echtjetzt-faktencheck

Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: größtenteils falsch

Ein Text zieht falsche Schlussfolgerungen aus von Menschen produzierter CO2-Menge

alexander-popov-Xbh_OGLRfUM-unsplash
weiterlesen 5 Minuten
alexander-popov-Xbh_OGLRfUM-unsplash
Autos im Stau. (Foto: Alexander Popov / Unsplash)

von Nina Breher

In einem Text, der zum wiederholten Mal über soziale Medien verbreitet wird, geht es um den CO2-Anteil in der Luft. Die Schlussfolgerungen und Zahlen sind falsch.

Ein Text, der derzeit wieder in den sozialen Medien geteilt wird, erzählt eine angebliche Begegnung. Demnach traf ein Passant auf den Betreuer eines Klimaschutz-Standes. Er habe den Klimaschützer damit konfrontiert, dass „nur 0,038 Prozent CO2 in unserer Atemluft“ enthalten seien. Dies habe den Klimaschützer aus dem Konzept gebracht: „Das glaubte er mir einfach nicht und ließ mich stehen.

Der Text schließt mit einer Rechnung, die belegen soll, dass der Einfluss des Menschen auf den CO2-Gehalt in der Luft irrelevant sei. Von den 0,038 Prozent CO2 in der Luft produziere „die Natur selbst etwa 96 Prozent. Den Rest, also 4 Prozent, der Mensch“. Der Text ist mit einem Bild der Klimaaktivistin Greta Thunberg versehen.

Der Beitrag in voller Länge. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Anekdote ist unbelegt und spätestens seit 2010 in verschiedenen Versionen im Umlauf

Als Quelle wird im geteilten Text „Robert Imberger“ angegeben, der „Reaktorphysik und Thermohydraulik an der TU Aachen“ studiert und diese Anekdote aufgeschrieben habe. Die TU Aachen gibt es nicht, an der RWTH Aachen gab es zu keiner Zeit ein Thermohydraulik- oder ein Reaktorphysik-Studium. Dies ergab eine Anfrage von CORRECTIV an die Universität. „Es kann höchstens sein, dass einzelne Vorlesungen zu dem Thema angeboten wurden, teilt Filis Falldorf vom Archiv der RWTH Aachen CORRECTIV telefonisch mit.

Zudem war der Text bereits mit anderen Quellenangaben im Umlauf: Im Dezember 2018 geben geteilte Versionen an, Imberger habe an der FH Ulm studiert (hier ein Beispiel) – auch hier existierten seine angeblichen Studienfächer nicht, wie der Faktencheck-Verein Mimikama recherchierte.

In einer noch älteren Version aus dem Winter 2015 trug sich die Szene angeblich auf einem Weihnachtsmarkt zu. In einer weiteren Fassung, die bereits seit 2010 auf der Internetseite des Klimawandel-skeptischen Vereins EIKE zu finden ist, ist der Klimaaktivist weiblich und Robert Imberger ist „Dr. Ing. Urban Cleve aus Dortmund“.

Die Zahlen belegen nicht, dass der Mensch den Klimawandel nicht verursacht hat

CO2 macht tatsächlich nur einen kleinen Teil der Luft aus, der Anteil ist aber laut dem Intergovernmental Panel for Climate Change (IPCC) in den letzten Jahren so hoch wie seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr (PDF, S. 467). „2013 hat der CO2-Anteil in der Atmosphäre erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 400 ppm überschritten“, so die NASA. „Ppm“ steht für „parts per million“, 1 ppm ist ein Millionstel. Für Mai 2019 hat die US-Regierungsinstitution Earth System Research Laboratory 414,66 ppm CO2-Anteil in der Atmosphäre gemessen. Zum Vergleich: 1855 betrug der Anteil von CO2 288 ppm.

Der CO2-Anteil in der Atmosphäre in den letzten 800.000 Jahren. Der CO2-Anteil wird in „parts per million„ (ppm) gemessen, 100 ppm sind 0,01 Prozent (Quelle: NASA)

414 ppm entsprechen 0,0414 Prozent Anteil in der Luft. Die im Text genannte Prozentzahl von „0,038 Prozent CO2 in der Luft“ stimmt also in etwa. Dass der Anteil gering ist, heißt aber nicht, dass ein Anstieg dieses Anteils keine Wirkung haben kann.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Natur nimmt das CO2, das sie emittiert, wieder auf – Emissionen des Menschen verbleiben hingegen teilweise in der Atmosphäre

Der stark vereinfachte Kohlenstoffzyklus: Die Erde nimmt das CO2, das sie emittiert, wieder auf. Der Mensch verursacht zusätzliches CO2, das nicht vollständig wieder aufgenommen werden kann. (Quelle: IPCC)

Dass die Natur wesentlich mehr CO2 emittiert als der Mensch, stimmt. „Etwa 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sind natürlichen Ursprungs und damit Bestandteil des globalen natürlichen Kohlenstoffkreislaufs (IPCC, 2013; USGCRP, 2018)“, teilt Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV schriftlich mit.

Der Mensch hat 2017 rund 41 Milliarden Tonnen CO2 produziert, wie Wissenschaftler aus dem Umfeld des Global Carbon Projects errechneten. Das Global Carbon Project ist eine Institution, der Wissenschaftler renommierter Universitäten vorsitzen. Sowohl das Umweltbundesamt als auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bestätigen diese Zahl per E-Mail.

Von Menschen produziertes CO2 verbleibt in der Atmosphäre, das ist laut IPCC die Ursache des Klimawandels

Während die Natur jedoch wieder aufnimmt, was sie emittiert, verbleibt ein Teil der menschlichen Emissionen in der Atmosphäre, so Fee vom Umweltbundesamt: „Der Mensch bringt eine Nettoerhöhung des CO2.“ Laut dem PIK absorbieren Biosphäre und Ozeane einen Teil dieser Emissionen, der Rest – „im Mittel 44 Prozent für 2008 bis 2017“ – würden jedoch in der Atmosphäre verbleiben.

Diese Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre durch menschliche CO2-Emissionen sei laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung problematisch, weil CO2 ein Treibhausgas ist, „das die vom warmen Erdboden ausgesandte Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) absorbiert und dadurch die Atmosphäre erwärmt. CO2 ist deswegen so wirksam, weil es genau bei den Wellenlängen absorbiert, bei denen die warme Erdoberfläche am meisten Strahlung aussendet.“ Eine Erhöhung der CO2-Konzentration gehe daher immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläutert das PIK.

Die so zustande kommende Ansammlung von CO2 in der Atmosphäre verursacht die globale Erwärmung: „Mit großer Sicherheit sind der Anstieg der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und die durch Landnutzungsänderungen verursachten CO2-Emissionen die Hauptursache für den beobachteten Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration“, so der IPCC (PDF, S. 467).

Anmerkung, 9. Juli 2019: Wir haben zwei Stellen im Text geändert, um richtig zu stellen, dass ppm für „parts per million“ steht.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Zahlen stimmen ungefähr, die Schlussfolgerungen, die aus ihnen gezogen werden, sind jedoch falsch.

Bewertung: richtig

Ja, der CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken

Bildschirmfoto 2019-07-23 um 13.19.29
weiterlesen 6 Minuten
Bildschirmfoto 2019-07-23 um 13.19.29

von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik verbreitet, in der behauptet wird, der weltweite CO2-Ausstoß sei von 1990 bis 2015 gestiegen – der von Deutschland jedoch gesunken. Die dargestellten Trends sind korrekt.

Auf Facebook wird seit dem 14. Juli 2019 eine Grafik verbreitet, in der die Entwicklung des CO2-Ausstoßes von Deutschland und der Welt von 1990 bis 2015 gegenübergestellt wird. Es werden weder Quellen noch Maßeinheiten für die Zahlen angegeben. Vermutlich wurden die Daten aus einer Grafik vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) übernommen und geben den CO2-Ausstoß in Millionen Tonnen an.

Das Bild mit Text und einem Säulendiagramm wurde innerhalb von drei Tagen fast 5.000 Mal auf Facebook geteilt. In weißer Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist in Großbuchstaben zu lesen: Während unser CO2-Ausstoß sinkt, nimmt er weltweit zu. Vor allem in Asien und Amerika. Was soll da eine CO2-Steuer bringen?

Die Grafik wurde auf Facebook am 14. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot vom 17. Juli 2019: CORRECTIV)

Werte beziehen sich auf Kraftstoffverbrennung

Eine Grafik zur Entwicklung der CO2-Emissionen in Deutschland und weltweit vom Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt. Die Zahlen beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt gibt in einer Grafik dieselben Daten wie die Facebook-Grafik für die Entwicklung des CO2-Ausstoßes an. Als Quelle wird die Internationale Energieagentur angegeben. Deren Dokument von 2017 bezieht sich allerdings nur auf CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung (Fuel Combustion). Die Werte für Deutschland und die Welt stimmen mit denen in der Facebook-Grafik überein. 

Die Werte der Internationalen Energieagentur vergleichen den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung in Millionen Tonnen. (Seite 94, Screenshot: CORRECTIV)

Deutschland liegt hier im Vergleich der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß weltweit auf Platz sechs hinter China, den USA, Indien, Russland und Japan (S. 12).

Die Grafik der Internationalen Energieagentur zeigt das Ranking der Länder mit den größten CO2-Emissionen aus Kraftstoffverbrennung weltweit. (Screenshot: CORRECTIV)

Weltweiter CO2-Ausstoß ist gestiegen

Für den CO2-Ausstoß weltweit gibt die Grafik an, er sei von 20.509 Millionen (1990) auf 32.294,2 Millionen Tonnen (2015) angestiegen. CORRECTIV hat die Zahlen mit anderen verfügbaren Quellen abgeglichen; die Werte weichen nach oben ab, die Tendenz aber bleibt bei allen gleich. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich die Grafik ausschließlich auf CO2 durch Kraftstoffverbrennung bezieht. 

