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Seit Juni 2019 werden Elektro-Roller in deutschen Städten bereitgestellt. (Symbolfoto: Unsplash / Marek Rucinski)

von Philip Steeg

In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig. 

In einem Facebook-Beitrag vom 23. August heißt es: „Berlin 1600 E-Scooter werden jeden Abend zum Aufladen mit 48 Kleinbustouren eingesammelt. Das ist ‘grüne’ Umweltpolitik’“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 19.000 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag wurde mittlerweile fast 20.000 Mal geteilt (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Eine Recherche von CORRECTIV zeigt: Dass Elektro-Roller durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt werden, ist richtig. Für die angegebenen Zahlen gibt es allerdings keine Belege.

Wie werden die Elektroroller eingesammelt? 

In Berlin gibt es laut Hauptstadtportal momentan fünf verschiedene Anbieter der ausleihbaren Elektro-Scooter: Bird und Lime (zwei US-amerikanische Firmen), Voi (ein schwedisches Start-Up) Circ (ein Unternehmen aus Luxemburg) und Tier (ein Start-Up aus Berlin selbst). 

Um zu erfahren, wie diese fünf Firmen ihre Elektro-Roller aufladen und transportieren, hat CORRECTIV per Mail Anfragen an die jeweilige Pressestelle der Unternehmen gesendet.

  • Der Pressesprecher von Circ schreibt auf CORRECTIV-Anfrage, das Unternehmen nutze „18-20 Mercedes Sprinter Transporter (2019 Modelle).“ 
  • Bei Voi wird der Transport von externen Partnerfirmen übernommen, wie der Pressesprecher des Konzerns mitteilt. Dabei seien „bezogen auf Berlin immer im Schnitt ca. 2-4 Vans unterwegs. Diese nutzen größtenteils Verbrennermotoren“. 
  • Die Kommunikationsagentur von Bird teilt ohne Angabe der Fahrzeug-Anzahl mit, dass „derzeit […] die Roller mit handelsüblichen Transportern [eingesammelt werden]“. 
  • Das Berliner Start-Up Tier verwendet „pro Nacht zwischen 26 und 30 Vans. Dies sind überwiegend Dieseltransporter.“ 
  • Der Pressesprecher der Firma Lime gibt an, dass das Stammteam einen Elektro-Transporter nutze. Zusätzlich werden zum Laden der Elektro-Scooter ebenso externe Selbstständige beschäftigt. Diese „können für den Transport der E-Scooter ein Fahrzeug ihrer Wahl nutzen […]“. Wie viele Selbstständige das Team der Festangestellten ergänzen, sei von Tag zu Tag unterschiedlich. 

Dass es Dieselfahrzeuge sind, wird nicht von allen Firmen explizit bestätigt. Allerdings werden von allen E-Scooter-Sharing-Diensten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genutzt. 

Wie viele Dieselfahrzeuge jeden Abend verwendet werden, ist nicht eindeutig zu beziffern. Auch deshalb, weil die Nutzung der Sharing-Angebote von Tag zu Tag variiert. 

Auch die Gesamtzahl der in Berlin von allen fünf Anbietern zur Verfügung gestellten Elektro-Scooter ist nicht genau zu ermitteln. Der Pressesprecher von Lime möchte die Anzahl der Roller aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Alle anderen Anbieter machten hierzu gegenüber CORRECTIV Angaben. Insgesamt stehen demnach in Berlin mindestens 7.200 Scooter zur Verfügung. 

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Die Grünen stecken nicht hinter der Zulassung der E-Roller

Die E-Scooter dürfen seit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 15. Juni 2019 und der allgemeinen Betriebserlaubnis für die einzelnen Elektro-Roller-Typen im Straßenverkehr genutzt werden. Durch diese beiden Rahmenbedingungen wurde es den Sharing-Diensten von Elektro-Rollern ermöglicht, auch in deutschen Städten ihre Produkte anzubieten. 

Sowohl für die Verordnung als auch für die Betriebserlaubnis ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zuständig. Dieses Ministerium wird vom CSU-Politiker Andreas Scheuer geleitet. Der Minister hatte sich laut Medienberichten vehement für die schnelle Zulassung der Scooter eingesetzt – als Alternative zum Auto oder Motorroller, um die Verkehrswende voranzubringen, wie es von Seiten des Ministeriums heißt. 

Wie viele Menschen in Berlin aufgrund der angebotenen Elektroroller auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten, ist unklar. Eine Mobilitätsstudie der französischen Agentur 6T für Paris zeigt allerdings, dass zumindest in der französischen Hauptstadt die erhofften Effekte ausgeblieben sind. Demnach sind die Sharing-Angebote hauptsächlich für Touristen attraktiv. 

Auch die Grünen haben die Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen generell befürwortet. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, setzte sich zum Beispiel in einem Gastbeitrag für Spiegel Online für die Roller ein.

Subventionen von staatlichen Stellen beziehe aber keiner der Anbieter, berichten alle Pressesprecher der Sharing-Dienste übereinstimmend. Die Pressesprecherin des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt auf schriftliche Anfrage von CORRECTIV ebenfalls an, dass die Verleiher nicht durch Mittel des Bundes gefördert werden.

Auch der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schreibt in einer Mail, dass die Betreiber der Elektro-Scooter „nicht öffentlich gefördert werden“. Außerdem unterliegen die Sharing-Dienste nach seinen Angaben keiner weiteren Genehmigungspflicht. „Die Verleiher können im Rahmen des Gemeingebrauchs öffentliche Straßen nutzen“. Weiter stellt der Sprecher klar: „Es handelt sich um ein Angebot des freien Marktes.“ 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Dass E-Scooter in Berlin auch durch Dieselfahrzeuge eingesammelt werden, ist richtig. Wie viele genau dafür täglich im Einsatz sind, ist nicht belegbar. Mit einer 'grünen Umweltpolitik' allein lässt sich die Einführung der Roller nicht erklären. 

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Ein Polizeibeamter zeigt in einem Twitter-Video auf eine Landstraße auf der Insel Anglesey in Nordwales, auf der im Dezember 2019 mehr als 200 Vögel tot aufgefunden wurden. (Quelle: NWP Rural Crime Team / Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, in Nordwales seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage vom Himmel gefallen. In der Region gibt es aber gar kein 5G. Das Ermittlungsteam geht von einer anderen Ursache aus.

Immer häufiger sehen wir Behauptungen darüber, dass der neue Mobilfunkstandard 5G am Tod von Tieren Schuld sein soll. So sollen laut eines viralen Youtube-Videos im kalifornischen Sierra Madre wegen zweier 5G-Masten angeblich Bienen gestorben sein – in der Stadt gibt es aber gar kein 5G, wie wir recherchierten

Eine ähnliche Behauptung zirkuliert seit dem 15. Dezember 2019 im Netz: In einem Artikel des Blogs Legitim.ch wird behauptet, auf der nordwalisischen Insel Anglesey seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage tot vom Himmel gefallen, dort seien „Tests“ von Vodafone durchgeführt worden. Den Fall gibt es zwar, aber auch hier gilt: In der Region gibt es kein 5G. Das bestätigte uns Rob Taylor, Leiter des North Wales Rural Crime Teams, einer Polizeieinheit, die den Fall ermittelt, per E-Mail. 

E-Mail vom Leiter des North Wales Rural Crime Teams. (Screenshot: CORRECTIV)

Das zeigt auch ein Blick auf die Webseite „Ookla“, die den 5G-Ausbau nach eigenen Angaben anhand „verifizierter öffentlicher Quellen“ verfolgt. Demnach gibt es in Nordwales 5G nur in Llandudno, einem mit dem Auto etwa 50 Minuten von dem betreffenden Ort auf Anglesey entfernen Ort. 

Zudem sagte ein Sprecher von Vodafone der Tageszeitung Daily Post im Dezember 2019: „Wir können bestätigen, dass es in der Gegend um Bodedern [der angrenzende Ort, Anm.] kein Vodafone-5G gibt und auch keine Tests durchgeführt wurden.“ 

Ermittlungsteam: Flugmanöver des Vogelschwarms könnte Ursache sein

Dass die Vögel auf Anglesey wegen 5G starben, kann demnach ausgeschlossen werden, weil es dort keines gibt. Zudem gibt es bisher keine Belege dafür, dass die Strahlung Tieren gefährlich werden könnte. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums antwortete uns in dem Zusammenhang für den Faktencheck über die Bienen in Sierra Madre: „Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte.“ 

Aber was ist die Ursache für den Fall in Anglesey? Die zuständige Polizeieinheit berichtet über den Ermittlungsfortschritt auf ihrem verifizierten Twitter-Account. Am 16. Januar veröffentlichte sie mehrere Tweets zu dem Fall

Sicher ist demnach: Am Dienstag, 10. Dezember 2019 starben laut Polizei mindestens 200 Stare auf einer Straße nahe Bodedern auf Anglesey. Einige hätten noch gelebt, als sie gefunden wurden, seien aber schwach und flugunfähig gewesen, bevor sie starben. 

