Faktencheck

Schulgehälter

Die Grünen NRW erklärten über Twitter am 11. Oktober 2016: „Wir bezahlen Lehrkräfte an Grundschulen genauso gut wie ihre Kolleg*innen an anderen Schulen. #ltw17“ Wir haben diese Aussage überprüft.

von Mine Önder

© Eine Schule in NRW von Kimba Reimer unter Lizenz CC BY 2.0

Man kann den Satz der Grünen auf Twitter eigentlich nur so verstehen: Lehrer an Grundschulen kriegen genau so viel Geld wie Lehrer an weiterführenden Schulen. Und der Hinweis auf den Landtagswahlkampf 2017 (#ltw17) und auf das Wort „Wir“ kann eigentlich nur bedeuten: dieser Fakt sei der grünen Schulministerin und Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann zu verdanken.

Wir sind der Aussage nachgegangen. Und dazu haben wir die Entlohnung von Grundschul- und Gymnasiallehrern in Essen miteinander verglichen.


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Die Dauer eines Studiums für angehende Lehrer unterscheidet heute nicht mehr. Grundschullehrer und Gymnasiallehrer haben derzeit eine Regelstudienzeit von 10 Semestern. Danach müssen beide für ein Referendariat 18 Monate an die Schule. Nach dem Abschluss des Referendariats bewerben sich die Lehrer um offene Stellen im Schuldienst.  

Während des Studiums gibt es einen wichtigen Unterschied bei der Fächerauswahl zwischen beiden Lehrerlaufbahnen. Grundschullehrer müssen eine Sprache als Fach beherrschen, sie müssen mathematische Grundkenntnisse nachweisen und zudem ein Wahlfach etwa aus den Bereichen Gesellschaftswissenschaften, Kunst oder Religion belegen. Für das Gymnasium muss ein Kernfach und ein weiteres Fach gewählt werden.

Lehrer sind Beamte und werden in Besoldungsgruppen eingeteilt.

Grundschullehrer gehören grundsätzlich zur Besoldungsgruppe A12; Gymnasiallehrer grundsätzlich zur Gruppe A13.

Die Gehälter variieren dann nach Stufen, je nachdem wie viel Erfahrung jemand hat und dem jeweiligen Dienstalter. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, betrachten wir hier nur die Stufe 5 in der jeweiligen Besoldungsgruppe. Dies entspricht einem Dienstalter von etwa acht Jahren.

  • Ein Lehrer in der Gehaltsgruppe A12 (Grundschule) verdient in der Stufe 5 ohne Zulagen 3543,91 Euro Brutto.
  • Ein Lehrer in der Gehaltsgruppe A13 (Gymnasium) verdient in der Stufe 5 ohne Zulagen 3949,27 Euro Brutto.

In Essen sind knapp 1.000 Grundschullehrer in der Gehaltsgruppe A12 und ebenfalls rund  1.000 Gymnasiallehrer in der Gehaltsgruppe A13.

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Für Grundschullehrer ist es schwer, mehr Geld zu verdienen. Sie können fast nie in eine höhere Besoldungsgruppe aufsteigen und so viel Geld verdienen wie ein Gymnasiallehrer. Sie sind in der Regel der Laufbahngruppe 2 zugeordnet. Das bedeutet: Im Idealfall können sie nur bis zur Besoldungsgruppe A13 aufsteigen – aber nur wenn sie Rektor einer Grundschule werden. Zulagen gibt es für Kinder und Ehen. Grundschullehrer müssen in der Regel 28 Pflichtstunden in der Woche unterrichten.

Gymnasiallehrer sind normalerweise der Laufbahngruppe 2.2 zugeordnet. Das bedeutet: Sie können bis in die Besoldungsgruppe A16 aufsteigen, wenn sie Direktoren werden. In der Regel sind alle Gymnasiallehrer in der Besoldungsgruppe A13. Auch sie bekommen Zulagen nach Familienstand und Kinderzahl. Gymnasiallehrer müssen normalerweise 25,5 Stunden in der Woche unterrichten.

Nur Rektoren und Inklusionslehrer an Grundschulen können überhaupt so viel verdienen wie ein Gymnasiallehrer. Auch hier gibt es Zuschläge abhängig von der jeweiligen Größe ihrer Schule.

Direktoren von Gymnasien verdienen am Meisten. In die Gehaltsgruppe A16 bekommen sie ohne Zuschläge bei zwei Kindern in der Stufe 5 genau 5569,11 Euro Brutto.

Ein Lehrer, der Karriere macht, verdient als Gymnasiallehrer immer mehr, als er dies als Grundschullehrer jemals könnte.


Unsere Wertung: vier von fünf Pinocchios für die Grünen in NRW. Es ist auf den ersten Blick unerklärlich, wie die Aussage zustande kommt.


Mit Pinocchios bewerten wir den Wahrheitsgehalt einer offiziellen Aussage. Fünf Pinocchios stehen für das Maximum einer bewusste Falschmeldung. Ein Pinocchio bezeichnet eine leichtgewichtige Falschmeldung, die Menschen versehentlich in die Irre leitet. Drei Pinocchios stehen für eine grobe unwahre Aussage, die mehr oder weniger fahrlässig über offizielle Kanäle oder in Interviews wiederholt verbreitet wurde.


Disclaimer: In einer früheren Version hatten wir mit Nettogehältern gerechnet. Diese sind allerdings aufgrund unterschiedlicher Steuerklassen nicht so gut zu vergleichen.