Volkswagen bald nur noch „Wagen“?
Unsere aktuelle Recherche zeigt: Die Familien hinter Volkswagen versuchen, die Macht des Landes Niedersachsen einzudämmen.

Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen in der neuen Woche! Hier im SPOTLIGHT geht es ja immer darum: Was von alledem, das sich in den Nachrichten so tut, ist wirklich relevant? Was steht dahinter? Und was hat das mit unserem Leben zu tun?
In den vergangenen Monaten haben wir viel über Politik berichtet, zum Beispiel über den Rechtsruck im Land. Aber vergleichsweise wenig über die Wirtschaft, die ja mit der Politik verwoben ist – und höchst relevant dafür, wohin unser Land steuert. Das ändern wir jetzt: Unser neuer Reporter Martin Murphy, der lange als Investigativ-Mann beim Handelsblatt war, nimmt für Sie unter die Lupe, was sich hinter den Kulissen der Wirtschaftswelt tut und was das politisch bedeutet.
Heute im Thema des Tages: Volkswagen, der größte Arbeitgeber Deutschlands – wie sich dort gerade die Machtverhältnisse verschieben.
Dann noch die Ankündigung für die kommende Cartoon-Arena: Sie haben für ein Thema abgestimmt, bei dem es bestimmt ziemlich spannend wird: Die „Brandmauer“ zur AfD: Hält die Union sie hoch?
Und ein Aufruf: Unser Kinofilm „Akten des Missbrauchs“ ist jetzt im Filmverleih zu haben – das heißt: Kinos aus dem ganzen Land können ihn ausleihen und zeigen.
Wenn Sie wollen, dass der Film in Ihrer Stadt gezeigt wird, dann können Sie selbst Ihr Kino vor Ort ansprechen und eine Vorführung anregen. Mehr Infos hier.
Ich hoffe, Sie sind gut in die Woche gekommen. Schreiben Sie mir gern, was Sie gerade besonders umtreibt: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Volkswagen bald nur noch „Wagen“?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: AfD und die Neonazis: Abgeordnete finanzieren rechtsextremes Treffen
Faktencheck: „Islam-Hüpfburg“: AfD-Politiker behauptet über christliches Fest, es sei muslimisch
CORRECTIV ganz persönlich: CORRECTIV ist an allem Schuld!!!1!
Grafik des Tages: Goldimporte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Deutschland ist ein Autoland: Vom Zustand der Automobilbranche hängt es wesentlich ab, wie gut es dem Land wirtschaftlich geht – schon allein wegen der vielen Arbeitsplätze, die an der Branche hängen: mehr als 720.000, zählt man alle Zulieferer mit. Laut Statistischem Bundesamt war allerdings keine andere Branche zuletzt so stark vom Stellenabbau betroffen wie die Automobilindustrie: Allein im vergangenen Jahr gingen demnach fast 49.000 Jobs verloren.
Woran liegt es?
Vor allem am langsamen Abschied weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität: Die deutschen Autobauer bekommen aus der ganzen Welt starke Konkurrenz von E-Auto-Herstellern. Deshalb sind sie angeschlagen: Sie müssen sich verändern, auf E-Mobilität umstellen, Personal in Deutschland entlassen.
Auf diesem Weg liegen aber einige Stolpersteine, die ihnen der Staat in den Weg legt: Werksschließungen zum Beispiel sind in Deutschland nicht einfach zu machen.
Warum ist hier vor allem VW relevant?
Volkswagen ist der größte deutsche Autobauer mit weltweit 660.000 Mitarbeitern. Er ist von diesem Dilemma noch stärker betroffen als alle anderen – weil der Staat dort nicht nur (anders als zum Beispiel bei Mercedes) die Rahmenbedingungen vorgibt, sondern auch noch mit bestimmt:
Die Familie Porsche/Piëch ist zwar der größte VW-Aktionär, der zweitgrößte ist aber das Land Niedersachsen. Zusammen mit dem Betriebsrat kann es im Aufsichtsrat Vorschläge der Familie kassieren. Über ein speziell geschaffenes VW-Gesetz verfügt Niedersachsen zudem über ein Vetorecht bei der Schließung von Standorten sowie anderen wichtigen Entscheidungen.
Was sich gerade tut:
Gegen diese Konstellation regt sich gerade enormer Widerstand bei VW, und zwar von der Eigentümerfamilie Porsche/Piëch gegen das Land Niedersachsen. Die Familie versucht derzeit unseren Informationen zufolge, die Dominanz von Land und Gewerkschaft einzudämmen.
Hier geht es zu unserem heute veröffentlichten Text.

