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Faktencheck

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Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: falsch

Nein, diese Bilder zeigen nicht die aktuellen Brände im Amazonasgebiet

Bildschirmfoto 2019-08-27 um 16.38.23
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Ein Facebook-Beitrag der Seite „Schule des Lebens“ vom 24. August 2019, der bisher mehr als 30.000 Mal geteilt wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Zehntausende Nutzer teilen im Netz angeblich aktuelle Bilder der Waldbrände im Amazonasgebiet. Viele Bilder sind entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben vier Bilder geprüft.

Am 24. August veröffentlichte die Facebook-Seite „Schule des Lebens“ eine Bildcollage, die angeblich vier Szenen der aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen soll. Der Beitrag wurde bisher mehr als 30.000 Mal geteilt. Drei der Bilder zeigen brennende Wälder, ein Bild ein verkohltes Tier. Dazu schrieben die Autoren der Seite unter anderem: „In Brasilien brennt der Wald und zwar nicht irgendein Wald, sondern der wichtigste Wald unserer Erde.“  

Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigen die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? 

Erstes Bild zeigt Brasilien im Jahr 1989

Der Bildausschnitt aus dem Facebook-Beitrag vom 24. August 2019. Tatsächlich stammt das BIld aus dem Jahr 1989 in Brasilien. (Screenshot: CORRECTIV)

Das erste Bild der Bildcollage zeigt eine Brandschneise, die quer durch ein Waldgebiet verläuft. Eine Rückwärtssuche mit der Bilder-Suchmaschine Tineye führt zu einer Fotogalerie des Guardian aus dem Jahr 2007. Darin ist dasselbe Bild zu sehen, das nun als Ausschnitt auf Facebook als vermeintlich aktuelle Aufnahme verbreitet wird. Als Bildunterschrift steht in der Galerie des Guardian: „Juni 1989, Brasilien: Der Wald brennt […]“ Als Fotograf ist „Sipa Press/Rex Features“ angegeben. Das Bild ist demnach nicht aktuell. Auf der Webseite des angegeben Archivs „Rex Features“ ist das Bild ebenfalls zu finden. Auch dort ist als Jahr der Aufnahme 1989 angegeben. 

Das Bild in einer 2007 veröffentlichten Bildergalerie von „The Guardian“. Das Foto stammt aus dem Jahr 1989 und wurde in Brasilien aufgenommen. (Screenshot: CORRECTIV)

Zweites Bild stammt mindestens aus dem Jahr 2014

Auf dem zweiten Bild der Facebook-Collage ist ein Brand in einem Wald zu sehen. 

Der Bildausschnitt aus dem Facebook-Beitrag vom 24. August 2019. Tatsächlich stammt das Bild mindestens aus dem Jahr 2014. (Screenshot: CORRECTIV)

In Deutschland nutzten Medien und zum Beispiel die Gemeinde Wandlitz in Brandenburg das Bild in der Vergangenheit, um vor Bränden durch Trockenheit zu warnen. Am 20. April 2018 veröffentlichte das Radio Bayernwelle auf seiner Internetseite das Bild zusammen mit einer Warnung vor möglichen Waldbränden in Oberbayern. Als Quelle gab die Redaktion das kostenlose Bilderarchiv Pixabay an. 

Auf Pixabay wird als Veröffentlichungsdatum des Bildes der 2. September 2014 angegeben. Das Foto wurde also offenbar mindestens im September 2014 aufgenommen. Wo das Bild aufgenommen wurde, ist nicht angegeben. Die aktuellen Brände im Amazonasgebiet kann es aber nicht zeigen. 

Das Bild im kostenlosen Bildarchiv Pixabay (Screenshot: CORRECTIV)

Drittes Bild zeigt Brasilien im Jahr 2017 

Das dritte Bild der Facebook-Collage zeigt ähnlich wie das erste Bild eine Brandschneise, die quer durch ein Waldgebiet verläuft.

Der Bildausschnitt aus dem Facebook-Beitrag vom 24. August 2019. Tatsächlich stammt das Bild aus dem Jahr 2017 in Brasilien. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Google führt zu einem Artikel der Bild vom 23. August 2019. Darin wird das Bild, genau wie im Facebook-Beitrag von „Schule des Lebens“, mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht. Als Quelle ist die Nachrichtenagentur Reuters angegeben, allerdings keine Zeitangabe, wann das Foto aufgenommen wurde. Auch die Zeit nutzte das Bild am 20. Mai 2019 ohne Zeitangabe für einen Artikel. Dort steht der Name des Fotografen: Bruno Kelly und ebenfalls Reuters

Der Artikel der „Bild“ vom 23. August 2019 ohne Zeitangabe unter dem Foto (Screenshot: CORRECTIV)

Wir ergänzen die Google-Rückwärtssuche um das Wort „Reuters“.  Ein Treffer zeigt das Bild im Adobe Stock Archiv. Auch dort sind als Quelle Reuters und der Fotograf Bruno Kelly angegeben. Die Bildbeschreibung lautet: „Zu sehen ist ein brennender Wald während der ‘Operation Green Wave’, die von Agenten des Brasilianischen Instituts für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen, kurz Ibama, durchgeführt wurde, um den illegalen Holzeinschlag in Apui in der südlichen Region des Bundesstaates Amazonas, Brasilien, zu bekämpfen, 4. August 2017“.

Auch ein Reuters-Artikel mit dem Bild taucht in der Bilder-Rückwärtssuche auf, er wurde von dem Fotografen Bruno Kelly selbst geschrieben. Unter dem Text ist ein ausführliches Essay zum Foto verlinkt. Das Bild entstand demnach im Jahr 2017 in Brasilien. 

Viertes Bild stammt mindestens von 2016 

Auf dem vierten Bild ist ein verkohltes, totes Tier zu sehen. Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Bericht der brasilianischen Webseite Para-Web-News vom 21. August 2019 über ältere Bilder von Tieren, die nun fälschlicherweise in Verbindung mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet gebracht würden. Unter den Beispielen ist auch das Bild aus der Facebook-Collage. 

Der Bildausschnitt aus dem Facebook-Beitrag vom 24. August 2019. Tatsächlich stammt das Bild mindestens aus dem Jahr 2016 (Screenshot: CORRECTIV)

Para-Web-News schreibt, zwar habe die Redaktion den genauen Ursprung des Bildes nicht rekonstruieren können, aber es kursiere mindestens seit 2016 im Netz. Als Beleg führt die Seite einen Link der Webseite Journal Terceira Opinao an. Tatsächlich hat diese Seite das Bild bereits im Oktober 2016 veröffentlicht und berichtete, das Tier sei ein Jaguar, der auf einem Zuckerrohrfeld in der Nähe der Gemeinde Centenário do Sul verbrannt sei. 

Ob das Foto tatsächlich diesen Vorfall zeigt, lässt sich nicht überprüfen. Die aktuellen Brände im Amazonasgebiet zeigt das Bild aber nicht. 

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Aktuell kursieren neben diesen vier Beispielen zahlreiche weitere Bilder im Netz, die fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht werden. Darunter auch das Bild eines schreienden Affen, der ein lebloses Junges im Arm hält. Das Bild entstand 2017 in Indien und nicht in Brasilien, wie wir in einem Faktencheck recherchiert haben.

Unsere Bewertung:
Falsch. Keines der vier Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet im August 2019.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, in Berlin werden Elektro-Roller zum Aufladen auch durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt

e-scooter titelbild
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e-scooter titelbild
Seit Juni 2019 werden Elektro-Roller in deutschen Städten bereitgestellt. (Symbolfoto: Unsplash / Marek Rucinski)

von Philip Steeg

In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig. 

In einem Facebook-Beitrag vom 23. August heißt es: „Berlin 1600 E-Scooter werden jeden Abend zum Aufladen mit 48 Kleinbustouren eingesammelt. Das ist ‘grüne’ Umweltpolitik’“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 19.000 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag wurde mittlerweile fast 20.000 Mal geteilt (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Eine Recherche von CORRECTIV zeigt: Dass Elektro-Roller durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt werden, ist richtig. Für die angegebenen Zahlen gibt es allerdings keine Belege.

Wie werden die Elektroroller eingesammelt? 

In Berlin gibt es laut Hauptstadtportal momentan fünf verschiedene Anbieter der ausleihbaren Elektro-Scooter: Bird und Lime (zwei US-amerikanische Firmen), Voi (ein schwedisches Start-Up) Circ (ein Unternehmen aus Luxemburg) und Tier (ein Start-Up aus Berlin selbst). 

Um zu erfahren, wie diese fünf Firmen ihre Elektro-Roller aufladen und transportieren, hat CORRECTIV per Mail Anfragen an die jeweilige Pressestelle der Unternehmen gesendet.

  • Der Pressesprecher von Circ schreibt auf CORRECTIV-Anfrage, das Unternehmen nutze „18-20 Mercedes Sprinter Transporter (2019 Modelle).“ 
  • Bei Voi wird der Transport von externen Partnerfirmen übernommen, wie der Pressesprecher des Konzerns mitteilt. Dabei seien „bezogen auf Berlin immer im Schnitt ca. 2-4 Vans unterwegs. Diese nutzen größtenteils Verbrennermotoren“. 
  • Die Kommunikationsagentur von Bird teilt ohne Angabe der Fahrzeug-Anzahl mit, dass „derzeit […] die Roller mit handelsüblichen Transportern [eingesammelt werden]“. 
  • Das Berliner Start-Up Tier verwendet „pro Nacht zwischen 26 und 30 Vans. Dies sind überwiegend Dieseltransporter.“ 
  • Der Pressesprecher der Firma Lime gibt an, dass das Stammteam einen Elektro-Transporter nutze. Zusätzlich werden zum Laden der Elektro-Scooter ebenso externe Selbstständige beschäftigt. Diese „können für den Transport der E-Scooter ein Fahrzeug ihrer Wahl nutzen […]“. Wie viele Selbstständige das Team der Festangestellten ergänzen, sei von Tag zu Tag unterschiedlich. 

