Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

Trumps Machtanspruch auf Grönland dominiert seit Wochen die Nachrichtenlage. Weil man leicht den Überblick verlieren kann, weshalb er es überhaupt auf die Insel abgesehen hat und worum es eigentlich geht, klären wir heute im Thema des Tages über die wichtigsten Fragen auf.

Auch an anderer Stelle dreht sich der SPOTLIGHT heute um den Komplex Trump/Zölle/Grönland:

  • Welche Haltung die AfD zur Grönland-Frage hat (und warum dies überhaupt relevant ist) klären wir in „CORRECTIV ganz persönlich“.
  • Ein Jahr Trump (wieder) im Amt: Wie brutal die Abschiebe-Bilanz des US-Präsidenten ist, hat Migrations-Fachmann Carsten Wolf aufgeschrieben.
  • Welchen Ländern schadet der ganze Zoll-Irrsinn, den Trump ausgelöst hat, besonders? Das sehen Sie in der Grafik des Tages.

Und dann will ich mal wieder Ihre Meinungen einsammeln: In unserer Morgenkonferenz warf ein Kollege heute die Frage auf, ob wir alle uns nicht viel zu sehr mit Trump und der Grönland-Frage beschäftigen – und ihm damit auf den Leim gehen. Wie sehen Sie es? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Warum noch mal der Grönland-Streit?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Denkanstoß: Ein Jahr Trump – Das Ende des Einwanderungslands USA

CORRECTIV.Faktenforum: Deutschlandticket: Tiktok-Video erfindet drastischen Preisanstieg für 2026

Gute Sache(n): Wie deutsche Klimaforscher US-Daten retten • Straßenmagazin wird 30 Jahre alt • Unabhängig von US-Tech-Firmen

CORRECTIV ganz persönlich: Grönland-Debatte – die AfD verirrt sich im multipolaren Labyrinth

Grafik des Tages: Wer zahlt wirklich für Trumps Zölle?

Diesmal hat US-Präsident Trump die Aufmerksamkeit der Davos-Welt gekapert; er ist mit einer Riesen-Delegation (laut Medienberichten 300 Leute) in die Schweiz gereist und will dort offenbar noch mal sein aktuelles Lieblingsthema platzieren: Trump will Dänemark dazu bringen, den USA die Arktis-Insel zu verkaufen. Falls Sie nicht mehr mitkommen, was all der Grönland-Irrsinn soll, hier die wichtigsten Fragen beantwortet.

Demonstrierende gestern in Davos. Quelle: picture alliance/KEYSTONE | MICHAEL BUHOLZER

Warum überhaupt die Grönland-Idee?
Sie ist überhaupt nicht neu: Schon 1867, nachdem die Amerikaner dem russischen Zaren Alaska abgekauft hatten, kam erstmals die Idee auf, Dänemark die Insel Grönland abzukaufen. Und Island.

Daraus wurde nichts, das Thema kam aber immer wieder auf. Die Ziele der USA waren immer schon dieselben wie heute: 

  • militärische Kontrolle über den Nordatlantik bekommen, weil Grönland strategisch wichtig liegt (deshalb haben die USA dort ja auch schon lange Truppen stationiert)
  • Zugang zu Rohstoffen (deshalb ist das Ganze jetzt ja Thema auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos)

Wenn Sie tiefer in die Historie eintauchen wollen, empfehle ich Ihnen diese spannende Übersichtsseite des Schweizer Senders SRF.

Um welche Rohstoffe es genau geht:
Um ziemlich viele unterschiedliche: zum einen um seltene Erden – das sind Metalle, die es selten gibt und die man zum Beispiel für Elektroautos und Smartphones braucht. Zum anderen Kupfer, Nickel und Uran.

Warum hat Dänemark diese Rohstoffe denn noch nicht abgebaut?
Weil es schwierig und teuer ist – aufgrund des gefrorenen Bodens. Eine gute Erklärung liefert dieser kurze Fernsehbeitrag des österreichischen ORF.

Trump setzt darauf, der Klimawandel könne den Abbau künftig einfacher machen – und so kämen die USA an die Rohstoffe, die sie vor allem von China wirtschaftlich unabhängiger machen würden. Fachleute sagen allerdings, es würde „Milliarden über Milliarden“ kosten, den Bergbau des Landes vollständig zu erschließen.

Kann die EU den Trump-Plänen wirksam etwas entgegensetzen?
Trump setzt Dänemark und die EU seit Wochen unter Druck. Er versucht, seinen Besitzanspruch mit neuen Zoll-Drohungen durchzudrücken – unter anderem gegen Deutschland und Frankreich. Da die deutsche Wirtschaft stark von Exporten in die USA abhängig ist, ist das erstmal ein Druckmittel, das einschüchtert. Den anderen betroffenen Staaten geht es ähnlich.

Und jetzt? Am Donnerstag will die EU einen Sondergipfel dazu abhalten. Thema dort: ob die EU ihrerseits das zuletzt angekündigte Handelsabkommen mit den USA verschieben will. Eigentlich sollte dieses Abkommen verhindern, dass es zu hohen Zöllen kommt. Nun aber sieht auch Europa Zölle auf US-Produkte als mögliches Druckmittel. 

