Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

25 Jahre wurde verhandelt, heute wurde das sogenannte Mercosur-Abkommen unterzeichnet – zwischen der EU und den vier südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Was bedeutet das konkret für uns Konsumenten? Welche Auswirkungen hat es auf unsere Landwirte? Darum geht es im Thema des Tages.

Zwei weitere Leseempfehlungen: Die AfD nutzt die Trump-Aktion in Venezuela für ihre Zwecke. Wie genau, hat Reporterin Isabel Knippel aus unserem Team CORRECTIV.Sunlight recherchiert. 

Und: In alten Salzgruben darf offenbar legal toxischer Müll endgelagert werden – warum, steht in der „Leserfrage der Woche“.

Morgen ist es zwei Jahre her, dass wir unsere Potsdam-Recherche veröffentlicht haben. Was seither in der extremen Rechten geschah, ist morgen Thema im Samstags-SPOTLIGHT.

Haben Sie konkrete Hinweise auf Missstände oder Machtmissbrauch? Dann schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Bald mehr Fleisch aus Brasilien

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Trumps Venezuela-Angriff beflügelt AfD-Politiker

Leserfrage der Woche: Werden in ehemaligen Salzgruben so ziemlich alle Arten von nicht recycelbarem Industriemüll legal entsorgt?

CORRECTIV Events: Sicherheits-Theater und Klimaleugnug

Faktencheck: Strom-Sabotage in Berlin – Video zeigt nicht „Vulkangruppe“, sondern ist aus Graffiti-Film

Gute Sache(n): Förderung für klimaneutrale Energie in Duisburg • Für mehr Toleranz: Human Library • (Realitäts-) Flucht ins Mumintal

CORRECTIV ganz persönlich: Menschen entblößten die Frauen – nicht die KI

Grafik des Tages: Bundeswehrbesuche an Schulen

Was bedeutet Freihandelsabkommen?
Eine Freihandelszone ist ein Gebiet, in dem die beteiligten Länder untereinander keine Zölle erheben. Ausführlich wird dies in diesem Text der Heinrich-Böll-Stiftung erklärt. In diesem Fall sollen die Zölle auf 91 Prozent der zwischen den beiden Zonen gehandelten Waren abgeschafft werden.

Was soll es uns bringen?
Für uns Konsumentinnen und Konsumenten in der EU soll es, so der Plan, dazu führen, dass Fleisch (vor allem Rindfleisch und Geflügel), Milch und andere Agrarprodukte günstiger zu uns kommen. 

Unsere Wirtschaft soll profitieren, weil zum Beispiel Autobauer günstiger und damit in größerem Umfang Autos nach Südamerika verkaufen können. Auch die Chemiebranche soll profitieren. Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen EU-Exporte um 39 Prozent steigern kann. Das würde 49 Milliarden Euro an Einnahmen pro Jahr für EU-Firmen bedeuten.

Was aus Sicht von Kritikern dagegen spricht:
Vor allem zwei Interessengruppen sehen das Abkommen kritisch: europäische Landwirte (allerdings auch nicht alle) und Umweltschützer. 

Die Landwirte fürchten die Konkurrenz billiger Produkte aus Südamerika. Deshalb startete kurz vor der heutigen Abstimmung der Bauernverband „Land schafft Verbindung“ an mehreren Orten in Deutschland Proteste – zum Beispiel in Thüringen und Niedersachsen. Es gibt allerdings wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass diese Sorge nicht sehr begründet ist.

Es geht den Bauern aber nicht nur ums Geld. Sie warnen auch davor, dass künftig weitgehend ungehindert Waren ins Land kommen könnten, die nicht nach EU-Standards produziert werden. Zum Beispiel hormonbehandeltes Fleisch und gentechnisch verändertes Soja.

Bauernproteste gab es heute auch in Frankreich – hier zum Beispiel in der Stadt Clermont Ferrand. Quelle: picture alliance / Hans Lucas | Romain Costaseca

Selten wie nie ist deshalb die Einheit mit Umweltschützern: Ihnen geht es vor allem darum, dass südamerikanische Großlandwirtschaftsbetriebe schon seit vielen Jahren den Regenwald immer weiter roden, um Ackerflächen für Rinder zu schaffen. Sie befürchten (wie hier zum Beispiel Greenpeace Österreich erklärt), dass wir Europäer künftig noch mehr Fleisch aus Südamerika essen und damit noch mehr Regenwald verloren geht. 

