Haben Sie auch schon Angst vorm Freibad?
Gerade kochen die Emotionen wieder hoch – weil es im Freibad angeblich immer gefährlicher wird. Was steckt dahinter?

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Podcasts abrufbar.
Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht haben Sie in anderen Medien die Aufregung von vergangener Woche mitbekommen: Ein Strandbad in Halle wollte Besuchern, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, den Zutritt verwehren. Das ließ Emotionen hochkochen – denn es warf wieder mal jene Frage auf, die mittlerweile jedes Jahr im Sommer in der Medienöffentlichkeit diskutiert wird – mehr oder weniger ausgesprochen:
Machen Gruppen Zugewanderter es im Freibad zunehmend unsicher?
Diese Frage wollten wir in der CORRECTIV-Redaktion nicht einfach vom Tisch wischen, sondern sie ernst nehmen. Deshalb ist unser Nachrichtenteam ihr nachgegangen – heute ist das unser Thema des Tages.
Und dann hat unser VW-Experte Martin Murphy schon wieder eine Hammer-Nachricht ausgegraben: Im Zuge des Konzernumbaus bei VW will der Autobauer jetzt wohl seine Beteiligungen an den Fußballvereinen Bayern München und VfB Stuttgart beenden.
Schon wieder ein Schlag für den deutschen Fußball – der nächste nach dem WM-Aus. Seit gestern Abend haben mich wieder um die 50 E-Mails von Ihnen erreicht. Ich hatte Sie gefragt: Hat das Ausscheiden der deutschen Herren-Mannschaft auch etwas Gutes? Viele fanden: ja. Die Argumente, die sich häuften:
- Weniger Lärm durch Fußball-Korsos
- Endlich ein Anlass für Demut für den deutschen Spitzenfußball
- Hoffentlich mehr Investitionen in den Breitensport
- Vielleicht demnächst endlich Jürgen Klopp als Bundestrainer!
Erstaunlich fand ich, wie sich gestern eine ganze Horde Medien auf Bundeskanzler Friedrich Merz stürzte – weil dieser in einem Tweet erklärt hatte, er sei trotz des Ausscheidens stolz auf die deutsche Nationalmannschaft. Das darf man nicht! – fand man unter anderem bei BILD und WELT. Deutschland müsse jetzt aufhören, so verweichlicht zu sein! Im Fußball und in der Wirtschaft!
Egal, ob Freibad oder Fußball: Mittlerweile wird in Deutschland wirklich JEDES Thema instrumentalisiert, um politische Einstellungen zu untermauern. Wie sehen Sie es? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Haben Sie auch schon Angst vorm Freibad?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: VW prüft Verkauf von Beteiligung an Bayern München und VfB Stuttgart
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: AfD-Verbot: Jetzt wird es ernst?
Faktencheck: Schule in NRW: Leiterin dementiert angebliches Deutschlandflaggen-Verbot
CORRECTIV ganz persönlich: Altes Vorurteil in frischem Gewand
Sobald es heiß wird in Deutschland, entdecken nicht nur die Menschen das Freibad für sich, sondern auch einige Medien. So auch in diesem Jahr. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Empörungs-Schlagzeilen erschienen: „Polizei löst Tumult mit 100 Menschen in Freibad auf“ (Saarland, WELT), „Mehrere Mädchen in Freibädern begrapscht“ (Frankfurt, BILD). Und so weiter.

