser Meldung handelt es sich mit eindeutiger Sicherheit um eine Falschmeldung. In Weilheim und dem restlichen Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gab es keinerlei dieser Vorfälle.“ Zudem kursierte die Meldung laut Polizei schon 2016 und 2017 im Netz und über Whatsapp. 

Die Antwort des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Medien wiesen bereits 2016 auf die Falschmeldung hin 

Auf dem verbreiteten Foto des Briefumschlags ist das Logo der Stiftung „Menschen für Menschen“ zu erkennen. Die Stiftung wies schon im Dezember 2016 auf ihrer Webseite auf die Falschmeldung hin. Bei dem Foto handelte es sich demnach offenbar um einen echten Brief der Stiftung, mit dem im November 2016 eine CD mit Weihnachtsmusik verschickt wurde.

Zwischenzeitlich kursierten laut Medienberichten auch Warnungen vor dem Brief für die baden-württembergische Stadt Weinheim und den Rhein-Neckar-Kreis. Die zuständigen Polizeibehörden haben 2016 sowohl für Weilheim als auch für Weinheim in Facebook-Beiträgen auf die Falschmeldung aufmerksam gemacht.  

Facebook-Beitrag der Polizei Oberbayern Süd von 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto mit den falschen Behauptungen war außerdem Thema mehrerer richtigstellender Medienberichte. Im November 2016 berichtete die Hessische Niedersächsische Allgemeine Zeitung, im Dezember 2016 die Schleswig-Holsteinische Zeitung und der Merkur und im Oktober 2017 das Schwäbische Tagblatt. Auch die österreichischen Faktenchecker von Mimikama veröffentlichten im Dezember 2016 und Dezember 2018 je einen Artikel zum Thema. 

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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Meldung von CD-Briefsendungen mit chemischen Substanzen in Weilheim ist frei erfunden.

Falschmeldungen und Gerüchte im September 2019: Greta, Zugschubser und angebliche Vergewaltigung

Design ohne Titel
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Design ohne Titel
Eine Auswahl unserer Faktenchecks, die im September besonders relevant waren. (Collage: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Bei unserer Arbeit als Faktenchecker sehen wir im Netz jeden Tag Meldungen und Bilder, die darauf ausgelegt sind, nur bestimmte Bevölkerungsgruppen zu erreichen und gegen andere aufzuhetzen. Oft sind Nutzer verunsichert – inzwischen erreichen uns viele Einreichungen mit der Bitte, Behauptungen zu prüfen. In unserer monatlichen Übersicht geben wir einen Einblick in die Welt der Gerüchte.

Unsere Faktenchecks zu den vier meist-geteilten Behauptungen, die wir im September geprüft haben

Vergewaltigung in Lüneburger Kurpark 2016? Ermittlungen wurden wegen „erheblicher Zweifel“ an den Darstellungen eingestellt

In einem Artikel von 2016, der aktuell wieder tausendfach geteilt wird, ist von einer angeblichen „Gruppenvergewaltigung durch Islamisten“ in Lüneburg die Rede. Die Polizei sagt gegenüber CORRECTIV: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat es diese Tat nicht gegeben.“

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 53.000 Mal geteilt.

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Doch, Medien berichteten über die Brände im Amazonasgebiet

Bei Facebook teilte eine Nutzerin eine Bildcollage brennender Wälder. Sie behauptet, es gebe keine Medienberichterstattung darüber. Das ist falsch. Die von ihr geteilten Fotos zeigen wahrscheinlich Brände in Bolivien.

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 38.000 Mal geteilt.

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Ja, das Rentenniveau in Deutschland ist niedriger als in Österreich

Eine Grafik, die auf Facebook kursiert, präsentiert angeblich das Rentenniveau in Deutschland und Österreich. Die Werte sind irreführend – die Grundaussage stimmt aber trotzdem. 

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 34.000 Mal geteilt.

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Ja, in Berlin werden Elektro-Roller zum Aufladen auch durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt

In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig. 

Die ursprüngliche Behauptung wurde mehr als 19.000 Mal geteilt.

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Unsere vier meist-gelesenen Faktenchecks im September

Greta Thunberg: Keine Belege für systematische PR-Kampagne der Eltern und eines Unternehmers

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Text, der behauptet, Greta Thunberg werde für die finanziellen Interessen ihrer Eltern und eines Unternehmers ausgenutzt. CORRECTIV hat die bereits seit Anfang 2019 geführte Diskussion zusammengefasst und alte wie neue Behauptungen überprüft. 

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Diese Grafik über das AfD-Wahlprogramm für Sachsen stimmt größtenteils

Ein Nutzer teilt auf Facebook eine Grafik mit Behauptungen über das AfD-Programm 2019 für Sachsen. Es werden 25 Forderungen oder Aussagen genannt. Bis auf zwei Ausnahmen finden diese sich tatsächlich alle so im Wahlprogramm.

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Ja, das Rentenniveau in Deutschland ist niedriger als in Österreich

Eine Grafik, die auf Facebook kursiert, präsentiert angeblich das Rentenniveau in Deutschland und Österreich. Die Werte sind irreführend – die Grundaussage stimmt aber trotzdem. 

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Nein, nicht alle Menschen, die andere in den vergangenen Jahren vor Züge stießen, sind Zuwanderer

Ein Facebook-Beitrag behauptet pauschal, dass „fast alle“ Menschen, die andere Personen in den vergangenen Jahren vor Züge gestoßen haben, Zuwanderer seien. Eine Recherche von CORRECTIV zeigt, dass das nicht der Realität entspricht. 

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Bewertung: größtenteils falsch

Offener Brief an Robert Habeck enthält zahlreiche falsche Politikerzitate

AUSTRIA-EU-RALLY-VOTE-GREENS
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AUSTRIA-EU-RALLY-VOTE-GREENS
Robert Habeck bei einer Rede während des EU-Wahlkampfes in Wien am 27. April 2019. (Foto: Joe Klamar/AFP)

von Cristina Helberg

In Sozialen Netzwerken kursiert ein offener Brief an den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck, der 21 angebliche Zitate und eine Tatsachenbehauptung enthält. Elf davon sind falsch, zwei unbelegt und ein Zitat ist aus dem Kontext gerissen.

In der Vergangenheit haben wir bereits in zahlreichen Artikeln über frei erfundene oder aus dem Kontext gerissene Zitate von Politikern berichtet. Besonders häufig waren es Politiker der Grünen, die im Netz mit falschen Zitaten verleumdet wurden. Unter einem Faktencheck von uns zu diesem Thema kommentierte ein Leser Ende Juli auf unserer Webseite: „Hier braucht es leider schon ein Update: aktuell ist eine erweiterte Liste im Umlauf“. Er verwies auf einen Artikel des Blogs „Rettet Deutschland“. 