Laut der Weltbankgruppe lag der weltweite CO2-Ausstoß

  • 1990 bei rund 22.149 Millionen Tonnen, 
  • 2005 bei 29.490 Millionen Tonnen und
  • 2014 bei 36.138 Millionen Tonnen, für 2015 wird kein Wert angegeben. 

Die Werte beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Verbrennung fossiler Energieträger und Zementherstellung und enthalten auch die CO2-Produktion durch den Konsum von Fest-, Flüssig- und Gasbrennstoffen sowie das Abfackeln von Gas.

Die Weltbankgruppe gibt unter „Details“ an, was ihre angegeben Werte vom CO2-Ausstoß beeinhalten. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut Global Carbon Atlas sind weltweit… 

  • 1990 22.182 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 29.255 Millionen Tonnen CO2 und 
  • 2015 32.463 Millionen Tonnen CO2 durch Kraftstoffverbrennung, Zementherstellung und Landnutzung entstanden, wie auf der Website angegeben wird. 

Es wird deutlich, dass die CO2-Emissionen weltweit stark angestiegen sind. Je nach Berechnungsgrundlage ergibt sich ein Anstieg von 57,5 Prozent (Internationale Energieagentur) oder 46,6 Prozent (Weltbankgruppe und Global Carbon Atlas).

CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken

Für Deutschland gibt die Internationale Energieagentur an, der Ausstoß von CO2 sei von 940,3 Millionen (1990) auf 729,8 Millionen Tonnen (2015) gesunken. 

Zum Vergleich hat CORRECTIV Daten des Umweltbundesamts herangezogen. In seiner Trendtabelle über Treibhausgase von 2017 heißt es, Deutschland emittierte

  • 1990 rund 1.053 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 rund 867 Millionen Tonnen CO2 und
  • 2015 rund 796 Millionen Tonnen CO2.

Diese Berechnungen beziehen sich auf sämtliche CO2-Emissionen; auch hier liegen die Werte etwas höher als die der Internationalen Energieagentur, die sich nur auf Kraftstoffverbrennung beziehen. 

Übereinstimmend zeigt sich ein Abwärtstrend der CO2-Emissionen Deutschlands. Deutschland verringerte seine CO2-Emissionen laut Internationaler Energieagentur von 1990 bis 2015 um 22,4 Prozent, nach Umweltbundesamt um 24,4 Prozent. 

Der Global Carbon Atlas gibt an, dass sich der CO2-Ausstoß von Europa im gleichen Zeitraum etwa um 30 Prozent verringerte. 

CO2-Ausstoßes von Asien und Amerika stark gestiegen

Zum CO2-Ausstoß von Asien und Amerika nennt die Grafik auf Facebook keine genauen Werte, sondern trifft die generelle Aussage, die Emissionen seien von 1990 bis 2005 gestiegen. CORRECTIV hat die Behauptung anhand der Daten für Amerika als Kontinent überprüft.

Die Internationale Energieagentur, dessen Zahlen in der Grafik verwendet werden und die sich nur auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung beziehen, gibt an, dass sich die CO2-Emissionen von Amerika von 1990 bis 2015 um 18,8 Prozent und von Asien im gleichen Zeitraum um 196,3 Prozent gesteigert haben (Seite 94). 

Laut Global Carbon Atlas hatte Amerika im Jahr 1990 insgesamt einen CO2-Ausstoß von 6.584 Millionen Tonnen. 

    • Nordamerika hatte einen Ausstoß von 5.904 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika 97 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika 583 Millionen Tonnen.

2015 hatte Amerika insgesamt einen CO2-Ausstoß von 7.857 Millionen Tonnen.

    • Nordamerika: 6.464 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika: 189 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika: 1.204 Millionen Tonnen.

Zwischen 1990 und 2015 stiegen die CO-Emissionen von Amerika also um fast 20 Prozent.

Manchmal wird Amerika auch synonym für die USA verstanden. Der Global Carbon Atlas gibt an, dass die CO2-Emissionen von den USA von 5121 Megatonnen (1990) auf 5421 Megatonnen (2015) um 5,5 Prozent gestiegen sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CO2-Emissionen von Amerika gestiegen sind, unabhängig davon, ob Nord-, Zentral- und Südamerika oder auch nur die USA betrachtet werden.

Für den Kontinent Asien hat CORRECTIV die Daten des Global Carbon Atlas für „Asien“ und den „Mittleren Osten“ addiert. Sie zeigen, dass Asien 1990 einen CO2-Ausstoß von 6.592 Millionen Tonnen hatte. Im Jahr 2015 erreichte der Kontinent einen Wert von 18.930 Millionen Tonnen. In Asien haben sich die CO2-Emissionen von 1990 bis 2015 folglich fast verdreifacht. 

China allein als weltweit größter CO2-Emittent hat seinen CO2-Ausstoß von 2420 Megatonnen (1990) auf 9717 Megatonnen (2015) fast vervierfacht. 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Fazit 

Es ist korrekt, dass Europa und insbesondere Deutschland die CO2-Emissionen im betrachteten Zeitraum verringern konnten und es im Gegensatz dazu auf den anderen Kontinenten einen starken Anstieg dieser Emissionen gab. 

Die Grafik suggeriert, Deutschland spiele für die Bekämpfung der globalen Klimakrise keine große Rolle. Allerdings darf die Verantwortung Deutschlands nicht unterschätzt werden. Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) liegt Deutschland laut Global Carbon Atlas immer noch auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Es hat somit maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung. 

Mit einem CO2-Ausstoß von 799 Millionen CO2 im Jahr 2017 liegt Deutschland auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. (Quelle: Global Carbon Atlas, Screenshot: CORRECTIV)

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, seine klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zum Basisjahr um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Im Klimaschutzbericht der Bundesregierung 2018 steht, dass dieses Ziel vermutlich noch weiter verfehlt werden wird, als im Klimaschutzbericht im Jahr zuvor geschätzt. Somit wird Deutschland im Jahr 2020 seine Treibhausgas-Emissionen, darunter auch CO2, lediglich um 32 Prozent verringert haben (Seite 18). 

Unsere Bewertung:
Richtig. Die in der Grafik angegeben Daten stammen von der Internationalen Energieagentur und beziehen sich auf CO2-Emissionen durch Kraftstoffverbrennung. Andere Quellen nennen abweichende Zahlen, beschreiben die Trends jedoch ähnlich.

Bewertung: falsch

Nein, der Ätna stößt nicht mehr CO2 aus als der Mensch

Bildschirmfoto_2019-07-10_um_17.02.45
weiterlesen 3 Minuten
Bildschirmfoto_2019-07-10_um_17.02.45

von Katarina Huth

Auf Facebook wird ein Bild verbreitet, welches einen Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zeigen soll. Die Behauptung, dass bei solch einem Ausbruch mehr CO2 ausgestoßen wird, als durch den Menschen je produziert wurde, ist nicht korrekt.

Auf Facebook wurde am 7. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, welches einen Ausbruch des Ätna, des höchstgelegensten aktiven Vulkan Europas, zeigen soll. Der Urheber des Fotos ist unbekannt. Das Foto lässt sich zurückverfolgen zu einem Twitter-Post aus dem Dezember 2015. Es ist nicht genau belegbar, ob das Foto tatsächlich den in Sizilien gelegenen Ätna zeigt. 

Der Beitragstext zum Foto lautet: Liebe Umweltaktivisten, dieser kleine Rülpser des Ätna hat mehr CO2 in die Luft geblasen, als die gesamte Menschheit während ihres Daseins auf der Erde von sich gegeben hat. Aber keine Sorge, das ist ja Italien – also weit weg…“

Innerhalb von drei Tagen wurde der Beitrag über 13.000 mal geteilt. 

Dieser Facebook-Beitrag wurde am 7. Juli 2019 veröffentlicht und mehr als 13.000 mal geteilt. (Screenshot vom 10. Juli 2019: CORRECTIV)

CO2-Ausstoß durch Vulkane 100 mal kleiner als durch den Menschen  

Der Vulkan Ätna ist zuletzt am 1. Juni 2019 ausgebrochen. Er ist laut British Geological Survey der größte und meistgasendste Vulkan Europas (Seite 6). Laut Boris Behncke, Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Italien, ist der Ätna mit einer täglichen CO2-Produktion von etwa 16.000 Tonnen einer der weltweit bedeutendsten vulkanischen CO2-Produzenten. 

Aus der E-Mail von Boris Behncke an die Faktencheck-Redaktion vom 15. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Behncke schrieb uns per E-Mail, dass das Kohlenstoffdioxid zum großen Teil dem Magma des Vulkans entweicht – bereits lange bevor das CO2 die Erdoberfläche erreicht. Es wird also nicht erst durch den Ausbruch selbst ausgestoßen. Das heißt, selbst größere Eruptionen des Ätna produzieren nicht sehr viel mehr CO2 als sein normaler, alltäglicher Gasausstoß.

Somit spielt weniger der einzelne Vulkanausbruch eine Rolle als die insgesamte CO2-Emission. In der British Geological Survey wird der jährliche CO2-Ausstoß des Ätnas auf maximal 25 Millionen Tonnen geschätzt (Seite 6). 

Laut Christian von Savigny, geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Physik der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, liege der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoß von Vulkanen zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr, wie er uns telefonisch mitteilte.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Laut Umweltbundesamt beträgt die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen um die 30 Milliarden Tonnen pro Jahr (2013). Auch von Savigny sagt, dass der jährliche CO2-Ausstoß durch den Menschen zwischen 30 und 35 Milliarden Tonnen betrage und somit etwa 100 mal größer sei als die insgesamten vulkanischen CO2-Emissionen pro Jahr. 

