Och nee, jetzt auch noch lustig?
Ein tägliches Nachrichten-Comedy-Format startet – mit CORRECTIV als Medienpartner.

Liebe Leserinnen und Leser,
im Internet geht es stürmisch zu: Rechtsaußen-Netzwerke fluten das Netz mit Hass-Botschaften gegen Zuwanderer und viele andere. Und Putins Trollfabriken kommen hinzu, sie schicken gefälschte Nachrichten und KI-generierte Bilder auf Reisen, die uns verwirren sollen. Kurzum: Das Internet ist kaputt.
Vor einem guten halben Jahr entstand nun bei einer Handvoll bekannter Comedians (und uns) die Idee: Kann man dem nicht etwas entgegensetzen? Weshalb nicht selbst das Netz mit Fakten voll machen – und zwar so aufbereitet, dass es auch Nicht-Nachrichtenjunkies erreicht?
Wir haben lange gewerkelt, und jetzt geht es tatsächlich los. „Fun Facts“ heißt das neue tägliche Nachrichten-Comedy-Format von Künstlern aus dem ganzen Land – und wir sind als journalistischer Partner im Einsatz.
Während Sie den SPOTLIGHT erhalten, sitze ich gerade mit einer Reihe der Macher bei einer Pressekonferenz in Berlin und stelle das Projekt der Presse vor. Mehr dazu im Thema des Tages.
Außerdem:
- Als US-Präsident Trump vor ein paar Wochen Venezuelas Präsident Maduro entführen ließ, hieß es von unserer Bundesregierung: Die Lage sei undurchsichtig und schwer zu beurteilen. Und jetzt? Ist die Regierung zu einem Urteil gelangt, ob die US-Aktion völkerrechtswidrig war? Wir haben nachgefragt.
- Im Denkanstoß berichtet Migrationsexperte Carsten Wolf über eine groß angelegte Studie des Innenministeriums zu Rassismus in Behörden, zu der das BMI offenbar lieber keine Pressekonferenz gab.
Was halten Sie von der Fun-Facts-Idee? Welche Ideen haben Sie dazu? Schreiben Sie mir gerne: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Och nee, jetzt auch noch lustig?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: US-Angriff auf Venezuela: War da was mit dem Völkerrecht?
Denkanstoß: Die Rassismus-Studie, von der Dobrindt nichts hören will
Faktencheck: 4.000 Euro pro Monat für ukrainische Bürgergeldempfänger? Möglich, aber sehr selten
CORRECTIV ganz persönlich: Warum Transparenz oft der erste Schritt zu investigativen Recherchen ist
Grafik des Tages: Trumps Zölle haben US-Handelsbilanzdefizit erwartungsgemäß nicht gesenkt
Seinen Anfang nahm das Ganze im vergangenen Spätsommer: Da passierte in den USA etwas, das die Comedy-Szene weltweit aufschreckte: Präsident Donald Trump setzte den Fernsehsender ABC so unter Druck, dass dieser vorübergehend die Show des Comedians Jimmy Kimmel absetzte.
Das wiederum rief eine Reihe prominenter Comedians in Deutschland auf den Plan, unter anderem Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguru), Sarah Bosetti, Sebastian 23 und Nico Semsrott. Sie und ein paar andere nahmen sich gemeinsam vor, ein tägliches Nachrichten-Comedy-Format auf die Beine zu stellen.
Damals riefen sie auch bei uns an. Sie meinten, CORRECTIV sei doch der richtige Medienpartner für das Projekt. Denn es brauche jeden Tag auch Journalistinnen oder Journalisten, die bei Recherche und Schreiben der Nachrichten unterstützen könnten. Und zwar unabhängig von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatwirtschaft. Das passte auch aus unserer Sicht wie die Faust aufs Auge.
Wie genau?
Es sollte ein großes Netzwerk an Kunst- und Kulturschaffenden aus dem ganzen Land werden, die sich mit den Auftritten abwechseln – und dabei die Reichweite aller beteiligten Comedians, Musikerinnen, Schauspielerinnen nutzen. Plus die von Wissenschaftlern, die ebenfalls mitmachen.