Artikel mit falschen Zitaten auf der Webseite „Rettet Deutschland“. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Artikel enthält einen offenen Brief an den Grünen-Chef Robert Habeck. Tatsächlich wird dieser aktuell zahlreich im Internet weiterverbreitet. Am selben Tag wie der Blog „Rettet Deutschland“ veröffentlichte auch die Webseite PI-News einen Artikel mit demselben Wortlaut. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde der „Rettet Deutschland“-Artikel 20 Mal bei Facebook geteilt. 

Der PI-News-Artikel wurde mehr als 2.700 Mal bei Facebook geteilt und von 27 Facebook-Seiten oder Gruppen weiterverbreitet. Darunter mehrere Orts- und Kreisverbandsseiten der AfD, wie der Kreisverband Werra-Meißner, der Ortsverband Altkreis Melsungen, der Ortsverband Hechingen, der Kreisverband Mittelsachsen, der Kreisverband Neumünster, der Kreisverband Peine und die AfD Bad Langensalza. Außerdem wird der Text von privaten Nutzern in Sozialen Netzwerken wie Reddit und Facebook geteilt. 

PI-News-Artikel mit falschen Zitaten (links) und Analyse des Tools Crowdtangle (rechts im Bild). (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben die 21 aufgeführten Zitate und eine Tatsachenbehauptung aus dem offenen Brief geprüft. Viele davon haben wir bereits in der Vergangenheit nachverfolgt. 

1.  Richtiges Zitat von Çigdem Akkaya, ehemalige stellvertretende Direktorin des Essener Zentrums für Türkeistudien:

„Die Leute werden endlich Abschied nehmen von der Illusion, Deutschland gehöre den Deutschen.“

Dieses Zitat haben wir bereits im Januar 2019 in einem Faktencheck geprüft. Çigdem Akkaya hat den Satz nach eigenen Angaben so gesagt. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärte Çigdem Akkaya im Januar 2019 den Hintergrund dieses Satzes in einer E-Mail: „Dieses Zitat stammt aus einem Interview mit WAZ gegen Ende 90er-Jahre aus Anlass der Novelle des Einbürgerungsgesetzes. Es war aber leider ein unglückliches Interview, da ich mich nicht gut und präzise ausdrücken konnte, und ich leider aus zeitlichen Gründen nicht darauf bestand, das Interview vor dem Druck zu sehen, da es für den Journalisten sehr eilig war. Somit blieb eine Menge Raum für Missinterpretationen.“

Sie betonte: „Es ist klar, dass es von meiner Seite aus nicht so gemeint sein kann, wie es für viele, vor allem für rechte Szene [sic!] als eine ‘Deutschlandseroberungserklärung durch eine Zugewanderte’ verstanden wird. Ich hatte mit illusionierten ‘Leuten’ eigentlich die Rechtsradikalen und deren berühmten Spruch ‘Deutschland gehört den Deutschen’ gemeint. Zur Präzisierung hätte ich das Wort ‘nur’ (‘Deutschland gehört nur den Deutschen’) auswählen und betonen müssen, was mir aber im Nachhinein auffiel.“

Fazit: Richtig. Çigdem Akkaya hat den Satz nach eigenen Angaben in einem Interview Ende der 90er-Jahre so gesagt. Allerdings fühlt sie sich falsch verstanden und betont, dass sie meinte, Rechtsradikale müssten sich von der Illusion verabschieden, Deutschland gehöre nur den Deutschen.

2.   Falsches Zitat von Margarete Bause (Grüne): 

„Nur weil jemand vergewaltigt, beraubt oder hoch kriminell ist, ist das kein Grund zur Abschiebung. Wir sollten uns stattdessen seiner annehmen und ihn akzeptieren, wie er ist. Es gibt Menschenrechte.“

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte einer der Sprecher von Margarete Bause am 23. September 2019 per E-Mail mit: „Das von Ihnen angeführte Zitat ist frei erfunden – bereitet uns aber nichtsdestoweniger wiederkehrende Probleme.“ Öffentlich habe Margarete Bause erstmalig im August 2018 in einem Facebook-Beitrag darauf aufmerksam gemacht, dass das Zitat falsch sei. Geholfen habe das allerdings „nur temporär“. 

„Erst kürzlich erlebte es u.a. nach einer Verbreitung über die rechtsextreme Webseite PI-News ein ‘Revival’“, so der Sprecher. Margarete Bause hat 2018 Strafanzeige gegen einen mutmaßlichen Urheber des Falschzitats gestellt. „Ein Fortgang des Verfahrens ist mir bisher leider nicht bekannt“, schreibt ihr Sprecher. Im August 2014 berichtete der Bayerische Rundfunk über das falsche Zitat. Der Artikel ist mittlerweile offline, aber noch in einer archivierten Version zu lesen. 

Wir konnten bei unseren Recherchen unter anderem im Google-News-Archiv ebenfalls keine Belege finden, dass Bause diesen Satz gesagt hat. 

Fazit: Falsch. 

3. Falsches Zitat von Stefanie von Berg (Grüne):  

„Es ist gut so, dass wir Deutsche bald in der Minderheit sind.“

Das Zitat ist frei erfunden. Wir haben darüber bereits in zwei Faktenchecks im Oktober 2018 und im Mai 2019 berichtet. 

Fazit: Falsch. 

4.  Unbelegtes Zitat von Daniel Cohn-Bendit (Grüne):

„Wir, die Grünen, müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.“

Auch dieses angebliche Zitat wird schon länger verbreitet. Im Jahr 2015 hatte die Politikerin Erika Steinbach (zu diesem Zeitpunkt CDU) die Aussage bei Twitter verbreitet. Eine Quelle oder einen Beleg nannte sie nicht. Darüber berichteten auch Focus und Der Westen im Jahr 2015. Wir haben bereits im Januar 2019 einen Faktencheck dazu veröffentlicht.

Fazit: Unbelegt. Nach unseren Recherchen gibt es keinen Beleg für dieses Zitat.

5. Richtiges Zitat von Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne)

„Migration ist in Frankfurt eine Tatsache. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen.”

Mit diesem Satz wird die Grünen-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg in einem zwölf Jahre alten Artikel der Frankfurter Rundschau zitiert. Darin berichtet die Autorin des Artikels, dass diese Aussage von Eskandari-Grünberg im November 2007 in einer Sitzung des Bildungs- und Integrationsausschusses in Frankfurt gefallen sei. Damit habe die damalige Stadtverordnete auf einen Bürger reagiert, „der sich in der Sitzung zum geplanten Moscheebau in Hausen geäußert und die Zahl von Migrantenkindern an Schulen des Stadtteils kritisiert hatte“. Ihre Aussage sei laut Frankfurter Rundschau anschließend unter anderem durch „Vertreter der Bürgerinitiative gegen den Moschee-Bau“ kritisiert worden. Die Politikerin habe auf die Kritik wiederum mit folgendem Satz reagiert: „Ich wollte damit zum Ausdruck bringen wollen, dass Einwanderer zu Frankfurt gehören.“ Das haben wir bereits im Mai 2019 in einem Faktencheck thematisiert.

