Iranern sagen, was sie wollen sollen?

Wie geht es im Land weiter? Und: Darf der Westen den Menschen dort vorschreiben, wie ihre Regierung aussehen soll?

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Autor Bild Anette Dowideit

jeden Tag kommen neue Nachrichten zum Konflikt im Iran. US-Präsident Donald Trump hat gerade seine Ankündigung wieder einkassiert, der Krieg solle vier bis fünf Wochen dauern. Die Vereinigten Arabischen Emirate warnen die Einwohner Dubais vor Raketenangriffen. Und der Iran schlägt zurück und versetzt die Nato in Alarmbereitschaft.

Wir haben heute einen Überblicks-Artikel veröffentlicht. Darin erklären wir, was man zur Lage im Iran wissen muss. 

Thema des Tages: Iranern sagen, was sie wollen sollen?

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Das wirft eine ganze Reihe von Fragen auf: 

  • Kann das klappen? 
  • Darf und soll der Westen den Menschen in einem eigenständigen Land vorschreiben, wie es sich politisch organisieren soll? 
  • Will der Großteil der Menschen im Iran überhaupt ein demokratisches System?

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Wandel zur Demokratie kommt?
Die USA haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg den faktischen Rang eines „Weltpolizisten“ geschaffen – weil es damals funktioniert hat: Weil die USA und die anderen Alliierten damals das Nazi-Regime in Deutschland besiegten, etablierte sich bei uns eine Demokratie. Auch in Japan funktionierte das.

Den Versuch des – durchaus gewaltsamen – Demokratie-Exports  haben die USA seither immer wieder unternommen. Doch es hat kaum noch funktioniert. In Afghanistan zum Beispiel führte der Krieg, den die USA nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 mit einer Koalition begannen, nicht zum erhofften schnellen Ziel, eine funktionierende Demokratie zu etablieren. Im Gegenteil: Das Land kommt seither nicht zur Ruhe, heute herrschen erneut die Taliban. 

2003 stürzten die USA mit einem Militärschlag gegen den Irak den damaligen Machthaber Saddam Hussein, der dann hingerichtet wurde. In der Folge machte sich dort das Terrorregime IS breit, und heute gilt das Land als „gescheiterter Staat“, wie etwa hier ein Militärexperte erklärt.

Vor diesem Hintergrund ist äußerst fraglich, weshalb ein Militärschlag von außen denn nun im Fall Irans zu einer friedlichen, schnellen Demokratie führen soll.

Äußerst unklar erscheint zudem, ob es der Allianz aus israelischer und US-amerikanischer Regierung überhaupt um die Menschen im Iran geht – oder doch eher um klar geostrategische Ziele

Was wollen die Menschen im Iran?
Natürlich gibt es im Iran, wie in jedem Land, nicht die EINE vorherrschende politische Meinung. Zum einen ist ja derzeit noch – trotz des Todes Chameneis – das Mullah-Regime an der Macht, das mit allen Kräften demokratische Bestrebungen verhindern will.

Doch auch in der Opposition wollen längst nicht alle, dass sich eine demokratische Regierung etabliert. Die verschiedenen Strömungen erklärt die Taz in diesem Artikel gut: Zuletzt haben die sogenannten Monarchisten erheblich an Einfluss gewonnen. Sie wünschen sich den Sohn des Schahs, Reza Pahlavi, als neues Staatsoberhaupt. (Dieser Richtung folgen übrigens auch viele Exil-Iranerinnen und -Iraner in Deutschland.)

Pahlavi allerdings steht auch nicht gerade für einen fairen Umgang mit politischen Gegnern. Seine Vertrauten führen „Todeslisten“, auf denen neben den Mullahs auch andere Feinde stehen (sie nennen sie die „Verdorbenen“): Linke und Mudschaheddin. Letztere sind selbsternannte „Heilige Krieger“, eng mit den Taliban verwoben. Also „Gotteskrieger“.

Dass die Monarchisten also im Falle einer Machtübernahme mit ihren politischen Gegnern menschlich umgehen, kann man bezweifeln – wenngleich sie sicher nicht ihre Kritiker in dem Maße unterdrücken, wie das Mullah-Regime dies tut.

