Alte Apotheke

Alte Apotheke: Stadt Bottrop korrigiert Angaben nach CORRECTIV-Recherche

Vom Skandal rund um die gepanschten Krebsmittel in der Bottroper Alten Apotheke sind tausende Menschen betroffen. Sie wurden monatelang in Unkenntnis über das Ausmaß des Skandals gehalten. Nun gibt die Stadt zu: Sie wusste etwas früher Bescheid, als bisher zugegeben.

von David Schraven

Apotheker Peter S., Claus Schwarz (ehem. Stadtspiegel-Chef), Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD), CDU-Chef Hermann Hirschfelder (v.l.n.r.)© CORRECTIV

Auf ihrer Pressekonferenz am 10. Oktober 2017 hatte die Stadt Bottrop angegeben, erst am 20. Februar 2017 das Ausmaß des Skandals um die Alte Apotheke erfahren zu haben. Der Bottroper Gesundheitsdezernent Willi Loeven sagte, zu diesem Zeitpunkt sei in einer Besprechung mit der Bezirksregierung Münster ein Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft zu den gepanschten Medikamenten vorgestellt worden, die man Ende November bei der Razzia in der Alten Apotheke beschlagnahmt hatte. Vorher habe die Stadt nichts vom tatsächlichen Ausmaß des Skandals gewusst, betonte Loeven. „Wir haben mit den besten Absichten alle Informationen bekanntgegeben, die wir hatten“, sagte der Gesundheitsdezernent.

Diese Angabe konnte nach Recherchen von CORRECTIV nicht stimmen. So wusste die Stadt Bottrop mindestens seit dem 10. Februar 2017, dass sich der Verdacht gegen den Alten Apotheker Peter S. erhärtet hatte. Das geht aus einem Schreiben der Stadt hervor, das CORRECTIV vorliegt. Das Landesgesundheitszentrum NRW hatte damals ermittelt, dass von den 117 bei der Razzia sichergestellten Medikamenten insgesamt 63 massiv gepanscht waren. Doch die Stadt verriet den Anrufern bei einer Hotline für die Betroffenen des Skandals nicht, dass wesentlich mehr als die ursprünglich gemeldeten fünf Wirkstoffe gepanscht waren. Hunderte, vielleicht tausende Patienten wurden mit falschen Informationen monatelang in Sicherheit gewogen. Erst im Juni 2017 erweiterte die Stadt Bottrop die Liste der möglicherweise gepanschten Mittel und informierte auf ihrer Webseite über die Ausweitung des Skandals – und per Post die Ärzte der betroffenen Patienten. Dies geschah, nachdem CORRECTIV zusammen mit Panorama über die Ausweitung des Skandals berichtet hatte.

Die Stadt Bottrop hat nun die Recherchen von CORRECTIV schriftlich bestätigt und ihre eigenen Angaben revidiert. Tatsächlich will die Stadt nun schon am 9. Februar von der Staatsanwaltschaft Essen über die Zwischenergebnisse der Untersuchungen durch das Landesgesundheitsamt NRW informiert worden sein. Schon damals wusste die Stadt also, dass 63 von 117 Medikamenten mit etlichen Wirkstoffen nachweislich gepanscht gewesen waren, die man am Tag der Razzia beschlagnahmt hatte. Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen hätten ausgestanden. Nach Angaben der Stadt ging die Information von der Staatsanwaltschaft an das Bottroper Rechtsamt. Gestützt auf diese Angaben habe das Rechtsamt der Stadt Bottrop ein Verfahren zum Entzug der Betriebserlaubnis von Peter S. eingeleitet.

Die betroffenen und leidenden Menschen wurden zunächst nicht über den erhärteten Verdacht und die Ausweitung des Skandals informiert. Die Behörden hielten die Menschen monatelang im Dunkeln.

Hier das Dokument, das zeigt, was die Stadt Bottrop nach eigenen Angaben seit dem 9. Februar 2016 über den Skandal wusste. Es stammt aus dem Rechtsamt.

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.