Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

immer mehr Minderjährige leiden unter gravierenden mentalen Problemen. Darum dreht sich die aktuelle Recherche unseres Bildungs-Reporterinnen-Teams – und auch das heutige Thema des Tages.

Wir haben heute noch eine weitere Story veröffentlicht – und diese drehte schon weite Kreise durch Soziale Netzwerke, bevor sie überhaupt erschien. Es geht um den plötzlichen Abgang des Chefredakteurs der Springer-Zeitung WELT vergangene Woche, Jan Philipp Burgard. Die offizielle Begründung lautete: gesundheitliche Gründe. 

Wir bekamen Hinweise, dass der Chefredakteur außerdem kurz vor seinem erklärten Rücktritt unangenehme Fragen der Unternehmensleitung beantworten musste. Diese drehten sich um die Weihnachtsfeier Mitte Dezember. Im Raum stand die Frage, ob sich Burgard dort fehlverhalten habe. Wir hatten Rechercheaufrufe in den Netzwerken X und Bluesky gepostet und auf diese waren verschiedene Medien aufmerksam geworden.

Gestern Abend berichteten die New York Times (mit Bezahlschranke) und das US-Medienmagazin Semafor über das Thema. Heute Vormittag haben wir unseren Artikel dazu veröffentlicht, und auch bei Medieninsider ist ein Text zu den Hintergründen erschienen (ebenfalls mit Bezahlschranke). Weshalb das Ganze ein Thema für uns ist? Weil wir Machtstrukturen unter die Lupe nehmen.

Dann noch die Auflösung zur Cartoon-Arena von vergangener Woche. Die Karikaturen-Krone hat diese Woche Bettina Shipping – mit ihrer Karikatur von Freitag:

Die Gewinner unter den Teilnehmenden an der Abstimmung werden per Mail von uns benachrichtigt. Ich hoffe, Sie hatten einen guten Wochenstart, und schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Jugendliche Seelen angeknackst

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Kein Zutritt für einige AfD-Mitarbeitende im Bundestag + Afghanen mit deutscher Aufnahmezusage in Kabul in Gefahr

Faktencheck: Deutschland hat keine Flugzeugträger nach Grönland geschickt

Gute Sache(n): So kann die EU auf Trumps Zoll-Drohungen reagieren • Pilze für mehr Klimaschutz • Angebot für queere Jugendliche

CORRECTIV ganz persönlich: Ich wollte herausfinden, welche Rolle Venezuelas Öl für uns in Deutschland spielt

Grafik des Tages: Wenig Unterstützung in den USA für Trumps Grönland-Politik

Das ist bei Erwachsenen so – aber auch oft bei Kindern und Jugendlichen. Laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf gilt fast jeder vierte Heranwachsende in Deutschland als psychisch auffällig. 

Unsere Reporterinnen Miriam Lenz und Alexandra Ringendahl  haben sich intensiv mit dem Thema psychischer Störungen bei jungen Menschen befasst. Das Ergebnis ist niederschmetternd – und die Reaktion der Bundesregierung wirft Fragen auf.

Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Im Jahr 2022 wurden Kinder und Jugendliche laut Statistischem Bundesamt in etwas mehr als 81.000 Fällen wegen einer psychischen Erkrankung oder einer Verhaltensauffälligkeit stationär behandelt. Im Jahr 2024 registrierte das Amt gut 116.000 Einweisungen. Das entspricht einer Steigerung von über 40 Prozent.

Bei rund 30 Prozent diagnostizierten die Fachleute eine Depression. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft liegen die Wartezeiten für eine stationäre Behandlung zwischen vier und sechs Monaten.

Ein Mädchen sitzt auf dem Boden und verbirgt ihr Gesicht in den Armen.
Besonders viele Mädchen sind von Depressionen und Angststörungen betroffen. (Symbolbild: Carolina/shhiscat/ Unsplash)

Auch bei den ambulanten Behandlungen gehen die Zahlen nach oben. Laut der größten deutschen Krankenkasse, der DAK, leiden mittlerweile 4,4 Prozent ihrer Versicherten zwischen 15 und 17 Jahren an einer Angststörung. Bei Mädchen sind es sogar 6,6 Prozent. Laut DAK sind die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren um etwas mehr als 50 Prozent gestiegen.

Der Vorstandschef der DAK, Andreas Storm, warnt: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren.“ Die Bundesschülerkonferenz macht seit Herbst vergangenen Jahres mit der Kampagne „Uns geht’s gut“ auf die Probleme aufmerksam.

Und was macht die Bundesregierung? 

Das Bundesbildungsministerium setzte im Rahmen eines Modellprojektes im Schuljahr 2023/24 an 118 Schulen knapp hundert sogenannte „Mental Health Coaches“ ein. Ziel war es, die psychische Gesundheit von Heranwachsenden zu stärken. Die Universität Leipzig evaluierte das Projekt und bescheinigte ihm eine hohe Wirksamkeit. 

