Kriegsschiff beschädigt: Erneut Sabotageverdacht bei der Marine
Zuletzt häuften sich mögliche Sabotagefälle bei der Marine. Anfang des Jahres wurde nach CORRECTIV-Informationen ein Riss in der Tankleitung einer Fregatte in Wilhelmshaven entdeckt. Steckt Russland dahinter?
Die Marine ist offenbar einmal mehr Ziel einer Sabotageattacke geworden. Ende Februar wurde eher zufällig ein zwei Zentimeter breiter Schlitz in der Tankleitung der Fregatte „Rheinland-Pfalz“ in Wilhelmshaven entdeckt, wie mit dem Vorgang vertraute Kreise CORRECTIV berichteten. Intern geht die Bundeswehr offenbar von einer vorsätzlichen Beschädigung aus.
Ähnliche Vorfälle bei der Marine häufen sich. Seit Anfang 2025 wurden nach CORRECTIV-Informationen insgesamt etwa zehn mögliche Sabotagevorfälle bei den deutschen Seestreitkräften entdeckt. Fünf davon betrafen Korvetten – wendige, kleine Kriegsschiffe für flache Gewässer.
Die Bundeswehr hat den Verdachtsfall mit der Fregatte „Rheinland Pfalz“ auf Anfrage bestätigt, wollte sich jedoch nicht zu Details äußern. „Prinzipiell können wir Ihnen bestätigen, dass sich die Bedrohungslage für seegehende Einheiten in Werften sowie im Bau befindlicher Einheiten der Marine aufgrund mehrerer Sabotageverdachtsfälle verändert hat“, sagte eine Sprecherin. Die Bundeswehr nehme diese Entwicklung sehr ernst.
Neben dem Vorfall auf der Fregatte in Wilhelmshaven ist bisher mindestens ein weiterer bekannt, der sich auf einer Werft in Hamburg zugetragen haben soll: Die Tagesschau hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass bei einer Korvette sogenanntes Strahlgut im Motorraum entdeckt worden sei. Es handelt sich um eine Art Kiessand, mit dem normalerweise die Schiffsoberfläche gereinigt wird. Zudem sollen Tankdeckel von Treibstofftanks entfernt sowie Sicherungsschalter der Schiffselektronik deaktiviert worden sein.
Die Schäden wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen zufällig gefunden. Bis heute sind die Hintergründe unklar. Den Fall der „Rheinland-Pfalz“ hat die Bundeswehr im März bei den Ermittlungsbehörden angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg teilt auf Anfrage von CORRECTIV mit, dass die Ermittlungen dazu bereits eingestellt worden seien. So konnte nicht festgestellt werden, ob es sich um Vorsatz, Verschleiß oder um einen Materialfehler handelte.
Die „Rheinland-Pfalz“ ist im Juli 2022 in Dienst gestellt worden. Sie ist damit eine der neuesten Einheiten der Marine. Zuletzt wurde sie in Wilhelmshaven instandgesetzt. Die Truppe ist wegen des Vorgangs offenbar weiterhin alarmiert.
Werften als Einfallstor? Kriegsschiffe immer häufiger Ziel von Beschädigungen
Wer für die möglichen Sabotagefälle verantwortlich ist, bleibt bisher offen. Sicherheitskreise weisen auf Russland als wahrscheinlichsten Akteur. Deutschland ist aus Sicht der Sicherheitsbehörden zu einem der Hauptziele für russische Angriffe geworden, da die Bundesrepublik der größte Unterstützer der Ukraine ist.
Im vergangenen Oktober hatte der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, bei einer Anhörung bekräftigt, dass Russland die NATO unterminieren und die Demokratien in Europa destabilisieren wolle. Zu den Mitteln, um diese Ziele zu erreichen, gehörten Spionage und Sabotage.
Ein Einfallstor dafür bietet sich in zivilen Werften, bei denen die Fregatten und Korvetten regelmäßig gewartet werden. Die Einlasskontrollen sind an den Standorten zwar streng. Aber umfassende Sicherheitsüberprüfungen bei den Mitarbeitenden oder Sub-Unternehmen seien laut Sicherheitskreisen nicht die Regel.
Redaktion: Anette Dowideit, Anna Kassin
Faktencheck: Anna Kassin