Was genau geplant ist:
Die Eignerfamilie will die Marke Volkswagen vom Konzern trennen. Eine Entkoppelung hätte zur Folge, dass die Sonderrechte des Staates nur noch auf die dann separierte Marke VW wirken würde.
Was das aus VW-Sicht bringen würde:
– Die Familie will ein Werk schließen, um den Konzern zu sanieren – das wäre durch weniger Einfluss aus der Politik und vom Betriebsrat deutlich einfacher umzusetzen.
– Sie könnte auch Werke ins Ausland verlegen, wenn ihr dies wirtschaftlich als notwendig erscheint.
Weshalb das relevant ist:
Der Machtkampf darum, wer das Sagen im Konzern hat, ist höchst relevant dafür, wie erfolgreich der größte Autohersteller im Land saniert werden kann. Und damit dafür, ob Deutschland auch in Zukunft noch ein Auto-Land ist.
AfD-Kandidat wird Bürgermeister in Brandenburg
Erstmals wurde ein AfD-Kandidat Bürgermeister in Brandenburg. René Stadtkewitz gewann mit 58,4 Prozent die Neuwahl in Zehdenick. Sein stärkster Konkurrent, Stephan von Hundelshausen (FDP), erreichte 28,6 Prozent. Stadtkewitz war bis 2010 CDU-Abgeordneter in Berlin und gründete anschließend die Anti-Islam Partei „Die Freiheit“. 2024 trat er der AfD bei.
spiegel.de
Pistorius besucht Kyiv
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist nach Kyiv gereist, um die Rüstungskooperation zwischen Deutschland und der Ukraine zu vertiefen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung neuer Waffensysteme, die beide Länder enger zusammenarbeiten lassen sollen. Dabei geht es auch um Waffen, die Ziele im Hinterland eines anderen Landes erreichen können. Pistorius hob die militärische Erfahrung der Ukraine hervor, die auch Deutschland zugutekomme.
zeit.de
Der Acht-Stunden-Arbeitstag soll gelockert werden
Die Regierung will den Acht-Stunden-Tag aufweichen. Demnach soll nicht die Anzahl der Wochenstunden steigen, sondern die Stunden über die Woche flexibler verteilt werden. Die Chefin des deutschen Gewerkschaftsbunds Yasmin Fahimi warnt vor der Reform: ‚‚Überlange Arbeitszeiten führen […] zu Erkrankungen, die Wirtschaft und Gesundheitssystem schwer belasten.“ Arbeitsministerin Bärbel Bas kündigte den Gesetzesentwurf für Juni an.
fr.de/br.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

AfD und die Neonazis: Abgeordnete finanzieren rechtsextremes Treffen
NSU-Unterstützerumfeld, „Hammerskins“ oder gewaltbereite Kampfsportler: Beim „Jungeuropa“-Verlagstreffen zeigt sich die AfD so offen wie selten mit rechtsextremen und militanten Aktivisten.
correctiv.org

In dieser Folge mit Benito Bause geht es um die unsichtbare Arbeit, die vor allem Frauen und FLINTA-Personen im Alltag leisten.
tube.funfacts.de