Doch das Projekt wurde eingestellt. Im Haushaltsjahr 2026 ist dafür kein Geld mehr vorgesehen. Auf Anfrage von CORRECTIV teilte das Bildungsministerium mit, die Regierung wisse um die Situation der mentalen Gesundheit von Jugendlichen. Man werde die Erfahrungen auswerten – und zur Vorbeugung gegen psychische Störungen eine neue Strategie entwickeln.   

Was sagen Experten und die Betroffenen dazu?

Die Bundesschülerkonferenz bezeichnet den Stopp des Projektes als „fatales Signal“ an eine ohnehin belastete Generation. „Die Politik muss investieren, damit diese Generation ohne permanenten Druck, Angst und Depressionen aufwachsen kann“, sagt die Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Amy Kirchhoff.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Helmut Frister, bezeichnete es als „sehr bedauerlich, dass das positiv evaluierte Programm an Schulen aus finanziellen Gründen eingestellt wird“.

In Köln organisierten Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Stadt in Eigenregie 143 Präventions-Workshops. Das Deutsche Kinderhilfswerk würdigte das Projekt mit dem Deutschen Kinder- und Jugendpreis.  Marie Hacker von der Bezirksschülervertretung in Köln sagt: „Weil es eben keiner macht, wenn wir es nicht selbst machen.“

Weitere Hintergründe zu psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen lesen Sie hier. Dort finden Sie auch Beratungsstellen, an die Sie sich wenden können, wenn Sie selbst oder Ihre Kinder mit Depressionen, Angststörungen oder anderen Störungen zu kämpfen haben. 

Präsidentschaftswahl in Portugal: Sozialist Seguro und der Rechtspopulist Ventura erreichen Stichwahl 
Im ersten Wahlgang um die Präsidentschaftswahl erhielt Antonio Jose Seguro von der Mitte-Links-Partei der Sozialisten 31 Prozent der Stimmen. Der zuvor als Favorit geltende Rechtspopulist André Ventura erhielt 23,5 Prozent. Am 8. Februar wird in einer Stichwahl entschieden, wer der neue Präsident von Portugal wird. 
deutschlandfunk.de  

Zugunglück in Spanien: Zahl der Verstorbenen steigt weiter an 
In Andalusien entgleiste ein Schnellstreckenzug mutmaßlich mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h. Dabei kollidierte dieser mit einem entgegenkommenden Zug. Die Zahl der Toten stieg zuletzt auf 39, zudem werden 73 weitere Menschen in Krankenhäusern behandelt. 
welt.de

Fregatte Bayern beim Auslaufen
Die Fregatte „Bayern“ soll angeblich Anfang Januar nach Grönland geschickt worden sein. Das ist frei erfunden. (Foto: Frank Molter / DPA / Picture Alliance)

So geht’s auch
Pilze, die ein Drittel der jährlichen Emissionen von fossilen Brennstoffen schlucken: Für diese Entdeckung erhielt die Evulotionsbiologin Toby Kiers letzte Woche den Tyler Prize, der für Umweltleistungen verliehen wird. Sie erforscht die Rolle der Mykorrhizapilze, die im Boden in Symbiose mit Wurzeln leben und dabei Nähr- und Kohlenstoffe transportieren. Kiers Ziel: Mit Pilzen beim Kampf gegen die Klimakrise unterstützen. 
euronews.com 

Fundstück
Räume für queere Jugendliche sind besonders im ländlichen Raum kaum vorhanden. Die App Lambda Space ist das erste digitale und queere Jugendzentrum in Deutschland. Dort können sich Jugendliche im geschützten Rahmen über verschiedene Themen, wie Sexualität und Outing oder auch einfach über Gaming austauschen.
lambdaspace.de

Elena Kolb

Eine scheinbar einfache Frage, wie ich dachte. Also wandte ich mich an deutsche Energieunternehmen – mit der Frage, ob sie ausschließen können, dass sie Öl aus Venezuela importieren. Dabei stieß ich auf Granit. Entweder erhielt ich überhaupt keine Antwort oder ausweichende Erklärungen. Ein Sprecher von ENBW schrieb etwa, man wisse nichts über die „Vorketten“ seiner Heizöllieferanten. Auch Shell Deutschland blockte ab. Auf die Frage nach der Herkunft ihres Öls reagierte der Konzern nicht. Man halte sich jedoch an „alle Gesetze, Vorschriften und Sanktionen“.

Die große Intransparenz lässt sich teilweise mit der Funktion der internationalen Öl-Märkte erklären: Es gibt selten direkte, langfristige Verträge zwischen Produzenten und deutschen Importeuren. Stattdessen handeln Zwischenhändler, sogenannte Trader, das Öl. Sie kaufen es von den Produzenten und verkaufen es weiter, wenn die Preise stimmen. Sobald das Öl in deutschen Raffinerien ankommt, berufen sich Unternehmen oft darauf, dass die Herkunft einzelner Moleküle nicht mehr nachvollziehbar sei.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Till Eckert, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.