Wie rechtsextrem ist die AfD bei Ihnen?

In den 16 Bundesländern wird die Partei als ganz unterschiedlich gefährlich bewertet. Woran liegt das eigentlich?

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

bevor ich heute mit Ihnen ins Tagesthema eintauche, erstmal zwei Sätze zu unserem aktuellen Schreib-Wettstreit „Dowideit gegen die KI“: Gestern haben zwei Drittel von Ihnen meinen Text (den oberen) über die „Fußball-Mafia Fifa“ für den KI-Text gehalten. Das hat mich überrascht. Und noch mehr, dass 65 Prozent von Ihnen den KI-Text besser fanden als meinen.

Kann ich jetzt also den Laptop zuklappen, mich wieder hinlegen und die KI zur Chefredakteurin ernennen? Ich fürchte, das geht nicht, denn: Die KI hat den Text ja nicht allein geschrieben. Gestern habe ich erst meinen eigenen Text geschrieben – und dann recht viel Zeit darauf verwendet, zu prompten: Was genau soll in welchem Absatz stehen? Dann habe ich an ein paar Stellen nachgebessert und natürlich die Fakten gecheckt. 

Zwischendurch gab es noch ein unerwartetes Problem: Bei meiner ersten Anfrage war die KI der Meinung, es finde doch gerade gar keine WM statt, also könne sie auch nichts darüber schreiben. Außerdem wisse sie nichts von politischen Auseinandersetzungen mit Donald Trump. Erst auf mein Beharren (Doch, es läuft gerade eine WM!) schrieb sie mir dann den gewünschten Text. 

Heute versuche ich es also mal anders, ich prompte nur: Als wie rechtsextrem ist die AfD in den verschiedenen Bundesländern eingestuft? Und warum ist das so unterschiedlich? Raten Sie wieder hier mit, welcher Text der KI-Text ist – und welcher Ihnen besser gefällt.

Bild mit KI generiert, gepromptet von Sebastian Haupt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Thema des Tages: Wie rechtsextrem ist die AfD bei Ihnen?

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Ganz Europa rückte in den vergangenen Jahren politisch nach rechts – das bereitet jetzt sogar dem Papst Sorgen. Leo XIV. sagte vor Journalisten in Castel Gandolfo bei Rom: 

„Zu sagen, diesen Migranten schicken wir wieder nach Hause, ist so, als ob wir das Problem einfach vom Hals haben wollen. Das ist unchristlich.“
Papst Leo XIV.

Anlass für seine Aussage war, dass sich in Italien gerade eine neue Partei gegründet hat, Futuro Nazionale, und eines ihrer Kernziele ist die „Remigration“. In Deutschland ist, wie Sie ja wissen, die AfD jene Partei, die in großen Teilen eben dieses politische Ziel verfolgt: in großem Stil Menschen mit Migrationsgeschichte aus Deutschland vertreiben.

Aber: Wie jede Partei ist auch die AfD nicht homogen – längst nicht jedes Parteimitglied und jede Amtsträgerin ist in gleichem Maße fremdenfeindlich. Es braucht einen differenzierten Blick, um der Partei wirksam etwas entgegensetzen zu können.

Diesen Blick gibt es bei uns:
Und zwar in der aktuellen Analyse unserer AfD-Reporterin Lena Köpsell. Sie hat einmal genau unter die Lupe genommen: 

  • Wie stuft der Verfassungsschutz die AfD in den verschiedenen Bundesländern ein?
  • Was sagen die Gerichte dazu?
  • Und was bedeuten noch mal die relevanten Begriffe wie „gesichert rechtsextremistisch“ genau?

Hier geht es zum Text:

Prüffall, Verdachtsfall, gesichert extremistisch: Die AfD wird in den 16 Bundesländern unterschiedlich eingestuft. Foto: picture alliance

Weshalb der genaue Blick auf die Bundesländer relevant ist:
Wie schon gesagt: Zum einen ist ein differenzierter Blick wichtig für eine faire politische Debatte. Das ist aber nicht der einzige Grund. Es geht auch darum, dass ja im Herbst in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gewählt wird.