Dass es Dieselfahrzeuge sind, wird nicht von allen Firmen explizit bestätigt. Allerdings werden von allen E-Scooter-Sharing-Diensten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genutzt. 

Wie viele Dieselfahrzeuge jeden Abend verwendet werden, ist nicht eindeutig zu beziffern. Auch deshalb, weil die Nutzung der Sharing-Angebote von Tag zu Tag variiert. 

Auch die Gesamtzahl der in Berlin von allen fünf Anbietern zur Verfügung gestellten Elektro-Scooter ist nicht genau zu ermitteln. Der Pressesprecher von Lime möchte die Anzahl der Roller aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Alle anderen Anbieter machten hierzu gegenüber CORRECTIV Angaben. Insgesamt stehen demnach in Berlin mindestens 7.200 Scooter zur Verfügung. 

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Die Grünen stecken nicht hinter der Zulassung der E-Roller

Die E-Scooter dürfen seit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 15. Juni 2019 und der allgemeinen Betriebserlaubnis für die einzelnen Elektro-Roller-Typen im Straßenverkehr genutzt werden. Durch diese beiden Rahmenbedingungen wurde es den Sharing-Diensten von Elektro-Rollern ermöglicht, auch in deutschen Städten ihre Produkte anzubieten. 

Sowohl für die Verordnung als auch für die Betriebserlaubnis ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zuständig. Dieses Ministerium wird vom CSU-Politiker Andreas Scheuer geleitet. Der Minister hatte sich laut Medienberichten vehement für die schnelle Zulassung der Scooter eingesetzt – als Alternative zum Auto oder Motorroller, um die Verkehrswende voranzubringen, wie es von Seiten des Ministeriums heißt. 

Wie viele Menschen in Berlin aufgrund der angebotenen Elektroroller auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten, ist unklar. Eine Mobilitätsstudie der französischen Agentur 6T für Paris zeigt allerdings, dass zumindest in der französischen Hauptstadt die erhofften Effekte ausgeblieben sind. Demnach sind die Sharing-Angebote hauptsächlich für Touristen attraktiv. 

Auch die Grünen haben die Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen generell befürwortet. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, setzte sich zum Beispiel in einem Gastbeitrag für Spiegel Online für die Roller ein.

Subventionen von staatlichen Stellen beziehe aber keiner der Anbieter, berichten alle Pressesprecher der Sharing-Dienste übereinstimmend. Die Pressesprecherin des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt auf schriftliche Anfrage von CORRECTIV ebenfalls an, dass die Verleiher nicht durch Mittel des Bundes gefördert werden.

Auch der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schreibt in einer Mail, dass die Betreiber der Elektro-Scooter „nicht öffentlich gefördert werden“. Außerdem unterliegen die Sharing-Dienste nach seinen Angaben keiner weiteren Genehmigungspflicht. „Die Verleiher können im Rahmen des Gemeingebrauchs öffentliche Straßen nutzen“. Weiter stellt der Sprecher klar: „Es handelt sich um ein Angebot des freien Marktes.“ 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Dass E-Scooter in Berlin auch durch Dieselfahrzeuge eingesammelt werden, ist richtig. Wie viele genau dafür täglich im Einsatz sind, ist nicht belegbar. Mit einer 'grünen Umweltpolitik' allein lässt sich die Einführung der Roller nicht erklären. 

Bewertung: richtig

Wie diese Satellitenbilder der Waldbrände in Südamerika entstanden sind

Titelbild ZDF
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Titelbild ZDF
Ein vom ZDF gezeigtes Satellitenbild (Screenshot: CORRECTIV)

von Philip Steeg

Zur Veranschaulichung der aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet werden Satellitenbilder der NASA herangezogen. Deren Echtheit wird in den Sozialen Netzwerken teilweise infrage gestellt – sie sind aber korrekt. Wir erklären, warum.

Momentan kursieren viele Meldungen über Waldbrände im Amazonasgebiet. So berichtet unter anderem das ZDF über das Thema und nutzt in einem Beitrag auf Facebook ein Satellitenbild, das die Brände zeigen soll. Auch andere Facebook-Nutzer verbreiten Beiträge zu den Waldbränden, in denen Satellitenbilder zu sehen sind. 

Weiterer Facebook-Beitrag zu den Waldbränden in Lateinamerika (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Satellitenbilder werden jedoch meist nicht weiter erklärt und daher oft von Facebook-Nutzern falsch interpretiert oder als unglaubwürdig bezeichnet. So fragt ein Facebook-Nutzer: „Und wir sollen nun glauben, dass die orangen Flecken die Feuerglut ist?“ [sic] Ein anderer erklärt die Technik falsch: „Ist eine Wärmebildkamera und zeigt rot alles, was warm ist… klar auch Brände, aber eben nicht nur. Vollkommen irreführend das Bild (…).“ [sic]

Kommentar eines Facebook-Nutzers (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Fehlinterpretation eines weiteren Facebook-Nutzers (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Woher stammen die Satellitenbilder? 

Die Bilder zeigen tatsächlich die aktuellen Waldbrände in Südamerika. Sie sind Screenshots aus dem Online-Tool des „Fire Information for Resource Management System“, kurz FIRMS, der NASA. Dabei sind jedoch keine Fotos im herkömmlichen Sinne zu sehen, sondern eine Kombination verschiedener Satellitenbilder und Daten, die zur Visualisierung von Bränden erhoben wurden. 

Was ist auf den Satellitenbildern zu sehen? 

Die Grundlage für das Bild ist ein Zusammenschnitt verschiedener Satellitenbilder, die nicht alle zum gleichen Zeitpunkt aufgenommen wurden. Diese Bildgrundlage trägt den Namen „Blue Marble“ und wurde im Verlauf des Jahres 2004 von der NASA zusammengestellt. Dass im FIRMS-Tool der NASA als Bildgrundlage „Blue Marble“ verwendet wird, kann man unter dem Reiter „Base Layers“ am unteren Rand der interaktiven Karte sehen. 

Das Zusammenfügen einzelner Bilder zu einem großen Bild ist zum einen notwendig, da die Sensoren der Satelliten schlicht nicht groß genug sind, um einen gesamten Kontinent, geschweige denn die ganze Erde auf einmal abbilden zu können. Wie die NASA an dieser Stelle erklärt, hat der zur Erzeugung von „Blue Marble“ verwendete Sensor „eine Sichtfeldbreite von 2.330 km und nimmt alle ein bis zwei Tage die gesamte Erdoberfläche auf“. 

Zum anderen wurden, wie die NASA hier erläutert, zur besseren Übersicht, nur Ausschnitte verwendet, auf denen über den entsprechenden Gebieten keine Wolken vorhanden sind. Dies ist natürlich nicht über jedem Ort des Kontinents zum gleichen Zeitpunkt der Fall. 

Wenn man im FIRMS-Tool der NASA die Reiter auf der rechten Seite aktiviert (VIIRS 375m/Modis Aqua/Modis Terra) wird eine weitere Bildebene gezeigt, die die Brände visualisiert: 

An diesen Stellen können die verschiedenen Bildebenen ausgewählt werden (Screenshot und rote Markierungen: CORRECTIV)

Welche Technik im speziellen zur Erkennung von Bränden durch die NASA genutzt wird und welche Satelliten diese Technik an Bord haben, wird auf dieser Seite erläutert. Wie sie Feuer erkennt, erklärt die NASA an dieser Stelle:

Erklärung der NASA zur Feuererkennung (Screenshot und gelbe Markierung: CORRECTIV)

Die roten Flächen, die auf den Bildern zu sehen sind, zeigen jedoch nicht, wie einige Facebook-Nutzer irrtümlicherweise annehmen, die Brände im Original, so wie sie das menschliche Auge aus der Perspektive des Satelliten wahrnehmen würde. Das liegt daran, dass Feuer am besten durch Infrarot-Sensoren erkennbar sind. 

Der Wellenlängenbereich von Infrarotwellen, die von den Sensoren der Satelliten aufgenommen werden, sind für das menschliche Auge allerdings nicht sichtbar. Daher müssen die Daten der Satelliten grafisch aufbereitet werden, um die Brände sichtbar zu machen

So erkennen die NASA-Satelliten Brände (Grafik: NASA, Screenshot: CORRECTIV)

In dem Online-Tool der NASA kann die Farbe der Darstellung beliebig gewählt werden. So kann man beispielsweise die Feuer pink erscheinen lassen. 

Das Online-Tool der NASA lässt verschiedene Farbdarstellungen zu (Screenshot: CORRECTIV)

Um die Satellitenbilder nachvollziehen zu können, muss man außerdem die Auflösung der verwendeten Sensoren beachten. Für das FIRMS-Tool werden Daten von Sensoren verwendet, deren Pixel „circa 1.000 Meter lang und breit, (im präzisesten Fall) circa 375 Meter lang und breit sind“ (eigene Übersetzung). 

Nimmt der Sensor innerhalb dieses Pixels eine entsprechend hohe Infrarotstrahlung auf, wird dieser durch die Analyseprogramme der NASA eingefärbt. Das heißt aber nicht, dass die gesamte aufgenommene Fläche in Flammen steht, sondern dass es innerhalb dieses Pixels einen nennenswerten Brand gibt. Die NASA schreibt in ihrer Erklärung: „Wir können nicht die genaue Größe des Feuers bestimmen, wissen aber, dass sich in dem markierten Pixel mindestens ein Feuer befindet“ (eigene Übersetzung). 

