
Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie in Berlin wohnen, haben vermutlich auch Sie um exakt 9.30 Uhr ein schrilles Alarmsignal Ihres Handys gehört. Die Meldung der Katastrophenschutz-App Katwarn war allerdings eigentlich keine Warnung – sondern eine Entwarnung. Denn in der Mitteilung hieß es, dass die Menschen im Südwesten der Hauptstadt im Laufe des heutigen Mittwochs wieder mit Strom versorgt würden.
Was für eine gute Nachricht! Denn nach dem Anschlag auf ein Stromkabel am vergangenen Samstag, durch den ein gesamtes Kraftwerk keinen Strom ins Netz einspeisen konnte, saßen rund 45.000 Haushalte und etwa 2.220 Gewerbekunden im Dunkeln.
Nun geht das Licht wieder an. Aber die Fragen bleiben: Ist Deutschlands Stromversorgung widerstandsfähig genug? Ist der Anschlag Vorbote eines neuen Öko-Terrorismus? Wir sind diesen Fragen für Sie nachgegangen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem heutigen Thema des Tages.
Außerdem in der heutigen Ausgabe: Wir haben Sie vor dem Jahreswechsel gefragt, ob Sie bereits Erfahrungen mit Rettungseinsätzen hatten, für die die Patienten zahlen mussten. In CORRECTIV ganz persönlich fassen wir die Eindrücke zusammen.
Thema des Tages: Berlin wieder mit Strom versorgt
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: Video von gestürzter Statue entstand lange vor Gefangennahme Maduros
CORRECTIV ganz persönlich: Bezahlen für den Rettungsdienst? Ihre Erfahrungen
Grafik des Tages: US-Außenpolitik in Lateinamerika – historische Entführungen und CIA-Staatsstreiche
Den Beginn des neuen Jahres dürfte sich Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey anders vorgestellt haben. Die SPD-Politikerin, die auch für die Energieversorgung zuständig ist, bedankte sich am vergangenen Samstag gerade bei den Beschäftigten der Berliner Stadtreinigung für die Räumarbeiten nach der Silvesternacht. Da ereilte Giffey die Meldung über einen Anschlag auf eine wichtige Stromverbindung.
Der folgende Blackout schnitt fast den gesamten Berliner Südwesten von der Stromversorgung ab. Die Menschen saßen im Dunkeln, oft ohne Heizung. Neben der Straßenbeleuchtung fielen Ampeln und ein Teil des S-Bahn-Netzes aus.

Pflegebedürftige Menschen wurden in Turnhallen verfrachtet. Die Bewohnerinnen und Bewohner jener Stadt, die sich als „smart city“ und als „intelligente, vernetzte, postfossile und resiliente Hauptstadt“ bezeichnet, fühlten sich ins Mittelalter versetzt.
Die durch den Brandanschlag gekappten Leitungen sind zwar mittlerweile repariert, und der Strom fließt wieder. Doch Fragen und Kritikpunkte bleiben.
Kritik am Krisenmanagement und mangelnder Vorsorge
Der Berliner Senat sieht sich teils heftiger Kritik ausgesetzt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mussten sich vor laufenden Kameras beschimpfen lassen, als sie eine als Notunterkunft genutzte Turnhalle besuchten. Dort trafen sie auf einen pflegebedürftigen Mann im Rollstuhl, der einfach abgestellt worden war.
Manuel Atug, Experte für Kritische Infrastrukturen, kritisierte, die Infrastruktur sei nicht resilient, also nicht widerstandsfähig genug gegen Anschläge, Unfälle und Naturkatastrophen. Es fehlten Redundanzen – also zusätzliche Leitungen, mit denen die Versorgung beim Ausfall eines Stromkabels aufrechterhalten werden kann. Auch beim Katastrophenschutz sei die Stadt nicht gut vorbereitet gewesen.
Andere Experten, etwa der einstige Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) und frühere Chef der Berliner Feuerwehr, Albrecht Broemme, bescheinigten dem Senat dagegen, gute Arbeit geleistet zu haben. Die Krisenstäbe hätten funktioniert.
Ist unsere Infrastruktur ausreichend gerüstet?
Glaubt man den Sicherheitsbehörden, dürfte die Gefahr von Anschlägen auf die Infrastruktur zunehmen. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels werden auch Naturkatastrophen wahrscheinlicher. Und seit einigen Jahren versuchen auch Staaten, deutsche Infrastrukturen lahmzulegen – allen voran Russland.
Sind wir vorbereitet? Wir haben bei den Bundesländern nachgefragt. Denn sie sind für den Katastrophenschutz zuständig. Die Antworten zeigen: Deutschland ist ein Flickenteppich, auch beim Katastrophenschutz.

