Wehrdienst: Bußgeld bei Nichtantwort

Die Bundeswehr sucht dringend Personal. Ein Online-Fragebogen soll dabei helfen. Junge Männer ab 18 Jahren müssen ihn ausfüllen, wer sich weigert oder es vergisst könnte bald zur Kasse gebeten werden.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

die Bundeswehr plant einen großen Personalzuwachs. Stichwort: Verteidigungsfähigkeit stärken. Seit Mitte Januar verschickt sie deshalb die sogenannten Fragebögen zur Wehrerfassung an junge Erwachsene. Dabei geht es unter anderem um den Schulabschluss, den Führerschein, aber auch um die körperliche Fitness. Frauen können antworten, Männer müssen. Doch nicht alle der jungen Herren kommen der Aufforderung nach. Ihnen droht künftig ein empfindliches Bußgeld. 

Wie viele davon nun betroffen sein könnten und wie hoch es ausfällt: Dazu hat meine Kollegin Karolin Arnold, die seit diesem Mai das SPOTLIGHT-Team verstärkt, genauer nachgeforscht und fasst die Ergebnisse im Thema des Tages für Sie zusammen. 

Apropos Verteidigungsfähigkeit: Warum es derzeit ausgerechnet bei neu angeschafften Funkgeräten große Probleme gibt – darum geht es in der neuen Fun-Facts-Folge mit Luise Kinseher, die ich Ihnen empfehlen möchte. 

Die Leserfrage der Woche dreht sich heute noch einmal um das europäische Bezahlsystem Wero – und die Frage, ob es für große Händler hierzulande verpflichtend werden könnte. 

Zum Abschluss noch eine Nachricht in eigener Sache: Vor wenigen Tagen haben Katapult und CORRECTIV gemeinsam eine frei zugängliche Datenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei veröffentlicht. Grundlage hierfür war eine Aufbereitung der Datenbank „Brownarchive“ eines externen Entwicklers. Kurz darauf erhielten wir durch Die Zeit Hinweise darauf, dass die von dem externen Entwickler genutzten und von uns weiter verwendeten Daten möglicherweise auf der Datensammlung der Zeit basierte. Das haben wir unmittelbar überprüft – und die Datenbank vorläufig offline genommen. Die Veröffentlichung in dieser Form entspricht nicht unseren journalistischen und dokumentarischen Standards. Wir bedauern das und entschuldigen uns dafür (mehr dazu hier). 

Thema des Tages: Wehrdienst: Bußgeld bei Nichtantwort

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Insgesamt seien bis Ende April 206.000 Personen angeschrieben worden, so das Verteidigungsministerium – ungefähr die Hälfte davon Männer.

Männer sind dazu verpflichtet den dazugehörigen Online-Fragebogen auszufüllen, Frauen und Personen mit anderem Geschlechtseintrag hingegen nicht. 

Doch offenbar kommen bisher nicht alle Männer dieser Verpflichtung nach – wie viele genau das sind, darüber gab es in der vergangenen Woche ein kleines Zahlenwirrwar. 

Foto: Martin Schutt/picture alliance/dpa
Foto: Martin Schutt/picture alliance/dpa

Wie viele Männer haben den Fragebogen bisher ausgefüllt?
Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sprach am Donnerstag letzter Woche davon, dass 72 Prozent der jungen Männer den Fragebogen fristgerecht, innerhalb von vier Wochen, beantwortet hätten. Bei 28 Prozent der bisher angeschriebenen Männer stehe die Antwort noch aus. Später am Tag veröffentlichte der Spiegel, unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, neue Zahlen. Darin hieß es dann, dass 86 Prozent aller angeschriebenen jungen Männer sich innerhalb der regulären Frist zurückgemeldet hätten. Nach einer ersten Erinnerung hätten weitere fünf Prozent den Fragebogen beantwortet. Das entspricht einer Rücklaufquote von 91 Prozent. 

So weit, so verwirrend. 

Einen Tag später, am 8. Mai, veröffentlichte dann auch das Verteidigungsministerium eine Pressemitteilung. Demnach hätten sich 86 Prozent fristgerecht zurückgemeldet. Nach einer ersten Erinnerung sei die Rücklaufquote dann auf „über 90 Prozent“ angestiegen. Genauer konkretisieren wollte das Verteidigungsministerium die Zahlen auf CORRECTIV-Anfrage nicht – bis der Datenbestand weiter „aufgewachsen“ sei. 

Fest steht aber: Für diejenigen, die den Fragebogen weiterhin nicht ausfüllen, könnte es bald teuer werden. Denn das Verteidigungsministerium kündigte ein Bußgeld an. 