Ebenso ist im Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013/14 zu finden, dass die vulkanischen CO2-Emissionen mindestens 100 mal kleiner sind als die vom Menschen verursachten Emissionen (Seite 56). Somit lässt sich zusammengefasst sagen: Die vulkanischen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind nur ein Bruchteil der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Bei einem Vulkanausbruch wird nur ein Bruchteil des CO2 ausgestoßen, welches durch den Menschen produziert wird.

Bewertung: teilweise falsch

Elektroauto mit „Salzwasser“-Antrieb? So einfach ist es nicht

Bildschirmfoto 2019-07-04 um 11.35.24
weiterlesen 8 Minuten
Bildschirmfoto 2019-07-04 um 11.35.24
Dieses Bild mit Text wird im Netz geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Blog wird behauptet, es gebe ein extrem leistungsstarkes Elektroauto, das mit Salzwasser angetrieben werde und in der EU zugelassen sei. Das Modell war jedoch nur ein Prototyp – und die Aussage zu seinem Antrieb ist stark vereinfacht.

Der schweizerische Blog „Claudio Graf“ bebildert einen Artikel vom 27. Januar 2019 mit einem silbernen Sportwagen. Darauf steht: „Dieses Auto wird mit Salzwasser angetrieben. 920 PS, schafft 350 km/h und hat EU-Zulassung.“ Der Artikel trägt die Überschrift „Salzwasser als Treibstoff…ist Realität“. Er wurde auf Facebook bisher mehr als 37.300 Mal geteilt. 

Im Text geht es um ein Elektroauto der Firma Nanoflowcell, das auf dem 84. Genfer Autosalon vorgestellt worden sei. Das war 2014. „Claudio Graf“ schreibt, das Auto sei „die Alternative, die schon lange publik gemacht sein sollte“. Es könne den „ganze(n) Elite-Scheiss von Windräder, E-Mobiles (mit dreckigem und zu wenig Strom) Solar-Energie, CO₂-Lüge, Klima-Lüge, Missbrauch von jungen Menschen (Schüler und Kinder, wie die Greta Thunberg), endlich beenden.“ Als Quellen werden die Firma Nanoflowcell, die das Auto entwickelte, und ein Artikel des Focus von Mitte 2018 genannt. Darin heißt es, Investoren hätten 25.500 Elektroautos von Nanoflowcell bestellt, für 3,1 Milliarden Euro.

Viele verschiedene Quellen

Der weitere Text von „Claudio Graf“ findet sich wortgleich auf diversen Internetseiten, zum Beispiel einer namens Der Storyteller. Die früheste Version, die wir finden konnten, stammt von August 2018 und wurde auf der Webseite Unser Planet veröffentlicht. 

Unsere Recherche zeigt: Vor einigen Jahren existierte tatsächlich ein Prototyp der Schweizer Firma Nanoflowcell namens Quant-E, auf den die von „Claudio Graf“ genannten Angaben zu PS und Spitzengeschwindigkeit passen. Allerdings lässt sich abgesehen von offiziellen Aussagen des Unternehmens nicht prüfen, ob das Auto wirklich diese Leistung bringen konnte. Zudem ist die Aussage, es werde mit „Salzwasser“ betrieben, stark vereinfacht und somit irreführend. 

Ein Bild des Sport-Elektroautos Quant-E in einem etwa drei Jahre alten Artikel auf der Webseite der Nanoflowcell AG. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Quant-E wurde 2014 vorgestellt

Es gibt zahlreiche Medienberichte über das Elektroauto mit dem angeblichen Salzwasser-Antrieb. Nanoflowcell bezeichnet sich selbst nicht als Hersteller von Elektrofahrzeugen, sondern als „Forschungs- und Entwicklungs-Partner der Industrie um umweltgerechte und zukunftsfähige Energieträger sowie innovative Antriebstechnologien“.  

Ein Bericht der Welt von 2014 und Pressemitteilungen der Firma Nanoflowcell stützen die Behauptungen aus dem Artikel von „Claudio Graf“ (925 PS, 350 km/h). Die Welt sprach in ihrem Artikel von einem „Salzwasser-Elektroauto“, das beim Genfer Automobilsalon vorgestellt worden sei. Zudem heißt es darin, das Auto habe die Abnahme durch den TÜV erhalten und sei somit für den Straßenverkehr zugelassen. Auch das deckt sich mit einer Pressemitteilung von Nanoflowcell. Die Firma schrieb 2014, der TÜV Saar habe dem Forschungsfahrzeug die Fahrerlaubnis für Deutschland und Europa erteilt. 

Den Prototypen gibt es nicht mehr

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV bestätigt ein Sprecher von Nanoflowcell, Ralf Kaiser, dass die bei „Claudio Graf“ angegebenen Leistungsdaten für den Quant-E korrekt seien. Allerdings werde das Fahrzeug bereits seit mehreren Jahren nicht mehr getestet. „Der QUANT-E ist ein Hochvolt-Elektrofahrzeug mit Flusszellenantrieb, das 2014 debütierte und über 920 PS sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h verfügte“, so Kaiser per E-Mail. „Seit 2017 sind wir bei allen unseren Testfahrzeugen auf den nanoFlowcell 48Volt Niedervolt E-Antrieb umgestiegen.“ Von „Hochspannung“ ist per Definition die Rede, wenn mehr als 30 Volt Wechselspannung oder mehr als 60 Volt Gleichspannung vorhanden sind. 

Die Nachfolgemodelle des Quant-E heißen Quantino-48-Volt und Quant-48-Volt. Sie haben laut Nanoflowcell wesentlich weniger Leistung. Es handelt sich auch dabei nur um Testfahrzeuge, die man bisher nirgends kaufen kann.

Werden die Autos mit Salzwasser angetrieben?

Die Aussage, das Elektroauto habe einen Antrieb, der mit Salzwasser funktioniere, sei „zu kurz gegriffen“, erklärt Kaiser weiter. Die Fahrzeuge haben laut Nanoflowcell einen sogenannten Flusszellenantrieb. 

Eine Flusszellenbatterie ist laut Fraunhofer-Institut für chemische Technologie ein elektrochemischer Energiespeicher mit einem flüssigen Speichermedium. Sie wird auch Redox-Flow-Batterie genannt. Diese Akkus seien sehr effizient und „deutlich langlebiger“ als herkömmliche Batterien. In einer Broschüre wird erklärt, wie das System funktioniert: Die Elektroden der Plus- und Minuspole sind jeweils von Flüssigkeit umgeben, der Elektrolytlösung. Eine ist positiv, die andere negativ geladen. Dazwischen gibt es eine spezielle Membran. Die Elektrolyte können durch eine externe Stromquelle geladen werden; so wird der Akku aufgeladen. 

„Die Idee einer Redox-Flow-Batterie ist die einer unsterblichen Batterie“, erklärt Peter Fischer vom Fraunhofer-Institut auf Anfrage von CORRECTIV telefonisch. Da die Flüssigkeiten in separaten Tanks gespeichert würden, findet laut der Broschüre im Stillstand „praktisch keine Selbstentladung statt“. Weltweit würden solche Flüssigzellen bereits als Großspeicher für Strom aus Solar- und Windenergie genutzt. 

Schematische Darstellung eines Redox-Flow-Systems. (Quelle: Fraunhofer ICT)

Aber es handelt sich bei der Flüssigkeit nicht um Salzwasser, stellt Nanoflowcell-Sprecher Ralf Kaiser auf unsere Anfrage klar. Die Elektrolytlösung namens „bi-ION“ bestehe aus einer Trägerflüssigkeit aus Wasser und darin gelösten „anorganischen und organischen Salzen“. Der eigentliche Ladungsträger sei ein spezielles, im Labor entwickeltes Molekül. Auf seiner Webseite gibt das Unternehmen an, die Elektrolytlösung sei von der Energiedichte her „gleichauf“ mit Lithium-Ionen-Batterien. 

Bisher nur Leistungsversprechen von Nanoflowcell

Die Aussagen in dem Text von „Claudio Graf“, aber auch die Darstellung zum Beispiel in dem Artikel der Welt („Salzwasser-Auto“) vereinfachen also die tatsächliche Technologie sehr stark. Was zudem aus dem Artikel von „Claudio Graf“ nicht deutlich wird, ist, dass von dem Elektroauto bisher nur Prototypen existieren und dass das Sportmodell Quant-E seit zwei Jahren nicht mehr getestet wird. 

Für die Leistung der Fahrzeuge und Behauptungen zur Umweltfreundlichkeit („keine schädlichen Emissionen, umweltfreundlich und nachhaltig im Betrieb, weder brennbar noch explosiv, zudem gesundheitlich unbedenklich, sicher in der Handhabung und umweltgerecht recycelbar“) gibt es bisher keine Beweise abgesehen von den Aussagen von Nanoflowcell. Journalisten von Auto-Motor-Sport und der BBC durften 2016 das Quantino-Modell zwar zur Probe fahren. Die Reichweite von angeblich insgesamt 1.401 Kilometern wurde damit aber nicht nachgewiesen. Zudem heißt es in dem Artikel von Auto-Motor-Sport, man habe den „Tankvorgang“ mit der Elektrolytlösung nicht sehen können. 

Firma macht Geheimnis aus dem Antrieb

Peter Fischer, der seit 2011 beim Fraunhofer-Institut für chemische Technologie an Redox-Flow-Batterien forscht, ist skeptisch, was die Versprechen von Nanoflowcell angeht. Flüssige Energieträger seien wegen der geringen Energiedichte problematisch, erklärt er uns am Telefon. Eine hohe Spannung mit wässrigen Lösungen zu erzeugen sei sehr schwierig. Es gebe Grenzen bei der Löslichkeit von Stoffen. Bei so vielen Hindernissen müsste Nanoflowcell „etwas sehr Geniales gemacht haben“, sagt Fischer. Es sei problematisch, dass die Firma seit Jahren ein großes Geheimnis daraus mache, wie genau ihr Antrieb funktioniere. 