Das Netzwerk ist mittlerweile riesig. Wer schon alles dabei ist, können Sie hier auf der Seite funfacts.de nachlesen. Dort gibt es auch die Tickets. Heute findet in Berlin die Eröffnungsfeier statt und am kommenden Montag geht es los.

So läuft es ab:
Jeden Tag tritt eine andere Künstlerin oder ein anderer Künstler auf einer Bühne auf – abwechselnd in Köln, Hamburg, Berlin und München. Teil des Auftritts ist jeweils das 10- bis 15-minütige Comedy-Segment: die „Fun Facts“.
Das Segment wird mitgefilmt und abends ins Internet geladen: auf die eigene Youtube-Seite und über die Social-Media-Kanäle all jener Künstler, die dabei sind. Auf diese Weise, das ist unsere gemeinsame Hoffnung, soll eine große Reichweite erzielt werden.
Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mithelfen, indem auch Sie das neue Format fleißig weiterempfehlen.
An dem Projekt verdient übrigens niemand groß, bislang zahlen alle drauf, weil sie an die Sache glauben: die Comedians, wir in der Redaktion, all die Beteiligten von Social-Media-Agenturen, Booking-Firmen, PR-Agenturen und so weiter, die dieses Riesenprojekt stemmen.
Die Rolle von CORRECTIV:
Wir haben dafür einen neuen Redakteur eingestellt: Jann-Luca Künßberg, der vergangenes Jahr schon als Reporter für uns im Einsatz war. Er ist jetzt unser Verbindungsmann zwischen CORRECTIV und Fun Facts. Er sitzt morgens bei uns in der Konferenz und hört sich an, was wir für den Tag planen.
Und dann geht er in den jeweiligen „Writers Room“, also die Gag-Schreibe-Stube, und unterstützt bei Recherche und Einordnung – und wird wahrscheinlich zwischendurch immer mal in unserer Klima-, AfD- oder Bildungsredaktion anrufen, um dort Expertenwissen abzuzapfen.
Für uns ist das Projekt eine logische Erweiterung unserer Arbeit. CORRECTIV trägt schon im Namen den Anspruch „Recherchen für die Gesellschaft“. Unsere Inhalte sind kostenlos für alle – und wir möchten, dass möglichst viele Menschen durch unsere investigativen Recherchen, unsere Faktenchecks und unsere journalistischen Einordnungen erreicht werden.
Und das Netzwerk der vielen engagierten Künstlerinnen und Künstlern hilft uns dabei.
Unruhen in Mexiko nach Tod eines Drogenbosses
Nach einem Militäreinsatz in Mexiko starb der wohl mächtigste Drogenboss des Landes, „El Mencho“, an einer Schussverletzung. Eine Sprecherin des Weißen Hauses bestätigte, dass die USA die Operation unterstützten. In mehreren Regionen Mexikos gab es daraufhin mutmaßliche Racheaktionen, auch in Touristenorten brannten Autos und Gebäude. Die Behörden forderten die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen.
welt.de
Dobrindt plant schnellere Aufnahme von Arbeit für Asylbewerber
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will, dass Asylbewerber schneller Arbeit aufnehmen können. „Die beste Integration ist die in die Arbeitswelt. Das Ziel ist Teilhabe durch Tätigkeit“, sagt Dobrindt. Wirtschaftsforscher begrüßen die Initiative des Innenministers. Der Plan sei „klug und längst überfällig“, äußerte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. In der Kritik stand der Minister hingegen zuletzt dafür, Integrationskurse in großem Umfang einzuschränken, wie auch CORRECTIV berichtete.
zeit.de
EU-Parlament will Handelsabkommen mit den USA aussetzen
Eine breite Mehrheit von EU-Abgeordneten sprach sich am Montag dafür aus, das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA zu pausieren. Grund ist die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofes, durch die weite Teile der von Donald Trump verhängten Zölle für unrechtmäßig erklärt wurden.
t-online.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

US-Angriff auf Venezuela: War da was mit dem Völkerrecht?