Tweet des ermittelnden Polizeiteams. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Ermittlungsteam und Mitarbeiter der Animal Plant and Health Agency entfernten laut Polizei 35 Vögel und brachten sie zu einer Untersuchung. „Alle untersuchten Vögel hatten ein schweres inneres Trauma durch den Aufprall“, schreibt die Polizei. Dies spreche dafür, dass die Vögel durch den Aufprall auf die Straße gestorben sind: Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Schwarm in der Luft ein Ausweichmanöver vollzog, da möglicherweise ein Raubvogel hinter der Gruppe her war. Die Polizei geht davon aus, dass einige nicht rechtzeitig hochziehen konnten und auf den Boden aufschlugen.

Die Polizei schreibt außerdem: „Bitte bedenken Sie, dass die vollständige Toxikologie noch nicht vorliegt, so dass eine endgültige Theorie nicht bestätigt werden kann, aber wir sind uns über die Gründe und die Ursache der Todesfälle der Vögel ziemlich sicher.“

5G ist ein Thema der Desinformation 

CORRECTIV.Faktencheck beobachtet schon länger, dass mit dem Thema 5G Stimmung im Netz gemacht wird. Für einen Hintergrund-Bericht haben wir uns mit der Forschungslage beschäftigt. Zusammengefasst: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt weder abschätz- noch belegbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf Menschen und Tiere wirken könnte. Zudem ist nicht belegt, ob sie gesundheitliche Schäden verursachen könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen und erforscht werden.

Unsere Bewertung:
Falsch. In der Region in Nordwales gibt es gar kein 5G.

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Meereis vor der Küste der Antarktis. (Foto: NASA/Jeff Schmaltz, LANCE/EOSDIS Rapid Response)

von Alice Echtermann

Eine Webseite streut Zweifel am Klimawandel, weil angeblich laut Nasa-Daten ein Gletscher in Grönland wachse und das Eis in der Antarktis zunehme. Letzteres stimmt nicht – und aus dem Gletscher-Wachstum zieht der Artikel falsche Schlüsse. 

Ein Gletscher auf Grönland wächst wieder. Gibt es also doch keinen Klimawandel? Das behauptet die Seite Happy Times in einem Artikel, der laut dem Analysetool Crowdtangle bereits mehr als 13.200 Mal auf Facebook geteilt wurde. Es geht darin um den Jakobshavn-Gletscher auf Grönland und um die Eismenge am Südpol, die angeblich zu- statt abgenommen habe. 

Die Seite beruft sich für beide Behauptungen auf die US-Weltraumbehörde Nasa und schreibt von der „neuesten Fehlprognose der Klimawissenschaft“. Mit dieser Einschätzung liegt sie falsch. Zwar wächst der Gletscher auf Grönland tatsächlich – dies lässt aber keine Schlüsse über den Klimawandel zu. Die Ausdehnung des Meereises sowie die Eismasse der Antarktis schrumpfen.

Gletscher wächst seit 2016, weil ihn durch Meeresströmung kaltes Wasser erreichte 

Tatsächlich teilte die Nasa im März 2019 mit, der Jakobshavn-Gletscher auf Grönland werde dicker und bewege sich langsamer. Der Gletscher mündet ins Meer. Die Nasa erklärte den Grund für das Wachstum mit seit 2016 deutlich kühler gewordenem Wasser, das durch Meeresströmungen zu ihm gelangt sei. 

Die Ursache für das kalte Wasser sei ein bekanntes Klimaphänomen namens Nordatlantische Oszillation (North Atlantic Oscillation, NAO). Wenn es sich verändere, werde der Gletscher wieder stärker schmelzen. 

Die Veränderung des Jakobshavn-Gletschers. Rot bedeutet Ausdünnung, Blau eine Zunahme. Die Bilder wurden laut Nasa mit GLISTIN-A Radardaten erstellt. (Bildquelle: NASA/JPL-Caltech / NASA Earth Observatory)

Ähnliches führte die Nasa auch in einem Blogartikel von Oktober 2019 aus. Das Wachstum des Gletschers klinge nur auf den ersten Blick nach guten Nachrichten für die globale Erwärmung. „Die NAO ist ein ozeanisches Klimaphänomen, das die Wassertemperaturen im Nordatlantik alle fünf bis 20 Jahre zwischen Warm und Kalt wechseln lässt.“ Es sei nicht von Dauer – der Klimawandel jedoch passiere langfristig.

Auf Nachfrage bekräftigt einer der verantwortlichen Forscher der Nasa-Studie, Josh Willis, dies per E-Mail an CORRECTIV: „Obwohl dieser Gletscher gewachsen ist, hat Grönland insgesamt an Eis verloren; 2019 verlor es die zweitgrößte Menge in den letzten zwei Dekaden.“ Die Forschung zeige, wie empfindlich Gletscher auf Veränderungen des Ozeans reagieren. Langfristig werde sich dieser unvermeidlich durch den Klimawandel erwärmen. Und an der Ursache der globalen Erwärmung gebe es keinen Zweifel: „Wir sind es.“

Antwort des Forschers Josh Willis auf eine Anfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Erst kürzlich, Anfang Februar, teilte das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung mit, der Eispanzer Grönlands schmelze insgesamt immer schneller: „Zum einen taut der Eispanzer an der Oberseite, weil er der Sonne und den steigenden Temperaturen ausgesetzt ist. Doch schmilzt das Eis inzwischen auch von unten – und zwar auch im Nordosten Grönlands, wo sogenannte Gletscherzungen zu finden sind.“

Wir haben die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts um eine Einschätzung zum Wachstum des Jakobshavn-Gletschers im Westen Grönlands gebeten. Die Antwort des Glaziologen Veit Helm: „Der Artikel zeigt in keinster Weise die von Klimaskeptikern gern gesehene Fehlprognose der Klimawissenschaft, sondern verdeutlicht vielmehr den großen Einfluss von geringen Ozeantemperaturschwankungen auf das dynamische Verhalten der Gletscher, umso mehr im Hinblick auf sich gobal erwärmenden Ozeane!“

Das Meereis am Südpol nahm laut Nasa lange leicht zu, inzwischen schrumpft es jedoch

Die zweite Behauptung des Artikels von Happy Times lautet, die Eisfläche am Südpol nehme angeblich zu, sie habe sich um 17.000 Quadratkilometer vergrößert. Als Quelle wird die Nasa genannt, wir konnten diese Daten jedoch nicht finden. Auf unsere Nachfrage sagen die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, ihnen sei keine Studie bekannt, die diese konkrete Aussage stützt. 

Es gebe lediglich eine Nasa-Studie von 2015 des Forschers Jay Zwally: Darin ist von einem Zuwachs der Eismasse im Osten der Antarktis die Rede. Dieser sei so groß, dass er den Verlust durch die schmelzenden Gletscher im Westen aufwiege. Die Studie sei jedoch umstritten, schreibt uns Veit Helm vom Alfred-Wegener-Institut. „Alle anderen Wissenschaftler, die mit derselben Datengrundlage gearbeitet haben, kommen auf eine nur geringe Massenzunahme oder sich im Gleichgewicht befindende Ostantarktis. Eine Vergleichsstudie (IMBIE), die Massenbilanzen verschiedener Wissenschaftler Teams und Methoden zusammenfasst, zeigt sehr deutlich, dass die Werte von Zwally in keinster Weise bestätigt werden konnten.“

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Josh Willis, der die Nasa-Studie über den Jakobshavn-Gletscher verfasste, schreibt uns auf Nachfrage zu der Antarktis: „Das Eis auf dem Land in der Antarktis schrumpft seit 20 Jahren.“ Bei dem schwimmenden Eis – dem Meereis – rund um den Kontinent gebe es keinen eindeutigen Trend, aber in den vergangenen Jahren sei es ebenfalls auf einem Rekord-Minimum gewesen.

Die Nasa schrieb im April 2019 in einem Blogartikel, die schwimmende Eisfläche rund um die Antarktis nehme ab, nachdem sie die Jahre zuvor eher zugenommen habe. Der Grund sei, dass sich „langfristige, großflächige Windphänomene“ umgekehrt hätten, die zuvor das Eis von der Antarktis weggeschoben hatten. Globale Klimamodelle hätten dieses Verhalten vorhergesagt.

Darstellung der Entwicklung des Meereises in der Arktis (blau) und Antarktis (rot). (Quelle: Nasa. Screenshot: CORRECTIV)

Auch aus den Daten auf der Webseite der Nasa (bis 2017) geht hervor, dass die Masse des Land-Eises in der Antarktis seit 2002 insgesamt abnimmt, ebenso wie die Eismasse in Grönland. Am Nordpol schrumpft das Meereis ebenfalls seit Jahren stark. In dem Beitrag von 2019 erklärte die Nasa, die Ausdehnung des Eises in der Arktis sei auf dem niedrigsten Stand seit 1850.  

Die Größe der Eisfläche an den Polen sei wichtig in Bezug auf den Klimawandel, schreibt die Nasa: Das Eis reflektiere mit seiner hellen Oberfläche 50 bis 70 Prozent der Energie der Sonne zurück ins Weltall. Wenn es im Sommer schmelze, entblöße es die dunkle Oberfläche des Meeres, die 90 Prozent des Sonnenlichtes absorbiere. „Wenn der Ozean sich erwärmt, steigen die Temperaturen weiter.“ Dies habe einen Effekt auf die gesamte Erde, auf Ozeanströmungen und somit das Klima. 