Fazit: Richtig.

6. Falsches Zitat von Joschka Fischer (Grüne)

„Deutschland muss von außen eingehegt und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.“ (Rezension seines Buches ‘Risiko Deutschland’)

Der Satz stammt nicht von Joschka Fischer, sondern ist eine Einordnung der Journalistin Mariam Lau. Wir haben darüber bereits in einem Faktencheck im Januar 2019 berichtet. 

Fazit: Falsch. 

7. Richtiges Zitat von Joschka Fischer (Grüne)

„Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“

In dem offenen Brief wird für dieses angebliche Zitat keine Quelle genannt. Wer im Internet nach dem Satz sucht, stößt immer wieder auf folgende Quellenangabe: Pflasterstrand, 1982. Unter anderem bei Wikiquote.

Wir haben im Duisburger Archiv für alternatives Schrifttum die Ausgaben der Frankfurter Zeitschrift Pflasterstrand aus dem Jahr 1982 überprüft. Tatsächlich schrieb Fischer den Satz in der 133. Ausgabe von Pflasterstrand im Jahr 1982 in einem Beitrag mit der Überschrift „Ein Deutscher auf großer Feindfahrt – Eine Antipolemik zu Karl Heinz Bohrer“ auf Seite 12-14. 

Fischer schrieb diesen Satz im Kontext seiner Feststellung, kein anderes Volk Europas habe auf „diesem Kontinent in der Moderne einen rassistischen Vernichtungskrieg geführt […], keines solche Verbrechen begangen, wie das deutsche in den Jahren zwischen 1933 und 1945.“ 

Auszug aus Joschka Fischers Beitrag in der Zeitschrift Plasterstrand. (Foto: CORRECTIV)

Fazit: Richtig. 

8. Unbelegtes Zitat von Joschka Fischer (Grüne)

 „Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.“

In dem öffentlichen Brief taucht dieses angebliche Zitat zweimal auf. Einmal wird es in der Liste Joschka Fischer zugeschrieben, einmal Jürgen Trittin. 

Schon in der Vergangenheit wurde dieses Zitat fälschlicherweise Jürgen Trittin in den Mund gelegt. Demnach sollte Trittin den Satz angeblich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 2. Januar 2005 gesagt haben. Nur: Ein solches Interview hat nie stattgefunden. Darüber haben wir in zwei Faktenchecks im Januar 2019 und in einem Faktencheck im Juni 2019 berichtet. 

Dafür, dass die Aussage angeblich von Joschka Fischer stammt, wird keine Quelle genannt. Wir konnten bei unseren Recherchen unter anderem im Google-News-Archiv keine Belege finden, dass er diesen Satz gesagt hat. 

Fazit: Unbelegt.

9.  Aus dem Kontext gerissenes Zitat von Sieglinde Frieß (Grüne)

„Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“

Auch über dieses angebliche Zitat haben wir im Januar 2019 in einem Faktencheck berichtet. Wer im Internet nach Quellen für das Zitat sucht, stößt auf einen Artikel des Spiegel aus dem Jahr 1990. Dort steht: „Lieber als ein wiedervereinigtes Deutschland sähen linke Grünen-Abgeordnete wie Siggi Frieß offenbar gar kein Deutschland: ‘Das Beste wäre für Europa’, zitierte sie vor dem Bundestag ein Kabarettistenwort, ‘wenn Frankreich bis an die Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.’ “

Im Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages vom 5. September 1989 kann man auf Seite 11758 nachlesen, was Frieß genau gesagt hat. Im Spiegel ist der Zusammenhang nur unvollständig wiedergegeben. Dem Protokoll zufolge sagte Frieß: „Wir fordern erstens die konsequente Absage an jegliche Großmachtsbestrebungen, zweitens die Anerkennung der DDR und der DDR-Staatsbürgerschaft und drittens eine grundsätzlich andere Politik für Immigrantinnen bzw. Immigranten und Flüchtlinge, um in Zukunft das zu verhindern, was derzeit noch Wahres in dem Zitat von Wolfgang Neuss steckt, den ich zum Schluß zitieren will: 

Das Beste  

Es läßt mich nicht ruhen: Wie kann ich wirklich was für Europa tun? 

Und wenn Du mich einen Landesverräter nennst — das Beste wäre für Europa, wenn Frankreich bis an die Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“

Fazit: Frieß zitierte 1989 ein Zitat des deutschen Kabarettisten Wolfgang Neuss und bezeichnete einen Teil davon als etwas „Wahres“, das es in Zukunft zu verhindern gelte.

10.   Richtiges Zitat von Katrin Göring-Eckardt (Grüne):

„Natürlich gehört der Islam zu Deutschland, und natürlich gehören Muslime zu Deutschland. Und ich finde, darüber können wir ganz schön froh sein. Es wäre sehr langweilig, wenn wir nur mit uns zu tun hätten.“

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im Juni 2019 recherchiert. Katrin Göring-Eckardt sagte den Satz in einem Interview in der RBB-Radio-Eins-Sendung „Der Kandidatencheck“ am 18. September 2017. Online kann man das Radiointerview nachhören. Ab Minute 9:55 sagt Katrin Göring-Eckardt den zitierten Satz.

Fazit: Richtig. 

11. Falsches Zitat von Katrin Göring-Eckardt (Grüne):

„Die sexuellen Übergriffe in Schorndorf lassen sich zwar keineswegs entschuldigen, aber sie zeigen einen Hilferuf der Flüchtlinge, weil sie zu wenig von deutschen Frauen in ihren Gefühlen respektiert werden.“

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV teilte der Pressesprecher der Grünen im Bundestag uns in einer E-Mail am 19. September 2019 mit: „Dieses Zitat ist falsch. Frau Göring-Eckardt hat sich erfolgreich juristisch gegen die Verbreitung gewehrt.“ 

Tatsächlich bestätigte das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen das Verbreiten des Zitates am 22. September 2017. Darüber berichteten an dem Tag auch mehrere Medien. Das Westfalen-Blatt titelte: „Gericht verbietet der AfD Verbreitung von angeblichem Grünen-Zitat“. Der Bayerische Rundfunk ergänzte einen Artikel mit einem Update zum Urteil. 

Fazit: Falsch. 

12. Richtiges Zitat von Katrin Göring-Eckardt (Grüne):

„Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf.“

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV verwies der Pressesprecher der Grünen im Bundestag uns in einer E-Mail am 19. September 2019 auf ein Youtube-Video des offiziellen Kanals der Grünen. Dort sagt Katrin Göring-Eckardt den zitierten Satz ab Minute 9:30. Auch Spiegel Online berichtete im November 2015 über den Satz, der auf einem Parteitag der Grünen fiel. 

Fazit: Richtig.

13.   Richtiges Zitat von Robert Habeck (Grüne) 

„Vaterlandsliebe fand ich stets zum kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“

Das Zitat stammt aus einem Buch Robert Habecks. Den Hintergrund haben wir in einem Faktencheck im Juni 2019 recherchiert. 