Das Perfide:
Mit der Berichterstattung der konservativen Medien über die Freibäder ist es wie mit Friedrich Merz’ Stadtbild-Aussage: Es wird geraunt, Frauen könnten sich nicht mehr so sicher fühlen wie früher einmal; Bademeister (ja, ich weiß, es heißt offiziell Fachangestellte/r für Bäderbetriebe) seien durch marodierende Jugendbanden zunehmend überfordert.
Und deshalb sei das Freibad heute nicht mehr der Sehnsuchtsort, der es in unserer Jugend mal war.
Was dahinter steht:
Es geht eigentlich um Ausländer. So deutlich schreiben das diese Medien aber nicht. Und zwar deshalb nicht, weil es in den erregungserzeugenden Texten nicht um Fakten geht, sondern um „gefühlte Wahrheiten“: ums Stadtbild im Schwimmbad, mit dem sich der durchschnittliche WELT-Kolumnist irgendwie nicht mehr ganz so wohlfühlt.
Ich finde, es hilft in einem ohnehin schon aufgeladenen gesellschaftlichen Diskurs nicht, wenn man raunt – und so Ressentiments gegen Zugewanderte noch weiter schürt. Wenn wir über Migration und Integration diskutieren, dann müssen wir das fair tun: auf Basis von Fakten anstatt von Gefühlen. Man kann, soll und muss Herausforderungen durch Migration deutlich benennen. Aber eben nur, wenn es sie wirklich gibt.
Das heißt in diesem Fall:
Erstmal sollten Medien recherchieren: Stimmt es überhaupt, dass es in Deutschlands Freibädern immer mehr gewalttätige Ausschreitungen gibt – und mehr Fälle von Belästigungen? Und wenn ja: Stimmt es, dass die Täter überwiegend Ausländer sind?
Das haben wir nun gemacht:
Wir haben bei jeder Menge Polizeibehörden und Schwimmbadbetreibern um Zahlen, Einschätzungen und Einordnungen gebeten. Mit einigen haben wir auch telefoniert, um ein besseres Stimmungsbild zu bekommen.
Das Ergebnis lesen Sie in unserem heute erschienenen Text:

Ich will nicht zu sehr vorgreifen, was die Erkenntnisse der Recherche sind – nur so viel: Sie können in den meisten Städten immer noch ins Freibad gehen, ohne gleich überfallen oder angegrabscht zu werden.
Was allerdings ein Problem ist: Der Beruf des Bademeisters hat ein Nachwuchsproblem – und sie werden zu wenig wertgeschätzt. Daher zum Schluss diese Empfehlung: Das schöne und lustige Lied „Bademeister*in“ der Berliner Liedermacherin Dota Kehr, die auch Host bei Fun Facts ist. In diesem Sinne: Tauchen Sie gut ab!
Tankrabatt ausgelaufen: Nun drohen Preiserhöhungen
Seit heute gibt es den Tankrabatt nicht mehr. Ohne die Steuerentlastung von 17 Cent könnten die Spritpreise deutlich steigen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und das Bundeskartellamt ermahnen die Mineralölkonzerne vor unverhältnismäßig hohen Preissteigerungen. Die Wirkung des Tankrabatts blieb durchwachsen: Laut RWTH Aachen sparte der Durchschnittsverbraucher 10 bis 15 Euro im Monat. Bei ärmeren Haushalten seien es sogar nur drei bis vier Euro gewesen.
tagesschau.de
Verfassungsschutz zählt 28.000 Rechtsextremisten bei AfD
Wie aus dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hervorgeht, sieht die Behörde bundesweit immer mehr Menschen mit extremistischen Einstellungen, vor allem im rechten Spektrum. Der Inlandsgeheimdienst rechnete im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremistischen Personenpotenzial zu – 8450 mehr als im Jahr zuvor. Dieser Zuwachs hängt größtenteils mit dem Mitgliederzuwachs der AfD zusammen, die vom BfV aktuell als Verdachtsfall beobachtet wird. Die Partei hatte im Oktober erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder. Von diesen seien etwa 28.000 Rechtsextremisten, schätzt der Verfassungsschutz.
welt.de
Rekordtemperaturen: Meere erwärmen sich weiter
Zu Sommerbeginn waren die Meerestemperaturen noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Am Stichtag, den 21. Juni, meldete das EU-Klimaprogramm Copernicus 20,86 Grad, der Copernicus-Meerdienstes sogar 21 Grad Celsius. Damit wurden die Rekorde von 2023 und 2024 gebrochen. Die Erwärmung hat laut Copernicus weitreichende Folgen. Höhere Ozeantemperaturen halten die Atmosphäre länger warm. Das erhöht das Risiko extremer Stürme, Überschwemmungen und starken Niederschlägen.
spiegel.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

