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Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA in der Arktis im Juni. Sie bereiten einen Ballon mit Ozonsonde vor. (Foto: NOAA / Unsplash)

von Alice Echtermann , Till Eckert

Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler.

Haben sich 500 Wissenschaftler gegen die aktuelle Klimapolitik gewandt und die Gefährlichkeit des Klimawandels bestritten? So jedenfalls liest es sich in Berichten auf  Webseiten wie Tichys Einblick. Dort erschien am 26. September ein Artikel mit dem Titel „500 Wissenschaftler erklären: ‘Es gibt keinen Klimanotfall’“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.900 Mal auf Facebook geteilt. 

Ein weiterer Artikel („Über 500 Wissenschaftler widersprechen These vom ‘menschengemachten Klimawandel’“) der Seite Unsere Natur wurde mehr als 9.800 Mal geteilt. Auch Epoch Times (2.200 Mal geteilt) und Watergate.tv (2.000 Mal geteilt) schreiben  von „500 Wissenschaftlern“, ebenso wie die US-Webseite Breitbart am 24. September (20.000 Mal geteilt). 

Die Berichte beziehen sich auf einen offenen Brief mit der Überschrift „There is no Climate Emergency“ („Es gibt keinen Klimanotfall“). Er ist an den UN-Generalsekretär António Guterres und die Exekutivsekretärin Patricia Espinosa Cantellano vom Sekretariat UN Climate Change adressiert und wurde am 22. September auf der Webseite der niederländischen Stiftung Climate Intelligence Foundation (Clintel) veröffentlicht. 

Die Verfasser des offenen Briefs behaupten selbst nicht, dass es sich bei den Unterzeichnern nur um Wissenschaftler handele. Die Liste der Unterzeichner enthält etwas mehr als 500 Namen, aus 24 Ländern. Sie werden als „scientists and professionals“ (Wissenschaftler und Experten) bezeichnet. 

In dem Brief finden sich Forderungen und Kritik an der „Klimapolitik“ oder Forschungsgrundlagen, außerdem auch fünf Tatsachenbehauptungen ohne Quellenangabe. Inzwischen gab es in mehreren Ländern Faktenchecks dazu, zum Beispiel von Climate Feedback. Wir haben sie ebenfalls geprüft:

1. Behauptung: „Natürliche wie auch anthropogene Faktoren verursachen eine Erwärmung“

Unter diesem Punkt steht im Brief: „Das geologische Archiv zeigt, dass das Erdklima sich schon so lange verändert, hat, wie es den Planeten gibt, mit natürlichen Kalt- und Warmphasen. Erst 1850 endete die Kleine Eiszeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt eine Phase der Erwärmung erleben.“

Dass es sowohl natürliche als auch menschliche Einflüsse auf die Erderwärmung gibt, darin stimmen Forscher großteils überein. Jedoch werden die Faktoren unterschiedlich gewichtet – und der menschliche Einfluss dabei meist höher, zumindest seit der Industrialisierung. In einem kürzlich veröffentlichten Faktencheck zitierten wir dazu aus einem aktuellen Bericht zu natürlichen Klimafaktoren des U.S. Global Change Research Program, an dem unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa mitwirkt. In dem Bericht steht (unter Punkt 2.3), dass zu den „wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter“ sowohl menschliche Aktivitäten gehören, als auch „in geringerem Maße“ solche natürlichen Ursprungs. 

Auch das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite über natürliche Faktoren für Erderwärmung und stellt die Industrialisierung heraus: „Bis zum Beginn der Industrialisierung waren die Auswirkungen menschlicher Eingriffe lokal oder regional begrenzt. Seit der Industrialisierung werden jedoch deutliche überregionale und globale Änderungen im Stoffhaushalt der Atmosphäre als Folge menschlichen Wirkens beobachtet.“ 

Richtig ist laut der Freien Universität Berlin, dass die Kleine Eiszeit bis 1850 andauerte und wir gerade in einem sogenannten Holozän, einer Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters leben. Laut den Ergebnissen einer Studie unter anderem des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung von 2016, könnte die derzeitige Warmzeit weitere 50.000 Jahre anhalten. Nach Ansicht der Forscher könnten CO2-Emissionen die nächste Kaltzeit aber auch um mindestens 100.000 Jahre aufschieben.

2. Behauptung: „Die Erwärmung verläuft viel langsamer als vorhergesagt“

Dazu steht im Brief: „Die Welt hat sich mit weniger als der Hälfte der ursprünglich vorhergesagten Rate erwärmt, und mit weniger als der Hälfte der Rate, die aufgrund vom tatsächlichen menschlichen Einfluss und Strahlungsungleichgewicht zu erwarten ist. Es sagt uns, dass wir weit davon entfernt sind, den Klimawandel zu verstehen.“

Unerwähnt bleibt, wer diese Erwärmungsrate „vorhergesagt“ haben soll und auf welche Grundlage sich das stützt. Ebenso wird nicht angegeben, wie hoch oder niedrig diese „Rate“ geschätzt worden sein soll oder wie hoch sie jetzt sei. Ohne diesen Kontext und Quellenangaben ist es schwierig, die Behauptung zu verifizieren. Es gab in der Vergangenheit zwar immer wieder Studien, die eine schnelle Erwärmungsrate thematisieren, in der Regel aber im Vergleich zu in anderen Zeiträumen gemessenen Temperaturen; so zum Beispiel in dieser Studie der Universität Maryland, die im Juli veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Klimaentwicklung der vergangenen 2.000 Jahre anhand von Aufzeichnungen rekonstruiert.

Unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa erhebt Daten zum Temperaturanstieg auf der Erde. In einer Grafik ist beispielsweise zu sehen, wie die Temperatur in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich anstieg, die Sonneneinstrahlung in der gleichen Zeit aber zurückging. 

Der offene Brief liefert keine Belege für die Behauptung, die Erderwärmung verlaufe langsamer als vorhergesagt.

3. Behauptung: „Klimapolitik stützt sich auf inadequate Modelle“

Dazu steht im Brief: „Klimamodelle haben viele Mängel und sind als politische Instrumente nicht im Entferntesten plausibel. Außerdem übertreiben sie höchstwahrscheinlich die Wirkung von Treibhausgasen wie CO2. Darüber hinaus ignorieren sie die Tatsache, dass die Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 von Vorteil ist.“

Welche Klimamodelle konkret „Mängel“ aufweisen sollen und wie diese aussehen, wird in dem Brief nicht erwähnt. Wir haben daher beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung um eine allgemeine Einschätzung zu Klimamodellen gebeten. Eine Sprecherin verwies per E-Mail auf den Blogbeitrag eines Abteilungsleiters des Instituts, Stefan Rahmstorf. Rahmstorf schreibt darin: „Seit den 1970er Jahren gibt es quantitative Modelle zur Vorhersage der Erwärmung, und seither läuft die Erwärmung übrigens auch ziemlich genauso ab wie vorhergesagt.“

Forschungsverbünde wie der Weltklimarat IPCC oder das U.S. Gobal Change Program geben zu ihren Aussagen und Prognosen außerdem jeweils an, wie wahrscheinlich sie sind. Das basiert darauf, wie sicher zum Beispiel eintreffende Klimaereignisse prognostiziert werden können, wie gut messbar und plausibel die gesammelten Forschungsergebnisse dazu sind. Der derzeitige Forschungsstand wird somit transparent und nachvollziehbar gemacht – und wo und warum es Zweifel gibt, wird es kenntlich gemacht. Dass die Klimaforschung generell unplausibel oder mangelhaft sei, ist demnach nicht richtig.

Ob die Wirkung von Treibhausgas „übertrieben“ oder die Anreicherung von CO2 wirklich „von Vorteil“ ist, prüfen wir in den nächsten Punkten.

4. Behauptung: „CO2 ist pflanzliche Nahrung, die Grundlage allen Lebens auf der Erde“

Im Brief steht zu diesem Punkt: „CO2 ist kein Schadstoff. Es ist für alles Leben auf der Erde unerlässlich. Photosynthese ist ein Segen. Mehr CO2 ist für die Natur von Vorteil und begrünt die Erde: Zusätzliches CO2 in der Luft hat das Wachstum der globalen pflanzlichen Biomasse gefördert. Es ist auch gut für die Landwirtschaft, da es die Erträge der Pflanzen weltweit erhöht.“

Dass CO2 eine Art Düngeeffekt für die Erde hätte und mehr davon von Vorteil für Pflanzenwachstum wäre, ist keine neue Behauptung. Sie ist seit mindestens zehn Jahren im Umlauf, wie ein Artikel unserer US-amerikanischen Faktencheck-Kollegen von Politifact von 2009 zeigt. Verschiedene Forscher und Studien widersprechen dieser Darstellung jedoch. 

Rob Jackson, Professor für Klimawandel und Biologie an der Duke Universität in Durham, sagte Politifact dazu damals: „Ist Kohlendioxid gut für Pflanzen? Die knappe Antwort ist: ja. Aber ich denke es ist irreführend zu sagen, dass, nur weil CO2 gut für Pflanzen ist, es gut für die Umwelt ist. Das ist so wie wenn man sagen würde, dass Steroide gut für Menschen sind – sie bauen ja Knochen und Muskeln auf. Aber sie haben auch andere Wirkungen.” Rob Jacksons Forschung zeige zum Beispiel, dass es bei höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mehr Holzwachstum geben würde, aber dass es durch die höheren Temperaturen auch mehr Schädlinge und durch mehr Verdunstung längere Dürren geben könnte, schreibt Politifact

In der Forschung werden unter anderem genau diese zwei Faktoren, höhere Temperaturen und mehr Dürren, als Folgen des Klimawandels erwartet. Dass mehr CO2 „gut für die Landwirtschaft“ sei, wie im Brief behauptet, ist so nicht richtig: Die Webseite Klimafakten hat für einen Artikel zum Thema vier Studien zusammengetragen, die zum Ergebnis kommen, dass infolge der Erderwärmung Ernteerträge abnehmen würden (von 2014, 2015, 2016, 2016). Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem fünften Sachstandsbericht, dass die Erträge von Weizen, Reis und Mais infolge der Erderwärmung zurückgehen könnten. In einer Studie von 2017 kommen mehrere Forscher nach Tests zum Ergebnis, dass das Baumwachstum unter erhöhtem CO2 nicht signifikant zugenommen hat; was wiederum einem Teil von Rob Jacksons Forschung widerspricht.

Die Aussage, wonach mehr CO2 ausschließlich vorteilhaft für die Erde sei, lässt demnach gegenteilige Forschungsergebnisse außer Acht und kann nicht so pauschal getroffen werden.

