In eigener Sache

CORRECTIV.Lokal Konferenz 2026: Journalismus in bewegten Zeiten

Vom 16. bis 18. Oktober kamen rund 350 Medienschaffende und weitere Engagierte für Lokaljournalismus in Magdeburg zusammen. Bei der vierten CORRECTIV.Lokal Konferenz ging es darum, wie Lokaljournalistinnen und -journalisten aktuellen Herausforderungen begegnen, sich gegenseitig stärken und gemeinsam zukunftsfähige Ansätze entwickeln können.

Eröffnungspanel mit Florian Meesmann, Lisa Kuner, Marc Rath, Vera Wolfskämpf und Justus von Daniels. Foto: Katharina Roche

Die Entscheidung für Magdeburg als Konferenzort war eine ganz bewusste. Weil die Menschen in den (Lokal-)Redaktionen dort bereits erleben, was andernorts zunehmend Sorge bereitet: dass zu den ohnehin schon großen Belastungen durch Kürzungen und Stellenabbau auch der politische Druck auf die redaktionelle Arbeit steigt. Genau darüber diskutierten im Eröffnungspanel Journalistinnen und Journalisten aus Sachsen-Anhalt mit CORRECTIV-Chefredakteur Justus von Daniels. Vera Wolfskämpf (RND-Korrespondentin), Marc Rath (Chefredakteur der Magdeburger Volksstimme/MZ), Florian Meesmann (MDR) und die freie Journalistin Lisa Kuner berichteten von Drohungen und Angriffen, den veränderten Bedingungen für Berichterstattung und ihren Wegen damit umzugehen. Ein Ansatz der Redaktionen: stärker mit den Menschen vor Ort in den Dialog kommen und neue Formate ausprobieren. Die Magdeburger Volksstimme versucht beispielsweise mit Hilfe eines Redaktionsbusses mit Menschen vor Ort in den Dialog zu kommen. Der MDR setzt auf präventive Maßnahmen zur Bekämpfung von Desinformation. Mit sogenanntem Prebunking sollen Menschen frühzeitig für Falschaussagen und manipulative Inhalte sensibilisiert werden, bevor sich diese verfestigen.

Die Bedeutung von KI 

Auch beim Thema KI wird deutlich, vor welchen Veränderungen Lokalredaktionen stehen. Im Panel am Sonntag diskutierte CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit mit Carina Huppertz (Investigativjournalistin beim RND), Markus Knall (Chefredakteur von Ippen) und Matthias Daniel (Chefredakteur des journalists) über den Einsatz von KI-Agenten in Medienhäusern. Dazu stellten sie die Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage von CORRECTIV und journalist vor, an der 130 Journalistinnen und Journalisten teilgenommen hatten. Rund 80 Prozent nutzen KI regelmäßig und erleben sie häufig als Arbeitserleichterung. Gleichzeitig gibt es Sorgen um Glaubwürdigkeit und Vertrauen sowie die Befürchtung, dass KI als Vorwand für weiteren Stellenabbau dienen könnte. Im Mittelpunkt stand deshalb die Frage, wie Redaktionen KI sinnvoll nutzen können, ohne die Qualität und Glaubwürdigkeit ihrer Arbeit zu gefährden.

40 Sessions in fünf Thementracks

Insgesamt boten rund 40 Sessions in den Tracks Klima, Bildung, Recherche, Innovation und Meet-Up vielfältige Impulse für die journalistische Arbeit im Lokalen. Die Teilnehmenden lernten investigative Recherchemethoden kennen, erhielten Einblicke in aktuelle Bildungsrecherchen von CORRECTIV und bekamen praktische Ansätze für die Arbeit mit Klimadaten. Anhand konkreter Beispiele von Kolleginnen und Kollegen – von Schwäbisch Hall bis an die Ostsee – wurde deutlich, wie vielfältig und wirkungsvoll lokale Recherchen sein können.

Neben dem journalistischen Handwerk ging es auch um die Bedingungen, unter denen Lokaljournalistinnen und -journalisten arbeiten: Wie gehen sie mit traumatisierenden Erlebnissen im Beruf um? Wie können sie sicher von Demonstrationen berichten? Und wie können sie sich gegenseitig unterstützen, wenn der Arbeitsalltag zunehmend herausfordernd wird?

Im Lokalen was Neues: Gründerinnen und Gründer treffen sich

Dass sich im Lokalen auch viel Neues tut, zeigte der Schwerpunkt Gründungen. 

In Partnerschaft zwischen der Alfred Toepfer Stiftung und dem CORRECTIV.Starthub konnten sich in diesem Jahr besonders viele Lokalmediengründerinnen, -gründer und Gründungsinteressierte bei der Lokalkonferenz vernetzen und Ideen und Mut tanken. 20 Personen wurden mit kostenlosen Tickets gefördert, darunter auch viele Initiativen aus den ostdeutschen Bundesländern wie Unser HaNeu, Schwerin Lokal, ​​Lichtpunkt Jena oder Wokreisel und Gerda. 

Austausch und Vernetzung beim Meet-Up von CORRECTIV.Lokal. Foto: Eroll Popova

Dialogwerkstatt für innovativen Klimajournalismus im Lokalen 

Begleitend zur Konferenz in Magdeburg kamen bereits am Freitag fast 30 Lokaljournalistinnen und -journalisten aus ganz Deutschland zusammen, um gemeinsam neue Ideen für einen zukunftsfähigen Klimajournalismus im Lokalen zu entwickeln. Zwei Tage lang erarbeiteten die Teilnehmenden im gemeinsamen Austausch mit den Reporterinnen von CORRECTIV.Klima erste innovative Ideen und Formate, um eine zielgruppengerechte, konstruktive und investigative Klimaberichterstattung umzusetzen. Im Anschluss hatte die Arbeitsgruppe dann die Möglichkeit, die Lokalkonferenz zu besuchen, die vor allem mit dem Klimatrack weitere Inspiration für den Ideenprozess bot und den Austausch mit lokalen Kolleginnen und Kollegen ermöglichte. Die entstandenen Formatideen werden nun weiterentwickelt und im kommenden Jahr von den Teilnehmenden in ihren Redaktionen getestet. Die Ergebnisse fließen in ein Playbook ein, das anderen Lokalredaktionen als Orientierung dienen soll.

Kooperations- und Förderpartner

Die Konferenz 2026 wurde von der Volksstimme, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, dem Deutschen Journalisten-Verband, dem Europäischen Parlament, dem Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation sowie dem Theater Magdeburg als Kooperationspartnerinnen und -partner unterstützt und mitgestaltet.

Wir bedanken uns außerdem bei unseren Förderpartnerinnen und -partnern, die mit ihrer Unterstützung die Konferenz 2026 ermöglicht haben. Dazu zählen die Madsack Stiftung, die GLS Treuhand, die Wüstenrot Stiftung, die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., die Robert Bosch Stiftung und die Stiftung Mercator. Der Stiftung Mercator danken wir außerdem für die Förderung der Dialogwerkstatt.