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So kommt es, dass beispielsweise auch in oder um urbane Gebiete Feuer dargestellt werden. Die Größe der Feuer, die von der NASA erkannt werden können, variiert mit den Beobachtungsbedingungen. Feuer von einer Größe ab 1.000 Quadratmeter werde allerdings in der Regel erkannt, wie die NASA hier erklärt. 

Will man den gesamten lateinamerikanischen Kontinent abbilden, sind mehr aufgenommen Pixel vorhanden, als ein Computerbildschirm darstellen kann. So erscheint eine wesentlich größere Fläche betroffen, als es tatsächlich der Fall ist. Zoomt man näher heran, wird dies deutlich. 

Brände in und um die Brasilianische Stadt São Paulo (Screenshot: CORRECTIV)

Ein weiteres von der NASA veröffentlichtes Satellitenbild zeigt einen kleinen Ausschnitt des südamerikanischen Kontinents. In diesem Bild sind Wolken zu sehen und auch nebelartige Schwaden, die laut NASA den Rauch darstellen, der durch die Feuer im Amazonas und den angrenzenden Gebieten entstehen. Auffällig an dem Satellitenbild ist ein sich von oben nach unten leicht schräg durch das Bild ziehender Strich. Wolken wirken darin teilweise abgeschnitten. Dies liegt daran, dass Satellitenbilder, wie bereits erwähnt, meist Zusammenschnitte verschiedener Aufnahmen, also verschiedener, zeitnaher Überflüge des Satelliten sind. 

Ein weiteres von der NASA veröffentlichtes Satellitenbild (Bild: NASA Worldview, Screenshot: CORRECTIV)

Warum unterscheiden sich die Satellitenbilder? 

 Wie intensiv die Brände dargestellt werden, hängt davon ab, welche Zeitspanne man sich vom NASA-Tool anzeigen lässt. 

Der Screenshot, den das ZDF verwendet, zeigt wesentlich weniger Brände als der im zweiten genannten Facebook-Beitrag verwendete Screenshot. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass eine geringere Zeitspanne ausgewählt wurde. Der Facebook-Beitrag des ZDF wurde am Nachmittag des 23. August erstellt. Gibt man in der Suchmaske des Online-Tools der NASA an, nur die Feuer sehen zu wollen, die am 22. August existierten, sieht man ein sehr vergleichbares Muster zu dem Screenshot des ZDF. Daher ist davon auszugehen, dass bei diesem nur ein Zeitraum von 24 Stunden abgebildet wurde. 

Darstellung der Brände am 22. August (Screenshot: CORRECTIV)

Der direkte Vergleich: 

Der direkte Vergleich zwischen der Darstellung des ZDF (l.) und der Darstellung der Brände am 22. August im Online-Tool der NASA (r.) (Screenshots: CORRECTIV)

Im Screenshot des zweiten genannten Facebook-Beitrags sind wesentlich mehr Brände zu sehen, als in dem des ZDFs. Wie unter dem Beitrag erklärt wird, wurde hier eine Zeitspanne von 72 Stunden, also drei Tagen ausgewählt. Dementsprechend werden alle Brände, die in diesen 72 Stunden existierten, dargestellt. Da von „den letzten 72 Stunden“ die Rede ist und der Facebook-Beitrag am Abend des 22. August verfasst wurde, ist davon auszugehen, dass bei der Darstellung im Online-Tool der NASA der Zeitraum 20. bis 22. August gewählt wurde. Vergleicht man den Screenshot aus dem Beitrag mit der Visualisierung des Online-Tools im entsprechenden Zeitraum, werden Feuer in gleicher Intensität und an den gleichen Orten angezeigt. 

Darstellung der Brände vom 20. bis zum 22. August (Screenshot: CORRECTIV)

Der direkte Vergleich: 

Der direkte Vergleich zwischen der Darstellung im zweiten Facebook-Beitrag (links) und der Darstellung der Brände vom 20. bis zum 22. August im Online-Tool der NASA (rechts) (Screenshots: CORRECTIV)

Gibt es momentan im Amazonasgebiet mehr Waldbrände als sonst?

Zu dieser Frage schreibt die NASA (eigene Übersetzung aus dem Englischen): „Wissenschaftler, die die NASA-Satelliten zur Verfolgung der Brand-Aktivitäten einsetzen, haben eine Zunahme und Intensität der Brände im brasilianischen Amazonasgebiet im Jahr 2019 bestätigt. Demnach ist es das Feuer-reichste Jahr in dieser Region seit 2010.“ 

Außerdem heißt es zu den Brandursachen (eigene Übersetzung): „Der August 2019 zeichnet sich durch einen spürbaren Anstieg der großen, intensiven und anhaltenden Brände entlang der Hauptstraßen des zentralbrasilianischen Amazonas aus (…). (…) Zeitpunkte und Orte der Branderkennungen zu Beginn der Trockenzeit 2019 stimmen eher mit dem Muster von Rodungen als mit dem regionaler Dürre überein.“ 

Unsere Bewertung:
Richtig. Die genutzten Satellitenbilder zeigen beide die aktuellen Waldbrände in Südamerika. Es handelt sich um eine Kombination verschiedener, tatsächlicher Aufnahmen und visualisierter Daten. Die Intensität der Waldbrände ist laut NASA ungewöhnlich hoch. 

Bewertung: größtenteils richtig

Verursacht eine Katze so viel CO2 wie ein Ägypter? Keine pauschalen Aussagen zur Umweltbelastung durch Haustiere möglich

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Verursacht eine Katze so viel CO2 wie ein Ägypter? Diese und andere Behauptungen über Haustiere werden in einem Artikel von „Neues Deutschland“ verbreitet. (Symbolfoto: Ben Kerckx / Pixabay)

von Alice Echtermann

In einem Artikel von „Neues Deutschland“ werden Zahlen zur Umweltbelastung durch Haustiere genannt. Einige stimmen, andere sind veraltet und wenig belastbar. 

In einem Meinungsbeitrag in Neues Deutschland vom 17. Juli 2019 fordert die Autorin Katharina Schwirkus: „Lasst uns die Köter abschaffen“. Damit löste sie im Netz empörte Reaktionen aus. Der Artikel wurde laut dem Analyse-Tool Crowdtangle mehr als 8.600 Mal auf Facebook geteilt. 

Schwirkus vertritt die Ansicht, die Haustiere hätten in Städten nichts zu suchen. Den Haltern sollte das Leben daher möglichst schwer gemacht werden. Hunde und Katzen seien zudem schlecht für das Klima, erklärt sie, und stellt als Beleg zwei Behauptungen mit Zahlen zur CO2-Bilanz der Tiere auf. CORRECTIV hat diese Angaben überprüft. 

Der Artikel auf der Webseite von „Neues Deutschland“. (Screenshot am 29. Juli: CORRECTIV)

Vergleich: Haltung von Hunden und Katzen mit Autofahren

Die erste Behauptung lautet: „Die Ökobilanz eines Hundes entspricht einer jährlichen Autofahrleistung von 3.700 Kilometern, die einer Katze 1.400 jährlichen Fahrkilometern. Ein durchschnittliches Fahrzeug in Deutschland legt pro Jahr 13.000 Kilometer zurück.“

Als Quelle wird ein Artikel der Süddeutschen Zeitung von Januar 2019 genannt. Die Zahlen stammen aus dem Bericht eines Unternehmens namens ESU-Services, das die Ökobilanzen von Haustieren in der Schweiz berechnet hat. Es kam für Hunde und Katzen tatsächlich etwa zu dem zitierten Ergebnis, wie aus dem ausführlichen Bericht hervorgeht (Seite 22). Die Studie wurde Ende 2018 veröffentlicht und erschien 2019 noch einmal in einer überarbeiteten Version.

Die von Neues Deutschland genannten Kilometerangaben beziehen sich auf die Umweltbelastung, gemessen in Umweltbelastungspunkten (UBP). Dies ist die Maßeinheit nach der sogenannten Methode der ökologischen Knappheit. Sie gewichtet laut ESU-Services „in einer Ökobilanz verschiedene Umweltwirkungen – Schadstoffemissionen und Ressourcenverbrauch – mittels so genannter Ökofaktoren“. Der Ökofaktor eines Stoffes sei umso höher, je mehr die aktuellen Emissionen das politisch gesetzte Umweltschutz-Ziel überschreiten.

Umgerechnet in „CO2-Äquivalente“ sind die Werte niedriger; da entspricht laut ESU-Services die Haltung eines Hundes einer Autofahrdistanz von 2.828 Kilometern, die einer Katze 1.164 Kilometern.  

Vergleich der Umweltbelastung durch Haustiere mit der durch Autofahren und Flugzeugfliegen durch die Firma ESU-Services. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Chef von ESU-Services, Niels Jungbluth, der auch einer der Autoren der Studie ist, weist in einer Mail an CORRECTIV darauf hin, der Begriff „Ökobilanz“ sei zwar „sprachlich falsch“, da dies keine Maßeinheit sei. Aber: „Umweltbelastungen werden mit den Umweltbelastungspunkten UBP gemessen. Die Fakten sind also nicht falsch dargestellt.“ 

Vergleich: CO2-Ausstoß einer Katze mit dem eines Ägypters

Die zweite Behauptung im Artikel von Neues Deutschland lautet: „Der ökologische Fußabdruck einer deutschen Katze ist im Durchschnitt genauso groß wie der eines Ägypters.“ Als Quelle für diese Aussage diente offenbar das Buch „Der Beschiss-Atlas“ von 2012. Bereits am 15. Juni 2011 erschien jedoch ein Artikel der Taz mit dieser Behauptung, der auch auf Wikipedia zum Thema „CO2-Bilanz“ als Quelle angegeben wird. Darin heißt es, eine Katze verursache pro Jahr 2,2 Tonnen CO2, ein Ägypter 2,3 Tonnen. 

Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zum Thema „CO2-Bilanz“. Als Quelle wird ein Artikel der Taz genannt. (Screenshot am 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Die Zahlen sind schon etliche Jahre alt. Unsere Recherchen ergeben, dass das deutsche Unternehmen Climate-Partner sie im Auftrag des Internetportals Utopia und des Axel-Springer-Verlags erstellt hat. Der Bericht von Utopia ist nicht mehr auffindbar, doch es gibt einen Artikel der Bild von 2009. Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher von Climate-Partner, Moritz Lehmkuhl, CORRECTIV am Telefon, das Unternehmen habe Auswertungen zum Thema Haustiere für die beiden Medien 2008 erstellt. 

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CO2-Ausstoß pro Kopf in Ägypten gestiegen

Wenn die Studie 2008 erschienen ist, könnten die Emissionswerte für Ägypten von 2007 stammen. Laut Global Carbon Atlas lag der Ausstoß von CO2 durch Konsum pro Kopf in Ägypten 2007 tatsächlich bei 2,3 Tonnen. 2008 waren es bereits 2,4 Tonnen, und auf diesem Niveau lagen die Emissionen auch 2016. Neuere Daten liegen im Global Carbon Atlas nicht vor. (Zum Vergleich: Für die Schweiz lag der Wert 2016 bei 14 Tonnen CO2 pro Kopf, für Deutschland bei 11 Tonnen.)

Ein Vergleich mit einer deutschen Hauskatze, wie er in dem Artikel von Neues Deutschland gezogen wird, wäre nur dann möglich, wenn die Pro-Kopf-Emissionen von Katzen in Deutschland zuverlässig berechnet würden. Zu den durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Katze gibt es aber keine Zahlen. 

Studien sind nicht allgemeingültig

Die Firmen Climate-Partner und ESU-Services haben keinen Durchschnitt berechnet, sondern typische Haltungs-Beispiele. ESU-Services schreibt: „Dabei gibt es nicht den einen durchschnittlichen Wert pro Haustier da jeweils nur einzelne realistische Szenarien untersucht wurden. Es zeigt sich, dass diese Belastungen von verschiedenen Einflussgrössen abhängen und diese somit von der Haltung beeinflusst werden können.“ 

Deshalb ist auch der oben erwähnte Vergleich des CO2-Ausstoßes eines Tieres mit dem einer Autofahrt nur eine Beispielrechnung ohne Allgemeingültigkeit. 

Auch Moritz Lehmkuhl von der Firma Climate-Partner sagte CORRECTIV am Telefon: Die 2,2 Tonnen CO2 pro Katze seien ein Wert, der auf konkreten Annahmen zur Haltung beruhte. Die Angaben zur Futtermenge und dergleichen habe das Unternehmen sich von Experten besorgt und keine eigenen Berechnungen dazu durchgeführt. Für Hunde – konkret einen Dackel – kam Climate-Partner auf 1,8 Tonnen CO2 jährlich.

ESU-Services kommt auf wesentlich niedrigere Emissionswerte als Climate-Partner

Aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen weichen diese Daten stark von den Zahlen von ESU-Services ab. Demnach verursacht eine Katze wesentlich weniger CO2 als ein Ägypter (ab Seite 27): Ihre Haltung entspreche pro Jahr 390 Kilogramm CO2-Äquivalenten – das sind rund 0,4 Tonnen.

Auszug aus dem Bericht von ESU-Services zur Ökobilanz von Haustieren. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut ESU-Services verursacht eine Katze auch weniger CO2 als ein Hund: Die Bilanz eines mittelgroßen Hundes liege bei 950 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr (Seite 25) – rund einer Tonne. 

Climate-Partner kommt also für einen Hund auf fast die doppelte Menge CO2 wie ESU-Services und bei einer Katze sogar auf mehr als das Fünffache. Wie ESU-Services im eigenen Bericht darlegt, ist eine mögliche Erklärung, dass Climate-Partner zum Beispiel für einen Dackel von einer viel höheren täglichen Futtermenge ausgegangen sei (Seite 39 bis 40).

An diesen Differenzen zeigt sich, dass es keinen allgemeingültigen Wert für CO2-Emissionen einer Katze gibt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die Zahlen stammen aus zwei Studien zur Umweltbelastung durch Haustiere. Die Berechnungen sind jedoch nicht allgemeingültig.

Bewertung: falsch

Amazonas-Brände: Nein, diese drei Fotos zeigen nicht die aktuellen Feuer in der Region

Bildschirmfoto 2019-08-28 um 17.29.57
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Bildschirmfoto 2019-08-28 um 17.29.57
Der Facebook-Beitrag vom 21. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken zahlreiche Bilder von brennenden Wäldern, die angeblich die aktuellen Feuer im Amazonasgebiet zeigen sollen. Die drei Fotos, die wir in diesem Faktencheck untersuchen, sind jedoch schon Jahre alt.

Am 21. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag mit drei Fotos, die brennende Wälder und Felder zeigen. Im Beitrag wird suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen. Zu den Fotos schrieb der Nutzer unter anderem: „Seit 16 Tagen brennt der Amazonas, die Lunge der Welt, die mehr als 600 Arten beherbergt und niemand tut etwas, weder die Medien noch die Regierungen.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 10.700 Mal geteilt. 

Der Facebook-Beitrag vom 21. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Aber zeigen die vom Nutzer veröffentlichten Fotos wirklich die aktuelle Situation in der Region? Wir haben sie geprüft. 

Das erste Bild entstand 2011 in Brasilien 

Die brasilianischen Faktenchecker von Agência Lupa veröffentlichten bereits am 20. August einen Faktencheck zu dem Bild, auf dem ein Tier vor Flammen im Hintergrund flieht. Sie recherchierten, dass der Fotograf Silva Júnior das Foto am 17. August 2011 in der brasilianischen Gemeinde Sertãozinho aufnahm. Die Bildunterschrift des Fotos im Archiv der Nachrichtenagentur Folhapress lautet: „Tiere fliehen vor der Verbrennung von Zuckerrohr.“ 

Das Bild wurde also im Jahr 2011 in Brasilien aufgenommen. 

Das Bild im Archiv der Nachrichtenagentur Folhapress (Screenshot: CORRECTIV)

Das zweite Bild entstand 2008 in Brasilien 

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Artikel der Umweltschutzorganisation Greenpeace. In einer Bildergalerie auf der Seite ist das Foto eingefügt. Als Fotograf gibt Greenpeace dort Daniel Beltra an. Orts- und Zeitangaben zum Foto fehlen jedoch. 

Bild auf der Webseite der Umweltschutzorganisation Greenpeace (Screenshot: CORRECTIV)

Eine um die Suchwörter „Daniel Beltra“ und „Greenpeace“ erweiterte Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu weiteren Treffern. Auf einer schwedischen Regionalseite veröffentlichte Greenpeace das Bild am 17. April 2009 zusammen mit einem Artikel über den Fotografen. 

Der Fotograf Daniel Beltra selbst veröffentlichte am 17. September 2018 das Bild auf seinem Instagram-Kanal mit einer detaillierten Erklärung zum Kontext. Er schrieb: „Auf diesem Luftbild aus geringer Höhe brennen Feuer und bereiten den Boden für Landwirtschaft in der Gemeinde Sao Felix Do Xingu im Bundesstaat Para, Brasilien im Jahr 2008 vor.“ 

Der Instagram-Beitrag vom 17. September 2018 (Screenshot: CORRECTIV)

Das Instagram-Profil von Daniel Beltra ist nicht durch einen blauen Haken verifiziert, scheint aber echt zu sein. Es enthält insgesamt 236 Beiträge mit Naturaufnahmen, der erste Beitrag stammt vom 18. April 2015. 

Die Taz berichtete am 22. August 2019, Greenpeace habe das elf Jahre alte Bild für aktuelle Beiträge zu den Amazonas-Feuern genutzt und nicht gekennzeichnet, dass es sich dabei um Archivaufnahmen handele. Am 23. August aktualisierte die Taz den Artikel mit dem Hinweis, Greenpeace habe mittlerweile reagiert und das Foto „der Bildkampagne aus dem Netz genommen und vor der erneuten Veröffentlichung mit dem Hinweis ‘Archivbild’ versehen“.

Update des „Taz“-Artikels vom 23. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Das dritte Bild entstand spätestens im Jahr 2003

Zu dem dritten Bild des Facebook-Beitrages haben wir bereits einen eigenen Faktencheck veröffentlicht. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führte uns in diesem Fall zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit demselben Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. 

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McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National-Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Keines der drei Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet im August 2019.

Bewertung: falsch

Waldbrände im Amazonasgebiet: Von diesen drei angeblichen aktuellen Fotos sind zwei mindestens 16 Jahre alt und eins aus Indien

Bildschirmfoto 2019-08-27 um 17.01.53
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Bildschirmfoto 2019-08-27 um 17.01.53
Facebook-Beitrag vom 23. August 2019. Keines der Bilder zeigt aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Tausende Nutzer teilen in Sozialen Netzwerken Bilder, die angeblich aktuelle Szenen der Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. In diesem Fall teilte ein Nutzer insgesamt drei Bilder in einer Collage. Keines zeigt die aktuelle Situation in Brasilien.

Am 23. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer eine Bildcollage aus drei Bildern, die dramatische Szene zeigen. Auf zwei Bildern sind riesige Rauchschwaden über Regenwäldern zu sehen. Auf einem dritten Bild ist ein schreiender Affe abgebildet, der ein offenbar lebloses Junges im Arm hält. Der Nutzer schrieb dazu: „Der Regenwald brennt nieder und nicht’s davon in den Medien. Ausser den von Politikern gemachten Unsinn“ [sic]. Der Beitrag wurde bisher mehr als 5.900 Mal geteilt. 