5. Behauptung: „Die globale Erwärmung hat die Zahl der Naturkatastrophen nicht erhöht“

Dazu steht im Brief: „Es gibt keine statistischen Belege dafür, dass die globale Erwärmung Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren und ähnliche Naturkatastrophen verstärkt oder häufiger verursacht. CO2-Minderungsmaßnahmen sind jedoch ebenso schädlich wie kostspielig. So töten Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse, und Palmölplantagen zerstören die Biodiversität der Regenwälder.“

„Statistische Belege“ oder Daten dafür, dass die globale Erwärmung zu einer steigenden Anzahl Naturkatastrophen führt, sind schwer zu erheben, weil das Klima ständig variiert. Mehrere offizieller Stellen und Forschungsverbünde gehen aber wegen einer Zunahme von Hitzewellen oder Starkregenereignissen davon aus, dass auch Naturkatastrophen zunehmen werden. 

Mehrere US-Behörden, darunter die Nasa, veröffentlichten Ende 2018 einen Bericht, in dem sie vor einer Verschärfung von Naturkatastrophen durch die globale Erwärmung warnen. In einem Bericht von 2017 steht mit „mittelmäßiger Sicherheit“: „Menschliche Aktivitäten haben wesentlich zur beobachteten Variabilität der Ozean-Atmosphäre im Atlantik beigetragen und diese Veränderungen haben zu dem seit den 1970-er Jahren beobachteten Aufwärtstrend der nordatlantischen Hurrikaneaktivität beigetragen.“

Das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite zu diesem Thema: „Nach gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird die fortschreitende Klimaerwärmung zu Veränderungen der Stärke, der Häufigkeit, der räumlichen Ausdehnung und der Dauer von Extremwetterereignissen führen.“

Was das Umweltbundesamt auf seiner Webseite zu Risiken von Naturkatastrophen schreibt. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass „CO2-Minderungsmaßnahmen“ wie Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse töten, stimmt. Eine abschließende Beurteilung zum Ausmaß des Schadens für Vögel oder Fledermäuse durch Windenergie ist aber nicht möglich, wie wir für einen Faktencheck recherchiert haben. Eine gängige Windkraftanlage spart nach Ansicht von Experten im Durchschnitt zudem wesentlich mehr CO2 ein als der dafür gerodete Wald; das haben wir ebenfalls für einen Faktencheck recherchiert.

Dass Palmölanlagen die Biodiversität der Regenwälder zerstören, oder zumindest dazu beitragen, stimmt laut Umweltbundesamt größtenteils. Es schreibt dazu auf seiner Webseite: „Die Ölpalmen-Plantagen in Monokultur schaden der Umwelt. Menschen und Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Das Grundwasser wird durch die Düngung der Pflanzen geschädigt. Das Klima leidet unter der Entwaldung.“

6. Behauptung: „Klimapolitik muss wissenschaftliche und wirtschaftliche Realitäten respektieren“

Dieser letzte Punkt ist keine Tatsachenbehauptung sondern eine Meinung. Meinungen können wir nicht prüfen.

Fazit zu den Tatsachenbehauptungen im Brief

Die Aussagen sind – bis auf zwei – zwar in Teilen richtig, sie lassen aber oft zentralen Kontext aus, etwa zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen. Weil diese wichtigen Positionen fehlen, können die Behauptungen irreführend gelesen werden. 

Zudem werden zu keiner einzigen Behauptung nachvollziehbare Quellen, Belege oder Zitate angeführt, obwohl das in der Wissenschaft eigentlich die Norm ist. Unsere Faktencheck-Kollegen von Climate Feedback haben den Brief von sechs Forschern analysieren lassen: Diese kommen zum Schluss, dass seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit insgesamt als „sehr gering“ zu bewerten ist. So handele es sich dabei eher um „Rosinenpflücken“, der Brief sei inakkurat und voreingenommen.

Wer steckt hinter dem offenen Brief? 

Die sogenannte „European Climate Declaration“ wurde von der Climate Intelligence Foundation (Clintel) aus den Niederlanden veröffentlicht, die sich 2019 gründete. Die Stiftung will sich nach eigenen Angaben für eine „positivere Sicht“ auf den Klimawandel und eine Veränderung der Klimapolitik einsetzen. Im Mittelpunkt steht die Ansicht, dass der Einfluss von CO2 auf das Klima geringer sei als behauptet. 

Clintels Mitgründer Guus Berkhout wird als Initiator der Aktion genannt. Berkhout studierte Elektrotechnik, startete seine Karriere in den 60ern beim Ölkonzern Shell und lehrte dann an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden. 

Wer sind die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner?

Die meisten Personen auf der Liste stammen aus Europa, aber es sind auch Personen aus den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland dabei. Einer der prominentesten Namen auf der Liste ist Vaclav Klaus, ehemaliger Ministerpräsident der Tschechischen Republik, der bereits 2007 in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln: Was ist bedroht? Das Klima oder die Freiheit?“ die Angst vor dem Klimawandel als übertrieben und sogar gefährlich darstellte. 

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Auch viele andere der Unterzeichner sind bekannt dafür, die Gefahren durch den Klimawandel und den Einfluss des Menschen und des CO2 auf die globale Erwärmung als gering zu bezeichnen. Von den 13 Deutschen, die auf der Liste stehen, sind dies zum Beispiel Horst-Joachim Lüdecke und Fritz Vahrenholt. Lüdecke war nach Angaben einer Sprecherin bis 2008 Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands, im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Lehrgebiet „Praktische Informatik“.

Vahrenholt vertritt die Ansicht, der Einfluss des Menschen auf das Klima – im Wesentlichen durch den gestiegenen CO2-Ausstoß – sei nur halb so groß wie vom IPCC angenommen. Darauf wies er uns nach Veröffentlichung dieses Artikels per E-Mail hin. Vahrenholt arbeitete früher als Honorarprofessor an der Universität Hamburg im Fachbereich Chemie, war außerdem Hamburger Umweltsenator für die SPD, danach Manager bei Shell. Er baute die Windkraft-Firma Repower mit auf. 2008 bis 2012 arbeitete er bei RWE Innogy erst als Geschäftsführer und dann nach Aussage eines RWE-Sprechers von 2012 bis 2014 als Aufsichtsratsvorsitzender. Heute ist Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier-Stiftung.

Mindestens acht der 13 Deutschen sind im Ruhestand. Drei haben eine direkte Verbindung zum Europäischen Institut für Klima und Energie (Eike), ein deutscher Verein, der den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel als nicht bewiesen bezeichnet. Sie sind dort entweder als Autoren tätig (Döhler) oder sitzen im Fachbeirat (Lüdecke, Ewert). Weitere Personen von der Liste werden häufig von Eike zitiert oder traten bei Veranstaltungen des Vereins auf (Vahrenholt, Kirstein, Kutschera, Harde, Kröpelin, Weiss). 

Angaben zur Biografie sind teilweise falsch

Auffällig ist auch: Bei einigen Deutschen stimmen die Angaben zur Biografie, die in der Liste stehen, nicht. So steht bei Carl-Otto Weiss, er sei unter anderem „emeritierter Professor in Nichtlinearer Physik“ und „ehemaliger Präsident des Deutschen Meteorologischen Instituts in Braunschweig“. Wir fanden jedoch keinen Beleg, dass Weiss Professor an einer Universität oder Hochschule war. Und in Braunschweig, wo er zwar von 1973 bis 2006 Mitarbeiter bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) war, gibt es kein „Deutsches Meteorologisches Institut“, wie uns ein Pressesprecher per E-Mail mitteilte. „Die PTB ist das ‘Nationale Metrologieinstitut Deutschlands’, d.h., es geht in der PTB um die Wissenschaft des Messens und nicht um das Wetter.“ Weiss sei promovierter Wissenschaftler, nicht Professor. Zuletzt habe er bei der PTB nicht als Präsident sondern als Leiter des Fachbereichs „Zeit und Frequenz“ gearbeitet.

Zwei weitere Beispiele für irreführende biografische Angaben in der Liste sind Dietrich Bannert, angeblich „Professor Honoris Causa“ der Universität Marburg, und Klaus-Dieter Döhler, angeblich „Professor für Pharmawissenschaften an der Universität Hannover“. 

Bannert ist seit 1995 Honorarprofessor des Fachbereichs Geowissenschaften der Universität Marburg. „Dabei handelt es sich nicht um eine Ehrenprofessur, wie die Angabe ‘Professor Honoris Causa’ vermuten lässt“, teilte uns eine Pressesprecherin der Uni per E-Mail mit. Bannert hatte als promovierter Geologe also keine Professorenstelle inne, hielt aber nach Angaben der Sprecherin bis 1995 Lehrveranstaltungen ab.

Über Döhlers angebliche Professur an der Universität Hannover fanden wir keine Belege. Bis 1984 arbeitete er an der Medizinischen Hochschule Hannover im Bereich Klinische Endokrinologie. Er bekam dort außerdem den Titel „außerplanmäßiger Professor“ verliehen. Aktuell ist er ist Geschäftsführer der Firma Curatis Pharma in Hannover. 

Wissenschaftler bestätigen Unterschriften

Um zu prüfen, ob die Menschen auf der Liste den offenen Brief tatsächlich unterzeichnet haben, kontaktierten wir stichprobenartig zehn Personen. Alle haben naturwissenschaftliche Fachgebiete und sind noch nicht in Rente. 

Die zehn Personen, die wir kontaktiert haben

Von den zehn antworteten acht auf unsere E-Mails: D’Aleo, Mazzarella, Andresen, Walters, Birlenbach, Kutschera, Döhler und Zharkova bestätigten, dass sie den Brief unterschrieben haben und die darin aufgestellten Thesen und Forderungen unterstützen. 

Lediglich Kutschera schrieb, er unterstütze nicht alle Aussagen in dem offenen Brief völlig: Er sehe im Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre „ein Problem, das angegangen werden muss […] aber ohne Panik und Hysterie – die Probleme sind lösbar.“

Die E-Mail von Ulrich Kutschera. (Screenshot: CORRECTIV)

Es sind nicht 500 Wissenschaftler

Wir haben die Liste systematisch nach bestimmten Begriffen durchsucht, um herauszufinden, welchen Fachgebieten die Personen angehören. 

Die Suche zeigt: Von den 500 sind längst nicht alle Wissenschaftler. Zum Beispiel Campbell Rankine aus Australien ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf Steuerrecht. Reynier Pronk aus den Niederlanden wird bezeichnet als „ehemaliger IT-Manager, Berater für Projektmanagement und Trainer“. Christopher Monckton ist ehemaliger Politiker, unter anderem mit Verbindungen zur britischen Ukip-Partei. Und Marcel Crok, Mitgründer der niederländischen Stiftung Clintel, ist laut der Liste ein Journalist. 

Andere Unterzeichner haben zwar akademischen Hintergrund, jedoch nicht in naturwissenschaftlichen Fächern – wie Drieu Godefridi aus Belgien („Doktor in Jura“), Jean-Pierre Bardinet aus Frankreich („Ingenieur“) oder Marian Radetzki aus Schweden („emeritierter Professor für Wirtschaft, Luleå Universität“). 

