
Junge Fußballspieler, die von ihrem Spielerberater wiederholt im Intimbereich berührt wurden – unsere Recherche in dieser Woche hatte eine direkte Konsequenz: Der Berater wurde entlassen.
Wir haben schon oft über Fälle berichtet, in denen es darum geht, die Abhängigkeit einer Person körperlich auszunutzen. In der katholischen Kirche waren es Priester, einen Fall des jahrelangen sexuellen Missbrauchs mehrerer Jugendlicher durch einen Pfarrer haben wir aufgedeckt und verfolgen ihn weiterhin. Im Fußball haben wir das Machtgefälle gegenüber Spielerfrauen beschrieben, wozu im Übrigen gestern ein Verfahren gegen Jérôme Boateng eingestellt wurde. Wir haben zudem allgemein über das Ausmaß häuslicher Gewalt und fehlende Schutzorte in Deutschland recherchiert.
Mittlerweile gibt es vielerorts klare Richtlinien und sinnvolle Aufklärung – nur längst nicht flächendeckend.
Durch die vielen Berichte (nicht nur von uns) über sexuellen Missbrauch oder Gewalt verstärkt sich der Eindruck, dass überall das Übel droht. Das Misstrauen steigt, ob gegenüber Orten wie der Kirche oder Sportkabinen.
Aber es sind nicht die Recherchen, die Misstrauen schüren, sondern die Personen, die ihre Mitmenschen ausnutzen. Auch wenn Berichte erstmal das Gefühl auslösen mögen, dass solche Orte nicht mehr sicher sind, geht es mehr denn je darum, dass diese Institutionen Vertrauen aufbauen. Statt pauschal zu leugnen, sollten sie zu erkennen geben, dass sie die Aufklärung ernst nehmen. Sie sollten durch eine offene Kultur zeigen, dass man sich mit Beobachtungen oder Erfahrungen zu physischer oder psychischer Gewalt intern an Stellen wenden kann.
Denn wir brauchen Vertrautheit in der Gesellschaft; Orte, an denen wir nicht misstrauisch sein müssen, sondern wissen, dass man sich darauf verlassen kann, im Zweifel geschützt zu werden.
An der jüngsten Recherche hat der ehemalige Fußballprofi Jonas Hummels (ja, der Bruder von Mats Hummels) bei uns mitgearbeitet. Er beschreibt im CORRECTIV.Inside weiter unten im heutigen Spotlight exklusiv für Sie, wie es war, über eine Welt zu recherchieren, die viele Jahre sein Zuhause war.
Wir sind am Wochenende weiterhin gut auf der Buchmesse in Leipzig vertreten. Kommen Sie gern vorbei, wenn Sie vor Ort sind! Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende und lassen Sie sich von unseren Empfehlungen der Woche inspirieren.
Ihr
Gegenwehr der Saisonarbeiter
Hart und schlecht bezahlt: das ist Saisonarbeit in der Landwirtschaft in Deutschland. Die Taz hat Levani Idadze getroffen. Der Saisonarbeiter kämpft seit Jahren für Gerechtigkeit, weil er und 22 weitere Arbeiter aus Georgien auf einem Erdbeerfeld am Bodensee arbeiteten, aber keinen Lohn erhielten. Ihr Protest führte zu einem Gerichtsprozess und lenkt die Aufmerksamkeit auf prekäre Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung von Saisonkräften.
Sind alle gleich vor dem Gesetz? (taz.de)
Datensicherheit und US-Sicherheitspolitiker
Nachdem der Chefredakteur der US-Zeitschrift The Atlantic versehentlich in eine Gruppe des Messengerdienstes Signal hinzugefügt wurde, in der unter anderem der US-Vizepräsident JD Vance, der Verteidigungsminister Pete Hegseth und der nationale Sicherheitsberater Mike Waltz sich über einen Militärschlag gegen die Huthi-Miliz im Jemen austauschten, veröffentlicht der Spiegel eine Recherche, in der es um weitere sensible Daten von US-Sicherheitspolitikern geht. Den Kollegen ist es gelungen, an private E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Mike Waltz und Pete Hegseth zu kommen – und das über kommerzielle Anbieter.
