
Gestern Abend ist Dortmund um einen Ort reicher geworden. Unsere Jugendredaktion Salon5 eröffnete dort eine neue „Filiale“, in der Jugendliche selbst Journalismus machen können. Neben Dortmund gibt es unsere Jugendredaktionen schon in Greifswald, Hamburg und Bottrop. Das Besondere: Wir sind mittendrin in den Städten. Tür auf, Willkommen!

Foto: Steffen Ludwig
In Leipzig fand diese Woche eine Medienkonferenz statt. Da wurde auch über die Zukunft geredet und wie sich Medien auf den Sozialen Plattformen bewähren können. Ich würde behaupten: durch die Plattformen werden sie nicht überleben können. Sie müssen raus – an die frische Luft.
Bei uns gehört es seit Jahren zu unserem Experimentierkasten: Eine mobile Redaktion in der Stadt aufzumachen (hier oder hier), wo ein Thema spielt; oder Jugendliche dort zum Medien-Machen begeistern, wo sie nach der Schule gern hingehen. Wir erleben immer wieder, wie heilsam es ist, wenn man sich in diesen offenen Redaktionen begegnet. Menschen können Fragen stellen, Hinweise loswerden, bei öffentlichen Diskussionen ihre Meinung schärfen. Oder wie es ganz frisch geplant ist, einfach zum Kaffee vorbeikommen (und dann Hinweise loswerden):
In Gelsenkirchen wird gerade noch in den Räumen gewerkelt. Aber bald wird dort ein Ort mit Café und Redaktion in Einem entstehen. Journalismus ist Gespräch. Und der direkte Austausch ist ein Weg, gegenseitiges Vertrauen zu gewinnen.
Es gibt einige, die nicht mehr viel vom Journalismus halten. Aber wenn man sich aktiv beteiligen kann (anstatt auf Social Media das Meckern der anderen ertragen zu müssen), kann etwas (gemeinsames) Neues entstehen.
Wir touren übrigens mit unseren Themen und Ansätzen gerade durchs Land, sind an vielen Orten, es sind immer inspirierende Begegnungen. Vielleicht ja auch in Ihrer Nähe. Schauen Sie hier in unser Programm.
Ihnen wünsche ich ein schönes und erholsames Wochenende! Am Ende dieses Spotlight beschreibt meine Kollegin Annika Joeres, was es mit der Diskussion um das Urteil gegen Marine Le Pen auf sich hat. Nicht mehr gewählt werden zu dürfen wegen Korruption: Das ist in Frankreich üblicher als hier – und auch ein Beispiel für uns?
Ihr
Missbrauch auf Secondhand-Plattform
Kriminelle nehmen Secondhand-Plattformen wie Vinted zunehmend ins Visier. Auf der Plattform kann gebrauchte Kleidung privat gekauft und verkauft werden. Eine Recherche von NDR und WDR enthüllt, dass Bilder von Verkäuferinnen unbemerkt in sexualisierten Telegram-Gruppen auftauchen und Betroffene unerwünschte Nachrichten erhalten. Welche Verantwortung trägt die Plattform und wie können sich Nutzerinnen schützen?
Wie Frauen auf Vinted zur Ware gemacht werden (tagesschau.de)
Trump versteht Verbrauchersteuer nicht
Die Ankündigung weiterer Zölle durch Donald Trump sorgt seit Mittwoch für große Verunsicherung in der Weltwirtschaft. Bei der Rechtfertigung der protektionistischen Handelspolitik des US-Präsidenten sticht ein Punkt heraus: Trump kritisiert die bei Exporten erhobenen Mehrwertsteuern in der EU. Will er nicht verstehen, dass es sich dabei um eine Verbrauchsteuer handelt, die am Ende der Endkonsument zahlt, also in den Endpreis einkalkuliert wird. „Eine Verbrauchssteuer verteuert den Konsum eines Produkts, wobei es keine Rolle spielt, ob das Produkt aus dem In- oder dem Ausland kommt“, schreibt Thomas Fuster im Artikel der NZZ und erklärt nachvollziehbar, warum Trump Verbrauchsteuern missversteht.
Donald Trump findet die Mehrwertsteuern in der EU unfair. Warum nur? (nzz.ch, €)
Hygienealarm bei Kaufland
Kaufland ist eine der größten Supermarktketten in Deutschland. Eine Recherche von Stern und RTL deckt gravierende Hygienemängel in mehreren Filialen auf. Dafür haben sie mit mehreren Mitarbeitern gesprochen und Proben ins Labor geschickt, mit dem Ergebnis: Schimmel in Kühlregalen, verdorbenes Fleisch und gefährliche Bakterien auf frischen Lebensmitteln – die Missstände stellen die Lebensmittelsicherheit infrage.
Die eklige Wahrheit über eine der größten deutschen Supermarktketten (stern.de, €)
Erderwärmung führt zu Verarmung
Eine aktuelle Studie aus den Environmental Research Letters warnt vor den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels: Steigt die globale Temperatur um vier Grad, könnte das weltweite Pro-Kopf-Einkommen um 40 Prozent sinken. Selbst bei einer Begrenzung auf zwei Grad droht ein Rückgang um 16 Prozent, berichtet der Guardian.
Average person will be 40% poorer if world warms by 4C, new research shows (theguardian.com, Englisch)
Wendepunkt vor 80 Jahren
Der Zweite Weltkrieg und der Faschismus in Deutschland endeten – doch was geschah in den letzten dramatischen Wochen vor 80 Jahren? Die neue Podcast-Serie „Deutschland 1945“ von Geo Epoche rekonstruiert in acht Folgen den Untergang des NS-Regimes, den Kampf um Berlin und die ersten Schritte in eine neue Zeit. In der ersten Folge geht es um die große Flucht aus Ostpreußen. Hunderttausende fliehen bei zweistelligen Minustemperaturen vor der herannahenden Kriegsfront.
„Deutschland 1945“ (geo.de, Podcast)
Cum-Ex: Der Kronzeuge tritt auf
Damals trat er mit einer aufwändigen Gesichtsmaske auf – ein Insider, der die Verschleierungen der CumEx-Industrie von der Staatsanwaltschaft Bonn aufdröselte. In dieser Doku, die parallel zu der fiktionalisierten Cum-Ex-Serie erscheint, beschreibt der Kronzeuge offen, wie es damals war, an den Deals beteiligt zu sein. Eindrücklich wird geschildert, wie die Jagd auf die Milliarden-Betrüger losging und wie die europaweite Dimension von CORRECTIV damals mit vielen internationalen Partnern aufgedeckt wurde.
Systemfehler: Der Cum-Ex Skandal (zdf.de)