Insgesamt werden 179 Personen in der Liste als „Professor“ bezeichnet. CORRECTIV ist es nicht möglich, die Qualifikation von allen zu überprüfen. 

Um herauszufinden, wie viele sich – nach den Angaben in der Liste – vollständig und wissenschaftlich auf das Thema Thema Klima spezialisiert haben, suchten wir nach dem Wort „Klimatologie“ auf verschiedenen Sprachen (Englisch: „climatology“ / Spanisch oder Italienisch: „climatologia“). Die Suche förderte fünf Treffer zutage. Davon sind zwei Personen bereits im Ruhestand.

  • Jacques Colombani, ehemals bei Orstom beschäftigt, einer französischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (heute: French National Research Institute for Development). Eine Suche bei Google Scholar zeigt, dass Colombani sich in den 70ern und 80ern mit Wasser- und Bodenuntersuchungen in Afrika beschäftigte, zum Beispiel erforschte er, ob der See Tschad vom Austrocknen bedroht sei. 
  • Werner Kirstein, ehemaliger Professor für Geographie an der Universität Leipzig. Zu seinem Namen findet man bei Google Scholar nur auf der Seite von Eike wissenschaftliche Publikationen zum Thema Klimawandel.
  • Joseph S. D’Aleo, ein Meteorologe aus den USA, Berater für die Lobby-Organisation Heartland Institute).
  • Adriano Mazzarella, ein Physiker und Professor am Institut für Erd-, Umwelt- und Ressourcenwissenschaften der Universität Neapel.
  • Gerrit J. van der Lingen, ein niederländischer Geologe, unter dessen Namen man bei Google Scholar keine Arbeiten über den Klimawandel findet, dafür aber Texte über Erdplattenverschiebungen und Sedimente.

Eine weitere Suche nach dem Wort „climate“ in dem Dokument führt zu 46 Personen. Davon werden nur 13 explizit als Naturwissenschaftler bezeichnet, und davon wiederum seien mindestens sieben im Ruhestand. Die anderen seien zum Beispiel Journalisten, Publizisten, Ökonomen oder Ingenieure. Manche werden ohne weitere Erklärungen als „climate researcher“ bezeichnet.

Was außerdem auffällt: Viele Personen in der Liste sind bereits im Ruhestand: Die Suche nach „Emeritus“ ergibt 72 Treffer. Eine weitere Suche nach „retired“ (im Ruhestand) erzielt 59 Treffer.

Update, 14. Oktober 2019: Wir haben zwei Angaben zu Fritz Vahrenholt ergänzt. Zum einen zu seinen Ansichten über den CO2-Einfluss, zum anderen über seine Tätigkeiten im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien.

Update, 17.Oktober 2019: Inzwischen hat uns der Pressesprecher der Medizinischen Hochschule Hannover telefonisch bestätigt, dass Klaus-Dieter Döhler dort bis 1984 im Bereich Endokrinologie arbeitete und etwas später den Titel „außerplanmäßiger Professor“ bekam. Wir haben daher das Wort „mutmaßlich“ aus dem Text gestrichen.

Update, 18. Oktober 2019: Wir haben weitere biografische Daten zu Fritz Vahrenholt und Horst-Joachim Lüdecke ergänzt.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es handelt sich nicht um 500 Wissenschaftler. Zudem lassen die Aussagen im Brief teils Kontext zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen aus und sind deshalb irreführend.

Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), Weibchen beim Fressen von Blättern am Baum
Das Sumatra-Nashorn ist nicht weltweit ausgestorben, aber stark bedroht. (Foto: imageBROKER / Terry Whittaker / FLPA / dpa)

von Alice Echtermann

In einem Instagram-Beitrag von „Faktastisch“ wird behauptet, nachdem das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia gestorben sei, sei die Art nun „offiziell ausgestorben“. Das ist falsch – sie ist in Malaysia ausgestorben, anderswo gibt noch Tiere, wenn auch nur wenige. 

Im November 2019 berichteten Medien über den Tod des letzten Sumatra-Nashorns in Malaysia. Das Weibchen namens Iman sei an Krebs gestorben. Daraufhin veröffentlichte die Seite „Faktastisch“, die Nachrichten und kurze Fakten über verschiedene Themen verbreitet, am 25. November auf Instagram ein Bild, in dem es heißt: „Malaysias letztes Sumatra-Nashorn ist gestorben. Damit ist die Tierart jetzt offiziell ausgestorben.“

Der Beitrag hat bereits mehr als 186.500 Likes (Stand: 22. Januar 2020). Die Formulierung von „Faktastisch“ kann so verstanden werden, dass es nun weltweit kein einziges Sumatra-Nashorn mehr gebe. Das stimmt nicht, wie auch Nutzer auf Instagram bereits in den Kommentaren angemerkt haben. 

Der Beitrag von „Faktastisch“ auf Instagram. (Screenshot am 22. Januar 2020: CORRECTIV)

Der Link, der in dem Instagram-Post unten links als Quelle angegeben wird, funktioniert nicht. Was stimmt, ist, dass das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia im November 2019 gestorben ist. Das Umweltministerium des Bundesstaates Sabah hatte bereits Ende 2017 mitgeteilt, bei dem Weibchen sei Krebs im Uterus diagnostiziert worden. 

In den Medienberichten über den Tod des Tieres, zum Beispiel bei National Geographic oder dem Spiegel, wird jedoch stets erwähnt, dass noch andere Exemplare der Nashorn-Art auf Sumatra, also in Indonesien, leben. So steht es auch in einer Pressemitteilung des WWF von November 2019. Die Art sei aber stark vom Aussterben bedroht. Die „letzte Hoffnung“ sei die Sumatra-Nashorn-Allianz der indonesischen Regierung mit dem WWF, der Weltnaturschutzunion IUCN, National Geographic, der International Rhino Foundation und Global Wildlife Conservation. Sie solle die wild lebenden Tiere schützen und ein Zuchtprogramm vorantreiben. 

Laut dieser Initiative (Sumatran Rhino Rescue) gibt es aktuell weniger als 80 Sumatra-Nashörner weltweit. Offiziell ausgestorben ist die Art aber noch nicht. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Sumatra-Nashorn ist nicht ausgestorben. Die Art ist vom Aussterben bedroht, es gibt aber noch Tiere in Indonesien. 

Controlled Burn In Wildlife Management Area
In Australien gibt es kein Verbot kontrollierter Brände, sie werden regelmäßig durchgeführt. Allerdings wird seit Jahren diskutiert, ob sie stärker eingesetzt werden sollten. (Symbolfoto: dpa picture alliance / Mitch Kezar)

von Alice Echtermann

Im Kontext der Buschbrände in Australien wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Grünen seien Schuld an der starken Ausbreitung der Feuer – denn sie hätten das kontrollierte Abbrennen von Unterholz gestoppt, das eingesetzt werde, um großen Bränden vorzubeugen. Das ist nicht richtig. 

In gleich zwei Artikeln auf der Webseite Epoch Times wird den Grünen in Australien die Schuld am Ausmaß der Buschbrände der vergangenen Monate gegeben. In einem Artikel mit dem Titel „Die Waldbrände in Australien – Desaster durch Verordnungswut der Grünen“ heißt es, um Buschbrände zu verhindern, hätten bereits die Ureinwohner Australiens kontrolliert Feuer gelegt. Diese Maßnahmen seien vor 20 Jahren durch die Grünen abgeschafft worden: „Das Verbot der vorsorglichen Brände auf Druck der Grünen führte zu einem Desaster.“ Nach großen Waldbränden 2016 sei das Abbrennen dann vorgeschrieben worden. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 600 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptung, die Grünen hätten ein Verbot der kontrollierten Brände erwirkt, ist jedoch falsch.

Der zweite Text mit dem Titel „Australischer Feuerwehrverband: Der Klimawandel ist nicht an der Brandkatastrophe schuld“ wurde mehr als 2.300 Mal geteilt. Darin wird eine Mitteilung eines Verbands der Freiwilligen Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales zitiert, und ebenfalls behauptet: „Das kontrollierte Abbrennen wurde von der Grünen Ideologie gestoppt, weil dem jeweils eine Menge Bodenfauna zum Opfer fiel.“ Auch die Behauptung, die Grünen hätten die kontrollierten Brände gestoppt, ist falsch.

Kontrolliertes Abbrennen von Unterholz oder trockenen Blättern wird in Australien laut dem Forscher David Bowman von der University of Tasmania als „prescribed burning“, „hazard reduction burning“ oder auch „fuel reduction burning“ bezeichnet. Solche Brände werden je nach Region unterschiedlich regelmäßig durchgeführt. Im Bundesstaat Western Australia gibt der Parks and Wildlife Service sogar explizit Tipps für die Planung eines solchen Feuers und zeigt auf seiner Webseite, wo am jeweiligen Tag Brände geplant sind. 

Der Guardian hat bereits im November in einem Faktencheck die Vorwürfe gegen die australischen Grünen untersucht, die offenbar auch in Australien weit verbreitet sind, und kam zu dem Schluss, dass sie haltlos seien: Allein in New South Wales habe der National Parks and Wildlife Service 2018 und 2019 Brandmaßnahmen auf mehr als 139.000 Hektar durchgeführt. 

Meldung des Feuerwehrverbands ist von 2013

Die Meldung des Feuerwehrverbands Volunteer Firefighters Association aus New South Wales, die die Epoch Times in dem Artikel vom 14. Januar 2020 zitiert und auch verlinkt, stammt von September 2013. Tatsächlich steht darin, der Verband weise die Behauptung von „grünen Alarmisten“ zurück, dass vor allem der Klimawandel für Buschbrände in der Region verantwortlich sei. „Die wahre Schuld liegt bei den Grünen und ihrer Ideologie, weil sie fortwährend unsere Bemühungen zur Gefahrenreduzierung [hazard reduction] in den kühleren Monaten untergraben und Landbesitzer davon abhalten, ihr Land zu säubern, um das Buschfeuer-Risiko zu reduzieren.“ 

Diese Meldung hat jedoch mit den Buschfeuern in der Saison 2019/2020 nichts zu tun. Die Feuerwehr gibt den Grünen darin außerdem vor allem die Schuld an der Bürokratie, die sie zu durchlaufen habe, um ein präventives Feuer genehmigt zu bekommen. Von einem Verbot ist nicht die Rede. 

Verbot vor 20 Jahren?