Der Nutzer suggeriert, das Bild zeige aktuelle Feuer in den Amazonaswäldern und Medien würden nicht über diese Feuer berichten. Wir haben beide Behauptungen geprüft.

Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigen die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation?

Erstes Bild entstand spätestens im Jahr 2003

Eine Rückwärtssuche des ersten Fotos mit der Bilder-Suchmaschine Tineye führt zu zwei Treffern in Fotoarchiven. Im Media Bakery Archiv ist in den Quellengaben zum Bild der Fotograf Loren McIntyre genannt. Auch auf der Website des Archivs Alamy wird er für das Foto als Fotograf genannt

Bild auf der Webseite des Archivs Media Bakery mit Quellenangabe (Screenshot: CORRECTIV)

Loren McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. 

Textpassage über Loren McIntyres Tod im Jahr 2003 in der „National Geographic“. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein.

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Bild des schreienden Affen stammt aus Indien 

Das zweite Bild haben wir bereits in einem anderen Faktencheck thematisiert. Der schreiende Affe wurde vom Fotografen Avinash Lodhi 2017 in Indien aufgenommen. 

In einem aktuellen Beitrag vom 22. August schreibt Lodhi bei Facebook, er sei geschockt, dass sein Bild mit den Feuern im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht wird: „Bitte verbreitet keine Falschmeldungen. Das Bild stammt aus Indien (Jabalpur), nicht vom Amazonas.“

Lodhi teilte zudem kürzlich den Link zu einem Faktencheck von India Today vom 23. August auf Facebook. Darin wird ebenfalls auf den Ursprung des Fotos verwiesen, das Lodhi 2017 in Jabalpur, Indien, schoss. 

Drittes Bild ist ebenfalls vom 2003 verstorbenen Fotografen

Auch zum dritten Bild des Facebook-Beitrages haben wir bereits einen ausführlichen Faktencheck verfasst. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führte zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit dem Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. Auch in diesem Fall muss das Bild aber spätestens im Jahr 2003 aufgenommen worden sein, bevor der Fotograf verstarb. 

Bild im Foto-Archiv Alamy mit Angabe des Fotografen (Screenshot: CORRECTIV)

Doch, Medien berichten über Feuer im Amazonasgebiet

Neben den Fotos behauptete der Facebook-Nutzer am 23. August, Medien würden nicht über die aktuellen Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten am 21. August, zwei Tage vor seiner Behauptung, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle

Unsere Bewertung:
Falsch. Zwei der drei Fotos wurde von einem Fotografen aufgenommen, der im Jahr 2003 verstarb. Sie können deshalb nicht die aktuellen Waldbrände in Brasilien zeigen. Das dritte Bild wurde 2017 in Indien aufgenommen. Deutsche Medien haben zudem bereits vor dem 23. August 2019 über die Brände berichtet.

Bewertung: falsch

Nein, das ist kein aktuelles Bild der Waldbrände im Amazonasgebiet

Bildschirmfoto 2019-08-27 um 14.40.20
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Bildschirmfoto 2019-08-27 um 14.40.20
Facebook-Beitrag vom 22. August 2019. Das Foto entstand spätestens im Jahr 2003. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Zehntausendfach teilen Menschen im Netz zurzeit Bilder, die angeblich die aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet zeigen sollen. Viele Bilder sind jedoch entweder schon Jahre alt oder an anderen Orten entstanden. Wir haben ein Bild geprüft, das auch der französische Präsident Macron bei Twitter teilte.

Am 22. August veröffentlichte ein Facebook-Nutzer ein Bild, das dichte Rauchschwaden über einem Regenwald zeigt. Dazu schrieb er: „Übrigens die Amzonaswälder, die Lungen dieser Welt, brennen seit 3 Wochen. Aber das interessiert die Medien nicht, denn es ist ja weitaus wichtiger, jeden Tag über eine Göre zu berichten, die übers Meer nach Amerika segelt…“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 21.000 Mal geteilt. 

Der Nutzer suggeriert, das Bild zeige ein aktuelles Feuer in den Amazonaswäldern und Medien würden nicht über diese Feuer berichten. Wir haben beide Behauptungen geprüft. 

Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa Intensität und Anzahl der Waldfeuer in Brasilien aktuell so hoch sind wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. Aber zeigt das Bild aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? 

Bilder-Rückwärtssuche führt zu älterem Original

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Yandex führt mit dem zweiten Treffer zu der Fotoarchiv-Seite Alamy mit demselben Bild. Auf der Seite ist auch ein Fotograf angegeben: Loren McIntyre. Als Beschreibung steht unter dem Bild nur: „Amazonas Regenwald brennt“. Eine genaue Orts- und Zeitangabe fehlt. 

McIntyre war nach Angaben von National Geographic als Fotograf und Autor für die Zeitschrift tätig. In einem im November 2016 veröffentlichten National Geographic-Artikel steht, er sei im Jahr 2003 gestorben. 

Textpassage über Loren McIntyres Tod im Jahr 2003 in der „National Geographic“. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild muss demnach spätestens im Jahr 2003 entstanden sein. 

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Französischer Präsident teilte das Bild ebenfalls 

Die französischen Faktenchecker von 20minutes recherchierten den Hintergrund des Fotos bereits am 23. August. Am selben Tag wie der Facebook-Nutzer, um dessen Beitrag es in diesem Faktencheck geht, hatte nämlich auch der französische Präsident Emmanuel Macron das Bild auf Twitter im vermeintlichen Kontext der aktuellen Brände geteilt. Die Tweets auf Englisch und Französisch sind noch immer verfügbar; die englische Version wurde bisher mehr als 58.000 Mal retweetet und mehr als 160.000 Mal mit „Gefällt mir“ angeklickt. 

Tweet des französischen Präsidenten Emmanuel Macron vom 22. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Doch, Medien berichten über Feuer im Amazonasgebiet

Neben dem Jahre alten Foto behauptete der Facebook-Nutzer am 22. August, Medien würden nicht über die aktuellen Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten am 21. August, einen Tag vor seiner Behauptung, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter tagesschau.de, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle.  

Aktuell kursieren neben diesem Beispiel zahlreiche weitere Bilder im Netz, die fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht werden. Darunter das Bild eines schreienden Affen, der ein lebloses Junges im Arm hält. Das Bild entstand 2017 in Indien und nicht in Brasilien, wie wir in einem Faktencheck recherchiert haben. Außerdem werden aktuell Bilder aus Brasilien verbreitet, die jedoch in vergangenen Jahren aufgenommen wurden, wie wir in diesem Faktencheck nachgewiesen haben. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto wurde von einem Fotografen aufgenommen, der im Jahr 2003 verstarb. Es kann deshalb nicht die aktuellen Waldbrände in Brasilien zeigen. Deutsche Medien haben zudem bereits vor dem 22. August 2019 über die Brände berichtet.

Bewertung: falsch

Dieses Bild stammt nicht aus dem Amazonasgebiet, sondern aus Indien und wurde nachbearbeitet

Regenwald Collage
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Regenwald Collage
Dieses nachbearbeitete Foto aus Indien wird aktuell zehntausendfach auf Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Im Netz sind Bilder im Umlauf, die Nutzer fälschlicherweise mit den aktuellen Bränden im Amazonas-Gebiet in Verbindung bringen. Das eines schreienden Affen wird zehntausendfach auf Facebook geteilt, obwohl es 2017 in Indien entstand.

„Das Bild vom brennenden Regenwald muss um die Welt gehen, und nicht der Segeltörn von Greta! Aber die Menschen wachen einfach nicht alle auf!“, steht in einem Facebook-Beitrag über dem Bild eines Affen, der umringt von Flammen ein Junges in den Armen hält. Er wurde bisher mehr als 56.000 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag mit dem schreienden Affen. (Screenshot: CORRECTIV)

Ebenfalls am 24. August lud ein anderer Nutzer dasselbe Bild auf Facebook hoch, dieser Beitrag wurde bisher mehr als 36.000 Mal geteilt. Das Bild – ohne Flammen – ist auch auf Instagram und Twitter im Umlauf. 

Das Foto stammt aus Indien, der Fotograf schoss es 2017

Der Facebook-Beitrag bezieht sich offenbar auf die Brände in den Regenwäldern des Amazonasgebiets. Laut Satellitenbild-Auswertungen der NASA sind Intensität und Anzahl der Feuer angestiegen, 2019 seien Waldfeuer in Brasilien am aktivsten seit 2010.

Das Bild, das aktuell mit der Behauptung viral geht, es sei dort entstanden, stammt allerdings nicht aus dieser Gegend. Eine Bilder-Rückwärtssuche über die Suchmaschine Yandex zeigt, dass es schon seit 2017 im Netz kursiert – ohne die Flammen, die offenbar nachträglich in das Foto montiert wurden. In einer Bildvorschau ist zu lesen: „Foto de Avinash Lodhi“. 

Avinash Lodhi ist laut seiner Facebookseite Fotograf. Er lud das Foto der Affen am 14. Mai 2017 dort hoch. In den Kommentaren unter seinem Foto antwortet er auf die Frage, ob er der Fotograf sei: „Ja, das bin ich (…).“ 

Das Original-Foto auf Facebook. (Screenshot: CORRECTIV)

In einem aktuelleren Beitrag vom 22. August schreibt Lodhi, er sei geschockt, dass sein Bild mit den Feuern im Amazonasgebiet in Verbindung gebracht wird: „Bitte verbreitet keine Falschmeldungen. Das Bild stammt aus Indien (Jabalpur), nicht vom Amazonas.“

Lodhi teilte zudem kürzlich den Link zu einem Faktencheck von India Today vom 23. August auf Facebook. Darin wird ebenfalls auf den Ursprung des Fotos verwiesen, das Lodhi 2017 in Jabalpur, Indien, schoss. 

