Polizei am Limit

Die Polizeibehörden der Bundesländer stehen vor einem Problem: Sie müssen um Nachwuchs fürchten.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

der Polizeiberuf gilt als eine der tragenden Säulen des Rechtsstaats: Polizistinnen und Polizisten sorgen für öffentliche Ordnung und Schutz – ohne sie könnten weder Demos beschützt noch bei Fußballspielen Ausschreitungen zwischen Hooligans verhindert werden. Und irgendwer muss ja auch all die Straftäter jagen.

Jetzt aber, das zeigt unsere heute veröffentlichte Story, stehen die Polizeibehörden vor einem Problem, das auch viele andere Arbeitgeber kennen: Sie müssen um ihren Nachwuchs fürchten. Warum genau, steht im Thema des Tages.

Jetzt sind wieder Sie gefragt: Haben Sie selbst schon Erfahrungen damit gemacht, dass bei der Polizei das Personal knapp wird – zum Beispiel, weil Sie selbst Polizistin sind? Oder, weil Sie auf die Polizei angewiesen waren, etwas aber nicht funktionierte? Dann schreiben Sie unserer Reporterin: samira.joy.frauwallner@correctiv.org.

Und wir wollen Sie bitten, heute wieder den Cartoon der Woche zu wählen: Wer hatte aus Ihrer Sicht den besten Blick mit spitzem Stift auf unsere neue Abhängigkeit von fossilen Energien? Stimmen Sie hier ab. Und hier noch mal die Übersicht über alle Karikaturen der Woche.

Bei uns in der Redaktion dreht sich diese Woche ansonsten alles um die katholische Kirche. Seit unserer Veröffentlichung der „Akten des Missbrauchs“ hat sich schon einiges getan: Andere Medien griffen unsere Recherche auf (hier zum Beispiel das RND) – und unser druckfrisches Buch ging gestern auf der Leipziger Buchmesse schon sehr oft über die Ladentheke.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Morgen geht es im Samstags-SPOTLIGHT mit Justus von Daniels um die Frage: Kann eine Recherche wie unsere über den Missbrauch in der katholischen Kirche wirklich dazu führen, dass sich in einer solchen Institution etwas ändert?

Eine letzte Sache noch, weil ich von ein paar Leserinnen und Lesern dazu gefragt wurde: Hier haben wir noch mal eingeordnet, was das Gerichtsurteil zu unserer Potsdam-Recherche, das diese Woche fiel, wirklich bedeutet.

Thema des Tages: Polizei am Limit

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Verbände kritisieren Bahn-Aussagen zum Deutschland-Ticket • Umwelt-Verbrechen in NRW

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Atomkraft To Go

Cartoon-Arena: Wählen Sie Ihren Cartoon der Woche

CORRECTIV Events: Unsere Veranstaltungsempfehlungen

CORRECTIV.Faktenforum: Dieses Video zeigt keinen echten iranischen Angriff auf Dubai

Gute Sache(n): Wie geht man mit belastenden Themen in Sozialen Medien um? • Freiwillige Fahr-Auffrischung für Senioren • Finnland erneut glücklichstes Land

CORRECTIV ganz persönlich: Ich recherchiere seit vielen Jahren zum Missbrauch in der Kirche – als Katholik

Grafik des Tages: Aktuelle Umfrage zur Wahl in Rheinland-Pfalz

Diese Auskunft der zuständigen Senatsverwaltung wiederum ging zurück auf eine Anfrage der Berliner AfD. Die hatte unter anderem wissen wollen, ob Bewerber mit Migrationshintergrund der Polizei Sorgen machen, weil sie schlecht Deutsch sprechen. Die Senatsverwaltung wertete daraufhin ihre Statistiken aus – und stellte fest: Nö. Unter den Bewerberinnen und Bewerbern ohne Migrationshintergrund sind genau so viele ohne ausreichende Deutschkenntnisse wie mit.