Auch zu der Behauptung, die Feuer seien vor 20 Jahren verboten und erst 2016 wieder eingeführt worden, konnten wir keine Quellen finden. Google-Suchen nach „prescribed burnings Australia“ und „hazard reduction burning Australia“ zwischen 2000 und 2016 führen zu zahlreichen Treffern, aus denen hervorgeht, dass die Feuer nicht verboten waren. Eine Auswertung für das australische Parlament von 2002 nannte die kontrollierten Brände als das wichtigste Mittel, um das Risiko von Buschfeuern zu reduzieren. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass sie sie nicht völlig verhindern können: Unter extremen Bedingungen könne das Feuer auch über Land mit sehr wenig brennbarem Material ziehen. Die kontrollierten Brände sollten nicht uniform angewendet werden, sondern die Frequenz und Größe sollte sich nach der Beschaffenheit der jeweiligen Region richten. 

Grüne: Wir unterstützen Brände zur Gefahrenreduzierung

Die grüne Partei Australiens (The Greens) widerspricht aktuell auf ihrer Webseite der Behauptung, sie verhindere des Legen kontrollierter Brände: „Die Australischen Grünen unterstützen Brände zur Gefahrenreduzierung und Gegenbrände [um ein existierendes Feuer einzudämmen, Anm. d. Red.], um die Auswirkungen von Buschfeuern zu reduzieren, wenn sie von der besten wissenschaftlichen, ökologischen und Notfallexpertise begleitet werden.“ Die Grünen greifen auch die Vorwürfe gegen sie in einer Art Faktencheck auf und schreiben, die Anschuldigungen seien falsch. 

Die Grünen waren in Australien noch nie an der Regierung. Generell fanden wir bei der Recherche keine Hinweise, dass sie ein Verbot von kontrollierten Bränden gefordert haben. Allerdings weisen die Grünen stets darauf hin, dass die Feuer umweltverträglich sein müssten. Auf der Webseite der Grünen in New South Wales heißt es, die kontrollierten Brände müssten gut geplant und ökologisch verträglich sein. Dasselbe schreiben auch die Grünen im Bundesstaat Victoria auf ihrer Webseite.

In eigener Sache

Angriffe auf die Faktencheck-Redaktion von CORRECTIV

Hassnachrichten, Beleidigungen und Drohungen: Wie wir angegriffen werden und wie wir uns gemeinsam dagegen wehren können

ZUM ARTIKEL

Es gibt gesetzliche Regularien für den präventiven Umgang mit Buschfeuern, über die das australische Umweltministerium auf seiner Webseite informiert. Das Gesetz ist von 1999. Auch dort ist nirgends von einem Verbot kontrollierter Feuer die Rede. Teilweise sei aber nach dem nationalen Umweltrecht eine Genehmigung nötig. 

Über die Effektivität der kontrollierten Brände wird in Australien diskutiert, Forscher wollen sie aktuell noch besser untersuchen. Der Forscher David Bowman schrieb in seinem Artikel 2014, die Maßnahmen seien zwar wichtig, aber auch teuer und gefährlich. 

Ein Streitthema in Australien

Seit Jahren ist es in Australien also ein Streitthema, ob es mehr oder weniger dieser kontrollierten Brände geben sollte. So berichtete ABC im Februar 2019, ein ehemaliger Feuerwehrchef aus Victoria habe mehr solcher Maßnahmen gefordert. Viele seien zu zögerlich damit. In einem weiteren Medienbericht von ABC vom 6. Januar 2020 kommen ebenfalls Experten zu Wort, nach deren Meinung es zu wenig kontrollierte Brände gibt. In dem Artikel sagt derselbe Experte jedoch auch, dass die Grünen zu Unrecht beschuldigt würden.

Denn es gebe viele Erklärungen, warum die kontrollierten Brände selten ausgeführt werden, zum Beispiel, dass sich manche Gegenden nicht dafür eignen würden. Außerdem, wie der ehemalige Feuerwehr-Commission Greg Mullins aus New South Wales im November 2019 in einem Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald schrieb, hielten wärmere und trockene Wetterbedingungen mit höherer Feuergefahr die Behörden davon ab. Es sei oft entweder zu nass, zu trocken oder zu windig, um das Unterholz sicher zu verbrennen. „Den ‘Greenies’ die Schuld am Stop dieser wichtigen Maßnahmen zu geben, ist eine bekannte, populistische, aber unwahre Behauptung“, so Mullins. 

Weitere Behauptungen über die Buschfeuer in Australien haben wir hier überprüft.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Grünen haben kontrollierte Brände zur Vorbeugung von Buschfeuern in Australien nicht gestoppt. 

APTOPIX Australia Wildfires
Eines der Feuer am 30. Dezember in Australien. (Foto: Glen Morey / dpa)

von Till Eckert

Im Netz kursiert die Behauptung, in Australien seien etwa 180 Menschen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen worden, die der „grünen Bewegung“ zugerechnet würden. Dafür gibt es keine Belege.

Eine Facebook-Nutzerin behauptet in einem Beitrag vom 12. Januar, dass in Australien etwa „200 Personen wegen dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen“ worden seien. Davon könnten etwa „180 der australischen grünen Bewegung zugerechnet“ werden. Einen Beleg oder eine Quelle dafür liefert die Facebook-Nutzerin nicht. Der Beitrag wurde bisher rund 540 Mal geteilt. Der Ursprung der Behauptung ist womöglich ein Tweet vom 10. Januar. Er wurde bisher mehr als 400 Mal retweetet. 

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Die angegebenen Zahlen sind irreführend

Die angegeben Zahlen stammen vermutlich aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Dass also 200 Personen festgenommen wurden, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen und Anklagen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung, nach der die Feuer hauptsächlich durch Brandstiftung entstanden seien laut einem Bericht des Guardian – es gebe dafür keine Indizien.

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Polizei von New South Wales hat keine Informationen über die Motive der mutmaßlichen Brandstifter

Auf CORRECTIV-Anfrage an die Polizei in New South Wales, ob die Personen, gegen die wegen Brandstiftung ermittelt wurde, der „grünen Bewegung“ zugeordnet werden könnten, antwortete Sprecherin Joanne Elliot: „Die angeklagten Personen sind nun vor Gericht, es gibt jedoch keine unmittelbare Information über ihre Motivation.“ Wegen Brandstiftung angeklagt wurden laut Polizei lediglich die oben genannten 24 Personen. Bei den restlichen Personen lag wie gesagt Fahrlässigkeit vor.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Wales ermittelte gegen etwa 180 Personen, aber nur gegen 24 wegen Brandstiftung. Es gibt keine Belege dafür, dass diese 24 angeklagten mutmaßlichen Brandstifter der „grünen Bewegung“ angehören.

Wirtschaft, LTE 5G Antennen
Eine 5G-Testantenne in Darmstadt. (Foto: Foto Huebner / dpa)

Steigt durch 5G die Strahlenbelastung und die gesundheitliche Gefahr für Menschen? Das wird immer wieder im Netz behauptet. Belege dafür gibt es allerdings keine.

Ein Facebook-Beitrag vom 11. Juli verbreitet das Bild von einem Text, in dem mehrere Behauptungen zum neuen Mobilfunkstandard 5G aufgestellt werden. So soll angeblich mehr Volt pro Meter als bisher ausgestrahlt werden, außerdem gebe es generell eine „Zunahme der Strahlenbelastung“ durch 5G. Dadurch werde sich das „Gefährdungspotenzial um ein mehrfaches steigern“. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus dem Flugblatt „Stimme und Gegenstimme“, Ausgabe 12/2019, wie wir durch eine Google-Suche herausfanden. 

Der Beitrag wurde bisher mehr als 230 Mal geteilt. Ein Leser hat ihn uns zugeschickt und bat uns, die Sache zu prüfen. Das hat ergeben: Es gibt für keine Belege für die Behauptung.

Der Facebook-Beitrag mit den Behauptungen zu 5G. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Grenzwert zur elektrischen Feldstärke, Volt pro Meter, ist bei 5G nicht höher als bei LTE

Der Facebook-Beitrag suggeriert, dass für die 5G-Technik höhere Grenzwerte gelten würden als bisher: So dürften die aktuellen Mobilfunknetze nicht mehr als fünf bis sechs Volt pro Meter „an Sendeleistung strahlen“, bei 5G jedoch müssten circa „alle 100 Meter Mobilfunkantennen stehen, deren elektrische Feldstärke weit über 61 Volt pro Meter“ betrage. Beides ist nicht der Fall.

Was stimmt: 5G benötigt mehr Funktechnologie als die bisherigen Mobilfunkstandards. Das wird laut Bundesamt für Strahlenschutz tatsächlich zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Das Bundesamt schreibt zudem: „Auch die Zahl der Sendeanlagen und Geräte, die elektromagnetische Felder erzeugen, nimmt damit [durch den 5G-Ausbau] zu.“ 

Wie viele neue Sendeanlagen letztlich wirklich benötigt werden, um ein flächendeckendes Netz bereitzustellen, ist allerdings unklar, das hängt laut Bundesumweltministerium von den „individuellen Netzplanungen der Anbieter“ und „der Entwicklung des Marktes“ ab – und die in Deutschland vorhandenen circa 75.000 Mobilfunkstandorte können überwiegend auch für 5G mitgenutzt werden. 

Ob neue Anlagen sich in 100 Metern Abstand befinden „müssen“, lässt sich ebenfalls nicht so pauschal sagen, das Bundesumweltministerium schreibt dazu (unter „Elektromagnetische Felder“): „Da die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist die genaue Feldverteilung noch nicht bekannt.“

Die elektrische Feldstärke Volt pro Meter ist bei 5G außerdem nicht höher als bei LTE oder UMTS. Der Grenzwert bleibt gleich hoch bei 61 Volt pro Meter.

Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen des Bundesamt für Strahlenschutz. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Bundesnetzagentur legt für jede Antenne einzeln Sicherheitsabstände für Orte fest, in denen sich Menschen aufhalten, und berücksichtigt dabei auch die bisher vorhandenen Antennen im Umkreis. Der Sicherheitsabstand muss „üblicherweise nur wenige Meter in Abstrahlrichtung der Antenne liegen“. In Sachen Sicherheitsabstände und Grenzwerte gelten laut Bundesumweltministerium (unter „Elektromagnetische Felder“) alle Regelungen „für 5G in gleicher Weise wie für die bisherigen Mobilfunknetze“.