Fazit: Richtig. 

14.  Falsches Zitat von erfundener Politikerin Petra Klamm-Rothberger

„In der Heimat des Täters werden vergewaltigte Frauen zum Tode verurteilt. Deshalb musste er sie nach der Vergewaltigung töten. Für diese kulturellen Unterschiede müssen wir Verständnis haben.“

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im Januar 2019 recherchiert. Es ist frei erfunden. Eine Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“ gibt es nicht. Das Foto stammt aus einer frei zugänglichen Bilddatenbank. Die Falschmeldung entstammt einem Projekt der Satiresendung „Bohemian Browser Ballett”.

Fazit: Falsch. 

15.  Falsches Zitat von Renate Künast (Grüne) 

„Integration fängt damit an dass sie als deutscher mal türkisch lernen!“ [sic]

Das Zitat ist frei erfunden. Den Hintergrund haben wir in einem Faktencheck im Januar 2019 recherchiert. 

Fazit: Falsch. 

16.  Falsches Zitat von Aydan Özoğuz (SPD)

„Dass Asylbewerber kriminell werden, auch unter Umständen Raub begehen, das ist einzig und allein die Schuld der Deutschen, weil deren Spendenbereitschaft sehr zu wünschen übrig lässt.“

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im März 2019 recherchiert. Es gibt keine Quelle oder Belege dafür, dass Özoğuz die Aussage so getroffen hat.

Fazit: Falsch. 

17.  Richtiges Zitat von Cem Özdemir (Grüne) 

„Der deutsche Nachwuchs heißt jetzt Mustafa, Giovanni und Ali!“ 

Auf seiner eigenen Webseite wiederholt Cem Özdemir das Zitat und schreibt dazu: „Der skandalisierte Satz ist übrigens verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen – aber sonst wäre er auch noch unspektakulärer, als er ohnehin schon ist.“ 

Fazit: Richtig. 

18.  Falsches Zitat von Claudia Roth (Grüne) 

„Die Vorfälle am Kölner Bahnhof kann man als Hilferuf aller Flüchtlinge werten, weil sie sich von deutschen Frauen sexuell ausgegrenzt fühlen.“

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete eine Pressesprecherin von Claudia Roth uns in einer E-Mail am 19. September 2019: „Das Zitat ist frei erfunden. Und wir sind bisher nicht juristisch dagegen vorgegangen (schlicht, weil wir uns davon wenig Erfolg versprechen).“ Auch unsere Recherche lieferte keine Hinweise auf ein solches Zitat von Claudi Roth. Quellen für das angebliche Zitat werden im offenen Brief nicht genannt. 

Fazit: Falsch. 

19.  Falsches Zitat von Claudia Roth (Grüne)

„Am Nationalfeiertag der Deutschen ertrinken die Straßen in einem Meer aus roten Türkenflaggen und ein paar schwarzrotgoldenen Fahnen.”

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im Januar 2019 recherchiert. Der Satz stammt nicht von Claudia Roth, sondern von dem Welt-Redakteur Heimo Schwilk.

Fazit: Falsch. 

20. Falsches Zitat von Jürgen Trittin (Grüne)  

„Es geht nicht recht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des Deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.“

Den Hintergrund dieses Zitats haben wir in einem Faktencheck im Januar 2019 recherchiert. Nach Recherchen der Braunschweiger Zeitung ist es frei erfunden. 

Fazit: Falsch. 

  1. Falsches Zitat von Jürgen Trittin (Grüne)  

 „Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig.“

Das Zitat ist frei erfunden. Den Hintergrund haben wir in einem Faktencheck im März 2019 recherchiert. 

Fazit: Falsch. 

Ja, Arif Ünal (Grüne) befürwortete im NRW-Landtag eine Änderung der Eidesformel 

Im dem verbreiteten offenen Brief heißt es außerdem: „Die Abschaffung der Eidesformel ‘Zum Wohle des deutschen Volkes’ wird im NRW-Landtag einstimmig beschlossen. Ünal war der Antragsteller.“ 

Tatsächlich sprach sich Arif Ünal als Abgeordneter der Grünen am 9. Juni 2010 im NRW- Landtag für die Änderung der damaligen Eidesformel aus. Laut Protokoll sagte er: „Aber nach der bisherigen Fassung der Erklärung des § 2 Abs. 1 der Geschäftsordnung haben wir uns eben verpflichtet, uns dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen. Dieser Wortlaut spiegelt allerdings nicht die Lebensrealität in NRW mit 2 Millionen Menschen wider, die keinen deutschen Pass haben.“ 

Geändert wurde die Eidesformel in NRW nach mehrjähriger Beratung aber erst 2016. Auf der Webseite der Parlamentsdatenbank steht: „Der Antrag – Drucksache 16/13553 – wurde einstimmig angenommen.“ Die Eidesformel lautet nun: „Die Mitglieder des Landtags von Nordrhein-Westfalen bezeugen vor dem Lande, dass sie ihre ganze Kraft dem Wohle des Landes Nordrhein-Westfalen widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, die übernommene Pflicht und Verantwortung nach bestem Wissen und Können erfüllen und in der Gerechtigkeit gegenüber jedem Menschen dem Frieden dienen werden.“

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Update, 1. Oktober 2019: Wir konnten nach Veröffentlichung unseres Faktenchecks im Duisburger Archiv für alternatives Schrifttum einen Beleg für Joschka Fischers Zitat „Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen“ finden. Wir haben die entsprechende Stelle im Text aktualisiert und im Teaser, in der Zwischenüberschrift und im Fazit die Bewertung von unbelegt zu richtig geändert.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Von 21 Zitaten sind elf falsch, zwei unbelegt, und ein Zitat ist aus dem Kontext gerissen. Die Behauptung über die Änderung der Eidesformel stimmt.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Foto zeigt keine „aktuelle“ Ankunft Geflüchteter in Italien 2019

Bildschirmfoto 2019-09-24 um 12.18.48
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Bildschirmfoto 2019-09-24 um 12.18.48
Dieses Bild wird im Internet aus dem Kontext gerissen und mit falschen Behauptungen geteilt. Der Fotograf Jesús Blasco de Avellaneda nahm es nach eigenen Angaben am 16. Oktober 2012 im spanischen Melilla auf. (Screenshot eines Facebook-Beitrages mit dem Foto: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook teilte ein Nutzer ein Foto einer Männergruppe mit der Behauptung, es handele sich um aktuelle Aufnahmen von in Italien ankommenden Geflüchteten. Das ist falsch. Das Bild kursiert spätestens seit 2012 im Netz und wurde in Spanien aufgenommen.

Auf dem Foto des Facebook-Beitrags ist eine Gruppe Männer mit freien Oberkörpern zu sehen, die von Polizisten eskortiert wird. Der Facebook-Nutzer schrieb dazu am 14. September 2019: „Aktuell! Das italienische Fernsehen zeigt Bilder der neuesten Ladung von ‘Schutzsuchenden’ […]“. Der Beitrag wurde bisher 780 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptung über die Herkunft des Fotos geprüft. 