Möglich sei, dass es sich um eine Art Brennstoffzelle statt einer echten Redox-Flow-Batterie handele, so Fischer. Eine Brennstoffzelle würde die Flüssigkeit, mit der sie funktioniert, verbrauchen. Das deckt sich mit einem Zitat von Nanoflowcell-Chef Nuncio la Vecchia gegenüber Auto-Motor-Sport: „Im Gegensatz zur normalen Redox-Technologie tauschen wir das Elektrolyt nicht aus, sondern es wird während der Fahrt verbraucht. Nach einer Filterung der Salze wird es fein zerstäubt als Wasser auf die Straße gesprüht.“

Die Firma Nanoflowcell wurde 2013 gegründet. Seit der Vorstellung des Flusszellenantriebs beim Genfer Automobilsalon 2014 sind fünf Jahre vergangen. Laut Nanoflowcell-Sprecher Kaiser wird es zudem noch bis zu weiteren fünf Jahren dauern, bis es zur „großserientechnischen Herstellung“ der Elektrolytlösungen kommt.  

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Bei dem Auto handelte es sich um einen Prototypen, dessen Antrieb mit speziellen Elektrolytlösungen funktionieren sollte. Nachweise über die Leistung und Umweltfreundlichkeit des Fahrzeugs gibt es bisher nicht. 

Bewertung: teilweise falsch

Nein, durch die CO2-Steuer zahlt nicht jeder Pendler 1.000 Euro mehr im Jahr

Bildschirmfoto 2019-07-11 um 11.43.28
weiterlesen 8 Minuten
Bildschirmfoto 2019-07-11 um 11.43.28
Dieses Foto stammt von der Deutschen Presse-Agentur. Es wurde auch auf der Webseite der Schwäbischen Zeitung verwendet, unter Angabe der Quelle. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Foto von Umweltministerin Svenja Schulze neben einem großen BMW verbreitet, um ihre Pläne für eine CO2-Steuer zu kritisieren. Diese koste jeden Berufspendler jährlich 1.000 Euro mehr. Das stimmt nicht. 

Die Facebook-Seite „Befreiter Blick“ veröffentlichte am 9. Juli ein Foto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), das bisher mehr als 19.500 Mal geteilt wurde. Es zeigt Schulze beim Aussteigen aus einem großen Auto, einem BMW. Darüber schreibt „Befreiter Blick“: „Hier sehen wir unsere Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit Ihrem ‘Kleinwagen’. Sie wird dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird.“

Der Facebook-Beitrag wurde innerhalb kürzester Zeit tausendfach geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Damit, dass Schulze mit einem großen Auto unterwegs ist, sollen ihre jüngst vorgestellten Pläne für eine Bepreisung von CO2 unglaubwürdig gemacht werden. CORRECTIV hat geprüft, ob die Behauptung, eine CO2-Steuer würde jeden Pendler 1.000 Euro im Jahr kosten, stimmt – und um was für ein Auto es sich auf dem Foto handelt. 

Pläne zur CO2-Steuer sind noch offen

Die eigentliche Behauptung von „Befreiter Blick“ bezieht sich auf die Anfang Juli vorgestellten Pläne von Schulze, eine CO2-Steuer einzuführen. Drei Gutachten hat das Bundesministerium dazu in Auftrag gegeben: vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). 

Vorweg: Die Aussage auf Facebook, Svenja Schule werde „dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird“ ist irreführend, weil sie andeutet, die Steuer sei beschlossene Sache. Das ist nicht so, wie wir in einem anderen Faktencheck bereits geschrieben haben: Die politische Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

So hat aktuellen Medienberichten vom Freitag, 12. Juli, zufolge, eine Gruppe Abgeordneter von CDU und CSU noch einen Alternativvorschlag vorgelegt, in dem sie für einen kombinierten CO2-Preis aus einem festen Sockelbetrag und einem variablen Marktpreis plädieren. Zudem legten am Freitag auch die sogenannten Wirtschaftsweisen ein eigenes Sondergutachten zur CO2-Steuer vor. Das Klimakabinett der Bundesregierung will sich den Berichten zufolge ab dem 18. Juli mit den verschiedenen Vorschlägen befassen, im September solle eine Entscheidung getroffen werden.   

Muss jeder Pendler 1000 Euro mehr pro Jahr zahlen?  

  Mit den folgenden Eckdaten der möglichen CO2-Steuer haben alle drei Gutachter ihre Modelle durchgerechnet: 35 Euro pro Tonne CO2 als Einstieg im Jahr 2020, dann eine lineare Erhöhung auf bis zu 180 Euro pro Tonne im Jahr 2030. 

Tabelle der Entwicklung des Preises pro Tonne CO2 laut dem Gutachten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. (Screenshot: CORRECTIV)

Focus berechnete Kosten für Pendler

Die wahrscheinliche Quelle für die Aussage, dass Berufspendler angeblich etwa 1.000 Euro mehr im Jahr zahlen müssten, ist ein Artikel des Focus vom 10. Juli. Er trägt den Titel „Fast 1000 Euro mehr pro Jahr: Das kostet Autofahrer die neue Luft-Steuer“. 

Focus rechnet darin ein konkretes Beispiel vor. Ausgehend von einem aktuellen Benzinpreis von 1,50 Euro würde ein Liter Benzin sich angeblich folgendermaßen verteuern:

  • ab 2020: 1,60 Euro (10 Cent)
  • ab 2025: 1,80 Euro (30 Cent)
  • ab 2030: 2 Euro (50 Cent)

Das würde am Ende eine Preissteigerung pro Liter Benzin von rund 33 Prozent bedeuten. Für Diesel, ausgehend von aktuell 1,30 Euro pro Liter, betrage die Preissteigerung ab 2030 57 Cent (rund 43,9 Prozent). Focus schreibt selbst, dass dabei Schwankungen im Ölpreis nicht mit einkalkuliert seien.

Wenn ein Berufspendler jeden Tag 50 Kilometer jeweils hin und zurück zur Arbeit fahre, und sein Auto im Schnitt acht Liter Benzin auf hundert Kilometern verbrauche, zahle er im Jahr 2.760 Euro, so Focus weiter. Mit der Preiserhöhung durch die CO2-Steuer seien es 2030 dann 3.680 Euro pro Jahr. Ein Plus von 920 Euro, also „fast 1.000 Euro“.

Nicht jeder Pendler entspricht diesen Daten

Wir haben die Annahmen des Focus zu den steigenden Spritpreisen anhand der Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums überprüft; sie sind plausibel. Das Gutachten des FÖS und das des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnen die Preissteigerungen bis zum Jahr 2023 (80 Euro pro Tonne CO2). Übereinstimmend kommen sie dabei für Benzin für das Jahr 2020 auf eine Steigerung von rund 10 Cent pro Liter. Für 2023 sind es rund 22 Cent mehr. 

Auszug aus der Berechnung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). (Screenshot: CORRECTIV)

Eine weitere Quelle ist der Verein CO2-Abgabe; er berechnet auf seiner Webseite den Benzinpreis bis zur Stufe von 120 Euro pro Tonne CO2. Diese Stufe wäre ungefähr im Jahr 2026 erreicht. Dann würde dem Verein zufolge ein Liter Benzin rund 35 Cent mehr kosten. Auch das passt zu den Werten des Focus

Berechnung des Vereins CO2-Abgabe. (Screenshot: CORRECTIV)

Wichtig ist aber: Die Berechnung des Focus lässt sich nicht auf alle Pendler übertragen. Wenn „Befreiter Blick“ von 1.000 Euro mehr für „jeden kleinen Berufspendler“ spricht, ist das falsch. Denn nicht jeder Pendler fährt 50 Kilometer zur Arbeit und hat ein Auto, das acht Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht.

Mögliche Entlastungen werden außer Acht gelassen

„Befreiter Blick“ berücksichtigt auch andere Faktoren einer möglichen CO2-Steuer nicht. Zum Beispiel, dass nicht nur die Spritpreise steigen würden, sondern auch die für Erdgas und Heizöl. Jeder Haushalt würde unterschiedlich stark belastet, je nachdem, wie viele Personen darin leben, wie hoch das Einkommen ist und wie viel konsumiert wird. Zudem enthalten alle Gutachten für eine CO2-Steuer einen sozialen Ausgleich, eine Rückzahlung an die Bürger, teilweise zusätzlich kombiniert mit einer Senkung der Stromsteuer oder der EEG-Umlage.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zum Beispiel rechnet für alle Einkommensgruppen verschiedene Modelle durch, mit Rückzahlungen einer „Klimaprämie“ zwischen 80 und 100 Euro pro Kopf und Jahr. Gleichzeitig werden auch mögliche Entlastungen beim Strompreis berechnet. Jedes Modell unterscheidet sich vom anderen. Im Szenario einer „Klimaprämie“ von 100 Euro und einer gleichzeitigen Absenkung der Stromsteuer geht das FÖS zum Beispiel für das Jahr 2021 davon aus, dass nur hohe Einkommensgruppen zu Nettozahlern werden. 

Auszug aus dem FÖS-Bericht: Szenario einer Klimaprämie von 100 Euro in Kombination mit einer Absenkung der Stromsteuer. Es ist nur eines von vielen Szenarien, die berechnet wurden. (Screenshot: CORRECTIV)

Gutachter sehen stärkere Belastung für Pendlerhaushalte

Pendler stellen allerdings einen Sonderfall dar. Zwei der Gutachten enthalten deshalb Berechnungen für Pendlerhaushalte. Diese werden darin definiert als Haushalte, in denen mindestens eine Person mehr als 20 Kilometer täglich zur Arbeit fährt. „Pendlerhaushalte dürften von der CO2-Steuer stärker belastet werden und haben angesichts des lückenhaften öffentlichen Personenverkehrs in vielen Regionen ggf. keine Ausweichmöglichkeiten“, schreiben die Gutachter von der Hans-Böckler-Stiftung (S. 31). Und: „Durchschnittlich haben alle Pendlerhaushalte eine deutliche Nettobelastung, die zwischen 220 Euro und 560 Euro im Jahr 2030 liegen wird.“ (Seite 46)

Durchgerechnet werden in dem Gutachten drei Beispiele für Pendlerhaushalte: Paare mit und ohne Kinder und Singles, jeweils vom Land und in der Stadt. Darin wird deutlich, dass tatsächlich oft Mehrausgaben von mehr als 1.000 Euro pro Jahr anfallen. Doch das ist nicht die Summe, die sie am Ende netto mehr zahlen. Den höchsten Nettoeffekt erreicht eine Familie mit zwei Kindern, in der zwei Personen pendeln. Sie hätte im Jahr 2030 Mehrkosten von mehr als 1.700 Euro; netto wäre das eine Belastung von 616,20 Euro. 