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Lukas Rehm verbreitet Bilder, die angeblich eine islamische Feier vor einer Kirche zeigen sollen. Doch zu sehen ist laut örtlichem Pfarrer das Tauffest einer christlichen Gemeinde in Leipzig.
correctiv.org
Endlich verständlich
Kreml-Chef Wladimir Putin möchte Altkanzler Gerhard Schröder an den Verhandlungstisch für Friedensgespräche holen. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betrachtet den Vorschlag skeptisch, da Schröder in der Vergangenheit als Lobbyist für russische Staatsunternehmen tätig war. Die Bundesregierung sieht Putins Vorschlag als Scheinangebot. Ein erster Glaubwürdigkeitstest wäre, wenn Russland die Waffenruhe verlängert, so die Bundesregierung. CORRECTIV klagte Anfang des Jahres gegen das Kanzleramt, weil Schröder nach seiner Amtszeit Akten mitnahm, die Treffen mit Putin zu den Nordstream-Planungen dokumentierten. Hier nachzulesen.
zdfheute.de
So geht’s auch
Die Zahl der Kinderarbeiter auf den Philippinen ist drastisch gesunken. In den letzten zwei Jahren verringerte sie sich um 40 Prozent, das sind über 300.000 Kinder weniger. Dieser Rückgang resultiert aus mehreren Programmen, bei denen extrem arme Familien Unterstützung von der Regierung erhalten. Weltweit sinkt die Zahl der Kinderarbeiter ebenfalls.
wdr.de
Fundstück
Der Hamburger Hafen feierte am Wochenende seinen 837. Geburtstag. Über eine Million Zuschauer und 250 Schiffe zog es an die Elbe. Ein Weltrekord wurde aufgestellt: Die 30 Meter lange schwimmende Bühne schaffte es ins Guinness-Buch der Rekorde. Am Sonntagabend endete das Fest mit einem Feuerwerk.
ndr.de
Wir reden in Deutschland viel darüber, wie die rechtspopulistische Bubble – nach dem Vorbild Trumps und Orbáns – versucht, systematisch Medien zu delegitimieren. Ich möchte Ihnen heute mal einen Einblick geben, wie wir bei CORRECTIV – als Feindbild Nummer Eins der Rechtsaußen-Bubble – dies erleben.
Drei Beispiele:
1.) „Der niedergebrüllte Jan Josef Liefers“:
Der Schauspieler beteiligte sich während der Corona-Pandemie an der Künstler-Initiative „Alles dichtmachen!“, die Corona-Maßnahmen satirisch kritisierte. Liefers geriet dadurch in den Verdacht, Querdenker zu sein. Darüber sprach er jetzt im Podcast von Matze Hielscher. Er sagte dort nebenbei: Nach dem Launch der Kampagne habe ihn ein Kumpel, der heute bei CORRECTIV arbeitet, angerufen und geraten, sich ergänzend von Rechtsaußen distanzieren.
Die Rechtsaußen-Presse machte aus Liefers Halbsatz dies: Im Grunde habe also CORRECTIV die Cancel-Welle gegen ihn ausgelöst. Nachzulesen etwa bei der Berliner Zeitung. und freudig weiter aufgebauscht bei X zu: „Correctiv-Journalist übte Druck auf Tatort-Star aus“, nachzulesen hier.
2.) „Die Collien Fernandes-Kampagne“
Als die Spiegel-Gruppe über Schauspielerin Collien Monica Fernandes berichtete, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen digitalen Missbrauch vorwirft, sprach Rechtsaußen von Vorverurteilung.
Doch wer steckte hinter dieser Kampagne gegen Ulmen – laut Hetzportal Nius? Nicht nur der Spiegel – sondern u.a. CORRECTIV! Hier nachzulesen.
Grund: Fernandes hatte Monate zuvor eine TV-Doku über das Thema gedreht – und die Journalistin, die diese Doku mit ihr machte, arbeitete DANACH für CORRECTIV.
3.) „Die gecancelte Julia Ruhs“
NDR und BR holten Julia Ruhs als Moderatorin, um konservativer zu wirken. Nach Kurzem entschied der NDR, dass Ruhs nicht mehr dort moderieren sollte. Beim BR durfte sie weitermachen – stilisierte sich aber dennoch zum Opfer woken Cancelns.
Wer steckte EIGENTLICH dahinter, glaubt man der Rechtsaußen-Bubble – diesmal in Form von Axel Springers Welt? Na, CORRECTIV!
Die Geschichte ging so (hier nachzulesen, hinter der Bezahlschranke): Beim NDR hatte es eine interne Diskussion gegeben. Jener NDR-Mitarbeiter, der wohl die meiste Kritik äußerte, hat mal vor Jahren einen Workshop für die CORRECTIV-Bildungssparte Reporterfabrik gegeben. Deshalb war er für Autor Lars Petersen ein CORRECTIV-Mitarbeiter.
CORRECTIV klickt eben offenbar ziemlich gut in der Rechtsaußen-Bubble.

2025 kam so viel Gold aus Dubai in die Schweiz wie seit Jahren nicht. Insgesamt über 400 Tonnen im Wert von fast 39 Milliarden Franken (rund 40 Milliarden Euro). Mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2024. Experten warnen vor einem großen Risiko: Seit drei Jahren herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg mit hunderttausenden Toten, die UNO spricht von der schlimmsten humanitären Lage weltweit. Besonders Gold treibt den Krieg zusätzlich an. Experten fordern ein Verbot von Konfliktgold aus dem Sudan – bislang vergeblich. Mehr dazu gibt es in der Recherche von CORRECTIV.Schweiz.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Pamela Kaethner und Finn Schöneck.
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