Auch eine weitere Frage, die der Artikel von Happy Times aufwirft („Erwärmt sich die Erde wirklich?“) ist klar zu beantworten: Die globale Oberflächentemperatur hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts laut Nasa um 0,9 Grad Celsius erhöht. Die größte Erwärmung fand in den letzten 35 Jahren statt. Die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen ereigneten sich alle seit 2010.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Der Gletscher in Grönland wächst seit ein paar Jahren, das lässt jedoch keine Schlüsse über den Klimawandel zu. Insgesamt nehmen sowohl die Eismengen in Grönland als auch der Antarktis ab.

Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis
Hat Astrophysiker und TV-Moderator Harald Lesch seine Meinung über den Klimawandel seit 2001 geändert? Nein. (Foto: Horst Galuschka / dpa)

von Alice Echtermann

Der Astrophysiker Harald Lesch informiert öffentlich über den menschengemachten Klimawandel. In einem Youtube-Video wurde nun seine alte TV-Sendung so geschnitten, dass es wirkt, als sei er damals anderer Meinung gewesen. Das Video ist irreführend. 

Ein Video mit der Überschrift „Harald Lesch vor 20 Jahren! Klimawandel nicht menschengemacht?“ wurde am 16. Januar auf dem Youtube-Kanal „AfD Community“ veröffentlicht und bisher mehr als 2.100 Mal aufgerufen. Der Account ist kein offizieller Kanal der AfD und hat sich inzwischen umbenannt in „Einfach Freiheit“. In dem Video wird eine Episode der Sendung alpha-Centauri von 2001 irreführend zusammengeschnitten.

Harald Lesch ist Astrophysiker und tritt seit Jahren im deutschen Fernsehen auf. Erst kürzlich veröffentlichte das ZDF eine Dokumentation über den Klimawandel mit ihm als Moderator. Er spricht darin von einer „menschengemachten Katastrophe“. Von 1998 bis 2007 moderierte Lesch die Wissenschaftssendung alpha-Centauri im Bayerischen Rundfunk

Das geschnittene Video von „AfD Community“ legt nahe, er habe damals in Bezug auf den Klimawandel ganz andere Positionen als heute vertreten. Das Original-Video zeigt jedoch, dass es dafür keine Anhaltspunkte gibt.

Das Youtube-Video von „AfD Community“. (Screenshot am 23. Januar: CORRECTIV)

Worum ging es in der Sendung von 2001?

In dem Original-Beitrag von 2001, der in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks zu finden ist, erklärte Lesch, wie Eiszeiten entstehen, und dass wir aktuell in einer Warmzeit innerhalb einer Eiszeit leben (im Original-Video ab Minute 10:00). In reinen Warmzeiten sei die Erde viel wärmer als heute gewesen, und in diesem Klima hätten sich zum Beispiel die Dinosaurier entwickeln können (ab Minute 5:46).  

Die Gründe für die Entstehung von Eiszeiten seien tektonische Plattenverschiebungen und Veränderungen von Meeres- und Luftströmungen. Auch die Neigung der Erdachse könne einen gewissen Anteil haben, diesen bezeichnete Lesch allerdings als gering (ab Minute 11:28).

Das Video von alpha-Centauri in der BR-Mediathek. (Screenshot: CORRECTIV)

Er erwähnte auch, dass es in den letzten drei oder vier Millionen Jahren immer wieder starke Sprünge innerhalb von zehn Jahren in der Durchschnittstemperatur von bis zu 14 Grad gegeben habe. „Das Wetter scheint in den Eiszeiten wesentlich instabiler zu sein, als in den Warmzeiten.“ (ab Minute 8:50)

Sätze werden aus dem Kontext gerissen

Vor allem auf diese letzten Aussagen fokussiert sich das geschnittene Video von „AfD Community“ und reißt das, was Lesch sagt, aus dem Kontext. Besonders hervorgehoben wird der Satz: „Man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.“ (Im Original bei Minute 1:29) 

Im Youtube-Video von „AfD Community“ wird dieser Satz direkt nach andere Aussagen gesetzt, so dass er wie Kritik an denjenigen wirkt, die einen menschlichen Einfluss auf das Klima prognostizieren (ab Minute 1:30): Zur Zeit der Dinosaurier sei es viel wärmer als heute gewesen, „[…] also es war sehr, sehr warm. Es war sehr, sehr schwül. [Schnitt] Wir leben in einer Eiszeit. Meine Damen und Herren, jetzt ist Eiszeit. [Schnitt] Wir sind zwar jetzt in einer Eiszeit, aber wir sind in einer Warmzeit einer Eiszeit. [Schnitt] Aber der größte Teil der Erdgeschichte war völlig eisfrei. [Schnitt] Man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.

Der Satz stammt jedoch aus einem ganz anderen Kontext und steht ganz am Anfang des Original-Videos. Lesch kündigt an, es werde um Eiszeiten gehen, und sagt dann: „Natürlich höre ich schon einige, die sagen: ‘Jetzt kommt der mir mit Eiszeiten. Wir sind doch in der Zeit des Global Warming.’ […] Am Ende der Sendung werden wir schon noch dahin kommen, aber wenn man versteht, wie Eiszeiten entstehen, […] dann versteht man mehr über das Wetter. Und wenn man mehr über das globale Wetter versteht, dann versteht man vielleicht auch, wie es zum Global Warming kommt, ob wir Menschen darauf einen erheblichen Einfluss darauf haben, oder ob es sich um rein natürliche Phänome… Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich will hier niemandem das Wort reden, jetzt in Zukunft weiter Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen. Aber man muss erstmal wissen, wovon man spricht, bevor man anfängt, vorzuschlagen, was können wir mit dem Wetter in Zukunft tun, beziehungsweise, wovor müssen wir uns schützen.“ 

Am Ende des Original-Videos kommt Lesch noch einmal auf den Klimawandel zurück (ab Minute 12:57): „Das Wetter ist eine unglaublich instabile Angelegenheit. Gerade diese Sprünge, die innerhalb von zehn Jahren solche Temperaturänderung von bis zu 14, 15 Grad bedeuten – das wäre eine absolute Katastrophe, wenn uns das heute passieren würde. Und wir müssen sagen, um wieder auf das Global Warming zurückzukommen: Wir müssen aufpassen. Oder, um es so zu sagen: Der Homo Sapiens erkennt das Richtige, tut aber manchmal das Falsche.“

Es wird also klar, dass Lesch mit dem Video nicht vorhatte, den Einfluss von Treibhausgasen auf das Klima zu bestreiten. Er betonte aber, dass es wichtig sei, auch andere Faktoren, die das Klima verändern, zu kennen. 

Lesch: „Durch den Einfluss des Menschen wird die Eiszeit verschoben“

Auf Anfrage von CORRECTIV schreibt Lesch per E-Mail: „Die Eiszeiten sind eine Erscheinung des Klimas. Die Temperatursprünge, von denen ich im Rahmen eines Videos spreche, heißen Dansgaard-Oeschger-Ereignisse und sind verursacht durch Zusammenbrüche von Meeresströmungen, wie dem Golfstrom […]. Die Eiszeiten haben ihren Ursprung durch astronomische Faktoren (Milanković-Zyklen), die werden aber durch den vom Menschen verursachten Klimawandel inzwischen ausgeschaltet.“

Die E-Mail von Harald Lesch an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Am Telefon ergänzt Lesch, er habe in keinem seiner früheren Videos gesagt, dass das Klima nicht vom Menschen beeinflusst werde. Aber Ehrlichkeit sei ihm wichtig: Es sollte nicht verschwiegen werden, dass es auch natürliche Einflüsse auf das Klima gebe. „Niemand bestreitet, dass das Klima natürliche Schwankungen hat, aber der menschliche Einfluss ist die Spritze direkt in die Vene des Klimasystems.“ 

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Lesch verweist auch auf einen Wissenschaftsartikel des Tagesspiegel von Mai 2018, in dem es ebenfalls heißt, die nächste Eiszeit könnte ausfallen: „Unsere Emissionen von Kohlendioxid haben uns auf eine rasante Reise in ein Heißzeit-Klima geschickt, wie es keiner unserer fernsten Vorfahren je erlebte. Es könnte demjenigen gleichen, das auf der Erde herrschte, ehe das aktuelle Eiszeitalter anbrach.“

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Video ist so geschnitten, dass ein falscher Eindruck entsteht. 

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Honig kann verderben, wenn er einen zu hohen Wassergehalt hat. (Foto: PollyDot / Pixabay)

von Till Eckert

In einem Instagram-Beitrag der Seite „Patenfakten“ wird behauptet, dass Honig nie verderbe und auch nach 3.000 Jahren noch essbar sei. Das stimmt nicht ganz.

„Honig ist das einzige Lebensmittel, dass nie verdirbt. Ihr könntet also durchaus Honig essen, der 3.000 Jahre alt ist“, behauptet die Instagram-Seite „Patenfakten“ in einem Beitrag vom 20. Dezember 2019. Doch stimmt das auch? Wir haben beim Bundeszentrum für Ernährung und beim Deutschen Imkerbund nachgefragt.