Portland: Erneute Schüsse eines ICE-Bundesbeamten auf Menschen  
Nach dem tödlichen Vorfall in Minneapolis wurden erneut zwei Menschen durch einen US-Bundesbeamten verletzt. Der Polizeichef in Portland, wo sich der zweite Vorfall ereignete, bat die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren, bis mehr über das genaue Geschehen bekannt ist. 
deutschlandfunk.de 

BSW in Brandenburg stimmt für AfD-Antrag zu Neuwahlen 
Nach dem Ende der Koalition zwischen SPD und BSW in Brandenburg beantragte die AfD die Auflösung des Parlaments, um Neuwahlen herbeizuführen. Das BSW stimmte dem Antrag zu, eine Mehrheit erhielt er jedoch nicht. Für einen Beschluss wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen. 
tagesspiegel.de   

Symbolbild Leserfrage der Woche

Auf einer Fläche zwischen Hessen und Thüringen erstreckt sich die weltweit größte (Stand 2023) Untertagedeponie für Giftmüll. In einem stillgelegten Salzbergwerk befinden sich kilometerlange Tunnel, die zur Entsorgung von nicht recycelbaren toxischen Chemikalien verwendet werden. Nicht nur Industrieabfall aus Deutschland lagert dort, sondern auch aus Europa und den USA. Für die Stoffe ist keine Rückholung vorgesehen.  

Wir haben beim Hessischen Umweltministerium und beim Umweltbundesamt nachgefragt. Das Ergebnis: In Deutschland gibt es insgesamt vier Untertagedeponien, in denen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen Industrieabfall entsorgt wird. „Die Deponierung von Abfällen unter Tage im Salzgestein ist sowohl nach EU-Recht als auch nach  Bundesrecht geregelt. Sie stellt die Deponieklasse mit den höchsten Sicherheitsvorkehrungen dar, wodurch ein dauerhafter Abschluss von der Biosphäre sichergestellt wird“, erklärt ein Sprecher des oben genannten Ministeriums. Zudem dürfen die Abfälle nicht reaktiv, radioaktiv oder flüssig sein. Dies würde vor der Entsorgung der Abfallstoffe geprüft.

Live-Faktencheck mit der Community, Online
Auch 2026 gehen die Workshops des CORRECTIV.Faktenforums weiter: Am 13. Januar können Interessierte in einem Online-Workshop wieder gemeinsam mit der Community potenzielle Falschbehauptungen recherchieren und überprüfen.
Anmeldung

Foto: SOPA Images / Sipa USA / Picture Alliance

Mehr über die Hintergründe der „Vulkangruppe(n)“ erfahren Sie in dieser aktuellen Recherche.

So geht’s auch
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie es zum Beispiel ist, mit einer bipolaren Störung zu leben, würde sicherlich erstmal im Netz suchen oder ein Buch aufschlagen. Die Hamburger Bücherhallen nutzen die Frage als Gesprächseinladung. Bei der „Human Library“ laden sie ein, echten Menschen Fragen zu ihrer Lebensrealität zu stellen. In den dreißigminütigen Gesprächen geht es häufig um tabuisierte oder vorurteilsbehaftete Themen. Das Gespräch darüber soll die Toleranz und Zwischenmenschlichkeit fördern.
deutschlandfunknova.de

Fundstück
Dieses Schneewochenende lädt ein, zu Hause zu bleiben – welche Serie bietet sich da besser an als die „Mumins“? Mit den naturverbundenen Trollen setzte die Finnin Tove Jansson der düsteren Zeit des Zweiten Weltkriegs das bunte Mumintal entgegen. Die ARD widmet ihr eine Folge der Kurzserie „Unerschrocken! Echte Heldinnen“. Darin erfährt man, mit welchen Schwierigkeiten sie als queere Künstlerin konfrontiert war und, dass ihre Partnerin Tuulikki die Vorlage für die gleichnamige Bewohnerin des Mumintals ist.
ardmediathek.de


Das veranschaulicht der aktuelle Vorfall: „Die Künstliche Intelligenz Grok hat auf der Social-Media-Plattform X sexualisierte Bilder von Frauen und auch Minderjährigen erstellt“, hieß es etwa beim Deutschlandfunk. Alle Empörung richtete sich weltweit gegen „die KI“. Das ist einfach, das ist bequem, aber es verfehlt den Kern!

Denn Grok hat nichts „getan“. Menschen haben sich entschieden, bestimmte Prompts in das KI-System einzugeben. Menschen wollten entblößte Bilder sehen. Menschen haben sie auf X verbreitet. Und ja: Groks Erschaffer Elon Musk hat es mit eigenen Posts befeuert. (Dass er mittlerweile die Nutzung von Grok eingeschränkt hat, ändert an der Tatsache nichts.)

Diese gefährliche Verantwortungs-Verschiebung habe ich bereits im vergangenen Jahr hier thematisiert – mit den Gedanken Reinhard Kargers, Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Sein zentraler Punkt: Verantwortung trage im Zusammenspiel mit der KI immer der Mensch. Dennoch werde über KI gesprochen, als sei die Technik ein handelndes Wesen. „Es ist auch nicht die KI – sondern das KI-System“, sagte Karger mir. Nur durch eine präzise, technische Sprache bleibe sichtbar, wer tatsächlich handelt.

Doch wie häufig finden solche Veranstaltungen statt? Eine Anfrage der Linken im Bundestag gibt darüber Aufschluss: In den vergangenen Jahren gab es rund 5.000 bis knapp über 6.000 solcher Events. Erfasst sind hierbei sowohl Vorträge und Seminare als auch Musikveranstaltungen sowie Karriereberatung.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Miriam Lenz, Pamela Kaethner, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.