Eine „Zunahme der Strahlenbelastung“ lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen

Die 5G-Technologie soll anders als die bisherigen Mobilfunktechnologien funktionieren. Daten sollen zum Beispiel durch sogenanntes „Beamforming“ nur dann übertragen werden, wenn Nutzer in der Nähe sind und sie auch benötigen. Das Verfahren findet laut des Magazins IP-Insider bereits bei aktuellen WLAN-Routern Verwendung. Vodafone testet die „Beamforming“-Technik bei 5G nach eigenen Angaben seit Mai 2018. Die Daten über die Funksendeanlagen sollen demnach flexibel übertragen werden – je nach Bedarf.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags schreibt dazu (PDF, Seite 4): „Die intelligenten Antennen, auch ‘adaptive’ Antennen genannt, können das Signal in die Richtung des Nutzers bzw. des Mobilfunkgerätes fokussieren. Damit wird in die Richtung des Nutzers eine hohe Leistung abgestrahlt, in allen anderen Richtungen ist die Leistung jedoch niedriger. Insgesamt haben adaptive Antennen dadurch eine geringere Strahlenbelastung zur Folge als herkömmliche Antennen.“

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Weil die Datenübertragung also immer schwanken und verschiedene Antennentechniken zum Einsatz kommen sollen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, ob die Strahlenbelastung zunehmen wird. Zudem ist nicht geklärt, wann und in welchem Ausmaß der 5G-Ausbau stattfinden wird. In Berlin wird 5G laut der Telekom schon seit Mai 2018 ausgebaut und getestet. Ein Sprecher sagte CORRECTIV im Mai am Telefon, bisher gebe es 70 Antennenstandorte in Berlin, die meisten davon im Stadtteil Charlottenburg.

Doch verlässliche deutschlandweite Erhebungen zur Anzahl der neuen Sendeanlagen und der möglichen Strahlenbelastung soll es erst dann geben, wenn 5G flächendeckend in Betrieb gegangen ist. Informationen zu Grenzwerten sind bislang reine Spekulation. Das Bundesamt für Strahlenschutz „rät zu einem umsichtigen Ausbau von 5G“ und will „die Wirkung der neuen Frequenzbereiche weiter erforschen“. 

Bundesumweltministerium über 5G: „Keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung“

Im Facebook-Beitrag wird außerdem behauptet, dass sich das „Gefährdungspotenzial“ durch 5G um ein mehrfaches steigern werde. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls  Spekulation. Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: „Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen sind auch für die derzeit für 5G zur Verfügung stehenden Frequenzen weitestgehend aussagekräftig: Innerhalb der gültigen Grenzwerte und bei Einhaltung der an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es demnach keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung des Mobilfunks.“

Was das Bundesumweltministerium zu einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch 5G schreibt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kam im April 2019 zu dem Fazit, dass die Unsicherheiten zwar nicht völlig ausgeräumt seien. Aber: „Trotz der umfangreichen Untersuchungen konnte bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Mobilfunk und den gesundheitlichen Auswirkungen bestätigt werden.“ 

Über die Sorge darüber, dass von 5G eine Gefahr für Menschen ausgehen könnte, haben wir einen Hintergrundbericht veröffentlicht, in dem wir auf die aktuelle Studienlage eingehen. 

Zusammengefasst lässt sich folgendes zu 5G sagen: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf uns wirken könnte. Zudem ist anhand der aktuellen Studienlage nicht belegt, ob und wie gefährlich sie uns werden könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen werden und mehr Forschung zu ihrer Schädlichkeit stattfinden.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass die Strahlenbelastung durch 5G zunimmt oder das Gefährdungspotenzial für Menschen steigt.

AfD-Tesla
Die AfD Bayern verbreitet bei Facebook dieses Bild. (Collage: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Tesla baut in Brandenburg einen neuen Standort und will dort 2021 mit der Produktion starten. Dafür werden Mitarbeiter gesucht, unter anderem mit polnischen Sprachkenntnissen. Die AfD Bayern behauptet deshalb, dass ausschließlich Menschen aus Polen eingestellt werden sollen und liegt damit falsch. 

Eine Stellenanzeige des Elektroauto-Herstellers Tesla für den geplanten neuen Produktionsstandort in Brandenburg hat bei der AfD Bayern offenbar für Verwunderung gesorgt. Darin wird ein „Recruitment Operations Coordinator“ gesucht, der unter anderem Polnisch spricht. Die Partei erstellte ein Bild, das sie am 14. Januar bei Facebook teilte. Die Behauptung lautet, Tesla werbe gezielt polnische Mitarbeiter an. 

Im dazugehörigen Text behauptet die AfD, Tesla suche „ausschließlich Mitarbeiter, die fließend Polnisch sprechen“. Außerdem wird spekuliert, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen. 

Der Blog Politikstube nahm die Behauptungen der AfD auf und veröffentlichte dazu einen Beitrag. Allerdings sind die Behauptungen falsch.

Tesla sucht zurzeit 35 Angestellte – davon soll einer Polnisch sprechen können

Tesla hatte im November 2019 angekündigt, einen Produktionsstandort in Deutschland zu bauen. Dort sollen Batterien und Fahrzeuge gebaut werden. Die Wahl fiel auf den Ort Grünheide in Brandenburg. Hier investiert das Unternehmen mindestens 1,065 Milliarden Euro.

Insgesamt sind momentan 35 Stellen für das neue Werk ausgeschrieben (Stand: 17. Januar 2020). Dies sind vor allem Führungspositionen. Unter anderem war bis zum 15. Januar noch die Stelle des „Recruitment Operations Coordinator“ ausgeschrieben. Für diese Stelle sollten die Bewerber über deutsche, polnische und englische Sprachkenntnisse verfügen. Die Stellenausschreibung wurde inzwischen entfernt, wir haben sie aber archiviert.

Auf die Frage, ob in Zukunft ausschließlich Mitarbeiter gewonnen werden sollen, die fließend Polnisch sprechen, antwortet Kathrin Schira, Pressesprecherin von Tesla, mit einem Wort: „Nein!”

Wer den Job als „Recruitment Operations Coordinator“ bekommt, soll laut Stellenanzeige für die Organisation von Bewerbungsgesprächen zuständig sein. Insgesamt 12.000 Menschen sollen in den kommenden Jahren insgesamt im neuen Tesla-Werk arbeiten, schreibt die Sprecherin des Unternehmens an CORRECTIV. 

Die E-Mail der Pressesprecherin Kathrin Schira von Tesla. (Screenshot: CORRECTIV)
Die E-Mail der Pressesprecherin Kathrin Schira von Tesla. (Screenshot: CORRECTIV)

Die polnische Grenze ist vom geplanten Standort nur etwa 60 Kilometer entfernt. „Die Stellenbeschreibung richtet sich an die von uns gesuchten Recruiter, die sich vorzugsweise in Deutsch, Englisch und Polnisch an zukünftige Mitarbeiter wenden können“, so Kathrin Schira. 

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Viele andere Stellenausschreibungen fordern nur Deutsch und Englisch als Sprachkenntnisse (zum Beispiel hier und hier).

Selbst die Quellen, die die AfD in ihrem Beitrag nennt – die Welt („Tesla schaltet verräterische Stellenanzeige“) und Achse des Guten („Wenn der Tesla auf polnisch hupt“) – schreiben richtig, dass Tesla wohl „auch Mitarbeiter aus dem Nachbarland“ anwerben wolle. Auch, nicht ausschließlich. 

Tesla-Sprecherin: „Deutschland hat großartige Ingenieure“

Zu der Behauptung der AfD Bayern in ihrem Facebook-Beitrag, es sei nie geplant gewesen, deutsche Ingenieure für das Werk in Brandenburg zu gewinnen, schreibt die Sprecherin: „Das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: Deutschland hat großartige Ingenieure, die wir hoffentlich für uns gewinnen können.“

Unsere Bewertung:
Es sollen nicht nur Menschen aus Polen im neuen Werk von Tesla in Brandenburg angestellt werden.

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„C.A.R.E.-Diesel“ und andere hydrierte Pflanzenöle können eine Alternative zu fossilen Brennstoffen sein. (Symbolbild: webandi/Pixabay)

von Bianca Hoffmann

Hat die Bundesregierung kein Interesse an alternativen Treibstoffen, die viel CO2 einsparen? Geht es nach einem Bild, das gerade auf Facebook kursiert, könnte man genau das annehmen. An den Behauptungen ist allerdings nicht viel dran.

Die Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ stellt regelmäßig Bilder auf Facebook, die sich die Nutzer herunterladen und weiterverbreiten können. In einem Post vom 18. Dezember 2019 geht es um den sogenannten „C.A.R.E.-Diesel“, einen alternativen Kraftstoff, der angeblich bis zu 65 Prozent CO2 einsparen könne. Das Problem ist laut „Informiert statt Uninformiert“, dass die Bundesregierung die Einführung des Kraftstoffes angeblich ablehnen würde. 

Inzwischen wurde das Bild schon mehr als 45.000 Mal auf Facebook geteilt (Stand: 15. Januar 2020).

Dieses Bild wurde von der Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

CORRECTIV hat sich die Hauptbehauptungen, die im Bild genannt werden, genauer angeschaut. Dafür haben wir mit einem Sprecher des Bundesumweltamtes, dem Geschäftsführer des Unternehmens Tool-Fuel, einem Sprecher des Unternehmens Bosch sowie einem Sprecher des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie gesprochen. Unsere Recherche hat ergeben, dass die Behauptungen zum größten Teil falsch sind.

„C.A.R.E.-Diesel“ – was ist das überhaupt?

„C.A.R.E.“ ist eine Abkürzung und steht laut Alexander Stöhr, Geschäftsführer des Kraftstoff-Vertreibers Tool-Fuel für: „CO₂ reduction“, „arctic quality“, „renewable sources“ und „emissions reduction“. Es handelt sich dabei um einen alternativen Diesel-Kraftstoff fürs Auto, der aus hydriertem Pflanzenöl besteht (HVO). „Als Rohstoff zur Produktion von HVO können unterschiedliche Pflanzenöle (Palmöl, Rapsöl etc.) oder Abfallfett der Lebensmittelindustrie, Fischerei und Schlachtereien dienen“, schreibt Frank Brühning, Pressesprecher des Verbandes für Biokraftstoffe in einer E-Mail an CORRECTIV. 

E-Mail von Alexander Stöhr, Geschäftsführer von Tool-Fuel. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Facebook-Beitrag von „Informiert statt Uninformiert“ ist das Logo des Unternehmens Bosch zu sehen. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass Bosch „C.A.R.E.-Diesel“ verkauft oder produziert. Dem ist nicht so, wie Pressesprecher Joern Ebberg gegenüber CORRECTIV bestätigt: „Bosch ist Anwender des ‘C.A.R.E.-Diesels’. Das Unternehmen nutzt den Kraftstoff seit Ende 2018 in Fahrzeugen seiner Geschäftsführung.

Der Kraftstoff aus Pflanzenöl wird vom finnischen Unternehmen Neste hergestellt – und ist damit keine „deutsche Innovation“, wie im Facebook-Beitrag behauptet. Neste selbst verkauft ihn unter dem Namen „My Renewable Diesel“ zum Beispiel in den Niederlanden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz trägt das Produkt den Namen „C.A.R.E-Diesel“; das Unternehmen Tool-Fuel hat sich nach Angaben des Geschäftsführers Alexander Stöhr den Markennamen eintragen lassen und vertreibt den synthetischen Kraftstoff.

Gibt es in Deutschland eine Zulassung für „C.A.R.E.-Diesel“?