Besonders beunruhigend: Einige Länder sind offenbar so schlecht vorbereitet, dass sie Fragen von CORRECTIV zu Notstromaggregaten und anderen präventiven Maßnahmen lieber gar nicht beantworteten. Die offizielle Begründung: Das Thema sei sensibel. Man könne keine Auskunft geben – aus Sicherheitsgründen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem heute veröffentlichten Text.
Neue Gefahren durch Linksextremisten
Beobachter sorgen sich angesichts des Anschlags auch um jüngste Entwicklungen im Linksextremismus. Denn die Anhänger des gewaltbereiten Spektrums der Szene kämpfen nicht mehr nur gegen „Kapitalismus“, „Imperialismus“ und „Militarismus“. Sie rechtfertigen militante Aktionen mittlerweile auch mit dem Kampf gegen den Klimawandel.
Der Anschlag auf die Stromkabel passt da ins Bild: Zu dem Sabotageakt bekannte sich eine „Vulkangruppe“. Die Verfasser des Bekennerschreibens begründen die Sabotage unter anderem mit der „Zerstörung unserer Lebensgrundlage“ – und bezeichnen den Anschlag zynischerweise als „gemeinwohlorientierte Aktion“.
Wir haben uns in einem weiteren heute veröffentlichten Artikel die Entwicklung der „Vulkangruppen“ genauer angeschaut und konnten eine interne Analyse der Berliner Polizei auswerten.

Aufgefallen sind uns bemerkenswerte Spannungen innerhalb der Szene. In einem gerade erst veröffentlichten Schreiben distanzieren sich die Autoren, die sich Mitglieder der ersten Vulkangruppe ausgeben, beispielsweise von Aktionen und Schreiben der aktuellen Gruppe. Tenor: Nicht in unserem Namen!
Außerdem analysierten wir Spekulationen, wonach womöglich nicht deutsche Linksextremisten hinter dem Anschlag stecken – sondern russische Geheimdienste. Den Artikel lesen Sie hier.
Grönlands EU-Partner beraten über möglichen US-Militäreinsatz
Die Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Polens haben sich in Paris über ein mögliches Angriffsszenario der USA gegen Grönland beraten. Zuletzt hatte der US-Präsident Donald Trump nach Angaben des US-Präsidialamtes erneut über einen Einsatz des US-Militärs in Grönland und den Erwerb der Insel gesprochen.
zeit.de
Neue Koalition zwischen SPD und CDU in Brandenburg möglich
Nachdem die Koalition aus der SPD und dem BSW zerbrochen ist, wollen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und sein Finanzminister Robert Crumbach (ehemals BSW) Neuwahlen vermeiden. Der AfD würde dies als umfragestärkste Kraft zugute kommen. Nun steht im Raum, ob die SPD eine Koalition mit der CDU bildet.
tagesschau.de
CSU-Klausurtagung: Forderungen nach neuer Abschiebeoffensive
Bei der Neujahrsklausurtagung der CSU in Oberbayern positioniert sich die Partei für eine „Abschiebeoffensive“ in der Migrationspolitik. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nannte diese Pläne einen „großen Fehler“, da enorme wirtschaftliche Kosten für Deutschland entstehen könnten.
welt.de

