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wenn Sie in Berlin wohnen, haben vermutlich auch Sie um exakt 9.30 Uhr ein schrilles Alarmsignal Ihres Handys gehört. Die Meldung der Katastrophenschutz-App Katwarn war allerdings eigentlich keine Warnung – sondern eine Entwarnung. Denn in der Mitteilung hieß es, dass die Menschen im Südwesten der Hauptstadt im Laufe des heutigen Mittwochs wieder mit Strom versorgt würden.

Was für eine gute Nachricht! Denn nach dem Anschlag auf ein Stromkabel am vergangenen Samstag, durch den ein gesamtes Kraftwerk keinen Strom ins Netz einspeisen konnte, saßen rund 45.000 Haushalte und etwa 2.220 Gewerbekunden im Dunkeln.

Nun geht das Licht wieder an. Aber die Fragen bleiben: Ist Deutschlands Stromversorgung widerstandsfähig genug? Ist der Anschlag Vorbote eines neuen Öko-Terrorismus? Wir sind diesen Fragen für Sie nachgegangen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem heutigen Thema des Tages.

Thema des Tages: Berlin wieder mit Strom versorgt

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Der folgende Blackout schnitt fast den gesamten Berliner Südwesten von der Stromversorgung ab. Die Menschen saßen im Dunkeln, oft ohne Heizung. Neben der Straßenbeleuchtung fielen Ampeln und ein Teil des S-Bahn-Netzes aus. 

Bauarbeiten am Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal. In den vergangenen fünf Tagen war der Berliner Südwesten von einem Stromausfall betroffen. (Quelle: Picture Alliance/DPA | Britta Pedersen)

Pflegebedürftige Menschen wurden in Turnhallen verfrachtet. Die Bewohnerinnen und Bewohner jener Stadt, die sich als „smart city“ und als „intelligente, vernetzte, postfossile und resiliente Hauptstadt“ bezeichnet, fühlten sich ins Mittelalter versetzt.

Die durch den Brandanschlag gekappten Leitungen sind zwar mittlerweile repariert, und der Strom fließt wieder. Doch Fragen und Kritikpunkte bleiben.

Kritik am Krisenmanagement und mangelnder Vorsorge
Der Berliner Senat sieht sich teils heftiger Kritik ausgesetzt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mussten sich vor laufenden Kameras beschimpfen lassen, als sie eine als Notunterkunft genutzte Turnhalle besuchten. Dort trafen sie auf einen pflegebedürftigen Mann im Rollstuhl, der einfach abgestellt worden war. 

Manuel Atug, Experte für Kritische Infrastrukturen, kritisierte, die Infrastruktur sei nicht resilient, also nicht widerstandsfähig genug gegen Anschläge, Unfälle und Naturkatastrophen. Es fehlten Redundanzen – also zusätzliche Leitungen, mit denen die Versorgung beim Ausfall eines Stromkabels aufrechterhalten werden kann.  Auch beim Katastrophenschutz sei die Stadt nicht gut vorbereitet gewesen.

Andere Experten, etwa der einstige Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) und frühere Chef der Berliner Feuerwehr, Albrecht Broemme, bescheinigten dem Senat dagegen, gute Arbeit geleistet zu haben. Die Krisenstäbe hätten funktioniert. 

Ist unsere Infrastruktur ausreichend gerüstet?
Glaubt man den Sicherheitsbehörden, dürfte die Gefahr von Anschlägen auf die Infrastruktur zunehmen. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels werden auch Naturkatastrophen wahrscheinlicher. Und seit einigen Jahren versuchen auch Staaten, deutsche Infrastrukturen lahmzulegen – allen voran Russland. 

Sind wir vorbereitet? Wir haben bei den Bundesländern nachgefragt. Denn sie sind für den Katastrophenschutz zuständig. Die Antworten zeigen: Deutschland ist ein Flickenteppich, auch beim Katastrophenschutz.

Picture Alliance / Pexels, Collage: Samira Joy Frauwallner

Besonders beunruhigend: Einige Länder sind offenbar so schlecht vorbereitet, dass sie Fragen von CORRECTIV zu Notstromaggregaten und anderen präventiven Maßnahmen lieber gar nicht beantworteten. Die offizielle Begründung: Das Thema sei sensibel. Man könne keine Auskunft geben – aus Sicherheitsgründen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem heute veröffentlichten Text.

Neue Gefahren durch Linksextremisten
Beobachter sorgen sich angesichts des Anschlags auch um jüngste Entwicklungen im Linksextremismus. Denn die Anhänger des gewaltbereiten Spektrums der Szene kämpfen nicht mehr nur gegen „Kapitalismus“, „Imperialismus“ und „Militarismus“. Sie rechtfertigen militante Aktionen mittlerweile auch mit dem Kampf gegen den Klimawandel.

