Puff!

Bringen die angekündigten Steuerentlastungen uns Verbraucherinnen etwas – oder verpuffen sie? Wir haben die wichtigsten Infos zusammengetragen.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

unsere Bundesregierung hat Anfang der Woche angekündigt, mit Schnellmaßnahmen jetzt die große finanzielle Entlastungswelle für uns Verbraucherinnen und Verbraucher anzuschieben. 

Die versprochenen Maßnahmen werfen aber so viele Fragen auf, dass unser Nachrichtenteam losgezogen ist und alles Wissenswerte zum Thema für Sie zusammengetragen hat. Zum Beispiel: Ist es realistisch, dass Firmen ihren Mitarbeitenden jetzt steuerfrei bis zu 1.000 Euro freiwillig extra auszahlen – als „Entlastungsprämie“? Mehr steht im Thema des Tages.

Und dann ist heute noch dies wichtig: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) war bislang eher zurückhaltend und ist vielen wohl unbekannt. Das dürfte sich jetzt ändern, weil Warken sich gerade massiv unbeliebt bei gesetzlich Versicherten macht. Sie will die Familienmitversicherung zusammensparen. Mehr dazu steht im „Tag auf einen Blick“.

Die nächsten beiden Tage schreiben Ihnen hier meine Kolleginnen und Kollegen. Ich bin beim Internationalen Journalismus-Festival im italienischen Perugia, um neue Ideen für unsere Arbeit zu sammeln. Schreiben Sie in meiner Abwesenheit Ihre Themenvorschläge gern an: spotlight@correctiv.org.

Thema des Tages: Puff!

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Wer ist der beliebteste Regierungschef?

Cartoon-Arena: Die Debatte zur digitalen sexualisierten Gewalt gegen Frauen

CORRECTIV.Faktenforum: Hochradioaktiver Atommüll benötigt mehr Platz als Kristina Schröder behauptet

Gute Sache(n): Was man aus der Geschichte über unsere heutige Welt lernen kann • Hamburg senkt Preis für Deutschlandticket für Senioren • Picasso gewonnen

CORRECTIV ganz persönlich: Ein Wochenende lang gemeinsam Fakten checken

Grafik des Tages: Deutschlandticket spart große Mengen CO2

Aber was bringen die beschlossenen Maßnahmen? Werden sie tatsächlich zu volleren Bankkonten bei den Verbrauchern führen? Unser Nachrichtenteam hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen – nachzulesen in unserem eben veröffentlichten Text.

Stark steigende Kraftstoffpreise
Bundesregierung will steigenden Kraftstoffpreisen entgegenwirken. Quelle: Picture Alliance / Revierfoto

Für jene von Ihnen, die keine Zeit oder Muße haben, sich den kompletten Text durchzulesen, hier ein paar der wichtigsten Ergebnisse.

Steuersenkung beim Sprit:
Wenn davon etwas bei den Autofahrerinnen und -fahrern im Land ankommen sollte, dann wird das noch eine Weile dauern. Die Maßnahme gilt nämlich erst frühestens ab dem 1. Mai. 

Selbst dann ist aber noch nicht absehbar, ob/wie denn genau/wieso die Mineralölkonzerne die Preissenkung denn an die Verbraucher weitergeben sollten. Das könnte nur dann klappen, wenn das Bundeskartellamt ordentlich Druck macht. Das ist jene Behörde, die Marktmacht begrenzen soll. Die Bundesregierung hat sie bereits im März zur besseren Kontrolle der Spritpreise mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet.

Deren Chef schrieb nun aber sinngemäß im Netzwerk Linkedin: Liebe Verbraucher, verlasst euch mal nicht darauf, dass das Bundeskartellamt euch rasch billigen Sprit verschafft. 

Denn: Ein Kartellamts-Verfahren, das untersucht, ob Mineralölkonzerne nun zu Unrecht Preissenkungen NICHT an Verbraucher weiterleiten, dauere lange und sei enorm kompliziert – weil die Ölkonzerne eine Menge von Gründen anführen könnten, warum sie das nicht machen. 

„Wir haben das schon einmal erlebt, beim letzten ‘Tankrabatt’ nach dem Ukraine-Einmarsch Russlands. Kontrolle und Verfahren wären sehr komplex.“
Andreas Mundt
Präsident des Bundeskartellamts

„Entlastungsprämie“ für Angestellte:
Diese von der Bundesregierung geplante Maßnahme wirft die meisten Fragen auf. Die Idee ist, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern freiwillig 1.000 Euro zahlen können – und der Staat dies für die Arbeitgeber attraktiv gestalten will, weil auf die Einmalzahlung keine Steuern und Abgaben anfallen.

Weshalb aber sollten Arbeitgeber die Extra-Summe zahlen?
Die Zahlung ist schließlich freiwillig, es gibt keinen rechtlichen Anspruch darauf. Entsprechend hat sich bisher kaum eine Firma öffentlich zu Wort gemeldet, die eine solche Prämie zahlen will. Ausnahme: die Drogeriekette Rossmann, die allerdings auch nur 500 Euro als Zahlung ankündigte.

Es gibt sogar Kritik aus der Union:
Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte im ZDF-„Morgenmagazin“: Insbesondere Handwerker und Mittelständler empfänden die Prämie als „Hohn“. Sie hätten als Arbeitgeber das Gefühl, dass der Bund damit die Verantwortung für den Geldbeutel der Mitarbeiter bei ihnen abladen wolle.

Kritik an Sparmaßnahmen 
Nachdem Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Sparpläne für die Krankenkassen vorgelegt hatte, hagelt es Kritik von Politik und Verbänden. Der Plan sieht eine Ausgabenbremse für Praxen, Kliniken und die Pharmabranche vor. Ebenso sind höhere Zuzahlungen bei Medikamenten und Einschränkungen bei der Mitversicherung von Ehepartnern geplant. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nennt die Pläne „realitätsfern“. Der Präsident der Bundesärztekammer hält sie hingegen für angemessen.
welt.de

Koalition plant, deutsche Gasquellen zu erschließen 
Die Koalition will ausgewählte heimische Gasvorkommen erschließen. Dies geht aus dem Beschlusspapier gegen die hohen Energiekosten hervor. Franziska Holz, stellvertretende Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, äußert Skepsis. Sie warnt, dass man die Abhängigkeit von fossilem Erdgas weiter verfestige.
n-tv.de

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Im Zwischenlager Ahaus werden seit 1992 ausgediente Brennelemente in Castor-Behältern aufbewahrt (Bild: Guido Kirchner / DPA / Picture Alliance)

So geht’s auch
49 statt 63 Euro: Hamburg senkt den Preis für das Deutschlandticket für Senioren ab Mai. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gilt für die Älteren schon seit Januar ein ermäßigter Preis.
morgenpost.de

Anna Süß

Wir haben den Faktencheck-Prozess zerlegt und verbessert, Methoden ausprobiert. Die Teilnehmenden sind jetzt Community-Guides. Das heißt: Sie unterstützen künftig andere bei der Recherche, geben Tipps, moderieren Diskussionen und erleichtern den Einstieg ins Faktenforum.

Wie gelingt Beteiligung im Netz? Mit der Frage beschäftige ich mich viel. In der Werkstatt wurde das sehr konkret. Mehrere Teilnehmende dachten bisher, ihre Beiträge seien „zu klein“. Reicht es, einen Link zu teilen, eine Bilder-Rückwärtssuche zu machen? In der direkten Zusammenarbeit wurde schnell klar, dass genau diese kleinen Beiträge wichtig sind. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Samira Joy Frauwallner, Till Eckert, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.