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Gemeinwohlorientierter Journalismus unter Druck: CORRECTIV startet Veränderungsprozess

Die Medienbranche verändert sich rasant. Damit verändern sich auch die Bedingungen für unabhängigen Journalismus. CORRECTIV reagiert auf wirtschaftliche und technologische Herausforderungen mit einem Veränderungsprozess, um gemeinwohlorientierten Journalismus langfristig zu sichern.

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Gemeinwohlorientierter Journalismus steht unter Druck. CORRECTIV entwickelt sein Geschäftsmodell weiter, um unabhängige Recherchen auch künftig zu ermöglichen.

Unabhängiger, gemeinwohlorientierter Journalismus ist heute wichtiger denn je: Er schafft eine verlässliche Grundlage für öffentliche Debatten, macht Macht und Missstände sichtbar und ermöglicht Menschen, informierte Entscheidungen zu treffen – gerade in einer zunehmend unübersichtlichen digitalen Informationswelt. CORRECTIV geht diesen Weg seit mehr als zehn Jahren und ist heute das größte gemeinwohlorientierte Medienhaus Europas.

Doch die Medienbranche steht seit Jahren unter erheblichem wirtschaftlichen Druck: Die Einführung der KI-Zusammenfassung in Suchmaschinen und zunehmend auch in E-Mailkonten hat diese Situation branchenübergreifend weiter verschärft: Reichweiten gehen vielerorts zurück, ebenso Zugriffe auf Webseiten.

Für gemeinwohlorientierten Journalismus sind dies damit mehr als technische Entwicklungen. Es verändert die Bedingungen, unter denen Journalismus Menschen erreicht und wie er sich finanzieren lässt.

Die gesamtwirtschaftliche und geopolitische Lage verschärft die Finanzierungssituation zusätzlich. CORRECTIV wird zu 65 Prozent aus privaten Spenden getragen. Doch der deutsche Spendenmarkt ist angespannt – und der absehbare Rückgang an Reichweiten hat direkte Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Spendengenerierung.

CORRECTIV wurde vor mehr als zwölf Jahren mit der Überzeugung gegründet, dass Journalismus ein öffentliches Gut ist. Deshalb sind Recherchen, Faktenchecks und viele weitere Angebote im Netz kostenlos zugänglich. Gleichzeitig entwickelt CORRECTIV Bildungsangebote, schafft Beteiligungsmöglichkeiten und arbeitet kontinuierlich daran, journalistische Inhalte verständlich und nutzbar aufzubereiten. Dieser Anspruch soll erhalten bleiben.

CORRECTIV reagiert darauf in den kommenden Monaten mit einer Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells. Das erfordert auf der einen Seite, Kosten zu senken und Strukturen anzupassen, zugleich aber bewusst in die Bereiche investieren, die für die Zukunft entscheidend sind. Dieser Balanceakt macht auch strukturelle Veränderungen und den Abbau von Stellen erforderlich.

„Als gemeinwohlorientiertes Medienhaus müssen wir auf diese zahlreichen Herausforderungen reagieren, damit wir auch weiterhin im öffentlichen Interesse recherchieren und verlässliche Informationen für alle Menschen zugänglich machen können,“ sagt Florence Wild, Chief Development Officer und Mitglied der Geschäftsführung.

In Zukunft möchte CORRECTIV durch gezielte Produktentwicklung noch mehr Orientierung und Beteiligungsmöglichkeiten für das Publikum und die Community bieten. „Die kommenden Monate werden wir nutzen, um unser Angebot zu schärfen und das, was wir am besten können – Investigativjournalismus, Beteiligungsrecherchen und Medienbildung für alle – in den Vordergrund stellen“, sagt David Schraven, Gründer und Publisher. Dazu wurde kürzlich eine Nutzer-Umfrage gestartet, die bei der Produktentwicklung wichtigen Input liefern soll. Zudem will CORRECTIV in Zukunft noch viel stärker mit anderen unabhängigen Medien in Deutschland und Europa zusammenarbeiten. Dabei soll es auch darum gehen, die großen Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen.

„Mögliche Entscheidungen zur Organisationsstruktur von CORRECTIV treffen wir mit großer Sorgfalt. Dabei setzen wir auf einen transparenten und fairen Prozess. So schaffen wir nachhaltige Voraussetzungen dafür, dass CORRECTIV auch künftig unabhängig und wirksam arbeiten kann“, sagt Saadet Andirinli, Chief Operating Officer und Mitglied der Geschäftsführung.