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Liebe Leserinnen und Leser,
Trumps Machtanspruch auf Grönland dominiert seit Wochen die Nachrichtenlage. Weil man leicht den Überblick verlieren kann, weshalb er es überhaupt auf die Insel abgesehen hat und worum es eigentlich geht, klären wir heute im Thema des Tages über die wichtigsten Fragen auf.
Auch an anderer Stelle dreht sich der SPOTLIGHT heute um den Komplex Trump/Zölle/Grönland:
- Welche Haltung die AfD zur Grönland-Frage hat (und warum dies überhaupt relevant ist) klären wir in „CORRECTIV ganz persönlich“.
- Ein Jahr Trump (wieder) im Amt: Wie brutal die Abschiebe-Bilanz des US-Präsidenten ist, hat Migrations-Fachmann Carsten Wolf aufgeschrieben.
- Welchen Ländern schadet der ganze Zoll-Irrsinn, den Trump ausgelöst hat, besonders? Das sehen Sie in der Grafik des Tages.
Und dann will ich mal wieder Ihre Meinungen einsammeln: In unserer Morgenkonferenz warf ein Kollege heute die Frage auf, ob wir alle uns nicht viel zu sehr mit Trump und der Grönland-Frage beschäftigen – und ihm damit auf den Leim gehen. Wie sehen Sie es? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Warum noch mal der Grönland-Streit?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Denkanstoß: Ein Jahr Trump – Das Ende des Einwanderungslands USA
CORRECTIV.Faktenforum: Deutschlandticket: Tiktok-Video erfindet drastischen Preisanstieg für 2026
CORRECTIV ganz persönlich: Grönland-Debatte – die AfD verirrt sich im multipolaren Labyrinth
Wie immer im Januar heißt es momentan wieder: In Davos, da ist was los. Wer in der Weltwirtschaft etwas zu vermelden hat, reist dann in den Schweizer Skiort – dort wird auf dem Weltwirtschaftsforum über die großen wirtschaftlichen Themen unserer Zeit diskutiert.
Diesmal hat US-Präsident Trump die Aufmerksamkeit der Davos-Welt gekapert; er ist mit einer Riesen-Delegation (laut Medienberichten 300 Leute) in die Schweiz gereist und will dort offenbar noch mal sein aktuelles Lieblingsthema platzieren: Trump will Dänemark dazu bringen, den USA die Arktis-Insel zu verkaufen. Falls Sie nicht mehr mitkommen, was all der Grönland-Irrsinn soll, hier die wichtigsten Fragen beantwortet.

Warum überhaupt die Grönland-Idee?
Sie ist überhaupt nicht neu: Schon 1867, nachdem die Amerikaner dem russischen Zaren Alaska abgekauft hatten, kam erstmals die Idee auf, Dänemark die Insel Grönland abzukaufen. Und Island.
Daraus wurde nichts, das Thema kam aber immer wieder auf. Die Ziele der USA waren immer schon dieselben wie heute:
- militärische Kontrolle über den Nordatlantik bekommen, weil Grönland strategisch wichtig liegt (deshalb haben die USA dort ja auch schon lange Truppen stationiert)
- Zugang zu Rohstoffen (deshalb ist das Ganze jetzt ja Thema auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos)
Wenn Sie tiefer in die Historie eintauchen wollen, empfehle ich Ihnen diese spannende Übersichtsseite des Schweizer Senders SRF.
Um welche Rohstoffe es genau geht:
Um ziemlich viele unterschiedliche: zum einen um seltene Erden – das sind Metalle, die es selten gibt und die man zum Beispiel für Elektroautos und Smartphones braucht. Zum anderen Kupfer, Nickel und Uran.
Warum hat Dänemark diese Rohstoffe denn noch nicht abgebaut?
Weil es schwierig und teuer ist – aufgrund des gefrorenen Bodens. Eine gute Erklärung liefert dieser kurze Fernsehbeitrag des österreichischen ORF.
Trump setzt darauf, der Klimawandel könne den Abbau künftig einfacher machen – und so kämen die USA an die Rohstoffe, die sie vor allem von China wirtschaftlich unabhängiger machen würden. Fachleute sagen allerdings, es würde „Milliarden über Milliarden“ kosten, den Bergbau des Landes vollständig zu erschließen.
Kann die EU den Trump-Plänen wirksam etwas entgegensetzen?
Trump setzt Dänemark und die EU seit Wochen unter Druck. Er versucht, seinen Besitzanspruch mit neuen Zoll-Drohungen durchzudrücken – unter anderem gegen Deutschland und Frankreich. Da die deutsche Wirtschaft stark von Exporten in die USA abhängig ist, ist das erstmal ein Druckmittel, das einschüchtert. Den anderen betroffenen Staaten geht es ähnlich.
Und jetzt? Am Donnerstag will die EU einen Sondergipfel dazu abhalten. Thema dort: ob die EU ihrerseits das zuletzt angekündigte Handelsabkommen mit den USA verschieben will. Eigentlich sollte dieses Abkommen verhindern, dass es zu hohen Zöllen kommt. Nun aber sieht auch Europa Zölle auf US-Produkte als mögliches Druckmittel.
