Vergangene Woche hat sich die Freiburger Kommission aufgelöst, die Dopingfälle im westdeutschen Profifußball untersucht. Wir knüpfen dort an, wo die Kommission aufgehört hat. Derzeit sprechen wir mit zahlreichen ehemaligen Fußball-Profis – und bitten um Eure Mithilfe.

Die „Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin“, die das Treiben der ehemaligen Freiburger Sportmediziner beleuchten sollte, ist in der vergangenen Woche zurückgetreten. Damit bleibt weiter offen, wer wie von wem im deutschen Profifußball gedopt worden ist. Wir betreiben seit fast vier Jahren das Blog fussballdoping.de und wissen dadurch, dass Doping im Fußball deutlich weiter verbreitet ist als viele annehmen.

Gerade jetzt, nach dem Aus der Kommission, sprechen wir wieder mit vielen ehemaligen Spielern über Schmerzmittel und Doping. Alle berichten uns davon, über Jahre erlaubte Schmerzmittel genommen zu haben. Manche geben auch zu, Cortison genommen zu haben. „Die Tabletten, Spritzen und Salben würde ich gerne mal auf einem Haufen sehen, die füllen sicher eine ganze Badewanne“, sagte uns kürzlich einer der Ex-Spieler. Die Grenze zum Verbotenen war über Jahrzehnte schwammig. Viele berichten auch von Aufputschmitteln. Und wir haben eine Spur zu vermeintlichem Epo-Doping im deutschen Spitzenfußball.

Wir wollen mehr erfahren. Unabhängig von den Problemen bei der Freiburger Dopingaufklärung wollen wir weiter zum Thema Schmerzmittel und Doping im Fußball recherchieren.

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Wer über Doping, Freiburg und Fußball reden will, kann sich jederzeit bei uns per Telefon, E-Mail oder Post melden. Bitte findet unsere Kontaktdaten am Ende dieses Artikels.

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SC Freiburg, VfB Stuttgart

Vor allem der SC Freiburg und der VfB Stuttgart stehen im Zentrum der Ermittlungen. Die beiden Vereine hatten Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre Überweisungen für Medikamente getätigt – „im Umfang von mehreren Zehntausend DM pro Jahr“. Das hatte der Mainzer Sporthistoriker Andreas Singler vor einem Jahr gesagt. Singler hatte damals einen Alleingang unternommen und gegen den Willen von Kommission und Universität Freiburg die Öffentlichkeit über das offenbar systematische Doping beim VfB Stuttgart und dem SC Freiburg informiert.

Damals haben die beiden Vereine laut Singler auch das starke Anabolikum Megagrisevit beim Institut für Sportmedizin der Uni Freiburg bestellt. Die Aufregung nach Singlers Veröffentlichung war groß. Also doch: Es gab von Vereinen organisiertes, hartes Doping bei Spitzenteams in der Bundesliga.

Alois Hornung, Teamarzt des VfB Stuttgart II, sagte der Sportschau am 7. März 2015, dass viele Fußballer beim Freiburger Arzt Armin Klümper „illegale Substanzen“ verabreicht bekommen hätten. Auch Spieler anderer Vereine seien bei Klümper zu Gast gewesen. Der hatte zuvor mit zahlreichen Kaderathleten steuerfinanzierte Experimente mit Dopingmitteln durchgeführt. 

Hinweise kommen nicht nur, aber derzeit vor allem aus dem Südwesten des Landes. Aus dem Umfeld Klümpers und der Freiburger Sportmedizin. Klümper selbst hatte lange exzellente Kontakte zur deutschen Fußballspitze. Nach Recherchen des WDR-Magazins „SportInside“ gründeten die früheren Nationalspieler Karlheinz Förster und Hansi Müller gemeinsam mit dem ehemaligen Turner Eberhard Gienger 1994 einen Verein zur finanziellen Unterstützung Klümpers. Förster hatte sich zu seiner aktiven Zeit immer wieder von Klümper fitspritzen lassen – beispielweise mit Cortison. Mittlerweile musste sich das ehemalige Raubein der Bundesliga das linke Fußgelenk versteifen lassen. Armin Klümper lebt inzwischen in Südafrika und spricht nicht mit Journalisten.

Auch Löw war beim Spritzendoktor

Zu den Unterstützern des Arztes sollen auch Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Paul Breitner gezählt haben. Klümper war unter den Spielern sehr beliebt, galt als Wunderheiler. „Er hat alles für seine Patienten getan“, sagte zum Beispiel Felix Magath. Auch Bundestrainer Joachim Löw war Patient von Klümper.

Seit 2007 arbeitete eine Kommission an der Aufarbeitung des Freiburger Doping-Skandals. Anfang dieser Woche traten fünf der sechs Kommissionsmitglieder zurück. Sie schreiben, dass sie bei der Aufklärung behindert worden seien und Dokumente verspätet herausgegeben wurden. Wichtige Aktenordner seien in Privaträumen versteckt worden. Die Gruppe befürchtete nun, dass Ergebnisse oder Teile des Abschlussberichts seitens der Universität nicht veröffentlicht werden würden.

Unsere Kontaktdaten:

Correctiv, z. Hd. Daniel Drepper, Singerstr. 109, 10179 Berlin

Jonathan Sachse: jonathan.sachse@correctiv.org oder +49 151 28596609

Daniel Drepper: daniel.drepper@correctiv.org oder +49 151 40795370

Tobias Ahrens: tobias.ahrens.fm@correctiv.org oder +49 151 64418543

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