„In Deutschland gibt es kein ‘Zulassungsverfahren’ für Kraftstoffe. Der Kraftstoff muss die gesetzlich festgeschriebenen Qualitätsanforderungen erfüllen“, schreibt Christopher Stolzenberg, Pressesprecher des Bundesumweltministeriums, CORRECTIV per E-Mail. Diese Anforderungen sind im Bundes-Imissionsschutzgesetz festgeschrieben. Die Behauptung von „Informiert statt Uninformiert”, dass die Bundesregierung den alternativen Kraftstoff ablehne, ist demnach falsch.

E-Mail von Christopher Stolzenberg, Pressesprecher des Bundesamtes für Umwelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Diese Qualitätsanforderungen sind in Deutschland per DIN-Norm geregelt. Für Diesel gelten die Anforderungen der Norm DIN EN 590. Die „Paraffinischen Dieselkraftstoffe aus Synthese oder Hydrierungsverfahren“, zu denen auch „C.A.R.E.-Diesel“ gehört, sind ebenfalls normiert, allerdings in der DIN EN 15940, die keinen Einzug in das Bundes-Imissionsschutzgesetz gefunden hat. Die Bundesregierung habe sich aufgrund fehlender Freigaben der Autohersteller dagegen entschieden, so Stolzenberg. 

Eine fehlende Freigabe bedeute, dass Fahrzeughalter „den Kraftstoff auf eigenes Risiko verwenden und im Schadensfall auf den Kosten sitzen bleiben.“ 

Auch Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr schreibt CORRECTIV, bislang gebe es in Deutschland keine Pkw, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. 

Antwort von Alexander Stöhr, Geschäftsführer Tool-Fuel, auf die Frage, ob es Herstellerfreigaben für Pkw gibt. (Screenshot: CORRECTIV)

In anderen europäischen Ländern wurden die synthetischen Dieselkraftstoffe in die Regelwerke der jeweiligen Länder aufgenommen und werden dort bereits verkauft, zum Beispiel in den Niederlanden.

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Synthetische Kraftstoffe sind in Deutschland jedoch schon im Einsatz. In Reinform dürfen sie beispielsweise in Sportboote mit einem Volvo-Penta-Motor getankt werden. 

Außerdem erlauben die gesetzlichen Regelungen eine Beimischung der hydrierten Pflanzenöle zu normalem Diesel für Autos von bis zu 26 Prozent, so Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium. Zudem darf bis zu sieben Prozent Biodiesel aus Altspeiseölen hinzugefügt werden. Insgesamt also bis zu 33 Prozent. Und diese Zahl sorgt auch für den Namen, unter dem manche Shell-Tankstellen den Kraftstoff bereits verkaufen: R33 Blue. Er ist laut Shell für alle Dieselfahrzeuge zugelassen. 

E-Mail von Christopher Stolzenberg, Pressesprecher Bundesumweltministerium. (Screenshot: CORRECTIV)

Kann mit synthetischem Kraftstoff wirklich 65 Prozent CO2 gegenüber normalem Diesel eingespart werden?

„C.A.R.E.-Diesel“ ist nach Herstellerangaben zu 100 Prozent regenerativ, da er aus Abfällen erstellt werde. Allerdings fielen für die Herstellung des Kraftstoffes Strom, Gas und Transportkosten an. So kommen CO2-Einsparungen zwischen 50 und 90 Prozent (je nach verwendetem Rohstoff) im Vergleich zu normalem Diesel zustande, wie Hersteller Neste auf seiner Homepage schreibt

Frank Brühning, Pressesprecher des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie, schreibt, die Aussage, der Kraftstoff spare 65 Prozent Treibhausgasemissionen ein, sei so pauschal falsch. „Mit Palmöl als Rohstoff erreicht HVO eine Einsparung von ca. 70 Prozent. Wird Abfallöl, also beispielsweise Frittieröl genutzt, kommt man auf etwa 90 Prozent.”

Antwort von Frank Brühning, Pressesprecher des Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. (Screenshot: CORRECTIV)

Ist synthetischer Diesel wirklich so gut wie behauptet?

Brühning vom Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie schreibt in seiner E-Mail jedoch auch, dass es nicht erstrebenswert sei, wenn an der Tankstelle synthetischer Diesel in Reinform zu kaufen wäre. Dieser wäre nämlich deutlich teurer als normaler Diesel. „Es handelt sich um den mit Abstand teuersten Biokraftstoff auf dem Markt“, so Brühning. Bioethanol und Biodiesel seien hingegen bedeutend günstiger.

Alexander Stöhr von Tool-Fuel sagt, dass ein Liter „C.A.R.E.-Diesel“ an der Tankstelle ungefähr 1,55 Euro kosten würde. Der Kraftstoff „hätte damit einen Abstand zum Referenzkraftstoff (Diesel) von ca. 20 bis 30 Eurocent je Liter, eine auf den Verkauf optimierte Infrastruktur vorausgesetzt“. 

E-Mail von Alexander Stöhr, Geschäftsführer von Tool-Fuel. (Screenshot: CORRECTIV)

In den Kommentaren zum Facebook-Post von „Informiert statt Uninformiert” wird außerdem immer wieder darauf hingewiesen, dass der synthetische Diesel auch aus Palmöl hergestellt werde. Das ist richtig. „Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse, insbesondere Palmöl, können durch indirekte Landnutzungseffekte teilweise mehrfach höhere Treibhausgasemissionen aufweisen als fossile Kraftstoffe“, schreibt Pressesprecher Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium in einer E-Mail an CORRECTIV. Der Anbau von Palmöl könne zur Entwaldung tropischer Regenwälder oder der Trockenlegung von Moorgebieten führen. Und das wiederum sorge für Treibhausgasemissionen und den Verlust biologischer Vielfalt. 

Nach Angaben von Tool-Fuel wird deshalb seit Anfang 2019 kein Kraftstoff mehr als „C.A.R.E-Diesel“ verkauft, der Palmöl enthält. „Weil selbst der nachhaltige Anbau von Palmöl zu Verdrängungseffekten in der Region führt, wollen wir bei Tool-Fuel dieses so benötigte Nahrungsmittelquelle nicht weiter unter Druck setzen. […] Stattdessen kommen für die Herstellung von C.A.R.E. Diesel® ausschließlich Rest- und Abfallstoffe nach der aktualisierten Fassung der Erneuerbare Energien-Richtlinie in Frage.“

Update, 20. Januar 2020: In einer früheren Version des Artikels haben wir Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr mit den Worten zitiert, es gebe in Deutschland keine Fahrzeuge, die eine Herstellerfreigabe für „C.A.R.E.-Diesel“ erhalten haben. Richtig ist, dass lediglich für Pkw keine Herstellerfreigaben vorliegen, für manche Lkw hingegen schon. Stöhr weist in einer E-Mail an CORRECTIV außerdem darauf hin, dass „C.A.R.E.-Diesel“ in die Regelwerke der anderen EU-Mitgliedsstaaten aufgenommen wurde. Dies haben wir ebenfalls ergänzt.

Unsere Bewertung:
Bewertung: Größtenteils falsch. „C.A.R.E.-Diesel“ ist keine deutsche Innovation. Er wird nicht von der Bundesregierung blockiert, sondern wurde nicht ins Gesetz aufgenommen, weil es keine Herstellerfreigaben für Autos gibt. Der Kraftstoff kann jedoch in normalen Diesel gemischt werden, und dieses Diesel-Arten sind auch in Deutschland erhältlich.

Australia Wildfires
Im Netz kursieren zahlreiche Behauptungen über die Buschfeuer in Australien. (Foto vom 2. Januar: Robert Oerlemans/AP Photo/dpa)

von Alice Echtermann , Till Eckert

Die Seite „Wochenblick“ spekuliert, ein angeblicher Brandstifter in Australien könnte „IS-Terrorist“ gewesen sein. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Der Vorwurf gegen den jungen Mann lautet außerdem nicht Brandstiftung, sondern fahrlässiger Umgang mit Feuerwerk.

Die österreichische Seite Wochenblick spekulierte am 8. Januar, dass ein „IS-Terrorist“ Buschbrände in Australien gelegt haben könnte, liefert aber keinen Beleg dafür. In dem Artikel heißt es lediglich, zwei jungen Männern namens Fadi und Abraham Z. werde vorgeworfen, am 22. Dezember ein Grasfeuer in Guildford, einem Vorort von Sydney, verursacht zu haben. „Tatsächlich hat die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bereits im November dazu aufgerufen, den Dschihad durch Brandstiftung voranzutreiben“, schreibt Wochenblick.

Als einzige Quelle gibt die Seite einen Artikel der britischen Boulevardzeitung Daily Mail von November 2019 an, in dem es heißt, der „IS“ habe angeblich dazu aufgerufen, Waldbrände in den USA und Europa zu legen. „Dass diese Forderung nun in Australien umgesetzt wurde, ist ein denkbarer, schrecklicher Verdacht“, so Wochenblick weiter. Einen konkreten Hinweis gibt es für diesen „Verdacht“ aber nicht.

Vorwurf vor Gericht lautet nicht Brandstiftung

Was stimmt, ist, dass es Medienberichte vom 7. Januar über zwei Brüder namens Fadi und Abraham Z. gibt. Sie hätten am 22. Dezember Feuerwerk in einem Park gestartet und ein Grasfeuer ausgelöst. Darüber berichten zum Beispiel Pacific Pundit, der australische Daily Telegraph und The Count. Laut einem weiteren Artikel von Miragenews fand die Gerichtsverhandlung am 7. Januar vor dem Parramatta Local Court statt. In all den Berichten wird nirgends ein islamistischer Hintergrund oder Hinweis auf ein solches Motiv erwähnt.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt die Pressestelle der lokalen Gerichte in New South Wales per E-Mail mit, es sei nur einer der beiden Männer angeklagt, Abraham Z.. Der Vorwurf gegen ihn laute „fahrlässiger Umgang mit Sprengstoff, um Sachschäden zu verursachen“. Außerdem habe er ein Messer dabei gehabt. Zu weiteren Hintergründen könne man keinen Kommentar abgeben, heißt es in der E-Mail der Pressestelle. Fest steht aber: Es geht bei den Vorwürfen nicht um Brandstiftung und auch nicht um Terror.

Es wurden nicht rund 200 Brandstifter festgenommen

In dem Wochenblick-Text wird außerdem behauptet, es seien bisher etwa 200 Personen wegen Brandstiftung festgenommen worden. Eine Quelle dafür wird nicht genannt. In Medien kursieren dazu unterschiedliche Behauptungen, oft ist auch von 180 Brandstiftern die Rede.

In mehreren der Artikel wird dazu auf Zahlen der Polizei New South Wales verwiesen. Diese veröffentlichte am 6. Januar eine Pressemitteilung, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf:

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei.

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Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison in ganz Australien wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der Mann ist nicht wegen Brandstiftung angeklagt, es gibt keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Außerdem wurden nicht 200 Brandstifter festgenommen.