Beispielrechnungen für Pendlerhaushalte von der Hans-Böckler-Stiftung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Gutachten des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Seite 14) kommt zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Beide schlussfolgern, dass finanzielle Entlastungen für Pendler nötig seien. Kurzfristig könne dies zum Beispiel über eine Anhebung der Pendlerpauschale oder ein „Pendlergeld“ geschehen (PDF, Seite 52). „Die aktuelle Regelung einer Entfernungspauschale ist nur wenig geeignet, Haushalte mit geringen Einkommen zu entlasten“, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung. „Viele – insbesondere Familien mit mehreren Kindern – zahlen keine Einkommensteuer und können durch die Entfernungspauschale nicht entlastet werden.“ Die Erhöhung des Pendlergeldes käme daher vor allem Haushalten mit höherem Einkommen zugute. 

Ein Pendlergeld oder „Mobilitätsgeld“ habe eine bessere Wirkung, sei aber „sehr kostspielig“ und komme deshalb nur als „Härtefallregelung“ für Menschen mit geringem Einkommen infrage (Seite 55). Langfristig seien diese Maßnahmen zudem nicht sinnvoll; um die gewünschte Lenkungswirkung zu erzielen, sollten stattdessen „klimafreundliche Verhaltensweisen“ gezielt gefördert werden. 

Auszug aus dem Fazit des Gutachtens der Hans-Böckler-Stiftung mit Bezug auf Pendler. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Dienstwagen auf dem Foto ist ein Hybrid-Fahrzeug

Zusätzlich haben wir den Hintergrund des Fotos geprüft, mit dem der Beitrag illustriert wurde. Die Urheberin ist die Deutsche Presse-Agentur; es stammt offenbar von der Webseite der Schwäbischen Zeitung, wo es mit Angabe der Quelle verwendet wurde. Auf unsere Nachfrage teilt die Pressesprecherin des Bundesumweltministeriums, Svenja Kleinschmidt, mit, bei dem BMW auf dem Foto handele sich sich um den Dienstwagen von Svenja Schulze, einen BMW 740e iPerformance in der Version von 2018. Das Fahrzeug ist also ein sogenannter Plug-In-Hybrid. Insgesamt bestehe die Flotte des Umweltministeriums aus 22 Fahrzeugen: zwei Elektrofahrzeugen, 18 Plug-In-Hybridfahrzeugen und zwei Diesel-Kleinbussen, so Kleinschmidt. 

Im Katalog von BMW (ab Seite 24) von Juli 2018 sind Abbildungen des Fahrzeugs zu sehen. Es ist plausibel, dass es sich um dasselbe Modell wie das auf dem Foto handelt.

Abbildungen für den BMW-Plug-In-Hybrid 740e iPerformance im Katalog von BMW. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit

Die Aussage, Pendler würden 1.000 Euro mehr im Monat zahlen, bezieht sich auf einen Artikel des Focus. Darin wird jedoch nur ein ganz spezieller Fall eines Pendlers durchgerechnet, der sich nicht auf alle übertragen lässt. 

Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums stellen zwar klar, dass eine CO2-Steuer sich für Pendler ungünstig auswirken kann, insbesondere, wenn sie zu den unteren Einkommensgruppen gehören. Die Aussage, „jeder kleine Berufspendler“ würde 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, lässt sich aber daraus nicht ableiten. Es werden zahlreiche mögliche finanzielle Entlastungen im Rahmen einer CO2-Steuer außer Acht gelassen. 

Bei dem Foto von Umweltministerin Svenja Schulze fehlt ebenfalls Kontext. Mit der Aufnahme soll ihre Motivation für die Einführung einer CO2-Steuer unglaubwürdig gemacht werden. Es handelt sich bei dem abgebildeten Auto um ihren Dienstwagen; einen Plug-In-Hybrid.

Update, 17. Juli 2019: Im Fazit hatten wir versehentlich einmal von 1000 Euro „pro Monat“ geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Nicht jeder Pendler würde durch eine CO2-Steuer 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, hier wird wichtiger Kontext weggelassen. Bei dem Dienstauto von Svenja Schulze handelt es sich um einen Plug-In-Hybrid.

Bewertung: größtenteils falsch

Diese „4 unglaublichen Klimafakten“ stimmen nur zum Teil

Bildschirmfoto_2019-07-08_um_11.12.32
weiterlesen 4 Minuten
Bildschirmfoto_2019-07-08_um_11.12.32

von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik mit vier Behauptungen zum Thema Klima verbreitet. Es geht um den Anteil verschiedener Länder an Emissionen sowie den Bau von Kern- und Kohlekraftwerken. Die Behauptungen sind größtenteils falsch.

Die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ veröffentlichte am 1. Juli 2019 eine Grafik, auf der vier Tatsachenbehauptungen zum Thema Klima in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen sind. Sie wurde bisher mehr als 17.000 mal geteilt (Stand: 8. Juli 2019). Die Aussagen auf der Grafik wurden weder mit Quellen noch Belegen gestützt. Außerdem ist in roter Schrift und Großbuchstaben zu lesen: „Aber Deutschland will die Welt retten, indem es alles abschaltet, verbietet, versteuert und seine Schlüsselindustrie demontiert???“. Im Hintergrund der Grafik ist der Weltraum, ein Satellit und ein Teil der Erde zu sehen.

Es wird suggeriert, dass Deutschland so gut wie keine Beteiligung an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen habe und eine umwelt- und klimafreundliche Politik zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger falle, anstatt in ihrem Sinne zu sein. 

Der Beitrag auf der Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ vom 1. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV, 8. Juli 2019)

Mittlerweile hat die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ ihren Beitrag selbst korrigiert, indem die Graphik durch den Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur im Beitragstext ergänzt wurde. Allerdings wird die unkorrigierte Graphik selbst nach wie vor geteilt und verbreitet. 

Das Prüfen der einzelnen Aussagen ergab folgendes Ergebnis:

Behauptung Nr. 1: „85 Prozent sämtlicher Emissionen werden von drei Ländern erzeugt: China, Indien und den USA.“

 Dies ist nicht korrekt. Laut dem Emissions Gap Report 2018 erzeugen die drei Länder China, Indien und USA zusammen einen Anteil von 47,1 Prozent an sämtlichen Treibhausgas-Emissionen weltweit. Dabei hat China einen Anteil von 27 Prozent, Indien von 7,1 Prozent und die USA von 13 Prozent (Seite 7 des Reports). Der Emissions Gap Report ist ein vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen regelmäßig herausgegebener Bericht zu den Themen Klimawandel und Treibhausgas-Ausstoß. 

Behauptung Nr. 2: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kohlekraftwerke beträgt 1400.“

 Diese Aussage stimmt in etwa. In einer Pressemitteilung gab die Kohle-kritische Umweltorganisation Coalexit im Oktober 2018 an, dass derzeit 1380 neue Kohlekraftwerke in 59 Ländern in Planung sind oder gebaut werden. Das Umweltbundesamt kann diese Angabe weder bestätigen noch widerlegen, doch schätzt die Größenordnung der Zahl als korrekt ein, wie sie uns per Email mitteilten.

 Behauptung Nr.3: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kernkraftwerke beträgt 147.“ 

 Diese Zahl stimmt nicht. Eine Übersicht der Internationalen Atomenergie-Organsiation IAEO zeigt, dass derzeit 54 Kernkraftwerke in 18 verschiedenen Ländern gebaut werden. Die IAEO ist eine autonome zwischenstaatliche Organisation, die regelmäßig an die Generalversammlung der Vereinten Nationen berichtet. Sie setzt sich ein für den sicheren und friedvollen Einsatz von Atomwissenschaft und -technologie und ist verpflichtet, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen direkt anzurufen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.

Behauptung Nr. 4: „Der Anteil des von Deutschland ausgestoßen CO2 beträgt im Verhältnis zum Gesamtvorkommen des CO2 in der Luft 0,0004712 Prozent.“ 

Diese Zahl ist seit Jahren im Internet an mehreren Stellen zu finden – vor allem in Foren, Kommentarspalten oder persönlichen Blogs, in denen der menschengemachte Klimawandel als Schwindel dargestellt wird. Es ist korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre sehr gering ist. Allerdings hat er großen Einfluss auf das Klima. Das durch den Menschen produzierte CO2 bringt zudem den natürlichen CO2-Haushalt der Erde aus dem Gleichgewicht und ist Hauptursache für den Klimawandel, wie im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Laut IPCC wird natürlich produziertes CO2 ausgeglichen, in dem es auf natürlichem Wege absorbiert wird. Das anthropogene CO2, das heißt, das CO2, das von Menschen produziert wird, kommt zusätzlich hinzu und kann nur zum Teil von der Natur aufgenommen werden. Im Sonderbericht des IPCC von 2018 wird dargestellt, dass die derzeitige Klimaerwärmung vorrangig anthropogen, also durch die vom Menschen produzierten Treibhausgase verursacht wird. Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab. Es macht demnach also Sinn, den Anteil Deutschlands an den anthropogenen CO2-Emissionen zu betrachten.

Deutschland stößt laut Bundesumweltamt rund 798 Millionen Tonnen (2017) CO2 jährlich aus und ist damit auf Platz 6 der Länder mit der größten CO2-Emission. 