Das fand ich spannend und bat unser Nachrichten-Team, herauszufinden: Haben die anderen Bundesländer dieselben Probleme? Das Ergebnis: ja. Die Story können Sie hier lesen.

Alarm bei der Polizei? CORRECTIV-Abfrage zeigt: Bis zu 41 Prozent weniger Bewerber in den Ländern. Warum fehlender Nachwuchs zum Sicherheitsrisiko wird und welche Länder besonders betroffen sind. Symbolbild. Quelle: Picture Alliance / Sven Simon, Frank Hoermann

Wo genau drückt der Schuh?
Problem Nummer 1: Die Zahl der Bewerbungen für eine Ausbildung bei der Polizei ist zwischen 2020 und 2025 in fast allen Bundesländern deutlich gesunken. Am stärksten in Niedersachsen und Bremen.

Problem Nummer 2: Viele Bewerberinnen und Bewerber fallen durch die Aufnahmeprüfungen.

Grund für Letzteres sind vor allem tatsächlich – wie in Berlin – die Sprachtests: In Bayern zum Beispiel hat sich der Anteil der Bewerber, die am Sprachtest scheitern, innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Im Text können Sie genauer nachlesen, wie es in Ihrem Bundesland aussieht.

Weshalb das relevant ist:
Die Folgen könnten mittelfristig die Arbeitsfähigkeit der Polizei beeinträchtigen. Denn in einigen Bundesländern bleiben mangels geeigneter Interessenten Ausbildungsplätze unbesetzt – und von denjenigen, die eine Ausbildung aufgenommen haben, brechen viele diese vorzeitig ab.

Wir haben die Gewerkschaft der Polizei (GdP) um eine Einschätzung der Lage gebeten:

„Obwohl wir mehr Polizistinnen und Polizisten in Deutschland brauchen, sinken die Bewerberzahlen, fallen immer mehr durch die Prüfungen und kündigen.“
Jochen Kopelke
Bundesvorsitzender der GdP 


Dabei wachsen die Aufgaben der Polizei stetig: Terrorabwehr, Cyberkriminalität, Großdemonstrationen, Fußballspiele oder häusliche Gewalt binden immer mehr Personal.

Und jetzt?
GdP-Chef Kopelke fordert, die Landesregierungen müssten diese Entwicklung stoppen – also dass es weniger Polizistinnen mit mehr Aufgaben gibt. Sie sollte sich stärker als bisher um Bewerber bemühen – aber bitte nicht die Aufnahmekriterien aufweichen. Schließlich müssen Polizisten körperlich und geistig fit sein, um uns gut schützen zu können.

Pentagon bittet den US-Kongress um 200 Milliarden Dollar für den Iran-Krieg 
Das Pentagon fordert 200 Milliarden Dollar vom US-Kongress für den Iran-Krieg. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte: „Diese Zahl könnte sich natürlich noch ändern. Es kostet Geld, die Bösen zu bekämpfen.“ Schätzungen zufolge entstehen dem US-Militär pro Kriegstag gegen den Iran Kosten von rund einer Milliarde US-Dollar. 
tagesschau.de 

Gesetz gegen pornografische Deepfakes in Planung  
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant, das Strafrecht in Bezug auf digitale Gewalt zu verschärfen. So sollen bestehende Lücken geschlossen werden. Die geplante Gesetzesänderung soll nicht nur pornografische KI-Bilder umfassen, sondern Fakes insgesamt, die in Persönlichkeitsrechte eingreifen. So soll das Persönlichkeitsrecht geschützt und Täter abgeschreckt werden, erklärt Hubig.
zeit.de

Das Deutschland-Ticket gilt bundesweit im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr – nicht aber in Zügen des Fernverkehr. (Bild: Thorsten Wagner / Picture Alliance / W2Art)
Bild: Thorsten Wagner / Picture Alliance / W2Art

