Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

wie rechtsextrem und völkisch ist die AfD im Kern? Die Antwort auf diese Frage ist höchst relevant – für ein mögliches Parteiverbotsverfahren und für künftige Wahlergebnisse. Umso genauer schaut unser Reporterteam auf die Details dessen, was sich in der Partei gerade tut. Momentan gibt es ein paar spannende Entwicklungen – mehr steht im Thema des Tages.

Heute endet die dieswöchige SPOTLIGHT-Cartoon-Arena. Sie können abstimmen, wer diese Woche die Karikaturen-Krone gewonnen hat. Unter den Teilnehmenden verlosen wir Tassen aus unserem CORRECTIV-Shop. Hier sehen Sie noch mal alle Karikaturen der Woche gebündelt. Und hier geht es zur Abstimmung – oder per Klick aufs Bild.

Außerdem heute: Wir hatten uns ja die Domain der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung gesichert und informieren dort fortlaufend über die handelnden Personen und die Inhalte der Stiftung. Jetzt haben wir die Webseite noch mal aktualisiert. In einem Kurzvideo auf Instagram und in unserer Kategorie „Ganz persönlich“ erklären wir noch mal genauer, weshalb wir das machen. Und, was Stiftungschefin Erika Steinbach gegen uns zu unternehmen versucht.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und freue mich auf Ihre E-Mails: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Was ist denn bei der AfD los?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Urteil gegen IS-Anhänger – drei Jahre Jugendstrafe für Tschetschenen

Cartoon-Arena: Wählen Sie heute Ihren Lieblingscartoon

Leserfrage der Woche: Wie können Menschen in Pflegeheimen wählen?

CORRECTIV Events: Was passiert, wenn der Hass regiert?

Faktencheck: Frau mit Zigarette: Woher dieses Symbol des iranischen Widerstands stammt

Gute Sache(n): Stabiler Preis trotz niedriger Gasspeicher-Bestände • Internetsperre im Iran umgehen • Verschiedene Entwürfe von Elternschaft

CORRECTIV ganz persönlich: Wir veröffentlichen neue Infos auf unserer Webseite über die Desiderius-Erasmus-Stiftung

Grafik des Tages: Bürgergeld wird Grundsicherung: Wie viel spart der Staat wirklich?

Weidel und Chrupalla vs. Ehepaar Kotré:
Zwei AfD-Hardliner, Lena Kotré aus dem Landesparlament Brandenburg und ihr Mann Steffen Kotré (Bundestagsabgeordneter), haben vor Kurzem angekündigt, dass sie für nächste Woche den Neonazi Martin Sellner (Mr. Masterplan und Kopf der Identitären Bewegung) zu einer Veranstaltung eingeladen haben. Sellner sollte demnach über „Remigration in Theorie und Praxis“ sprechen.

Jetzt aber sind offenbar die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla dazwischen gegangen (darüber berichtete gestern die WELT). Chrupalla sagte der Zeitung, er gehe davon aus, dass diese Veranstaltung nun nicht stattfinden werde.

Hintergrund der Auseinandersetzung:
Schon letztes Jahr war die Personalie Sellner mehrfach Thema im Bundesvorstand der Partei – und es gab eine Empfehlung an Landesvorsitzende, gemeinsame Auftritte mit ihm zu vermeiden.

Grund ist offenbar, dass man im Bundesvorstand befürchtet: Wenn man zu nah an Sellner mit seinem „Remigrations“-Konzept verortet ist, dann sieht es aus, als ob die Partei als Ganzes in der „Remigrations“-Frage genau da stehe, wo auch Sellner steht. Denn: Wo „Remigration“ draufsteht, steckt meist auch Sellner drin.

Dieser hatte beim Geheimtreffen von Potsdam das Konzept der „Remigration“ auch für Staatsbürger vorgeschlagen. Das bedeutet im Grunde nicht weniger, als Menschen nach rassistischen Kriterien auch mit deutschem Pass („nicht-assimilierte Staatsbürger“) aus Deutschland vertreiben zu wollen. Sellner nutzte dafür den Tarnbegriff „Remigration“ – die über „Anpassungsdruck“ und „maßgeschneiderte Gesetze“ als „Jahrzehnteprojekt“ zur Abwehr der „ethnischen Wahl“ erfolgen solle.