Der Instagram-Beitrag mit einer teilweise falschen Behauptung zu Honig. (Screenshot: CORRECTIV)

Zu hoher Wassergehalt kann Honig gären lassen

Harald Seitz vom Bundesamt für Ernährung, das auf seiner Webseite über Honig informiert, schrieb auf unsere Anfrage per E-Mail: „Die Haltbarkeit von Honig ist abhängig von der Qualität des Honigs und von den Lagerbedingungen. Je höher der Zuckergehalt, je niedriger der Wassergehalt eines Honigs und je homogener der Honig bereits bei der Abfüllung ist, umso besser sind die Voraussetzungen für eine lange Haltbarkeit.“

Laut Seitz beeinflussen Imker bereits bei der Honigernte und -bearbeitung die Haltbarkeit. Diese legten auch selbst das gesetzlich vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum fest, meist zwei Jahre. „Bei Honigen mit höherem Wassergehalt (z. B. Heidehonig) oder saureren Honigen (z. B. Gamander-Honig, Honig aus dem Blütennektar von Lippenblütlern der Pflanzengattung Gamander) ist meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 12 Monaten angegeben“, schreibt Seitz. Grundsätzlich solle man darauf achten, ob der Honig gleichmäßig aussieht und keinen Fremdgeruch habe. Dann sei alles in Ordnung. 

„Es kann jedoch passieren, dass Honig umkippt und zu gären beginnt“, schreibt Seitz. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn der Honig einen zu hohen Wassergehalt habe. Dann könnten sich Hefen vermehren und den Zucker zu Kohlendioxid und Alkohol abbauen. „Der Deckel wölbt sich dann eventuell und es kann beim Öffnen des Honigglases ein wenig zischen. Ein gegorener Honig riecht fruchtig oder säuerlich-alkoholisch. Auf der Oberfläche des Honigs bilden sich kleine Bläschen, bei stärkerer Gärung auch Schaum. Sie sollten vergorenen Honig nicht mehr verzehren.“

Imkerbund empfiehlt: Honig so lange verzehren, wie er schmeckt

Auch Olaf Lück, der Geschäftsführer des Deutschen Imkerbunds, schreibt per E-Mail: „In der Tat ist Honig tatsächlich sehr lange haltbar – vorausgesetzt, er wird dunkel, kühl und trocken gelagert.“ Honig könne aber sortenabhängig verderben, beziehungsweise säuern, wenn der Wassergehalt über 18 Prozent liege. „Dann können zuckerliebende Hefen, die sich in der Luft befinden und im Glas mit eingeschlossen sind, vermehren, da genügend nicht an Zucker gebundenes Wasser vorhanden ist. Dann wird durch die Verstoffwechselung der Hefen aus den Zuckern Alkohol; der Honig gärt. Dieses Produkt ist im Ergebnis als Met bekannt.“ Der Imkerverband legt in seinen Qualitätsrichtlinien für die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“ fest, dass der Wassergehalt unter 18 Prozent liegen müsse.

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Honig aus angefangenen Gläsern könne auch solange verzehrt werden, „wie er schmeckt“, schreibt Lück. Gärenden Honig könne man  sogar noch zum Backen verwenden. „Für länger bereits geöffnete Gläser empfehlen wir, kurz zu probieren und dann entscheiden, ob aufs Brot oder in den Kuchen.“

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Honig kann sortenabhängig verderben, wenn der Wassergehalt zu hoch ist; richtig gelagert ist er aber sehr lange haltbar.

Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), Weibchen beim Fressen von Blättern am Baum
Das Sumatra-Nashorn ist nicht weltweit ausgestorben, aber stark bedroht. (Foto: imageBROKER / Terry Whittaker / FLPA / dpa)

von Alice Echtermann

In einem Instagram-Beitrag von „Faktastisch“ wird behauptet, nachdem das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia gestorben sei, sei die Art nun „offiziell ausgestorben“. Das ist falsch – sie ist in Malaysia ausgestorben, anderswo gibt noch Tiere, wenn auch nur wenige. 

Im November 2019 berichteten Medien über den Tod des letzten Sumatra-Nashorns in Malaysia. Das Weibchen namens Iman sei an Krebs gestorben. Daraufhin veröffentlichte die Seite „Faktastisch“, die Nachrichten und kurze Fakten über verschiedene Themen verbreitet, am 25. November auf Instagram ein Bild, in dem es heißt: „Malaysias letztes Sumatra-Nashorn ist gestorben. Damit ist die Tierart jetzt offiziell ausgestorben.“

Der Beitrag hat bereits mehr als 186.500 Likes (Stand: 22. Januar 2020). Die Formulierung von „Faktastisch“ kann so verstanden werden, dass es nun weltweit kein einziges Sumatra-Nashorn mehr gebe. Das stimmt nicht, wie auch Nutzer auf Instagram bereits in den Kommentaren angemerkt haben. 

Der Beitrag von „Faktastisch“ auf Instagram. (Screenshot am 22. Januar 2020: CORRECTIV)

Der Link, der in dem Instagram-Post unten links als Quelle angegeben wird, funktioniert nicht. Was stimmt, ist, dass das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia im November 2019 gestorben ist. Das Umweltministerium des Bundesstaates Sabah hatte bereits Ende 2017 mitgeteilt, bei dem Weibchen sei Krebs im Uterus diagnostiziert worden. 

In den Medienberichten über den Tod des Tieres, zum Beispiel bei National Geographic oder dem Spiegel, wird jedoch stets erwähnt, dass noch andere Exemplare der Nashorn-Art auf Sumatra, also in Indonesien, leben. So steht es auch in einer Pressemitteilung des WWF von November 2019. Die Art sei aber stark vom Aussterben bedroht. Die „letzte Hoffnung“ sei die Sumatra-Nashorn-Allianz der indonesischen Regierung mit dem WWF, der Weltnaturschutzunion IUCN, National Geographic, der International Rhino Foundation und Global Wildlife Conservation. Sie solle die wild lebenden Tiere schützen und ein Zuchtprogramm vorantreiben. 

Laut dieser Initiative (Sumatran Rhino Rescue) gibt es aktuell weniger als 80 Sumatra-Nashörner weltweit. Offiziell ausgestorben ist die Art aber noch nicht. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Sumatra-Nashorn ist nicht ausgestorben. Die Art ist vom Aussterben bedroht, es gibt aber noch Tiere in Indonesien. 

Controlled Burn In Wildlife Management Area
In Australien gibt es kein Verbot kontrollierter Brände, sie werden regelmäßig durchgeführt. Allerdings wird seit Jahren diskutiert, ob sie stärker eingesetzt werden sollten. (Symbolfoto: dpa picture alliance / Mitch Kezar)

von Alice Echtermann

Im Kontext der Buschbrände in Australien wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Grünen seien Schuld an der starken Ausbreitung der Feuer – denn sie hätten das kontrollierte Abbrennen von Unterholz gestoppt, das eingesetzt werde, um großen Bränden vorzubeugen. Das ist nicht richtig. 

In gleich zwei Artikeln auf der Webseite Epoch Times wird den Grünen in Australien die Schuld am Ausmaß der Buschbrände der vergangenen Monate gegeben. In einem Artikel mit dem Titel „Die Waldbrände in Australien – Desaster durch Verordnungswut der Grünen“ heißt es, um Buschbrände zu verhindern, hätten bereits die Ureinwohner Australiens kontrolliert Feuer gelegt. Diese Maßnahmen seien vor 20 Jahren durch die Grünen abgeschafft worden: „Das Verbot der vorsorglichen Brände auf Druck der Grünen führte zu einem Desaster.“ Nach großen Waldbränden 2016 sei das Abbrennen dann vorgeschrieben worden. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 600 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptung, die Grünen hätten ein Verbot der kontrollierten Brände erwirkt, ist jedoch falsch.

Der zweite Text mit dem Titel „Australischer Feuerwehrverband: Der Klimawandel ist nicht an der Brandkatastrophe schuld“ wurde mehr als 2.300 Mal geteilt. Darin wird eine Mitteilung eines Verbands der Freiwilligen Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales zitiert, und ebenfalls behauptet: „Das kontrollierte Abbrennen wurde von der Grünen Ideologie gestoppt, weil dem jeweils eine Menge Bodenfauna zum Opfer fiel.“ Auch die Behauptung, die Grünen hätten die kontrollierten Brände gestoppt, ist falsch.

Kontrolliertes Abbrennen von Unterholz oder trockenen Blättern wird in Australien laut dem Forscher David Bowman von der University of Tasmania als „prescribed burning“, „hazard reduction burning“ oder auch „fuel reduction burning“ bezeichnet. Solche Brände werden je nach Region unterschiedlich regelmäßig durchgeführt. Im Bundesstaat Western Australia gibt der Parks and Wildlife Service sogar explizit Tipps für die Planung eines solchen Feuers und zeigt auf seiner Webseite, wo am jeweiligen Tag Brände geplant sind. 

Der Guardian hat bereits im November in einem Faktencheck die Vorwürfe gegen die australischen Grünen untersucht, die offenbar auch in Australien weit verbreitet sind, und kam zu dem Schluss, dass sie haltlos seien: Allein in New South Wales habe der National Parks and Wildlife Service 2018 und 2019 Brandmaßnahmen auf mehr als 139.000 Hektar durchgeführt. 

