Autonome Waffen made in Germany
Immer mehr deutsche Firmen entwickeln KI fürs Militär. Das sind die Trends – und Risiken.

Liebe Leserinnen und Leser,
ich übernehme heute von meiner Kollegin Anette Dowideit und begrüße Sie herzlich zu dieser Ausgabe des SPOTLIGHT.
Im Thema des Tages geht es um eine Recherche, an der ich in den letzten Wochen gearbeitet habe und die wir heute veröffentlicht haben. Ich habe mich mit den deutschen Firmen befasst, die Künstliche Intelligenz (KI) fürs Militär entwickeln. Und mit dem Einsatz solcher Technologien in kriegerischen Konflikten.
Außerdem geht es bei uns heute um die Polizeiliche Kriminalstatistik, mit der sich unser Faktencheck-Team befasst hat. Und: Meine Kollegin Gesa Steeger beschreibt in der Kategorie Ganz Persönlich einen brisanten Vorstoß der EU-Kommission bei der sogenannten Wasserrahmenrichtlinie.
Außerdem können Sie heute Ihren Favoriten der Cartoon-Woche wählen – und das neue Buch „Akten des Missbrauchs“ gewinnen.
Sie haben Anregungen, Tipps, Feedback? Melden Sie sich gerne via spotlight@correctiv.org bei uns.
Thema des Tages: Autonome Waffen made in Germany
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Demokratie aus der Sicht der Jugendlichen
Cartoon-Arena: Wählen Sie Ihren Favoriten
CORRECTIV Events: Die Veranstaltungstipps
Faktencheck: Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht
CORRECTIV ganz persönlich: Ein Blick auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU
Grafik des Tages: Die meisten Waffen aus der Schweiz gehen nach …
Immer mehr deutsche Firmen entwickeln Künstliche Intelligenz (KI) für militärische Zwecke. Wir konnten für unsere neue Recherche mindestens 21 ausmachen. Die meisten befinden sich im Ballungsraum München.
Bei Fachleuten gelten die Technologien und ihr Einsatz im Militär weitgehend als Blackbox: Für die Öffentlichkeit sei nur sehr schwer nachvollziehbar, wie sie entwickelt und überprüft werden. Deshalb haben wir genauer hingeschaut, was da hinter verschlossenen Türen ausgetüftelt wird.
Was sind die Trends in Sachen militärischer KI?
Die Entwicklungen der Firmen decken die ganze militärische Bandbreite ab und werden zunehmend eingesetzt: Es geht um die Feldaufklärung, um Entscheidungshilfe für die Gefechtsführung, aber auch um autonome Fahrzeuge und Angriffswaffen. Einige haben bereits Verträge mit der Bundeswehr abgeschlossen.
München und sein direktes Umland sind in den vergangenen Jahren zu einer Hochburg der Entwicklung rund um KI-gestützte Drohnen aus Deutschland geworden. Mindestens 13 überwiegend junge Unternehmen liefern sich dort ein Rennen um die heißeste Technologie, die sie der Bundeswehr anbieten.

Das Thema ist hochrelevant: Erst kürzlich wurde bekannt, dass das ukrainische Militär eine russische Stellung ganz ohne Menschen einnahm, mittels Drohnen und Robotern.
Viele Militärs setzen zunehmend auf das Konzept des sogenannten „Precision Mass Warfare“ – die Verbindung von hochpräzisen Waffensystemen – wie Drohnen – mit der Fähigkeit, sie massenhaft einzusetzen.
Im Hintergrund müssen dafür mehrere Systeme zusammenwirken: Aufklärung, Sensorik, Big-Data-Analyse, Entscheidungshilfe bei der Zielerkennung, Vernetzung von IT-Systemen und mehr. Deutsche Firmen decken diese Bandbreite mittlerweile fast gänzlich ab, teils kooperieren sie, um Rückstände in einzelnen Bereichen auszugleichen.
Welche Risiken sehen Fachleute?
Die Experten, mit denen wir für die Recherche sprachen, nennen gleich mehrere Problemfelder mit diesen neuen Technologien. Grundsätzlich ist es schwierig, nachzuvollziehen, auf welcher Basis sie entwickelt wurden. Wer programmiert sie, nach welchen Regeln? Welche Daten beziehen die Systeme – und woher? Hinzu kommt die Frage nach Verantwortlichkeit, wenn es zu Fehlern kommt.
Und dann ist da die große Frage: Wie viel Kontrolle darf der Mensch im Krieg aus der Hand geben? Die ganze Recherche, mit den Firmen, Fallbeispielen zum Einsatz von KI in Konflikten, und den teils drastischen Einordnungen von Expertinnen, lesen Sie hier.
Iran setzt Blockade der Straße von Hormus aus
Der Iran hebt nach eigenen Angaben die Blockade der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus auf. Die Öffnung gelte allerdings nur für die Dauer der Waffenruhe mit dem Libanon.
spiegel.de
Justizministerin: Pornografische Deepfakes sollen strafbar werden
Stefanie Hubig hat einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt vorgelegt. Er sieht vor, das Erstellen und Verbreiten von pornografischen Deepfakes künftig unter Strafe zu stellen.
zeit.de
Gutverdiener sollen mehr für die Krankenkasse zahlen
Gesundheitsministerin Warken setzt auf eine stärkere Belastung von Gutverdienern, um die Finanzlage der Krankenkassen zu sichern. An den geplanten Maßnahmen der Reform gibt es vielfach Kritik.
deutschlandfunk.de / merkur.de

