Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

viele Wochen lang diskutierte die deutsche Öffentlichkeit, ob 500 Milliarden zusätzliche Staatsschulden ein annehmbarer Preis für Investitionen in die Zukunft sind. Bundestag und Bundesrat sagten „Ja“ – seitdem nähern sich Union und SPD einer gemeinsamen Regierungsbildung an. Diese Woche gelangten zahlreiche Dokumente der Verhandlungsgruppen an die Öffentlichkeit, die einen guten Eindruck vermitteln, wo es zwischen den Parteien noch hakt. Sie dokumentieren aber auch, dass das zentrale Zukunftsthema schlechthin, nämlich Klimapolitik, auffallend wenig Priorität bekommt. 

Meine Kollegin und Klima-Expertin Annika Joeres hat sich die Dokumente der Arbeitsgruppen genau angesehen und analysiert für Sie heute im Thema des Tages, was sich daraus über die Klimapläne der möglichen neuen Regierung lernen lässt. 

Außerdem im SPOTLIGHT: Unsere Kollegen von CORRECTIV in der Schweiz haben eine Recherche zu den Schweizer Pensionskassen veröffentlicht. Sie forschen nach, wie genau die Milliardenbeträge der Altersversorgung investiert werden – und ob Nachhaltigkeit dabei eine Rolle spielt. Und: Was uns Leserinnen und Leser bislang über ihre Erfahrungen mit Gewalt im Fußball berichtet haben.

CORRECTIV auf der Buchmesse Leipzig, Foto: Dominik Steiniger

Thema des Tages: Was ist mit Klimapolitik?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Faktencheck: Nein, der Tag der Deutschen Einheit soll nicht abgeschafft werden

Gute Sache(n): Was tun gegen Klimaangst? • Metergenaue Warnungen für Überschwemmungen • Witzige Fotos: Tiere, die Wildkameras entdecken

CORRECTIV-Werkbank: Gewalterfahrungen im Fußballverein

Grafik des Tages: So groß ist Grönland in Wahrheit


Man könnte auch sagen: So wie es mal war, soll es wieder sein. Das EU-weite Verbot für den Verkauf von neuen Verbrennern ab 2035 will die CDU wieder zurückdrehen. Ich selbst besaß in meinem Leben noch kein Auto, nur sehr schicke Fahrräder, habe aber angesichts solcher Pläne Mitleid den PKW-Nutzerinnen und Nutzern, vor allem mit denjenigen, die wenig Geld besitzen: Sie werden künftig das Mineralöl teuer bezahlen müssen. Schließlich müssen wir 98 Prozent unseres Diesels und Benzins importieren – vielfach von autoritären Staaten und abhängig von einem weltweiten Handel, der gerade aus den Fugen gerät. 

Vage Energiepolitik
Auch im Kapitel zur Klima- und Energiepolitik dringt Nostalgie durch. Wind- und Solarkraft, unsere wichtigsten Energiequellen in Deutschland, um von klimaschädlicher Kohle wegzukommen, werden mit vagen Worten bedacht. Bei Atomkraftwerken, die bekanntlich in Deutschland nicht mehr laufen, wird es hingegen sehr konkret: Dort sollen sogar die Rückbauarbeiten der Meiler gestoppt werden. Die ehemaligen AKW-Betreiber sind von dieser Idee nicht begeistert, sie halten eine mögliche Wiederinbetriebnahme für wenig sinnvoll. 

Langes Hoffen auf den Fusionsreaktor
Einziges Projekt, das nicht nostalgisch ist, sondern auf Zukunftshoffnung beruht, ist der Fusionsreaktor. Der kann aber frühestens, so sagen es selbst die ansonsten enthusiastischen Physiker vom Max-Planck-Institut, 2045 laufen. Also dann, wenn Deutschland sich längst klimaneutral versorgen soll.

An dieser Stelle machen wir von der Klimaredaktion ein Versprechen für die Zukunft: In der kommenden Woche publizieren wir eine Recherche darüber, wie teuer es aktuell ist, ein Kernkraft zu bauen und zu betreiben.

Auslandsstudentin in den USA auf offener Straße festgenommen 
In der Nähe einer Universität in Boston wurde eine Studentin von US-Beamten des Heimatschutzes festgenommen und in eine Haftanstalt gebracht. Die Studentin soll sich für die Terrormiliz Hamas eingesetzt haben – so lautet zumindest die offizielle Anschuldigung. 
faz.net

Ostsee: Luftwaffe fängt russisches Aufklärungsflugzeug ab 
Ein russisches Aufklärungsflugzeug näherte sich am Donnerstag dem deutschen Luftraum und reagierte nicht auf Funksprüche. Abfangjäger der deutschen Luftwaffe eskortierten das Flugzeug bis zum Verlassen des NATO-Luftraums. 
spiegel.de

Investigativ: Rendite auf Kosten der Zukunft
Die Schweizer Pensionskassen – wichtige Säulen der Schweizer Altersvorsorge – verwalten pro Jahr über eine Billion Schweizer Franken. Aber wie sie das Geld investieren, ist mehrheitlich unbekannt. CORRECTIV in der Schweiz und das Recherchekollektiv Wav veröffentlichen diese Daten erstmals in einem langfristigen Projekt. Ein Ergebnis: Die Pensionskasse des Kantons Schwyz legt keinen Wert auf Nachhaltigkeit. Sie investiert in einige der weltweit grössten Öl- und Gaskonzerne, teils aus autokratischen Staaten.
bote.ch

Blumen stecken in einer Mauerspalte.
Im letzten Jahr wurde an den Fragmenten der Berliner Mauer der 35. Jahrestag ihres Falls gefeiert (Quelle: Beata Zawrzel / NurPhoto / Picture Alliance)

So geht’s auch
Apropos Klima: In den letzten Jahrzehnten häufen sich auch in Deutschland Starkregenereignisse, die Schadenssummen gehen in die Milliarden. Eine neue Online-Warnkarte soll die Schutzmaßnahmen verbessern und Überschwemmungsgefahren metergenau anzeigen können.
geoportal.de / tagesschau.de    

Fundstück
Das Wochenende kommt. Zeit für lustige Tierfotos. 
watson.ch


Es sind Schilderungen von Mobbing und Ausgrenzung, von Training bis zum Erbrechen, von Wutausbrüchen, die sich gegen Kinder richten, von Body-Shaming. Und von aufgezwungenen Berührungen. Im Fußballverein, durch Trainer und Trainerinnen, Mannschaftskollegen, Verantwortliche im Verein. 

Der DFB veranstaltet heute und morgen zum ersten Mal einen Jugendfußball-Kongress, um eine Strategie zu entwickeln, wie der Vereinsfußball in den Jugendspielklassen wieder attraktiver werden kann. Denn offenbar hören derzeit viele im Jugendalter auf, Fußball zu spielen.

Und Gewalterfahrungen könnten einer der Gründe dafür sein. Das berichten uns schon jetzt ein Dutzend Menschen in unserer Umfrage. Wir wollten vom DFB wissen, wie er dazu steht und ob Gewalt im Jugendfußball Thema beim Kongress sein wird. Der DFB teilte daraufhin mit, dass er unsere Fragen nicht beantworten werde. Ob Maßnahmen gegen Gewalt im Jugendfußball also Teil der neuen Strategie des DFB sein werden, bleibt unklar.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert und Jule Scharun.