Gift im Duschgel

Unsere aktuelle Recherche zeigt: In Drogerien und im Onlinehandel lassen sich Produkte kaufen, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht erinnern Sie sich: Vor ein paar Wochen hat unser Klimateam durch eine Recherche gezeigt, dass Tausende unbekannte und potenziell gefährliche Stoffe in Deutschlands längstem Fluss schwimmen: dem Rhein. Danach fragten wir uns: Wo stecken eigentlich noch gefährliche Chemikalien, die uns im Alltag begegnen – und von denen wir gar nichts wissen?

Davon handelt unsere heute veröffentlichte Story: In Deutschlands Drogeriemärkten stehen reihenweise Produkte, die Stoffe enthalten, die eigentlich verboten sind. Mehr dazu im Thema des Tages.

Außerdem geht es heute weiter mit der Cartoon-Arena zum spannenden und kontroversen Thema: Frauen, die Opfer digitaler Gewalt werden – und Männer, die dies relativieren. Morgen lesen Sie bei uns dann mehr über die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung, uns Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten: Was bringt das – und wie machen es andere Länder? Dazu recherchiert unser Nachrichtenteam gerade unter Hochdruck. Was halten Sie von den aktuellen Plänen der Regierung? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Gift im Duschgel

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Orbán weggezaubert

Cartoon-Arena: Digitale sexuelle Gewalt – und die Beschwichtigungsversuche

Faktencheck: Desinformation rund um Ungarn-Wahl: Orbán hat nicht alle EU-Verträge gekündigt

Gute Sache(n): Abi ab 2027 mit weniger Leistungskursen und mehr Geschichte • Meilenstein beim Meeresschutz • Trump als Jesus – ach ne, Arzt

CORRECTIV ganz persönlich: Was den Schulen in Sachsen-Anhalt blüht, wenn die AfD dort an die Macht kommt

Grafik des Tages: Diese Länder hatten oder haben bereits Übergewinnsteuern

Zu sehen ist ein Schreibtisch mit einem Schminkspiegel. Auf dem Spiegel ist mit pinker Farbe ein Totenkopf gemalt. Auf dem Tisch liegen silberne Tuben, auf denen Glitzergel steht.
Viele Produkte sind trotz Verbot weiterhin im Handel. Illustration: Ivo Mayr / CORRECTIV (KI-generiert)

Um welche Produkte geht es?
In einer Tabelle in unserem Text haben wir Produkte aufgelistet, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, aber trotzdem problemlos zu kaufen sind. Darunter sind Haargels, Haarfärbemittel, ein Deodorant und ein Duschgel. Bekannte Marken wie Nivea, Schwarzkopf und Schauma sind betroffen.

Woran liegt es?
Zum einen an lückenhafter Kontrolle: Die zuständigen Behörden auf Landes- und Kommunalebene prüfen nur stichprobenartig, was in Kosmetikprodukten so alles steckt. 

Zum anderen daran, dass Produkte, die verboten werden, auch danach noch eine Weile verkauft werden dürfen. Und dann liegt es noch daran, dass sich längst nicht jeder Händler an Vorgaben von Gesundheitsbehörden hält.

Was tut sich dazu in der Politik?
Erstaunlicherweise plant die EU gerade, den Verbraucherschutz in diesem Bereich weiter aufzuweichen. Morgen stimmen zwei EU-Parlaments-Ausschüsse zu diesem Thema ab. 

Kritik am Tankrabatt 2.0 von Opposition und Ökonomen 
Die Grünen kritisieren die geplante Senkung der Spritsteuer. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 habe der Tankrabatt nur begrenzt geholfen, sagt der Hamburger Grünen-Chef Leon Alam. Sie fordern stattdessen das Neun-Euro-Ticket und eine Senkung der Stromsteuer. Auch aus den Wirtschaftswissenschaften kommt teils scharfe Kritik, einige Forschende sprechen von „Gießkannenprinzip“ und „purem Aktionismus“.  
sueddeutsche.de / spiegel.de

Erstmals seit 2004: Regierungskonsultation mit der Ukraine 
Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt heute den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin. Auch mehrere Minister beider Länder nehmen teil. Themen der Konsultationen sind die sicherheitspolitische Lage, die NATO und die weitere Unterstützung für die Ukraine.
tagesschau.de

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Viktor Orbán, nachdem er seine Stimme bei der ungarischen Parlamentswahl am 12. April abgab
Foto: Alexander Ryumin / Tass / Picture Alliance

So geht’s auch
Zehn Prozent der Ozeane stehen inzwischen unter Schutz. Laut UN-Umweltprogramm ist das ein zentraler Meilenstein für Biodiversität und Klimaschutz. Doch vom eigentlichen Ziel ist die Weltgemeinschaft noch recht weit entfernt: 30 Prozent der Meere sollen demnach geschützt werden. 
spiegel.de

Fundstück
Auf seinem Social-Media-Portal postete US-Präsident Trump ein KI-generiertes Bild, das selbst vielen Fans zu weit ging: Es zeigte ihn als Jesus. Inzwischen hat er es gelöscht. Trump relativiert dennoch. Er habe nicht erkannt, dass es sich um eine Jesus-Darstellung handelte, er habe es für die Darstellung von ihm als Arzt gehalten. 
n-tv.de


Die Gründe liegen auf der Hand: Weil Schule Ländersache ist, hat sie dort den größten Gestaltungsspielraum. Außerdem bekommt die AfD darüber unmittelbar Zugriff auf das Denken und Fühlen der jungen Generation. Das Programm legt schonungslos offen, was blüht: Täglich vor Schulbeginn wird die Bundesflagge gehisst und die Nationalhymne abgesungen. Disziplin und Frontalunterricht. 

Schule solle fortan kein „Übungsraum für Demokratie“ mehr sein, ist da zu lesen. Sexualkundeunterricht wird abgeschafft, damit nicht weiter „abseitige sexuelle Vorlieben beworben werden“, Kinder mit Beeinträchtigung werden in Förderschulen „separiert“, geflüchtete Kinder in „Sonderklassen“ unterrichtet. Die Schulsozialarbeit wird abgeschafft, weil „funktionierende Familien“ diese überflüssig machen. Es werden von oben vorgegebene einheitliche Lehrmaterialien eingesetzt. Der Schwerpunkt im Geschichtsunterricht soll dann auf Nationalismus und „1813 und 1871“ liegen.

Das für mich Beunruhigende ist, dass die AfD in Sachsen-Anhalt das meiste davon quasi im Handstreich umsetzen kann. Der Grund ist, dass im Schulrecht sehr vieles über Verwaltungsverordnungen geregelt wird und eben nicht über das Schulgesetz. Viele von der AfD geänderte Regelungen würden also gar nicht durch das Parlament gehen und dadurch auch intransparent bleiben. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt und Pamela Kaethner.