In dieser Folge sprechen Amy Kirchhoff von der Bundesschülerkonferenz und der Sozialethiker Prof. Matthias Braun über die zentrale Frage, wie junge Menschen Demokratie heute erleben.
tube.funfacts.de

Cartoon-Arena

Deutschland diskutierte in den vergangenen Wochen intensiv über digitale sexualisierte Gewalt gegen Frauen – doch einige Männer versuchten, öffentlichkeitswirksam zu relativieren. Darauf hat die Cartoon-Arena in dieser Woche einen kritischen Blick geworfen. Heute mit dem abschließenden Beitrag von Bettina Schipping.
Unter diesem Link können Sie Ihren Favoriten wählen. Unter den Teilnehmenden verlosen wir das neu erschienene Buch zur Vatikan-Recherche „Akten des Missbrauchs“. Und hier sind noch einmal alle Cartoons der Woche im Überblick.
Diesen Cartoon teilen:

CORRECTIV Events

Exile Talks: Kurdistan, Berlin
Wie funktioniert Journalismus, wenn es keinen Staat gibt, der ihn schützt – und mehrere Staaten aktiv daran arbeiten, ihn zu unterdrücken? Am 22. April lädt CORRECTIV.Exile dazu ein, mit kurdischen Journalistinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Anmeldung
Das Faktenforum beim openTransfer CAMP Zusammenhalt, Neustrelitz
Am 24. April zeigt das Team vom CORRECTIV.Faktenforum auf dem openTransfer-Festival, wie faktenbasierte Debatten gestärkt werden können. Anhand praktischer Beispiele gibt die Session Einblicke in Faktencheck-Methoden und macht deutlich, wie Menschen Informationen kritisch prüfen lernen.
Anmeldung

Kommende Woche wird voraussichtlich die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Sie liefert einen Überblick über die Arbeit der Polizei. Zahlen daraus, insbesondere zur sogenannten Ausländerkriminalität, werden jedoch immer wieder aus dem Kontext gerissen. CORRECTIV.Faktencheck ordnet ein.
correctiv.org
Endlich verständlich
Was sagen Jugendliche zu einem Social-Media-Verbot? Unsere Jugendredaktion Salon5 stellt exklusiv die Ergebnisse einer Umfrage der gemeinnützigen Organisation Aula vor, die genau dieser Frage nachgeht. Das Ergebnis: Die meisten Befragten sind für ein Social-Media-Verbot – allerdings nur für Jüngere, denn sie selbst wollen an der digitalen Welt teilhaben. Die Umfrage zeigt auch, dass sich die Befragten den Risiken bewusst sind und wie solche Plattformen für alle Nutzenden verbessert werden könnten. Mehr dazu erfahren Sie hier:
instagram.com
So geht’s auch
Der Bundestag hat heute den Weg für eine neue E-Auto-Prämie freigemacht, die rückwirkend ab Januar 2026 gelten soll. Beantragen lässt sich der staatliche Zuschuss ab Mai. Allerdings gibt es auch Kritik, denn auch Hybrid-Modelle werden gefördert, die teils mit Benzin betrieben werden.
wnoz.de
Fundstück
Der Frühling zeigt sich am kommenden Wochenende von seiner warmen, aber durchwachsenen Seite. Wer sich beim Spaziergang fragt, welche Blumen dort am Wegesrand blühen, findet online Hilfe. Etwa über verschiedene Apps:
chip.de
Die EU-Kommission ist dabei, die EU-Wasserrahmenrichtlinie anzupassen. Im Fokus der Überarbeitung steht das sogenannte Verschlechterungsverbot, das Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Zustand von Oberflächen- und Grundwasserkörpern nicht zu verschlechtern. Geht es nach der Kommission, soll dieses aufgeweicht werden.
Aus Sicht der EU ergibt das politisch durchaus Sinn: Der Druck, kritische Rohstoffe wie Lithium, Kupfer oder seltene Erden stärker innerhalb Europas zu fördern, wächst – um Abhängigkeiten von Importen aus Drittstaaten zu verringern und Lieferketten für die Energiewende und Industrie abzusichern.
Doch aus Umweltsicht ist der Vorstoß brisant. Umweltverbände warnen, dass hier Ausnahmen ausgeweitet werden könnten, etwa um Genehmigungen für Infrastruktur- und Rohstoffprojekte zu erleichtern – auf Kosten der Umwelt und des Schutzes von Flüssen und Seen.
Und diese brauchen tatsächlich eher mehr Schutz, nicht weniger. Laut einem Bericht der EU erreichen nur 39,5 Prozent der Gewässer in Europa einen „guten ökologischen Zustand“, und nur 26,8 Prozent einen guten chemischen Zustand.
Das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, alle Gewässer in einen „guten ökologischen und chemischen Zustand“ zu bringen – und das bis spätestens 2027 – liegt in weiter Ferne. Die Aufweichung der Richtlinie könnte diese Problematik noch verschärfen.

Ende März stoppte die Schweiz den Großteil der Rüstungsexporte in die USA – einen Hauptkunden von Waffen der Eidgenossen. Der Grund: Die Neutralität des Landes verbietet Waffenexporte in Länder, die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind. Nach dem Willen von Parlament und Regierung soll sich das eigentlich ändern. Ende des letzten Jahres hatten sie eine Lockerung des „Kriegsmaterialgesetzes“ beschlossen – auch mit Blick auf die Ukraine. Weil die Vereinfachungen aber sehr weitreichend waren, wehrten sich mehrere Organisationen dagegen. Nun haben sie genügend Unterschriften für ein Referendum gesammelt.
tagesanzeiger.ch
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correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.
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