Facebook-Beitrag vom 14. September 2019 mit falschen Behauptungen. (Screenshot: CORRECTIV)

Bildersuche führt nach Melilla in Spanien

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit der Suchmaschine Tineye zeigt: Das Bild ist spätestens seit 2012 im Netz zu finden. 

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit der Suchmaschine Tineye zeigt, dass das Bild schon 2012 verwendet wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Suchergebnis führt zu einer Webseite, die das gleiche Bild wie im Facebook-Beitrag verwendet, allerdings ohne Kontext oder Quellenangabe. Im Dateinamen ist aber ein Datum angegeben: 16. Oktober 2012. 

Eine erweiterte Google-Suche nach diesem Datum und bekannten Ankunftsorten von Geflüchteten in Europa ergibt einen Treffer: Zum Suchwort „Melilla“ taucht als zweiter Suchtreffer ein Artikel der spanischen Zeitung El País vom 16. Oktober 2012 mit dem Foto auf. Melilla ist eine spanische Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste.

Erweiterte Google-Suche nach dem Suchwort „Melilla“ für das Datum 16. Oktober 2012 (Screenshot: CORRECTIV)

El País veröffentlichte das Foto 2012 in einer Bildergalerie 

Die Überschrift des El-PaísArtikels vom 16. Oktober 2012 lautete: „Cien inmigrantes saltan a Melilla durante una incursión en masa a plena luz del día“ (Deutsch: „Hundert Einwanderer springen bei einem Massenüberfall am helllichten Tag nach Melilla“).  In dem Artikel berichtet El-País, circa 300 Personen hätten versucht über den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave zu klettern. Etwa hundert hätten laut Regierungsangaben geschafft, die Stadt zu erreichen. 

Ein Artikel der spanischen Zeitung „El País“ vom 16. Oktober 2012. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Artikel ist eine Bildergalerie verlinkt, die neben dem Foto aus dem Facebook-Beitrag noch andere Aufnahmen derselben Gruppe Männer mit nackten Oberkörpern enthält.  Als Quelle gibt El País den Fotografen Jesús Blasco de Avellaneda an. Wir haben den Fotografen über Linkedin kontaktiert. Er hat uns bestätigt, das Foto am 16. Oktober 2012 in Melilla aufgenommen zu haben. 

Der Fotograf Jesús Blasco de Avellaneda bestätigte uns in einer Nachricht bei Linkedin, dass er das Foto am 16. Oktober 2012 in Melilla aufnahm. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Bildunterschrift des Fotos aus dem Facebook-Beitrag auf der Webseite von El País lautet: „Inmigrantes subsaharianos son trasladados al Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes (CETI), a donde ha llegado un grupo reducido de ellos.“ (Deutsch: „Subsaharische Einwanderer werden in das Temporäre Aufenthaltszentrum für Migranten (CETI) überführt, wo eine kleine Gruppe von ihnen angekommen ist“). 

Das Foto wurde in Melilla aufgenommen – nicht in Italien

Die Beschilderung eines Ladens im Hintergrund des Fotos spricht ebenfalls für das spanische Melilla als Aufnahmeort. Die Aufschrift ist Spanisch und lautet: „especialista de neumatico“ (Deutsch: Reifenspezialist). 

Eine Google-Suche nach den Begriffen „especialista de neumatico Melilla“ führt gleich unter den ersten Bildern zu einem Artikel der Nachrichtenseite El Faro Melilla aus dem Jahr 2014. Darin geht es um die Öffnungszeiten von Tankstellen in Melilla. Auf dem Bild ist der Laden mit dem Schild „Reifenspezialist“ aus dem Facebook-Beitrag deutlich neben einer Shell-Tankstelle zu erkennen. Im Foto des Facebook-Beitrags sieht man oben rechts in der Ecke einen Teil des rot-gelben Farbstreifens am Dach der Tankstelle. 

Auch bei Google Maps ist die Tankstelle in Melilla zu finden, allerdings nur mit einem Foto der anderen Seite, auf der der Reifenladen nicht zu sehen ist.

Foto aus dem Facebook-Beitrag (links) und Artikelbild mit Reifengeschäft und Tankstelle. (rechts) (Screenshots: CORRECTIV)

 Auf den anderen Fotos in der Bildergalerie von El País ist die Shell-Tankstelle ebenfalls zu sehen. An den Aufschriften auf den Uniformen der Polizisten ist außerdem deutlich zu erkennen, dass es sich um die spanische Guardia Civil handelt. 

Ein weiteres Foto aus der Bildergalerie der spanischen Zeitung „El País“ vom 16. Oktober 2012. (Screenshot: CORRECTIV)

Guardia Civil bestätigt Melilla als Aufnahmeort 

Auf der Webseite der spanischen Guardia Civil sind Pressemitteilungen nur für die letzten zwei Jahre öffentlich einsehbar. Auf eine Presseanfrage antwortete die spanische Guardia Civil uns per E-Mail, dass es sich bei dem Foto aus dem Facebook-Beitrag nicht um ein offizielles Bild der Behörde handele. Trotzdem könne man bestätigen, dass das Bild in der Stadt Melilla aufgenommen wurde. „Diese Migranten wurden von Beamten der Guardia Civil abgefangen, als sie versuchten, illegal in das Staatsgebiet einzureisen, und sie wurden für ihre Identifikation aufgehalten und um sie der zuständigen Justizbehörde zuzustellen.“ Eine Pressemitteilung habe zu dem Vorfall nicht gegeben. Das genaue Datum der Aufnahme kenne man nicht. 

Antwort der spanischen Guardia Civil auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto wurde spätestens 2012 aufgenommen und ist nicht aktuell. Es zeigt eine Straße in der spanischen Exklave Melilla, nicht Italien.

Bewertung: teilweise falsch

Doch, Medien berichteten über die Brände im Amazonasgebiet

BRAZIL-FIRE-AMAZON
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BRAZIL-FIRE-AMAZON
Verbranntes Waldgebiet in Altamira in Brasilien am 27. August 2019. (Foto: Joao Laet / AFP)

von Cristina Helberg

Bei Facebook teilte eine Nutzerin eine Bildcollage brennender Wälder. Sie behauptet, es gebe keine Medienberichterstattung darüber. Das ist falsch. Die von ihr geteilten Fotos zeigen wahrscheinlich Brände in Bolivien.

Am 23. August veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Collage aus sechs Bildern von brennenden Wäldern, darüber liegt eine schwarze Kondolenzschleife. Dazu schrieb sie: „Als Notre Dame brannte, berichteten die Medien der Welt über jeden Moment und Milliardäre eilten, um es wiederherzustellen. Im Moment brennt der Amazonas, die Lunge unseres Planeten. Es brennt jetzt seit 3 ​​Wochen. Keine Medienberichterstattung. Keine Milliardäre“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 38.200 Mal geteilt. 