Die Aussage, Deutschland beeinflusse nur einen geringen Teil des gesamten CO2-Gehalts in der Luft, ist zwar korrekt, es darf aber nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass dieser Einfluss irrelevant wäre. Dies haben wir auch in einem anderen Faktencheck bereits gezeigt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Zwei der drei Aussagen sind eindeutig nicht korrekt. Die letzte Aussage vermittelt einen falschen Eindruck.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege, dass diese Mars-Verpackung jemals im Meer war

Bildschirmfoto 2019-07-09 um 17.50.06
weiterlesen 5 Minuten
Bildschirmfoto 2019-07-09 um 17.50.06
Es gibt keine Belege dafür, dass diese Verpackung kürzlich an einen Strand gespült wurde. (Foto: Beach Guardian / Instagram; Collage: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder einer angeblich mehr als 33 Jahre alten Verpackung eines Schokoriegels, welche kürzlich an einen Strand gespült worden sei. Sie zeigt zwar das Logo des Riegels aus den 80er Jahren, jedoch lässt sich nicht überprüfen, ob sie jemals im Meer war.

Die Facebook-Seite „Train Hard Vienna by Melissa“ veröffentlichte am 24. Juni eine Text-Bild-Collage. Auf dem Text über den Bildern ist zu lesen: „Wer bei dieser kürzlich am Strand angespülten Verpackung denkt, wir hätten kein Problem mit Plastik, sollte seine Lebenseinstellung überdenken! Abgelaufen am am 27.09.1986!! Bitte ganz oft teilen“ Auf den Bildern ist eine Verpackung der Schokoriegel-Marke„Mars“ zu sehen. Auch erkennt man das im Beitrag erwähnte Haltbarkeitsdatum und einen Strand im Hintergrund. Der Beitrag wurde über 13.000 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, woher das Bild stammt. 

Der Beitrag wurde mehr als 13000 mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Ist die Verpackung echt?

Wir haben die Fotos aus der Behauptung der MARS GmbH in Deutschland vorgelegt. Auf Nachfrage wollte MARS die Echtheit der Verpackung nicht bestätigen, weil die Fotos die Verpackung nur Ansatzweise zeigen würden. Trotzdem haben wir die Logos der Marke verglichen. Zumindestens wurde das Logo auf der Verpackung auch in den 80’er Jahren verwendet. Mittlerweile nutzt MARS ein anderes Logo. 

Oben: Das Logo aus der Behauptung, Screenshot: CORRECTIV. Mitte: Logo von Mars aus den 80’ern, Quelle: CNBC. Unten: Das aktuelle Logo des Schokoriegels, Quelle:Kirschblut  via Wikimedia Commons

Bild stammt von einer Umweltschutzorganisation

Wir haben die Bilder der Verpackung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und haben die Urheberin des Fotos gefunden. Laut eines am 10. Mai von Cornwalllive veröffentlichten Artikels hat Emily Stevenson das Foto gemacht. Stevenson säubert regelmäßig mit ihrer Organisation Beach Guardian (deutsch: Strandwächter) verschiedene Strände. Ihre Funde präsentieren die Umweltschützer regelmäßig auf Facebook und Instagram. 

Auszug der Bilder auf dem Instagram-Account von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte die Organisation die Fotos der Schokoriegel-Verpackung auf ihrem Instagram-Account. Allerdings ohne den deutschen Text. Im Beitrag zu den Bildern schreibt die Organisation unter anderem: „I found this #MarsBar wrapper from 1986 on a beach in #NorthCornwall this week…“ (Deutsch: Ich habe diese Mars-Verpackung von 1986 diese Woche an einem Strand in North Cornwall gefunden)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte Beach Guardian auf Instagram beide Fotos. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Verpackung wurde also an einem Strand in England gefunden. Die Organisation Beach Guardian konkretisiert in den Kommentaren die Umstände des Fundes: „We find old packaging on this beach all the time. This beach has some of the biggest sand dunes in Cornwall. When they break down, the packets come out!“ (Deutsch: „Wir finden an diesem Strand immer wieder alte Verpackungen. Dieser Strand hat einige der größten Sanddünen Cornwalls. Wenn sie zusammenbrechen, kommen die Verpackungen heraus!“) 

Auf Nachfrage eines Nutzers konkretisiert Beach Guardian die Umstände des Fundes. (Screenshot: CORRECTIV)

Keine Belege dafür, dass die Verpackung im Meer war

Anders als in der deutschen Behauptung wird jedoch nicht erwähnt, dass die Verpackung kürzlich aus dem Meer an den Strand gespült worden sei. Wir haben die Text-Bild-Collage Dr. Ulrike Braun von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten. In einer Mail an CORRECTIV schreibt Braun: „Eine Bewertung des Materials anhand eines Bildes ist natürlich aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich, insbesondere auch nicht deshalb, weil ich nicht weiß, welches Material eine Mars Verpackung ist. Persönlich halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass die Verpackung über 20-30 Jahre einer Beanspruchung in der Umwelt, inklusive UV, Wasser und Wärme, ausgesetzt war.

Die vollständige Antwort von Dr. Ulrike Braun. (Screenshot: CORRECTIV)

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe e.V. schreibt in einer Einschätzung für CORRECTIV: „Angenommen, die Verpackung und das Ablaufdatum sind echt, dann muss es zunächst für etwa 30 Jahre in einer sehr konservierenden Umgebung gelagert gewesen sein und erst kurz vor dem Foto an den Strand gelangt sein.“

Die vollständige Antwort von Philipp Sommer. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch ein Facebook-Nutzer stellt in den Kommentaren unter dem Instagram-Beitrag von Beach Guardian die Echtheit des Bildes infrage: „… all I am seeing here is a wrapper from 1986 & no proof of where it came from either…“ (Deutsch: „… alles, was ich sehe, ist eine Verpackung von 1986 und keinen Beweis dafür, woher sie kommt…“)

Ein Nutzer stellt die Echtheit des Fotos infrage. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Organisation verweist in ihrer Antwort auf ein Video, das den Fund zeigen soll. Auf dem Video (ab Minute 5:35) ist zu sehen, wie die Verpackung aus einem Gebüsch am Strand herausgeholt wird. Auch soll die Verpackung jahrelang unter dem Sand gelegen haben; sie sei erst durch die Erosion der Dünen zum Vorschein gekommen.

Anders als in der deutschen Text-Bild-Collage behaupten die Urheber der Fotos also nicht, dass die Verpackung kürzlich an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde die Verpackung im Sand am Strand gefunden.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Beach Guardian bestätigt fund im Sand

In einer Mail an CORRECTIV bestätigt Beach Guardian, dass die Verpackung nicht im Meer, sondern im Sand gefunden wurde und vermutet: „This Mars bar wrapper must have been dropped by someone having a picnic on a beach in 1985 or 1986. It would have blown into the sand dunes and was covered by sand where it could have stayed preserved probably in definitely…“ (Deutsch: „Diese Mars-Verpackung muss von jemandem fallen gelassen worden sein, der 1985 oder 1986 ein Picknick an dem Strand machte. Es könnte vom Wind in die Sanddünen geblasen worden sein und war mit Sand bedeckt, wo er wahrscheinlich in diesem Zustand erhalten blieb.“)

Die vollständige Stellungnahme von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Kein Grund zur Entwarnung vor Plastik im Meer 

Trotzdem gibt der Fundort der Verpackung keine Entwarnung für die Gefahr von Plastik im Meer. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Zersetzung von Plastikmüll im Meer Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. 

Unsere Bewertung:
Keine Belege: Die Urheber des Fotos haben nie behauptet, dass die Verpackung an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde sie im Sand einer Düne gefunden.

Bewertung: falsch

Zwölf Jahre altes Video von Spiegel TV streut Zweifel am menschengemachten Klimawandel

Unbenannt
weiterlesen 5 Minuten
Unbenannt
Das Video von Spiegel TV ist auf verschiedenen Plattformen zu finden, wie hier zum Beispiel auf Youtube. (Screenshot: CORRECTIV)

von Nina Breher

Ein Beitrag von Spiegel TV aus dem Jahr 2007, in dem der menschliche Beitrag zum Klimawandel angezweifelt wird, wird immer wieder in den sozialen Medien geteilt. CORRECTIV erläutert den Kontext des Clips und überprüft zentrale Behauptungen.

Ein Video von Spiegel TV, das 2007 ausgestrahlt wurde, wird seit 2017 wiederholt in sozialen Netzwerken geteilt. Eine im Juni 2017 auf Facebook veröffentlichte Version wurde bisher rund 810.000 Mal angesehen. Im Beitragstext steht: „Dieses über zehn Jahre alte Video entlarvt die Klimalüge der Regierungen.“

Die auf Facebook geteilte Version des Videos wurde bisher fast 28.000 Mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Internetseite Epoch Times berichtet außerdem über eine weitere Version des Videos, die von Youtube wegen Urheberrechtsverletzungen entfernt worden sei. Ein Nutzer reichte den Clip am 27. Juni 2019 in der CORRECTIV.Faktencheck-Facebookgruppe zur Überprüfung ein.

Der Beitrag von Spiegel TV sammelt Aussagen von Wissenschaftlern, die der Meinung sind, die globale Erwärmung sei kein Grund zur Sorge. Einige der Interviewten bezweifeln, dass CO2-Emissionen einen nennenswerten Effekt auf die Erderwärmung haben, einige konstatieren, die Klimaveränderung werde nur zu einem geringen Teil von Menschen verursacht.

Der laut Spiegel TV „aus heutiger Sicht sicherlich umstrittene“ Film wurde 2007 ausgestrahlt

Spiegel-TV-Produzentin Maria Gresz bestätigt CORRECTIV auf Anfrage, dass der Beitrag „am 29.4.2007 in unserer SPIEGEL-TV-Magazin-Sendung auf RTL“ ausgestrahlt worden sei. Sie schreibt, der Text des Kommentators des „aus heutiger Sicht sicherlich umstrittenen“ Films sei „im Gegensatz zu den befragten ‘Experten’ (…) eher neutral gehalten“. 