Nach der US-Intervention in Venezuela kündigte die Bundesregierung eine völkerrechtliche Bewertung an. Fast zwei Monate später liegt sie immer noch nicht vor. SPD und Grüne kritisieren das. Experten weisen auf die Abhängigkeit von den USA hin und fordern einen neuen Realismus.
correctiv.org
Eine neue Studie des Bundesinnenministeriums zeigt erstmals das Ausmaß von strukturellem Rassismus in deutschen Behörden. Doch Minister Dobrindt versucht, um die Studie möglichst wenig Wind zu machen. Dabei enthält sie wichtige Erkenntnisse.
„Versenk es am Freitagnachmittag!“, ist ein beliebter Trick bei Pressestellen. In den USA nennen sie es den „Friday News Dump“. Unliebsame Nachrichten veröffentlicht man am besten am Freitagnachmittag. Wenn alle kurz vorm Feierabend sind. Am Wochenende ist wenig los in den Redaktionen. Und vielleicht ist bis Montag alles vergessen.
Das weiß natürlich auch das Bundesinnenministerium (BMI). Und so versuchte es vor kurzem offenbar, die neue große Studie zu Rassismus in Behörden möglichst geräuschlos zu veröffentlichen. Ohne Pressemitteilung, ohne Pressekonferenz. Nur mit einer spärlichen Kurzmitteilung auf der Website am Freitagnachmittag vor Karneval.
Die „InRa-Studie: Institutionen und Rassismus“ schlägt trotzdem seitdem Wellen. Es ist eine der größten Studien bisher: 13.000 Beschäftigte in Behörden wurden befragt. Gefördert mit 6 Millionen Euro sind 23 Einzelstudien entstanden, die zeigen: Rassismus steckt in vielen behördlichen Strukturen.
Und die Ergebnisse sind teilweise brisant: Da gibt es aus der Ukraine geflohene Roma, die hier nicht anerkannt werden und keine Wohnung bekommen. Anlasslose Polizeikontrollen auf öffentlichen Plätzen, die nur „nicht-weiße“ Jugendliche treffen. Oder das „Augenrollen“ von Sachbearbeiterinnen in der Ausländerbehörde, wenn Asylsuchende noch nicht genügend Deutsch können. So etwas sind Momente, in denen Strukturen in Behörden sichtbar werden, die Muslime, Schwarze Menschen, Geflüchtete oder Roma benachteiligen.
Es sollte eigentlich der große Gegenschlag sein. Die politische Antwort auf die tödlichen Anschläge von Halle und Hanau. Vor fünf Jahren verabschiedete die damalige Bundesregierung ihren „Maßnahmenkatalog gegen Rechtsextremismus und Rassismus“. Horst Seehofer, Dobrindts eigener CSU-Parteifreund, hatte die Studie in Auftrag gegeben. Heute will Innenminister Dobrindt sie lieber nicht an die große Glocke hängen. Es ist ein Dilemma: Was tun, wenn Forscher, die man beauftragt, wirklich forschen. Wohin mit den Ergebnissen?
Warum das der falsche Weg ist und was Behörden aus dieser Studie lernen können, lesen Sie in der vollständigen Version des Denkanstoßes, die Sie hier finden:
correctiv.org.

Bis zu 4.000 Euro pro Monat sollen ukrainische Bürgergeldempfänger bekommen, behauptet René Springer, AfD-Abgeordneter im Bundestag. Das ist zwar möglich, der Anteil liegt aber bei weniger als 0,1 Prozent.
correctiv.org
Endlich verständlich
Trumps Republikaner treiben ein Gesetz für strengere Regeln zur Registrierung bei Wahlen voran – offenbar mit Hintergedanken. Denn der geplante „Save America Act“ würde es vielen Menschen erschweren, ihre Stimme abzugeben. Betroffen wären besonders Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Personen mit geringem Einkommen. Widerstand gibt es zum Beispiel von der „League of Women Voters“ (LWV). Die Organisation informiert über die problematischen Folgen des Entwurfs und setzt sich für die Wahlfreiheit aller Amerikanerinnen und Amerikaner ein. Warum der Gesetzesvorschlag eine Gefahr für die Demokratie ist:
zdfheute.de / npr.org
So geht’s auch
In Berlin ist deutschlandweit das erste Wohnprojekt speziell für queere und lesbische Frauen entstanden. Neben den regulären Wohnungen gibt es eine Pflegewohngemeinschaft für ältere und pflegebedürftige Frauen. Außerdem gibt es im Gebäude einen Saal für Kultur- und Freizeitveranstaltungen. Interessierte können sich online für eine Wohnung bewerben.
