Don Quijote, aber in rechtsextrem

Gegen Windkraft zu sein, bringt Wählerstimmen – also stachelt die AfD derzeit gezielt Windkraftgegner an. Das zeigt unsere aktuelle Recherche.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

Don Quijote, der tragisch-komische Held aus dem Buch, kämpft gegen Windmühlen – weil er in ihnen eine Bedrohung sieht, die es gar nicht wirklich gibt. Insofern passt es, die derzeitigen Wahlkampfbemühungen der AfD in Ostdeutschland mit dem Buchhelden zu vergleichen: Auch die Partei kämpft gegen neue Anlagen, Seite an Seite mit Windkraftgegner-Vereinen – wegen vermeintlicher Bedrohungen wie Infraschall, die es nicht wirklich gibt.

Wie genau das aussieht, hat unser Klimateam recherchiert – heute unser Thema des Tages. Und ich möchte gern heute Ihr Feedback zu diesem Thema einholen: Verstehen Sie die Skepsis einiger Menschen gegen Windkraftanlagen? Warum/warum nicht? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Gestern hatte ich Sie ja nach Ihrer Einschätzung zur Migrationspolitik der EU gefragt. Anlass: In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika starben Ende Juli 140 Menschen beim verzweifelten Versuch, in Europa Zuflucht zu finden. Alle, die mir geschrieben haben, zeigten sich enttäuscht bis entsetzt über die zunehmende Abschottung der EU. 

Norbert R. zum Beispiel schreibt, es sei absurd, dass die EU die Asylanträge Schutzsuchender jetzt lieber außerhalb ihrer Grenzen bearbeiten lässt und die Betroffenen gar nicht erst in die Länder kommen, von denen sie sich Hilfe erhoffen.

Ähnlich sieht es Christine Z.:

„Auf diese Art mit verzweifelten Menschen umzugehen, erzeugt nur mehr Hass und baut die Gräben tiefer.“

Und Anastasia B. findet: Das, was die EU-Grenzpolizei Frontex mache, sei gar nicht so weit entfernt von der Schreckensherrschaft der US-Behörde ICE.

Weil es in Ceuta weiter hoch her geht, ist seit gestern unser Reporter Max Bernhard vor Ort. Er war gestern Abend am Strand unterwegs, wo jetzt noch immer viele Geflüchtete unter freiem Himmel hausen – und hat festgestellt: Viele kommen keineswegs aus Marokko, sondern aus noch ärmeren Ländern. Mehr dazu hat er fürs heutige „Ganz persönlich“ aufgeschrieben. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Thema des Tages: Don Quijote, aber in rechtsextrem

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Festivals in Gefahr?

Leserfrage der Woche: Haben die Bahnvorstände in der Vergangenheit trotz großer Unpünktlichkeit der Züge Bonuszahlungen erhalten?

Faktencheck: Keine KI: Foto von Voigt, Kretschmer und Schulze ist echt

Gute Sache(n): Rechtsstreit für Datenschutz: Meta wegen KI-Brille verklagt • Polizeigewerkschaft ruft zu Widerstand im Falle einer undemokratischen Regierung auf • Hier können Sie die nächste Sonnenfinsternis sehen

CORRECTIV ganz persönlich: Ich bin seit gestern in Ceuta: Meine ersten Eindrücke

Grafik des Tages: Immer mehr Mädchen wegen Essstörungen im Krankenhaus

Mit diesen Sätzen beginnt die heute veröffentlichte Story unserer Klima-Reporterinnen Annika Joeres und Elena Kolb, die sie gemeinsam mit dem Investigativmedium Cliff und dem MDR gemacht haben. Thema: Wie die AfD gemeinsam mit Windkraft-Gegnern in Ostdeutschland gegen Windmühlen, Entschuldigung, Windkraftanlagen, kämpft. Und: Weshalb ihr diese Strategie gerade jetzt im Wahlkampf helfen soll.

Hier geht es zum Artikel.

Die AfD bekämpft die Energiewende – und macht Deutschland so abhängiger von Öl- und Gasimporten (Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: picture alliance)

Was die Recherche zeigt:
Es ist natürlich keine Überraschung, dass die AfD die Windkraft zu einem ihrer Hauptgegner erkoren hat. Parteichefin Alice Weidel sprach schon vor Jahren von „Windmühlen der Schande“.

Wir können durch unsere Recherchen jetzt aber zeigen, wie groß die Dimensionen sind, in denen die AfD Anti-Windkraft-Inititativen unterstützt: In den meisten Konfliktgebieten in Sachsen-Anhalt und in mehr als einem Viertel der Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern befeuert die Partei den Widerstand gegen die Windkraft. 