Anlass der Sendung sei laut Gresz wohl „die Klima-Dokumentation des Ex-US-Vizepräsidenten Al Gore und der anstehende dritte Bericht des IPCC zum globalen Temperaturanstieg“ gewesen.

Auszug aus der E-Mail der Spiegel-TV-Produzentin Maria Gresz an CORRECTIV, in der sie auch auf Spiegel-TV-Sendungen verweist, die sich mit den Folgen des menschengemachten Klimawandels auseinandersetzen. (Screenshot: CORRECTIV)

CORRECTIV hat zwei zentrale Behauptungen überprüft, zu denen sich Wissenschaftler in dem Video äußern.

Behauptung 1: Der Klimawandel werde nicht oder nur zu einem geringen Teil vom Menschen verursacht

In dem Video äußern die Wissenschaftler John Christy und Siegfried Frederick Singer Zweifel daran, dass Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Der Einfluss der von Menschen verursachten CO2-Emissionen auf das Klima gilt in der Wissenschaft heute aber als unbestritten. 

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eine von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Institution, fasst den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammen. So sollen wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen geschaffen werden. Das IPCC stellt in seinem „Climate Change 2014 Synthesis Report“ fest: „Es ist extrem wahrscheinlich, dass mehr als die Hälfte des beobachteten Anstiegs der globalen durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 1951 bis 2010 auf den anthropogenen Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen und anderer anthropogener Kräfte zusammen zurückzuführen ist.“ (PDF, S. 5)

„Dass der heute beobachtete Klimawandel maßgeblich vom Menschen verursacht ist, hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit langem mit hoher Gewissheit festgestellt“, so ein Mitarbeiter der Pressestelle des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einer E-Mail an CORRECTIV. In dem aktuellsten Bericht des IPCC von 2014, auf den das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hinweist, heißt es: „Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist unbestritten“ (PDF, S. 2).

Der IPCC identifiziert den Menschen mit höchster Wahrscheinlichkeit als Hauptursache des Temperaturanstiegs seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch eine Peer-Review-Studie untersuchte 2013 11.944 Abstracts wissenschaftlicher Studien, die sich mit „Klimawandel“ oder „globaler Erwärmung“ beschäftigen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass „97 Prozent der Studien zu dem Ergebnis kamen, dass Menschen die globale Erwärmung verursachen“. 2016 überprüfte und bestätigte eine weitere Studie diese Ergebnisse.

Behauptung 2: CO2 sei nicht die Ursache des aktuellen Klimawandels

Der Umweltforscher Siegfried Fred Singer, Professor an der University of Virginia (seit 1994 im Ruhestand), behauptet im Beitrag von Spiegel TV zudem, der Anstieg von CO2 sei nicht die Ursache globaler Erwärmung, sondern ein Effekt: „Am Ende von Eiszeiten erwärmt sich das Klima plötzlich. Das CO2 steigt ebenfalls an, aber später. Daraus folgt, dass die Erwärmung nicht durch CO2 verursacht wurde, denn die Ursache kommt immer vor der Wirkung.“

Tatsächlich haben einem Artikel in der Fachzeitschrift Science zufolge Eisbohrungen gezeigt, dass der CO2-Anstieg verzögert erfolgte, und zwar des Artikels „800 plusminus 200 Jahre“ nach der Erwärmung der Antarktis. Jedoch gibt es keine Belege dafür, dass CO2 nicht auch die Ursache von Klimaveränderungen sein kann. Eine Studie von Wissenschaftlern des Joint Research Centers der Europäischen Kommission, die 2016 in der Fachzeitzeitschrift Nature erschien, kam „eindeutig“ zu dem Ergebnis, dass „eine Einwegkausalität zwischen Treibhausgasen und globaler Erwärmung vorliegt. Insbesondere kann bestätigt werden, dass Treibhausgase – insbesondere CO2 – die Hauptursachen der aktuellen Erwärmung sind.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video von Spiegel TV ist echt, zentrale Aussagen der Wissenschaftler wurden aber durch zahlreiche Studien widerlegt.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Elektroauto wird nicht mit einem Dieselaggregat geladen

Bildschirmfoto 2019-07-02 um 18.16.18
weiterlesen 3 Minuten
Bildschirmfoto 2019-07-02 um 18.16.18
Das Aggregat auf diesem Foto wird laut dem Automobilclub ÖAMTC nicht mit Diesel betrieben. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Foto, auf dem ein vermutlich liegengebliebenes Elektroauto geladen wird. Unter dem Bild wird behauptet, es handele sich bei dem Ladegerät um ein Dieselaggregat. Diese Behauptung ist falsch.

Die Facebook-Seite „Vergeben und Vergessen ? Ich bin weder Jesus noch habe ich Alzheimer“ veröffentlichte am 29. Juni ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie ein Elektroauto mit einem Aggregat geladen wird. Auf schwarzem Hintergrund und in weißer Schrift steht unter dem Foto: „Umweltschutz vom Feinsten Dieselaggregat lädt liegengebliebenes e-Auto genau mein Humor“. Für die Behauptung nennt die Facebook-Seite weder eine Quelle noch einen Beleg. Das Foto wurde bisher mehr als 2700 Mal geteilt. Wir haben überprüft, ob es sich bei dem abgebildeten Gerät, wie behauptet, um ein Dieselaggregat handelt.

Mehr als 2700 Mal wurde das Foto bisher geteilt. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Kein Dieselaggregat 

Bei näherer Betrachtung ist auf dem Autoanhänger, auf dem das Aggregat platziert ist, ein Name zu erkennen: „ÖAMTC Kompetenz“. Der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring-Club (ÖAMTC) ist ein Automobilclub, der ähnlich arbeitet wie der ADAC in Deutschland. Ebenso ist auf dem Hilfsfahrzeug die Rufnummer „120“ zu lesen. Auf der Webseite des ÖAMTC wird diese Rufnummer als Nothilfe-Nummer geführt. 

Wir haben die Pressestelle des ÖAMTC mit der Behauptung konfrontiert. In einer E-Mail erklärt der Leiter des mobilen Dienstes, Gerhard Samek: „Bei dem abgebildeten Gerät handelt es sich um kein Dieselaggregat.“ Auf der Internetseite wurde das Gerät in einem Artikel von 2018 als „eine Art Powerbank“ für E-Autos vorgestellt. Auf Nachfrage teilt der ÖAMTC mit, die Batterie bestehe aus Lithium-Eisen-Phosphat.

Ein Artikel auf der Webseite des ÖAMTC. (Screenshot: CORRECTIV)

Ursprung des Bildes

Der ÖAMTC veröffentlichte bereits am 8. Juni dasselbe Foto wie im Facebook-Beitrag ohne Text auf seinem Instagram-Account. In der Beschreibung weist das Unternehmen unter anderem darauf hin, dass es sich bei dem Gerät um eine „Mobile Powerbank“ für Elektroautos handele.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Der ÖAMTC veröffentlichte das Originalfoto bereits am 8. Juni auf Instagram. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Bei dem Aggregat handelt es sich nicht um ein Dieselaggregat, sondern um eine mobile Ladestation für Elektroautos. Diese „mobile Powerbank“ besteht laut dem Betreiber aus einer Batterie aus Lithium-Eisen-Phosphat.

Bewertung: falsch

Nein, die Stadtwerke Mühlhausen laden ihre Elektroautos nicht mit einem Dieselgenerator auf

Bildschirmfoto 2019-06-28 um 12.23.44
weiterlesen 6 Minuten
Bildschirmfoto 2019-06-28 um 12.23.44
In einem Video wird den Stadtwerken Mühlhausen unterstellt, sie würden ihre Elektroautos mit Strom aus einem Dieselgenerator aufladen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Video auf Facebook zeigt Elektroautos der Stadtwerke in Mühlhausen in Thüringen, die neben einem Dieselstromaggregat stehen. Die Behauptung, die Fahrzeuge würden damit aufgeladen, ist aber falsch.

Ein Video auf Facebook soll zeigen, dass die Elektroautos der Stadtwerke Mühlhausen angeblich mit Strom aus einem Dieselaggregat aufgeladen werden. Die Seite „Kein KFZ Dieselverbot in Deutschland“ hat es am 22. Juni hochgeladen, seitdem wurde es mehr als 5.000 Mal geteilt und mehr als 205.000 Mal aufgerufen. 

Das Video auf der Facebookseite „Kein KFZ Dieselverbot in Deutschland“. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Video ist ein großer, orangefarbener Wagen mit der Aufschrift „Power Generator“ und „Stadtwerke Mühlhausen“ zu sehen. Daneben parken mehrere Elektroautos, auf denen „Mühlstrom Mobil“ steht. Vorne in einem der Autos steckt ein Ladekabel. Weitere Kabel liegen auf dem Boden und führen um den Dieselgenerator herum. Die Stimme eines Mannes sagt dazu: „Also, das ist genau nach meinem Humor: Hier ist ein Elektrofahrzeug von den Stadtwerken und hier haben wir ein Dieselaggregat, damit werden die geladen. Das muss man sich mal reinziehen. (…) Naja gut, hat man eine saubere Stadt und lädt eben dreckig. Geile Nummer.“

Das Video ist schon älter; bereits im Mai hatten die Faktenchecker von Mimikama dazu einen Bericht veröffentlicht, der zu dem Schluss kam, dass die Elektroautos nicht mit dem Dieselaggregat aufgeladen werden.