watson.de
Fundstück
Bei den Olympischen Winterspielen verschaffte sich ein Hund Zugang zur Langlaufstrecke und löste das Zielfoto aus. Der zweijährige Nazgul war aus der Wohnung gebüxt und rannte zwei Langläuferinnen auf der Zielgeraden hinterher, wahrscheinlich weil er seine Besitzerin suchte, die sich die Wettkämpfe ansah. Diese erkannte ihn auf dem Zielfoto.
spiegel.de
Zu meiner täglichen Arbeit als Bildungsreporterin gehört es, Daten rund um Kitas und Schulen bei Behörden anzufragen, wie ich an dieser Stelle bereits berichtet habe. Manchmal dauert es jedoch erschreckend lange, bis ich eine Antwort bekomme.
Ein Beispiel: Seit Dezember habe ich darum gekämpft, dass ich die Namen aller Startchancen-Schulen in Hessen erhalte. Das 2024 gestartete Förderprogramm von Bund und Ländern gilt als die größte Bildungsinitiative in der Geschichte der Bundesrepublik. Es geht um sehr viel Geld: Insgesamt 20 Milliarden sollen über zehn Jahre investiert werden.
Alle Bundesländer machten bereits vor Monaten bekannt, welche Schulen unterstützt werden – nur Hessen nicht. Das machte mich stutzig und ich fragte das Hessische Kultusministerium nach den Schulen. Eine einfach zu beantwortende Frage, wie ich dachte.
Doch am Ende hat es zwei Monate gedauert und viele E-Mails, Telefonate und Hinweise auf das Presserecht gebraucht, bis ich die Liste endlich bekam. Die Begründung des Hessischen Kultusministeriums für dieses langwierige Hin und Her – es gebe viele verschiedene Förderprogramme und normalerweise veröffentliche das Land Hessen die Namen der beteiligten Schulen nicht.
Das halte ich für falsch. Ich bin fest davon überzeugt, dass Bürgerinnen und Bürger das Recht haben, zu wissen, wie ihre Steuergelder eingesetzt werden. Und dass Transparenz der erste Schritt zu tieferen Recherchen ist.
Nur wenn ich als Journalistin weiß, welche Schulen überhaupt gefördert werden, kann ich dort nachfragen, wie das Startchancen-Programm läuft. Und wie unsere bisherigen Recherchen gezeigt haben, läuft es in vielen Ländern schleppend an.
Die Liste aller Startchancen-Schulen in Hessen können Sie auf der CORRECTIV-Webseite in einer durchsuchbaren Datenbank einsehen.
Ich recherchiere weiter zum Startchancen-Programm. Wenn Sie mir vertraulich von Ihren Erfahrungen erzählen möchten, können Sie mir gerne eine Nachricht an miriam.lenz@correctiv.org schreiben.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat kürzlich den Großteil von Trumps sogenannten Zöllen für unrechtmäßig erklärt. Für seine Wirtschaftspolitik und sein Selbstbild ist das ein herber Schlag. Doch was haben die Zölle eigentlich gebracht? Der US-Präsident rechtfertigte die Maßnahmen damals als Schritt gegen das hohe US-Handelsbilanzdefizit. Das liegt vor, wenn ein Land mehr Waren und Dienstleistungen importiert als es exportiert. Doch viele Ökonomen hatten vorab gewarnt: Zölle sind kein geeignetes Instrument, um den großen Importüberschuss zu reduzieren. Sie würden stattdessen die Verbraucherpreise für viele Produkte nach oben treiben. Sie behielten recht.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Ulrich Kratzer, Jule Scharun und Dilara Schwidder.
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