Meldung des Feuerwehrverbands ist von 2013

Die Meldung des Feuerwehrverbands Volunteer Firefighters Association aus New South Wales, die die Epoch Times in dem Artikel vom 14. Januar 2020 zitiert und auch verlinkt, stammt von September 2013. Tatsächlich steht darin, der Verband weise die Behauptung von „grünen Alarmisten“ zurück, dass vor allem der Klimawandel für Buschbrände in der Region verantwortlich sei. „Die wahre Schuld liegt bei den Grünen und ihrer Ideologie, weil sie fortwährend unsere Bemühungen zur Gefahrenreduzierung [hazard reduction] in den kühleren Monaten untergraben und Landbesitzer davon abhalten, ihr Land zu säubern, um das Buschfeuer-Risiko zu reduzieren.“ 

Diese Meldung hat jedoch mit den Buschfeuern in der Saison 2019/2020 nichts zu tun. Die Feuerwehr gibt den Grünen darin außerdem vor allem die Schuld an der Bürokratie, die sie zu durchlaufen habe, um ein präventives Feuer genehmigt zu bekommen. Von einem Verbot ist nicht die Rede. 

Verbot vor 20 Jahren?

Auch zu der Behauptung, die Feuer seien vor 20 Jahren verboten und erst 2016 wieder eingeführt worden, konnten wir keine Quellen finden. Google-Suchen nach „prescribed burnings Australia“ und „hazard reduction burning Australia“ zwischen 2000 und 2016 führen zu zahlreichen Treffern, aus denen hervorgeht, dass die Feuer nicht verboten waren. Eine Auswertung für das australische Parlament von 2002 nannte die kontrollierten Brände als das wichtigste Mittel, um das Risiko von Buschfeuern zu reduzieren. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass sie sie nicht völlig verhindern können: Unter extremen Bedingungen könne das Feuer auch über Land mit sehr wenig brennbarem Material ziehen. Die kontrollierten Brände sollten nicht uniform angewendet werden, sondern die Frequenz und Größe sollte sich nach der Beschaffenheit der jeweiligen Region richten. 

Grüne: Wir unterstützen Brände zur Gefahrenreduzierung

Die grüne Partei Australiens (The Greens) widerspricht aktuell auf ihrer Webseite der Behauptung, sie verhindere des Legen kontrollierter Brände: „Die Australischen Grünen unterstützen Brände zur Gefahrenreduzierung und Gegenbrände [um ein existierendes Feuer einzudämmen, Anm. d. Red.], um die Auswirkungen von Buschfeuern zu reduzieren, wenn sie von der besten wissenschaftlichen, ökologischen und Notfallexpertise begleitet werden.“ Die Grünen greifen auch die Vorwürfe gegen sie in einer Art Faktencheck auf und schreiben, die Anschuldigungen seien falsch. 

Die Grünen waren in Australien noch nie an der Regierung. Generell fanden wir bei der Recherche keine Hinweise, dass sie ein Verbot von kontrollierten Bränden gefordert haben. Allerdings weisen die Grünen stets darauf hin, dass die Feuer umweltverträglich sein müssten. Auf der Webseite der Grünen in New South Wales heißt es, die kontrollierten Brände müssten gut geplant und ökologisch verträglich sein. Dasselbe schreiben auch die Grünen im Bundesstaat Victoria auf ihrer Webseite.

In eigener Sache

Angriffe auf die Faktencheck-Redaktion von CORRECTIV

Hassnachrichten, Beleidigungen und Drohungen: Wie wir angegriffen werden und wie wir uns gemeinsam dagegen wehren können

ZUM ARTIKEL

Es gibt gesetzliche Regularien für den präventiven Umgang mit Buschfeuern, über die das australische Umweltministerium auf seiner Webseite informiert. Das Gesetz ist von 1999. Auch dort ist nirgends von einem Verbot kontrollierter Feuer die Rede. Teilweise sei aber nach dem nationalen Umweltrecht eine Genehmigung nötig. 

Über die Effektivität der kontrollierten Brände wird in Australien diskutiert, Forscher wollen sie aktuell noch besser untersuchen. Der Forscher David Bowman schrieb in seinem Artikel 2014, die Maßnahmen seien zwar wichtig, aber auch teuer und gefährlich. 

Ein Streitthema in Australien

Seit Jahren ist es in Australien also ein Streitthema, ob es mehr oder weniger dieser kontrollierten Brände geben sollte. So berichtete ABC im Februar 2019, ein ehemaliger Feuerwehrchef aus Victoria habe mehr solcher Maßnahmen gefordert. Viele seien zu zögerlich damit. In einem weiteren Medienbericht von ABC vom 6. Januar 2020 kommen ebenfalls Experten zu Wort, nach deren Meinung es zu wenig kontrollierte Brände gibt. In dem Artikel sagt derselbe Experte jedoch auch, dass die Grünen zu Unrecht beschuldigt würden.

Denn es gebe viele Erklärungen, warum die kontrollierten Brände selten ausgeführt werden, zum Beispiel, dass sich manche Gegenden nicht dafür eignen würden. Außerdem, wie der ehemalige Feuerwehr-Commission Greg Mullins aus New South Wales im November 2019 in einem Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald schrieb, hielten wärmere und trockene Wetterbedingungen mit höherer Feuergefahr die Behörden davon ab. Es sei oft entweder zu nass, zu trocken oder zu windig, um das Unterholz sicher zu verbrennen. „Den ‘Greenies’ die Schuld am Stop dieser wichtigen Maßnahmen zu geben, ist eine bekannte, populistische, aber unwahre Behauptung“, so Mullins. 

Weitere Behauptungen über die Buschfeuer in Australien haben wir hier überprüft.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Grünen haben kontrollierte Brände zur Vorbeugung von Buschfeuern in Australien nicht gestoppt. 

APTOPIX Australia Wildfires
Eines der Feuer am 30. Dezember in Australien. (Foto: Glen Morey / dpa)

von Till Eckert

Im Netz kursiert die Behauptung, in Australien seien etwa 180 Menschen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen worden, die der „grünen Bewegung“ zugerechnet würden. Dafür gibt es keine Belege.

Eine Facebook-Nutzerin behauptet in einem Beitrag vom 12. Januar, dass in Australien etwa „200 Personen wegen dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen“ worden seien. Davon könnten etwa „180 der australischen grünen Bewegung zugerechnet“ werden. Einen Beleg oder eine Quelle dafür liefert die Facebook-Nutzerin nicht. Der Beitrag wurde bisher rund 540 Mal geteilt. Der Ursprung der Behauptung ist womöglich ein Tweet vom 10. Januar. Er wurde bisher mehr als 400 Mal retweetet. 

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Die angegebenen Zahlen sind irreführend

Die angegeben Zahlen stammen vermutlich aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Dass also 200 Personen festgenommen wurden, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen und Anklagen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung, nach der die Feuer hauptsächlich durch Brandstiftung entstanden seien laut einem Bericht des Guardian – es gebe dafür keine Indizien.

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Polizei von New South Wales hat keine Informationen über die Motive der mutmaßlichen Brandstifter

Auf CORRECTIV-Anfrage an die Polizei in New South Wales, ob die Personen, gegen die wegen Brandstiftung ermittelt wurde, der „grünen Bewegung“ zugeordnet werden könnten, antwortete Sprecherin Joanne Elliot: „Die angeklagten Personen sind nun vor Gericht, es gibt jedoch keine unmittelbare Information über ihre Motivation.“ Wegen Brandstiftung angeklagt wurden laut Polizei lediglich die oben genannten 24 Personen. Bei den restlichen Personen lag wie gesagt Fahrlässigkeit vor.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Wales ermittelte gegen etwa 180 Personen, aber nur gegen 24 wegen Brandstiftung. Es gibt keine Belege dafür, dass diese 24 angeklagten mutmaßlichen Brandstifter der „grünen Bewegung“ angehören.

Wirtschaft, LTE 5G Antennen
Eine 5G-Testantenne in Darmstadt. (Foto: Foto Huebner / dpa)

Steigt durch 5G die Strahlenbelastung und die gesundheitliche Gefahr für Menschen? Das wird immer wieder im Netz behauptet. Belege dafür gibt es allerdings keine.

Ein Facebook-Beitrag vom 11. Juli verbreitet das Bild von einem Text, in dem mehrere Behauptungen zum neuen Mobilfunkstandard 5G aufgestellt werden. So soll angeblich mehr Volt pro Meter als bisher ausgestrahlt werden, außerdem gebe es generell eine „Zunahme der Strahlenbelastung“ durch 5G. Dadurch werde sich das „Gefährdungspotenzial um ein mehrfaches steigern“. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus dem Flugblatt „Stimme und Gegenstimme“, Ausgabe 12/2019, wie wir durch eine Google-Suche herausfanden. 

Der Beitrag wurde bisher mehr als 230 Mal geteilt. Ein Leser hat ihn uns zugeschickt und bat uns, die Sache zu prüfen. Das hat ergeben: Es gibt für keine Belege für die Behauptung.

