China und USA: Profile sammeln mit angeblichem Xi-Jinping-Zitat zu Trump Klicks
Angeblich soll Xi Jinping in Bezug auf US-Präsident Donald Trump gesagt haben, China wolle die Welt von denen befreien, die glauben, sie zu besitzen. Dafür gibt es jedoch keine Belege – das Zitat geht mutmaßlich auf eine unseriöse Webseite zurück.
Auf Facebook und Instagram verbreitet sich ein Zitat von Chinas Präsident Xi Jinping, das dort inzwischen zehntausende Ansichten erhalten hat: „Wir streben nicht danach, die Welt zu kontrollieren, sondern sie von denen zu befreien, die glauben, sie zu besitzen.“ Daneben ist in den Beiträgen ein Foto von US-Präsident Donald Trump zu sehen. Mal kursiert es in deutscher, englischer oder russischer Sprache.
In manchen Beiträgen steht, das Zitat sei nicht verifiziert, „eine Zuschreibung aus dem Internet“. Fakt ist: Es gibt keine Belege dafür, dass das Zitat so öffentlich gefallen ist und eine China-Expertin ordnet ein, warum der Satz auch nicht zu chinesischen Narrativen passt.
Zitat wird Mitte April 2026 zum Lawrow-Besuch in China verbreitet – den Seitenbetreibern geht es um Klicks
Wer nach dem Satz auf Deutsch oder Englisch bei Google, Bing und DuckDuckGo sucht, stößt ausschließlich auf Beiträge in Sozialen Netzwerken. Er taucht in Medienberichten über Reden von Xi Jinping nirgendwo auf, findet sich nicht in offiziellen Transkripten oder in Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Auch eine Suche über die chinesische Suchmaschine Baidu läuft ins Leere.
CORRECTIV.Faktencheck fand mehrere Profile, die Collagen mit dem angeblichen Xi-Jinping-Zitat in unterschiedlichem Stil in deutscher Sprache teilten – im selben Zeitraum als der russische Außenminister Sergej Lawrow Mitte April 2026 Xi Jinping in Beijing besuchte. Beide plädierten dabei laut Medienberichten für mehr Zusammenarbeit und „Multipolarisierung“, also eine Verschiebung der bestehenden Machtverhältnisse.

Dahinter steckt wahrscheinlich „Clickbait“: Einige Social-Media-Profile nutzen den aktuellen Anlass, um das Zitat zu verbreiten und Nutzer zu einer Reaktion zu bewegen – kurzum: sie wollen Klicks. Häufig werden dafür unbelegte oder erfundene Zitate genutzt. Wie Sie diese erkennen, lesen Sie hier.
Zitat verbreitete sich schon vor aktuellen US-Angriffen auf den Iran – auch da gab es keine Belege
Auch Darren Linvill vom Clemson University Media Forensics Hub in den USA schreibt, dass das Zitat angesichts der aktuellen Lage für „Clickbait“ genutzt werde und weist darauf hin, dass es in ähnlicher Weise schon vor einem Jahr verbreitet wurde. In englischer Sprache sei es am 15. Juli 2025 auf der Webseite der Hal Turner Radio Show aufgetaucht – dort hieß es, Xi Jinping habe sich so angeblich vor dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem russischen Außenminister Sergei Lawrow geäußert.
Auf Nachfrage, wann genau Xi Jinping den Satz gesagt haben soll, erhielten wir keine Antwort von der Hal Turner Radio Show. Laut Media Bias Monitor verbreitet die Webseite häufig rechte Propaganda und Verschwörungsmythen.
Tatsächlich traf sich Präsident Xi Jinping im Juli 2025 mit einer Gruppe von Außenministern, darunter Russlands Lawrow. Auch Irans Abbas Araghchi war vor Ort – einen öffentlichen Termin der drei zusammen gab es offenbar nicht. Das angebliche Zitat findet sich weder in Mitteilungen des Außenministeriums Chinas noch in chinesischen Medienberichten – wohl aber sprachen die Minister an diesem Tag über die Stärkung einer „multipolaren Welt“ und kritisierten „Machtpolitik und Schikane“.

Zitat ist laut China-Expertin unwahrscheinlich
Laut Senior Analystin Daria Impiombato vom Mercator-Institut für China-Studien passt das Zitat nicht zu offiziellen chinesischen Regierungs-Narrativen, sondern eher zu Influencer-Profilen, denen es um Aufmerksamkeit geht. Sie könne zwar nachvollziehen, warum das Zitat auf Laien plausibel wirke – für den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas sei die Formulierung aber viel zu konfrontativ. Es sei unwahrscheinlich, dass Xi Jinping so etwas gesagt habe, ohne dass das für Aufregung gesorgt hätte.
„Das ist definitiv nichts, was er oder andere oberste Führungspersönlichkeiten besonders zu diesem speziellen historischen Zeitpunkt äußern würden. China versucht sich aus aktuellen Konflikten herauszuhalten“, so Impiombato. Der Kommunistischen Partei Chinas gehe es nicht darum, die Verantwortung für die Befreiung der gesamten Welt zu übernehmen. Ziel sei es, Chinas Aufstieg als friedlich darzustellen.
Redigatur: Sophie Timmermann, Max Bernhard