Die Verfasserin suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen und Medien würden nicht über die Brände dort berichten. Wir haben beide Behauptungen überprüft. 

Facebook-Beitrag vom 23. August (Screenshot: CORRECTIV)

Deutsche Medien haben über die Brände im Amazonasgebiet berichtet

Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Intensität und Anzahl der Waldfeuer im brasilianischen Amazonasgebiet im August so hoch waren wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. 

Neben den Fotos behauptete die Facebook-Nutzerin am 23. August, Medien würden nicht über die Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten zwei Tage vorher, am 21. August, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter die Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle

Die Berichterstattung vom 21. August 2019 auf der Webseite der Tagesschau (Screenshot: CORRECTIV)

Aber zeigten die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? 

Bilder-Rückwärtssuche führt nach Bolivien

Mit einer Google-Bilder-Rückwärtssuche haben wir versucht, den Ursprung der Foto-Collage zu finden. Einige Treffer erwähnen die Begriffe „Chiquitania Bolivia“. Chiquitania ist eine Provinz im Osten Boliviens. Offenbar kämpften die Behörden dort im August gegen Waldbrände. 

Wir haben deshalb nach den spanischen Suchbegriffen „chiquitania bolivia fuego“ (Deutsch: „Chiquitania Bolivien Feuer“) bei Google gesucht. Einer der ersten Treffer ist ein Bild aus der Facebook-Collage. Es stammt aus einer Bildergalerie der bolivianischen Zeitung El Diario vom 19. August 2019. Darin findet sich auch ein zweites Bild aus der Facebook-Collage. Im dazugehörigen Artikel berichtet die Redaktion über seit zwei Wochen andauernde Waldbrände in der Region von Chiquitania. 

Die Quelle der Bilder ist jedoch nicht angegeben. In der Bildunterschrift steht unter dem ersten Bild: „Der Wind half, das Feuer auszubreiten, das in den letzten Wochen tausende von Hektar in Chiquitania verwüstet hat.“ Und unter dem zweiten Bild: „Internetnutzer teilten Bilder, die den Notfall widerspiegeln.“ Konkrete Angaben zu Fotografen, Datum und Ort der Aufnahme fehlen jedoch.

Fotos in der Bildergalerie der Zeitung „El Diario“ in einem Artikel vom 19. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

 Um auch die weiteren Bilder aus der Facebook-Collage zu finden, haben wir eine Bilder-Rückwärtssuche mit den Suchwörtern „chiquitania bolivia“ ergänzt. Diese Suche führt zu einem weiteren Bild der Collage auf der südamerikanischen Webseite Movisis Noticias in einem Artikel über die Brände in Chiquitania vom 19. August 2019. Auch dort fehlen konkrete Quellenangaben.

Bild in einem Artikel der Seite „Movisis Noticias“ vom 19. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Den oberen Teil der Facebook-Collage mit vier Fotos finden wir in einem Artikel der bolivianischen Zeitung El Día vom 28. August über die Waldbrände in Chiquitanía. Auch ein fünftes Foto aus der Collage ist dort zu sehen. Allerdings tragen die Bilder auch hier weder eine Bildunterschrift, noch wird eine Quelle genannt. 

Artikel der Zeitung „El Día“ vom 28. August. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Bilder-Rückwärtssuche nach dieser Collage aus vier Bildern führt wiederum zu der bolivianischen Nachrichtenseite eju.tv, die ebenfalls keine Quelle angibt. 

Da die Quelle der Fotos unbekannt ist, lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass sie tatsächlich in Bolivien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie dort aufgenommen wurden und aus dem Sommer 2019 stammen. Hinweise auf frühere Verwendung der Bilder im Netz haben wir nicht gefunden. 

In den letzten Wochen haben andere Nutzer wiederholt veraltete Fotos oder gar nicht aus der Amazonasregion stammende Bilder verbreitet. 

Waldbrände in Bolivien im August 2019

Tatsächlich gab es in Bolivien im August 2019 genau wie in Brasilien viele Waldbrände. Auf Satellitenkarten, die die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf ihrer Webseite veröffentlichte, sind die Feuer in Bolivien deutlich zu erkennen.

Satellitenfoto auf der Webseite der US-Raumfahrtbehörde Nasa. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Deutsche Medien haben schon vor dem Facebook-Beitrag über die Waldbrände im Amazonasgebiet berichtet. Die Fotos stammen mutmaßlich aus Bolivien.

Bewertung: unbelegt

Keine Hinweise, dass diese Bilder verletzter Affen aus Lateinamerika stammen

Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.29.37
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Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.29.37
Facebook-Beitrag vom 27. August 2019: Die Bilder stammen wahrscheinlich nicht aus dem Amazonasgebiet, wie die Nutzerin behauptet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In Sozialen Netzwerken teilen Nutzer Bilder von verletzten Affen. Für die Behauptung, es handele sich um Vorfälle im Amazonasgebiet, gibt es keine Belege. Die Bilder wurden wahrscheinlich in Algerien aufgenommen.

Zwei Fotos von Affen mit Verletzungen teilte eine Facebook-Nutzerin am 27. August 2019. Dazu schrieb sie: „Die verbrannten Tiere von am Amazonas [sic]“. Der Beitrag wurde mehr als 9.500 Mal geteilt. Für die Ortsangabe lieferte die Nutzerin jedoch keine Belege. Auch Quellenangaben zu den Fotos fehlen.

Bilder-Rückwärtssuche liefert Hinweise auf Algerien 

Wir haben die Fotos in die Rückwärtssuche verschiedener Suchmaschinen hochgeladen und so den mutmaßlichen Ursprung recherchiert. Lädt man die Fotos zum Beispiel in der Google-Bilder-Rückwärtssuche hoch, ergänzt die Suchmaschine automatisiert Suchbegriffe. In diesem Fall ergänzte Google die Suche für das Bild des Affenpaars mit den Begriffen „feu en kabylie 2019“. Das ist Französisch und heißt übersetzt: „Feuer in Kabylie 2019“. Kabylie ist eine Region in Algerien. 

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche nach einem der Fotos führte zu Hinweisen auf Algerien. (Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich liegt die automatische Suchwörter-Ergänzung von Google in diesem Fall mutmaßlich richtig. Gleich der erste Treffer ist ein Youtube-Video mit dem Titel: „Kabylie: Plusieurs forêts ravagées par le feu“ (deutsch: „Kabylie: Mehrere Wälder vom Feuer verwüstet“), veröffentlicht am 27. Juli 2019. Darin ist ein Ausschnitt einer Nachrichtensendung des algerisch-französischen Fernsehsenders und gleichnamigen Youtube-Kanals Berbère Télévision zu sehen. In dem Video werden auch die zwei Affen mit dem Jungtier aus dem Facebook-Beitrag gezeigt, allerdings aus einem anderen Winkel fotografiert. 