Private Daten und Passwörter hochrangiger US-Sicherheitspolitiker stehen im Netz (spiegel.de, €)
Libanon nach dem Krieg
Beirut, früher ein lebendiges Zentrum für Kunst und Musik, steht nach den verheerenden israelischen Angriffen unter Schock. Die Stadt und ihre Vororte sind schwer getroffen, viele Künstler sind geflüchtet, während andere trotz Zerstörung und Verlust weitermachen. Der Film von Arte zeigt, wie die junge Generation von Künstlern im Libanon mit der aktuellen Lage umgeht.
Libanon nach dem Krieg: Der Versuch zu heilen (arte.tv, Video)
Wer für die AfD im Bundestag sitzt
Die AfD-Fraktion im Bundestag hat sich mit 152 Sitzen fast verdoppelt. Auch viele neue Abgeordnete bringen eine umstrittene Vergangenheit mit. Von politisch unerfahrenen Neulingen bis zu rechtsextremen Verbindungen – dieser Blick auf die AfD-Abgeordneten offenbart die verschiedenen Gesichter der Fraktion. Die Zeit hat sich alle Profile angeschaut.
Sittengemälde einer Fraktion (zeit.de, €)
„Piratisierte“ Bücher
Meta und OpenAI stehen in der Kritik: sie nutzen „piratisierte“ Bücher, um ihre Modelle der Künstlichen Intelligenz zu trainieren, ohne dabei für die Nutzung zu bezahlen. Meta bediente sich der illegalen Bibliothek LibGen, um Millionen Bücher für das Modell Llama auszuwerten. Meta hat dafür eine bemerkenswerte Erklärung: Es sei zu teuer für die Nutzungsrechte zu zahlen. Ist ein Buch zu teuer, nehme ich es einfach aus dem Laden mit? Die Urheber der Werke gehen dabei natürlich leer aus.
The Unbelievable Scale of AI’s Pirated-Books Problem (theatlantic.com, Englisch)
„Masterplan“-Doku
Wenn Sie die Dokumentation „Masterplan“ der ARD am Montag noch nicht gesehen haben, empfehlen wir sie hier erneut. Es geht um die Rekonstruktion des Geheimtreffens von Potsdam und den Folgen, die unsere Recherche hatte. Dabei ist auch ein Interview mit Martin Sellner, der sehr klar ausdrückt, wen er alles meint, wenn er über „nicht assimilierte Staatsbürger“ spricht. Das Team um den Regisseur Volker Heise hat auch im Umfeld des Organisators des damaligen Treffens recherchiert und ermöglicht spannende Einblicke in dessen Vergangenheit.
Masterplan – Das Potsdamer Treffen und seine Folgen (daserste.de)
Suchtgefahr trotz sicherem Image
In einer exklusiven Recherche zeigt das Investigativmediums the Examination, wie das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal sein Schmerzmittel Tapentadol als „sichere Alternative“ zu Opioiden bewirbt – trotz deutlicher Hinweise auf dessen Suchtpotenzial. Während die Verschreibungen weltweit zunehmen, häufen sich Berichte über Abhängigkeiten und Todesfälle.
Grünenthal pushed its latest opioid as a safer option. People around the world got hooked. (theexamination.org, Englisch)

CORRECTIV Inside
„Darf ich?“. Diese Frage soll ein Spielerberater mindestens elf Nachwuchsfußballern, gestellt haben, bevor er sie im Intimbereich berührte – die meisten davon waren minderjährig. In unserer Recherche konnten wir mit Fußballern sprechen, die uns davon berichteten, wie der Berater sie, unter dem Vorwand sportmedizinischer Untersuchungen, nackt behandelt habe und dabei in mehr als hundert Fällen intim berührt haben soll. Noch am Abend der Veröffentlichung am Mittwoch erreichte uns die Nachricht seiner Agentur: der Berater wurde von seinen Aufgaben freigestellt.
Seit Mittwoch steht mein Handy nicht mehr still, die Nächte sind kurz.
Ich habe auch Fußball gespielt und kenne die Situationen, in denen sich die Nachwuchsfußballer befanden. Für den Traum einer möglichen Karriere in der Bundesliga muss man viele Opfer bringen – das Scheinwerferlicht, die vollen Stadien und das viele Geld sind aber nur das Endprodukt von einigen wenigen Karrieren. Auf dem Weg dahin haben Berater viel Macht und mit vielen Minderjährigen zu tun. Das wurde den Betroffenen in diesem Fall zum Verhängnis. Die Kinderschutzkonzepte des DFB und der Vereine greifen in diesem Graubereich nicht.