Wenn dort die AfD an die Macht käme, würde das riesige politische Verschiebungen bedeuten. Unter anderem könnte eine AfD-Landesregierung versuchen, die Verfassungsschutzbehörden für ihre Zwecke zu benutzen – zum Beispiel, um zivilgesellschaftliche Organisationen auszuleuchten und unter Druck zu setzen.

Genau diese Gefahr ist gerade ein riesiges Thema bei den Verfassungsschutzbehörden der Bundesländer.

Bisher schweigen sich die Landesregierungen dazu aus:
Seit heute findet wieder das Treffen der Innenminister der Länder statt. Es wäre zu erwarten gewesen, dass dort über die oben genannte Gefahr gesprochen wird – und darüber, wie sich die Verfassungsschutzbehörden dagegen wappnen.

Zum Beispiel: Ob die Verfassungsschutzbehörden der anderen Länder nun vorbereiten, im Fall einer AfD-Wahl ihre Personen-Datenbanken abzuklemmen – so dass die Behörden etwa aus Sachsen-Anhalt darauf nicht mehr zugreifen können.

Wir haben aber erfahren, dass dies bei der Konferenz überhaupt kein Thema sein wird, zumindest nicht offiziell. Das könnte damit zusammenhängen, dass man der AfD kein zusätzliches Futter geben will, sich als Opfer darzustellen.

Stattdessen wird es bei der Konferenz vorrangig um „Migrationspolitik“ gehen, wie man aus Ankündigungen lesen konnte. Auch das sendet wieder ein Signal in Richtung AfD. Bloß vielleicht kein ganz Kluges. Sondern eher dieses: Schaut, wir nehmen uns eurer Themen an, wir nehmen euch ernst.

Es wirkt dadurch nämlich so …
… als sei Migration das größte Problem, das wir in Deutschland haben. Und übrigens wirkt es auch so, als sei Migration verhandelbar – als könne man sie einfach abschaffen. Das ist aber nicht der Fall. 

Für einen nüchternen Blick empfehle ich Ihnen (und unseren Landesinnenministern), sich das Videointerview anzuschauen, das ich kürzlich mit dem Migrationsexperten Musa Deli geführt habe. Er sagt darin unter anderem diese klugen Sätze:

„Die Politik braucht das ‘Problem’ Migration. Sie braucht keine Lösungen für dieses vermeintliche Problem – denn sie profitiert von der öffentlichen Aufregung.“
Musa Deli
Sozialforscher

***

Thema des Tages, Variante 2
Man könnte meinen, Deutschland wäre nicht mehr in 16 Bundesländer unterteilt, wenn man sich die aktuelle Lage beim Verfassungsschutz und der Alternative für Deutschland (AfD) ansieht. Stattdessen zeigt sich: Ja, es sind immer noch 16 Länder. Nur eben mit einer rechtlich verwirrenden Realität, als würde jeder Landesinnenminister einen eigenen Verfassungsschutz nach seinem Gusto basteln. 

Die Einstufungen variieren so stark wie das Wetter im April – mal sonnig klar („gesichert rechtsextrem“), mal bewölkt-verdächtig („Verdachtsfall“) und hin und wieder scheint es, als gäbe es gar keine Wolken am Horizont.

Fangen wir mal mit den Fakten an:
Das niedersächsische Landesamt für Verfassungsschutz hat Mitte Februar 2026 den dortigen AfD-Landesverband als gesichert rechtsextrem eingestuft. Das war ein Paukenschlag, weil es das erste westdeutsche Bundesland war.

Vor Niedersachsen hatten bereits andere Bundesländer diese Entscheidung gefällt. So gilt seit 2025 auch der Landesverband von Brandenburg als gesichert rechtsextrem. Und schon seit 2023 stufen die Verfassungsschutzbehörden in Sachsen und Sachsen-Anhalt ihre jeweiligen AfD-Verbände auf dieselbe Stufe.