Youtube-Video des Channels „Berbère Télévision“ (Screenshot: CORRECTIV)

Bolivianische Faktenchecker recherchierten ebenfalls zu den Fotos 

Auch in Bolivien wurden die Fotos aus dem Facebook-Beitrag in Sozialen Netzwerken mit dem fragwürdigen Hinweis verbreitet, es handele sich um Aufnahmen aus der lateinamerikanischen Region. Die Faktenchecker von Bolivia Verifica veröffentlichten dazu am 2. September 2019 einen Artikel und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um Bilder aus Bolivien. Sie verwiesen zum Ursprung der zwei Fotos auf die algerischen Nachrichtenseiten Ennahar-Online und Le Matin d’Algerie

Tatsächlich zeigt Ennahar-Online das Foto aus dem Youtube-Video und das aus dem Facebook-Beitrag, auf dem jemand den Affen in den Händen hält. Le Matin d’Algerie zeigt das andere Foto aus dem Facebook-Beitrag. Beide Redaktionen nennen jedoch keine Quellenangabe. 

Am 1. August 2019 veröffentlichte auch die Webseite MaghrebOrnitho einen Artikel mit den Fotos der verletzten Affen und der Überschrift: „Barbary macaques burnt alive by Algeria wildfires“ (deutsch: Berberaffen lebendig verbrannt bei Waldbränden in Algerien). Als Belege führt die Seite Berichte der Nachrichtenagentur Algérie Presse Service vom 26. Juli 2019 und der Webseite El Watan vom 28. Juli 2019 an. 

Tatsächlich berichteten sowohl die algerische Nachrichtenagentur als auch El Watan in den Artikeln über Affen, die durch die Waldbrände getötet worden seien. Algérie Presse Service schreibt: „[…] sowie in Tikjda, wo mehrere Magotaffen und andere Tierarten durch die Flammen ums Leben gekommen sind […]“ (übersetzt aus dem Französischen). El Watan berichtete: „Dutzende von Tieren der Berberaffen, allgemein als Magot bekannt, und andere Arten sind umgekommen“ (übersetzt aus dem Französischen). 

Zwar berichten beide Seiten über getötete Affen, zeigen jedoch keine Bilder davon. Damit lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass die Fotos tatsächlich in Algerien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich. Wir haben außerdem keine Hinweise darauf gefunden, dass die Fotos, wie behauptet, in Lateinamerika entstanden sein könnten. 

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Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege oder Hinweise, dass die Fotos in Lateinamerika entstanden sind. Wahrscheinlich wurden sie in Algerien im Sommer 2019 aufgenommen.

Bewertung: falsch

Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg: Nein, in der Wahlkabine darf man nicht fotografieren

GERMANY-POLITICS-VOTE
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GERMANY-POLITICS-VOTE
Eine Wählerin in Dresden am 1. September 2019 (Symbolfoto, Carsten Koall/ Getty Images/AFP)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert am Tag der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg ein gefälschter Aufruf, Selfies aus der Wahlkabine in Sozialen Netzwerken zu teilen. Laut Landeswahlordnung in beiden Bundesländern ist das Fotografieren und Filmen in der Wahlkabine jedoch verboten. Was passiert, wenn man es trotzdem macht?

Gegen 11 Uhr am Morgen des Wahlsonntags in Sachsen und Brandenburg teilte die Facebook-Seite „Antifa Kampfausbildung“ einen Aufruf an Wähler: „Einmalige Chance für AfD-WählerInnen in Sachsen und Brandenburg. Gewinnen Sie exklusiv ein persönliches Treffen mit Jörg Meuthen!“ Die Anweisung im geteilten Bild dazu lautet: „Fotografiert Euch und Euren ausgefüllten Stimmzettel in der Wahlkabine, stellt das Bild auf so viele AfD Seiten bei Facebook und gewinnt ein Meet and Greet mit Prof. Dr. Jörg Meuthen Viel Erfolg, Ihr Prof. Dr. Jörg Meuthen“. Es wird der Anschein erweckt, der Aufruf stamme von Jörg Meuthen.

Der Facebook-Beitrag vom 1. September 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Bei dem Gewinnspiel handelt es sich offenbar um eine Fälschung. Dafür spricht, dass es nach unseren Recherchen ausschließlich von der Seite „Antifa Kampfausbildung“ verbreitet wird, die der AfD kritisch gegenübersteht. Außerdem findet sich solch ein Aufruf nicht auf der offiziellen Facebook-Seite von Jörg Meuthen. Presseanfragen von CORRECTIV an die Landesverbände der AfD in Sachsen und Brandenburg und die AfD-Bundespressestelle blieben bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Die Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Brandenburg antwortete auf eine Presseanfrage von CORRECTIV: „Nach hiesiger Einschätzung ist dieser Aufruf eine Falschmeldung und kein Aufruf des Herrn Meuthen.“ 

Auf der Webseite des AfD-Kreisverbandes Dresden findet sich das im Facebook-Beitrag verwendete Bild von Jörg Meuthen, allerdings mit anderem Text, der inhaltlich nichts mit einem Meet & Greet zu tun hat. Dort ist auch das Bild Meuthens oben nicht durch den Textblock abgeschnitten. 

Bild auf der Webseite des AfD-Kreisverbandes Dresden. In der Pressemitteilung der spanischen Guardia Civil zum Vorfall am 26. Juli 2018 ist das angebliche Zitat „So brutal wie noch nie!“ nicht zu finden. (Link: http://www.guardiacivil.es/es/prensa/noticias/6685.html) Es ist außerdem die Rede von „Spray in Form von Flammenwerfern“. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Fotografieren oder Filmen in der Wahlkabine ist verboten

Die Landeswahlgesetze in Brandenburg (§55) und Sachsen (§47) sind eindeutig: Fotografieren und Filmen in der Wahlkabine ist verboten. Das gilt jedoch erst seit Kurzem. Sachsen nahm diese Änderung am 6. Januar 2019 in sein Wahlgesetz auf, Brandenburg am 22. März 2019

Auszug aus der Landeswahlordnung für Sachsen (Screenshot: CORRECTIV)

 

Auszug aus der Landeswahlordnung für Brandenburg (Screenshot: CORRECTIV)

In der Bundeswahlordnung wurde dieser Passus bereits am 24. März 2017 hinzugefügt. In der Mitteilung des Bundeswahlleiters zu der Änderung im Jahr 2017 steht auch eine Begründung. Durch die Änderung werde „das Wahlgeheimnis und der Schutz der Wahl vor unrechtmäßiger Einflussnahme auf die Wahlentscheidung durch Dritte gestärkt“. 

Was passiert, wenn man doch filmt oder fotografiert? 

 Laut den Landeswahlordnungen in Brandenburg und Sachsen hat der Wahlvorstand einen Wähler „zurückzuweisen, der für den Wahlvorstand erkennbar in der Wahlkabine fotografiert oder gefilmt hat“.  