Die letzten Tage haben mich tief bewegt. Ich kannte den Spielerberater persönlich. Zwar bin ich nicht betroffen oder wurde von ihm beraten, aber auch mein ehemaliger Verein, die SpVgg Unterhaching, hatte Spieler, die er betreute. Besonders beeindruckt hat mich die Zusammenarbeit mit CORRECTIV. Ich wusste bereits um die Bedeutung des Journalismus, doch jetzt wurde mir die essenzielle Rolle von Journalistinnen und Journalisten noch deutlicher. Nach unserer Recherche startet CORRECTIV nun eine Umfrage zu Gewalt im Jugendfußball, um das Ausmaß des Problems besser zu verstehen.

„Darf ich?“
Viele, die im Profifußball etwas werden wollten, gingen zu diesem einflussreichen Spielerberater. Elf von ihnen berichten CORRECTIV, was sie in seinem Büro erlebten. Es geht um Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexuellen Handlungen. Noch am Abend der Berichterstattung wurde der Spielerberater von seinen Aufgaben freigestellt. Zudem kündigte die Agentur mögliche rechtliche Schritte gegen ihn an.
correctiv.org
Klimaleugner im Höhenflug
Während die Klimakrise weltweit eskaliert, verschwindet das Thema aus der öffentlichen Debatte. Was dabei übersehen wird: Rechtskonservative vereinnahmen es zunehmend für sich – mit Unterstützung aus dem Trump-Lager.
correctiv.org
Russische Hackergruppe nahm UN-Agentur ins Visier
Cyberangriffe sind gängiges Mittel für Russland, um an Informationen zu kommen. Ziel waren bereits US-Demokraten oder der Bundestag. Nach Recherchen von CORRECTIV hat eine russische Hackergruppe möglicherweise versucht, in das Netz des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen einzudringen.
correctiv.org

Drei Buchtipps zur Leipziger Buchmesse
Wir sind auch in diesem Jahr auf der Buchmesse in Leipzig mit unserem Verlag vertreten. In den vergangenen Monaten haben wir mehrere sehr erfolgreiche Bücher über das Thema „Neue Rechte“ veröffentlicht. Aber unser Programm ist viel breiter. Aus aktuellem Anlass haben wir für Sie heute drei Tipps zusammengestellt.
Im Klassenzimmer der Diktatur
In dieser Graphic Novel erzählen der Journalist Bassel Alhamdo und die Künstlerin Diala aus Syrien, wie sich ihr Leben für immer verändert hat. Beide überwanden Widerstände, durchlebten Revolution, Bürgerkrieg und Flucht. Doch es ist nicht nur ihre Geschichte. Beide kamen aus Syrien zu Correctiv, wo sie intensiv mit uns zusammengearbeitet haben.
shop.correctiv.org • 20,00 €
Erdoğan
Mit der gezeichneten Biografie von Recep Tayyip Erdoğan legen der Journalist Can Dündar und der Zeichner Mohamed Anwar einen Meilenstein der Graphic-Novel-Literatur. Es ist ein Lehrstück über das Leben des türkischen Autokraten, der gerade erst mit der Verhaftung seines größten Konkurrenten unterstrichen hat, was er von Demokratie hält.
shop.correctiv.org (Deutsch)/ shop.correctiv.org (Türkisch) • 25,00 €
Europas Brandstifter: Putins Krieg gegen den Westen
Wladimir Putins Einfluss in Europa wächst. Damit er Russland wieder zu vergangener Größe und Macht führen kann, muss die Westbindung Europas fallen. Seinen Griff nach der Vorherrschaft auf dem Kontinent hat der russische Präsident lange vorbereitet: Über zweieinhalb Jahrzehnte hat Russland unter Putin seine Netzwerke in Europa ausgebaut und Deutschland abhängig gemacht von seinem Gas. In diesem Buch zeichnen wir seinen Weg und seine Strategie nach.
shop.correctiv.org • 23,00 €
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Gesa Steeger und Finn Schöneck.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.