Notstrom-Aggregat ist nicht für Elektrofahrzeuge

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt ein Sprecher der Stadtwerke Mühlhausen, Michael Hünermund, per E-Mail mit, die Elektroautos würden nicht mit Strom aus dem Dieselgenerator geladen. „Ganz ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass keine Verbindung zwischen dem Notstromaggregat und den E-Ladesäulen auf unserem Betriebsgelände besteht, d.h., unser Notstromaggregat versorgt selbstverständlich nicht unsere Elektroautos.“ Vielmehr sei der Generator dafür da, im Falle einer „Havarie“ das Gebäude der Stadtwerke mit Strom zu versorgen. „Diese Sicherheitsanforderungen müssen wir als zertifiziertes Stadtwerk erfüllen, um bei Störungen kommunizieren zu können.“ 

Auszug aus der Antwort-Mail der Stadtwerke Mühlhausen. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Stadtwerke hatten im Mai auch eine Pressemitteilung zu dem Fall mit dem Titel „Notstrom-Aggregat und E-Mobilität stiften Verwirrung“ veröffentlicht. Darin heißt es ebenfalls, der Generator werde nicht für Elektroladesäulen genutzt. Die Stadtwerke schickten CORRECTIV auf Anfrage zudem ein Foto, das die Ladesäulen für die Elektroautos zeigt.

Das Foto zeigt, wie das Elektroauto neben dem Generator an einer Ladesäule aufgeladen wird. (Foto: Stadtwerke Mühlhausen)

Die Rückseite der Ladesäule ist auf dem Facebook-Video auch zu sehen, inklusive des in Schlingen darüber gelegten Kabels. Der Mann mit der Kamera muss also direkt davor gestanden haben. 

Die Ladesäule ist im Video auf Facebook deutlich zu sehen. (Screenshot und roter Pfeil: CORRECTIV)

Gestützt wird die Aussage der Stadtwerke zusätzlich von einer Karte der Bundesnetzagentur, auf der alle Ladestationen in Deutschland verzeichnet sind. Sie zeigt zwei Ladepunkte für die Stadtwerke Mühlhausen an der Adresse, die auch auf der Webseite der Firma steht. 

Eine Karte der Bundesnetzagentur zeigt eine Elektro-Ladestation für die Stadtwerke Mühlhausen. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Die Elektroautos der Stadtwerke Mühlhausen werden nicht mit Strom aus einem Dieselgenerator aufgeladen. 

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, 30 neue Berliner Elektrobusse kosten jeweils 600.000 Euro und werden mit Diesel geheizt – doch die Klimaanlage ist elektrisch

BVG Pressetermin Vorstellung neue Elektrobusse mit Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit), Andreas Scheuer (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur), Ramona Pop (Senatorin für Wirtschaft, Energie
weiterlesen 3 Minuten
BVG Pressetermin Vorstellung neue Elektrobusse mit Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit), Andreas Scheuer (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur), Ramona Pop (Senatorin für Wirtschaft, Energie
Die neuen Elektrobusse: links das Modell von Mercedes, rechts das von Solaris. Jede der Firmen liefert 15 Busse. (Foto: BVG/Andreas Süß)

von Nina Breher

Ein auf Facebook geteiltes Bild kritisiert die neuen Elektrobusse der Berliner Verkehrsbetriebe. Sie seien deutlich teurer als Dieselbusse, aber ihre Heizungen und Klimaanlagen würden weiterhin mit Diesel betrieben. Diese Informationen sind richtig – bis auf eine Ausnahme.

Der Beitrag eines Facebook-Nutzers vom 7. Juni 2019 wurde bisher über 5.000 Mal geteilt. In einem Bild wird behauptet, die Stadt Berlin habe sich „30 neue Elektrobusse für 600.000 Euro pro Stück“ gekauft. „Herkömmliche Dieselbusse kosten mit 200.000 Euro pro Stück weit weniger.“ Außerdem würden „Heizungen und Klimaanlagen in den neuen Elektrobussen (…) mit Diesel betrieben.“ CORRECTIV hat diese Aussagen überprüft.

Der auf Facebook geteilte Beitrag. Laut BVG-Sprecher handelt es sich bei den abgebildeten Bussen „zwar auch um E-Busse, allerdings um die aus dem alten Pilotprojekt ‚E-Bus Berlin‘, das 2015 begann.“ (Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich hat Berlin am 27. März 2019 neue Elektrobusse vorgestellt, wie aus einer Pressemitteilung der BVG hervorgeht. 30 Fahrzeuge sollten noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Mehrere Medien berichteten darüber, darunter die Berliner Zeitung und rbb24.

Durchschnittlich 600.000 Euro Anschaffungskosten pro Bus

Der in dem Facebook-Beitrag genannte Preis von durchschnittlich 600.000 Euro pro Bus stimmt. „Das Investitionsvolumen für die ersten Serien-E-Busse beläuft sich auf rund 18 Millionen Euro“, so die BVG in der Pressemitteilung. Daraus ergibt sich ein Durchschnittspreis von 600.000 Euro pro Bus.

Auszug aus einer E-Mail eines BVG-Pressesprechers. Hinter den Bulletpoints befinden sich die Rechercheergebnisse von CORRECTIV, darunter jeweils die Antwort des Pressesprechers. (Screenshot: CORRECTIV)

Dieselbusse mit etwa 250.000 Euro pro Stück deutlich günstiger

Dass die herkömmlichen Dieselbusse in der Anschaffung günstiger waren, geht aus einer Schriftlichen Anfrage des SPD-Wahlkreisabgeordneten Tino Schopf an das Abgeordnetenhaus Berlin hervor: „Für Dieselbusse betragen die Anschaffungskosten nach Auskunft der BVG etwa 250.0000 Euro für Eindeckomnibusse und etwa 350.000 Euro pro Fahrzeug für Gelenkomnibusse.“ Das teilte Jens-Holger Kirchner von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am 22. Januar 2018 mit.

Die Angabe auf dem Bild, ein Dieselbus koste „200.000 pro Stück“, ist also etwas niedrig gegriffen. Dass der Preis deutlich niedriger war als für die Elektrobusse, ist korrekt.

Heizungen bei Kälte mit Diesel betrieben, Klimaanlagen elektrisch

Ein BVG-Pressesprecher teilt auf CORRECTIV-Anfrage per Mail mit: „Die Heizungen dieser 30 Busse werden mit Diesel betrieben, eine elektrische Heizung ist nicht verbaut. Allerdings wird erst ab einstelligen Temperaturbereichen (ca. fünf bis acht Grad Außentemperatur) mit Diesel zugeheizt. Bis dahin erfolgt die Beheizung des Busses über einen Bremswiderstand.“ Das gelte jedoch nur für die 30 Busse, die derzeit ausgeliefert werden. Weitere Busse, die ab 2020 geliefert werden, „werden keine Diesel-, sondern eine Elektroheizung haben. Diese Fahrzeuge sind dann zu 100 Prozent lokal emissionsfrei.“

Die Klimaanlagen der 30 Busse hingegen werden elektrisch betrieben, so der Pressesprecher.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die ersten 30 Elektrobusse der BVG sind mit durchschnittlich 600.000 Euro pro Stück teurer als vergleichbare Dieselbusse, und bei niedrigen Temperaturen heizen die aktuellen E-Busse mit Diesel. Die Klimaanlagen sind jedoch elektrisch.

Bewertung: größtenteils falsch

Manipulation? Falsche Behauptung über rote Wetterkarte der „Tagesschau“

Bildschirmfoto 2019-06-05 um 15.34.12
weiterlesen 3 Minuten
Bildschirmfoto 2019-06-05 um 15.34.12
Auch in der Wettervorhersage der Tagesschau vom 19. August 2009 sind die hohen Temperaturen dunkelrot eingefärbt (Screenshot und Markierung des Jahres: CORRECTIV)

von Tania Röttger

Eine Collage vergleicht zwei unterschiedliche Ansichten und unterstellt Manipulation

Eine Collage aus zwei Bildern der ARD-Wettervorhersage verbreitet sich gerade auf Facebook, unter anderem teilte der Account „Gegenwind Deutschland“ sie am 5. Juni. „Fühlen Sie sich manipuliert?“, steht darauf. Das eine Bild soll von 2019 stammen, das andere von 2009. Sie sollen zeigen, dass die ARD versucht, durch Farben die Klimasituation zu dramatisieren.

Mehrer Facebook-Seiten teilten die Grafik, unter anderem „Gegenwind Deutschland“. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Die Bilder sind echt, allerdings sind sie nicht vergleichbar. Sie zeigen unterschiedliche Ansichten: einmal den nächsten Tag, einmal die Vorschau für die drei Folgetage.

Zudem nutzte die ARD auch in der Tagesschau von 2009 ähnlich dunkle rote Farben, um die einzelne Tagesansicht zu illustrieren – wie im Titelbild von August 2009. Und auch heute zeigt die Tagesschau keine roten Stellen in der Ansicht für die kommenden drei Tage.

Tagesschau vom 4. Juni 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Rechercheweg

Das erste Bild stammt wohl aus einem aktuellen Wettervideo der ARD. Für den 5. Juni 2019 sind dort ähnliche Temperaturen und Einfärbungen zu sehen. Allerdings ist das Tagesschau-Logo an einer anderen Stelle. Das Wort „Heute“ taucht auf den Wettergrafiken in der Tagesschau nämlich nicht auf – dort steht nur Tag und Nacht oder die einzelnen Uhrzeiten.

Standbild vom aktuellen Wettervideo. (Screenshot: CORRECTIV)

Das zweite Bild laden wir bei der Bildersuch-Funktion in der russischen Suchmaschine Yandex hoch. So stoßen wir auf einen Forumsbeitrag vom 18. August 2009, der das Bild enthält. In der Tagesschau von dem Tag ist es tatsächlich auch zu sehen.

Forumsbeitrag auf „kiezkicker.de“ (Screenshot: CORRECTIV)
(Screenshot: CORRECTIV)

Wer sich in der Sendung aber auch die vorigen Wetterkarten anschaut, sieht, dass auch dort die rote Farbe zum Einsatz kommt.

(Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch: Die Bilder sind nicht vergleichbar.