Der Facebook-Beitrag mit den Behauptungen zu 5G. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Grenzwert zur elektrischen Feldstärke, Volt pro Meter, ist bei 5G nicht höher als bei LTE

Der Facebook-Beitrag suggeriert, dass für die 5G-Technik höhere Grenzwerte gelten würden als bisher: So dürften die aktuellen Mobilfunknetze nicht mehr als fünf bis sechs Volt pro Meter „an Sendeleistung strahlen“, bei 5G jedoch müssten circa „alle 100 Meter Mobilfunkantennen stehen, deren elektrische Feldstärke weit über 61 Volt pro Meter“ betrage. Beides ist nicht der Fall.

Was stimmt: 5G benötigt mehr Funktechnologie als die bisherigen Mobilfunkstandards. Das wird laut Bundesamt für Strahlenschutz tatsächlich zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Das Bundesamt schreibt zudem: „Auch die Zahl der Sendeanlagen und Geräte, die elektromagnetische Felder erzeugen, nimmt damit [durch den 5G-Ausbau] zu.“ 

Wie viele neue Sendeanlagen letztlich wirklich benötigt werden, um ein flächendeckendes Netz bereitzustellen, ist allerdings unklar, das hängt laut Bundesumweltministerium von den „individuellen Netzplanungen der Anbieter“ und „der Entwicklung des Marktes“ ab – und die in Deutschland vorhandenen circa 75.000 Mobilfunkstandorte können überwiegend auch für 5G mitgenutzt werden. 

Ob neue Anlagen sich in 100 Metern Abstand befinden „müssen“, lässt sich ebenfalls nicht so pauschal sagen, das Bundesumweltministerium schreibt dazu (unter „Elektromagnetische Felder“): „Da die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist die genaue Feldverteilung noch nicht bekannt.“

Die elektrische Feldstärke Volt pro Meter ist bei 5G außerdem nicht höher als bei LTE oder UMTS. Der Grenzwert bleibt gleich hoch bei 61 Volt pro Meter.

Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen des Bundesamt für Strahlenschutz. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Bundesnetzagentur legt für jede Antenne einzeln Sicherheitsabstände für Orte fest, in denen sich Menschen aufhalten, und berücksichtigt dabei auch die bisher vorhandenen Antennen im Umkreis. Der Sicherheitsabstand muss „üblicherweise nur wenige Meter in Abstrahlrichtung der Antenne liegen“. In Sachen Sicherheitsabstände und Grenzwerte gelten laut Bundesumweltministerium (unter „Elektromagnetische Felder“) alle Regelungen „für 5G in gleicher Weise wie für die bisherigen Mobilfunknetze“.

Eine „Zunahme der Strahlenbelastung“ lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen

Die 5G-Technologie soll anders als die bisherigen Mobilfunktechnologien funktionieren. Daten sollen zum Beispiel durch sogenanntes „Beamforming“ nur dann übertragen werden, wenn Nutzer in der Nähe sind und sie auch benötigen. Das Verfahren findet laut des Magazins IP-Insider bereits bei aktuellen WLAN-Routern Verwendung. Vodafone testet die „Beamforming“-Technik bei 5G nach eigenen Angaben seit Mai 2018. Die Daten über die Funksendeanlagen sollen demnach flexibel übertragen werden – je nach Bedarf.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags schreibt dazu (PDF, Seite 4): „Die intelligenten Antennen, auch ‘adaptive’ Antennen genannt, können das Signal in die Richtung des Nutzers bzw. des Mobilfunkgerätes fokussieren. Damit wird in die Richtung des Nutzers eine hohe Leistung abgestrahlt, in allen anderen Richtungen ist die Leistung jedoch niedriger. Insgesamt haben adaptive Antennen dadurch eine geringere Strahlenbelastung zur Folge als herkömmliche Antennen.“

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Weil die Datenübertragung also immer schwanken und verschiedene Antennentechniken zum Einsatz kommen sollen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, ob die Strahlenbelastung zunehmen wird. Zudem ist nicht geklärt, wann und in welchem Ausmaß der 5G-Ausbau stattfinden wird. In Berlin wird 5G laut der Telekom schon seit Mai 2018 ausgebaut und getestet. Ein Sprecher sagte CORRECTIV im Mai am Telefon, bisher gebe es 70 Antennenstandorte in Berlin, die meisten davon im Stadtteil Charlottenburg.

Doch verlässliche deutschlandweite Erhebungen zur Anzahl der neuen Sendeanlagen und der möglichen Strahlenbelastung soll es erst dann geben, wenn 5G flächendeckend in Betrieb gegangen ist. Informationen zu Grenzwerten sind bislang reine Spekulation. Das Bundesamt für Strahlenschutz „rät zu einem umsichtigen Ausbau von 5G“ und will „die Wirkung der neuen Frequenzbereiche weiter erforschen“. 

Bundesumweltministerium über 5G: „Keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung“

Im Facebook-Beitrag wird außerdem behauptet, dass sich das „Gefährdungspotenzial“ durch 5G um ein mehrfaches steigern werde. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls  Spekulation. Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: „Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen sind auch für die derzeit für 5G zur Verfügung stehenden Frequenzen weitestgehend aussagekräftig: Innerhalb der gültigen Grenzwerte und bei Einhaltung der an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es demnach keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung des Mobilfunks.“

Was das Bundesumweltministerium zu einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch 5G schreibt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kam im April 2019 zu dem Fazit, dass die Unsicherheiten zwar nicht völlig ausgeräumt seien. Aber: „Trotz der umfangreichen Untersuchungen konnte bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Mobilfunk und den gesundheitlichen Auswirkungen bestätigt werden.“ 

Über die Sorge darüber, dass von 5G eine Gefahr für Menschen ausgehen könnte, haben wir einen Hintergrundbericht veröffentlicht, in dem wir auf die aktuelle Studienlage eingehen. 

Zusammengefasst lässt sich folgendes zu 5G sagen: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf uns wirken könnte. Zudem ist anhand der aktuellen Studienlage nicht belegt, ob und wie gefährlich sie uns werden könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen werden und mehr Forschung zu ihrer Schädlichkeit stattfinden.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass die Strahlenbelastung durch 5G zunimmt oder das Gefährdungspotenzial für Menschen steigt.

AfD-Tesla
Die AfD Bayern verbreitet bei Facebook dieses Bild. (Collage: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Tesla baut in Brandenburg einen neuen Standort und will dort 2021 mit der Produktion starten. Dafür werden Mitarbeiter gesucht, unter anderem mit polnischen Sprachkenntnissen. Die AfD Bayern behauptet deshalb, dass ausschließlich Menschen aus Polen eingestellt werden sollen und liegt damit falsch. 

Eine Stellenanzeige des Elektroauto-Herstellers Tesla für den geplanten neuen Produktionsstandort in Brandenburg hat bei der AfD Bayern offenbar für Verwunderung gesorgt. Darin wird ein „Recruitment Operations Coordinator“ gesucht, der unter anderem Polnisch spricht. Die Partei erstellte ein Bild, das sie am 14. Januar bei Facebook teilte. Die Behauptung lautet, Tesla werbe gezielt polnische Mitarbeiter an. 

Im dazugehörigen Text behauptet die AfD, Tesla suche „ausschließlich Mitarbeiter, die fließend Polnisch sprechen“. Außerdem wird spekuliert, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen. 

Der Blog Politikstube nahm die Behauptungen der AfD auf und veröffentlichte dazu einen Beitrag. Allerdings sind die Behauptungen falsch.

Tesla sucht zurzeit 35 Angestellte – davon soll einer Polnisch sprechen können

Tesla hatte im November 2019 angekündigt, einen Produktionsstandort in Deutschland zu bauen. Dort sollen Batterien und Fahrzeuge gebaut werden. Die Wahl fiel auf den Ort Grünheide in Brandenburg. Hier investiert das Unternehmen mindestens 1,065 Milliarden Euro.

Insgesamt sind momentan 35 Stellen für das neue Werk ausgeschrieben (Stand: 17. Januar 2020). Dies sind vor allem Führungspositionen. Unter anderem war bis zum 15. Januar noch die Stelle des „Recruitment Operations Coordinator“ ausgeschrieben. Für diese Stelle sollten die Bewerber über deutsche, polnische und englische Sprachkenntnisse verfügen. Die Stellenausschreibung wurde inzwischen entfernt, wir haben sie aber archiviert.

Auf die Frage, ob in Zukunft ausschließlich Mitarbeiter gewonnen werden sollen, die fließend Polnisch sprechen, antwortet Kathrin Schira, Pressesprecherin von Tesla, mit einem Wort: „Nein!”

Wer den Job als „Recruitment Operations Coordinator“ bekommt, soll laut Stellenanzeige für die Organisation von Bewerbungsgesprächen zuständig sein. Insgesamt 12.000 Menschen sollen in den kommenden Jahren insgesamt im neuen Tesla-Werk arbeiten, schreibt die Sprecherin des Unternehmens an CORRECTIV. 

Die E-Mail der Pressesprecherin Kathrin Schira von Tesla. (Screenshot: CORRECTIV)
Die E-Mail der Pressesprecherin Kathrin Schira von Tesla. (Screenshot: CORRECTIV)

Die polnische Grenze ist vom geplanten Standort nur etwa 60 Kilometer entfernt. „Die Stellenbeschreibung richtet sich an die von uns gesuchten Recruiter, die sich vorzugsweise in Deutsch, Englisch und Polnisch an zukünftige Mitarbeiter wenden können“, so Kathrin Schira. 