Und noch etwas ist neu:
Die AfD hilft den Windkraft-Feinden in den Gemeinden auch, indem sie für sie den unangenehmen Papierkram erledigt: Sie reicht zum Beispiel Anträge gegen neue Projekte ein. 

Die Partei steht mit dieser Strategie allerdings vor einem Dilemma:
Die AfD verkauft sich ja als jene Partei, die für nationale Souveränität steht – also für Unabhängigkeit von anderen Staaten.

Nun ist aber die Windkraft der mit Abstand größte Lieferant von grünem Strom in Deutschland – sie ist unverzichtbar, um die Klimaziele einzuhalten und politisch unabhängiger zu werden. 

Mit jedem Windrad, das mit AfD-Hilfe verhindert wird, steigt aber die energiepolitische Abhängigkeit Deutschlands von Öl und Gas – und damit auch die Abhängigkeit von Ländern wie dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien. 

Gericht erlässt offenbar Haftbefehl gegen AfD-Abgeordneten Krah
Gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah liegt offenbar ein Haftbefehl vor. Das Amtsgericht Chemnitz erließ ihn im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit mit Jan Böhmermann. Krah soll noch knapp 300 Euro Prozesskosten schuldig sein und war einem Termin zur Vermögensauskunft ferngeblieben.
zeit.de

Symbolbild Leserfrage der Woche

Die Bahn ist ein Aufreger-Thema sowohl in den Medien als auch am Küchentisch. Jeder und jede von uns hat vermutlich eine Horror-Bahngeschichte zu erzählen. Auch Heinz K. blickt kritisch auf die Bahn und sieht Vorstände mitverantwortlich für den schlechten Zustand der Bahn. Und wenn der Zug unpünktlich ist, die Klimaanlage bei 35 Grad ausfällt oder der Zug gar nicht kommt, ist es für viele andere Kunden wohl nur schwer vorstellbar, weshalb die Vorstände “Extra-Geld“ bekommen sollten. 

Zum Hintergrund: Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte am vergangenen Sonntag gefordert, die Bonuszahlungen für die Bahn-Vorstände künftig an die Pünktlichkeit der Züge zu knüpfen. Damit wolle er den Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen, ihre Ziele zu erreichen. Tatsächlich ist dieser Vorschlag nicht ganz neu. 

Insgesamt bekamen die Bahnvorstände im Jahr 2025 circa drei Million Euro an Bonuszahlungen. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Recherche von ZDF frontal. An den ehemaligen Konzernchef Richard Lutz gingen dabei 570.000 Euro. 

Dabei sind die Bahn-Boni eigentlich auch jetzt schon an die Pünktlichkeit geknüpft. Die Hürden dafür sind laut ZDF frontal zwar nicht besonders hoch, dennoch wurden die Schwellenwerte 2025 gerissen und dafür keine Boni ausgezahlt.  

Bonuszahlungen gab es aber trotzdem – etwa für die Pünktlichkeit im Cargo-Bereich. Laut Bahn-Chefin Evelyn Palla spielt nicht nur die Pünktlichkeit im Personenverkehr eine Rolle, sondern auch Faktoren wie die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden (hier zur Recherche).

2023 bekamen die Vorstände laut Deutscher Bahn keine Boni ausbezahlt. 

Am 30. Juli trafen sich Mario Voigt, Michael Kretschmer und Sven Schulze in Sachsen
Am 30. Juli trafen sich Mario Voigt, Michael Kretschmer und Sven Schulze in Sachsen (Foto: Hendrik Schmidt / DPA / Picture Alliance)

Endlich verständlich
Wie können Staatsangestellte Widerstand leisten, wenn eine Regierung keine demokratischen Absichten mehr verfolgt? Diese Frage beschäftigt aktuell die Polizeigewerkschaft GdP. Ihr Vize-Vorsitzender Sven Hüber ruft die Polizei zu Vorbereitungen im Falle einer AfD-Regierung auf. Die Beamten sollen unter bestimmten Voraussetzungen Widerstand leisten können. Worum es genau geht, schlüsselt T-online auf.
t-online.de

Fundstück
Sie haben die Sonnenfinsternis verpasst? Hier gibt es Informationen zu den nächsten Himmelsereignissen:
wikipedia.org / fr.de


Viele dieser Menschen dort kommen nicht aus Marokko, sondern aus der Subsahara, fliehen also wahrscheinlich vor Konflikten. Die Lage ist sehr chaotisch, das Rote Kreuz gibt Essen aus, während die Polizei den Bereich absichert. Für Frauen und Kinder gibt es eine separate Schlange: Einige holen sich dort nur Essen und kehren dann wieder an andere Orte, wo sie wahrscheinlich aktuell leben, zurück. Viele leben aber einfach am Strand. Teils in selbstgebauten Hütten oder Zelten, die meisten aber offenbar ohne irgendeine Behausung. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.