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In einem Interview mit der indischen Website Ichowk sagte Lodhi am 10. Mai 2017 (mit Google übersetzt): „Dieses Bild liegt mir sehr am Herzen, das ich im April in Jabalpur aufgenommen habe.[…]  Ich habe noch nie solche Szenen und Gesichtsausdrücke an einem wilden Tier gesehen. Das Kind dieses Affen wurde plötzlich bewusstlos. Dann gab es Ausdrücke auf dem Gesicht seiner Mutter, er war schockiert. Es ist sehr plötzlich passiert, ich habe das Foto gemacht.[…]“

Unsere Bewertung:
Falsch. Dieses Foto stammt nicht aus dem Amazonas-Gebiet, sondern entstand 2017 in Indien.

Bewertung: falsch

Nein, für Greta Thunbergs Atlantiküberquerung sind keine Militärflugzeuge im Einsatz

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Greta Thunberg in Großbritannien, kurz vor dem Aufbruch mit der „Malizia II“. (Foto: Kirsty Wigglesworth / POOL / AFP)

von Alice Echtermann

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, die Atlantik-Überquerung von Greta Thunberg mit einem Segelboot würde von „mehr als einem Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen“ überwacht. Das stimmt nicht.

Ein Facebook-Nutzer hat am 14. August ein Bild mit Text hochgeladen, das bisher mehr als 1.700 Mal geteilt wurde. Darauf steht: „Wusstest Du das [sic] bei der Atlantiküberquerung der Greta Thunberg auf einem Segelboot auch ein Filmteam (aus medialen Gründen) an Bord der Jacht ist und die Fahrt der Jacht von mehr als ein Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen mit weit mehr als 100 Einsatzflügen über dem Nordatlantik aus Sicherheitsgründen überwacht wird…“

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot am 22. August und Schwärzungen: CORRECTIV)

Die Faktenchecker der Deutschen Presse-Agentur und von Mimikama haben die Behauptung bereits als falsch eingestuft. 

CORRECTIV hat überprüft, ob sich ein Filmteam an Bord befindet und ob die Jacht von militärische Überwachungsflugzeugen überwacht wird, die dafür Einsätze fliegen. Die weiteren Behauptungen auf dem Bild, dies sei die „mit Abstand teuerste Atlantiküberquerung der Neuzeit“ mit dem höchsten CO2-Verbrauch „seit dem 2. Weltkrieg“ lassen sich nicht überprüfen. 

Nur ein Filmemacher an Bord, kein Team

Greta Thunberg segelt mit der Jacht „Malizia II“ über den Atlantik. Es handelt sich um eine Sportjacht, mit dem das „Team Malizia“ normalerweise in Regatten antritt. Sie verfügt zwar über einen Motor, der werde jedoch während der Überfahrt nach Angaben des Teams nicht genutzt. 

Neben Greta Thunberg seien ihr Vater Svante Thunberg, der schwedische Filmemacher Nathan Grossman, „Team-Malizia“-Gründer Pierre Casiraghi aus Monaco und der deutsche Segler Boris Herrmann an Bord. Herrmann und Casiraghi segeln gemeinsam bei Regatten von „Team Malizia“. 

Von einem ganzen Filmteam ist also nicht die Rede – es handelt sich um eine Person, Nathan Grossman. Auf einem Foto von Bord des Segelschiffs, das Boris Herrmann selbst machte und das im Südkurier veröffentlicht wurde, ist die vollständige Crew auch zu sehen – ebenso wie in einem Tweet von Greta Thunberg selbst am 19. August.

Die Crew an Bord der „Malizia II“ auf einem Foto, das Greta Thunberg auf Twitter veröffentlichte. Filmemacher Nathan Grossman ist der zweite von rechts. (Screenshot am 22. August: CORRECTIV)

Keine Überwachung durch Flugzeuge

Wären Militärflieger für Thunberg im Einsatz, müssten Behörden davon Kenntnis haben – das Militär ist schließlich eine staatliche Institution. Das Schiff „Malizia II“ segelt unter deutscher Flagge. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Markus Herholt, sagte auf CORRECTIV-Anfrage am Telefon, er könne die Behauptung, es gebe militärische Überwachungsflüge über dem Atlantik, nicht bestätigen. 

Ein Nato-Sprecher schrieb CORRECTIV per Email: „Keine Einsatzkräfte unter Nato-Kommando verfolgen diese Reise.“

Und auch ein Sprecher des schwedischen Verteidigungsministeriums schrieb auf unsere Frage, ob Schwedens Militär Thunbergs Reise aus der Luft verfolge: „Die Antwort ist definitiv absolut nicht.“

Die Email des Pressesprechers des Schwedischen Verteidigungsministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Team-Malizia-Sprecher: Crew hat Unterstützung an Land

Auf eine Anfrage per Email antwortete zudem der Sprecher des Segelteams, Andreas Kling, es finde „überhaupt keine Überwachung mit Flugzeugen“ statt. Die Fahrt werde mit einem GPS-basierten Tracker überwacht, mit dem auch jeder auf der Webseite von „Boris Herrmann Racing“ – dem offiziellen Internetauftritt von „Team Malizia“ – die Reise des Schiffes nachverfolgen könne. Auch auf der Webseite Marine Traffic gibt es Informationen zur aktuellen Position. 

Außerdem gebe es eine Internetverbindung per Satellit mit dem Team an Land. Ebenfalls per Satellit stehe der Crew eine Wetterberatung und medizinische Beratung zur Verfügung, so Kling.

Die Email von Team-Malizia-Sprecher Andreas Kling an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Segelschiff sei ganz allein unterwegs und werde auch nicht von anderen Booten begleitet, heißt es auch auf der Webseite von „Team Malizia“ 

Unsere Bewertung:
Falsch. Greta Thunbergs Reise über den Atlantik wird nicht von Militärflugzeugen überwacht oder begleitet. 

Bewertung: falsch

Dieses Bild eines Kreuzfahrtschiffs in Venedig ist eine Fotomontage 

Bildschirmfoto 2019-08-19 um 16.06.03
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Bildschirmfoto 2019-08-19 um 16.06.03
Dieses Foto veröffentlichte die Seite „S.O.S Terra“ am 5. August auf Facebook und schrieb dazu: „Beeindruckend… in Venedig!!!!“. (Screenshot am 19. August und Schwärzungen: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Bild eines riesigen Kreuzfahrtschiffs in Venedig kursiert seit Jahren im Netz. Es handelt sich um das Filmplakat einer Dokumentation über Tourismus in der italienischen Stadt – und ist nicht echt. 

Ein gigantisches Kreuzfahrtschiff ragt im Hintergrund der malerischen Kulisse von Venedig auf: Dieses Bild wird seit Jahren im Netz geteilt. Zuletzt wurde es am 5. August von der italienischen Seite „S.O.S Terra“ auf Facebook hochgeladen und seitdem mehr als 40.300 Mal geteilt.

Viele Nutzer weisen in den Kommentaren darauf hin, dass sie das Bild für eine Fotomontage halten. Ein Nutzer lud eine Montage der Stadt Venedig mit einer gigantischen Katze im Hintergrund hoch und schrieb dazu: „Schaut mal was ich heute in Venedig gesehen habe.“ 

Ein Nutzer lud dieses bearbeitete Foto als Kommentar hoch und schrieb dazu: „Schaut mal, was ich heute in Venedig gesehen habe.“ Er deutete damit an, dass das Kreuzfahrtschiff-Bild eine Montage sei. (Screenshot am 12. August: CORRECTIV)

Bild wird als Beleg für Massentourismus verwendet

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass das Bild auf vielen verschiedenen Internetseiten verwendet wird. In einem Artikel von Utopia namens „7 Orte, die der Tourismus zerstört hat“ zum Beispiel wird auf einen Twitter-Kanal verlinkt, auf dem es 2014 hochgeladen wurde. 

Auch wenn große Kreuzfahrtschiffe im Vergleich zur Stadtkulisse Venedigs tatsächlich überdimensioniert aussehen, haben die Skeptiker in diesem Fall recht: Es handelt sich um eine Fotomontage. 

Es ist das Plakat eines Dokumentarfilms von 2012 namens „Das Venedig Prinzip“ über den Massentourismus und seine Folgen in Venedig. Auf der Webseite Moviepilot ist das Bild auch in Gänze zu sehen. Als Quelle wird die deutsche Filmverleih-Agentur Real Fiction angegeben, die die Dokumentation im Repertoire hat.  

Das offizielle Filmplakat, zu finden auf der Webseite der Produktionsfirma Filmtank. (Screenshot am 12. August: CORRECTIV)
Auf der Webseite „Moviepilot“ ist das Foto auch in der Version zu finden, in der es im Netz kursiert – in Verbindung mit der Dokumentation „Das Venedig Prinzip“. (Screenshot am 12. August: CORRECTIV)

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt der Geschäftsführer der Produktionsfirma Filmtank, Thomas Tielsch, per Email: „Das ist natürlich eine Fotomontage. Es ist ein Ausschnitt aus dem Kinoplakat zu unserem Dokumentarfilm ‘Das Venedig Prinzip’ von Andreas Pichler, und in seiner Gänze wird es auch gemeinhin nicht als ‘real’ empfunden, sondern eben als plakative Aussage. Im Übrigen entspricht diese zugespitzte Montage durchaus dem realen Empfinden, wenn man in Venedig steht und ein solches Monster vorbeikommt.“ 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild ist nicht echt, sondern eine Montage. 