Sowohl unser Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) als auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigten an, dass wir in Europa klare Kante gegen Trump zeigen wollen. Dennoch, sagte zum Beispiel Klingbeil, sei man weiter zu Gesprächen bereit – unter anderem über Abbaurechte.
Aber kommt man bei Trump mit solchen rationalen Angeboten durch?
Wahrscheinlich kaum. Wie irrational der US-Präsident agiert, zeigt abermals ein Brief, den er jetzt an den norwegischen Premierminister schrieb: Er fühle sich mittlerweile nicht mehr dem Frieden verpflichtet, weil man ihn nicht mit dem Friedensnobelpreis bedacht hat – obwohl er doch „acht Kriege“ beendet habe.
Bundeswehr: Höchste Einstellungsquote seit über zehn Jahren
Nach Angaben des Bundesverteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) dienen in der Bundeswehr nun aktiv 184.ooo Frauen und Männer. Die aktive Truppe ist damit so groß wie seit dem Aussetzen der Wehrpflicht vor zwölf Jahren nicht mehr.
morgenpost.de
Umweltverbände äußern Kritik an den Plänen zur E-Autoprämie
Am Montag stellte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) seine Pläne für eine neue E-Auto-Prämie vor. Umweltverbände kritisieren allerdings, dass etwa auch Plug-In-Hybride davon erfasst sind. Dadurch würden Verbrennermotoren subventioniert.
tagesspiegel.de
Bulgariens Präsident tritt zurück – um an Neuwahlen teilnehmen zu können
Bulgariens Präsident Rumen Radew kündigte seinen Rücktritt an. Der Grund dafür sei die anstehende Parlamentswahl, bei der Radew selbst als Kandidat antreten wolle. Einen Termin für die Neuwahlen gibt es noch nicht. In der Zwischenzeit übernimmt die Vizepräsidentin Ilijana Jotowa das Präsidialamt.
spiegel.de
Man muss Donald Trump beim Wort nehmen. Auch wenn er wirr redet und Fantasie-Zahlen benutzt. Denn er ist jetzt US-Präsident und die Migrationspolitik seines Landes hat er im ersten Jahr in irrem Tempo umgekrempelt. Aber: Er hat immer noch weniger Menschen abgeschoben als zum Beispiel Obama in seinem ersten Jahr.
Sein Versprechen, „Millionen und Abermillionen Menschen“ abzuschieben, hat Trump nicht gehalten. Aber das ist ihm egal. Solche Zahlen dienen ihm mehr als Bild. Trump will die Debatte bestimmen. Und er will Angst verbreiten. Und das hat er geschafft.
Eine Bilanz des ersten Jahres im Amt beim Thema Migration ist schwierig. Denn konkrete Zahlen werden zurückgehalten oder übertrieben. So erklärte Heimatschutzministerin Noem: „Bis Ende 2025 werden 2,5 Millionen illegale Einwanderer das Land verlassen haben.“ Einige deutsche Medien übernahmen diese übertriebenen Zahlen völlig unkritisch.
Die Fakten sagen etwas anderes: US-Forscher gehen davon aus, dass Trump rund 310.000 Abschiebungen zu verzeichnen hat. Das sind weniger als zum Beispiel Obama in seinem ersten Jahr (390.000). Außerdem zählen Forscher rund 600.000 Ausreisen. Alles in allem rund eine Million ausgereiste Migranten.
Aber: In Zukunft wird Trump viel mehr Menschen abschieben und er wird die Migration in die USA stark herunterfahren. Anders als in seiner ersten Amtszeit. Wie bei den Zöllen wird er weiter Gesetze brechen und in Kauf nehmen, dass die amerikanische Wirtschaft massiv leidet. Denn er meint es wirklich ernst…
Was zu erwarten ist, lesen Sie in der vollständigen Version des Denkanstoßes, zu der Sie hier gelangen.

CORRECTIV-Faktenforum

In einem TikTok-Video behauptet ein Mann, die Bundesregierung plane, den Preis für das Deutschlandticket ab Ende 2026 auf 129,99 Euro pro Monat anzuheben. Im Video zeigt er einen angeblichen Artikel, der diese Aussage stützen soll. Doch für eine solche Preiserhöhung gibt es weder einen Beschluss noch bekannte Pläne. Fest steht nur: 63 Euro ab Januar 2026; danach ist eine indexbasierte Erhöhung vorgesehen.
faktenforum.org
Endlich verständlich
Donald Trump kämpft gegen die Klimaforschung – auch mit dem Rotstift. Seine Regierung hat zahlreiche Forschungsgelder für wichtige US-Institute gestrichen. Doch die internationale Gemeinschaft versucht auszuhelfen, um die Forschung dennoch voranzubringen. So zum Beispiel ein Institut in Bremerhaven: Sie sichern historische Klimadaten aus den USA nun auf einer europäischen Plattform.