Auszug aus der Landeswahlordnung für Sachsen (Screenshot: CORRECTIV)
Auszug aus der Landeswahlordnung für Brandenburg (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Zurückweisung bedeutet jedoch nicht, dass die betroffene Person nicht wählen kann. In Brandenburg und Sachsen erhält die Person auf Verlangen einen neuen Wahlschein, wenn sie den alten Stimmzettel vernichtet. 

Auszug aus der Landeswahlordnung für Sachsen (Screenshot: CORRECTIV)
Auszug aus der Landeswahlordnung für Brandenburg (Screenshot: CORRECTIV)

Was passiert, wenn man seinen ausgefüllten Stimmzettel öffentlich teilt? 

Dazu schreibt uns die Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Brandenburg: „Wähler dürfen nicht Fotos oder Filme ihres ausgefüllten Stimmzettels im Netz veröffentlichen. Grundlage bildet §107c ‘Verletzung des Wahlgeheimnisses’ des Strafgesetzbuches: ‘Wer einer dem Schutz des Wahlgeheimnisses dienenden Vorschrift in der Absicht zuwiderhandelt, sich oder einem anderen Kenntnis davon zu verschaffen, wie jemand gewählt hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.’”

Wer Bilder des ausgefüllten Stimmzettels im Netz teilt, riskiert also laut der Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Brandenburg eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. 

Antwort der Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Brandenburg auf eine Presseanfrage von CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV)

Die Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Sachsen verweist auf denselben Paragraphen, stellt jedoch klar, dass kein ausdrückliches Verbot bestehe, Bilder von ausgefüllten Wahlscheinen im Netz zu teilen. Die Frage der strafrechtlichen Verfolgung obliege generell den hierfür zuständigen Behörden, zu denen die Landeswahlleitung nicht gehöre. „Ob eine bestimmte Handlung daher einen der Tatbestände in §§ 107 ff. des Strafgesetzbuches (StGB) erfüllt, obliegt der Einschätzung der zuständigen Stellen“, so die Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Sachsen. Im Einzelfall entscheiden also nicht die Landeswahlleiter, sondern die zuständigen Strafverfolgungsbehörden.

Antwort der Geschäftsstelle des Landeswahlleiters Sachsen auf eine Presseanfrage von CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV)

Update, 2. September 2019: Nach Veröffentlichung des Textes antwortete die Bundesgeschäftsstelle der AfD auf unsere Presseanfrage und stellte klar: „Nein, ein solches Gewinnspiel gibt es nicht.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Gewinnspiel ist offenbar eine Fälschung. In Brandenburg und Sachsen ist es laut Landeswahlordnung verboten, in der Wahlkabine zu filmen oder zu fotografieren.

Bewertung: falsch

Amazonas-Brände: Nein, diese drei Fotos zeigen nicht die aktuellen Feuer in der Region

Bildschirmfoto 2019-08-28 um 17.29.57
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Bildschirmfoto 2019-08-28 um 17.29.57
Der Facebook-Beitrag vom 21. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken zahlreiche Bilder von brennenden Wäldern, die angeblich die aktuellen Feuer im Amazonasgebiet zeigen sollen. Die drei Fotos, die wir in diesem Faktencheck untersuchen, sind jedoch schon Jahre alt.

Am 21. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag mit drei Fotos, die brennende Wälder und Felder zeigen. Im Beitrag wird suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen. Zu den Fotos schrieb der Nutzer unter anderem: „Seit 16 Tagen brennt der Amazonas, die Lunge der Welt, die mehr als 600 Arten beherbergt und niemand tut etwas, weder die Medien noch die Regierungen.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 10.700 Mal geteilt. 

Der Facebook-Beitrag vom 21. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Aber zeigen die vom Nutzer veröffentlichten Fotos wirklich die aktuelle Situation in der Region? Wir haben sie geprüft. 

Das erste Bild entstand 2011 in Brasilien 

Die brasilianischen Faktenchecker von Agência Lupa veröffentlichten bereits am 20. August einen Faktencheck zu dem Bild, auf dem ein Tier vor Flammen im Hintergrund flieht. Sie recherchierten, dass der Fotograf Silva Júnior das Foto am 17. August 2011 in der brasilianischen Gemeinde Sertãozinho aufnahm. Die Bildunterschrift des Fotos im Archiv der Nachrichtenagentur Folhapress lautet: „Tiere fliehen vor der Verbrennung von Zuckerrohr.“ 

Das Bild wurde also im Jahr 2011 in Brasilien aufgenommen. 

Das Bild im Archiv der Nachrichtenagentur Folhapress (Screenshot: CORRECTIV)

Das zweite Bild entstand 2008 in Brasilien 

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Artikel der Umweltschutzorganisation Greenpeace. In einer Bildergalerie auf der Seite ist das Foto eingefügt. Als Fotograf gibt Greenpeace dort Daniel Beltra an. Orts- und Zeitangaben zum Foto fehlen jedoch. 

Bild auf der Webseite der Umweltschutzorganisation Greenpeace (Screenshot: CORRECTIV)

Eine um die Suchwörter „Daniel Beltra“ und „Greenpeace“ erweiterte Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu weiteren Treffern. Auf einer schwedischen Regionalseite veröffentlichte Greenpeace das Bild am 17. April 2009 zusammen mit einem Artikel über den Fotografen. 

Der Fotograf Daniel Beltra selbst veröffentlichte am 17. September 2018 das Bild auf seinem Instagram-Kanal mit einer detaillierten Erklärung zum Kontext. Er schrieb: „Auf diesem Luftbild aus geringer Höhe brennen Feuer und bereiten den Boden für Landwirtschaft in der Gemeinde Sao Felix Do Xingu im Bundesstaat Para, Brasilien im Jahr 2008 vor.“ 

Der Instagram-Beitrag vom 17. September 2018 (Screenshot: CORRECTIV)

Das Instagram-Profil von Daniel Beltra ist nicht durch einen blauen Haken verifiziert, scheint aber echt zu sein. Es enthält insgesamt 236 Beiträge mit Naturaufnahmen, der erste Beitrag stammt vom 18. April 2015. 

Die Taz berichtete am 22. August 2019, Greenpeace habe das elf Jahre alte Bild für aktuelle Beiträge zu den Amazonas-Feuern genutzt und nicht gekennzeichnet, dass es sich dabei um Archivaufnahmen handele. Am 23. August aktualisierte die Taz den Artikel mit dem Hinweis, Greenpeace habe mittlerweile reagiert und das Foto „der Bildkampagne aus dem Netz genommen und vor der erneuten Veröffentlichung mit dem Hinweis ‘Archivbild’ versehen“.

Update des „Taz“-Artikels vom 23. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Das dritte Bild entstand spätestens im Jahr 2003

Zu dem dritten Bild des Facebook-Beitrages haben wir bereits einen eigenen Faktencheck veröffentlicht. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führte uns in diesem Fall zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit demselben Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. 

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McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National-Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Keines der drei Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet im August 2019.