Bewertung: größtenteils falsch

Doch, CO2-Emissionen haben Einfluss auf das Klima

Bildschirmfoto 2019-07-25 um 15.37.19
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Bildschirmfoto 2019-07-25 um 15.37.19
Das Video, in dem behauptet wird, CO2 habe kaum Einfluss auf die Erderwärmung, wurde am 17. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Der Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung sei fast nicht vorhanden und Deutschlands CO2-Emissionen könnten folglich vernachlässigt werden – das wird in einem Video behauptet, welches auf Facebook geteilt wird. Die Aussagen sind größtenteils falsch.

Auf Facebook wurde auf der Seite „Klimaschwindel” am 17. Juli 2019 ein Video mit dem Titel „Drei von 10 Millionen Gasmolekülen sind CO2 aus Deutschland” geteilt. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Beitrag fast 1.500 Mal geteilt. 

Die Hauptaussagen des Videos sind, dass der Anteil von CO2 an der gesamten Erdatmosphäre sehr gering ist und folglich CO2-Emissionen so gut wie keinen Einfluss auf das Erdklima hätten. Deutschland könne also das Klima mit seinen CO2-Emissionen nicht beeinflussen. Das Land habe keinerlei Verantwortung in puncto Klimaschutz. 

Als einzige Quelle für die Aussagen wird eine Seite des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) eingeblendet. EIKE ist entgegen seines Namens kein Institut, sondern ein Verein, der sich auf seiner Webseite immer wieder mit der Meinung positioniert, der menschenverursachte Klimawandel sei eine Lüge

Das Video wurde auf Facebook am 17. Juli 2019 veröffentlicht und innerhalb von zwei Woche fast 1.500 mal geteilt. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Im Video wird grafisch dargestellt, wie gering der Anteil der CO2-Emissionen von Deutschland an der Erdatmosphäre sei. So wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Die Dicke des Papiers entspreche den CO2-Emissionen Deutschlands; die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Erdatmosphäre, heißt es.

In einem Facebook-Video vom 17. Juli 2019  wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Dabei entspreche die Dicke des Papiers den CO2-Emissionen Deutschlands und die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Atmosphäre. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Welchen Anteil am Treibhauseffekt hat der Mensch? 

In dem Video wird die Zusammensetzung der Luft folgendermaßen aufgeschlüsselt: 78,08 Prozent der Luft bestehe aus Stickstoff, 20,95 Prozent aus Sauerstoff, 0,93 Prozent aus Argon, Dämpfen und Spurengase und 0,04 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Somit seien 4.000 von 10 Millionen Molekülen in der Luft CO2. Diese Angaben sind in etwa korrekt, wie in einem regelmäßig aktualisierten Datenblatt der NASA nachgelesen werden kann. 

Des Weiteren wird in dem Video angegeben, dass 120 von den 4.000 CO2-Molekülen menschengemacht seien, und davon kämen drei aus Deutschland. Es wären also drei von 10 Millionen Gasmolekülen in der Atmosphäre CO2 aus Deutschland. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass CO2 nur wenig zum Erdklima beitrage und Deutschland sich völlig „zurücklehnen” könne. 

Doch an dieser Stelle ist im Video ein entscheidender Denkfehler passiert. Laut Aussage per E-Mail an CORRECTIV von Norbert Frank, geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Stickstoff, Sauerstoff und Argon tragen gar nicht zum Treibhauseffekt der Erde bei und seien somit völlig irrelevant in der Betrachtung, wie viel Anteil der Mensch am Klimawandel hat. Nur Wasserdampf und Treibhausgase hätten einen Effekt auf die globale Erwärmung. Wasserdampf sei laut Sceptical Science in Hinsicht auf den anthropogenen also vom Menschen verursachten Treibhauseffekt nicht als ursprünglicher Faktor zu betrachten, sondern lediglich als Feedback-Faktor, das heißt als sogenannter Verstärker des Temperaturanstiegs durch CO2-Emissionen. 

Somit ist ein Vergleich der unterschiedlichen Gase Stickstoff, Sauerstoff, Argon und CO2 laut Norbert Frank nicht sinnvoll. 9.996.000 Moleküle der im Video zur Veranschaulichung genannten 10 Millionen Moleküle in der Luft fallen demnach aus der obigen Rechnung raus, weil sie nicht relevant für den Treibhauseffekt sind. 4000 Moleküle (0,04 Prozent CO2-Anteil an der gesamten Luft) sind also für 100 Prozent des Klima-Effektes verantwortlich.  

Kommen nur drei Prozent des CO2-Anteils in der Luft vom Menschen?

Eric Fee vom Umweltbundesamt bestätigte CORRECTIV bereits für einen anderen Faktencheck per E-Mail, dass 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs seien und somit Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Folglich sind drei Prozent der jährlichen CO2-Emissionen menschengemacht, werden also vom Menschen emittiert. Die Angabe bezieht sich jedoch nur auf den jährlichen CO2-Ausstoß. Da das vom Menschen emittierte CO2 laut Norbert Frank nur etwa zur Hälfte von der Biosphäre und den Ozeanen, also dem natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden kann, verbleibt der Rest in der Atmosphäre und addiert sich dort Jahr für Jahr. 

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilte CORRECTIV für einen anderen Faktencheck per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. 

Somit hat der Mensch laut Norbert Frank etwa 25 Prozent des CO2-Kreislaufs aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Rechnung im Video wären das etwa 1.000 von 4.000 Molekülen statt der im Video genannten 120 Moleküle ausmacht. 

Auf Youtube wird die Störung des CO2-Kreislaufs seit ca. 1850 in einem Video veranschaulicht. Es ist zu erkennen, dass sich im Jahr 2017 deutlich mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als im vorindustriellen Zeitraum und außerdem CO2 aus Industrie und fossilen Energieträgern hinzu kommt. 

Der CO2-Kreislauf im vorindustriellen Zeitalter mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 276 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)
Der CO2-Kreislauf im Jahr 2017 mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 406 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)

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CO2-Emissionen des Menschen haben großen Einfluss auf das Klima

Es ist also korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre gering ist. Im Juni 2019 teilte Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm.”

Die durch die anthropogenen CO2-Emissionen erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist dennoch die Hauptursache für den Klimawandel, wie auch im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab.

Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) hat Deutschland laut „Global Carbon Atlas“ einen Anteil von 2,21 Prozent am weltweiten jährlichen CO2-Ausstoß – und liegt auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Damit emittiert es pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Mittels, wie Werner Aeschbach, Professor am Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg, CORRECTIV per E-Mail mitteilte. Somit hat Deutschland maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung und Verantwortung in Sachen Klimaschutz.

Update (16. August 2019): Wir haben einen Fehler berichtigt. Im Text fehlte die Angabe, dass Deutschland „pro Kopf“ etwa das Doppelte des weltweiten Mittels CO2 ausstoße. Das haben wir ergänzt.

Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Dass der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre gering ist, ist korrekt. Die Schlussfolgerung, dass CO2-Emissionen des Menschen deswegen keinen Einfluss auf das Klima haben, stimmt nicht.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, Greta Thunberg ist laut ihrem Vater eine Nachfahrin von Svante Arrhenius

Bildschirmfoto 2019-07-29 um 16.21.26
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Svante Arrhenius, Nobelpreisträger der Chemie, sagte als einer der Ersten den Treibhauseffekt durch den Anstieg von CO2-Emissionen voraus. Das historische Foto ist im Wikipedia-Eintrag des Wissenschaftlers zu finden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Auf Facebook wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass der Nobelpreisträger Svante Arrhenius der Urgroßvater von Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei. Arrhenius war der Erste, der 1895 eine globale Erwärmung prognostizierte. Aussagen von Thunbergs Vater bestätigen die Behauptung.

Auf Facebook wurde am 26. Juli 2019 ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass „[…]der Urgroßvater von Greta Thunberg der Erfinder des Klimawandels“ sei. Zusammen mit dem Text wurden vier Bilder geteilt: Ein Foto von Greta Thunberg, eines  von dem Nobelpreisträger Svante Arrhenius, eine Grafik zur Zusammensetzung der Luft und ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. 

Der Beitrag wurde am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht und innerhalb von drei Tagen mehr als 250 Mal geteilt. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Svante Arrhenius sagte 1895 eine globale Erwärmung voraus

Dieses Foto von Svante Arrhenius wird auf Facebook verbreitet. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius, der von 1859 bis 1927 lebte, war laut NASA der Erste, der die Auswirkungen von steigenden CO2-Emissionen auf die Temperatur am Erdboden entdeckte. Er berechnete laut Umweltbundesamt, dass eine Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einem globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad Celsius führen würde. 1903 erhielt er den Nobelpreis in Chemie, allerdings nicht wegen der Entdeckung, dass es einen Zusammenhang zwischen CO2 und der Erderwärmung gibt, sondern für seine Theorien zur elektrolytischen Dissoziation – dem Zerfall von Anionen und Kationen in einem Lösungsmittel. 

In einem Interview des US-Politmagazins Democracy Now mit Greta Thunberg und ihrem Vater Svante Thunberg erzählte Svante Thunberg (ab Minute 35:19), Svante Arrhenius sei ein „entfernter Verwandter” gewesen, vermutlich „ein Cousin [s]einer Urgroßmutter”. Sein Vater habe ihn nach Svante Arrhenius benannt, doch der Name habe für ihn keine Bedeutung gehabt bis er anfing, sich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen.

Greta Thunberg ist also nach Aussage ihres Vaters eine Nachfahrin von Svante Arrhenius. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Wissenschaftler den Klimawandel „erfunden“ – also erlogen – hat. 