Wie hoch wird das Bußgeld sein?
Nach dem Ende der vierwöchigen Frist wird eine erste Erinnerung verschickt, in der es laut Verteidigungsministerium heißt: „Sollten Sie dieser erneuten Aufforderung, die Bereitschaftserklärung abzugeben, vorsätzlich oder fahrlässig nicht nachkommen, handeln Sie ordnungswidrig, was mit einem Bußgeld geahndet werden kann.“

Derzeit plant das Ministerium ein Bußgeld von bis zu 250 Euro. Wie hoch der Betrag genau ausfällt, soll vom konkreten Fall abhängen. Bei Vorsatz sei es aber durchaus möglich, dass der volle Betrag ausgereizt werde, so hieß es auf einer Regierungspressekonferenz. Das verwaltungsinterne Verfahren werde aktuell ausgearbeitet. Genauere Angaben wollte das Ministerium auf CORRECTIV-Nachfrage nicht machen.

Allerdings wies es darauf hin: Mit dem Bußgeld sei man nicht davon befreit, den Fragebogen auszufüllen. „Weitere mögliche rechtliche Schritte wären ein sogenanntes Zwangsgeld als Vollstreckungsmaßnahme, bis der Fragebogen ausgefüllt ist“, so das Ministerium auf CORRECTIV-Anfrage. 

Was halten die jungen Männer davon: 
Phil Werring von der Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht hat zu dem Bußgeld eine sehr klare Haltung: „Es geht nicht nur darum, wie hoch das Bußgeld am Ende ist, sondern, dass auch 50 Euro für Schülerinnen und Schüler eine große Summe wären. Zudem ist es generell erstmal einschüchternd, wenn man einen Bußgeldbescheid bekommt.“ Das Bußgeld sei ein zusätzliches „Druckmittel“ auch für diejenigen, die den Fragebogen eigentlich nicht beantworten wollen. 

AfD Sachsen-Anhalt will Behördenstellen neu besetzen
Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt die Regierung übernehmen würde, müssten Beamte in der Landesverwaltung um ihre Jobs fürchten. Die Partei plane bereits, nach einem Wahlsieg im September bis zu 200 Stellen neu zu besetzen. „150 bis 200 Stellen erscheinen realistisch“, sagte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund der Mitteldeutschen Zeitung. Hinweis: Derzeit liegt die Partei in Wahlumfragen vorn, für eine eigene Mehrheit reicht es aber rechnerisch noch nicht. Ob sie an der Wahlurne tatsächlich so stark abschneidet wie in den Befragungen, ist fraglich.
mz.de

24 Tote in Kiew – Russland feuert Hunderte Drohnen ab
Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut mit Hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. Dabei kamen mindestens 24 Menschen ums Leben, darunter auch Kinder.  
rp-online.de

Symbolbild Leserfrage der Woche

Doch wie lässt sich Wero in Deutschland bekannter machen? Wir haben beim Bundesfinanzministerium nachgefragt, ob Wero gesetzlich vorgeschrieben werden könnte. Das Ergebnis: 

Die Bundesregierung unterstütze Projekte, die die europäische Autonomie stärken. Doch die Entscheidung, Wero als Zahlungsmethode anzubieten, liege bei den Händlern, schreibt das Ministerium. Ein Gesetz, das Wero vorschreibt, sei demnach nicht geplant. Laut Ministerium bieten bereits einige Banken Wero an, und erste Online-Händler nutzen die europäische Alternative. Zudem plane die European Payments Initiative, Wero noch in diesem Jahr in den stationären Handel zu bringen. 

CORRECTIV auf der re:publica 2026, Berlin
CORRECTIV ist nächste Woche vom 18.-20. Mai auf der re:publica in Berlin dabei – mit unserer Jugendredaktion Salon5, der Reporterfabrik und dem neuen Nachrichten-Comedy-Format „Fun Facts“. Im Mittelpunkt steht ein Anliegen, das uns über unsere redaktionelle Arbeit hinaus antreibt: Medienbildung stärken, Austausch ermöglichen und neue journalistische Formate erlebbar machen.
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Exile Talks: Citizens against Censorship, Berlin
Was versteht man unter moderner Zensur – und wie prägt sie den Alltag von Bürgern in Hongkong, im Iran und in der Türkei? Darüber sprechen Journalisten und Aktivistinnen beim nächsten Exile Talk am 19. Mai.
Anmeldung

KI-generierte Videos, die indisches Essen als unhygienisch darstellen sollen, verbreiten sich auch ohne entsprechenden KI-Hinweis (Symbolbild: H. Leitner / Zoonar / Picture Alliance)
Symbolbild: H. Leitner / Zoonar / Picture Alliance

So geht’s auch
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat laut ARD-Informationen eine europäische Software zur Datenanalyse gekauft. Sie soll eine Alternative zu den umstrittenen Produkten der US-Firma Palantir bieten. 
tagesschau.de


Hintergrund ist eine Umfrage zur Situation von Schulsozialarbeitern, mit der wir herausfinden wollen, was die Beschäftigten in Gelsenkirchen bewegt, was sie belastet und wo die Probleme besonders groß sind. Wir haben die Umfrage an alle Schulsozialarbeiter geschickt, die öffentlich zugängliche Mailadressen haben. Darunter waren auch einige Angestellte der Stadt. In der Stadtverwaltung hat unser Vorgehen offenbar für Unmut gesorgt. Wir stachelten städtische Mitarbeiter dazu an, Dienstgeheimnisse zu verraten, hieß es in dem Telefonat.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert und Finn Schöneck.