Darf der Westen den Menschen vorschreiben, was sie wollen sollen?
Das ist eigentlich eine rhetorische Frage. Natürlich darf er das völkerrechtlich gesehen nicht – militärische Einmischungen, um eine Regierung von außen zu stürzen, verbietet das Völkerrecht.

Allerdings zeigen ja verschiedene Beispiele (siehe Venezuela), dass sich gerade die USA da kaum noch dran halten. Beziehungsweise (siehe Afghanistan oder Irak) die Regeln schon seit Jahrzehnten weit ausgelegt haben. In jedem dieser Fälle stand die Frage im Raum, ob der Zweck die Mittel heiligt – wie auch jetzt wieder.

Unter dem Strich:
Ob der Krieg gegen den Iran das bringt, was sich der Westen erhofft, ist vollkommen unklar. Wenngleich heute viel schwieriger zu definieren ist, wer „der Westen“ überhaupt mittlerweile ist – und wann Europa und die USA noch an einem Strang ziehen.

„Man kann nicht mit einer Illegalität auf eine andere Illegalität antworten. Denn so beginnen die großen Desaster der Menschheit.“
Pedro Sanchez
Regierungschef Spaniens

AfD-Jugendorganisation in NRW als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft 
Der Verfassungsschutz hat die neue AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Nach Angaben des Innenministeriums gibt es Anhaltspunkte, dass sie ein Nachläufer der „Junge Alternative NRW“ (JA) sei. Diese hatte sich im März 2025 aufgelöst. Unter anderem sei das Führungspersonal der beiden Organisationen weitgehend identisch. 
wdr.de

Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Venezuela und den USA 
Die USA und Venezuela wollen ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen. 2019 hatte der damalige Staatschef Nicolás Maduro diese abgebrochen. Laut US-Außenministerium soll die neue Einigung die wirtschaftliche Erholung Venezuelas unterstützen und dessen Stabilität fördern. 
tagesschau.de

Bild: Fabian Strauch / Picture Alliance/dpa
Markus Frohnmaier auf einer Bühne beim politischen Aschermittwoch der AfD Bayern
Symbolbild: Malin Wunderlich / DPA / Picture Alliance

So geht’s auch
Eine Entscheidung des EU-Parlaments sorgte letzten Herbst für deftige Diskussionen: Das Veggie-Schnitzel sollte nicht mehr Schnitzel heißen dürfen. Und die Sojawurst nicht mehr Wurst. Zwar besteht nach Ansicht der allermeisten Menschen überhaupt keine Verwechslungsgefahr mit den fleischlichen Pendants. Dennoch fand dieser Antrag eine Mehrheit. Kritiker bezeichneten das als Kulturkampf. Die EU-Spitze konnte sich für den Vorstoß ebenfalls nicht erwärmen. Das Entscheidungsgremien von EU-Parlament und Rat – der Vertretung der 27 Staaten – strich nun die meisten Begriffe von der geplanten Verbotsliste. Nur Worte wie etwa Rippchen, Flügel oder Leber sollen demnach für Fleischgerichte reserviert bleiben.
handelsblatt.com   

Portrait Foto von Frida Thurm

Oft bedeutet das: mehr bauen. Doch ein Fakt spielt in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle: Entscheidend sind die Bodenpreise. 

Eine große ifo-Studie zeigt, dass 80 Prozent des weltweiten Immobilienpreisbooms seit dem Zweiten Weltkrieg den steigenden Bodenpreisen zuzuschreiben sind. Und auch die Experten des EU-Forschungsprojekt ESPON, deren Wohndaten wir auswerten konnten, sagen: die Bodenpreise sind der wichtigste Preistreiber.

Warum ist das ein Problem? Mit Land lässt sich spekulieren. Wenn ich ein Grundstück am Stadtrand kaufe und die Stadt mit Steuergeldern eine neue Buslinie oder Schule in der Nähe errichtet, ist mein Grundstück plötzlich deutlich mehr wert – ohne meine Leistung. Ich kann es teurer an Investoren verkaufen, die wiederum höhere Mieten verlangen werden, um trotzdem noch Gewinn zu machen.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.