Wirtschaft und Umwelt

Keine Hinweise, dass diese Bilder verletzter Affen aus Lateinamerika stammen

In Sozialen Netzwerken teilen Nutzer Bilder von verletzten Affen. Für die Behauptung, es handele sich um Vorfälle im Amazonasgebiet, gibt es keine Belege. Die Bilder wurden wahrscheinlich in Algerien aufgenommen.

von Cristina Helberg

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Facebook-Beitrag vom 27. August 2019: Die Bilder stammen wahrscheinlich nicht aus dem Amazonasgebiet, wie die Nutzerin behauptet. (Screenshot: CORRECTIV)
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Unbelegt. Es gibt keine Belege oder Hinweise, dass die Fotos in Lateinamerika entstanden sind. Wahrscheinlich wurden sie in Algerien im Sommer 2019 aufgenommen.

Zwei Fotos von Affen mit Verletzungen teilte eine Facebook-Nutzerin am 27. August 2019. Dazu schrieb sie: „Die verbrannten Tiere von am Amazonas [sic]“. Der Beitrag wurde mehr als 9.500 Mal geteilt. Für die Ortsangabe lieferte die Nutzerin jedoch keine Belege. Auch Quellenangaben zu den Fotos fehlen.

Bilder-Rückwärtssuche liefert Hinweise auf Algerien 

Wir haben die Fotos in die Rückwärtssuche verschiedener Suchmaschinen hochgeladen und so den mutmaßlichen Ursprung recherchiert. Lädt man die Fotos zum Beispiel in der Google-Bilder-Rückwärtssuche hoch, ergänzt die Suchmaschine automatisiert Suchbegriffe. In diesem Fall ergänzte Google die Suche für das Bild des Affenpaars mit den Begriffen „feu en kabylie 2019“. Das ist Französisch und heißt übersetzt: „Feuer in Kabylie 2019“. Kabylie ist eine Region in Algerien. 

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche nach einem der Fotos führte zu Hinweisen auf Algerien. (Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich liegt die automatische Suchwörter-Ergänzung von Google in diesem Fall mutmaßlich richtig. Gleich der erste Treffer ist ein Youtube-Video mit dem Titel: „Kabylie: Plusieurs forêts ravagées par le feu“ (deutsch: „Kabylie: Mehrere Wälder vom Feuer verwüstet“), veröffentlicht am 27. Juli 2019. Darin ist ein Ausschnitt einer Nachrichtensendung des algerisch-französischen Fernsehsenders und gleichnamigen Youtube-Kanals Berbère Télévision zu sehen. In dem Video werden auch die zwei Affen mit dem Jungtier aus dem Facebook-Beitrag gezeigt, allerdings aus einem anderen Winkel fotografiert. 


Youtube-Video des Channels „Berbère Télévision“ (Screenshot: CORRECTIV)

Bolivianische Faktenchecker recherchierten ebenfalls zu den Fotos 

Auch in Bolivien wurden die Fotos aus dem Facebook-Beitrag in Sozialen Netzwerken mit dem fragwürdigen Hinweis verbreitet, es handele sich um Aufnahmen aus der lateinamerikanischen Region. Die Faktenchecker von Bolivia Verifica veröffentlichten dazu am 2. September 2019 einen Artikel und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um Bilder aus Bolivien. Sie verwiesen zum Ursprung der zwei Fotos auf die algerischen Nachrichtenseiten Ennahar-Online und Le Matin d’Algerie

Tatsächlich zeigt Ennahar-Online das Foto aus dem Youtube-Video und das aus dem Facebook-Beitrag, auf dem jemand den Affen in den Händen hält. Le Matin d’Algerie zeigt das andere Foto aus dem Facebook-Beitrag. Beide Redaktionen nennen jedoch keine Quellenangabe. 

Am 1. August 2019 veröffentlichte auch die Webseite MaghrebOrnitho einen Artikel mit den Fotos der verletzten Affen und der Überschrift: „Barbary macaques burnt alive by Algeria wildfires“ (deutsch: Berberaffen lebendig verbrannt bei Waldbränden in Algerien). Als Belege führt die Seite Berichte der Nachrichtenagentur Algérie Presse Service vom 26. Juli 2019 und der Webseite El Watan vom 28. Juli 2019 an. 

Tatsächlich berichteten sowohl die algerische Nachrichtenagentur als auch El Watan in den Artikeln über Affen, die durch die Waldbrände getötet worden seien. Algérie Presse Service schreibt: „[…] sowie in Tikjda, wo mehrere Magotaffen und andere Tierarten durch die Flammen ums Leben gekommen sind […]“ (übersetzt aus dem Französischen). El Watan berichtete: „Dutzende von Tieren der Berberaffen, allgemein als Magot bekannt, und andere Arten sind umgekommen“ (übersetzt aus dem Französischen). 

Zwar berichten beide Seiten über getötete Affen, zeigen jedoch keine Bilder davon. Damit lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass die Fotos tatsächlich in Algerien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich. Wir haben außerdem keine Hinweise darauf gefunden, dass die Fotos, wie behauptet, in Lateinamerika entstanden sein könnten. 

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