Integration & Gesellschaft

Stahlarbeiter in Angst

Der Stahlriese ThyssenKrupp will 500 Millionen Euro einsparen und plant dafür eine Fusion. Tausende Jobs stehen auf der Kippe. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit entlud sich am Mittwoch vor den Toren des Werks in Duisburg

von Stefan Laurin

© CORRECTIV.RUHR

Er sagt es laut am Ende seiner Rede: „Stahl ist Zukunft“. Reiner Hoffmann, der Bundesvorsitzende des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB) ist am Mittwoch nach Duisburg-Hüttenheim gekommen, um den Protest der Stahlarbeiter zu unterstützen. Mehrere Tausend von ihnen, aber auch viele andere Menschen, stehen am Tor 9 des Thyssenkrupp-Werkes, weil sie Angst haben, dass Hoffmanns Beschwörung der Zukunft des Stahls nicht mehr zutrifft.

ThyssenKrupp will in den kommenden drei Jahren 500 Millionen Euro einsparen. Geplant ist eine Fusion der Stahlsparte mit dem indischen Konzern Tata Steel. Die Betriebsräte und die IG Metall fürchten, das 4000 der 27.000 Jobs bei ThyssenKrupp wegfallen könnten. Der Konzern bestreitet das, aber hier glaubt niemand mehr der Unternehmensleitung. Was sie hingegen glauben: dass ThyssenKrupp nach der Fusion ganz aus dem Stahl aussteigt und der Konzern zerschlagen wird.

Thomas Luft arbeitet bei ThyssenKrupp Industrial Solutions im Münsterland. Von den akuten Schließungsplänen ist er nicht betroffen: „Aber wer weiß, wie es weitergeht, wenn der ganze Konzern zerschlagen wird?“ Deswegen macht auch er sich Sorgen.

Nichts ist mehr sicher bei ThyssenKrupp. Der ehemalige IG-Metall-Chef Detlef Wetzel will, dass die Gespräche über die Fusion beendet werden. Garrelt Duin (SPD), der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, sagt, auch die Landesregierung wolle keine Fusion. Er schlägt nationalistische Töne an: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Entscheidungen nicht mehr in Duisburg oder Essen sondern in London, den Niederlanden oder Mumbai getroffen werden.“

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

Unsere Recherchen entstehen vor Ort. Wir liefern Hinter­­­gründe und spüren Skandalen nach – da wo sie passieren. Wir berichten mitten aus dem Leben – wo die Menschen sind. Jetzt spenden!

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Duin fordert von ThyssenKrupp, dass das Unternehmen seine Pläne offenlegt. Er selbst hat keine. Auf die Frage, ob es im Wirtschaftsministerium Ideen und Konzepte gebe, wie Ersatzarbeitsplätze angesiedelt werden können, antwortet das Ministerium blumig:

„Aufgabe der Landesregierung ist es, Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Wirtschaft und gute Arbeit zu schaffen. Zu den derzeit angekündigten Maßnahmen führt das Wirtschaftsministerium Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten, um so ausgewogene und für alle tragfähige Lösungen zu finden. Im Bedarfsfall moderiert das Haus Gespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.“

Als 1987 die Hütte in Hattingen vor dem Aus stand, klang das noch ein wenig anders, war die Landesregierung entschlossener, entwickelte man gemeinsam mit der IG Metall und dem Arbeitgeberverband ein Konzept, bei dem sich die Unternehmen verpflichteten Ersatzarbeitsplätze zu schaffen. Die Frankfurter Vereinbarung vom 11. Juni 1987 schrieb Geschichte.

Friedhelm Schumacher, Arbeiter bei Thyssenkrupp in Duisburg,  glaubt nicht, dass es in Duisburg weiter geht: „Weder die Politik noch die Gewerkschaft werden uns helfen können.“ Er ist sich sicher, dass die Fusion mit Tata bereits entschieden ist: „Die Verträge liegen doch schon fertig in der Schublade. Die müssen sie nur noch rausholen.“