NRW: Weitere Anklage wegen schadstoffbelasteter Böden
Nach der Anklage gegen einen Müll-Makler legt die Staatsanwaltschaft Dortmund jetzt nach und klagt zwei weitere Verdächtige im sogenannten Ermittlungskomplex „Boden NRW“ an. Sie haben womöglich teils gemeinsame Sache mit dem Makler gemacht.
correctiv.org

Diesen Cartoon teilen:

Justus von Daniels über „Die CORRECTIV-Story“, Erfurt
Beim Erfurter Bücherfrühling spricht unser CORRECTIV-Chefredakteur Justus von Daniels am 24. März über die Geschichte und Idee von CORRECTIV und darüber, warum CORRECTIV Journalismus mit Medienbildung und Technologie verbindet.
Tickets

trümmer-drohnen-dubai-fatima-shbair-picture-alliance-associated-press
Trümmer einer Drohne in Dubai nach dem Angriff auf ein Hotel am 12. März 2026 (Fatima Shbair / Picture Alliance / Associated Press)

So geht’s auch
Immer wieder gibt es Debatten über die Fahrtüchtigkeit von älteren Menschen im Straßenverkehr. In Mettmann soll sich deshalb etwas ändern. Senioren haben dort nun die Möglichkeit, freiwillig an Fahr-Auffrischungskursen teilzunehmen – ohne Prüfung und ohne Druck stellen die Senioren ihre Reaktionsfähigkeit und ihre Fahrkenntnisse auf die Probe. Dies soll die Sicherheit auch für andere Verkehrsteilnehmer steigern.    
wdr.de

Fundstück
Finnland wird zum neunten Mal zum glücklichsten Land der Welt gekürt. Das geht aus einem Bericht des Wellbeing Research Centre der Universität Oxford hervor. Laut Wirtschaftswissenschaftler John Helliwell sind unter anderem gegenseitige Unterstützung und ein funktionierender Sozialstaat entscheidende Glücksfaktoren. Die Finnen seien außerdem gut darin, gesellschaftliche Probleme konsequent anzugehen und an ihrer Lösung zu arbeiten.
tagesschau.de

Autor Box Marcus Bensmann

Ich bin kein bloßer Kulturkatholik. Der christliche Glaube und der Katholizismus sind mir wichtig. Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, Verwandte von mir waren Priester und Nonnen. Meine Jugend habe ich in der Gemeinde verbracht. Dort habe ich erlebt, wie beim Adventskaffee der millionenschwere Unternehmer neben der Frau stand, die sich mit Putzarbeiten ihren Lebensunterhalt verdiente. Gemeinsam bereiteten sie Kaffee und Kuchen für alleinstehende Menschen zu. Wo sonst gibt es solche Räume?

Mit meinem Onkel bin ich oft die 40 Kilometer lange Telgter Wallfahrt gegangen. Dabei habe ich die spirituelle Tiefe erfahren, wenn man bei Sonne und Regen von morgens bis abends einen Schritt vor den anderen setzt, begleitet von Liedern und Gebeten.

In Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ gibt es den Essay des Großinquisitors, der die dialektische Verstrickung der katholischen Kirche zeigt. Er beschreibt, wie die Kirche die Botschaft von Jesus durch die Jahrhunderte trägt und doch ständig gegen diese aufrührerische Botschaft der kompromisslosen Menschenliebe verstößt.

Wie Mortimer in „Maria Stuart“ nach seiner Romreise sagt, habe der Zauber des Vatikans ihn dazu veranlasst, zur katholischen Kirche zu wechseln. In einem katholischen Hochamt zeigt sich das auch mir.

Die katholische Kirche ist zudem das Gegenmodell zur völkischen Ideologie, diesem gefährlichen Trugbild der Homogenität, das sich in immer neuen Formen wie ein Wiedergänger durch die deutsche Rechte zieht, und das vermeintlich Fremde zu vertreiben sucht. Die drei Könige, die zur Krippe kommen, sind die erste diverse Gruppe des Abendlandes. Pfingsten hebt die Aufteilung der Menschen in Rassen und Ethnien auf, die nach dem Turmbau zu Babel begann.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.