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Viele andere Stellenausschreibungen fordern nur Deutsch und Englisch als Sprachkenntnisse (zum Beispiel hier und hier).

Selbst die Quellen, die die AfD in ihrem Beitrag nennt – die Welt („Tesla schaltet verräterische Stellenanzeige“) und Achse des Guten („Wenn der Tesla auf polnisch hupt“) – schreiben richtig, dass Tesla wohl „auch Mitarbeiter aus dem Nachbarland“ anwerben wolle. Auch, nicht ausschließlich. 

Tesla-Sprecherin: „Deutschland hat großartige Ingenieure“

Zu der Behauptung der AfD Bayern in ihrem Facebook-Beitrag, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen, schreibt die Sprecherin: „Das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: Deutschland hat großartige Ingenieure, die wir hoffentlich für uns gewinnen können.“

Unsere Bewertung:
Es sollen nicht nur Menschen aus Polen im neuen Werk von Tesla in Brandenburg angestellt werden.

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„C.A.R.E.-Diesel“ und andere hydrierte Pflanzenöle können eine Alternative zu fossilen Brennstoffen sein. (Symbolbild: webandi/Pixabay)

von Bianca Hoffmann

Hat die Bundesregierung kein Interesse an alternativen Treibstoffen, die viel CO2 einsparen? Geht es nach einem Bild, das gerade auf Facebook kursiert, könnte man genau das annehmen. An den Behauptungen ist allerdings nicht viel dran.

Die Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ stellt regelmäßig Bilder auf Facebook, die sich die Nutzer herunterladen und weiterverbreiten können. In einem Post vom 18. Dezember 2019 geht es um den sogenannten „C.A.R.E.-Diesel“, einen alternativen Kraftstoff, der angeblich bis zu 65 Prozent CO2 einsparen könne. Das Problem ist laut „Informiert statt Uninformiert“, dass die Bundesregierung die Einführung des Kraftstoffes angeblich ablehnen würde. 

Inzwischen wurde das Bild schon mehr als 45.000 Mal auf Facebook geteilt (Stand: 15. Januar 2020).

Dieses Bild wurde von der Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

CORRECTIV hat sich die Hauptbehauptungen, die im Bild genannt werden, genauer angeschaut. Dafür haben wir mit einem Sprecher des Bundesumweltamtes, dem Geschäftsführer des Unternehmens Tool-Fuel, einem Sprecher des Unternehmens Bosch sowie einem Sprecher des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie gesprochen. Unsere Recherche hat ergeben, dass die Behauptungen zum größten Teil falsch sind.

„C.A.R.E.-Diesel“ – was ist das überhaupt?

„C.A.R.E.“ ist eine Abkürzung und steht laut Alexander Stöhr, Geschäftsführer des Kraftstoff-Vertreibers Tool-Fuel für: „CO₂ reduction“, „arctic quality“, „renewable sources“ und „emissions reduction“. Es handelt sich dabei um einen alternativen Diesel-Kraftstoff fürs Auto, der aus hydriertem Pflanzenöl besteht (HVO). „Als Rohstoff zur Produktion von HVO können unterschiedliche Pflanzenöle (Palmöl, Rapsöl etc.) oder Abfallfett der Lebensmittelindustrie, Fischerei und Schlachtereien dienen“, schreibt Frank Brühning, Pressesprecher des Verbandes für Biokraftstoffe in einer E-Mail an CORRECTIV. 

E-Mail von Alexander Stöhr, Geschäftsführer von Tool-Fuel. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Facebook-Beitrag von „Informiert statt Uninformiert“ ist das Logo des Unternehmens Bosch zu sehen. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass Bosch „C.A.R.E.-Diesel“ verkauft oder produziert. Dem ist nicht so, wie Pressesprecher Joern Ebberg gegenüber CORRECTIV bestätigt: „Bosch ist Anwender des ‘C.A.R.E.-Diesels’. Das Unternehmen nutzt den Kraftstoff seit Ende 2018 in Fahrzeugen seiner Geschäftsführung.

Der Kraftstoff aus Pflanzenöl wird vom finnischen Unternehmen Neste hergestellt – und ist damit keine „deutsche Innovation“, wie im Facebook-Beitrag behauptet. Neste selbst verkauft ihn unter dem Namen „My Renewable Diesel“ zum Beispiel in den Niederlanden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz trägt das Produkt den Namen „C.A.R.E-Diesel“; das Unternehmen Tool-Fuel hat sich nach Angaben des Geschäftsführers Alexander Stöhr den Markennamen eintragen lassen und vertreibt den synthetischen Kraftstoff.

Gibt es in Deutschland eine Zulassung für „C.A.R.E.-Diesel“?

„In Deutschland gibt es kein ‘Zulassungsverfahren’ für Kraftstoffe. Der Kraftstoff muss die gesetzlich festgeschriebenen Qualitätsanforderungen erfüllen“, schreibt Christopher Stolzenberg, Pressesprecher des Bundesumweltministeriums, CORRECTIV per E-Mail. Diese Anforderungen sind im Bundes-Imissionsschutzgesetz festgeschrieben. Die Behauptung von „Informiert statt Uninformiert”, dass die Bundesregierung den alternativen Kraftstoff ablehne, ist demnach falsch.

E-Mail von Christopher Stolzenberg, Pressesprecher des Bundesamtes für Umwelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Diese Qualitätsanforderungen sind in Deutschland per DIN-Norm geregelt. Für Diesel gelten die Anforderungen der Norm DIN EN 590. Die „Paraffinischen Dieselkraftstoffe aus Synthese oder Hydrierungsverfahren“, zu denen auch „C.A.R.E.-Diesel“ gehört, sind ebenfalls normiert, allerdings in der DIN EN 15940, die keinen Einzug in das Bundes-Imissionsschutzgesetz gefunden hat. Die Bundesregierung habe sich aufgrund fehlender Freigaben der Autohersteller dagegen entschieden, so Stolzenberg. 

Eine fehlende Freigabe bedeute, dass Fahrzeughalter „den Kraftstoff auf eigenes Risiko verwenden und im Schadensfall auf den Kosten sitzen bleiben.“ 

Auch Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr schreibt CORRECTIV, bislang gebe es in Deutschland keine Pkw, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. 

Antwort von Alexander Stöhr, Geschäftsführer Tool-Fuel, auf die Frage, ob es Herstellerfreigaben für Pkw gibt. (Screenshot: CORRECTIV)

In anderen europäischen Ländern wurden die synthetischen Dieselkraftstoffe in die Regelwerke der jeweiligen Länder aufgenommen und werden dort bereits verkauft, zum Beispiel in den Niederlanden.

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Synthetische Kraftstoffe sind in Deutschland jedoch schon im Einsatz. In Reinform dürfen sie beispielsweise in Sportboote mit einem Volvo-Penta-Motor getankt werden. 

Außerdem erlauben die gesetzlichen Regelungen eine Beimischung der hydrierten Pflanzenöle zu normalem Diesel für Autos von bis zu 26 Prozent, so Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium. Zudem darf bis zu sieben Prozent Biodiesel aus Altspeiseölen hinzugefügt werden. Insgesamt also bis zu 33 Prozent. Und diese Zahl sorgt auch für den Namen, unter dem manche Shell-Tankstellen den Kraftstoff bereits verkaufen: R33 Blue. Er ist laut Shell für alle Dieselfahrzeuge zugelassen. 

E-Mail von Christopher Stolzenberg, Pressesprecher Bundesumweltministerium. (Screenshot: CORRECTIV)

Kann mit synthetischem Kraftstoff wirklich 65 Prozent CO2 gegenüber normalem Diesel eingespart werden?

„C.A.R.E.-Diesel“ ist nach Herstellerangaben zu 100 Prozent regenerativ, da er aus Abfällen erstellt werde. Allerdings fielen für die Herstellung des Kraftstoffes Strom, Gas und Transportkosten an. So kommen CO2-Einsparungen zwischen 50 und 90 Prozent (je nach verwendetem Rohstoff) im Vergleich zu normalem Diesel zustande, wie Hersteller Neste auf seiner Homepage schreibt

Frank Brühning, Pressesprecher des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie, schreibt, die Aussage, der Kraftstoff spare 65 Prozent Treibhausgasemissionen ein, sei so pauschal falsch. „Mit Palmöl als Rohstoff erreicht HVO eine Einsparung von ca. 70 Prozent. Wird Abfallöl, also beispielsweise Frittieröl genutzt, kommt man auf etwa 90 Prozent.”

Antwort von Frank Brühning, Pressesprecher des Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. (Screenshot: CORRECTIV)

Ist synthetischer Diesel wirklich so gut wie behauptet?

Brühning vom Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie schreibt in seiner E-Mail jedoch auch, dass es nicht erstrebenswert sei, wenn an der Tankstelle synthetischer Diesel in Reinform zu kaufen wäre. Dieser wäre nämlich deutlich teurer als normaler Diesel. „Es handelt sich um den mit Abstand teuersten Biokraftstoff auf dem Markt“, so Brühning. Bioethanol und Biodiesel seien hingegen bedeutend günstiger.

