Sachsens Politiker sind gegen das Rauchen und besorgt über den Klimawandel. Sachsens kommunaler Pensionsfonds jedoch investiert indirekt auch in Firmen, die ihr Geld mit Öl, Tabak und Alkohol verdienen.

3,5 Milliarden Euro hat Sachsen angelegt, um für die Pensionen städtischer Beamten vorzusorgen. Der Löwenanteil davon ist in Pfandbriefen und Schuldscheinen anderer Bundesländer, Banken und vor allem Sparkassen investiert. Aber einige hundert Millionen Euro sind auch in Fonds angelegt, die zu den uneinsehbarsten und breit gestreutesten auf dem Markt gehören.

So gehen 88 Millionen Euro in den Fonds iboxx Europe corporate des amerikanischen Finanzdienstleisters MSCI. In welche Firmen der Fonds investiert, ist zunächst nicht transparent. Erst nach zwei telefonischen und einer schriftlichen Anfrage an MSCI liegt uns nun das Portfolio vor, in das auch Sachsen investiert hat: Aktien von 570 Firmen hält der Fonds derzeit, darunter von Ölkonzernen wie Repsol oder Total, aber auch vom Tabakkonzern Philipp Morris. Auch vom Skandalkonzern Rio Tinto wollen die Sachsen profitieren, genau wie von einem der größten Bergbauunternehmen der Welt, BHP Billiton.

Millionen Euro in Öl und Alkohol

Nach CORRECTIV-Berechnungen investiert Sachsen indirekt mindestens elf Millionen Euro in Firmen, die mit klimaschädlichem Öl ihr Geld verdienen. Und auch von der Rendite zahlreicher Alkoholfirmen, wie Heineken und Pernod, sollen die sächsischen Beamten eines Tages bezahlt werden. Die Investitionsentscheidungen widersprechen damit diametral den politischen Zielen der Landesregierung, die für Klimaschutz eintritt und das Rauchen eindämmen will.

Hier findet Ihr die Aufschlüsselung des Kommunalen Versorgungsverbundes Sachsen, wie die 3,5 Milliarden Euro angelegt wurden:

Darüberhinaus können die Fonds ihre Anlageentscheidungen täglich ändern. Sachsen hat darüber keine Kontrolle. „Eine tagesaktuelle Aufstellung und die jeweilige Gewichtung der Einzeltitel ist mit einem sehr hohen Aufwand verbunden und überschreitet nach unserer Ansicht das zumutbare Maß einer Presseauskunft“, sagt Bernhard Helbig, Sprecher des kommunalen Versorgungsverbundes KVS . Ohnehin sei „die Benchmark“, also der Gewinn, das wichtigste Anlagekriterium.

Sachsen liegt weit zurück

Damit ist Sachsen weit entfernt von den Bemühungen anderer Bundesländer, aus klimaschädlichen oder ethisch fragwürdigen Anlagen auszusteigen. Nachdem CORRECTIV die oftmals geheim gehaltenen Anlagen der Pensionsfonds öffentlich gemacht hat, kündigten mehrere Bundesländer an, darunter Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, ihre Investitionen zu überprüfen.

Nordrhein-Westfalen erarbeitet derzeit eine Liste von ökologischen Kriterien, nach denen künftig die Milliarden des Pensionsfonds angelegt  werden sollen. Auch die Stadt Münster wird künftig kein Geld mehr in Firmen investieren, die mit Öl oder Kohle das Klima schädigen. Die so genannte devestment-Bewegung hat auch Universitäten und Firmen wie die Allianz dazu gebracht, ihr Geld umweltfreundlicher anzulegen.

Für seine Landesbeamten hat Sachsen übrigens kein Geld in Unternehmen angelegt. Im Generationenfonds und der Versorgungsrücklage sind zusammen knapp 5,3 Milliarden Euro angelegt – viel mehr als in vergleichbar großen Bundesländern. Die Milliarden sind vor allem in Schuldscheine anderer Bundesländer und von EU-Staaten investiert.


Weitere Recherchen unserer Autoren zu schädlichen Investitionen deutscher Pensionsfonds und zum Klimawandel generell findet Ihr in unserem Schwerpunkt „Globale Erwärmung“.

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