Faktencheck

Nein, das ZDF hat keine Falschmeldungen über den Klima-Risiko-Index verbreitet

Auf Facebook zweifelt ein Nutzer die Berichterstattung des ZDF an. Der Sender habe „Fake News“ verbreitet, als er berichtete, Deutschland sei im Klima-Risiko-Index erstmals unter den Top 3 der am stärksten betroffenen Regionen. Dabei entspricht das den Fakten.

von Cristina Helberg

Extremwetter
Diesen Beitrag des ZDF zweifelt ein Facebook-Nutzer an. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)
Bewertung
Falsch. Der Beitrag des ZDF entspricht den Fakten. Deutschland landete im Klima-Risiko-Index 2020 für das Berichtsjahr 2018 auf Platz 3.

Auf Facebook behauptete ein Nutzer am 4. Dezember, das ZDF verbreite „wieder mal Fake News“. Der Sender hatte in einem Facebook-Beitrag geschrieben, Deutschland belege im Klima-Risiko-Index für das Jahr 2018 Platz drei der am stärksten von Extremwetter betroffenen Regionen. 

Der Facebook-Nutzer zweifelt das an und schreibt: „In Wirklichkeit liegt Deutschland im Klima-Risiko-Index 2019 auf Platz 40 […] und die Zahlen aus 2018 und 2019 sind noch gar nicht in den KRI-2019 eingeflossen.“ Der Beitrag wurde bisher 190 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Facebook-Beitrag mit falschen Behauptungen vom 4. Dezember 2019. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Der ZDF-Beitrag entspricht den Fakten

Tatsächlich hat das ZDF am 4. Dezember auf Facebook ein Bild samt Text veröffentlicht: „Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte des Klima-Risiko-Index gehört Deutschland zu den am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit. Nach Hitzewellen und Rekorddürre im Jahr 2018 belegt die Bundesrepublik den dritten Platz.“ Dazu gab der Sender auch die Quelle an: den Klima-Risiko-Index des Vereins Germanwatch. Der Verein mit Sitz in Bonn will laut eigenen Angaben globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen fördern. 

Der Klima-Risiko-Index wird laut Germanwatch seit 2006 jährlich bei den Weltklimakonferenzen vorgestellt. Auf der Seite des Vereins Germanwatch ist unter Pressemitteilungen eine Meldung zum Klima-Risiko-Index 2020 vom 4. Dezember 2019 zu lesen, die der Meldung des ZDF in allen Punkten entspricht. Demnach lag Deutschland nach Hitzewellen und Rekorddürre im Jahr 2018 auf Rang 3 hinter Japan und den Philippinen im Klima-Risiko-Index. Auf dem Deckblatt wird, genau wie im Pressetext, deutlich, dass in dem Index mit dem Titel 2020 die Daten für das Jahr 2018 ausgewertet werden. 

Die Meldung des ZDF entspricht demnach inhaltlich den Fakten. 

Deckblatt des Global-Climate-Risk Index 2020 mit Unterzeile, dass es sich um Daten von 2018 handelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf diese Jahre beziehen sich die Daten

Und was ist mit dem angeblichen Gegenbeweis des Facebook-Nutzers? Er verweist und verlinkt auf den Klima-Risiko-Index 2019, dort liege Deutschland auf Platz 40. Das ist richtig, bezieht sich aber auf Daten aus dem Jahr 2017 – und nicht auf 2018 wie das ZDF.  

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete David Eckstein, einer der Autoren des Index: „Der Klima-Risiko-Index 2020 betrachtet zum einen das Jahr 2018 und zum anderen den 20-Jahres-Zeitraum 1999-2018. Da wir den Index meist im Dezember des jeweiligen Jahres veröffentlichen, haben wir uns entschieden, im Titel immer das Folgejahr anzugeben. Dadurch hat man nicht bereits einen Monat nach Veröffentlichung den Eindruck (z.B. jetzt im Januar 2020), man betrachte hier ein veraltetes Ranking.“ 

Der Klima-Risiko-Index 2020 bezieht sich demnach auf Daten von 2018 und der Klima-Risiko-Index 2019 bezog sich auf Daten von 2017. Für das Berichtsjahr 2018 landete Deutschland demnach auf Platz 3 (im 20 Jahres Zeitraum 1999-2018 auf Platz 17) und für das Jahr 2017 auf Platz 40 (im 20-Jahres Zeitraum 1998-2017 auf Platz 25). 

Warum Deutschland auf Platz drei landete 

Aber wie kommt es, dass Deutschland in nur einem Jahr von Platz 40 auf Platz 3 hochrutschte? Dazu schreibt Germanwatch: „Der Klima-Risiko-Index für das Jahr 2018 zeigt insbesondere die verheerenden Folgen von außergewöhnlichen Hitzewellen und Dürren.“ In Deutschland habe die Hitze mehr als tausend Todesopfer gefordert. 

Zu ähnlichen Schätzungen kommen auch Experten, allerdings sind genaue Zahlen schwierig zu ermitteln, weil bei Hitzetoten meist Folgen wie Kreislaufversagen als Todesursache dokumentiert werden. Das Umweltbundesamt beziffert allein die landwirtschaftlichen Schäden in Deutschland 2018 auf rund 700 Millionen Euro. Der Klima-Risiko-Index vergleicht weltweit Todes- und Schadensfälle durch Wetterextreme und nutzt dafür unter anderem Daten einer großen Versicherungsdatenbank.

 

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