Was ist mit dem Rest Deutschlands?
Dort gelten die lokalen AfD-Vereinigungen entweder noch als Verdachtsfälle oder sie werden gar nicht intensiv beobachtet. 

Und auf Bundesebene sieht es so aus: Nach Klagen der AfD darf der Verfassungsschutz die Bundespartei vorerst nicht als gesichert extremistisch einstufen. Das Hauptverfahren steht noch aus.

Warum also dieses Flickwerk?
Nun, liebe Leserinnen und Leser, hier kommt die eigentliche Frage ins Spiel: Warum unterscheidet der Verfassungsschutz je nach Bundesland? Die Antwort ist einfach kompliziert: Weil es zwei verschiedene Ebenen gibt. Auf der einen Seite steht das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) – zuständig für die Partei auf Bundesebene. Auf der anderen Seite sind die Landesämter für Verfassungsschutz aktiv, die oft unabhängig voneinander arbeiten. 

Das bedeutet konkret: Wenn ein Landesverband besonders auffällig wird, etwa durch radikale Aussagen von Spitzenkandidaten oder die Zusammenarbeit mit offen rechtsextremen Gruppen, dann kann das jeweilige Landesamt separat entscheiden.

Und was heißt das jetzt?
Dass die Bürger wissen müssen: Je nachdem, wo sie wohnen, gelten andere Regeln. In einigen Teilen Deutschlands ist die AfD offiziell eine Gefahr für die Demokratie. In anderen gilt sie nur als verdächtig. Das klingt bizarr, aber es spiegelt wider, wie komplex unser föderales System wirklich ist.

FBI verhinderte offenbar Anschlag auf Trump
Das FBI hat nach eigenen Angaben einen Anschlag auf US-Präsident Donald Trump vereitelt. Am Wochenende nahm die Behörde fünf Männer fest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, ein Mordkomplott geplant zu haben. Die Verdächtigen sollen geplant haben, am Sonntag, Trumps Geburtstag, Regierungsmitglieder mittels Drohnen und Scharfschützengewehren zu töten.
rnd.de

Pistorius unterschreibt Verteidigungsabkommen mit Polen
Deutschland und Polen wollen die Zusammenarbeit in der Verteidigung stärken. Zur Unterzeichnung des entsprechenden Abkommens reiste Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) an diesem Mittwoch nach Warschau. Es sieht eine engere Kooperation bei der Entwicklung militärischer Fähigkeiten und in der Rüstungsindustrie vor. Auch gemeinsame militärische Übungen sind geplant.
tagesschau.de

Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: picture alliance

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Hand hält aufgezogene Spritze, an deren Kanüle sich ein Tropfen bildet
Foto: Mufid Majnun / Unsplash

So geht’s auch 
Der zunehmende Mangel an Süßwasser zwingt Landwirte, umzudenken. In Niedersachsen erprobten Forscher eine zukunftsweisende Technik: Dort gedeihten Tomaten mit aufbereitetem, kommunalem Abwasser – in Deutschland ein Novum. Dabei brauchen die Tomaten nicht einmal zusätzliche Nährstoffe; Phosphor und Stickstoff sind bereits im Wasser enthalten.
nationalgeographic.de

Fundstück
Das Wasserbecken am Lincoln-Denkmal ist wieder grün. Die Sanierungsarbeiten für den ‚‚Reflecting-Pool“ betrugen laut New York Times 16 Millionen Dollar. Eigentlich sollte das Wasser im amerikanischen Blau glänzen. Nun eroberten Algen das Wasserbecken zurück. Die Enten freuen sich, Donald Trump hingegen befindet sich unter Rechtfertigungsdruck.
n-tv.de / spiegel.de

Anna Süß

Online fühlt es sich oft so an, als wären wenige wirklich an Kooperation interessiert. Aber vielleicht unterschätzen wir das? Eigentlich wünschen sich viele Menschen mehr Austausch und Miteinander: auch über Desinformation, über Medien, und darüber, wie wir bessere Debatten führen können. Vielleicht fiel mir der Aufruf im Faktenforum deshalb auf.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt, Lena Köpsell.