VW prüft Verkauf von Beteiligung an Bayern München und VfB Stuttgart
Der Autobauer will sein Engagement im Sport verringern – und seine Werbebudgets dahingehend überprüfen. Auch die Beteiligung an zwei Bundesligisten steht auf dem Prüfstand.
correctiv.org

Kann die AfD verboten werden? Quichotte schaut auf das neue Rechtsgutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) und erklärt, warum Juristinnen und Juristen ein Verbotsverfahren für aussichtsreich halten – und was das über wehrhafte Demokratie, Verfassungsrecht und politische Verantwortung verrät.
tube.funfacts.de

In einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen soll der Schülerschaft untersagt worden sein, Kleidung mit Deutschlandflaggen zu tragen, heißt es in einem Video eines AfD-Lokalpolitikers. Die Schulleitung dementiert.
correctiv.org
Endlich Verständlich
Am Wochenende zählte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 26 Badetote. Alle Opfer sind männlich. Warum das so ist, erklärt der Bayerische Rundfunk in diesem Beitrag. Ein Grund vorab: Männer zeigen oft mehr Risikobereitschaft und überschätzen sich häufiger als Frauen.
br.de / zeit.de
So geht’s auch
Im ersten Halbjahr lieferten Windkraftanlagen 58 Prozent des Stroms – drei Prozentpunkte mehr als 2025. Das ergibt sich aus Hochrechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Frithjof Staiß, Chef des ZSW, betont die Bedeutung der erneuerbaren Energien: „Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger.“
rnd.de
Fundstück
In sozialen Situationen, wie beispielsweise einem Konzert oder einem langen Gespräch, schwingen die Gehirnwellen der teilnehmenden Personen im Gleichtakt. Ein Forschungsteam will das nun gezielt nutzen und stellt einen neuen Ansatz vor: Es will die Gehirnsynchronisation aktiv beeinflussen. Das könnte viele Lebensbereiche positiv verändern. Besonders im Therapiebereich, zum Beispiel in der Autismusforschung oder gegen Einsamkeit sieht das Team Potenzial.
wdr.de
Neue Regierung, neue Arbeitslosenreform: Seit heute bekommen Menschen, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, die „neue Grundsicherung“ (früher Bürgergeld, davor Hartz IV). Nicht erst, seitdem ich als Journalistin dazu arbeite, verfolge ich die immer neuen Debatten um die Reformen des Arbeitslosengeldes. Dabei fällt mir immer wieder auf: Am Ende geht es bei den Reformen immer darum, bei denen zu sparen, die noch nicht mal einen Job haben – und das in den allermeisten Fällen unfreiwillig.
Zwar bleibt die Höhe der Grundsicherung gleich, denn die schwarz-rote Bundesregierung verschärfte zunächst „nur“ die Sanktionen für jene, die sich der Jobsuche verweigern. Doch ein neuer Name und mehr Sanktionen reichen anscheinend nicht. Denn Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU) finden: Der Regelsatz (563 Euro für volljährige Alleinstehende) ist noch zu hoch.
Dobrindt ist der Meinung, der Regelsatz beim Bürgergeld sollte nur „das Existenzminimum abdecken und nichts darüber hinaus.“ Als sei der Regelsatz nicht quasi das Existenzminimum (wie auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe 2019 urteilte).
Solche Aussagen bringen also nichts – außer dazu beizutragen, dass sich der Mythos vom faulen Arbeitslosen, der den deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern millionenschwer auf der Tasche liegt, hartnäckig hält.

Eine Analyse von CORRECTIV.Europe zeigt erstmals, wie flächendeckend Dürre in Europa auftritt: Zwei Drittel der Regionen verzeichneten seit 2012 schwere Dürrejahre. Auch in Deutschland geraten Landwirte in Existenznot. Den ganzen Text lesen sie hier:
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne und Elena Müller.
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