CORRECTIV Inside
Diese Woche überraschte mich am meisten die Reaktion auf das Urteil gegen Marine Le Pen. Die Rechtspopulistin hatte über ein Jahrzehnt hinweg vorsätzlich Steuergelder in großem Stil für ihre Partei abgezweigt. Doch was geschah? Plötzlich bezeichneten Politiker und Medien in ganz Europa die sofortige Unwählbarkeit als „politischen Fehler”.
In Deutschland ist eine solche Strafe bisher tatsächlich unüblich. Allerdings haben Union und SPD im Koalitionsvertrag festgelegt, bei mehrfacher Verurteilung wegen Volksverhetzung das passive Wahlrecht zu entziehen. Das könnte etwa AfD-Frontmann Björn Höcke treffen, der wiederholt wegen volksverhetzender Äußerungen angeklagt oder verurteilt wurde.
In Frankreich ist diese Praxis längst etabliert. Laut dem Pariser Justizministerium wurden allein 2023 rund 640 Personen für unwählbar erklärt. Die Regel lautet: Wer während seiner Amtszeit Straftaten begeht – wie Le Pen –, soll keine politischen Ämter mehr übernehmen dürfen. Das französische Gesetz verlangt vorbildliches Verhalten von gewählten Vertretern, wie das Verfassungsgericht kürzlich erneut betonte.
Es wäre also an der Zeit, Le Pens Vergehen in den Mittelpunkt zu rücken – und nicht die Richter. Diese erhalten nun Morddrohungen und müssen rund um die Uhr beschützt werden. Eine traurige Folge von Marine Le Pens beispiellos erfolgreicher Kampagne.

AfD unterwegs in Großbritannien: Ziemlich rechte Freunde
Das AfD-Ehepaar Lena und Steffen Kotré treibt die internationale Vernetzung von Rechtsextremen für die AfD voran. Ende April tritt Lena Kotré auf einer „Remigration Conference“ in Großbritannien auf. Veranstalter ist die nationalistische Homeland Party.
correctiv.org
Kernkraft: Der teure Traum der Union
Die Union will im Kampf gegen die Klimakrise auf Atomkraft setzen. Gepusht wird das Thema auch von einigen Lobby-Akteuren. Was in der wieder aufflammenden Debatte unterschlagen wird: die horrenden Kosten von Kernenergie.
correctiv.org
Informationslücke in der Asylpolitik
Geflüchtete sollen bei ihrer Ankunft in Deutschland auf psychische Krankheiten hin untersucht werden – laut einer Richtlinie der EU. Ziel ist unter anderem, Gefahren für die Allgemeinheit auszuschließen. Tatsächlich findet das in Deutschland aber so gut wie nie statt.
correctiv.org
Jeden zweiten Tag eine neue Beratungsanfrage
In anderthalb Jahren gingen hunderte Anfragen zu Gewalt im Sport bei einer unabhängigen Beratungsstelle ein. Knapp ein Fünftel kommen aus dem Fußball. Das zeigt eine Auswertung des Vereins Safe Sport, die CORRECTIV exklusiv vorliegt.
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Elena Kolb, Steffen Ludwig und Finn Schöneck.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.