Grafik zur Zusammensetzung der Luft gibt Mengenverhältnisse korrekt wieder

Die Grafik zur Zusammensetzung der Luft wurde zusammen mit dem Beitragstext auf Facebook am 26. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Eines der anderen Bilder, die mit dem Foto von Arrhenius geteilt wurden, ist eine Grafik, in der der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre der Gesamtheit der Gasmoleküle in der Luft gegenübergestellt wird. Dabei sei der Anteil von CO2 0,038 %. 

Das Größenverhältnis ist in der Grafik korrekt dargestellt. Die Angaben sind allerdings etwas veraltet. Im Mai 2019 wurde durch das Earth System Research Laboratory ein CO2-Anteil von 414,66 pm in der Atmosphäre gemessen. Ppm steht für „parts per million”, also entspricht 1 ppm einem Anteil an der Atmosphäre von 0,0001 Prozent. 416,66 ppm sind also 0,041466 Prozent. Die CO2-Konzentration in der Luft ist seit Beginn der Industrialisierung stark gestiegen. 1855 betrug sie noch 288 ppm. Laut NASA überstieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre 2013 erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 440 ppm. 

Der Anteil des CO2 an der gesamten Atmosphäre ist gering. Dies heißt allerdings nicht, dass der Anstieg des CO2-Anteils keine Wirkung hat. CORRECTIV veröffentlichte hierzu bereits einen Faktencheck. In diesem wird deutlich, dass sich durch die CO2-Emissionen des Menschen die CO2-Konzentration in der Luft erhöht, da nur ein Teil der Emissionen durch die Natur aufgenommen werden kann. Diese Erhöhung der CO2-Konzentration gehe immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläuterte uns das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Titelseite der Bild vom August 1975 zeigte eine Wetterprognose

Der Bildausschnitt wurde zusammen mit dem Beitragstext am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Das vierte Bild ist ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. Es wurde wurde in den letzten Wochen viel in den Sozialen Medien geteilt, etwa auf Facebook. Der Titel wurde dabei oft so verstanden, dass 1975 eine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen wurde. Dies ist allerdings nicht korrekt – es handelte sich um eine Wetterprognose, wie aus dem Artikel hervorgeht. Sie bestätigte sich nicht. Tatsächlich lag die höchste Temperatur, die 1975 in Deutschland gemessen wurde, bei 32 Grad. CORRECTIV veröffentlichte auch hierzu bereits einen Faktencheck.

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Fazit

Die Behauptung, dass der Wissenschaftler Svante Arrhenius ein Vorfahre Greta Thunbergs ist, stimmt nach Aussage ihres Vaters. Insgesamt sollen die vier Bilder in Kombination jedoch in die Irre führen und den Eindruck erzeugen, der Klimawandel existiere nicht – er sei eine „Erfindung“ von Thunbergs Vorfahr. Die Thesen von Arrhenius wurden jedoch seitdem zahlreich bestätigt, beispielsweise durch diese Studie von US-Wissenschaftlern, die 2015 in der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Dass der CO2-Anteil an der Luft gering ist, bedeutet nicht, dass er einen geringen Einfluss auf das Klima hat. Und die alte Titelseite der Bild-Zeitung belegt nicht, dass es in Deutschland schon 1975 40 Grad warm war.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Greta Thunberg ist nach Aussage ihres Vaters eine Nachfahrin des Chemie-Nobelpreisträgers Svante Arrhenius. Die weiteren Schlussfolgerungen des Beitrags zum Klimawandel führen jedoch in die Irre.

Bewertung: größtenteils falsch

Doch, brennende Elektroautos können gelöscht werden

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Hier ist ein regulärer Kleinwagen zu sehen, aber auch brennende Elektroautos werden von der Feuerwehr normal mit Wasser gelöscht. (Symbolfoto: Reinhard Thrainer / Pixabay)

von Till Eckert

In den sozialen Medien wird behauptet, man könne den Brand eines Elektroautos nicht löschen. Stattdessen müsse die Batterie „über Tage kontrolliert ausbrennen“. Das stimmt so nicht.

Eine Facebook-Nutzerin teilte am 20. Juli die Aufnahme eines brennenden Autos mit dem Schriftzug: „Den Brand eines Elektroautos kann man nicht löschen. Die Batterie muss über Tage kontrolliert ausbrennen.” Dazu schrieb die Nutzerin: „Das ist also ‘klimaneutral’. Aha.“

Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook wurde der Beitrag bisher fast 18.000 Mal geteilt. Auch auf Twitter ist das Bild – ein Standbild eines Videos aus einem Beitrag von SWR Aktuell über den Brand eines Tesla 2018 in der Schweiz – mit der Schrift und demselben Kommentar zu finden. Hier wurde die Behauptung über 200 Mal retweetet. CORRECTIV hat sie überprüft.

Grundsätzlich besteht bei Lithium-Ionen-Batterien die Gefahr einer „explosionsartigen Zündung“

Über das grundsätzliche Gefahrenpotenzial durch Lithium-Ionen-Batterien informiert das Umweltbundesamt CORRECTIV auf Anfrage per Mail: „Die Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit zum Großteil im Bereich der Elektromobilität eingesetzt werden, sind nach unserer Kenntnis Batteriesysteme mit Nickel-Mangan-Kobalt- und Nickel-Kobalt-Aluminium-Anode (LNMC und LNCA). Lithium ist ein hochreaktives Metall.“ Das Material solle daher nicht mit Wasser in Berührung kommen, „da es sonst zu heftigen Reaktionen bis hin zu Bränden oder Explosionen kommen kann“. 

Die Batterien sollten laut Umweltbundesamt auch keiner zu großen Hitze ausgesetzt sein oder geöffnet werden. Es drohe die Gefahr einer explosionsartigen Zündung.

Informationen des Umweltbundesamts zu Lithium-Ionen-Batterien per E-Mail. (Screenshot: CORRECTIV)

Das allerdings gilt für den Normalzustand, also verbaute Batterien, die nicht bereits in Flammen stehen. Für Fragen zur optimalen Brandbekämpfung und die Dauer des Löschvorgangs verweist das Umweltbundesamt an den Deutschen Feuerwehrverband.

Feuerwehrverband: Brand von Elektroautos ist wie jeder andere zu behandeln

Die Behauptung aus dem Facebook-Beitrag, man könne Elektroautos nicht löschen, entstammt offenbar einem Artikel der Hessenschau vom 9. Februar 2019. Dort wird Andreas Ruhs, Abteilungsleiter für Vorbeugung und Planung bei der Frankfurter Feuerwehr, zitiert, der sagt: „Eigentlich kann man es (das Elektroauto) nicht löschen.“ Und: „Es muss kontrolliert abbrennen oder ausbrennen.“ 

Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband schreibt CORRECTIV jedoch per Mail: „Die Behauptung ist so nicht richtig.“ Pix verweist auf ein Video des Verbands, in dem die Problematik behandelt wird: 

Christian Emrich, Feuerwehrmann und Koordinator für Fachempfehlungen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien, berichtet darin, wie der Brand eines solchen Akkus zu bekämpfen ist: „Die Feuerwehr sollte ganz normal vorgehen. Wir nutzen unser Hauptlöschmittel Wasser, um einen hohen und schnellen Kühleffekt innerhalb des Akkus zu erzeugen und die Prozessgeschwindigkeit zu reduzieren.“ Aufgrund des entstehenden Rauches und Gases werde die normale persönliche Schutzausrüstung und Atemschutz genutzt, wie auch bei Bränden mit Kunststoffbeteiligung. „Es ist keine besondere Schutzausrüstung notwendig. Die aktuellen Standards sind ausreichend“, sagt der Fachmann. Man benötige allerdings mehr Wasser, weil lange gekühlt werden müsse.

In einem gemeinsamen Empfehlungsschreiben des Deutschen Feuerwehrverbandes und verschiedener Forschungseinrichtungen von Mai 2018 (PDF, Seite 3) steht: „Im Brandfall sind Elektrofahrzeuge mit Wasser zu löschen. Löschmittelzusätze können verwendet werden. (…) Um Rückzündungen zu vermeiden, ist der Batteriebereich ausreichend lange mit Wasser bis zur Übergabe an den Abschleppdienst zu kühlen.“

Aus einem Empfehlungsschreiben des Deutschen Feuerwehrverbands. (Screenshot: CORRECTIV)

Ruhs von der Feuerwehr Frankfurt bestätigt seine Aussage in der Hessenschau gegenüber CORRECTIV noch einmal am Telefon, differenziert aber: „Natürlich ist der Hauptbrand, das Fahrzeug, genauso wie sonst auch zu löschen. Nur stellt der Akku eine Herausforderung dar, weil man zwar kühlen, aber nicht hundertprozentig sicherstellen kann, dass die Brandgefahr in den Zellen, in denen chemische Reaktionen stattfinden, beseitigt ist.“ Dafür müsste das Fahrzeug laut Ruhs in ein Wasserbad getaucht werden, das auf einer Autobahn nicht mal eben zur Verfügung stehe. 

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Innerhalb der Feuerwehren werde über dieses Thema viel diskutiert, es kursierten viele unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich stimmt Ruhs mit der Einschätzung des Feuerwehrverbands überein, dass Elektrofahrzeuge sehr wohl gelöscht werden können – nur sei der Aufwand eben ein ganz anderer. Neue Technologien, die Wasser mit sehr hohem Druck durch die Spritzschläuche befördern könnten, könnten das laut Ruhs allerdings erheblich vereinfachen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Brennende Elektrofahrzeuge werden von der Feuerwehr ganz normal mit Wasser gelöscht – die Akkus jedoch stellen eine Herausforderung dar.