Faktencheck

Nach dem US-Angriff auf Venezuela verbreitet sich online ein Video, das zeigen soll, wie Menschen in Venezuela eine Statue niederreißen, um die Gefangennahme des Machthabers Maduro zu feiern. Doch die Aufnahme ist schon älter.
correctiv.org
Endlich verständlich
Was steckt hinter den Grönland-Ambitionen der US-Regierung? Fachleute berichten im Gespräch mit ZDF heute von Trumps Absicht, in der grönländischen Gesellschaft für Spaltung zu sorgen – mit dem Ziel, dass diese sich von Europa ab- und den USA zuwendet. Hat Europa ein Gegenmittel? Polens Premier betont, es sei deshalb umso wichtiger, dass Europa an die eigene Stärke glaubt und geschlossen auftritt.
zdfheute.de / tagesspiegel.de
So geht’s auch
Nach der Arbeit ziehen die „Pick Up Pigeons“ einmal pro Woche durch ein Viertel von New York. Sie sammeln gemeinsam Müll und stoßen danach in einer lokalen Bar an. Im vergangenen Jahr haben sie bei der Aktion insgesamt bis zu vier Tonnen Müll gesammelt und gleichzeitig neue Freunde gefunden. 2023 zog Rachel Cain erstmals alleine los, mittlerweile stoßen immer mehr Leute dazu.
deutschlandfunknova.de
Fundstück
Großer Andrang bei einem Penny im unterfränkischen Burgsinn: Etwa 50 Schafe warteten geduldig vor der Kasse des Supermarkts. Zuvor hatten sie sich von ihrer Herde getrennt und waren zielstrebig in die Filiale getrottet. Penny nimmt es mit Humor und ändert kurzerhand das Instagram-Profilbild zu einem Schaf – und sieht auch von Forderungen an den Schäfer ab.
spiegel.de
Warten auf den Rettungsdienst – viele kennen das unangenehme Gefühl. Als Ersthelfer war ich bereits mehrfach in dieser Situation. In Berlin gehört zu dieser Erfahrung auch, dass die Leitungen belegt oder die Wartezeiten gefühlt eine halbe Ewigkeit lang sind. Denn der Rettungsdienst ist oft überlastet – auch, weil er mitunter unnötig gerufen wird.
In verschiedenen Bundesländern gibt es nicht zuletzt deshalb Diskussionen, Patientinnen und Patienten an den Rettungskosten stärker zu beteiligen. Wir wollten Ihre Erfahrungen dazu hören. Rund 250 Personen haben uns geantwortet.
Die gute Seite: Viele berichteten von positiven Erlebnissen mit dem Rettungsdienst, von kompetenter Behandlung und moderaten Eigenanteilen von höchstens 10 Euro. Andere schilderten Situationen, in denen sie sich nicht ernst genommen oder schlecht beraten gefühlt haben. Und einige schrieben vom Kampf um die Kosten: Wer kommt nun für die 500 oder 1.000 Euro auf, die ihnen in Rechnung gestellt wurden. Häufig weigerten sich Krankenkassen zunächst, zahlten dann aber doch.
Viele Antworten kamen zudem von Personen aus dem Medizinbereich. Dabei gab es zum einen frustrierte Schilderungen über Menschen, die den Rettungsdienst unnötig alarmieren, etwa weil sie sich etwa eine schnellere Behandlung im Krankenhaus dadurch erhoffen. Aber es gab auch Warnungen: „Welcher Laie kann schon sicher entscheiden, wann es wirklich ein Notfall ist und wann nicht?“, kommentierte eine Person.
Genau dieses Problem nahmen weitere Antworten in den Blick und schlugen Reformen bei den Rettungsleitstellen vor. Diese sollten mehr Kompetenzen und bessere Tools erhalten – und etwa einfacher zum kassenärztlichen Notdienst (116 117) verweisen können. Denn häufig schicke die Leitstelle im Zweifel lieber ein Einsatzfahrzeug, um sich abzusichern. Mitunter unnötig.
Viele Menschen kennen den ärztlichen Bereitschaftsdienst aber gar nicht – ein Bildungsproblem, meint ein Leser: Schon in der Schule lernen alle die Nummern 110 und 112. Nicht aber die 116 117.
Und hier noch die Idee eines Lesenden aus Belgien: Alle, außer Patienten unter einer bestimmten Einkommensgrenze, bezahlen eine Grundpauschale von etwa 60 Euro. Den Rest übernimmt die Krankenversicherung.
Sie haben weitere Hinweise? Schreiben Sie uns die gern hier. Wir recherchieren weiter.
crowdnewsroom.org


Die Entführung des venezolanischen Machthabers Maduro durch die USA wirbelt die Weltpolitik auf. Droht der Rückfall in eine Zeit, in der es nur um das Recht des Stärkeren geht? Viele Fachleute fürchten, dass das Beispiel Trumps Schule macht – und China und Russland künftig ähnlich vorgehen könnten.
Und doch ist diese Entführung nicht ganz beispiellos in der US-Geschichte. Bereits 1989 setzten US-Kräfte einen Staatschef fest: Manuel Noriega in Panama. Der hatte sich vom Verbündeten der Weltmacht zum Gegner entwickelt. George Bush (sen.) ließ die Truppen in Panama einmarschieren und ihn festsetzen.
Die Jahrzehnte davor – zur Zeit des Kalten Krieges – zeigen aber noch deutlicher, wie das Recht des Stärkeren funktioniert: Um kommunistische Einflüsse in Lateinamerika zurückzudrängen, unterstützten die Vereinigten Staaten eine Reihe von rechtsgerichteten Putschen. Teils unter direkter Beteiligung der CIA, wie in Chile, teils durch Kooperation im Anschluss. Zur Wahrheit gehört auch: In vielen Ländern waren die politischen Systeme sehr instabil, teils gab es Bürgerkriege. Dennoch ermöglichten die USA damit über Jahrzehnte die Herrschaft brutaler Autokraten.
srf.ch
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.