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Eine der Behauptungen zum Ausbruch der aktuellen Feuer in Australien. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In mehreren Meldungen im Netz ist von 180 oder 200 angeblich festgenommenen Brandstiftern in Australien die Rede, im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern. Es handelt sich häufig um irreführend wiedergegebene Zahlen der Polizei New South Wales.

Mehrere Webseiten veröffentlichten in den vergangenen Tagen Artikel, in denen behauptet wird, Auslöser der aktuellen Brände in Australien sei hauptsächlich Brandstiftung. Zudem werden verschiedene Zahlen zu den angeblich festgenommenen Brandstiftern genannt. So ist entweder von mehr als 180 (zum Beispiel bei derSchweizer Webseite Nau) oder von rund 200 Menschen (zum Beispiel bei Watergate TV) die Rede.

In einem Übersichtsartikel haben wir einige der Behauptungen entkräftet, die im Umlauf sind. Dabei fiel uns auf, dass die verbreiteten Zahlen zu den angeblichen Brandstiftern häufig irreführend wiedergegeben werden.

Oft werden Zahlen der Polizei New South Wales irreführend zitiert

In mehreren der Artikel, darunter zum Beispiel bei Watergate, wird behauptet, es seien „183 Menschen festgenommen worden, weil sie in verschiedenen Bundestaaten Brände gelegt haben wollen“.

Es handelt sich dabei offenbar um Zahlen aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Es gibt mehrere Auslöser für Waldbrände

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Dass also 183 Personen „festgenommen“ worden seien, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten, also möglicherweise den Straftatbestand der Brandstiftung erfüllten. Ob die aktuellen großen Feuer durch Brandstiftung entstanden sind, ist jedoch unklar. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung laut des Guardian – es gäbe dafür keine Indizien.

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Die Regierung des Bundesstaats South Australia nennt weitere typische Auslöser für Waldbrände, darunter Fehler in elektrischen Anlagen, die eine Überhitzung verursachen, oder Blitzeinschläge. Bei aktuellen großen Feuern in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bezeichneten die Feuerwehrleute Steve Warrington und Ben Shepherd in Medienberichten hauptsächlich Blitze als Ursache. Auch die australische Meteorologie-Behörde schreibt in einem Infoartikel über „bushfire weather“, in manchen Regionen Australiens seien Blitze die Hauptursache für Buschbrände. Wir haben dazu bei den zuständigen Feuerwehrbehörden angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels jedoch keine Antwort erhalten. 

Warum der Klimawandel bei Buschfeuern durchaus eine Rolle spielt, haben wir in einem weiteren Faktencheck erklärt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es gab keine hunderten Festnahmen wegen Brandstiftung im Zusammenhang mit den aktuellen Feuern.

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Diese Kombination von zwei Karten wird derzeit im Netz verbreitet. Sie soll angeblich zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einer geplanten Bahnstrecke und den Buschbränden in Australien. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer geplanten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke und den Buschbränden in Australien? Behauptungen im Netz sollen dies andeuten. Eine ähnliche Falschmeldung kursierte bereits 2018 über Feuer in Kalifornien.

Auf Facebook kursiert aktuell ein Bild, das Karten von Australien und Kalifornien mit Gebieten von Bränden zeigen soll. Daneben werden Karten mit angeblich geplanten Verläufen von „Hochgeschwindigkeitsbahnen“ gelegt. Damit wird angedeutet, die Brände seien absichtliche Rodungen gewesen, um Platz für Bahnstrecken zu machen. Einer der Facebook-Beiträge vom 10. Januar wurde bereits mehr als 1.000 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag mit den Karten, die angeblich einen Zusammenhang zwischen Buschbränden und dem Bau von Bahnstrecken zeigen. (Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Die Verschwörungstheorie in Bezug auf Kalifornien kursierte im November 2018. Die Karte oben links mit den roten Flächen stammt von der California of Forestry and Fire Protection, die sie im November 2018 auf Twitter veröffentlichte. Sie zeigt nicht die Ausdehnung der Feuer, sondern Bereiche, in denen eine „red-flag“-Warnung vor Brandgefahr herrschte.

Einen Zusammenhang mit dem Verlauf der Hochgeschwindigkeitsbahn gibt es außerdem nicht, die falsche Behauptung wurde bereits 2018 entlarvt, zum Beispiel von den Faktencheckern von Snopes. Die Bahnkarte stammt demnach von der Webseite „America 2050“ und ist veraltet. Eine neuere Karte zeige, dass der Streckenverlauf nicht annähernd mit den roten Feldern übereinstimme. Auf der Seite Metabunk legten Nutzer die Karten grafisch übereinander und zeigten so, dass sie nicht zueinander passen.

Legt man die Karten von Kalifornien übereinander, ist die Übereinstimmung nicht vorhanden. (Quelle: Metabunk, Screenshot: CORRECTIV)

Auch im Fall von Australien ist an der Theorie nichts dran. Eine Google-Bildersuche zeigt, dass die Karte unten rechts von der australischen Regierung stammt. Sie soll einen möglichen Verlauf einer Hochgeschwindigkeits-Bahn an der Ostküste zeigen, von Melbourne bis Brisbane. Die Karte unten links soll die Feuer zeigen, die angebliche Übereinstimmung ist jedoch nur mit gutem Willen erkennbar. Andere, vollständige Karten der Feuer in Australien, zum Beispiel von My Fire Watch oder von der Nasa zeigen, dass die Feuer nicht entlang der möglichen Bahnstrecke verlaufen – und dass es auch an vielen anderen Orten brennt, an denen keine Bahnen geplant sind.

Die Feuer in Australien laut einem Datenportal der Nasa (Ansicht zeigt die Feuer der letzten sieben Tage, abgerufen am 13. Januar 2020 um 17:45 Uhr). (Screenshot: CORRECTIV)
Die Karte mit dem möglichen Verlauf einer Bahnstrecke im Süden Australiens. (Screenshot: CORRECTIV)
Nähere Ansicht des Südens Australiens im Nasa-Datenportal. (Screenshot am 13. Januar 2020 um 17:45 Uhr: CORRECTIV)

Zum gleichen Ergebnis kam am 10. Januar auch Buzzfeed in dem Faktencheck zu der Behauptung, die offenbar auch auf Englisch ihre Kreise auf Instagram, Youtube, 4chan und Tiktok zieht.

Der Facebook-Nutzer, der das Foto am 10. Januar in Deutschland verbreitete, ist übrigens auch der Ansicht, dass in Australien und Kalifornien keine echten Waldbrände wüten, sondern dass dort und auch in Kalifornien Laserwaffen eingesetzt wurden.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Waldbrände in Kalifornien und Australien verlaufen nicht entlang der geplanten Bahnstrecke.

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Eine der Behauptungen, die zu den aktuellen Buschbränden in Australien im Umlauf ist. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Im Netz sind Meldungen im Umlauf, nach denen allein Brandstiftung die Ursache für die aktuellen großen Feuer in Australien sei. Das ist irreführend – auch der Klimawandel spielt dabei eine Rolle.

Mehrere Webseiten veröffentlichten in den vergangenen Tagen Artikel, in denen behauptet wird, Auslöser der aktuellen Brände in Australien sei hauptsächlich Brandstiftung. So zum Beispiel Connectiv Events (mehr als 500 Mal auf Facebook geteilt) oder Schweizer Morgenpost (mehr als 1.800 Mal auf Facebook geteilt). 

In den Artikeln werden jeweils Zahlen zu den angeblich festgenommenen Brandstiftern genannt. So ist entweder von mehr als 180 (zum Beispiel hier) oder von rund 200 Menschen (zum Beispiel hier) die Rede. Diese Behauptung kursiert nicht nur in Deutschland. Wir haben sie geprüft.

Oft werden Zahlen der Polizei New South Wales irreführend zitiert

In mehreren der Artikel wird dazu auf Zahlen der Polizei New South Wales verwiesen. Diese veröffentlichte am 6. Januar eine Pressemitteilung, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. Ob einer der Fälle zu einem der aktuellen großen Feuer führte, schreibt die Polizei nicht. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. 

Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Es gibt mehrere Auslöser für Waldbrände

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Das Umweltbundesamt schrieb in einem Bericht über Waldbrände in Deutschland 2018: „In Fällen, in denen eine Ursache bestimmt werden kann, sind im Wesentlichen zwei Faktorenkomplexe von besonderer Bedeutung für das Waldbrandgeschehen: Zum einen das menschliche Handeln (Brandstiftung und Fahrlässigkeit) und zum anderen das Klima – bzw. Witterungsgeschehen.“ Zu letzterem schreibt das Bundesamt außerdem: „Klima und Witterung beeinflussen zusammen mit den lokalen Gegebenheiten (wie dem Vorhandensein von brennbarem Material) die Disposition einer Waldfläche für die Entzündung und in Folge das weitere Brandgeschehen (Feuerausbreitung).“

Die Regierung des Bundesstaats South Australia nennt aber auch weitere typische Auslöser für Waldbrände, darunter Fehler in elektrischen Anlagen, die eine Überhitzung verursachen, oder Blitzeinschläge. Bei aktuellen großen Feuern in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bezeichneten die Feuerwehrleute Steve Warrington und Ben Shepherd in Medienberichten hauptsächlich Blitze als Ursache. Auch die australische Meteorologie-Behörde schreibt in einem Infoartikel über „bushfire weather“, in manchen Regionen Australiens seien Blitze die Hauptursache für Buschbrände. Wir haben dazu bei den zuständigen Feuerwehrbehörden angefragt, bis zum Erscheinen dieses Artikels jedoch keine Antwort erhalten. 

Längere Buschfeuer-Saisons und häufiger „Brandwetter“

Dürreperioden und schlimme Waldbrände gab es in Australien schon häufiger, zum Beispiel im Januar 1994, im Dezember 2001 und im Oktober 2013, wie einem Sonderbericht der Meteorologie-Behörde von Dezember 2019 zu entnehmen ist. Vergleichbar mit 2019 seien am ehesten die Zustände im Oktober/November 1968 (Seite 19-20). 

Doch die Intensität der Buschfeuer nimmt in der Langzeitbetrachtung zu. So schrieb das australische Bushfire and Natural Hazard Cooperative Research Centre Mitte Dezember: „Die Tendenz zu intensiveren Brandsaisons und immer früher auftretender Feuergefahr ist ein klarer Trend im australischen Klima, aufgrund von reduzierten oder weniger zuverlässigen Regenfällen in der kühlen Saison und steigenden Temperaturen.“ 

Auch laut dem jüngsten Langzeit-Klimabericht (State of the Climate 2018) der australischen Meteorologie-Behörde und des Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (Csiro) nimmt die Länge der Buschfeuer-Saison zu, und es kommt häufiger zu sogenanntem „Brandwetter“ (fire weather) (Seite 2). In der Auswertung heißt es klar: „Der Klimawandel, inklusive steigender Temperaturen, trägt zu diesen Veränderungen bei“ (Seite 5). Dem Bericht zufolge hat sich das australische Klima seit 1910 um etwas mehr als ein Grad Celsius erwärmt, was zu einer erhöhten Häufigkeit von extremer Hitze (extreme heat events) führe.