Der Anschlag auf die Stromkabel passt da ins Bild: Zu dem Sabotageakt bekannte sich eine „Vulkangruppe“. Die Verfasser des Bekennerschreibens begründen die Sabotage unter anderem mit der „Zerstörung unserer Lebensgrundlage“ – und bezeichnen den Anschlag zynischerweise als „gemeinwohlorientierte Aktion“. 

Wir haben uns in einem weiteren heute veröffentlichten Artikel die Entwicklung der „Vulkangruppen“ genauer angeschaut und konnten eine interne Analyse der Berliner Polizei auswerten.

Aufgefallen sind uns bemerkenswerte Spannungen innerhalb der Szene. In einem gerade erst veröffentlichten Schreiben distanzieren sich die Autoren, die sich Mitglieder der ersten Vulkangruppe ausgeben, beispielsweise von Aktionen und Schreiben der aktuellen Gruppe. Tenor: Nicht in unserem Namen!

Neue Koalition zwischen SPD und CDU in Brandenburg möglich 
Nachdem die Koalition aus der SPD und dem BSW zerbrochen ist, wollen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und sein Finanzminister Robert Crumbach (ehemals BSW) Neuwahlen vermeiden. Der AfD würde dies als umfragestärkste Kraft zugute kommen. Nun steht im Raum, ob die SPD eine Koalition mit der CDU bildet. 
tagesschau.de

CSU-Klausurtagung: Forderungen nach neuer Abschiebeoffensive
Bei der Neujahrsklausurtagung der CSU in Oberbayern positioniert sich die Partei für eine „Abschiebeoffensive“ in der Migrationspolitik. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nannte diese Pläne einen „großen Fehler“, da enorme wirtschaftliche Kosten für Deutschland entstehen könnten.   
welt.de

Eine Frau mit rotem Hut von hinten mit ungehangener Venezuela-Flagge, im Hintergrund eine weitere große Venezuela-Flagge
Symbolbild: Fabio Teixeira / Anadolu / Picture Alliance

So geht’s auch
Nach der Arbeit ziehen die „Pick Up Pigeons“ einmal pro Woche durch ein Viertel von New York. Sie sammeln gemeinsam Müll und stoßen danach in einer lokalen Bar an. Im vergangenen Jahr haben sie bei der Aktion insgesamt bis zu vier Tonnen Müll gesammelt und gleichzeitig neue Freunde gefunden. 2023 zog Rachel Cain erstmals alleine los, mittlerweile stoßen immer mehr Leute dazu. 
deutschlandfunknova.de

Fundstück
Großer Andrang bei einem Penny im unterfränkischen Burgsinn: Etwa 50 Schafe warteten geduldig vor der Kasse des Supermarkts. Zuvor hatten sie sich von ihrer Herde getrennt und waren zielstrebig in die Filiale getrottet. Penny nimmt es mit Humor und ändert kurzerhand das Instagram-Profilbild zu einem Schaf – und sieht auch von Forderungen an den Schäfer ab. 
spiegel.de


Die gute Seite: Viele berichteten von positiven Erlebnissen mit dem Rettungsdienst, von kompetenter Behandlung und moderaten Eigenanteilen von höchstens 10 Euro. Andere schilderten Situationen, in denen sie sich nicht ernst genommen oder schlecht beraten gefühlt haben. Und einige schrieben vom Kampf um die Kosten: Wer kommt nun für die 500 oder 1.000 Euro auf, die ihnen in Rechnung gestellt wurden. Häufig weigerten sich Krankenkassen zunächst, zahlten dann aber doch.  

Viele Antworten kamen zudem von Personen aus dem Medizinbereich. Dabei gab es zum einen frustrierte Schilderungen über Menschen, die den Rettungsdienst unnötig alarmieren, etwa weil sie sich etwa eine schnellere Behandlung im Krankenhaus dadurch erhoffen. Aber es gab auch Warnungen: „Welcher Laie kann schon sicher entscheiden, wann es wirklich ein Notfall ist und wann nicht?“, kommentierte eine Person.   

Genau dieses Problem nahmen weitere Antworten in den Blick und schlugen Reformen bei den Rettungsleitstellen vor. Diese sollten mehr Kompetenzen und bessere Tools erhalten – und etwa einfacher zum kassenärztlichen Notdienst (116 117) verweisen können. Denn häufig schicke die Leitstelle im Zweifel lieber ein Einsatzfahrzeug, um sich abzusichern. Mitunter unnötig. 

Viele Menschen kennen den ärztlichen Bereitschaftsdienst aber gar nicht – ein Bildungsproblem, meint ein Leser: Schon in der Schule lernen alle die Nummern 110 und 112. Nicht aber die 116 117. 

Und hier noch die Idee eines Lesenden aus Belgien: Alle, außer Patienten unter einer bestimmten Einkommensgrenze, bezahlen eine Grundpauschale von etwa 60 Euro. Den Rest übernimmt die Krankenversicherung.  

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.