rnd.de
So geht’s auch
Heute vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe des Straßenmagazins Hempels in Schleswig-Holstein. Obdachlose und armutsbetroffene Menschen schreiben dort von ihrem Leben oder arbeiten als Magazin-Verkäufer. Einer von ihnen ist Thomas Repp. Er ist von Anfang an dabei und erzählt dem NDR: „Vor allem das freie Schreiben von Artikeln am Anfang hat mich sehr stolz gemacht und mir ein stärkeres Selbstbewusstsein gegeben.“
ndr.de
Fundstück
Von Amazon zur lokalen Buchhandlung: Der Digital Independence Day unterstützt dabei, unabhängiger von US-Tech-Firmen zu werden. Immer am ersten Dienstag im Monat klären Engagierte des Projekt darüber auf, welche Angebote es noch neben denen von Musk, Zuckerberg und Bezos gibt. Mit Events in verschiedenen Städten und sogenannten Wechselrezepten zeigen sie Alternativen zu den Monopolplattformen auf, die erheblich mitbestimmen, wie wir kommunizieren.
di.day
Ein zentraler Aspekt meiner Recherchen zur AfD ist das Aufspüren ihrer außenpolitischen Positionen. Zwei Konstanten bleiben: die Verachtung der Europäischen Union und der liberalen Demokratie. Ansonsten herrscht Chaos; die Partei verirrt sich im multipolaren Labyrinth.
Viele AfD-Mitglieder unterstützen Wladimir Putin auch nach Russlands offenem Krieg gegen die Ukraine. Nur wenige zeigen Sympathie für das angegriffene Land.
Nach Donald Trumps Wahl begann in der AfD ein Wettlauf ins Trump-Lager. Beatrix von Storch, Kay Gottschalk und der AfD-Spitzenkandidat für Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, reisten in die USA, um sich über die angebliche Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Deutschland zu beklagen.
Diese Trump-Begeisterung geht einigen Russlandfreunden in der AfD vor allem in Ostdeutschland jedoch zu weit. Nach der Entführung des Präsidenten aus Venezuela distanzierte sich Alice Weidel etwas von Trump, was Kritik der MAGA-Freunde in der AfD hervorrief. Vielen AfDlern gefiel, wie Nicolas Maduro aus dem Schlafzimmer geholt wurde.
Trumps Griff nach Grönland und mögliche Strafzölle, falls Partner wie Dänemark, Frankreich, Großbritannien oder Deutschland und Dänemark nicht nachgeben, wirbeln die Weltpolitik und die AfD durcheinander. Trump hat klargemacht, dass er vor militärischen Mitteln nicht zurückschreckt.
Jean-Pascal Hohm, Chef der AfD-Jugendbewegung Generation Deutschland, stellte sich auf die Seite Dänemarks. Dafür attackierte ihn der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah mit dem Hinweis, man dürfe Trump nicht verärgern, da er die AfD vor einem Verbotsverfahren bewahren könnte.
Auch der selbsternannte Superdiplomat Markus Frohnmaier, einer von Weidels Stellvertretern im Bundestag, gerät ins Schwimmen. Einst ein Putin-Fan mit bedenklichen Russland-Kontakten, wandelt er sich nun zu einem Trump-Fan. Im Deutschlandfunk drückt er sich mit schiefen Vergleichen (Kanonenbootpolitik bedeutet nicht, Soldaten mit einem Verbündeten in das Land des Verbündeten zu schicken) vor einer klaren Positionierung. Schmallippig bekennt er sich zwar zur Integrität Grönlands und Dänemarks und versucht, Trumps Politik als Bluff abzutun. Dann schlägt er eine „Arktis-Kontaktgruppe“ vor.
Doch Trump will keine Kontaktgruppe, sondern Grönland. Beispiele aus Kanada und China zeigen: Nur wer sich von Trump nicht einschüchtern lässt, kann Deals machen. Doch wer wie die AfD und Frohnmaier die politische Karriere auf EU-Verachtung stützt, kann nicht plötzlich für die Union sein, wenn diese gebraucht wird.
Die Wahl in Baden-Württemberg wird zeigen, wie viele Wähler in diesen Zeiten auf einen außenpolitischen Konjunkturritter setzen, und ob man diesen Leuten nicht nur einen Gebrauchtwagen, sondern auch die Sicherheit Europas oder Deutschlands anvertrauen würde.

Donald Trump droht im Grönland-Konflikt erneut mit Zöllen. Wie aber wirken sich die bisherigen Zölle unter seiner Präsidentschaft aus? Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat 25 Millionen Handelsdatensätze analysiert. Das Resultat: Zölle sind schlecht fürs Geschäft – auf beiden Seiten. Europäische und deutsche Unternehmen exportierten erheblich weniger nach Übersee.
Doch die unmittelbaren Kosten für die Zölle tragen die Vereinigten Staaten selbst. Für die rund 200 Milliarden US-Dollar an Mehreinnahmen der US-Zollbehörde mussten vor allem Verbraucher und Importeure in den USA in die Tasche greifen. Verteuerte Produkte, weniger Auswahl: „Die Zölle sind ein Eigentor“, fasst IfW-Forschungsdirektor und Mitautor der Studie Julian Hinz zusammen.
zeit.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Till Eckert, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.
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