Verfassungsfeindlicher geht es kaum. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht geschrieben, das Konzept nach Sellner sei menschenwürdewidrig.

Deshalb ist es für die Parteispitze enorm wichtig, zumindest nach außen den Schein zu wahren, dass man diese Haltung (zumindest genau so) nicht teile. Als Erster hatte der heutige Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah diese Kehrtwende vollzogen. Krah, der zuvor Sellner noch ideologisch nahegestanden hatte, warnte schon vor Monaten vor Forderungen nach „Remigration“ für Staatsbürger. Sonst drohe ein Parteiverbot. „Finger weg von den Staatsbürgern“, ist Krahs Credo.

Potsdam-Teilnehmer in Österreich:
Während sich hierzulande diese Auseinandersetzung entspinnt, ist ein anderer Potsdam-Treffen-Teilnehmer mit einer großen Delegation nach Österreich gereist, um sich dort mit Leuten von der FPÖ zu vernetzen. Und auf diese Weise sein Image zu pflegen: Ulrich Siegmund, der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt.

Was genau dort los war, haben wir in einem heute veröffentlichten Text dokumentiert.

Vor blauem Hintergrund und einem blauen Herz stehen die FPÖ-Politikerin Marlene Svazek uznd der AfD-Politiker Ulrich Siegmund. Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Quelle: picture alliance: Neumayr Fotografie Christian Leo, Klaus-Dietmar Gabbert)
Eine AfD-Delegation aus dem rechtsextremen Landesverband Sachsen-Anhalt um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund besuchte FPÖ-Politiker wie Marlene Svazek in Österreich. Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Quelle: Picture Alliance / Neumayr Fotografie Christian Leo, Klaus-Dietmar Gabbert)

Weshalb Siegmund das machte?
Offenbar stand diese Reise ebenfalls im Zusammenhang mit dem Richtungsstreit zur Frage, wie er zu Sellners „Remigrations“-Konzept steht. Noch in Potsdam nämlich war Siegmund einer der entschiedenen Redner. Dort hatte er angekündigt, nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wolle er das Straßenbild ändern, etwa ausländische Restaurants unter Druck setzen. Es solle in Sachsen-Anhalt „für diese Klientel möglichst unattraktiv sein zu leben“.

Seit Wahlkampfbeginn tritt er aber gemäßigter auf. Auch auf das Schlagwort „Remigration“ verzichtet Siegmund. Auf seiner Homepage spricht der Spitzenkandidat öffentlich maximal von „Migrationspolitik ohne Kontrolle“ – wohl ein Strategiewechsel, um bei einer breiteren Wählerschaft zu punkten.

Dazu sollte nun wohl auch der Besuch bei der FPÖ beitragen.

Ein Richtungsstreit tobt auch in Nordrhein-Westfalen:
Dort gibt es einen Machtkampf zwischen dem Vorsitzenden des Landesverbandes, Martin Vincentz, und dem „freundlichen Gesicht des NS“, Matthias Helferich aus Dortmund. 

Vordergründig geht es um den offenbar gefälschten Lebenslauf eines Vertrauten des eher moderat wirkenden AfD-Landesvorsitzenden Vincentz. Aber dahinter steckt die Auseinandersetzung zwischen dem AfD-Landesvorsitzenden und dem völkischen Juristen aus Dortmund. Der Landesverband NRW hatte Helferich auch wegen seiner Nähe zu Sellner aus der Partei ausgeschlossen. Jetzt muss das Bundesschiedsgericht entscheiden.  Gleichwohl kann sich Helferich auf die Unterstützung aus dem Weidel-Lager verlassen. 

Mehr dazu steht in diesem aktuellen Nachrichtentext unseres Teams:

Foto: Sebastian Kahnert / picture alliance/dpa

Welche Rolle die Desiderius-Erasmus-Stiftung bei alledem spielt:
Auch auf die Stiftung kommt es an, wenn man sich einen Gesamtüberblick darüber verschaffen will, wie fest die AfD auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Das ist der Grund, weshalb wir von CORRECTIV dokumentieren, wer dort mit welchen Inhalten aktiv ist. 

