Wirtschaft und Umwelt

Buschbrände in Australien: Keine Belege, dass Mitglieder einer „grünen Bewegung“ Feuer gelegt haben

Im Netz kursiert die Behauptung, in Australien seien etwa 180 Menschen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen worden, die der „grünen Bewegung“ zugerechnet würden. Dafür gibt es keine Belege.

von Till Eckert

APTOPIX Australia Wildfires
Eines der Feuer am 30. Dezember in Australien. (Foto: Glen Morey / dpa)
Bewertung
Unbelegt. Wales ermittelte gegen etwa 180 Personen, aber nur gegen 24 wegen Brandstiftung. Es gibt keine Belege dafür, dass diese 24 angeklagten mutmaßlichen Brandstifter der „grünen Bewegung“ angehören.

Eine Facebook-Nutzerin behauptet in einem Beitrag vom 12. Januar, dass in Australien etwa „200 Personen wegen dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen“ worden seien. Davon könnten etwa „180 der australischen grünen Bewegung zugerechnet“ werden. Einen Beleg oder eine Quelle dafür liefert die Facebook-Nutzerin nicht. Der Beitrag wurde bisher rund 540 Mal geteilt. Der Ursprung der Behauptung ist womöglich ein Tweet vom 10. Januar. Er wurde bisher mehr als 400 Mal retweetet. 

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Die angegebenen Zahlen sind irreführend

Die angegeben Zahlen stammen vermutlich aus einer Pressemitteilung der Polizei New South Wales, in der steht, dass sie seit dem 8. November 2019 gegen 183 Menschen wegen 205 Buschfeuer-Fällen ermittelte, Verwarnungen aussprach oder Strafanzeige stellte. Die Polizei schlüsselt in der Mittelung aber auch genauer auf: 

  • Gegen 24 Personen wurde wegen mutmaßlich absichtlich angezündeter Buschfeuer ermittelt.
  • Gegen 53 Personen wurde wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung eines totalen Feuerverbots ermittelt.
  • Gegen 47 Personen wurde ermittelt, weil sie mutmaßlich eine angezündete Zigarette oder ein Streichholz weggeworfen haben.

Zu den anderen Fällen schreibt die Polizei nichts. Es stimmt demnach zwar, dass Menschen für manche Feuer in der aktuellen Saison die Schuld tragen, oft jedoch aus Fahrlässigkeit. In nur 24 Fällen kann man von mutmaßlicher Brandstiftung sprechen, bei denen absichtlich Feuer gelegt worden sei. Diese Zahlen gelten allerdings nur für den Bundesstaat New South Wales, einen von sieben. 

Die Faktenchecker von AFP haben für einen Artikel (14. Januar) recherchiert, gegen wie viele Personen in dieser Buschfeuer-Saison wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Für Victoria liegen keine Daten vor – zählt man alle anderen Fälle zusammen, die die Polizeistationen AFP mitteilten, kommt man auf deutlich weniger als 180 Personen. Sie sollen Brände „absichtlich“ oder „rücksichtslos“ verursacht haben. Manche Bundesstaaten teilten Daten seit September 2019 mit, andere für einen kürzeren Zeitraum. 

Dass also 200 Personen festgenommen wurden, weil sie „Brände gelegt haben sollen“, lässt sich so nicht sagen. Richtig ist: Es gab in den vergangenen Monaten in verschiedenen Bundesstaaten Ermittlungen und Anklagen gegen Menschen, die mutmaßlich fahrlässig handelten oder absichtlich Feuer legten. Die Polizei in Victoria etwa widerspricht der Behauptung, nach der die Feuer hauptsächlich durch Brandstiftung entstanden seien laut einem Bericht des Guardian – es gebe dafür keine Indizien.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Polizei von New South Wales hat keine Informationen über die Motive der mutmaßlichen Brandstifter

Auf CORRECTIV-Anfrage an die Polizei in New South Wales, ob die Personen, gegen die wegen Brandstiftung ermittelt wurde, der „grünen Bewegung“ zugeordnet werden könnten, antwortete Sprecherin Joanne Elliot: „Die angeklagten Personen sind nun vor Gericht, es gibt jedoch keine unmittelbare Information über ihre Motivation.“ Wegen Brandstiftung angeklagt wurden laut Polizei lediglich die oben genannten 24 Personen. Bei den restlichen Personen lag wie gesagt Fahrlässigkeit vor.