Frau mit Zigarette: Woher dieses Symbol des iranischen Widerstands stammt
Eine Frau zündet sich mit einem Bild des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei eine Zigarette an. Die Aufnahme mit Symbolcharakter verbreitet sich viral. Doch zur Echtheit und dem Aufnahmeort herrscht online teils Unklarheit.
Eine junge Frau steht mit Winterjacke auf einem Gehweg, im Hintergrund sind vorbeifahrende Autos und Schnee zu sehen. In der linken Hand hält sie ein brennendes Foto von Ajatollah Ali Chamenei, dem religiösen und politischen Anführer des Iran, und zündet sich damit eine Zigarette an. Dieses Bild mit Symbolcharakter für die aktuellen Proteste im Iran verbreitete sich ab dem 8. Januar viral in Sozialen Netzwerken und wurde von mehreren Medien aufgegriffen. International ahmten Regierungskritikerinnen und -kritiker die Geste nach oder griffen sie in Illustrationen auf.
Doch über die Echtheit und den Ursprung der Aufnahme herrscht teils Unklarheit: Einige Nutzerinnen und Nutzer vermuten, das Bild sei KI-generiert oder alt. Manche behaupten, das Bild stamme aus dem Iran, andere stellen das in Frage – denn für die Menschen dort ist der Zugang zum Internet aktuell gesperrt.
Das Bild ist echt, stammt jedoch nicht aus dem Iran, sondern aus Kanada, wie unsere Recherche zeigt.

Aufnahme ist echt und zeigt Exil-Iranerin in Kanada
Neben Beiträgen von Nutzerinnen und Nutzer suggerierten auch einige Medien, dass das Bild aus dem Iran stamme. So schrieb etwa der Focus, die Einschränkung des Internets dort habe die junge Frau nicht davon abgehalten, die Aufnahme zu verbreiten. Auch das KI-Modell Grok von X behauptete zunächst, die Aufnahme stamme aus dem Iran.
Die Bild hingegen berichtet, das Foto zeige eine Exil-Iranerin in Kanada. Sie veröffentlichte die Aufnahme am 8. Januar 2025 auf X und teilte später ein Video derselben Szene. Gegenüber dem spanischen Medium The Objective erklärte die Urheberin, ein ähnliches Foto auf X habe sie zu der Protestaktion inspiriert. Auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck auf X reagierte sie bis zur Veröffentlichung nicht. Die Redaktion des Focus reagierte nicht auf einen Hinweis per E-Mail.
Der Journalist Luís Galrão fand den genauen Aufnahmeort. Dass die Aufnahme dort, in Kanada, gemacht wurde, zeigt ein Vergleich mit Google Maps. Im Hintergrund ist die Oak Ridges Bibliothek in Ontario, Kanada zu erkennen (im Bild gelb markiert). Auch der Zaun (rot), der Mülleimer (grün) sowie die Ampeln (orange) und Schilder (blau) stimmen überein:


Aufnahmen aus dem Iran gelangen trotz Internetsperre ins Ausland
Laut der auf Netzsperren spezialisierten Organisation Netblocks ist der Internetzugang im Iran mindestens seit dem 9. Januar fast vollständig gestört. Dennoch gelangen Videos und Bilder der Proteste ins Ausland. Etwa durch Satelliteninternet-Dienste wie Starlink, der auch im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle spielt. Laut dem Wall Street Journal ist Starlink im Iran jedoch verboten und das Regime hat damit begonnen, Nutzerinnen und Nutzer des Dienstes zu verfolgen, um die Verbreitung von Protestvideos zu verhindern.
Über ein Browser-Plugin können Nutzerinnen und Nutzer im Ausland Menschen im Iran helfen, die Blockade zu umgehen, indem sie „Bandbreite spenden“, wie etwa der WDR berichtet.

Die jüngsten Proteste im Iran werden Medienberichten zufolge brutal niedergeschlagen, laut unterschiedlicher Angaben starben tausende Menschen. Einigen Berichten zufolge ebben sie aktuell ab. International fanden solidarische Demonstrationen statt.
Redigatur: Gabriele Scherndl, Paulina Thom