Umweltverbände äußern Kritik an den Plänen zur E-Autoprämie
Am Montag stellte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) seine Pläne für eine neue E-Auto-Prämie vor. Umweltverbände kritisieren allerdings, dass etwa auch Plug-In-Hybride davon erfasst sind. Dadurch würden Verbrennermotoren subventioniert. 
tagesspiegel.de  

Bulgariens Präsident tritt zurück – um an Neuwahlen teilnehmen zu können 
Bulgariens Präsident Rumen Radew kündigte seinen Rücktritt an. Der Grund dafür sei die anstehende Parlamentswahl, bei der Radew selbst als Kandidat antreten wolle. Einen Termin für die Neuwahlen gibt es noch nicht. In der Zwischenzeit übernimmt die Vizepräsidentin Ilijana Jotowa das Präsidialamt.  
spiegel.de


Die Fakten sagen etwas anderes: US-Forscher gehen davon aus, dass Trump rund 310.000 Abschiebungen zu verzeichnen hat. Das sind weniger als zum Beispiel Obama in seinem ersten Jahr (390.000). Außerdem zählen Forscher rund 600.000 Ausreisen. Alles in allem rund eine Million ausgereiste Migranten.

Das Deutschlandticket gilt bundesweit im öffentlichen Nahverkehr. Über den Preis entscheiden die Länder. (Bild: Thorsten Wagner / Picture Alliance / W2Art)
Das Deutschlandticket gilt bundesweit im öffentlichen Nahverkehr. Über den Preis entscheiden die Länder. (Bild: Thorsten Wagner / Picture Alliance / W2Art)

So geht’s auch
Heute vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe des Straßenmagazins Hempels in Schleswig-Holstein. Obdachlose und armutsbetroffene Menschen schreiben dort von ihrem Leben oder arbeiten als Magazin-Verkäufer. Einer von ihnen ist Thomas Repp. Er ist von Anfang an dabei und erzählt dem NDR: „Vor allem das freie Schreiben von Artikeln am Anfang hat mich sehr stolz gemacht und mir ein stärkeres Selbstbewusstsein gegeben.“
ndr.de 

Fundstück
Von Amazon zur lokalen Buchhandlung: Der Digital Independence Day unterstützt dabei, unabhängiger von US-Tech-Firmen zu werden. Immer am ersten Dienstag im Monat klären Engagierte des Projekt darüber auf, welche Angebote es noch neben denen von Musk, Zuckerberg und Bezos gibt. Mit Events in verschiedenen Städten und sogenannten Wechselrezepten zeigen sie Alternativen zu den Monopolplattformen auf, die erheblich mitbestimmen, wie wir kommunizieren. 
di.day

Autor Box Marcus Bensmann

Viele AfD-Mitglieder unterstützen Wladimir Putin auch nach Russlands offenem Krieg gegen die Ukraine. Nur wenige zeigen Sympathie für das angegriffene Land. 

Nach Donald Trumps Wahl begann in der AfD ein Wettlauf ins Trump-Lager. Beatrix von Storch, Kay Gottschalk und der AfD-Spitzenkandidat für Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, reisten in die USA, um sich über die angebliche Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Deutschland zu beklagen.

Diese Trump-Begeisterung geht einigen Russlandfreunden in der AfD vor allem in Ostdeutschland jedoch zu weit. Nach der Entführung des Präsidenten aus Venezuela distanzierte sich Alice Weidel etwas von Trump, was Kritik der MAGA-Freunde in der AfD  hervorrief. Vielen AfDlern gefiel, wie Nicolas Maduro aus dem Schlafzimmer geholt wurde.

Trumps Griff nach Grönland und mögliche Strafzölle, falls Partner wie Dänemark, Frankreich, Großbritannien oder Deutschland und Dänemark nicht nachgeben, wirbeln die Weltpolitik und die AfD durcheinander. Trump hat klargemacht, dass er vor militärischen Mitteln nicht zurückschreckt.

Jean-Pascal Hohm, Chef der AfD-Jugendbewegung Generation Deutschland, stellte sich auf die Seite Dänemarks. Dafür attackierte ihn der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah mit dem Hinweis, man dürfe Trump nicht verärgern, da er die AfD vor einem Verbotsverfahren bewahren könnte.

Auch der selbsternannte Superdiplomat Markus Frohnmaier, einer von Weidels Stellvertretern im Bundestag, gerät ins Schwimmen. Einst ein Putin-Fan mit bedenklichen Russland-Kontakten, wandelt er sich nun zu einem Trump-Fan. Im Deutschlandfunk drückt er sich mit schiefen Vergleichen (Kanonenbootpolitik bedeutet nicht, Soldaten mit einem Verbündeten in das Land des Verbündeten zu schicken) vor einer klaren Positionierung. Schmallippig bekennt er sich zwar zur Integrität Grönlands und Dänemarks und versucht, Trumps Politik als Bluff abzutun. Dann schlägt er eine „Arktis-Kontaktgruppe“ vor. 

Doch Trump will keine Kontaktgruppe, sondern Grönland. Beispiele aus Kanada und China zeigen: Nur wer sich von Trump nicht einschüchtern lässt, kann Deals machen. Doch wer wie die AfD und Frohnmaier die politische Karriere auf EU-Verachtung stützt, kann nicht plötzlich für die Union sein, wenn diese gebraucht wird. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Till Eckert, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.