Helfen Sanktionen?

Wie der Lokaljournalismus der Zukunft aussehen könnte und was Sanktionen mit Bekämpfung von Desinformation zu tun haben.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Justus von Daniels

Wenn ich viele Ihrer Wünsche aus der Umfrage letzte Woche zusammenfasse, wie lokaler Journalismus aussehen sollte, würde ich es so beschreiben wie oben. Sie wollen mehr über Lösungen, mehr über konkrete lokale Fragen, mehr über die Zukunft lesen oder hören und diskutieren. 

Letzten Samstag haben hunderte von Ihnen an der Umfrage teilgenommen und Vorschläge gemacht. Zeitgleich diskutierten 350 Lokaljournalistinnen und -journalisten in Erfurt, wie neue Ideen umgesetzt werden können. Ich glaube, dass da einiges auf dem Weg ist, das gut zu dem passt, was Sie fordern. Mein Kollege Jonathan Sachse beschreibt unten im Correctiv.Inside, was unsere Lokal-Konferenz bewegt hat. 

Wir werden Ihnen zusätzlich in der nächsten Woche nochmal konkreter auswerten, was unsere Umfrage mit Ihnen ergeben hat. Vielen Dank für Ihre Energie!

Am kommenden Dienstag werden wir übrigens sehen, ob unser Journalismus wieder mal Wirkung hat. Gestern berichteten wir ja, dass wir vorab die neuen Sanktionspläne der EU gegenüber Russland einsehen konnten. Darunter zwei Firmen, über die wir im Zusammenhang mit Desinformations-Kampagnen recherchiert hatten. Mal sehen, ob das Paket am Dienstag so wie geplant verabschiedet wird. 

Ob Sanktionen helfen, einen Krieg zu beenden? Diese Frage stellen wir uns seit Beginn des Angriffskrieges 2022, wir hatten damals als erste weltweit einen Sanktions-Livetracker aufgebaut. Beeinflusst haben die Sanktionen den Krieg nicht spürbar. Aber Firmen, die zum Beispiel Desinformation verbreiten, haben es dadurch immerhin schwerer, ihre Kampagnen in Europa zu führen. 

Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende und eine spannende Lektüre unserer Empfehlungen der Woche. Da ist viel Wissenswertes und eine Menge Aufklärung dabei!

Herzlich,

Ihr 

Lithium aus Europa?
Dieser Rohstoff steckt in jeder E-Autobatterie und bleibt unverzichtbar für die Energiewende: Lithium. Europa bezieht den Rohstoff ausschließlich aus Australien, Chile und China. Schon jetzt ist klar, dass der Bedarf steigt, um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu bewältigen. Doch nicht nur deshalb: Europa will auch unabhängiger von Importen werden und prüft, wie sich Lithium vor Ort fördern lässt. Dise arte– Dokumentation fragt kritisch, ob die Vorhaben realistisch sind.
Lithium in Europa (arte.tv, Video)

Wie die Feuerwehr gegen Rechtsextremismus kämpft
Ohne die freiwillige Feuerwehr läuft in Deutschland nichts: Sie hilft, rettet, bildet Jugendliche aus und bringt Menschen zusammen. Doch rechtsextreme Vorfälle belasten das Ehrenamt. Y-Kollektiv-Reporter Marc Zimmer fragt im Podcast, wie ernst das Problem bei der Feuerwehr ist, und spricht mit denen, die sich dagegen stellen.
Rechte Brandstifter: Wie die Feuerwehr gegen Rechtsextremismus kämpft (ardaudiothek, Audio)

Frühjahrsdürre: Wo Bauern um ihre Ernte fürchten
Seit Februar bleibt der Regen in weiten Teilen Deutschlands aus. Besonders im Nordosten sind die Folgen dramatisch: Böden trocknen aus, Pflanzen vertrocknen, Landwirte schlagen Alarm. Bringt der Mai keine Wende, droht Deutschland ein historisch trockenes Frühjahr, was dramatische Auswirkungen auf die Ernte der Bauern haben wird.
Deutschland trocknet aus (tagesspiegel.de)

Wie politisch ist TikTok wirklich?
Eine erstmals durchgeführte Auswertung echter TikTok-Daten zeigt: Politische Beiträge tauchen selten auf und wenn, dann teilen sie die Nutzenden in politische Lager auf. Parteien erreichen kaum Publikum, Influencer prägen die Debatte. Der typische Feed ist wohl eher eine Filterblase. Die Stuttgarter Zeitung hat Nutzerdaten gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk und der Universität Zürich gesammelt und ausgewertet.
Bislang größte Nutzerstudie zu Tiktok – die Ergebnisse (stuttgarter-nachrichten.de)

Musks KI-Chatbot verbreitet Verschwörungserzählungen
Plötzlich dreht sich bei Elon Musks KI-Chatbot Grok alles um den „White Genocide“ – einer Verschwörungserzählung, in der es um die angeblichen massenhaften Morde an weißen südafrikanischen Farmern geht. Der KI-Chatbot zitiert rassistische Lieder, widerspricht sich selbst. Hinter dem bizarren Antwortverhalten könnte eine bewusste Einflussnahme der Erschaffer der KI stecken.
Musks Chatbot Grok verbreitet Verschwörungstheorien über den „White Genocide“ (derstandard.at)

Anstieg bei Hautkrebserkrankungen
Sonne und Wärme locken nach draußen, doch der Sonnenschein birgt Risiken. Hautkrebsbehandlungen nehmen stetig zu. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der stationären Behandlungen von etwa 62.000 im Jahr 2003 auf 116.900 im Jahr 2023. Hauptursache für fast alle Hautkrebsarten ist UV-Strahlung. Experten führen einen Teil des Anstiegs auf den demografischen Wandel zurück.
Binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt: Hautkrebs-Behandlungen steigen deutlich (geo.de)


Nicht alle nachhaltigen Fonds können ihre Nachhaltigkeitsversprechen halten.Foto: unsplash.com (bearbeitet:CORRECTIV)

Geplante EU-Sanktionen zielen auch auf pro-russische Propagandisten in Deutschland
Das 17. Sanktionspaket der EU gegen Russland soll am 20. Mai verabschiedet werden. CORRECTIV konnte einen Entwurf vorab einsehen: Er zielt auch gegen deutsche Staatsbürger und in Deutschland tätige Propaganda-Akteure. Ebenfalls im Visier: IT-Unternehmer, deren Rolle in Russlands hybridem Krieg CORRECTIV aufgedeckt hat, sowie Fischerei-Unternehmen, die der Spionage und Sabotage verdächtigt werden.
correctiv.org

Was im AfD-Gutachten steht (und was nicht)
„Völkisch“ und „Muslimfeindlich“: So begründet der Verfassungsschutz die Einstufung als gesichert rechtsextremistisch. Zu Umsturzplänen und Spionagevorwürfen steht hingegen kaum etwas auf mehr als 1000 Seiten.
correctiv.org

Der stille Tod der Aktienrente
Die neue Regierung hat die Pläne aus der vorherigen Legislatur zur Aktienrente einkassiert. Damit verspielt sie auch Chancen auf eine klimafreundlich gestaltete, staatlich organisierte Anlage und rückt näher an die Privatwirtschaft.
correctiv.org

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Jonathan Sachse, Gesa Steeger und Finn Schöneck.

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