Die Anomalien der Oberflächen-Lufttemperatur in Australien (Abweichungen vom Durchschnitt) zeigen, dass die Temperaturen steigen. (Quelle: Australian Bureau of Meteorology, Screenshot: CORRECTIV)
Die Zahl extremer Hitzetage pro Jahr nimmt seit 1910 zu. (Quelle: Australian Bureau of Meteorology, Screenshot: CORRECTIV)

Im Südosten und Südwesten Australiens nahmen laut dem Bericht die Regenfälle ab, in Teilen des Nordens nahmen sie zu. Acht der zehn wärmsten Jahre Australiens seit Beginn der Aufzeichnungen seien seit 2005 aufgetreten.

Die Zahl gefährlicher „Buschfeuer-Wetter-Tage“ in Victoria (Süden Australiens) im Frühling nimmt tendenziell zu. (Quelle: Australian Bureau of Meteorology, Screenshot: CORRECTIV)

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Sicher ist, dass steigende Temperaturen und Trockenheit bessere Voraussetzungen für größere und intensivere Feuer schaffen. Pauschal lässt sich weder sagen, es trage allein der Mensch durch Brandstiftung oder Fahrlässigkeit Schuld an den aktuellen Großfeuern in Australien, noch der Klimawandel – beide Faktoren spielen eine Rolle. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Sowohl Brandstiftung als auch der Klimawandel spielen eine Rolle bei Buschbränden – und bei manchen aktuellen Feuern sollen etwa Blitzeinschläge die Hauptursache gewesen sein.

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Dieses Bild ist kein Foto, sondern eine Grafik, die Daten über einen ganzen Monat zeigt. Sie stammt von dem Australier Anthony Hearsey, der sie auf Instagram veröffentlichte. (Original-Grafik: Anthony Hearsey. Collage: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook kursiert ein Bild von Australien mit roten Markierungen, die für Feuer stehen sollen. Es wird fälschlich als „Nasa-Aufnahme” bezeichnet. Es handelt sich aber nicht um ein Foto. 

Mehrere Facebook-Nutzer verbreiten derzeit eine Grafik, die wie eine Luftaufnahme von Australien mit glühend roten Buschfeuern aussieht. Am 5. Januar veröffentlichte ein Nutzer die Grafik und schrieb dazu: „Das ist Australien von einem Nasa-Satelliten“. Sein Beitrag wurde mehr als 700 Mal geteilt. Einen Tag später verbreitete ein anderer Nutzer die Grafik mit dem Kommentar: „Diese Nasa-Aufnahme zeigt einen brennenden Kontinent!“ Sein Beitrag wurde rund 200 Mal geteilt. Und in einem Facebook-Beitrag vom 7. Januar (auch rund 200 Mal geteilt) hat jemand der Grafik die Aufschrift „Bild von der Nasa“ hinzugefügt. 

Die Behauptungen, man sehe hier eine Nasa-Aufnahme und die Quelle sei ein Nasa-Satellit, sind irreführend, weil sie andeuten, dass es sich um ein Foto handelt. In den Kommentaren wiesen andere Facebook-Nutzer bereits darauf hin, dass das Bild eine 3D-Visualisierung sei. Eine Nutzerin verlinkte einen Artikel der US-Faktenchecker von Snopes, in dem dies erklärt wird. 

Der Facebook-Beitrag bezeichnet das Bild als Nasa-Aufnahme. (Screenshot am 8. Januar 2020 und Schwärzung: CORRECTIV)

Australien-Grafik enthält Daten der Nasa über einen ganzen Monat

Die Visualisierung wurde von dem australischen Fotografen Anthony Hearsey am 5. Januar auf Instagram veröffentlicht. Er nutzte dafür nach eigenen Angaben Daten aus dem „Fire Information for Resource Management System“ der US-Raumfahrtbehörde Nasa zwischen dem 5. Dezember 2019 und 5. Januar 2020. Diese basieren auf Satellitenaufnahmen, es handelt sich aber nicht um ein Foto, sondern um eine Grafik, die aus den Daten über einen ganzen Monat entstanden ist. 

Hearsey beschrieb die Grafik selbst auf Instagram als „3D Visualisierung der Feuer in Australien“. Die Grafik zeige alle Gebiete, die von Buschfeuern betroffen waren. „Der Maßstab ist ein bisschen übertrieben“, erklärt er außerdem, und: „Beachtet auch, dass nicht all diese Gebiete immer noch brennen“.

Der Instagram-Beitrag des Fotografen Anthony Hearsey. (Screenshot am 6. Januar 2020: CORRECTIV)

Buschbrände in Australien wüten seit Wochen

Als er bemerkte, dass sein Beitrag sich teils mit falscher Deutung verbreitete, änderte Hearsey die Beschreibung auf Instagram und betonte nochmals, dass es sich nicht um ein Foto handele, sondern um eine Daten-Zusammenstellung. 

Anthony Hearsey erklärt, es handele sich bei seinem Bild nicht um Foto, sondern um eine Art Grafik. (Screenshot am 7. Januar 2020: CORRECTIV)

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Was stimmt: In Australien wüten seit Wochen schlimme Waldbrände, über die auch deutsche Medien und die Nasa berichten

„Luftaufnahmen“ von Waldbränden führten schon öfter zu Missverständnissen. Auch als 2019 weltweit über die Brände im Amazonas-Gebiet berichtet wurde, nutzten Medien Satellitendaten der Nasa. Damals kursierte im Netz der Vorwurf, die Bilder seien falsch und die Medien stellten die Situation absichtlich übertrieben dar – dem war nicht so, wie unser Faktencheck zeigte. Auch bei den Bildern damals handelte es sich um Visualisierungen aus dem Online-Tool des „Fire Information for Resource Management System“, nicht um Fotos.  

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Dies ist kein Satellitenfoto, sondern eine Visualisierung der Feuer in Australien über einen längeren Zeitraum.

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Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros. (Collage: CORRECTIV, Foto rechts: Georg Hochmuth / APA / AFP, Foto links: Filippo Monteforte /  AFP)

von Joana Splieth

Eine Webseite behauptet, dass Greta Thunberg die Enkelin des Investors George Soros sei. Ein Foto dient als angeblicher Beweis. Nur ist das Bild gefälscht und stammt aus einem Satire-Magazin. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros.

In einem Artikel vom 15. Dezember 2019 wird behauptet, George Soros sei der Großvater von Greta Thunberg. Als angeblicher Beweis dient ein Bild, das vermeintlich Soros neben Thunberg zeigt. 

Die Webseite, von der diese Behauptung verbreitet wird, heißt News For Friends. Sie übernimmt oft Texte mit Falschinformationen aus anderen Ländern und veröffentlicht sie übersetzt auf ihrer Webseite. Auch der Artikel mit dem Titel „Greta Thunberg ist die Enkelin des linken Milliardärs Georges Soros“ stammt ursprünglich aus dem französischen Satire-Magazin Secret News. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde er ungefähr 300 Mal auf Facebook geteilt. Auf Französisch wurde die Behauptung mit dem vermeintlichen Beweisfoto bereits am 28. August 2019 veröffentlicht und seitdem mehr als 2.000 Mal auf Facebook geteilt.

Nach unserer Recherche ist Greta Thunberg nicht die Enkelin von George Soros. Das Bild, das als Beweis dienen soll, ist ein Fake, und die Seite, von der die Information stammt, bezeichnet sich selbst als Satire-Seite.

Der Text von News For Friends wurde ungefähr 300 Mal über Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

George Soros ist nicht der Großvater von Greta Thunberg

George Soros ist ein US-amerikanischer Investor und Milliardär und unterstützt mit seinem Vermögen viele soziale Projekte – so hat er die Open Society Foundations gegründet, eine Stiftung [Transparenzhinweis: Auch CORRECTIV hat bereits Spenden von der Stiftung erhalten].

Das angebliche Bild von ihm und Greta Thunberg, das News For Friends verbreitet, ist gefälscht. Als wir mit der Bilderrückwärtssuche bei Bing nach seinem Ursprung suchen, stoßen wir auf das unbearbeitete Original. Es zeigt Greta Thunberg und den Politiker und ehemaligen Vizepräsidenten der USA, Al Gore, der sich für Klimaschutz engagiert. Greta Thunberg teilte das Bild Ende Dezember 2018 auf ihrer Twitter-Seite und schrieb: „Vielen Dank, Al Gore, dafür, ein wahrer Pionier zu sein. Sehr wenige Leute haben mehr getan. Es war mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.“

In der Bing-Bilderrückwärtssuche finden wir das Originalbild mit Al Gore in einem Tweet von Greta Thunberg. (Screenshot: CORRECTIV)

News For Friends hätte den Artikel als Satire markieren müssen

Secret News bezeichnet sich selbst als Satire-Seite: „SecretNews.fr ist ein kostenloses und unabhängiges Parodie-Kollaborationsmedium, das mehrere Mitwirkende zusammenbringt. Die meisten Informationen auf dieser Website sind wahrscheinlich falsch, werden aus satirischen und humoristischen Gründen veröffentlicht und können nicht als authentisch angesehen werden.“ 

Auf der französischen Webseite Secret News lässt sich ein Satire-Hinweis finden. (Screenshot: CORRECTIV)

News For Friends ist dagegen keine Satire-Seite, sie hätte die Übersetzung des Artikels  also direkt als Satire kennzeichnen müssen. Da dies nicht geschehen ist, ist der Text eine Falschmeldung, mit der Menschen desinformiert werden. 

Falschmeldungen über Thunberg oder Soros sind keine Seltenheit

Behauptungen, dass die bekannte Klimaaktivistin Greta Thunberg nur Teil eines „globalen Establishments“ sei und allerlei andere Hypothesen über sie finden sich regelmäßig in den Sozialen Netzwerken. CORRECTIV hat einige davon bereits als Falschinformationen entlarvt.

Auch über George Soros kursiert Desinformation im Internet. So wurde bereits behauptet, dass EU-Politiker seine Agenten wären, oder dass Russland einen internationalen Haftbefehl gegen ihn ausgesprochen hätte. Soros ist jüdisch und einige Medien machten bereits auf Antisemitismus in den Falschmeldungen über ihn aufmerksam (zum Beispiel die New York Times oder der Spiegel). 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin des Investors George Soros. Die Seite, die den Artikel und das Bild veröffentlichte, ist eine Satire-Seite. Das Bild, das die falsche Behauptung stützen soll, ist ein Fake.