Alexander Stöhr von Tool-Fuel sagt, dass ein Liter „C.A.R.E.-Diesel“ an der Tankstelle ungefähr 1,55 Euro kosten würde. Der Kraftstoff „hätte damit einen Abstand zum Referenzkraftstoff (Diesel) von ca. 20 bis 30 Eurocent je Liter, eine auf den Verkauf optimierte Infrastruktur vorausgesetzt“. 

E-Mail von Alexander Stöhr, Geschäftsführer von Tool-Fuel. (Screenshot: CORRECTIV)

In den Kommentaren zum Facebook-Post von „Informiert statt Uninformiert” wird außerdem immer wieder darauf hingewiesen, dass der synthetische Diesel auch aus Palmöl hergestellt werde. Das ist richtig. „Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse, insbesondere Palmöl, können durch indirekte Landnutzungseffekte teilweise mehrfach höhere Treibhausgasemissionen aufweisen als fossile Kraftstoffe“, schreibt Pressesprecher Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium in einer E-Mail an CORRECTIV. Der Anbau von Palmöl könne zur Entwaldung tropischer Regenwälder oder der Trockenlegung von Moorgebieten führen. Und das wiederum sorge für Treibhausgasemissionen und den Verlust biologischer Vielfalt. 

Nach Angaben von Tool-Fuel wird deshalb seit Anfang 2019 kein Kraftstoff mehr als „C.A.R.E-Diesel“ verkauft, der Palmöl enthält. „Weil selbst der nachhaltige Anbau von Palmöl zu Verdrängungseffekten in der Region führt, wollen wir bei Tool-Fuel dieses so benötigte Nahrungsmittelquelle nicht weiter unter Druck setzen. […] Stattdessen kommen für die Herstellung von C.A.R.E. Diesel® ausschließlich Rest- und Abfallstoffe nach der aktualisierten Fassung der Erneuerbare Energien-Richtlinie in Frage.“

Update, 20. Januar 2020: In einer früheren Version des Artikels haben wir Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr mit den Worten zitiert, es gebe in Deutschland keine Fahrzeuge, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. Richtig ist, dass lediglich für Pkw keine Herstellerfreigaben vorliegen, für manche Lkw hingegen schon. Stöhr weist in einer E-Mail an CORRECTIV außerdem darauf hin, dass „C.A.R.E.-Diesel“ in die Regelwerke der anderen EU-Mitgliedsstaaten aufgenommen wurde. Dies haben wir ebenfalls ergänzt.

Unsere Bewertung:
Bewertung: Größtenteils falsch. „C.A.R.E.-Diesel“ ist keine deutsche Innovation. Er wird nicht von der Bundesregierung blockiert, sondern wurde nicht ins Gesetz aufgenommen, weil es keine Herstellerfreigaben für Autos gibt. Der Kraftstoff kann jedoch in normalen Diesel gemischt werden, und dieses Diesel-Arten sind auch in Deutschland erhältlich.

Australia Wildfires
Im Netz kursieren zahlreiche Behauptungen über die Buschfeuer in Australien. (Foto vom 2. Januar: Robert Oerlemans/AP Photo/dpa)

von Alice Echtermann , Till Eckert

Die Seite „Wochenblick“ spekuliert, ein angeblicher Brandstifter in Australien könnte „IS-Terrorist“ gewesen sein. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Der Vorwurf gegen den jungen Mann lautet außerdem nicht Brandstiftung, sondern fahrlässiger Umgang mit Feuerwerk.

Die österreichische Seite Wochenblick spekulierte am 8. Januar, dass ein „IS-Terrorist“ Buschbrände in Australien gelegt haben könnte, liefert aber keinen Beleg dafür. In dem Artikel heißt es lediglich, zwei jungen Männern namens Fadi und Abraham Z. werde vorgeworfen, am 22. Dezember ein Grasfeuer in Guildford, einem Vorort von Sydney, verursacht zu haben. „Tatsächlich hat die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bereits im November dazu aufgerufen, den Dschihad durch Brandstiftung voranzutreiben“, schreibt Wochenblick.

Als einzige Quelle gibt die Seite einen Artikel der britischen Boulevardzeitung Daily Mail von November 2019 an, in dem es heißt, der „IS“ habe angeblich dazu aufgerufen, Waldbrände in den USA und Europa zu legen. „Dass diese Forderung nun in Australien umgesetzt wurde, ist ein denkbarer, schrecklicher Verdacht“, so Wochenblick weiter. Einen konkreten Hinweis gibt es für diesen „Verdacht“ aber nicht.

Vorwurf vor Gericht lautet nicht Brandstiftung

Was stimmt, ist, dass es Medienberichte vom 7. Januar über zwei Brüder namens Fadi und Abraham Z. gibt. Sie hätten am 22. Dezember Feuerwerk in einem Park gestartet und ein Grasfeuer ausgelöst. Darüber berichten zum Beispiel Pacific Pundit, der australische Daily Telegraph und The Count. Laut einem weiteren Artikel von Miragenews fand die Gerichtsverhandlung am 7. Januar vor dem Parramatta Local Court statt. In all den Berichten wird nirgends ein islamistischer Hintergrund oder Hinweis auf ein solches Motiv erwähnt.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt die Pressestelle der lokalen Gerichte in New South Wales per E-Mail mit, es sei nur einer der beiden Männer angeklagt, Abraham Z.. Der Vorwurf gegen ihn laute „fahrlässiger Umgang mit Sprengstoff, um Sachschäden zu verursachen“. Außerdem habe er ein Messer dabei gehabt. Zu weiteren Hintergründen könne man keinen Kommentar abgeben, heißt es in der E-Mail der Pressestelle. Fest steht aber: Es geht bei den Vorwürfen nicht um Brandstiftung und auch nicht um Terror.

Es wurden nicht rund 200 Brandstifter festgenommen

In dem Wochenblick-Text wird außerdem behauptet, es seien bisher etwa 200 Personen wegen Brandstiftung festgenommen worden. Eine Quelle dafür wird nicht genannt. In Medien kursieren dazu unterschiedliche Behauptungen, oft ist auch von 180 Brandstiftern die Rede.

In mehreren der Artikel wird dazu auf Zahlen der Polizei New South Wales verwiesen. Diese veröffentlichte am 6. Januar eine Pressemitteilung, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf:

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei.

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Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison in ganz Australien wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der Mann ist nicht wegen Brandstiftung angeklagt, es gibt keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Außerdem wurden nicht 200 Brandstifter festgenommen.

collage brandstifter
Eine der Behauptungen zum Ausbruch der aktuellen Feuer in Australien. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In mehreren Meldungen im Netz ist von 180 oder 200 angeblich festgenommenen Brandstiftern in Australien die Rede, im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern. Es handelt sich häufig um irreführend wiedergegebene Zahlen der Polizei New South Wales.

Mehrere Webseiten veröffentlichten in den vergangenen Tagen Artikel, in denen behauptet wird, Auslöser der aktuellen Brände in Australien sei hauptsächlich Brandstiftung. Zudem werden verschiedene Zahlen zu den angeblich festgenommenen Brandstiftern genannt. So ist entweder von mehr als 180 (zum Beispiel bei derSchweizer Webseite Nau) oder von rund 200 Menschen (zum Beispiel bei Watergate TV) die Rede.

In einem Übersichtsartikel haben wir einige der Behauptungen entkräftet, die im Umlauf sind. Dabei fiel uns auf, dass die verbreiteten Zahlen zu den angeblichen Brandstiftern häufig irreführend wiedergegeben werden.

Oft werden Zahlen der Polizei New South Wales irreführend zitiert

In mehreren der Artikel, darunter zum Beispiel bei Watergate, wird behauptet, es seien „183 Menschen festgenommen worden, weil sie in verschiedenen Bundestaaten Brände gelegt haben wollen“.

Es handelt sich dabei offenbar um Zahlen aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Es gibt mehrere Auslöser für Waldbrände

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Dass also 183 Personen „festgenommen“ worden seien, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten, also möglicherweise den Straftatbestand der Brandstiftung erfüllten. Ob die aktuellen großen Feuer durch Brandstiftung entstanden sind, ist jedoch unklar. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung laut des Guardian – es gäbe dafür keine Indizien.

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Die Regierung des Bundesstaats South Australia nennt weitere typische Auslöser für Waldbrände, darunter Fehler in elektrischen Anlagen, die eine Überhitzung verursachen, oder Blitzeinschläge. Bei aktuellen großen Feuern in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bezeichneten die Feuerwehrleute Steve Warrington und Ben Shepherd in Medienberichten hauptsächlich Blitze als Ursache. Auch die australische Meteorologie-Behörde schreibt in einem Infoartikel über „bushfire weather“, in manchen Regionen Australiens seien Blitze die Hauptursache für Buschbrände. Wir haben dazu bei den zuständigen Feuerwehrbehörden angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels jedoch keine Antwort erhalten. 

Warum der Klimawandel bei Buschfeuern durchaus eine Rolle spielt, haben wir in einem weiteren Faktencheck erklärt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es gab keine hunderten Festnahmen wegen Brandstiftung im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern.