Akten des Missbrauchs
Eine achtjährige Recherchereise führt zu einer Jagd nach geheimen Briefwechseln rund um den Globus. Sie endet schließlich im Machtzentrum der katholischen Kirche: dem Vatikan.
Die Verantwortung des Vatikans für den weltweiten sexuellen Missbrauch durch Priester ist größer als gedacht. Seit 100 Jahren werden Informationen von Tätern gesammelt, aber der Vatikan handelte meist nicht oder zu spät.
CORRECTIV erzählt die Geschichte eines organisierten Verbrechens im Vatikan in mehreren Formaten: Als Buch, als Kinofilm, auf der Theaterbühne und als Recherche.
Die Recherche
Ein Brief aus Rom. Unterschrieben von Joseph Kardinal Ratzinger – dem späteren Papst Benedikt XVI.
Was wie ein einzelnes Dokument in einem Missbrauchsfall aus Bayern aussieht, öffnet eine Spur über Kontinente und Jahrzehnte hinweg. Immer wieder finden wir Belege dafür, dass Täterpriester nach Rom gemeldet wurden. Doch ausgerechnet in einem brisanten Fall fehlt eine entscheidende Nummer. Die Suche nach dieser Lücke führt tief hinein in ein System der vatikanischen Archive…
Als Monsignore Damiano Marzotto Caotorta die ersten Zeilen des Briefes liest, wird er still. Fast eine Stunde hat er bis dahin geredet, erklärt, gelacht, aus vergangenen Tagen erzählt. Nun schweigt er. Liest. Seine schlanken Finger konzentriert an den Mund gelegt. „Das ist seltsam“, sagt er schließlich. Er setzt zu Erklärungen an, bringt aber mehrere seiner Sätze nicht zu Ende, überlegt. Der Priester aus Mailand, mittlerweile über 80 Jahre alt, hat im Laufe seiner Karriere im Vatikan viele solcher Briefe gesehen, einige selbst unterzeichnet. Diesen hat sein ehemaliger Vorgesetzter unterschrieben. Doch etwas stimmt nicht …
Der Film
Andreas Perr, Betroffener von sexuellem Missbrauch aus einer kleinen oberbayerischen Gemeinde, klagt gegen das Erzbistum München und Freising – und gegen Papst Benedikt XVI. Der hatte noch als Kardinal mit einem Brief aus dem Vatikan den Wiedereinsatz von Perrs Täter ermöglicht. Der packende Dokumentarfilm folgt der weltweiten Spurensuche von CORRECTIV nach weiteren Briefen. Diese erzählen, wie der Vatikan jahrzehntelang von Tätern gewusst hat. Der Film zeigt Betroffene, die das Schweigen der katholischen Kirche brechen, sowie Journalisten, Aktivisten und Forschende, die trotz Widerständen nach Antworten suchen. Eine investigative Reise durch Archive, Machtstrukturen und systemische Vertuschung der katholischen Kirche.
Premiere am 31. März 2026, anschließend in ausgewählten Programmkinos.
Tickets
Ticketlinks für die Filmvorführungen können Sie dem Veranstaltungskalender entnehmen.
Das Buch
Die Recherche begann vor acht Jahren in Bottrop: Eine Apotheke und ihr direkt gegenüber eine Kirche. Beides waren Tatorte für ein Verbrechen aus dem Vertrauen heraus. Die Recherche zu der Verantwortung des Vatikan für den sexuellen Missbrauch eines Priesters führt uns in eine oberbayerische Gemeinde, über mehrere Kontinente bis nach Rom. Wir sammeln Dokumente, die zeigen, dass der weltweite Missbrauchsskandal der Kirche in der Verantwortung des Vatikans liegt, denn dort wurden seit 100 Jahren Dokumente über die Täter gesammelt. Im Zentrum der Recherche steht der ehemalige Papst Benedikt XVI. Das Buch beschreibt unsere Recherchen aus acht Jahren über Täter, über die Opfer, die sich wehren, und die Verantwortung in Rom. Von der Stadt im Ruhrgebiet einmal um die Welt bis in den Vatikan.
Ab sofort erhältlich im CORRECTIV.Verlag.

„Akten des Missbrauchs: Die Geschichte eines organisierten Verbrechens im Vatikan“ ist ein journalistischer Krimi, der ein unfassbares Geheimarchiv enthüllt. Eine Recherche über Schuld, Macht und Missbrauch.
Pressestimmen
Aut voluptas dicta est tempore adipisci quasi reprehenderit:
Autor und Autorin
Journalist
Journalistin
Kostenlose Leseprobe
Jetzt den Einstieg „Das Schweigen der Hirten“ als Leseprobe kostenlos herunterladen.
Sie abonnieren hiermit auch unseren kostenlosen täglichen Newsletter SPOTLIGHT, in dem wir Sie über weitere Recherchen und Entwicklungen informieren. Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Lesen Sie den SPOTLIGHT bereits? Keine Sorge, Sie bekommen den Newsletter nicht doppelt. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Das Theater
Unsere Vatikan-Recherche wird zum Theaterstück: Gemeinsam mit dem Schauspielhaus Köln bringen wir die Suche nach dem Geheimarchiv im Vatikan auch auf die Bühne – und richten die entscheidenden Fragen direkt an den amtierenden Papst Leo XIV. Live im Depot 1 und im Stream.
Gemeinnütziger Journalismus hat seinen Preis
Recherchen wie diese sind aufwändig und unbequem: Dahinter stecken jahrelange Arbeit, Reisen, die Auswertung von hunderten Dokumenten und viele Gespräche mit Insidern und Betroffenen. Dieses Projekt hat uns mehr als 500.000 € gekostet und konnte nur entstehen, weil CORRECTIV spendenfinanziert und unabhängig ist.
Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. Machen Sie unsere Arbeit möglich. Die nächste Recherche wartet.
Veranstaltungen
Häufige Fragen
CORRECTIV recherchiert seit acht Jahren zu sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche. 2023 fanden wir einen Brief aus dem Vatikan: Ein Dokument, das dem Priester H. erlaubt, Traubensaft statt Wein während der Messfeier zu verwenden. Über den Fall hatten wir da schon mehrfach berichtet. Im Text gibt es keinen Hinweis auf Missbrauch, er „versteckt“ sich gewissermaßen hinter der Alkoholkrankheit. Dieser Brief wurde trotz eines Aufklärungsversprechen der Kirche von den Bischöfen geheim gehalten. Er zeigt die Verantwortung von Papst Benedikt XVI. in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation für die Versetzung eines Missbrauchspriester aus Deutschland. Das Schreiben war der Anstoß, nach Briefen aus der ganzen Welt zu suchen, die belegen, was der Vatikan über Missbrauchstäter gewusst und wie er dazu entschieden hat. Zwei Jahre lang haben wir Hinweise zum Informationsfluss zwischen Bistümern aus der Welt und dem Vatikan gesucht.
Von außen nach innen: Die Archive sind im Vatikan verschlossen, aber sie kommunizieren mit den Bistümern weltweit, und in den dortigen Archiven finden sich dann die Schreiben aus dem Vatikan. Und verschiedene Untersuchungen in den Bistümern aber auch Klagen haben die Akten aus einigen Bistümern ans Tageslicht gebracht. Die Spur der Akten führt also von den Bistümern in den Vatikan. Um die Dokumente zu finden, braucht es Recherche am Schreibtisch und vor Ort: Hinweise fanden sich in wissenschaftlichen Studien, in Gerichtsakten und Pressematerial. CORRECTIV sprach mit Insidern und Experten: Bischöfe, ehemalige Kirchenmitarbeiter, Kirchenrechtler, Historiker, Rechtsanwälte, Journalisten, ehemalige Priester, ehemalige Kirchenmitarbeiter, Kontakte im Vatikan, Archivare, Aktivisten und Betroffene. Dazu sind wir nach Italien, Portugal, Kolumbien, in die USA, in den Vatikan und innerhalb Deutschlands gereist. Im Grunde führte uns die Recherche über den Weltkreis in den Vatikan, etwas wie der umgedrehte Papstsegen, Urbi et Orbi.
Erschreckend bei jeder Recherche zum klerikalen Missbrauch ist, wie die Kirche Missbrauchsfälle vertuschte, Täter schützte, deren Strafen verzögerte, sie erneut einsetzte, und so neuen Missbrauch an Kindern ermöglichte.
Die Recherche zeigt nun, dass Verantwortung und Wissen darüber seit mindestens 100 Jahren im Vatikan liegen – und stellt die Frage nach der Verantwortung auf den Kopf.
Seit über 30 Jahren muss sich die katholische Kirche mit dem Missbrauch von Kindern durch Kleriker und Ordensleute auseinandersetzen. Meistens brachten journalistische Recherchen die jeweiligen Missbrauchsfälle ans Licht. Das Hauptaugenmerk lag dabei vor allem auf der Verantwortung der Bischöfe in den Regionen, während der Vatikan scheinbar über den Dingen schwebte. Nur hier und da gab es Hinweise auf Verbindungen in den Vatikan. So zeigte damals die New York Times-Recherche im Jahr 2010 die Verantwortung des damaligen Papstes Benedikt XVI. für die Versetzung eines Missbrauchstäter in Deutschland. Auch beim Skandal um den Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel, zeigte sich dessen enge Verbindung zu Papst Johannes Paul II. Aber es wirkte wie drastische Ausreißer, denn die Frage nach der Verantwortlichkeit schien vor allem bei den Bischöfen vor Ort zu liegen. Die Recherche zeigt, dass diese auch und vor allem in Rom zu suchen ist..
Die Recherche zeigt, dass der Vatikan über die Missbrauchsfälle Bescheid wusste, jedoch oft die Täter statt der Kinder schützte. Täterpriester durften weiterhin mit Kindern in Kontakt treten und neue Verbrechen begehen. Über die Jahrzehnte entwickelte sich ein System, das von den Tätern über die Bischöfe bis hin zum Papst reichte und diese Taten ermöglichte. Ein bekanntes Gutachten von 2022 untersuchte im Rahmen der Studie zum klerikalen Missbrauch im Erzbistum München und Freising, ob das Verhalten der Beteiligten die Verbrechen der Täter begünstigte. Es kam zu dem Schluss, dass, wenn ein Priester nach einer Verurteilung erneut in einer Gemeinde tätig wurde und es zu weiteren Straftaten kam, dies den „Tatbestand der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch“ erfüllte. Die Recherche zeigt nun, dass dieses System in der Kirche weltweit zu beobachten war und der Vatikan darüber wusste. Dies offenbart Strukturen eines organisierten Verbrechens.
oseph Kardinal Ratzinger verpflichtete 2001 die Bischöfe unter Papst Johannes Paul II,, Missbrauchsfälle nach Rom zu melden – und stellte Missbrauch unter das päpstliche Geheimnis. Doch die recherchierten Dokumente zeigen, dass Ratzinger sich sofort nach seiner Ankunft in Rom mit dem Thema Missbrauch befasste, oft aber Entscheidungen verzögerte, Strafen aufhob oder gar nicht handelte. Im Fall des Gründers der Legionäre Christi durfte Ratzinger zwar nicht aufklären, doch andere Fälle zeigen, dass auch Priester, die nicht unter dem Schutz des Papstes standen, nicht immer direkte Sanktionen erhielten. Besonders die Erlaubnis zur Nutzung von Traubensaft für einen Missbrauchstäter im bayerischen Heimatbistum von Ratzinger verdeutlicht dies. Die fehlende Protokollnummer deutet auf Vorsatz hin.
Das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche ist ein langjähriger Schwerpunkt unserer Arbeit. Als gemeinnützige Organisation ist es darüber hinaus unser Anspruch, dass unsere Recherchen in die Gesellschaft wirken. Mit der Veröffentlichung „Akten des Missbrauchs“ wollen wir Aufklärung weiter vorantreiben und Transparenz herstellen. Gleichzeitig geht es uns darum, eine nachhaltige gesellschaftliche Debatte anzustoßen und möglichst viele Menschen zu erreichen.
Unterschiedliche Formate ermöglichen es, verschiedene Aspekte der Recherche sichtbar zu machen und neue Zugänge zu schaffen. Jedes Medium setzt eigene Schwerpunkte – und eröffnet eigene Diskussionsräume, etwa nach Filmvorführungen oder im Theater. Gerade in Deutschland haben Literatur und politisches Theater eine lange Tradition, wenn es darum geht, gesellschaftliche Debatten zu vertiefen.
Dabei bleiben unsere Inhalte auf der Webseite kostenlos und frei zugänglich, ohne Werbung oder Abos. Wir danken allen, die das mit ihren Spenden ermöglichen.
Unter dem Titel „Theater und Journalismus“ kooperiert CORRECTIV mit dem Schauspiel Köln und bringt regelmäßig Recherchen auf die Bühne. Die Autorin Traudl Bünger, der Intendant Kay Voges und der Journalist Jean Peters haben die CORRECTIV-Recherche zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in einem ständigen redaktionellen Austausch in ein Theaterstück überführt. Die zentrale Frage: Wie lässt sich mit ästhetischen Mitteln weiterdenken, was Daten und Dokumente allein nicht fassen können?
Das Ergebnis ist ein erschütternder Abend am Schauspiel Köln — der nach Aufklärung fragt, aber auch nach Heilung. Zugleich wird an einem Kirchenlied gearbeitet, das zwei renommierte Kirchenmusiker auf Grundlage der Recherche geschrieben haben und das Gemeinden weltweit zur Verfügung gestellt wird.
In Zeiten algorithmischer Empörung braucht investigativer Journalismus neue Formen. Nicht, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen — sondern um aus flüchtiger Entrüstung etwas Dauerhaftes zu machen: Gemeinschaft, Erinnerung, Haltung.
Das Buch umfasst die von CORRECTIV veröffentlichten Geschichten der vergangenen acht Jahre zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und gibt Einblicke in die Arbeit der Reporter. Es geht auch auf die aktuelle Recherche ein und gibt Einordnungen dazu. Die aktuelle Recherche zeigt, wie der Vatikan in der Vergangenheit über Täter informiert war und wie er darüber entschieden hat.
Weitere Insights, Recherchen, Hintergründe und Reaktionen zu „Akten des Missbrauchs” können Sie auf unserer Themenseite entdecken, die wir laufend aktuell halten.
Hilfe für Betroffene
Wenn Sie sexualisierte Gewalt erfahren haben, können Sie sich zum Beispiel an das „Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch“ wenden: 0800 22 55 530.
Telefonzeiten: Mo., Mi., Fr.: 9.00 bis 14.00 Uhr sowie Di., Do.: 15.00 bis 20.00 Uhr.
Eine ausführliche Liste mit weiteren Hilfsangeboten deutschland- und weltweit finden Sie hier:
Presseinformationen
Das Pressekit zu den „Akten des Missbrauchs“ können Sie hier herunterladen:
Für Interviewanfragen oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
presse@correctiv.org
Rezensionsexemplare stellen wir Ihnen gern nach der Buchveröffentlichung ab dem 19. März zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie hierfür:
verlag@correctiv.org
Akkreditierungsanfragen für Filmvorführungen oder sonstige Veranstaltungen richten Sie bitte ebenfalls an den Verlag.