Falsche Behauptungen zu angeblichem Wahlbetrug in Baden-Württemberg
Markus Krall soll angeblich Wahlbetrug bei der Briefwahl in Baden-Württemberg entlarvt haben. Stimmen seien den Grünen zugeschoben worden. Das ist erfunden und hat Krall auch nicht behauptet.
Rund um die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im März 2026 kursieren online unter dem Schlagwort „Wahlbetrug“ Falschbehauptungen.
Von Youtube aus hat sich ein inzwischen gelöschtes Video des Kanals „Nachrichten Aktuell“ verbreitet, das Manipulation bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg Anfang März 2026 belegen sollte. In der Beschreibung heißt es, der AfD-nahe Autor Markus Krall habe in einem Interview „massiven Wahlbetrug bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg offengelegt“. Stimmen seien „einfach den Grünen gegeben“ worden.
Markus Krall erwähnt Wahlbetrug in dem Video aber mit keinem Wort. Belege für einen Betrug gibt es nicht. Dennoch verbreiteten sich Behauptungen wie diese auch auf Facebook und bei anderen Youtube-Kanälen weiter.
Mehr Stimmen per Briefwahl auch bei den meisten anderen Parteien
Das auf Youtube und Facebook geteilte Video nutzt einen Ausschnitt aus einem längeren Gespräch zwischen Markus Krall und einem Stuttgarter Immobilienmakler, die es am 12. März 2026 auf ihrem Kanal veröffentlichten. Krall hat in der Vergangenheit den Klimawandel in Frage gestellt und Falschbehauptungen über Impfungen verbreitet – doch über Wahlbetrug spricht er in dieser Aufnahme nicht.
Er sagt zwar, dass der Anteil an Stimmen für die Grünen bei der Briefwahl in Baden-Württemberg hoch gewesen sei – das beweist aber keinen Betrug und Krall unterstellt sowas auch nicht. Wir haben Krall gefragt, ob er sich irgendwo anders zu einem angeblichen Wahlbetrug in Baden-Württemberg geäußert hat. Eine Antwort erhielten wir bis zur Veröffentlichung nicht.
Wie uns die Landeswahlleiterin am 20. März bestätigte, gibt es aktuell keine nennenswerten Hinweise oder Verdachtsmomente bezüglich Wahlbetrug bei der Briefwahl zur Landtagswahl.
Anteil an Briefwählern steigt seit Jahren
Von 7,7 Millionen Wahlberechtigten hatten etwa 2 Millionen die Briefwahl beantragt. Laut dem vorläufigen Endergebnis sind die Grünen mit 30,2 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft geworden. Darauf folgte die CDU mit 29,7 Prozent und die AfD mit 18,8 Prozent (Stand: 9. März).
Wie vorläufige Diagramme des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg vom Wahltag am 8. März 2026 zeigen, schnitten die Grünen bei der Briefwahl tatsächlich etwas besser ab als bei der Urnenwahl, das gilt aber noch viel deutlicher für die SPD und die CDU. Ungewöhnlich ist es nicht – bei vergangenen Wahlen war das ähnlich.

Dazu kommt: Die AfD schneidet bei Briefwahlen meist schlechter ab, auch weil ihre Vertreter häufig zum direkten Gang zur Urne auffordern und ihre Wähler eher vor Ort im Wahllokal abstimmen.
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Einer der ersten Verbreiter der Falschbehauptung war der Youtube-Kanal „Nachrichten Aktuell“. Auf eine Anfrage ging der Betreiber inhaltlich nicht ein, das Video wurde jedoch gelöscht.
Redigatur: Gabriele Scherndl, Sarah Thust