Auch hierzu haben wir eine spannende neue Info bekommen: Der Potsdam-Teilnehmer Ulrich Vosgerau, ein Rechtsanwalt, der CORRECTIV schon mehrfach Teile der Geheimplan-Berichterstattung untersagen wollte, trat bei der Stiftung in der Vergangenheit als Dozent und Kuratoriumsmitglied auf. 

Nobelpreisträgerin Machado übergibt ihre Medaille 
Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado hat ihre Nobelpreis-Medaille nach eigenen Angaben an US-Präsident Donald Trump überreicht. Mit dieser Geste wollte Machado ihre „Anerkennung für sein einzigartiges Engagement für unsere Freiheit“ zum Ausdruck bringen, sagte sie. Damit bezieht sie sich auf die Gefangennahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.
zeit.de   

US-Flugzeugträger auf dem Weg in den Nahen Osten 
Donald Trump soll nach Medienberichten weitere Militärkräfte in den Nahen Osten verlegen. Wiederholt drohte er zuletzt dem Iran mit möglichen Militäraktionen. Nun sei der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ auf dem Weg in die Region. 
tagesspiegel.de

Der nun verurteilte IS-Unterstützer zu Beginn seines Prozesses im Gerichtssaal. Foto:Christophe Gateau/picture alliance/dpa

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Symbolbild Leserfrage der Woche

Das Wahlrecht ist der zentrale Bestandteil einer Demokratie. So heißt es im Grundgesetz: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ (Art 20 Abs. 2 GG). 

Doch da in Pflegeheimen grundsätzlich pflegebedürftige Menschen leben, ist das Ausfüllen der Wahlunterlagen in einigen Fällen durchaus schwierig. Im Falle von Demenz-Erkrankten zum Beispiel. Wir haben bei der Bundespflegekammer nachgefragt: In Deutschland sind alle Menschen wahlberechtigt, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Auch Demenzerkrankte und Pflegebedürftige fallen unter dieses Gesetz. Demnach werden Bewohner von Pflegeheimen – wie jede andere wahlberechtigte Person – in das Wählerverzeichnis eingetragen und erhalten eine Wahlbenachrichtigung.

Leerstand in der Innenstadt stoppen – aber wie?, Gelsenkirchen
Leerstände prägen viele Ecken in Gelsenkirchen und viele Menschen vor Ort fragen sich, warum sich nichts bewegt. Diskutieren Sie am 22. Januar im SPOTLIGHT Gelsenkirchen, was Stadt und Eigentümer jetzt tun müssen – und welche Ideen Sie für Gelsenkirchen haben.
Anmeldung

Quelle: M. Scott Brauer / Zuma Press / Picture Alliance

So geht’s auch
Die iranische Regierung sorgt mit der Internetsperre dafür, dass die Protestierenden keine unabhängigen Informationen erhalten. Menschen außerhalb des Irans können dabei helfen, die Zensur zu umgehen. Mit der kostenlosen Software „Snowflake“ kann jeder mit PC oder Handy Datenvolumen spenden. Damit können Iranerinnen und Iraner geschützt Informationen austauschen.
wdr.de 


Unsere Recherche dazu möchte Erika Steinbach, die Vorsitzende der Stiftung, nun unterbinden und fordert uns auf, die Website abzutreten. Aber Recherchen einfach löschen, das machen wir nicht. Aufklären und informieren dagegen schon, daher gibt es neue Updates auf unserer Website.

Zum Beispiel zu Udo Hemmelgarn: Recherchen der Rheinischen Post ordnen den AfD-Bundestagsabgeordneten der „Reichsbürger“-Szene zu, was er bestreitet. 2020 untersagte ihm seine Fraktion laut Spiegel für drei Monate Redebeiträge im Bundestag, nachdem er rechten Aktivisten Zugang zum Parlamentsgebäude verschafft hatte. Zuletzt berichteten wir bei CORRECTIV über seine Verbindungen zur MAGA-Bewegung.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Marcus Bensmann, Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.