Merz legt ein Renten-Ei

Der Bundeskanzler hat seinen Koalitionspartner – und das ganze Land – mit einer Aussage zum Rentensystem verschreckt. Was dahinter steckt.

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Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

Bundeskanzler Friedrich Merz ist ja bekannt dafür, schon mal einen Spruch rauszuhauen, der dann wochenlange Diskussionen im Land auslöst: Stadtbild, kleine Paschas, Flüchtlinge nehmen uns die Termine beim Zahnarzt weg. Diesmal ging es um die Rente. Merz sagte am Montag bei einem Empfang des Deutschen Bankenverbandes:

„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.“ 

Dass er dies beim Bankenverband sagte, ist natürlich kein Zufall: Dort sitzen die Menschen, die daran verdienen, wenn privat vorgesorgt wird. Nicht nur der Koalitionspartner SPD ist verärgert. Was aber plant die Bundesregierung tatsächlich – und welche Auswirkungen hat das für uns Bürgerinnen und Bürger? Das steht im Thema des Tages.

Dann noch wichtig: die Debatte über Olympische Spiele in Deutschland. Unsere Nachrichtenchefin Elena Müller hat jene Städte, die Bürgerbefragungen durchgeführt haben, um Auskunft gebeten: Was haben allein diese Brief-Abstimmungen gekostet? 

Richtige Antworten gab es bisher nicht; ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei sagte, die Gesamtkosten für die Region Rhein-Ruhr stünden noch nicht fest. Man habe aber vorab mit elf Millionen Euro kalkuliert. Kiel und München hatten ebenfalls Bürgerentscheide durchgeführt. Während die bayerische Landeshauptstadt keine genauen Zahlen nennen will und mitteilt, es handele sich um eine „niedrige vierstellige Summe“, hat die Bürgerbefragung in Kiel nach Angaben des dortigen Rathauses rund 340.000 Euro gekostet.

Auch in Hamburg können die Menschen über eine mögliche Bewerbung als Olympiastadt abstimmen. Die Wahlunterlagen sollen ab heute in den Briefkästen der Hamburger Bürgerinnen und Bürger landen.

In der Grafik des Tages geht es heute um den Wal „Timmy“ – besser gesagt: um all die anderen verendeten Wale, über die nicht so viel Aufregung herrscht. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, und schreiben Sie mir gern, wenn Sie Recherche-Hinweise haben: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Merz legt ein Renten-Ei

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Ist die Rente bald nur noch „Basisabsicherung“? Quelle: Picture Alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow / SULUPRESS.DE

Was im Koalitionsvertrag steht:
Dort ist vereinbart, dass das Rentenniveau vorerst stabil bleibt und man weiterhin nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen kann. Das heißt: Die Rente ist (zumindest im Kern) sicher, wie Norbert Blüm sagte – und es ist eben nicht so, wie von Merz insinuiert, dass man schon bald zittern muss, im Alter nicht mehr durch das Umlagesystem versorgt zu werden.

Wenn Sie selbst nachlesen möchten: Hier geht es zum Koalitionsvertrag – die entscheidende Passage steht auf den Seiten 19 und 20.

Die Frage ist nun:
Wie lässt sich das Versprechen von der weiter sicheren gesetzlichen Rente umsetzen? Auch da ist die Regierungskoalition nicht untätig. Derzeit berät eine von ihr eingesetzte Rentenkommission über eine Reform. Sie will ihre Empfehlungen im Sommer vorlegen.

Was bisher bekannt ist:
Die steuerlich geförderte private Altersvorsorge soll reformiert werden. Das Bundesfinanzministerium erklärt seine Pläne dazu hier ausführlich.

Kern ist ein sogenanntes staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot, das ab dem kommenden Jahr von Finanzinstituten angeboten werden soll. Also eine Art Nachfolge der Riester-Rente. Man bekommt dann Zuschuss vom Staat, wenn man zum Beispiel in ETFs investiert, das sind an der Börse gehandelte Aktienfonds. 

Wie das Ganze funktioniert, ist hier einfach erklärt. Und hier steht alles Wissenswerte dazu, wie die einzelnen Parteien im Bundestag dazu stehen.

Was dahinter steht:
Eigentlich sind sich alle Parteien im Bundestag (außer der Linken) einig: Die gesetzliche Rente wird für die Altersversorgung künftiger Generationen nicht mehr ausreichen, also wird Privat-Sparen fürs Alter staatlich gefördert.

Die Frage ist: Wer kann sich das überhaupt leisten? Längst nicht alle – das zeigt diese Analyse.

Neue Militärstrategie für die Bundeswehr sieht Russland als Hauptbedrohung
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zeit.de

Menschenrechtsorganisation kritisiert USA und Deutschland im neuen Jahresbericht
Amnesty International nennt die USA einen „Brandbeschleuniger“ der globalen Krise der Menschenrechte. Generalsekretärin Duchrow kritisiert, die  Bundesregierung schweige dabei zu häufig. Weitere Kritik an Deutschland richtet sich etwa gegen die Abschiebungen nach Afghanistan und den Umgang mit NGOs. „Die Bundesregierung bedient sich (…) bewährter Instrumente autoritärer Politik, um die kritische Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen“, so Duchrow. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), wies die Vorwürfe zurück.
amnesty.de / netzpolitik.org

Die PCK Schwedt bezieht aktuell rund 20 Prozent ihres Öls aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline. Foto: picture alliance/dpa | Joerg Carstensen

Nach CORRECTIV-Recherche: Deutsche Behörden bleiben untätig – verbotenes Kosmetik-Produkt bleibt im Handel
CORRECTIV hatte aufgedeckt, dass längst verbotene Kosmetik-Produkte weiterhin online zu kaufen sind – dennoch bleiben die Behörden untätig. Bund und Länder schieben die Verantwortung hin und her.
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Quelle: Turkish Presidence / Apa Images via Zuma Press Wire / Picture Alliance

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Ungarns Anti-LGBTIQ-Gesetz verstößt gegen europäisches Recht. Das unter dem inzwischen abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán erlassene Gesetz verbietet unter anderem die Darstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und von Transsexualität in Medien und Werbung. Das ist diskriminierend, urteilte nun der Europäische Gerichtshof. Ungarn muss die Vorgaben entsprechend ändern, um keine Sanktionen zu riskieren.
dw.com


Für mich gehört Medienkompetenz zu den wichtigsten Fähigkeiten, die wir in der modernen Welt brauchen – neben Lesen, Rechnen, Schreiben und Demokratiekompetenz. Und weil die Schule diese neue Kompetenz nicht mehr an Senioren auf dem Land vermitteln kann, wollen jetzt wir diese Lücke füllen. Mit unserem Pop–Up-Projekt, bei dem wir mit fünf Partnern aus ganz Europa zusammenarbeiten. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.